Erbsünde.
Die Erbsünde ging hervor aus dem ersten Sündenfalle Diesen Sündenfall und den darin folgenden Ausschluss aus dem Paradiese (Selbstausschluß) erklärte ich in meinem Vortrage: „Der Mensch in der Schöpfung“.
Die Sünde, also die falsche Handlung, war das Zugroßziehen des Verstandes, die damit verbundene freiwillige Kettung an Raum und Zeit, und die dann eintretenden Nebenwirkungen der strikten Ver-standesarbeit, wie Gewinnsucht, Übervorteilung, Unterdrückung usw., die viele andere, im Grunde eigentlich alle Übel in Gefolgschaft haben.
Dieser Vorgang hatte natürlich bei den sich entwickelnden reinen Verstandesmenschen nach und nach immer stärkeren Einfluss auf die Bildung des grobstofflichen Körpers. Das den Verstand erzeugende vordere Gehirn wurde durch die andauernden Bemühungen größer und größer, und es war ganz selbstverständlich, dass bei Zeugungen diese sich verändernden Formen in der Fortpflanzung des irdischen Körpers zum Ausdruck kamen und die Kinder bei den Geburten ein immer mehr entwickelteres, stärkeres Vordergehirn mitbrachten.
Darin lag aber und liegt auch heute noch die Anlage oder Ver-anlagung zu einer über allen anderen Dingen herrschenden Verstan-deskraft, die die Gefahr in sich birgt, bei voller Erweckung den Träger des Gehirnes nicht nur fest an Raum und Zeit zu ketten, also an alles irdisch Grobstoffliche, sodass er unfähig wird, Feinstoffliches und Reingeistiges zu erfassen, sondern ihn auch noch in alles Übel verwickelt, das bei Oberherrschaft des Verstandes unabwendbar bleibt.
Das Mitbringen dieses freiwillig großgezüchteten Vordergehirnes, in dem die Gefahr der reinen Verstandesherrschaft liegt mit den dann unvermeidlichen üblen Nebenerscheinungen, ist die Erbsünde!
Also die körperliche Vererbung des jetzt durch seine künstlich gesteigerte Entfaltung mit Großgehirn bezeichneten Teiles, wodurch der Mensch bei der Geburt eine Gefahr mitbringt, die ihn sehr leicht in Übel verstricken kann.
Doch das entzieht ihn nicht etwa einer Verantwortung. Diese bleibt ihm; denn er ererbt nur die Gefahr, nicht die Sünde selbst. Es ist durchaus nicht notwendig, dass er bedingungslos den Verstand herrschen lässt und sich ihm dadurch unterwirft. Er kann im Gegen-teile die große Kraft seines Verstandes wie ein scharfes Schwert benutzen und sich in dem irdischen Getriebe damit den Weg frei-machen, dem ihm seine Empfindung zeigt, die auch die innere Stimme genannt wird.
Wird aber nun bei einem Kinde durch Erziehung und Schulung der Verstand zu absoluter Herrschaft gehoben, so fällt ein Teil der Schuld oder besser der durch das Gesetz der Wechselwirkung erfolgenden Rückwirkung von dem Kinde ab, da dieser Teil den Erzieher oder Lehrer trifft, der solchen verursachte. Er ist von diesem Augenblicke an das Kind gebunden, bis dieses von dem Irrtume und den Folgen desselben befreit ist, und wenn dies Jahrhunderte oder Jahrtausende währen sollte.
Was aber ein derartig erzogenes Kind dann tut, nachdem ihm ernste Gelegenheit zu einer Ein- und Umkehr geboten wurde, trifft es in der Rückwirkung ganz allein. Derartige Gelegenheiten kommen durch gesprochenes oder geschriebenes Wort, durch Erschütterungen im Leben oder ähnliche Vorkommnisse, die einen Augenblick tiefen Empfindens erzwingen. Sie bleiben nie aus. --
Ich gab damit nun einen Schlüssel für vieles. Zwecklos würde es sein, noch weiter darüber zu sprechen, es könnten in allen Streiflichtern nur dauernde Wiederholungen sein, die sich alle in dem einen Punkte treffen müssen. Wer darüber nachdenkt, dem ist bald ein Schleier von den Augen weggezogen, viele Fragen hat er in sich selbst dabei gelöst.
Gottessohn und Menschensohn.
Ein großer Irrtum läuft schon durch Jahrtausende: die Annahe, das Jesus von Nazareth Gottessohn und auch gleichzeitig der oft genannte Menschensohn war, ist falsch! In Jesus von Nazareth war ein Stück der Gottheit inkarniert, um die Brücke über die Kluft von der Gottheit zur Menschheit zu schlagen, die die Menschheit selbst gerissen hatte durch das Großziehen des an Raum und Zeit gebundenen Verstandes. Somit war Jesus Gottes Sohn, als ein Stück von ihm, der unter der Menschheit seine Mission erfüllte, was er nur in Fleisch und Blut durchführen konnte. Er blieb auch in der Inkarnierung Gottes Sohn, das ja rein geistiger Natur war, die sich nicht veränderte.
War er aber Gottessohn, so konnte er nicht Menschensohn sein; denn das ist zweierlei. Und er war und ist noch Gottessohn. Wer ist also der Menschensohn?
Den Jüngern fiel es schon auf, dass Jesus in der dritten Person sprach, wenn er von dem Menschensohn redete, und sie befragten ihn darüber. Die Überlieferungen sind von den Schreibern in der eigenen Voraussetzung geschrieben, dass Jesus, der Gottessohn, und des Menschensohn ein und dieselbe Person sein soll. Darauf haben alle ihre Berichte von vornherein eingestellt, und damit ohne es wollen oder zu wissen Irrtümer verbreitet. Jesus, der Gottessohn, und des Menschen-sohn sind nicht eine Person, sondern zwei!
Wenn Jesus von dem Menschensohn sprach, so sprach er vorausschauend von dessen Kommen. Er kündete es selbst an, da das Kommen des Menschensohnes mit dem Wirken des Gottessohnes in engstem Zusammenhange steht. Er sprach: „Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird ...“ usw.
Es ist ein Kreislauf, wie überall in der Schöpfung. Die Gottheit kam durch Jesus herab zur Menschheit, um die Wahrheit zu bringen und auszusäen. Die Saat ging auf, die Früchte reifen der Ernte entgegen, und nun soll die Menschheit im Kreislaufe durch die von dem Gottessohne gebrachte Wahrheit reif hinaufschäumen zur Gottheit in des Menschen Sohn, und sich durch diesen wieder mit Gott eng verbinden.
Das ist nicht nur rein symbolisch gedacht, wie so viele wähnen, sondern das Wort wird sich buchstäblich erfüllen durch eine Person, wie es auch bei Jesus war. Zwischen den beiden Personen Jesus, dem Gottessohne, und dem Menschensohne liegt
Das gewaltige Menschheitskarma!
Höret; Jesus ging zum Osterfeste nach Jerusalem, wo fast alle Völker der Erde vertreten waren. Die Menschen schickten Boten aus nach Gethsemane, um Jesus zu holen. Das war die Zeit, da die Menschen hasserfüllt, mit irdischer Rohheit durch ihre Boten den Gottgesandten suchen ließen. Nun achtet auf den Augenblick, da er aus dem Garten trat, sie mit Waffen und Fackeln vor ihm standen, mit Gedanken der Vernichtung.
Als der Gottessohn die Worte sprach. „Ich bin's!“ und sich damit der Menschheit auslieferte, setzte das gewaltige Karma ein, das die Menschheit auf sich lud. Von dem Augenblicke an lastete es auf der Menschheit, diese nach den unerbittlichen Gesetzen des Weltalls tiefer und tiefer zur Erde zwingend, bis die Endauflösung naht. Wann wird das sein? Wir stehen dicht davor! Wie aber wird die Auslösung erfolgen?
Es wird sich schließen wie ein eiförmiger Kreis. Die Auslösung kommt durch des Menschen-Sohn! Ein Gottgesandter, der verkündet ist, nicht nur durch Jesus selbst, sondern auch später oft durch inspirierte Menschen, und auch in neuester Zeit von vielen, die in ihn den kommenden Weltenlehrer erwarten, oder kurz genannt: „Der Kommende!“
Wenn die Menschen durch schwere Ereignisse verzagt, verzweifelt und zermürbt sein werden, klein, ganz klein, dann ist die Stunde da, in der sie sich nach dem verheißenen Gottgesandten sehnen und ihn suchen werden! Und wenn sie wissen, wo er ist, werden von ihnen wie einst Boten ausgeschickt. Doch nicht Gedanken der Vernichtung und des Hasses tragen diese dann in sich, sondern in ihnen kommt die Menschheit diesmal zermürbt, demütig, bittend und vertrauensvoll zu dem, der von dem höchsten Lenker aller Welten ausersehen ist, sie von dem Bann zu lösen, der ihnen Hilfe und Befreiung bringt aus geistiger wie auch aus irdischer Not.
Auch diese Boten werden fragen. Und wie der Gottessohn einst in Gethsemane die Worte sprach: „Ich bin's!“, wodurch das Menschheits-karma seinen Anfang nahm, so wird diesmal der Gottgesandte mit denselben Worten antworten: „Ich bin's!“, und damit löst sich dann das schwere Menschheitskarma. Die gleichen Worte, die die große Schuld auf die damals hasserfüllte Menschheit wälzte, werden sie von der nun wieder mit derselben Frage, bangend und doch vertrauend und bittend kommenden Menschheit nehmen.
Gewaltig ist der Kreislauf dieses Karmas, und doch so sicher und genau geführt, daß sich darin die Prophezeihungen erfüllen. Und von der Stunde an, da dieses Wort das zweite Mal durch einen Gottesgesandten der Menschheit gegenüber ausgesprochen wird, geht es aufwärts. Erst dann setzt nach des Höchsten Willen das Reich des Friedens ein, nicht bevor!
Habt ihr das Bild erfasst, das ich Euch so entrollte? Es ist die Wahrheit, die ich schaue, nicht die Vermutung eines forschenden Gehirns. Ihr seht auf einer Seite die Boten der hassenden Menschheit sich dem Gottessohne nahen, ihn binden und misshandeln, scheinbar triumphierend über ihn. Dann folgt daraus der damit selbst herbei-geführte dauernde Niedergang in unausbleiblicher Wechselwirkung. Dabei aber auch gleichzeitig das Erstarken und Reifen einer von Jesus ausgestreuten Saat. Nun naht der von Jesus selbst angekündigte Menschensohn, als Gottgesandter, der im Dienste des Gottessohnes dessen Werk fortführt und vollendet, die Ernte bringt und dabei nach göttlicher Gerechtigkeit Spreu von dem Weizen scheidet.
Jesus, der Gottessohn, kam aus Liebe unter die Menschen, um die Verbindung wieder herzustellen, die die Menschheit zerrissen hatte. Der Menschensohn ist der Mensch, der in Gott ist, und die Verbindung in dem Kreislaufe schließt, sodass die reine Harmonie wieder durch die ganze Schöpfung fließen kann.
Unter demselben Sterne, wie einst der Gottessohn, wird auch der auserwählte Menschensohn das Wort des Höchsten verkünden: Unter den Strahlen des Bethlehem-Kometen.
Das ganze Weben in der Schöpfung, dieses wunderbare Ineinan-derleben, sich durch göttliche Gesetze oft verketten, ineinander-schlingen, kreuzen und doch dabei unaufhörlich vorwärtsdrängen, es liegt klar vor mir. Tausend Unterredungen reichen nicht aus, um Euch nur einen Teil davon zu geben.
Gott!
Warum gehen die Menschen so scheu um dieses Wort herum, das ihnen doch vertrauter sein sollte als alles andere? Was ist es, das sie davon abhält, tief darüber nachzudenken, sich hineinzufühlen, um es richtig zu erfassen?
Ist es Ehrfurcht? Nein. Ist dieses sonderbare „Sichnichtgetrauen“ überhaupt etwas Großes, Anerkennenswertes oder Tiefes? Nimmer-mehr; denn überlegt Euch doch: Ihr betet zu Gott, und könnt Euch bei dem Gebet nicht einmal eine rechte Vorstellung von dem machen, zu dem ihr betet, seid im Gegenteil verwirrt, weil Euch darüber niemals, weder von der Schule noch der Kirche klare Auskunft wurde, die Eueren inneren Drang nach Wahrheit stillte. Die wirkliche Dreifaltigkeit blieb Euch im Grunde noch ein Rätsel, mit dem Ihr Euch zuletzt nach besten Kräften abzufinden suchtet.
Ich frage Euch: Kann unter diesen Umständen das Gebet so innig, so vertrauensvoll erfolgen, wie es sein soll? Es ist unmöglich. Wenn Ihr aber Eueren Gott kennt, er Euch dadurch vertrauter wird, ist das Gebet dann nicht von tieferen Empfindungen begleitet, viel direkter, inniger?
Und näher kommen sollt und müsst Ihr Euerem Gott! Ihr dürft nicht nur von Ferne stehen bleiben. Wie töricht ist es doch, zu sagen, es könne Unrecht sein, wenn man sich so ausführlich mit Gott befasst. Die Trägheit und Bequemlichkeit behauptet sogar, es sei Frevel! Ich aber sage Euch: Gott will es! Die Bedingung der Annäherung liegt in der ganzen Schöpfung. Deshalb hat der nicht Demut, der sich davon drückt, sondern im Gegenteile grenzenlose Anmaßung! Verlangt er doch damit, dass Gott sich ihm nähere, damit er ihn erfassen kann, anstatt dass er sich Gott zu nähern versucht, um ihn zu erkennen. Heuchelei, Bequemlichkeit, wohin man blickt, wohin man hört, und alles in dem Mantel falscher Demut!
Ihr aber, die Ihr nicht mehr schlafen wollt, die Ihr mit Inbrunst sucht und nach der Wahrheit strebt, nehmt auf die Kunde, sucht das Rechte zu erfassen: Was ist Dein Gott? Du weißt, er sprach: „Ich bin der Herr, Dein Gott, Du sollst nicht andere Götter haben neben mir!“ Es gibt nur einen Gott, nur eine Kraft. Was ist aber nun die Dreifaltigkeit? Dreieinigkeit? Gottvater, Gottsohn, und Gott, der Heilige Geist?
Folget mir im Geiste, auf dass Ihr sehet!
Als sich die :Menschheit selbst das Paradies verschloss, indem sie sich nicht mehr von der Empfindung leiten ließ, die rein geistig ist und demnach auch Gott nahe steht, sondern selbstwählerisch sich irdischen Verstand großzog und sich ihm unterwarf, sich somit also zu dem Sklaven seines eigenen Werkzeuges machte, das ihm zur Benutzung mitgegeben war, entfernte sie sich ganz naturgemäß auch mehr und mehr von Gott. Die Spaltung war damit vollzogen, indem die Menschheit sich vorwiegend nur dem irdischen zuneigte, das unbedingt an Raum und Zeit gebunden ist, was Gott in seiner Wesenheit nicht kennt, womit er deshalb auch nie zu erfassen ist. Mit jeder Generation wurde die Kluft größer, die Menschen ketteten sich immer nur an die Erde und müssen deshalb immer schwerer im „Schweiße ihres Angesichtes das Brot verdienen!“ Selbstgewollt durch ihre eigene Wahl. Sie wurden zu den erdgebundenen Verstandes-menschen, die sich Materialisten nennen, sogar mit Stolz so nennen, weil sie ihre Ketten gar nicht ahnen, da mit dem fest an Raum und Zeit gebunden sich auch gleichzeitig naturgemäß ihr Horizont verengte. Wie sollte davon aus der Weg zu Gott zurückgefunden werden? Nie!
Es war unmöglich, wenn die Hilfe nicht von Gott ausging. Von ihm aus musste deshalb eine Brücke neu geschlagen werden, wenn geholfen werden sollte. Und er erbarmte sich. Gott selbst in seiner Wesenheit und Reinheit konnte sich den niederen Verstandesmenschen nicht mehr offenbaren, weil diese durch ihre Verstandesarbeit nicht mehr fähig waren, seine Boten zu fühlen, sehen oder zu hören, und die wenigen, die es noch vermochten, wurden verlacht, weil der verengte, nur an Raum und Zeit gebundene Horizont der Materialisten jeden Gedanken an eine darüber hinaus bestehende Erweiterung als unmöglich, weil für ihn nicht begreifbar, ablehnte. Deshalb genügten auch die Propheten nicht mehr, deren Kraft nicht durchzudringen vermochte, weil zuletzt auch sogar die Grundgedanken aller religiösen Bestrebungen rein materialistisch geworden waren. Es musste also ein Mittler kommen zwischen der Gottheit und der verirrten Menschheit, der mehr Kraft besaß, als bisher alle anderen, damit er durchzudringen vermochte. Soll man sagen: Um der Wenigen willen, die unter den grassesten Materialismus noch nach Gott verlangten? Es wäre richtig, würde aber von Gegnern lieber als Anmaßung der Gläubigen bezeichnet werden, anstatt darin die gewaltige Gottesliebe und doch auch strenge Gerechtigkeit zu erkennen, die in Lohn und Strafe gleichmäßig Erlösung bietet.
Der Mittler aber, der die Kraft besaß, in dem Wirrwarr durchzudringen, musste selbst göttlich sein, da das Niedere schon so weit um sich gegriffen hatte, dass auch die Propheten als Boten versagten. Deshalb trennte Gott in seiner Liebe durch einen Willensakt ein Stück von sich selbst ab und inkarnierte es in Fleisch und Blut, in einen Menschenkörper männlichen Geschlechtes: Jesus von Nazareth, als nunmehr fleischgewordenes Wort, fleischgewordene Gottesliebe, Gottes Sohn!
Das so abgetrennte und trotzdem geistig eng verbunden bleibende Stück war dadurch persönlich geworden. Es blieb auch nach Ablegung des irdischen Körpers bei engster Wiedervereinigung mit Gottvater weiterhin persönlich durch seine Menschwerdung
Gottvater und Gottsohn sind also zwei und in Wirklichkeit nur eins! Und der „Heilige Geist?“ Christus selbst sagte von ihm, dass wohl Sünden gegen Gottvater und Gottsohn vergeben werden könnten, nie aber die Sünden gegen den „Heiligen Geist!“
Wie ist das? Ist der „Heilige Geist“ höher oder mehr als Gottvater und Gottsohn? Diese Frage hat schon so manches Gemüt bedrückt und beschäftigt, so manches Kind verwirrt gemacht. Was ist er nun?
Der „Heilige Geist“ ist Geist vom Vater, der abgetrennt von ihm gesondert in der ganzen Schöpfung wirkt, und der wie auch der Sohn trotzdem noch eng mit ihm verbunden, eins mit ihm geblieben ist. Die ehernen Gesetze in der Schöpfung, die gleich Nervensträngen durch das ganze Weltall gehen und die unbedingte Wechselwirkung bringen, des Menschen Schicksal, oder sein Karma, ist . . . der „Heilige Geist!“
Deshalb sagte schon der Heiland, dass niemand sich ungestraft gegen den heiligen Geist zu versündigen vermag, weit in der unerbittlichen und unverrückbaren Wechselwirkung die Vergeltung auf den Urheber zurückkommt, auf den Ausgangspunkt, sei es nun Gutes oder Böses. Und wie Gottsohn vom Vater ist, so ist auch der Heilige Geist von ihm, schon während der Schöpfung in diese als ein Stück von ihm eingewoben. Beide also Teile von ihm selbst, ganz zu ihm gehörend, untrennbar, da sonst ein Stück zu ihm fehlen würde. Wie die Arme eines Körpers, die selbständige Handlungen vornehmen und doch zu ihm gehören, wenn der Körper ganz sein soll; und die auch nur selbständige Handlungen vornehmen können in Verbindung mit dem Ganzen, also unbedingt eins mit ihm sind.
So ist Gottvater in seiner Allmacht und Weisheit, zur Rechten als ein Stück von ihm Gottsohn, die Liebe, und zur Linken, Gott der Heilige Geist, die Gerechtigkeit. Beide von Gottvater ausgegangen und als einheitlich dazu gehörend. Das ist die Dreifaltigkeit des einen Gottes.
Vor der Schöpfung war Gott eins! Während der Schöpfung gab er einen Teil seines Willens als in der Schöpfung selbständig wirkend von sich ab und wurde dadurch zweifältig. Als es sich nötig machte, der verirrten Menschheit einen Mittler zu geben, weil die Reinheit Gottes keine direkte Verbindung mit der sich selbst geketteten Menschheit zuließ ohne Menschwerdung, spaltete er dazu aus Liebe ein Stück von sich selbst zur vorübergehenden Menschwerdung ab, um sich der Menschheit wieder verständlich machen zu können, und wurde mit der Geburt Christi dreifältig!
Was Gottvater und Gottsohn ist, war schon vielen klar, aber der „Heilige Geist“ verblieb ein verworrener Begriff. Er ist die ausübende Gerechtigkeit, die ewigen, unverrückbaren und unbestechlichen Gesetze, die das Weltall durchpulsen und bisher nur ahnend genannt wurden: Schicksal ... Karma)
Die innere Stimme.
Die so genannte „innere Stimme“, das Geistig im Menschen, auf das er hören kann, ist die Empfindung!
Nicht umsonst .sagt der Volksmund: „Der erste Eindruck ist immer der rechte.“ Wie in allen diesen und ähnlichen Redensarten und Sprüchen tiefe Wahrheit liegt, so auch hier. Unter Eindruck versteht man durchweg das Empfinden. Was ein Mensch zum Beispiel bei einer ersten Begegnung mit einem ihm bisher Fremden empfindet, ist entweder eine Art Warnung zur Vorsicht bis zum vollständigen Abgestoßensein, oder etwas Angenehmes bis zur vollen Sympathie, in manchen Fällen auch Gleichgültigkeit. Wenn nun dieser Eindruck im Laufe des Gespräches und des weiteren Verkehres durch das Urteil des Verstandes verschoben oder ganz verwischt wird, sodass der Gedanke auftaucht, die ursprüngliche Empfindung sei falsch gewesen, so ergibt sich fast immer am Schlusse solcher Bekanntschaften die Richtigkeit der allerersten Empfindung. Oft zum herben Schmerze derer, die sich durch den Verstand infolge des von anderen vorgetäuschten Wesens hatten irreführen lassen.
Die Empfindung, die nicht an Raum und Zeit gebunden ist und mit dem Gleichartigen in Verbindung steht, dem Geistigen, Ewigen, erkannte in dem anderen sofort die rechte Art, ließ sich nicht täuschen durch die Gewandtheit des Verstandes.
Irrung ist bei der Empfindung völlig ausgeschlossen.
So oft es vorkommt, dass Menschen irregeführt werden, sind es zwei Gründe, die die Irrungen herbeiführen: entweder der Verstand oder das Gefühl!
Wie oft hört man auch sagen: „Bei dieser oder jener Sache habe ich mich einmal von meinem Gefühle leiten lassen, und bin hineingefallen. Man soll doch nur auf den Verstand bauen!“ Solche begingen den Fehler, das Gefühl für die innere Stimme zu halten. Sie predigen dem Verstande ein Lob und ahnen nicht, dass gerade dieser bei dem Gefühle eine große Rolle spielt.
Darum wachet! Gefühl ist nicht Empfindung! Gefühl geht von dem grobstofflichen Körper aus Dieser erzeugt Triebe, welche vom Verstand gelenkt Gefühl entstehen lassen. Ein großer Unterschied mit der Empfindung. Die gemeinsame Arbeit des Gefühles und Verstandes aber gebiert die Fantasie.
Wir haben also auf der geistigen Seite nur die über Raum und Zeit erhabene Empfindung. Auf der irdischen Seite in erster Linie den an Raum und Zeit gebundenen grobstofflichen Körper. Von diesem Körper nun gehen Triebe aus, die sich durch Mitarbeit des Verstandes in Gefühl auslösen.
Der Verstand, ein Produkt des an Raum und Zeit gebundenen Gehirnes, vermag nun wieder als feinstes und höchstes der Materie unter Mitwirkung des Gefühles die Fantasie zu erzeugen. Fantasie ist also das Ergebnis der Zusammenarbeit des Gefühles mit dem Verstande. Sie ist feinstofflich, aber ohne geistige. also göttliche Kraft. Deshalb vermag die Fantasie nur rückwirkend zu sein. Sie vermag immer nur das Gefühl des eigenen Erzeugers zu beeinflussen, niemals aus sich heraus eine Kraftwelle auf andere zu senden. Sie wirkt also nur rückwärts auf das Gefühl dessen, dessen Fantasie sie ist, kann nur zu eigener Begeisterung entflammen, nie auf die Umgebung wirken. Damit ist der Stempel der niederen Stufe deutlich erkennbar. Anders mit der Empfindung. Diese trägt geistige Kraft in sich, schöpferische und belebende, und wirkt damit ausströmend auf andere, diese mitreißend und überzeugend.
Wir haben also auf der einen Seite die Empfindung, auf der anderen Seite Körper – Triebe – Verstand – Gefühl- Fantasie.
Die Empfindung ist reingeistig, steht über Raum und Zeit. Das Gefühl ist feinstofflich, aber von den Trieben und dem Verstande abhängig, also auf niederer Stufe.
Trotz dieser Feinstofflichkeit des Gefühles kann aber eine Vermischung mit der geistigen Empfindung nie erfolgen, also auch keinerlei Trübung der Empfindung. Die Empfindung wird immer rein und klar bleiben, weil sie geistig, also göttlich ist. Sie wird auch immer von den Menschen klar empfunden oder „gehört", wenn .... es wirklich die Empfindung ist, die spricht! Die größte Zahl der Menschen haben sich aber von dieser Empfindung abgeschlossen, indem sie das Gefühl vorlagerten wie eine dichte Hülle, eine Wand, und halten dann irrtümlich das Gefühl für ihre innere Stimme, wodurch sie viel Enttäuschungen erleben und sich dann umsomehr nur auf den Verstand verlassen, nicht ahnend, dass sie gerade durch die Mitwirkung des Verstandes getäuscht werden konnten. Aus diesem Irrtume heraus verwerfen sie vorschnell alles geistige, mit dem ihre Erfahrungen absolut nichts zu tun hatten, und schließen sich noch mehr an das Minderwertige an.
Das Grundübel ist wie in vielem anderen auch hierbei immer wieder die freiwillige Unterwerfung dieser Menschen unter den an Raum und Zeit gebundenen Verstand!
Der Mensch, der sich seinem Verstande völlig unterwirft, unter-wirft sich damit auch vollkommen den Beschränkungen des Verstandes, der als Produkt des grobstofflichen Gehirnes fest an Raum und Zeit gebunden ist. Somit kettet sich der Mensch dann ganz nur an das Grobstoffliche.
Alles, was der Mensch tut, geschieht von seiner Seite aus und freiwillig. So wird er nicht etwa gekettet, sondern er kettet sich selbst! Er lässt sich vom Verstand beherrschen, (denn wenn er nicht selbst wollte, so könnte es nie geschehen), der ihn nach seiner Eigenart auch mit an Raum und Zeit bindet, ihn Raum- und Zeitloses nicht mehr erkennen lässt, nicht mehr verstehen. Deshalb legt sich dabei über die raum- und zeitlose Empfindung durch das beengte Begriffsvermögen eine fest an Raum und Zeit gebundene Hülle, eine Grenze, und der Mensch vermag dadurch entweder gar nichts mehr zu hören, seine „reine, innere Stimme“ ist verhallt, oder er ist nur noch fähig, das mit dem Verstand zusammenhängende Gefühl zu „hören“ an Stelle der Empfindung.
Es erzeugt einen falschen Begriff, zu sagen: Das Gefühl unter-drückt die reine Empfindung; denn nichts ist stärker als die Empfindung, sie ist die höchste Kraft des Menschen, kann nie von etwas anderem unterdrückt oder nur beeinträchtigt werden. Richtiger ist zu sagen: Der Mensch macht sich unfähig dazu, die Empfindung zu erkennen.
Das Versagen liegt immer nur an dem Menschen selbst, nie an Stärke oder Schwäche einzelner Gaben; denn gerade die Grundgabe, die eigentliche Kraft, das Stärkste von allem im Menschen, das alles Leben in sich trägt und unsterblich ist, ist einem jeden Einzelnen gleich gegeben! Damit hat niemand dem anderen etwas voraus. Alle Unterschiede liegen lediglich an der Verwendung!
Auch kann diese Grundgabe, der unsterbliche Funke, nie getrübt oder beschmutzt werden! Rein bleibt er auch im größten Schlamme; denn er ist göttlich, unbefleckbar! Nur die Hülle müsst Ihr sprengen, die Ihr Euch selbst durch die freiwillige Begrenzung des Begriffsvermögens auferlegtet. Dann wird er ohne Übergang ebenso rein und klar emporlodern, wie er im Anfang war, sich frisch und stark entfalten und mit dem Licht, dem Geistigen, verbinden! Freut Euch dieses Schatzes, der unantastbar in Euch liegt! Gleichviel, ob Ihr von Eueren Nebenmenschen als wertvoll angesehen werdet oder nicht! Ein jeder Schmutz kann abgeworfen werden, der sich wie ein Damm um diesen Gottesfunken angesammelt hat, durch ehrlich gutes Wollen. Habt Ihr die Arbeit dann getan, und den Schatz wieder freigelegt, so seid Ihr ebensoviel wert wie jeder, der ihn nie vergrub!
Doch wehe, wer sich dauernd aus Bequemlichkeit dem Wollen zu dem Guten streng verschließt! Ihm wird zur Stunde des Gerichtes dieser Schatz genommen und er hört damit auf zu sein.
Deshalb wacht auf, die Ihr Euch abgeschlossen haltet, die Ihr die Decke des Verstandes über Euere Empfindung legtet mit der Begrenzung des Begriffsvermögens! Habt Acht und höret auf die Rufe, die Euch treffen! Sei es nun ein gewaltiger Schmerz, starke seelische Erschütterung, großes Leid oder hohe, reine Freude, das die verdunkelnde Decke niederen Gefühles zu sprengen vermag, lasst nichts derartiges nutzlos an Euch vorübergehen. Es sind Hilfen, die Euch den Weg zeigen! Besser ist es, wenn Ihr nicht erst darauf wartet, sondern mit ernstem Wollen zu allem Guten und zum geistigen Aufstieg einsetzt. Dadurch wird die trennende Schicht bald wieder dünner und leichter werden, bis sie zuletzt zerflattert und der noch immer reine, unbefleckte Funke zu lodernder Flamme emporbricht. Doch dieser erste Schritt kann und muss nur von dem Menschen selbst ausgehen, sonst ist ihm nicht zu helfen.
Dabei müsst Ihr streng unterscheiden zwischen Wünschen und dem Wollen. Mit dem Wünschen ist noch nichts getan, es reicht zu keinem Fortschritt aus. Das Wollen muss es sein, das auch die Tat bedingt, diese schon in sich trägt. Mit dem ernsten Wollen setzt die Tat schon ein.
Wenn auch so Mancher dabei viele Nebenwege gehen muss, weil er sich bisher nur an den Verstand gebunden hatte, so scheue er doch nicht davor zurück. Auch er gewinnt! Für ihn gilt es, seinen Verstand zu klären, in dem einzelnen Durchleben aller Nebenwege langsam alles Hemmende abzuschälen und zu lösen.
Deshalb unverzagt voran. Mit ernstem Wollen führt zuletzt ein jeder Weg zum Ziele!