Fragenbeantwortung.
Frage: nach den bisherigen Erklärungen in den Gralsblättern vollzieht sich alles Geschehen innerhalb der von dem Schöpfer in die ganze Schöpfung gewobenen Gesetze, wird also den Naturgesetzen nie entgegenstehen, auch wenn es die wunderbarsten Ereignisse sind. Wie ist es da mit der unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria?
Antwort: Die unbefleckte Empfängnis ist nicht nur in körperli-chem Sinne gemeint, sondern vor allen Dingen, wie vieles in der Bibel, in rein geistigem Sinne. Nur der, der die geistige Welt als wirklich bestehend und lebendig arbeitend anerkennt und empfindet, vermag den Schüssel zum Verständnis der Bibel zu finden, das erst das Wort lebendig zu machen fähig ist. Allen Anderen wird sie stets ein Buch mit sieben Siegeln bleiben.
Unbefleckte Empfängnis in körperlichem Sinne ist jede Emp-fängnis, die aus reiner Liebe heraus erfolgt in innigem Aufschauen zu dem Schöpfer, wobei nicht sinnliche Triebe die Grundlage bilden. sondern nur mitwirkende Kräfte bleiben.
Dieser Vorgang ist in Wirklichkeit so selten, daß es begründet war, besonders hervorgehoben zu werden. Die Gewähr für Zurück-setzung sinnlicher Triebe wurde durch die Verkündigung geschaffen, bis aus diesem Grunde auch extra erwähnt ist, weil sonst ein Glied in der Kette natürlichen Geschehens und straffen Zusam-menarbeitens mit der geistigen Welt fehlen würde. Jungfrau Maria, sowieso schon mit allen Gaben ausgerüstet, ihre hohe Mission erfüllen zu können, kam zu bestimmter Zeit durch geistige Führung mit Regionen zusammen, die tief eingedrungen waren in die Offen-barungen und Prophezeiungen über den kommenden Messias. Das war die erste Vorbereitung auf Erden, die Maria in die Bahn des eigentlichen Zieles drängte und sie vertraut machte mit allem, worin sie einmal selbst eine so große Rolle spielen sollte, ohne daß sie es zu jener Zeit schon wusste.
Die Binde wird Auserlesenen immer erst vorsichtig nach und nach gelockert, um der notwendigen Entwickelung nicht vorzugreifen; denn alle Zwischenstufen müssen ernsthaft erlebt sein, um zuletzt eine Erfüllung möglich zu machen. Zu frühes Bewusstsein der eigentlichen Aufgabe würde in der EntwickelungLücken lassen, die eine spätere Erfüllung erschweren. In dauerndem Hinblickt auf das Endziel kommt die Gefahr des zu schnellen Vorwärtsstürmens, wobei vieles übersehen oder nur leicht erlernt wird, was zur Ausfüllung der eigentlichen Bestimmung unbedingt ernsthaft erlebt sein muß. Ernsthaft erleben aber kann der Mensch immer nur das, was er jeweils als seine wirkliche Lebensaufgabe betrachtet. So auch bei Maria.
Als dann der Tag ihres inneren und äußeres Fertigseins gekom-men war, wurde sie in einem Augenblick völligen Ausruhens und seelischen Gleichgewichtes plötzlich hellsehend und hellhörend, das heißt, ihr Inneres öffnete sich der andersstofflichen Welt und sie erlebte die in der Bibel geschilderte Verkündigung. Die Binde fiel damit ab, sie trat bewußt in ihre Sendung ein.
Die Verkündigung wurde für Maria ein derartig gewaltiges und erschütterndes geistiges Erlebnis, daß es von Stunde an ihr ganzes Seelenleben vollständig ausfüllte. Es war hinfort nur auf die eine Richtung hin eingestellt, eine hohe, göttliche Gnade erwarten zu dürfen. Dieser Seelenzustand war vom Lichte aus durch die Verkündigung gewollt, um damit von vornherein Regungen niederer Triebe weit zurückzustellen und den Boden zu schaffen. worin ein reines irdisches Gefäß (der Kindeskörper) für die unbefleckte geistige Empfängnis erstehen konnte. Durch diese außergewöhnlich starke seelische Einstellung Marias wurde die spätere, den Naturgesetzen entsprechende körperliche Empfängnis eine „unbefleckte“.
Daß Maria schon alle Gaben für ihre Mission mitbrachte, also vorgeburtlich dazu ausersehen war, die irdische Mutter des kommenden Wahrheitsbringers Jesus zu werden, ist bei einiger Kenntnis der geistigen Welt und deren weit verzweigten Tätigkeit, die sich alles große Geschehen vorbereitend spielend über Jahrtausende schwingt, nicht schwer zu verstehen.
Mit diesem unter solchen Umständen als reinstes Gefäß werdenden Kindeskörper waren nun wiederum die irdischen Bedin-gungen gegeben zu einer „unbefleckten Empfängnis“ der Inkarnation die in der Mitte der Schwangerschaft stattfindet.
Hierbei handelt es sich nun nicht um eine der vielfach auf Inkarnation wartenden Seelen oder Gottesfunken, die zur Ent-wickelung ein Erdenleben durchwandern wollen oder müssen, deren feinstofflicher Leib (oder Gewand) mehr oder weniger getrübt, also befleckt ist, wodurch die direkte Verbindung mit dem Licht verdunkelt und zeitweise ganz abgeschnitten ist. In Betracht kam ein ganzes Stück reiner Gottwesenheit, die aus Liebe zu der in Dunkelheit irrenden Menschheit gegeben wurde, stark genug, um eine direkte Verbindung mit dem Urlichte nie unterbrechen zu lassen. Das ergab eine innige Verbindung zwischen der Gottheit und der Menschheit in diesem Einen, die einer leuchtenden Säule nie versiegender Reinheit und Kraft glich, an der alles Niedere abgleiten mußte. So erstand auch die Möglichkeit zur Überbringung ungetrübter Wahrheit, aus dem Licht geschöpft, sowie der Kraft für die als Wunder erscheinenden Handlungen.
Die Erzählung von den Versuchungen in der Wüste zeigt, wie die Bemühungen dunkler Strömungen zur Befleckung an der Reinheit des Empfindens, ohne Schaden anrichten zu können, abfielen.
Nach der körperlichen unbefleckten Empfängnis Marias konnte also die in der Mitte der Schwangerschaft erfolgende Inkarnation direkt aus dem Lichte kommen, mit der Stärke, die eine Trübung auf den Zwischenstufen zwischen Licht und Mutterleib nicht zuließ, also auch eine „unbefleckte geistige Empfängnis“ brachte.
Es ist demnach vollkommen richtig, von einer unbefleckten Empfängnis zu sprechen, die bei der Zeugung Jesus körperlich und geistig erfolgte, ohne daß ein Gesetz der Schöpfung dabei umgangen, verändert, oder für diesen besonderen Fall neu geformt zu werden brauchte.
Frage: Wann sind die von so vielen Seiten angekündigten großen Umwälzungen und Geschehnisse zu erwarten, die den Anbruch einer neuen Zeit verkünden?
Antwort: Diese Frage darf nicht beantwortet werden. Die Behörde würde auch eine ernste Prophezeiung oder geschaute Offenbarung als „Wahrsagerei“ betrachten, die unter das Strafgesetz gestellt ist. Diese Maßnahme ist auch angebracht, weil sie dem Puplikum Schutz bietet vor zahlreichen Ausbeutern, Charlatanen und Fantasten oder kleinen Gernegroßen, die bewußt und unbewußt schon genug Unheil angerichtet haben und jeder guten Sache schaden. Die gewaltige Welle der Ereignisse soll auch hierin Änderung bringen.
Was würde es Ihnen auch nützen, wenn Sie jetzt z. B. hörten, daß als erstes sieben Plagen kommen, die in diesem Sommer schon mit einer verderbenbringenden Dürre einsetzen, der sich verheerende Nässe anschließt? Und anderes mehr?
Niemand hätte Gewinn davon. Es würde nur zu falschen Spekula-tionen veranlassen. Deshalb ist es besser, in festem Gottvertrauen alles Kommende zu erwarten und ruhig seine Pflichten zu erfüllen.
Frage: Der Vortrag über „Schicksal“ in Heft 2 regt zu der Frage an, wie die Gerechtigkeit sich in der Wechselwirkung beim Menschen auswirkt, die große Schenkungen machen, aber nicht mit der Empfindung dabei sind, sondern die Wohltätigkeit nur aus „Mode“ üben, oder um dadurch einen „Namen“ zu erhalten.
Antwort: Der Vorgang ist klar zu überschauen. Er folgt genau den Gesetzen entsprechend. Die Umgebung eines Menschen ist durchtränkt von einer Art seines wirklichen Empfindens, bildet also eine gleichartige feinstoffliche Schicht um ihn. Selbsttäuschungen schalten bei diesen Vorgängen von selbst aus, als nicht lebensfähig. Hat nun ein Mensch ehrlich gutes Wollen in sich großgezogen, so wird auch die ihn umgebende Schicht von gleicher Art sein. Zurück-kommende Wechselwirkungen übler Art von früher her werden nun von dieser ihnen entsprechenden Schicht aufgehalten und abgelenkt oder aufgesaugt und zersetzt, bevor sie den Menschen zu treffen vermögen, und somit ganz beseitigt oder doch bedeutend abge-schwächt, sodaß ihm damit durch sein ernstes Wollen der Vergebung früherer Übel wurde.
Umgekehrt ist es nun bei denen, die durch Schenkungen wirklich Gutes stiften, dies aber nur mit der Absicht ausführen, selbst dabei zu gewinnen, sei es auch nur, um viel genannt zu werden, also aus Eitelkeit, oder um irgend einen Rang oder Namen zu erhalten, also aus Ehrgeiz.
Das Gesetz der Wechselwirkung wird sich unbedingt dabei in jeder Beziehung erfüllen. Von dort, wo seine Schenkung Segen stiftete, strömt auf jeden Fall das Gute auf den Spender zurück,in gleicher Art dessen,was es Gutes auswirkte. Nun ist aber das Innere und demnach auch die Umgebung des Spenders von Egoismus, dem Drang nach dem eigenen Vorteil, durchtränkt, oder auch von anderem Übel. Das nun zurückströmende Gute wird zuerst diese Schicht treffen, ebenfalls von dieser aufgehalten, aufgesaugt und zersetzt werden, sodaß die Person selbst nichts von dieser guten Wechselwirkung erhalten kann oder doch nur einen sehr abgeschwächten Teil.
Ob das zurückströmende Gute nun ganz abgelenkt wird oder in welcher Stärke es abgeschwächt wird, bevor es den Menschen erreicht und somit zur eigentlichenAuswirkungen kommt, liegt lediglich an der Stärke des inneren Empfindens des Betreffenden. Ist dies stark von Übel, so ist er selbst schuld, wenn das für ihn in der Wechselwirkung bestimmte Gute nicht an ihn heran kann. Bei weniger starkem Übel, wird aber doch ein Teil des Guten bis zu ihm durchdringen, womit er dann genau den Anteil seines eigentlichen inneren Wertes erhält, nicht mehr und nicht weniger. Bis dicht an ihn heran kommt es, und es kann sich dadurch ganz gut in seiner Umgebung in äußeren irdischen Dingen auslösen die vergänglich sind, aber ihn selbst vermag es nicht zu treffen.daß er eigenen Gewinn davon hätte, der allein Wert besitzt.
Ein Unterschied liegt auch schon darin: Gibt der Betreffende aus offener Empfindung heraus, nur um des Helfens willen,so knüpft sich dabei sofort ein Faden, der von ihm ausgehend bis zu dem Punkte kommt, wo durch seine Hilfe Segen ersprießt und für die Wechselwirkungden direkten Weg bildet zurück zu ihm. Dadurch ist die Wirkung eine viel direktere, geschlossenere. Ist seine Empfindung bei dem Geben jedoch nicht in gleicher Art beteiligt, so fehlt dieser bei bei ihm ausgehende Faden als Verbindung mit dem Ort, wo seine Gabe zur Wirkung kommt, weil er zu der Gleichart der Empfindung hinleitete. Die gute Wechselwirkung kann deshalb auch nicht so fest geschlossen zu ihm gelangen.
Es sprechen auch hierin noch viele andere Nebenumstände mit, deren Anfürung das Bild nur verwirren könnte, trotzdem sie alle dazu beitragen, die Art der sich auswirkenden Gerechtigkeit in der Wechselwirkung auf das feinste abzutönen, sodaß auch nur ein Atom von Ungerechtigkeit in allem Geschehen gar nicht gedacht werden kann. Diese Möglichkeit ist vollkommen ausgeschlossen durch das wundervolle Ineinanderarbeiten der weisen Gesetze des Schöpfers, sodaß Jeder empfängt, was ihm zukommt, auf das schärfste abge-wogen. Es darf dabei nur nicht vergessen werden, daß sich von dem allen selten viel während eines kleinen Erdenlebens abspielt, sondern nur Bruchstücke. Das ganze Geschehen verteilt sich auf das ganze Sein.
Frage: Ist ein Richter geistig von der Verantwortung entbunden, wenn er im Dienste aus Ehrgeiz Übereifer entwickelt und das, was allgemein unter Menschlichkeit verstanden wird, zur Seite stellt in der Überzeugung, seine Pflicht damit zu erfüllen?
Antwort: Solchen wäre besser, nie geboren zu sein. Die schützen-de Wand „Dienst und Pflicht“ wird mit dem irdischen Abscheiden weggezogen. Für alle seine Entschlüsse und Handlungen ist er wie jeder andere Mensch rein persönlich verantwortlich. Eine irdisch falsch eingestellte Überzeugung ändern daran nichts. Diese vermag nur ihn selbst zu täuschen. Es kommt immer darauf an, wie er sein Amt ausübt. Er muß die Liebe zur Grundlage nehmen; denn nur in der wahren Liebe liegt Gerechtigkeit.
Frage: a) Wie ist es mit Predigern, die ihr Amt nur als ernährenden Beruf betrachten und nicht an alles wirklich glauben, was sie lehren? b) Hat ein durch solche Menschen gereichtes Abendmahl auch Wirkungskraft?
Antwort: a) Die Wechselwirkungen (siehe: Schicksal in Heft 2 und Geburt in Heft 3) fragen nicht nach irdischen Ämtern und Würden, sondern geben Jedem das Seine. Damit sind alle derartigen Fragen gelöst. b) Die Wirkung des Abendmahls richtet sich hauptsächlich nach dem Innenleben des Empfängers. Ist dieser richtig darauf eingestellt, erhält er seiner Einstellung entsprechende Kraft, auch wenn das Abendmahl durch solche Hand gegeben wird. Wenn Christus bei allem besonders betonte: „Dir geschehe wie du geglaubt hast!“, so weist er damit immer deutlich auf das Gesetz der Wechselwirkung hin. Ein jeder kann nur das erhalten, worauf er eingestellt ist, nicht andern. Seien es nun geistige oder körperliche Kräfte. Sonst würde ja leich Ungerechtigkeit in den heiligen Gesetzen der Schöpfung einfließen. Und das ist unmöglich.
Aus dem Inhalte des nächsten Heftes:
Das jüngste Gericht. – Das Gebet. – Der Kampf. – Gedankenformen. – Die Ehe. – Die Taufe. – Das Abendmahl. – Offenbarungen usw.
An unsere Leser?
Die Leser werden gebeten, Ihre Fragen möglichst klar zu formen. Dem Wusche um besondere schriftliche Beantwortung ist Rückporto beizulegen. Die Schriftleitung.
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