GRALSBLÄTTER

Gesammelte Vorträge

von

Abdruschin.

2. Heft.


Inhalt:

1. Verantwortung.

2. Schicksal.

3. Die Erschaffung des Menschen.

4. Der Mensch in der Schöpfung.

5. Erbsünde.

6. Gottessohn und Menschensohn.

7. Gott.

8. Die innere Stimme,


Verantwortung!

Diese Frage ist immer eine der ersten, da die weitaus größte Zahl der Menschen zu gern jede Verantwortung von sich abwälzen und auf irgend etwas anderes als auf sich selbst bürden möchten. Dass dies an sich eine Selbstentwertung ist, spielt ihnen dabei keine Rolle. Hierin sind sie wirklich recht demütig und bescheiden, aber nur, um umso lustiger und skrupelloser daraufzu leben zu können.

Es wäre ja so schön, alle seine Wünsche erfüllen und alle seine Gelüste auch anderen Menschen gegenüber ruhig ungesühnt austoben lassen zu dürfen. Die irdischen Gesetze lassen sich im Notfalle leicht umgehen und Konflikte vermeiden. Geschicktere können sogar unter derem Deckmantel ganz erfolgreiche Fischzüge vornehmen und so manches tun, was keiner näheren Prüfung Stand halten würde, genießen dabei sogar noch oft den Ruf ganz besonders tüchtiger Menschen. Es ließe sich also mit einiger Klugheit eigentlich recht gemütlich seinen eigenen Ansichten entsprechend leben, wenn. ... nicht irgendwo irgendetwas wäre, das ein unbehagliches Empfinden weckte, eine zeitweise aufsteigende Unruhe sich zeigte darüber, dass manches doch schließlich etwas anderes sein könne als das eigene Wünschen es sich formt.

Und so ist es auch! Die Wirklichkeit ist ernst und unerbittlich. Die Wünsche der Menschen können in dieser Beziehung keinerlei Abweichung herbeiführen. Ehern bleibt das Gesetz bestehen: „Was der Mensch säet, das wird er vielfach ernten!“

Diese wenigen Worte bergen und sagen viel mehr, als so Mancher sich dabei denkt. Haarscharf und genau entsprechen diese Worte dem wirklichen Vorgange der in der Schöpfung ruhenden Wechselwirkung. Es könnte kein treffenderer Ausdruck dafür gefunden werden. Genau wie die Ernte das vielfache einer Saat ergibt, so trifft den Menschen stets vervielfältigt das wieder, das er in seinen eigenen Empfindungen erweckt und ausschickt, je nach der Art seiner Gedanken.

Der Mensch trägt also geistig die Verantwortung für alles, was er tut. Diese Verantwortung setzt schon bei dem Entschlusse ein, nicht erst bei der vollbrachten Tat, die ja nur eine Folge des Entschlusses ist. Und der Entschluss ist das Erwachen eines ernsten Wollens!

Ich sagte schon: Es gibt keine Trennung zwischen dem Diesseits und dem sogenannten Jenseits, sondern alles ist nur ein einziges großes Sein. Die ganze gewaltige den Menschen sichtbare und unsichtbare Schöpfung greift wie ein erstaunlichgeschickter, nie versagender Mechanismus ineinander, geht nicht neben einander. Einheitliche Gesetze tragen das Ganze, die Nervensträngen gleich alles durchdringen, zusammenhalten, und sich gegenseitig in steter Wechselwirkung auswirken!

Wenn die Schulen und Kirchen nun dabei von Himmel und Hölle sprechen, von Gott und dem Teufel, so ist das richtig. Falsch aber ist eine Erklärung von lichten und dunklen Mächten, guten und bösen Kräften. Das muss jeden ernsthaft Suchenden sofort in Irrtümer und Zweifel stürzen; denn wo zwei Mächte oder Kräfte sind, müssten logisch auch zwei Herrscher, in diesem Falle also zwei Götter sein, ein guter und ein böser.

Und das ist nicht der Fall!

Es gibt nur einen Schöpfer, einen Gott, und deshalb auch nur eine Kraft, die alles Seiende durchströmt, belebt und fördert!

Diese reine, schöpferische Gotteskraft durchfließt fortwährend die ganze Schöpfung, liegt in ihr, ist untrennbar von ihr. Überall ist sie zu finden: in der Luft, in jedem Wassertropfen, in dem wachsenden Gestein, der strebenden Pflanze, dem Tier, und natürlich auch dem Menschen. Es gibt nichts, wo sie nicht wäre.

Und wie sie alles durchflutet, so durchströmt sie auch ohne Unterlass den Menschen. Dieser ist nun derart konstruiert, dass er einer Linse gleicht. Wie eine Linse die sie durchströmenden Sonnenstrahlen sammelt und konzentriert weiterleitet, sodass die wärmenden Strahlen auf einen Punkt sich vereinigt sengen, und zündend Feuer entflammen, so sammelt der Mensch durch seine besondere Beschaffenheit die durch ihn strömende Schöpfungskraft durch seine Empfindung und leitet sie konzentriert weiter durch seine Gedanken.

Je nach der Art dieses Empfindens und der damit zusammen-hängenden Gedanken lenkt er also die selbsttätig wirkende schöpferische Gotteskraft zu guter oder zu böser Auswirkung!

Und das ist die Verantwortung, die der Mensch tragen muss!

Ihr, die Ihr oft so krampfhaft sucht, den rechten Weg zu finden, warum macht Ihr es Euch so schwer? Stellt Euch in aller Einfachheit das Bild vor, wie die reine Kraft des Schöpfers durch Euch fließt und Ihr sie lenkt mit Eueren Gedanken nach der guten oder nach der schlechten Richtung. Damit habt Ihr ohne Mühe und ohne Kopfzerbrechen alles! Überlegt, dass es an Euerem einfachen Empfinden und Denken liegt diese gewaltige Kraft nun Gutes oder Übles hervorrufen wird. Welche fördernde oder verderbenbringende Macht ist Euch damit gegeben!

Ihr braucht Euch dabei nicht anzustrengen, dass der Schweiß auf die Stirne tritt, braucht Euch nicht an eine sogenannte okkulte Übung anzukrampfen, um durch alle möglichen und unmöglichen körperlichen und geistigen Verkrümmungen irgend eine für Eueren wahren geistigen Aufschwung völlig nichtssagende Stufe zu erreichen

Lasst ab von dieser zeitraubenden Spielerei, die schon so oft zur peinigenden Quälerei geworden ist, die nichts anderes bedeutet, als die früheren Selbstgeißelungen und Kasteiungen in den Klöstern. Es ist nur eine andere Form derselben, die Euch ebensowenig Gewinn zu bringen vermögen.

Die sogenannten okkulten Meister und Schüler sind moderne Pharisäer! In dem wahrsten Sinne des Wortes. Sie geben das getreue Spiegelbild der Pharisäer zu der Zeit Jesus von Nazareth.

Mit reiner Freude denkt daran, dass Ihr mühelos durch Euer einfaches, gutwollendes Empfinden und Denken die einzige und gewaltige Schöpfungskraft zu lenken vermögt. Genau in der Art Eueres Empfindens und Euerer Gedanken wirkt sich die Kraft dann aus. Sie arbeitet allein, Ihr braucht sie nur zu lenken. Und das geschieht in aller Einfachheit und Schlichtheit! Dazu bedarf es keiner Gelehrsamkeit, nicht einmal des Lesens und des Schreibens. Es ist jedem von Euch in gleichem Maße gegeben! Darin besteht kein Unterschied.

Wie ein Kind spielend an dem Schalter einen elektrischen Strom einzuschalten vermag, der ungeheuere Wirkungen ausübt, so ist es Euch geschenkt, durch Euere einfachen Gedanken göttliche Kraft zu lenken. Ihr könnt Euch darüber freuen, könnt darauf stolz sein, sobald Ihr es benützt zum Guten aber zittert, wenn Ihr es nutzlos vergeudet oder gar zu Unreinem verwendet! Denn den in der Schöpfung ruhenden Gesetzen der Wechselwirkung könnt Ihr nicht entgehen. Und hättet Ihr Flügel der Morgenröte, die Hand des Herrn. dessen Kraft Ihr damit missbrauchet, würde Euch durch diese selbsttätig arbeitende Wechselwirkung treffen, wo ihr Euch auch verbergen wolltet.

Was folgert Ihr aus der vorangegangenen Erklärung? Dass das Böse mit der gleichen reinen, göttlichen Kraft bewirkt wird wie das Gute! Selbst Lucifer vermag nur mit der reinen Gotteskraft zu wirken, da er selbst keine Kraft besitzt! Er lenkt sie wie jeder seiner Helfer nur zum Bösen und die ganze rückwirkende Schwere hält ihn in der Tiefe.

Und diese Jedem freigestellte Art der Verwundung dieser einheitlichen Gotteskraft birgt die Verantwortung in sich, der

niemand zu entrinnen vermag. Deshalb rufe ich jedem Suchenden nochmals zu: „Halte den Herd Deiner Gedanken rein, Du stiftest damit Frieden und bist glücklich!“

Frohlocket, Ihr Unwissenden und Schwachen; denn Euch ist dieselbe Macht gegeben wie den Starken! Macht es Euch also nicht zu schwer! Vergesst nicht, dass die reine selbstschaffende Gotteskraft auch durch Euch strömt, und dass auch Ihr als Menschen befähigt seid, dieser Kraft eine bestimmte Richtung zu geben durch die Art Euerer inneren Empfindungen, also Eueres Wollens zum Guten wie zum Bösen, verheerend oder aufbauend, Freude oder Leid bringend!

Da es nur diese eine Gotteskraft gibt, klärt sich auch damit das Geheimnis, warum das Dunkel vor dem Lichte, das Übel vor dem Guten in jedem ernsten Endkampfe weichen muss. Lenkt Ihr die Gotteskraft zum Guten, so bleibt sie in ihrer ursprünglichen Reinheit ungetrübt und entwickelt dadurch eine viel stärkere Kraft, während mit der Trübung ins Unreine gleichzeitig eine Schwächung vor sich geht. So wird in einem Endkampfe die Reinheit der Kraft immer durchschlagend wirken und ausschlaggebend sein.

Wird es Euch nun noch so schwer, den rechten Weg zu finden? Gut zu sein oder böse? Was gut ist und was böse, das fühlt ein Jeder bis in die Fingerspitzen, unausgesprochen. Darüber zu grübeln, würde nur verwirren. Dumpfes Grübeln ist Kraftverschwendung, wie ein Sumpf, zäher Morast, der alles erreichbare lähmend umklammert und erstickt, frische Fröhlichkeit jedoch zerreißt den Bann des Grübelns. Ihr habt es nicht nötig, traurig und gedrückt zu sein! Jeden Augenblick könnt Ihr den Weg zur Höhe beginnen und Vergangenes gut machen, was es auch sei. Macht weiter nichts als an den Vorgang der Euch stets durchströmenden reinen Gotteskraft zu denken, dann scheut Ihr selbst davor zurück, diese Reinheit in schmutzige Kanäle übler Gedanken zu leiten, weil Ihr ohne jede Anstrengung auf gleiche Weise das Höchste und Edelste erreichen könnt. Ihr braucht ja nur zu lenken, die Kraft wirkt dann allein in der von Euch gewollten Richtung.

Freuet Euch deshalb der Verantwortung! Steckt nicht den Kopf in den Sand wie Vogel Strauss. Nichts anderes vermag Euch ja zu treffen als die verstärkte gleiche Art, die Ihr ursprünglich wolltet und empfandet! Ihr habt damit das Glück oder das Unglück in eigener Hand. Hebt deshalb stolz das Haupt und frei und kühn die Stirn. Das Übel kann nicht nahen, wenn Ihr es nicht ruft! Wie Ihr es wollt, so wird es Euch geschehen!





Schicksal,

Die Menschen reden von verdientem und unverdientem Schicksal, von Lohn und Strafe, Vergeltung und Karma.

Das alles sind nur Teilbezeichnungen eines in der Schöpfung ruhenden Gesetzes: Das Gesetz der Wechselwirkung!

Ein Gesetz, das in der ganzen Schöpfung von Urbeginn an liegt, das in das große, nimmer endende Werden unlösbar hineingewoben wurde als ein notwendiger Teil des Schaffens selbst und der Entwickelung. Wie ein Riesensystem feinster Nervenfäden hält und belebt es das gewaltige All und fördert dauernde Bewegung, ein ewiges Geben und Nehmen!

Einfach und schlicht, und doch so treffend hat es der große Wahrheitsbringer Christus Jesus schon gesagt: „Was der Mensch säet, das wird er ernten!“

Die wenigen Worte geben das Bild des Wirkens und Lebens in der ganzen Schöpfung so glänzend wieder, wie es kaum anders gesagt werden kann. Ehern eingewebt ist der Sinn der Worte in dem Sein. Unverrückbar, unantastbar, unbestechlich in der fortwährenden Auswirkung.

Ihr könnt es sehen, wenn Ihr sehen wollt! Beginnt damit bei der Beobachtung der Euch jetzt sichtbaren Umgebung. Was Ihr Naturgesetze nennt, sind ja die göttlichen Gesetze, sind des Schöpfers Wille. ihr werdet schnell erkennen, wie unentwegt sie sich in dauernder Betätigung befinden; denn so Ihr Weizen säet, werdet Ihr nicht Roggen ernten, und so Ihr Roggen streut, kann Euch nicht Reis erstehen! Das ist jedem Menschen so selbstverständlich, dass er über das eigentliche Geschehen dabei gar nicht nachdenkt. Er wird sich deshalb des darin ruhenden strengen und großen Gesetzes gar nicht bewusst. Und doch steht er dabei vor der Lösung eines Rätsels, das ihm kein Rätsel zu sein brauchte.

Das gleiche Gesetz nun, das ihr hierbei zu beobachten vermögt, wirkt sich mit derselben Sicherheit und Stärke auch in den zartesten Dingen aus, die Ihr nur durch Vergrößerungsgläser zu erkennen fähig seid, und noch weitergehend in dem feinstofflichen Teile der ganzen Schöpfung, der der weitaus größere ist. In jedem Geschehen liegt. esunabänderlich, auch in der zartesten Entwickelung Euerer Gedanken, die ja auch eine gewisse Stofflichkeit haben, da sie sonst keine Wirkung hervorzubringen vermöchten.

Wie konntet Ihr wähnen, dass es gerade dort anders sein soll, wo Ihr es anders haben möchtet? Euere Zweifel sind in Wirklichkeit weiter nichts als ausgesprochene innere Wünsche!

Es ist in dem ganzen Euch sichtbaren und unsichtbaren Sein nicht anders, als dass jede Art die ihr gleiche Art bringt, gleichviel vor welchem Stoffe. Ebenso fortdauernd ist das Wachsen und Werden, Früchte bringen und die gleiche Art gebären. Dieses Geschehen geht einheitlich durch alles, macht keine Unterschiede, lässt keine Lücke, hält nicht vor einem anderen Teile der Schöpfung an, sondern trägt die Wirkungen hindurch wie einen unzerreißbaren Faden, ohne abzusetzen oder abzubrechen. Wenn sich auch der größte Teil der Menschheit in ihrer Beschränkung und Einbildung von dem Weltall isolierten, die göttlichen oder Naturgesetze haben deshalb nicht aufgehört, sie als dazu gehörig zu betrachten, und in unveränderter Art ruhig und gleichmäßig weiter zu arbeiten.

Das Gesetz der Wechselwirkung bedingt aber auch, dass der Mensch alles, was er säet, also dort, wo er die Ursache zu einer Wirkung oder Auswirkung gibt, auch ernten muss!

Der Mensch hat also immer nur den freien Entschluss, die freie Entscheidung bei Beginn einer jeden Sache darüber, wohin die ihn durchströmende Allkraft geleitet werden soll, nach welcher Richtung. Die daraus entstehenden Folgen, der sich in der von ihm gewollten Richtung betätigten Kraft muss er dann tragen. Trotzdem beharren viele auf der Behauptung, dass der Mensch doch keinen freien Willen habe, wenn er einem Schicksale unterworfen ist!

Diese Torheit soll nur den Zweck einer Selbstbetäubung haben, oder ein grollendes Sichfügen in etwas Unvermeidliches sein, eine murrende Resignation, hauptsächlich aber eine Selbstentschuldigung; denn jede dieser auf ihn zurückfallenden Auswirkungen hat einen Anfang genommen, und bei diesem Anfange lag die Ursache für die spätere Auswirkung in einem vorausgegangenen freien Entschluss des Menschen. Dieser freie Entschluss ist jeder Wechselwirkung, also jedem Schicksal einmal vorausgegangen! Mit einem ersten Wollen hat der Mensch jedesmal etwas erzeugt, erschaffen, in dem er später, über kurz oder lang, selbst einmal zu leben hat. Wenn dies erfolgt, ist aber sehr verschieden. Es kann noch in dem gleichen Erdendasein sein, in dem das erste Wollen den Anfang dazu schuf, ebenso gut kann es aber nach Ablegen des grobstofflichen Körpers in der feinstofflichen Welt geschehen, oder aber noch später wieder in einem grobstofflichen Erdendasein, Die Veränderungen spielen dabei keine Rolle, sie befreien den Menschen nicht davon. Dauernd trägt er die Verbindungsfäden mit sich, bis er davon erlöst. das heißt „gelöst“ wird durch die endliche Auswirkung, die durch das Gesetz der Wechselwirkung erfolgt. Der Erschaffende ist an seine eigene Schöpfung gebunden, wenn er sie auch anderen zugedacht hat!

Wenn also heute ein Mensch den Entschluss fasst, einem Anderen irgend etwas Übles zu tun, sei es nun in Gedanken, Worten oder Werken, so hat er damit etwas „in die Weit gesetzt“, ganz gleichgiltig, oh allgemein sichtbar oder nicht, ob also grobstofflich oder feinstofflich, es hat Kraft und somit Leben in sich, das sich in der gewollten Richtung weiter entwickelt und betätigt.

Wie sich die Wirkung nun bei dem auslöst, dem es gelten soll. liegt ganz an der seelischen Beschaffenheit des Betreffenden, dem es dadurch entweder großen oder kleinen, vielleicht auch verändert als wie den gewollten, oder auch gar keinen Schaden bringen kann; denn der seelische Zustand des Betreffenden ist wiederum allein maßgebend für diesen selbst. Es ist also niemand solchen Dingen schutzlos preis-gegeben.

Anders mit dem, der durch seinen Entschluss und sein Wollen die Ursache zu dieser Bewegung gegeben hat, also der Erzeuger war. Mit diesem bleibt seine Erzeugung unbedingt verbunden, und kommt nach einer kurzen oder langen Wanderung im Weltall wieder zu ihm zurück, verstärkt, wie eine Biene beladen durch die Anziehung der Gleichart. Das Gesetz der Wechselwirkung löst sich dabei aus, indem eine jede Erzeugung bei seiner Bewegung durch das All verschiedene Gleich-arten anzieht oder von solchen selbst angezogen wird, durch deren Zusammenschluss dann eine Kraftquelle entsteht, die verstärkte Kraft der gleichen Art wie von einer Zentrale aus an alle die zurücksenden, die durch ihre Erzeugungen wie an Schnüren mit dem Sammelplatze verbunden werden.

Durch diese Verstärkung tritt auch eine immer größere Verdichtung ein, bis zuletzt ein grobstofflicher Niederschlag davon entsteht, in dem der einzige Erzeuger nun in der damals von ihm gewollten Art sich selbst ausleben muss, um endlich davon befreit zu werden. Das ist das Entstehen und der Werdegang, des so gefürchteten und verkannten Schicksals! Es ist gerecht bis in die kleinste und feinste Abstufung, weil es durch die Anziehung nur gleicher Arten in der Rückstrahlung nie anderes bringen kann, als wie es wirklich ursprünglich selbst gewollt war. Ob für einen bestimmten Anderen oder im Allgemeinen ist dabei gleichgiltig; denn derselbe Werdegang ist natürlich auch, wenn der Mensch sein Wollen nicht unbedingt auf einen anderen Menschen oder auf mehrere richtet, sondern überhaupt in irgend einer Art Wollen lebt.

Die Art des Wollens, für die er sich entscheidet, ist maßgebend für die Früchte, die er am Ende ernten muss. So hängen zahllose fein-stoffliche Fäden an den Menschen, oder er an ihnen, die alle das auf ihn zurückströmen lassen, was immer er einmal ernst gewollt hat. Diese Strömungen geben ein Gebräu, das dauernd stark einwirkt auf die Bildung des Charakters.

So sind in der gewaltigen Maschinerie des Weltalls viele Dinge, die mitwirken an dem „Ergehen“ des Menschen, aber es gibt nichts, wozu der Mensch nicht selbst zuerst die Ursache dazu gegeben hat.

Er liefert die Fäden, aus denen im unermüdlichen Webstuhle des Seins der Mantel gefertigt wird, den er zu tragen hat.

Christus drückte klar und scharf dasselbe aus, als er sagte: „Was der Mensch säet, das wird er ernten.“ Er sagte nicht „kann“ er ernten, sondern er „wird“. Das ist dasselbe wie er muss das ernten, was er säet.

Wie oft hört man sonst sehr vernünftige Menschen sagen: „Dass Gott so etwas zulässt, ist mir unbegreiflich!“

Unbegreiflich aber ist es, dass Menschen so etwas reden können! Wie klein stellen sie sich dieser Äußerung nach Gott vor. Sie geben damit den Beweis, dass sie sich ihm als einen „willkürlich handelnden Gott“ denken.

Aber Gott greift in alle diese kleinen und großen Menschen-sorgen, Kriege, Elend und was irdisches noch mehr ist, gar nicht direkt ein! Er hat von Anfang an in die Schöpfung seine vollkommenen Gesetze gewoben, die selbsttätig ihre unbestechliche Arbeit durchführen, sodass sich alles haarscharf erfüllt, ewig gleich sich auslöst, wodurch eine Bevorzugung ebenso ausgeschlossen ist wie eine Benachteiligung, jede Ungerechtigkeit unmöglich bleibt. Gott braucht sich also darum nicht extra zu kümmern, sein Werk ist lückenlos.

Ein Hauptfehler so vieler Menschen ist aber der, dass sie nur nach dem Grobstofflichen urteilen und sich darin als Mittelpunkt sehen, sowie mit einem Erdenleben rechnen, während sie in Wirklichkeit schon mehrere Erdendaseins hinter sich haben. Diese, sowie auch die Zwischenzeiten in der feinstofflichen Welt gelten als ein einheitliches Sein, durch das die Fäden ohne abzubrechen straff gezogen sind, sodass also in den Auswirkungen eines jeweiligen irdischen Daseins nur ein kleiner Teil dieser Fäden sichtbar wird. Ein großer Irrtum ist demnach, zu glauben, dass mit dem Geborenwerden ein vollkommen neues Leben einsetzt, dass ein Kind also „unschuldig“ ist,*1) und dass alle Geschehnisse nur auf das kurze Erdendasein berechnet werden dürfen. Wäre dies wirklich, so müssten selbstverständlich bei bestehender Gerechtigkeit Ursachen, Wirkungen und Rückwirkungen geschlossen auf die Spanne eines Erdendaseins fallen.

Wendet Euch ab von diesem Irrtum. Ihr werdet dann schnell die jetzt so oft vermisste Logik und Gerechtigkeit in allen Geschehnissen entdecken!

Viele erschrecken dabei und fürchten sich vor dem, was sie nach diesen Gesetzen in der Rückwirkung von früher her noch zu erwarten haben.

Doch das sind unnötige Sorgen für die, denen es ernst ist mit dem guten Wollen; denn in den selbsttätigen Gesetzen liegt auch gleichzeitig die sichere Gewähr für Gnade und Vergebung!

Ganz abgesehen davon, dass mit dem festen Einsetzen des guten Wollens sofort eine Grenze gesetzt wird für den Punkt, wo die Kette der üblen Rückwirkungen ein Ende erreichen muss, tritt noch ein anderer Vorgang in Kraft, der von ungeheuerem Werte ist. Durch das dauernd gute Wollen in allem Denken und Tun fließt ebenfalls rückwirkend aus der gleichartigen Kraftquelle beständige Verstärkung, sodass das Gute fester und fester in dem Menschen selbst wird, aus ihn heraustritt und zunächst die feinstoffliche Umgebung darnach formt, die ihn wie eine Schutzhülle umgibt, so ähnlich, wie die Luftschicht um die Erde dieser Schutz gewährt.

Kommen nun üble Rückwirkungen von früher her zur Auslösung auf diesen Menschen zurück, so gleiten sie an der Reinheit von dessen Umgebung oder Hülle ab und werden so von ihm abgelenkt.

Dringen sie aber trotzdem in diese Hülle ein, so werden die üblen Strahlungen entweder sofort zersetzt, oder doch bedeutend abgeschwächt, wodurch die schädliche Auswirkung gar nicht oder nur in ganz geringem Masse stattfinden kann.

Außerdem ist durch die erfolgte Wandlung auch der eigentliche innere Mensch, auf den die Rückstrahlungen eingestellt sind, mit dem andauernden Bestreben zum guten Wollen viel verfeinerter und leichter geworden, sodass er der größeren Dichtheit übler oder niederer Strömungen nicht mehr gleichartig gegenübersteht. Ähnlich wie bei der drahtlosen Telegrafie, wenn der Empfangsapparat nicht auf die Stärke des Sendapparates eingestellt ist.

Die natürliche Folge davon ist, dass die dichteren Strömungen, weil andersartig, nicht festhaken können und ohne Auswirkung schadlos hindurchgehen.

Deshalb ungesäumt ans Werk! Der Schöpfer hat Euch in der Schöpfung alles in die Hand gelegt. Nützet die Zeit. Jeder Augenblick birgt für Euch das Verderben oder den Gewinn!


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Die Erschaffung des Menschen,

„Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbilde und hauchte ihm seinen Odem ein!“

Das sind zwei Begebenheiten: Das Schaffen und das Beleben!

Beide Vorgänge waren wie alles streng den bestehenden göttlichen Gesetzen unterworfen. Nichts kann außer den Rahmen derselben treten. Kein göttlicher Willensakt wird sich diesen den göttlichen Willen selbst tragenden unverrückbaren Gesetzen gegenüberstellen. Auch jede Offenbarung und Verheißung erfolgt im Hinblick auf diese Gesetze, und muss sich in diesen erfüllen, nicht anders!

So auch die Menschwerdung, die ein Fortschritt der gewaltigen Schöpfung war, der Übergang des Grobstofflichen in ein ganz neues, gehobeneres Stadium.

Von der Menschwerdung zu sprechen bedingt das Wissen von der Feinstofflichen Welt; denn der Mensch in Fleisch und Blut ist als förderndes Bindeglied geschoben zwischen den feinstofflichen und den grobstofflichen Schöpfungsteil, während seine Wurzel in dem Reingeistigen bleibt.

Ich sprach schon über die ersten Menschen im Paradiese und deren Ausschließung. Diese Erklärung zogen weitere Fragen nach sich: 1. Wann war die Zeit des Paradieses? 2. Wie hängt das alles zusammen mit dem Urmenschen, von dem die Wissenschaft durch Ausgrabungen zu berichten weiß? 3. War die Steinzeit vor dem Paradiese oder nach diesem?

Solche und ähnliche Fragen quälen die Suchenden. Lasst Euch nun erklären, was in dem großen Buche Gottes, der gesamten Schöpfung, steht:

Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbilde!“ Dieses Schaffen oder Erschaffen war eine lange Kette der Entwickelung, die sich streng innerhalb der von Gott selbst in die Schöpfung gewobenen Gesetze abspielte. Von dem Höchsten eingesetzt, arbeiten diese Gesetze eisern, unentwegt an der Erfüllung seines Willens, selbsttätig als ein Stück vom ihm der Vollendung entgegen.

So auch mit der Erschaffung des Menschen als Krone des ganzen Werkes, in dem sich alte Kräfte vereinigen sollten, die in der Schöpfung lagen. Deshalb wurde in der grobstofflichen Welt, der irdisch sichtbaren Materie, nach und nach in der Fortentwicklung das Gefäß geformt, in das ein Funke aus den, Reingeistigen inkarniert werden konnte, der unsterblich war. Durch das andauernd strebende Formen entstand mit der Zeit das höchstentwickeltste Tier, das denkend sich schon verschiedener Hilfsmittel zum Lebensunterhalte und zur Verteidigung bediente. Wir können auch heute niederere Tiersorten beobachten, die sich einzelner Hilfsmittel zur Erlangung und Aufbewahrung ihrer Lebensbedürfnisse bedienen, und die zur Verteidigung oft verblüffende Schlauheit zeigen.

Die vorhin erwähnten höchstentwickeltsten Tiere, die mit den stattgefundenen Erdumwälzungen hinweggenommen wurden, bezeichnet man heute mit dem Namen „Urmenschen“. Sie aber Vorfahren der Menschen zu nennen, ist ein großer Irrtum, Mit demselben Rechte könnte man die Kühe als „Teilmütter“ der Menschheit bezeichnen, da die größte Zahl der Kinder in den ersten Monaten ihres Lebens die Milch der Kühe direkt zum Aufbau ihres Körpers brauchen, durch ihre Hilfe also lebensfähig bleiben und wachsen. Viel mehr hat das edle und denkende Tier „Urmensch“ auch nicht mit dem wirklichen Menschen zu tun; denn der grobstoffliche Körper des Menschen ist weiter nichts als das unerlässliche Hilfsmittel, das er braucht, um in dem grobstofflich Irdischen nach jeder Richtung hin wirken zu können und sich verständlich zu machen.

Mit der Behauptung, dass der Mensch vom Affen abstamme, wird buchstäblich „das Kind mit dem Bade ausgeschüttet!“ Es ist damit weit über das Ziel hinausgegriffen. Ein Teilvorgang zur alleinigen Volltatsache erhoben. Die Hauptsache fehlt dabei!

Es würde zutreffen, wenn der Körper des Menschen tatsächlich „Der Mensch“ wäre. So aber ist der grobstoffliche Körper nur seine Bekleidung, die er ablegt, sobald er in die Feinstofflichkeit zurück-kehrt.

Wie erfolgte nun die erste Menschwerdung?

Nach dem Höhepunkte in der grobstofflichen Welt mit dem vollen-detsten Tiere musste eine Veränderung zur Weiterentwicklung kommen, wenn kein Stillstand eintreten sollte, der mit seinen Gefahren Rückgang werden konnte. Und diese Veränderung war vorgesehen und kam: Von dem Urlichte als Gottesfunken ausgegangen, durch die feinstoffliche Welt alles erneuernd und hebend gezogen, stand an deren Grenze in dem Augenblicke, als das grobstofflich-irdische Gefäß in seiner Entwicklung den Höhepunkt erreicht hatte, der feinstofflich-geistige Mensch ebenfalls fertig bereit, sich mit dem Grobstofflichen zu verbinden, um dieses zu fördern und zu heben,

(Über das Ausgehen vom Licht und das Werden bis zur Ver-grobstofflichung in einer nächsten Aussprache.)

Während also das Gefäß in der Grobstofflichkeit herangereift, erschaffen war, hatte sich die Seele in der Feinstofflichkeit so weit entwickelt, dass sie genügend Kraft besaß,, bei Eintritt in das grobstoffliche Gefäß seine Selbständigkeit zu bewahren, nicht aufgesogen zu werden.

Die Verbindung dieser beiden Teile bedeutete nun eine innigere Vereinigung der grobstofflichen Welt mit der feinstofflichen Welt bis hinauf in das Geistige.

Erst dieser Vorgang war die Geburt des Menschen!

Wie aber ging das vor sich? Die Zeugung selbst ist auch heute noch bei den Menschen ein rein tierischer Akt. Höhere oder niedere Empfindungen dabei haben mit dem Akte selbst nichts zu tun, sondern bringen besondere geistige Auslösungen, deren Wirkungen in der Anziehung unbedingter Gleichart von großer Bedeutung werden.

Rein tierischer Art ist auch die Entwicklung des Körpers bis zur Mitte der Schwangerschaft. Rein tierisch ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck, sondern ich will es mit rein grobstofflich bezeichnen.

Erst in der Mitte der Schwangerschaft, bei einer bestimmten Reife des werdenden Körpers. wird der für die Geburt vorgesehene Geist inkarniert, der bis dahin sich viel in der Nähe der werdenden Mutter aufhält. Das Eintreten des Geistes löst die ersten Zuckungen des kleinen sich entwickelnden grobstofflichen Körpers aus, also die ersten Kindes-Bewegungen. Hier entsteht auch das eigenartig beseligte Gefühl des schwangeren. Weibes, bei dem von diesem Augenblick an ganz andere Empfindungen eintreten: das Bewusstsein der Nähe des zweiten Geistes in ihr, das Fühlen desselben. Und je nach Art des neuen, zweiten Geistes in ihr werden auch ihre eigenen Empfindungen sein.

So ist der Vorgang bei jeder Menschwerdung. Nun aber zurück zur ersten Menschwerdung.

Es war also der große Abschnitt in der Entwicklung der Schöpfung gekommen: Auf der einen Seite in der grobstofflichen Welt stand das höchstentwickeltste Tier, das den grobstofflichen Körper als Gefäß für den kommenden Menschen liefern sollte, auf der anderen Seite in der feinstofflichen Welt stand die entwickelte Menschenseele, die der Verbindung seit dem grobstofflichen Gefäß entgegen harrte, um damit allem Grobstofflichen einen weiteren Aufschwung zur Durchgeistigung. zu geben.

Als nun ein Zeugungsakt zwischen dem edelsten Paare dieser hochentwickelten Tiere erfolgte, wurde zur Stunde der lnkarnierung nicht wie bisher eine Tierseele, sondern an dessen Stelle die dafür bereitstehende Menschenseele inkarniert, die den unsterblichen Gottesfunken in sich trug.

Dieser Vorrang, gibt keinen Stützpunkt zu der Behauptung, dass der Mensch der seinen wirklichen Ursprung. im Geistigen hat, von den Tieren „Urmensch“ abstamme, der nur das grobstoffliche Übergangsgefäß dazu liefern konnte. Es würde auch heute den stärksten Materialisten nicht einfallen, sich direkt verwandt mit einem Tiere zu betrachten, und doch ist jetzt wie damals eine enge Körperverwandschaft, also eine grobstoffliche Gleichart vorhanden, während der wirkliche ,,lebende“ Mensch, also das eigentliche geistige „Ich“ des Menschen in gar keiner Gleichart zu dem Tiere steht.

Nach der Geburt des ersten Menschen stand nun dieser in Wirklichkeit allein, elternlos, da er die Tiere trotz deren hoher Entwicklung nicht als Eltern erkennen konnte und keine Gemein-schaft mit ihnen zu haben vermochte. Er brauchte es auch nicht; denn er war ganz Empfindungsmensch und lebte als solcher mit in der feinstofflichen Welt, die ihm Werte gab, die alles andere ergänzten. Die Abspaltung des Weibes von dem ersten Menschen war eine feinstofflich-geistige. Sie geschah nicht grobstofflich-irdisch, wie ja die Bezeichnungen der Bibel und alten religiösen Niederschriften sich vorwiegend nur auf geistige und feinstoffliche Begebenheiten beziehen. Der Mensch als solcher stand allein und verwendete nun im Wachsen vorwiegend die schrofferen, strengeren Empfindungen bei seinem Lebensunterhalte, wodurch die zarteren mehr und mehr zur Seite gedrängt und isoliert wurden, bis sie sich als der feinere Teil des geistigen Menschen ganz abspalteten.

Dieser zweite Teil nun wurde, um nicht unwirksam im Grobstofflichen zu bleiben, wo er zur Hebung unbedingt in erster Linie notwendig war, in ein zweites Gefäß inkarniert, das der Feinheit entsprechend weiblichen Geschlechtes war, während die schrofferen Empfindungen dem grobstofflich stärkeren Manne blieben. Genau den Gesetzen der feinstofflichen Welt entsprechend, in der sich alles sofort formend Zartes und Schwaches in weiblichen Formen zeigt, strenges und starkes in männlichen.

Die Frau sollte und könnte also in Wirklichkeit durch ihre wertvolleren geistigen Eigenschaften vollkommener sein als der Mann, wenn sie sich nur bemüht hätte, die ihr gegebenen Empfindungen mehr und mehr harmonisch abzuklären, wodurch sie eine Macht geworden wäre, die umwälzend und hochfördernd in der ganzen grobstofflichen Schöpfung wirken musste. Leider aber hat gerade sie in erster Linie versagt, da sie sich zum Spielball der ihr zugeteilten starken Empfindungskräfte hingab. die sie dazu noch trübte und verunreinigte durch Gefühl und Fantasie.

Welch tiefer Sinn liegt in der biblischen Erzählung von dem Naschen von dem Baume der Erkenntnis! Wie das Weib, durch die Schlange dazu angeregt, dem Manne den Apfel reichte. Besser konnte, der wirkliche Vorgang bildlich gar nicht ausgedrückt werden.

Das Apfelreichen, von dem Weibe ausgehend, war das Sichbe-wusstwerden des Weibes ihrer Reize dem Manne gegenüber, und das gewollte Benützen derselben. Das Nehmen und Essen des Mannes aber war dessen Reagieren darauf mit dem erwachenden Drange, die Aufmerksamkeit des Weibes nur auf sich zu lenken, indem er begann, sich durch Ansammeln von Schätzen und Aneignung verschiedener Werte begehrenswert zu machen.

Damit begann das Großziehen des Verstandes, mit seinen Nebenerscheinungen der Gewinnsucht, Lüge, Unterdrückung, dem sich die Menschen zuletzt völlig unterwarfen und somit sichfreiwillig zu Sklaven ihres Werkzeuges machten. Mit dem Verstande aber als Herrscher ketteten sie sich in unvermeidbarer Folge nach dessen eigener Beschaffenheit auch fest an Raum und Zeit, und verloren damit die Fähigkeit, etwas zu erfassen oder zu erleben, was über Raum und Zeit erhaben ist, wie alles Geistige, Feinstoffliche. Das war der Ausschluss aus dem Paradies, der geistig-feinstofflichen Welt, den sie sich selbst zuzogen; denn unabwendbar war es nun, dass sie alles Geistigfeinstoffliche, das weder Raum noch Zeit kennt, mit ihrem durch den Verstand fest an Raum und Zeit ge-bundenen und damit eng begrenzten Horizonte ihres Begriffsver-mögens nicht mehr „verstehen“ konnten. So wurden für die Verstan-desmenschen die Erlebnisse und das Schauen der Empfindungs-menschen, sowie auch die unverstandenen Überlieferungen zu ,,Märchen“. Die an Zahl immermehr zunehmenden Materialisten, also die Menschen, die nur noch die grobe, an Raum und Zeit gebundene Materie anzuerkennen fähig sind, lachten zuletzt spöt-telnd über die Idealisten, denen durch ihr viel grösseres und erweitertes Innenleben der Weg zu der feinstofflichen Welt noch nicht ganz verschlossen war, und schalten sie Träumer, wenn nicht Narren oder sogar Betrüger.

Doch heute stehen wir endlich dicht vor der Stunde, wo der nächste grosse Abschnitt in der Schöpfung kommt, der unbedingter Aufschwung ist und das bringt, was schon der erste Abschnitt mit der Menschwerdung bringen sollte: Die Geburt. des durchgeistigten Vollmenschen!

Des Menschen, der fördernd und veredelnd auf die ganze grobstoffliche Schöpfung wirkt, wie es der eigentliche Zweck der Menschen auf der Erde ist. Dann ist kein Raum mehr für den niederhaltenden, an Raum und Zeit geketteten Materialisten. Ein Fremder wird er sein in allen Landen, heimatlos. Unter den Strahlen einer anderen Sonne und anderer Sterne wird er verdorren und vergehen wie Spreu, die sich vom Weizen. scheidet. Habt Acht, dass Ihr bei dieser Scheidung nicht zu leicht befunden werdet!



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Der Mensch in der Schöpfung !

Der Mensch lebte im Paradiese. Das heißt, nicht nach den bisherigen Begriffen, sondern er war Empfindungsmensch, stand dadurch in engster Fühlung mit der feinstofflichen Welt, lebte also mit in dem so genannten Jenseits und gleichzeitig auch in dem grobstofflichen Diesseits. Durch diese Fähigkeiten bildete er das Bindeglied. Ein zur Fortentwicklung der ganzen Schöpfung notwendiges Bindeglied.

Weil er das Feinstoffliche des Jenseits und das Grobstoffliche des Diesseits in sich vereinigte, war es ihm möglich, beides zu über-schauen, beides gleichzeitig zu erleben. Dazu stand ihm noch ein Werkzeug zur Verfügung, das ihn an die Spitze der gesamten grob-stofflichen Schöpfung stellte: Der Verstand. Mit diesem Werkzeuge vermochte er zu lenken, also zu führen.

Was ist Verstand? Verstand ist das höchste Irdische und soll das Steuer sein durch das Erdenleben, während die treibende Kraft die Empfindung ist, die der feinstofflichen Welt entstammt. Der Boden des Verstandes ist also der Körper, der Boden der Empfindung aber ist der Geist.

Der Verstand ist an Raum und Zeit gebunden, wie alles irdische, demnach nur ein Produkt des Gehirnes, das zum grobstofflichen Körper gehört. Der Verstand wird sich niemals raum - und zeitlos betätigen können, trotzdem er an sich feinstofflicher wie der Körper ist, aber doch noch zu dicht und schwer, um sich über Raum und Zeit zu erheben. Er ist also vollkommen erdgebunden.

Die Empfindung aber, (nicht das Gefühl) ist raum- und zeitlos, kommt deshalb aus dem geistigen.

So ausgerüstet, konnte der Mensch innig verbunden sein mit dem Feinstofflichsten, ja sogar Fühlung haben mit dem Reingeistigen selbst, und doch inmitten alles Irdischem, Grobstofflichem leben und wirken. Der Mensch allein ist in dieser Weise ausgestattet.

Welche Stellung hat er nun so ausgerüstet deshalb in der Schöpfung einzunehmen? Wozu stand er mit all diesem Rüstzeug inmitten der Schöpfung?

Er allein sollte und konnte die gesunde, frische Verbindung; geben als die einzige Brücke zwischen dem feinstofflichen und lichten Höhen, und dem grobstofflichen Irdischen! Durch ihn allein in seiner Eigenart konnte das reine Leben vom Lichtquell herab in das tiefste Grob-stoffliche und von diesem wieder hinauf in herrlichster, harmonischer Wechselwirkung pulsieren! Er steht verbindend zwischen beiden Welten, sodass durch ihn diese zu einer Welt geschmiedet sind.

Erfüllte er die Aufgabe? Nein, er versagte! Er trennte diese beiden Welten, anstatt sie fest vereinigt zu erhalten. Und das war nun der Sündenfall!

Wie ging das zu?

Der Mensch war durch die soeben erklärte Eigenart tatsächlich zu einer Art Herr der grobstofflichen Welt gestellt worden, weil die grobstoffliche Weit von seiner Mittlerschaft abhängig ist, insoweit, dass sie je nach seiner Art mitzuleiden gezwungen war, oder durch ihn emporgehoben werden konnte, je nachdem die Strömungen vom Licht- und Lebensquell aus rein durch die Menschheit fließen konnte oder nicht.

Was tat der Mensch? Er unterband das für die feinstoffliche und für die grobstoffliche Welt notwendige Fließen dieses Wechselstromes. Wie nun ein guter Blutumlauf den Körper frisch und gesund erhält, so ist es mit dem Wechselstrome in der Schöpfung. Ein Unterbinden muss Verwirrung bringen und Erkrankung, die sich zuletzt in Katastrophen löst.

Womit konnte der Mensch so schlimm versagen?

Indem er den Verstand, der nur vom Grobstofflichen kommt, nicht nur als Werkzeug stützte, sondern sich ihm völlig unterwarf und ihn zum Herrscher setzte über alles. Er machte sich damit zum Sklaven seines Werkzeuges und wurde nur Verstandesmensch, der sich mit Stolz Materialist zu nennen pflegt!

Sagt selbst, wie weit ein solcher Stolz berechtigt ist. Ich will darüber schweigen.

Indem der Mensch sich ganz nun dem Verstande unterwarf, kettete er sich selbst an alles Grobstoffliche. Wie der Verstand nichts über Raum und Zeit hinaus begreifen kann, vermag es selbstverständlich auch nicht der, der sich ihm völlig unterwarf. Sein Horizont, also Begriffsvermögen, verengte sich mit dem begrenzten Vermögen des Verstandes. Die Verbindung mit dem Feinstofflichen war damit gelöst, eine Mauer aufgerichtet, die dicht und immer dichter wurde. Da nun der Lebensquell, das Urlicht, Gott, weit über Raum und Zeit erhaben ist, und noch über dem Feinstofflichen steht, muss selbstverständlich durch die Bindung des Verstandes jede Fühlung abgeschnitten sein, Aus diesem Grunde ist es dem Materialisten gar nicht möglich, Gott zu erkennen.

Das Essen von dem Baume der Erkenntnis war nichts weiter als das Großziehen des Verstandes. Die damit verbundene Trennung von dem Feinstofflichen war das Verschließen des Paradieses als natürliche Folge. Die Menschen schlossen sich selbst aus, indem sie sich durch den Verstand ganz dem Grobstofflichen zuneigten. Sich also erniedrigten und freiwillig oder selbstgewählt in Knechtschaft schmiedeten.

Als Folge begann die Zeit, da sich die Menschen „im Schweiße ihres Angesichtes das Brot verdienen mussten“. Wohin aber führte das? Die rein materialistischen, also erdgebundenen, tiefstehenden Gedanken des Verstandes mit all ihren Nebenerscheinungen der Erwerbs- und Gewinnsucht, Lüge, Raub und Unterdrückung usw. mussten die unerbittliche Wechselwirkung der Gleichart herbeiführen, die sich erst geistig zeigte, und dann von diesem auch in das Grobstoffliche überging, alles dementsprechend formte, die Menschen trieb, und zuletzt über allem sich entladen wird mit .... Vernichtung!

Versteht Ihr nun, dass die Ereignisse der letzten Jahre kommen mussten? Dass es noch weiter sehen wird bis zur Vernichtung? Ein Weltgericht, das den bestehenden karmischen Gesetzen entsprechend nicht zu vermeiden ist? Wie bei einem Gewitter, das sich zusammenzieht und zuletzt Entladung und Vernichtung bringen muss? Gleichzeitig aber auch Reinigung?

Der Mensch diente nicht wie notwendig als Bindeglied zwischen dem feinstofflichen und den grobstofflichen Teilen der Schöpfung, ließ den stets erfrischenden, belebenden und fördernden notwendigen Wechselstrom nicht hindurch, sondern trennte die Schöpfung in zwei Welten, indem er sich der Bindung entzog und ganz an das Grob-stoffliche kettete, somit mussten beide Weltteile nach und nach er-kranken. Der, der den Lichtstrom ganz entbehren musste, oder durch die wenigen Menschen, die noch Verbindung hielten, zu schwach erhielt, natürlich viel schwerer. Das ist der grobstoffliche Teil, der einer furchtbaren Krisis entgegentreibt, und in kurzer Zeit von gewaltigen Fieberschauern durchrüttelt werden wird, bis alles Kranke darin verzehrt ist und unter neuem, starken Zustrome aus dem Urquell endlich gesunden kann.

Wer aber wird dabei verzehrt?

Denkt an das, was ich schon einmal sagte: Jeder empfundene Gedanke nimmt sofort durch die in ihm lebende schöpferische Kraft eine dem Inhalt des Gedankens entsprechende feinstoffliche Form an, bleibt stets wie durch eine Schnur mit seinem Erzeuger verbunden, wird aber von ihm ab und hinausgezogen durch die Anziehungskraft der Gleichart in allem Feinstofflichen, und getrieben durch das Weltall mit den dieses dauernd durchpulsenden Strömungen, die wie alles in der Schöpfung eiförmig sich bewegen. So kommt die Zeit, wo die im Feinstofflichen zu Leben und Wirklichkeit gewordenen Gedanken mit den unterwegs angezogenen Gleicharten auf ihren Ursprung und Ausgangspunkt zurückfallen, da sie trotz ihrer Wanderung mit diesem in Verbindung bleiben, um nun dort sich zu entladen, auszulösen.

Die Vernichtung wird also in erster Linie bei der nun zu erwartenden letzten geschlossenen Auswirkung die treffen, die durch ihr Denken und Empfinden Erzeuger und dauernde Ernährer waren, also die Materialisten. Dass die schädigende zurückfallende Gewalt noch größere Kreise zieht, und streifend auch nur annähernde Gleicharten der Menschen packt, ist unausbleiblich.

Was aber dann, wenn das vorüber ist? Dann werden die Menschen das erfüllen, was sie in der Schöpfung sollen. Sie werden das Bindeglied sein, durch ihre Befähigung aus dem Feinstofflichen schöpfen, also sich von der gereinigten Empfindung leiten lassen, und diese in das Grobstoffliche, also Irdische übertragen, wobei sie den Verstand und die gesammelten Erfahrungen nur als Werkzeug dazu benutzen, um mit allem irdischen rechnend diese reinen Empfindungen im grobstofflichen Leben durchzusetzen, wodurch die ganze grobstoffliche Schöpfung dauernd gefördert, gereinigt und gehoben wird. Dadurch kann auch in der Wechselwirkung Gesünderes zurück-fließen von dem Grobstofflichen in das Feinstoffliche, und es wird eine neue, einheitliche und harmonische Welt entstehen, ein neues Paradies. Die Menschen werden aber in richtiger Erfüllung ihrer Tätigkeit die ersehnten Voll- und Edelmenschen sein; denn auch sie erhalten durch die rechte Einstellung in das große Schöpfungswerk ganz andere Kräfte als bisher, die ihnen Zufriedenheit und Glückseligkeit dauernd empfinden lassen.


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Erbsünde.

Die Erbsünde ging hervor aus dem ersten Sündenfalle Diesen Sündenfall und den darin folgenden Ausschluss aus dem Paradiese (Selbstausschluß) erklärte ich in meinem Vortrage: „Der Mensch in der Schöpfung“.

Die Sünde, also die falsche Handlung, war das Zugroßziehen des Verstandes, die damit verbundene freiwillige Kettung an Raum und Zeit, und die dann eintretenden Nebenwirkungen der strikten Ver-standesarbeit, wie Gewinnsucht, Übervorteilung, Unterdrückung usw., die viele andere, im Grunde eigentlich alle Übel in Gefolgschaft haben.

Dieser Vorgang hatte natürlich bei den sich entwickelnden reinen Verstandesmenschen nach und nach immer stärkeren Einfluss auf die Bildung des grobstofflichen Körpers. Das den Verstand erzeugende vordere Gehirn wurde durch die andauernden Bemühungen größer und größer, und es war ganz selbstverständlich, dass bei Zeugungen diese sich verändernden Formen in der Fortpflanzung des irdischen Körpers zum Ausdruck kamen und die Kinder bei den Geburten ein immer mehr entwickelteres, stärkeres Vordergehirn mitbrachten.

Darin lag aber und liegt auch heute noch die Anlage oder Ver-anlagung zu einer über allen anderen Dingen herrschenden Verstan-deskraft, die die Gefahr in sich birgt, bei voller Erweckung den Träger des Gehirnes nicht nur fest an Raum und Zeit zu ketten, also an alles irdisch Grobstoffliche, sodass er unfähig wird, Feinstoffliches und Reingeistiges zu erfassen, sondern ihn auch noch in alles Übel verwickelt, das bei Oberherrschaft des Verstandes unabwendbar bleibt.

Das Mitbringen dieses freiwillig großgezüchteten Vordergehirnes, in dem die Gefahr der reinen Verstandesherrschaft liegt mit den dann unvermeidlichen üblen Nebenerscheinungen, ist die Erbsünde!

Also die körperliche Vererbung des jetzt durch seine künstlich gesteigerte Entfaltung mit Großgehirn bezeichneten Teiles, wodurch der Mensch bei der Geburt eine Gefahr mitbringt, die ihn sehr leicht in Übel verstricken kann.

Doch das entzieht ihn nicht etwa einer Verantwortung. Diese bleibt ihm; denn er ererbt nur die Gefahr, nicht die Sünde selbst. Es ist durchaus nicht notwendig, dass er bedingungslos den Verstand herrschen lässt und sich ihm dadurch unterwirft. Er kann im Gegen-teile die große Kraft seines Verstandes wie ein scharfes Schwert benutzen und sich in dem irdischen Getriebe damit den Weg frei-machen, dem ihm seine Empfindung zeigt, die auch die innere Stimme genannt wird.

Wird aber nun bei einem Kinde durch Erziehung und Schulung der Verstand zu absoluter Herrschaft gehoben, so fällt ein Teil der Schuld oder besser der durch das Gesetz der Wechselwirkung erfolgenden Rückwirkung von dem Kinde ab, da dieser Teil den Erzieher oder Lehrer trifft, der solchen verursachte. Er ist von diesem Augenblicke an das Kind gebunden, bis dieses von dem Irrtume und den Folgen desselben befreit ist, und wenn dies Jahrhunderte oder Jahrtausende währen sollte.

Was aber ein derartig erzogenes Kind dann tut, nachdem ihm ernste Gelegenheit zu einer Ein- und Umkehr geboten wurde, trifft es in der Rückwirkung ganz allein. Derartige Gelegenheiten kommen durch gesprochenes oder geschriebenes Wort, durch Erschütterungen im Leben oder ähnliche Vorkommnisse, die einen Augenblick tiefen Empfindens erzwingen. Sie bleiben nie aus. --

Ich gab damit nun einen Schlüssel für vieles. Zwecklos würde es sein, noch weiter darüber zu sprechen, es könnten in allen Streiflichtern nur dauernde Wiederholungen sein, die sich alle in dem einen Punkte treffen müssen. Wer darüber nachdenkt, dem ist bald ein Schleier von den Augen weggezogen, viele Fragen hat er in sich selbst dabei gelöst.


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Gottessohn und Menschensohn.

Ein großer Irrtum läuft schon durch Jahrtausende: die Annahe, das Jesus von Nazareth Gottessohn und auch gleichzeitig der oft genannte Menschensohn war, ist falsch! In Jesus von Nazareth war ein Stück der Gottheit inkarniert, um die Brücke über die Kluft von der Gottheit zur Menschheit zu schlagen, die die Menschheit selbst gerissen hatte durch das Großziehen des an Raum und Zeit gebundenen Verstandes. Somit war Jesus Gottes Sohn, als ein Stück von ihm, der unter der Menschheit seine Mission erfüllte, was er nur in Fleisch und Blut durchführen konnte. Er blieb auch in der Inkarnierung Gottes Sohn, das ja rein geistiger Natur war, die sich nicht veränderte.

War er aber Gottessohn, so konnte er nicht Menschensohn sein; denn das ist zweierlei. Und er war und ist noch Gottessohn. Wer ist also der Menschensohn?

Den Jüngern fiel es schon auf, dass Jesus in der dritten Person sprach, wenn er von dem Menschensohn redete, und sie befragten ihn darüber. Die Überlieferungen sind von den Schreibern in der eigenen Voraussetzung geschrieben, dass Jesus, der Gottessohn, und des Menschensohn ein und dieselbe Person sein soll. Darauf haben alle ihre Berichte von vornherein eingestellt, und damit ohne es wollen oder zu wissen Irrtümer verbreitet. Jesus, der Gottessohn, und des Menschen-sohn sind nicht eine Person, sondern zwei!

Wenn Jesus von dem Menschensohn sprach, so sprach er vorausschauend von dessen Kommen. Er kündete es selbst an, da das Kommen des Menschensohnes mit dem Wirken des Gottessohnes in engstem Zusammenhange steht. Er sprach: „Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird ...“ usw.

Es ist ein Kreislauf, wie überall in der Schöpfung. Die Gottheit kam durch Jesus herab zur Menschheit, um die Wahrheit zu bringen und auszusäen. Die Saat ging auf, die Früchte reifen der Ernte entgegen, und nun soll die Menschheit im Kreislaufe durch die von dem Gottessohne gebrachte Wahrheit reif hinaufschäumen zur Gottheit in des Menschen Sohn, und sich durch diesen wieder mit Gott eng verbinden.

Das ist nicht nur rein symbolisch gedacht, wie so viele wähnen, sondern das Wort wird sich buchstäblich erfüllen durch eine Person, wie es auch bei Jesus war. Zwischen den beiden Personen Jesus, dem Gottessohne, und dem Menschensohne liegt


Das gewaltige Menschheitskarma!


Höret; Jesus ging zum Osterfeste nach Jerusalem, wo fast alle Völker der Erde vertreten waren. Die Menschen schickten Boten aus nach Gethsemane, um Jesus zu holen. Das war die Zeit, da die Menschen hasserfüllt, mit irdischer Rohheit durch ihre Boten den Gottgesandten suchen ließen. Nun achtet auf den Augenblick, da er aus dem Garten trat, sie mit Waffen und Fackeln vor ihm standen, mit Gedanken der Vernichtung.

Als der Gottessohn die Worte sprach. „Ich bin's!“ und sich damit der Menschheit auslieferte, setzte das gewaltige Karma ein, das die Menschheit auf sich lud. Von dem Augenblicke an lastete es auf der Menschheit, diese nach den unerbittlichen Gesetzen des Weltalls tiefer und tiefer zur Erde zwingend, bis die Endauflösung naht. Wann wird das sein? Wir stehen dicht davor! Wie aber wird die Auslösung erfolgen?

Es wird sich schließen wie ein eiförmiger Kreis. Die Auslösung kommt durch des Menschen-Sohn! Ein Gottgesandter, der verkündet ist, nicht nur durch Jesus selbst, sondern auch später oft durch inspirierte Menschen, und auch in neuester Zeit von vielen, die in ihn den kommenden Weltenlehrer erwarten, oder kurz genannt: „Der Kommende!“

Wenn die Menschen durch schwere Ereignisse verzagt, verzweifelt und zermürbt sein werden, klein, ganz klein, dann ist die Stunde da, in der sie sich nach dem verheißenen Gottgesandten sehnen und ihn suchen werden! Und wenn sie wissen, wo er ist, werden von ihnen wie einst Boten ausgeschickt. Doch nicht Gedanken der Vernichtung und des Hasses tragen diese dann in sich, sondern in ihnen kommt die Menschheit diesmal zermürbt, demütig, bittend und vertrauensvoll zu dem, der von dem höchsten Lenker aller Welten ausersehen ist, sie von dem Bann zu lösen, der ihnen Hilfe und Befreiung bringt aus geistiger wie auch aus irdischer Not.

Auch diese Boten werden fragen. Und wie der Gottessohn einst in Gethsemane die Worte sprach: „Ich bin's!“, wodurch das Menschheits-karma seinen Anfang nahm, so wird diesmal der Gottgesandte mit denselben Worten antworten: „Ich bin's!“, und damit löst sich dann das schwere Menschheitskarma. Die gleichen Worte, die die große Schuld auf die damals hasserfüllte Menschheit wälzte, werden sie von der nun wieder mit derselben Frage, bangend und doch vertrauend und bittend kommenden Menschheit nehmen.

Gewaltig ist der Kreislauf dieses Karmas, und doch so sicher und genau geführt, daß sich darin die Prophezeihungen erfüllen. Und von der Stunde an, da dieses Wort das zweite Mal durch einen Gottesgesandten der Menschheit gegenüber ausgesprochen wird, geht es aufwärts. Erst dann setzt nach des Höchsten Willen das Reich des Friedens ein, nicht bevor!

Habt ihr das Bild erfasst, das ich Euch so entrollte? Es ist die Wahrheit, die ich schaue, nicht die Vermutung eines forschenden Gehirns. Ihr seht auf einer Seite die Boten der hassenden Menschheit sich dem Gottessohne nahen, ihn binden und misshandeln, scheinbar triumphierend über ihn. Dann folgt daraus der damit selbst herbei-geführte dauernde Niedergang in unausbleiblicher Wechselwirkung. Dabei aber auch gleichzeitig das Erstarken und Reifen einer von Jesus ausgestreuten Saat. Nun naht der von Jesus selbst angekündigte Menschensohn, als Gottgesandter, der im Dienste des Gottessohnes dessen Werk fortführt und vollendet, die Ernte bringt und dabei nach göttlicher Gerechtigkeit Spreu von dem Weizen scheidet.

Jesus, der Gottessohn, kam aus Liebe unter die Menschen, um die Verbindung wieder herzustellen, die die Menschheit zerrissen hatte. Der Menschensohn ist der Mensch, der in Gott ist, und die Verbindung in dem Kreislaufe schließt, sodass die reine Harmonie wieder durch die ganze Schöpfung fließen kann.

Unter demselben Sterne, wie einst der Gottessohn, wird auch der auserwählte Menschensohn das Wort des Höchsten verkünden: Unter den Strahlen des Bethlehem-Kometen.

Das ganze Weben in der Schöpfung, dieses wunderbare Ineinan-derleben, sich durch göttliche Gesetze oft verketten, ineinander-schlingen, kreuzen und doch dabei unaufhörlich vorwärtsdrängen, es liegt klar vor mir. Tausend Unterredungen reichen nicht aus, um Euch nur einen Teil davon zu geben.

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Gott!

Warum gehen die Menschen so scheu um dieses Wort herum, das ihnen doch vertrauter sein sollte als alles andere? Was ist es, das sie davon abhält, tief darüber nachzudenken, sich hineinzufühlen, um es richtig zu erfassen?

Ist es Ehrfurcht? Nein. Ist dieses sonderbare „Sichnichtgetrauen“ überhaupt etwas Großes, Anerkennenswertes oder Tiefes? Nimmer-mehr; denn überlegt Euch doch: Ihr betet zu Gott, und könnt Euch bei dem Gebet nicht einmal eine rechte Vorstellung von dem machen, zu dem ihr betet, seid im Gegenteil verwirrt, weil Euch darüber niemals, weder von der Schule noch der Kirche klare Auskunft wurde, die Eueren inneren Drang nach Wahrheit stillte. Die wirkliche Dreifaltigkeit blieb Euch im Grunde noch ein Rätsel, mit dem Ihr Euch zuletzt nach besten Kräften abzufinden suchtet.

Ich frage Euch: Kann unter diesen Umständen das Gebet so innig, so vertrauensvoll erfolgen, wie es sein soll? Es ist unmöglich. Wenn Ihr aber Eueren Gott kennt, er Euch dadurch vertrauter wird, ist das Gebet dann nicht von tieferen Empfindungen begleitet, viel direkter, inniger?

Und näher kommen sollt und müsst Ihr Euerem Gott! Ihr dürft nicht nur von Ferne stehen bleiben. Wie töricht ist es doch, zu sagen, es könne Unrecht sein, wenn man sich so ausführlich mit Gott befasst. Die Trägheit und Bequemlichkeit behauptet sogar, es sei Frevel! Ich aber sage Euch: Gott will es! Die Bedingung der Annäherung liegt in der ganzen Schöpfung. Deshalb hat der nicht Demut, der sich davon drückt, sondern im Gegenteile grenzenlose Anmaßung! Verlangt er doch damit, dass Gott sich ihm nähere, damit er ihn erfassen kann, anstatt dass er sich Gott zu nähern versucht, um ihn zu erkennen. Heuchelei, Bequemlichkeit, wohin man blickt, wohin man hört, und alles in dem Mantel falscher Demut!

Ihr aber, die Ihr nicht mehr schlafen wollt, die Ihr mit Inbrunst sucht und nach der Wahrheit strebt, nehmt auf die Kunde, sucht das Rechte zu erfassen: Was ist Dein Gott? Du weißt, er sprach: „Ich bin der Herr, Dein Gott, Du sollst nicht andere Götter haben neben mir!“ Es gibt nur einen Gott, nur eine Kraft. Was ist aber nun die Dreifaltigkeit? Dreieinigkeit? Gottvater, Gottsohn, und Gott, der Heilige Geist?

Folget mir im Geiste, auf dass Ihr sehet!

Als sich die :Menschheit selbst das Paradies verschloss, indem sie sich nicht mehr von der Empfindung leiten ließ, die rein geistig ist und demnach auch Gott nahe steht, sondern selbstwählerisch sich irdischen Verstand großzog und sich ihm unterwarf, sich somit also zu dem Sklaven seines eigenen Werkzeuges machte, das ihm zur Benutzung mitgegeben war, entfernte sie sich ganz naturgemäß auch mehr und mehr von Gott. Die Spaltung war damit vollzogen, indem die Menschheit sich vorwiegend nur dem irdischen zuneigte, das unbedingt an Raum und Zeit gebunden ist, was Gott in seiner Wesenheit nicht kennt, womit er deshalb auch nie zu erfassen ist. Mit jeder Generation wurde die Kluft größer, die Menschen ketteten sich immer nur an die Erde und müssen deshalb immer schwerer im „Schweiße ihres Angesichtes das Brot verdienen!“ Selbstgewollt durch ihre eigene Wahl. Sie wurden zu den erdgebundenen Verstandes-menschen, die sich Materialisten nennen, sogar mit Stolz so nennen, weil sie ihre Ketten gar nicht ahnen, da mit dem fest an Raum und Zeit gebunden sich auch gleichzeitig naturgemäß ihr Horizont verengte. Wie sollte davon aus der Weg zu Gott zurückgefunden werden? Nie!

Es war unmöglich, wenn die Hilfe nicht von Gott ausging. Von ihm aus musste deshalb eine Brücke neu geschlagen werden, wenn geholfen werden sollte. Und er erbarmte sich. Gott selbst in seiner Wesenheit und Reinheit konnte sich den niederen Verstandesmenschen nicht mehr offenbaren, weil diese durch ihre Verstandesarbeit nicht mehr fähig waren, seine Boten zu fühlen, sehen oder zu hören, und die wenigen, die es noch vermochten, wurden verlacht, weil der verengte, nur an Raum und Zeit gebundene Horizont der Materialisten jeden Gedanken an eine darüber hinaus bestehende Erweiterung als unmöglich, weil für ihn nicht begreifbar, ablehnte. Deshalb genügten auch die Propheten nicht mehr, deren Kraft nicht durchzudringen vermochte, weil zuletzt auch sogar die Grundgedanken aller religiösen Bestrebungen rein materialistisch geworden waren. Es musste also ein Mittler kommen zwischen der Gottheit und der verirrten Menschheit, der mehr Kraft besaß, als bisher alle anderen, damit er durchzudringen vermochte. Soll man sagen: Um der Wenigen willen, die unter den grassesten Materialismus noch nach Gott verlangten? Es wäre richtig, würde aber von Gegnern lieber als Anmaßung der Gläubigen bezeichnet werden, anstatt darin die gewaltige Gottesliebe und doch auch strenge Gerechtigkeit zu erkennen, die in Lohn und Strafe gleichmäßig Erlösung bietet.

Der Mittler aber, der die Kraft besaß, in dem Wirrwarr durchzudringen, musste selbst göttlich sein, da das Niedere schon so weit um sich gegriffen hatte, dass auch die Propheten als Boten versagten. Deshalb trennte Gott in seiner Liebe durch einen Willensakt ein Stück von sich selbst ab und inkarnierte es in Fleisch und Blut, in einen Menschenkörper männlichen Geschlechtes: Jesus von Nazareth, als nunmehr fleischgewordenes Wort, fleischgewordene Gottesliebe, Gottes Sohn!

Das so abgetrennte und trotzdem geistig eng verbunden bleibende Stück war dadurch persönlich geworden. Es blieb auch nach Ablegung des irdischen Körpers bei engster Wiedervereinigung mit Gottvater weiterhin persönlich durch seine Menschwerdung

Gottvater und Gottsohn sind also zwei und in Wirklichkeit nur eins! Und der „Heilige Geist?“ Christus selbst sagte von ihm, dass wohl Sünden gegen Gottvater und Gottsohn vergeben werden könnten, nie aber die Sünden gegen den „Heiligen Geist!“

Wie ist das? Ist der „Heilige Geist“ höher oder mehr als Gottvater und Gottsohn? Diese Frage hat schon so manches Gemüt bedrückt und beschäftigt, so manches Kind verwirrt gemacht. Was ist er nun?

Der „Heilige Geist“ ist Geist vom Vater, der abgetrennt von ihm gesondert in der ganzen Schöpfung wirkt, und der wie auch der Sohn trotzdem noch eng mit ihm verbunden, eins mit ihm geblieben ist. Die ehernen Gesetze in der Schöpfung, die gleich Nervensträngen durch das ganze Weltall gehen und die unbedingte Wechselwirkung bringen, des Menschen Schicksal, oder sein Karma, ist . . . der „Heilige Geist!“

Deshalb sagte schon der Heiland, dass niemand sich ungestraft gegen den heiligen Geist zu versündigen vermag, weit in der unerbittlichen und unverrückbaren Wechselwirkung die Vergeltung auf den Urheber zurückkommt, auf den Ausgangspunkt, sei es nun Gutes oder Böses. Und wie Gottsohn vom Vater ist, so ist auch der Heilige Geist von ihm, schon während der Schöpfung in diese als ein Stück von ihm eingewoben. Beide also Teile von ihm selbst, ganz zu ihm gehörend, untrennbar, da sonst ein Stück zu ihm fehlen würde. Wie die Arme eines Körpers, die selbständige Handlungen vornehmen und doch zu ihm gehören, wenn der Körper ganz sein soll; und die auch nur selbständige Handlungen vornehmen können in Verbindung mit dem Ganzen, also unbedingt eins mit ihm sind.

So ist Gottvater in seiner Allmacht und Weisheit, zur Rechten als ein Stück von ihm Gottsohn, die Liebe, und zur Linken, Gott der Heilige Geist, die Gerechtigkeit. Beide von Gottvater ausgegangen und als einheitlich dazu gehörend. Das ist die Dreifaltigkeit des einen Gottes.

Vor der Schöpfung war Gott eins! Während der Schöpfung gab er einen Teil seines Willens als in der Schöpfung selbständig wirkend von sich ab und wurde dadurch zweifältig. Als es sich nötig machte, der verirrten Menschheit einen Mittler zu geben, weil die Reinheit Gottes keine direkte Verbindung mit der sich selbst geketteten Menschheit zuließ ohne Menschwerdung, spaltete er dazu aus Liebe ein Stück von sich selbst zur vorübergehenden Menschwerdung ab, um sich der Menschheit wieder verständlich machen zu können, und wurde mit der Geburt Christi dreifältig!

Was Gottvater und Gottsohn ist, war schon vielen klar, aber der „Heilige Geist“ verblieb ein verworrener Begriff. Er ist die ausübende Gerechtigkeit, die ewigen, unverrückbaren und unbestechlichen Gesetze, die das Weltall durchpulsen und bisher nur ahnend genannt wurden: Schicksal ... Karma)






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Die innere Stimme.

Die so genannte „innere Stimme“, das Geistig im Menschen, auf das er hören kann, ist die Empfindung!

Nicht umsonst .sagt der Volksmund: „Der erste Eindruck ist immer der rechte.“ Wie in allen diesen und ähnlichen Redensarten und Sprüchen tiefe Wahrheit liegt, so auch hier. Unter Eindruck versteht man durchweg das Empfinden. Was ein Mensch zum Beispiel bei einer ersten Begegnung mit einem ihm bisher Fremden empfindet, ist entweder eine Art Warnung zur Vorsicht bis zum vollständigen Abgestoßensein, oder etwas Angenehmes bis zur vollen Sympathie, in manchen Fällen auch Gleichgültigkeit. Wenn nun dieser Eindruck im Laufe des Gespräches und des weiteren Verkehres durch das Urteil des Verstandes verschoben oder ganz verwischt wird, sodass der Gedanke auftaucht, die ursprüngliche Empfindung sei falsch gewesen, so ergibt sich fast immer am Schlusse solcher Bekanntschaften die Richtigkeit der allerersten Empfindung. Oft zum herben Schmerze derer, die sich durch den Verstand infolge des von anderen vorgetäuschten Wesens hatten irreführen lassen.

Die Empfindung, die nicht an Raum und Zeit gebunden ist und mit dem Gleichartigen in Verbindung steht, dem Geistigen, Ewigen, erkannte in dem anderen sofort die rechte Art, ließ sich nicht täuschen durch die Gewandtheit des Verstandes.

Irrung ist bei der Empfindung völlig ausgeschlossen.

So oft es vorkommt, dass Menschen irregeführt werden, sind es zwei Gründe, die die Irrungen herbeiführen: entweder der Verstand oder das Gefühl!

Wie oft hört man auch sagen: „Bei dieser oder jener Sache habe ich mich einmal von meinem Gefühle leiten lassen, und bin hineingefallen. Man soll doch nur auf den Verstand bauen!“ Solche begingen den Fehler, das Gefühl für die innere Stimme zu halten. Sie predigen dem Verstande ein Lob und ahnen nicht, dass gerade dieser bei dem Gefühle eine große Rolle spielt.

Darum wachet! Gefühl ist nicht Empfindung! Gefühl geht von dem grobstofflichen Körper aus Dieser erzeugt Triebe, welche vom Verstand gelenkt Gefühl entstehen lassen. Ein großer Unterschied mit der Empfindung. Die gemeinsame Arbeit des Gefühles und Verstandes aber gebiert die Fantasie.

Wir haben also auf der geistigen Seite nur die über Raum und Zeit erhabene Empfindung. Auf der irdischen Seite in erster Linie den an Raum und Zeit gebundenen grobstofflichen Körper. Von diesem Körper nun gehen Triebe aus, die sich durch Mitarbeit des Verstandes in Gefühl auslösen.

Der Verstand, ein Produkt des an Raum und Zeit gebundenen Gehirnes, vermag nun wieder als feinstes und höchstes der Materie unter Mitwirkung des Gefühles die Fantasie zu erzeugen. Fantasie ist also das Ergebnis der Zusammenarbeit des Gefühles mit dem Verstande. Sie ist feinstofflich, aber ohne geistige. also göttliche Kraft. Deshalb vermag die Fantasie nur rückwirkend zu sein. Sie vermag immer nur das Gefühl des eigenen Erzeugers zu beeinflussen, niemals aus sich heraus eine Kraftwelle auf andere zu senden. Sie wirkt also nur rückwärts auf das Gefühl dessen, dessen Fantasie sie ist, kann nur zu eigener Begeisterung entflammen, nie auf die Umgebung wirken. Damit ist der Stempel der niederen Stufe deutlich erkennbar. Anders mit der Empfindung. Diese trägt geistige Kraft in sich, schöpferische und belebende, und wirkt damit ausströmend auf andere, diese mitreißend und überzeugend.

Wir haben also auf der einen Seite die Empfindung, auf der anderen Seite Körper – Triebe – Verstand – Gefühl- Fantasie.

Die Empfindung ist reingeistig, steht über Raum und Zeit. Das Gefühl ist feinstofflich, aber von den Trieben und dem Verstande abhängig, also auf niederer Stufe.

Trotz dieser Feinstofflichkeit des Gefühles kann aber eine Vermischung mit der geistigen Empfindung nie erfolgen, also auch keinerlei Trübung der Empfindung. Die Empfindung wird immer rein und klar bleiben, weil sie geistig, also göttlich ist. Sie wird auch immer von den Menschen klar empfunden oder „gehört", wenn .... es wirklich die Empfindung ist, die spricht! Die größte Zahl der Menschen haben sich aber von dieser Empfindung abgeschlossen, indem sie das Gefühl vorlagerten wie eine dichte Hülle, eine Wand, und halten dann irrtümlich das Gefühl für ihre innere Stimme, wodurch sie viel Enttäuschungen erleben und sich dann umsomehr nur auf den Verstand verlassen, nicht ahnend, dass sie gerade durch die Mitwirkung des Verstandes getäuscht werden konnten. Aus diesem Irrtume heraus verwerfen sie vorschnell alles geistige, mit dem ihre Erfahrungen absolut nichts zu tun hatten, und schließen sich noch mehr an das Minderwertige an.

Das Grundübel ist wie in vielem anderen auch hierbei immer wieder die freiwillige Unterwerfung dieser Menschen unter den an Raum und Zeit gebundenen Verstand!

Der Mensch, der sich seinem Verstande völlig unterwirft, unter-wirft sich damit auch vollkommen den Beschränkungen des Verstandes, der als Produkt des grobstofflichen Gehirnes fest an Raum und Zeit gebunden ist. Somit kettet sich der Mensch dann ganz nur an das Grobstoffliche.

Alles, was der Mensch tut, geschieht von seiner Seite aus und freiwillig. So wird er nicht etwa gekettet, sondern er kettet sich selbst! Er lässt sich vom Verstand beherrschen, (denn wenn er nicht selbst wollte, so könnte es nie geschehen), der ihn nach seiner Eigenart auch mit an Raum und Zeit bindet, ihn Raum- und Zeitloses nicht mehr erkennen lässt, nicht mehr verstehen. Deshalb legt sich dabei über die raum- und zeitlose Empfindung durch das beengte Begriffsvermögen eine fest an Raum und Zeit gebundene Hülle, eine Grenze, und der Mensch vermag dadurch entweder gar nichts mehr zu hören, seine „reine, innere Stimme“ ist verhallt, oder er ist nur noch fähig, das mit dem Verstand zusammenhängende Gefühl zu „hören“ an Stelle der Empfindung.

Es erzeugt einen falschen Begriff, zu sagen: Das Gefühl unter-drückt die reine Empfindung; denn nichts ist stärker als die Empfindung, sie ist die höchste Kraft des Menschen, kann nie von etwas anderem unterdrückt oder nur beeinträchtigt werden. Richtiger ist zu sagen: Der Mensch macht sich unfähig dazu, die Empfindung zu erkennen.

Das Versagen liegt immer nur an dem Menschen selbst, nie an Stärke oder Schwäche einzelner Gaben; denn gerade die Grundgabe, die eigentliche Kraft, das Stärkste von allem im Menschen, das alles Leben in sich trägt und unsterblich ist, ist einem jeden Einzelnen gleich gegeben! Damit hat niemand dem anderen etwas voraus. Alle Unterschiede liegen lediglich an der Verwendung!

Auch kann diese Grundgabe, der unsterbliche Funke, nie getrübt oder beschmutzt werden! Rein bleibt er auch im größten Schlamme; denn er ist göttlich, unbefleckbar! Nur die Hülle müsst Ihr sprengen, die Ihr Euch selbst durch die freiwillige Begrenzung des Begriffsvermögens auferlegtet. Dann wird er ohne Übergang ebenso rein und klar emporlodern, wie er im Anfang war, sich frisch und stark entfalten und mit dem Licht, dem Geistigen, verbinden! Freut Euch dieses Schatzes, der unantastbar in Euch liegt! Gleichviel, ob Ihr von Eueren Nebenmenschen als wertvoll angesehen werdet oder nicht! Ein jeder Schmutz kann abgeworfen werden, der sich wie ein Damm um diesen Gottesfunken angesammelt hat, durch ehrlich gutes Wollen. Habt Ihr die Arbeit dann getan, und den Schatz wieder freigelegt, so seid Ihr ebensoviel wert wie jeder, der ihn nie vergrub!

Doch wehe, wer sich dauernd aus Bequemlichkeit dem Wollen zu dem Guten streng verschließt! Ihm wird zur Stunde des Gerichtes dieser Schatz genommen und er hört damit auf zu sein.

Deshalb wacht auf, die Ihr Euch abgeschlossen haltet, die Ihr die Decke des Verstandes über Euere Empfindung legtet mit der Begrenzung des Begriffsvermögens! Habt Acht und höret auf die Rufe, die Euch treffen! Sei es nun ein gewaltiger Schmerz, starke seelische Erschütterung, großes Leid oder hohe, reine Freude, das die verdunkelnde Decke niederen Gefühles zu sprengen vermag, lasst nichts derartiges nutzlos an Euch vorübergehen. Es sind Hilfen, die Euch den Weg zeigen! Besser ist es, wenn Ihr nicht erst darauf wartet, sondern mit ernstem Wollen zu allem Guten und zum geistigen Aufstieg einsetzt. Dadurch wird die trennende Schicht bald wieder dünner und leichter werden, bis sie zuletzt zerflattert und der noch immer reine, unbefleckte Funke zu lodernder Flamme emporbricht. Doch dieser erste Schritt kann und muss nur von dem Menschen selbst ausgehen, sonst ist ihm nicht zu helfen.

Dabei müsst Ihr streng unterscheiden zwischen Wünschen und dem Wollen. Mit dem Wünschen ist noch nichts getan, es reicht zu keinem Fortschritt aus. Das Wollen muss es sein, das auch die Tat bedingt, diese schon in sich trägt. Mit dem ernsten Wollen setzt die Tat schon ein.

Wenn auch so Mancher dabei viele Nebenwege gehen muss, weil er sich bisher nur an den Verstand gebunden hatte, so scheue er doch nicht davor zurück. Auch er gewinnt! Für ihn gilt es, seinen Verstand zu klären, in dem einzelnen Durchleben aller Nebenwege langsam alles Hemmende abzuschälen und zu lösen.

Deshalb unverzagt voran. Mit ernstem Wollen führt zuletzt ein jeder Weg zum Ziele!

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Fragenbeantwortung.

Frage: Wie kommt es, dass die große Religion der Liebe mit Recht nur die Religion der Schwachen genannt werden muss, deren Trost sie ist?

Antwort: Die Religion der Liebe ist nur falsch erfasst durch vielseitige Verzerrungen und Entstellungen des Begriffes Liebe; denn der wahren Liebe größter Teil ist Strenge! Das, was jetzt Liebe genannt wird, ist alles andere mehr als Liebe. Wenn allen sogenannten Lieben unerbittlich auf den Grund gegangen wird, so bleibt dort weiter nichts als Selbstsucht. Eitelkeit, Schwachheit. Bequemlichkeit, Einbildung oder Triebe.

Wahrhafte Liebe wird nicht darauf sehen, was dem anderen gefällt, was diesem angenehm ist und Freude bereitet, sondern sie wird sich nur darnach richten, was dem Anderen nützt! Gleichviel, ob es dem Anderen Freude bereitet oder nicht. Das ist wahres lieben und dienen.

Wenn also geschrieben steht: „Liebet Euere Feinde!“ So heißt das: „Tut das, was ihnen nützt! Züchtigt sie also auch, wenn sie nicht anders zur Erkenntnis kommen können!“ Das ist ihnen dienen. Nur muss Gerechtigkeit dabei walten; denn Liebe lässt sich von Gerechtigkeit nicht trennen, sie sind eins! Unangebrachte Nachgiebigkeit hieße die Fehler der Feinde noch größer ziehen und sie dadurch weiter auf abschüssige Bahn gleiten lassen. Wäre das Liebe? Man würde sich im Gegenteil damit eine Schuld aufbürden!

Die Religion der Liebe ist nur aus ausgesprochenen Wünschen der Menschen heraus zu einer Religion der Schlaffheit gemacht worden, wie auch die Person des Wahrheitsbringers Christus Jesus zu einer Weichlichkeit und Nachgiebigkeit herabgezerrt wurde, die er nie besaß. Er war gerade durch Allliebe herb und ernst unter den Verstandesmenschen. Seine Traurigkeit, die ihn oft befiel, war im Hinblick auf seine hohe Mission und dem dieser gegenüberstehenden Menschheitsmateriale nur selbstverständlich. Sie hatte mit Weichheit absolut nichts zu tun.

Die Religion der Liebe wird nach Ablegung aller Einstellungen und dogmatischen Beengungen eine Lehre strengster Konsequenz sein, in der keine Schwachheit und unlogische Nachgiebigkeit zu finden ist.






Aus dem Inhalte des nächsten Heftes:

Das Rätsel der Geburt.

Spiritismus.

Erdgebunden.

Gedankenformen.

Ein Märchen

u. s. w.

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An unsere Leser!

Wir geben Fragen, die durch vorstehende Aufsätze angeregt werden, gern an den Verfasser weiter, der sich ausdrücklich zu deren Beantwortung bereit erklärt hat. Gehen die Fragen rechtzeitig ein, erscheinen die Antworten stets mit in dem darauf folgenden Hefte.

Der Verlag.


1 *) Siehe Vortrag: Geburt

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