Das jüngste Gericht

Die Welt! Wenn der Mensch dieses Wort benutzt, spricht er es oft gedankenlos dahin, ohne sich ein Bild davon zu machen, wie diese von ihm genannte Welt eigentlich ist. Viele aber, die versuchen, sich einmal Bestimmtes dabei vorzustellen, sehen im Geiste zahllose Weltenkörper verschiedenster Beschaffenheit und Größe in Sonnensysteme geordnet im Weltall ihre Bahnen ziehen. Sie wissen, daß immer neue und mehr Weltenkörper zu sehen sind, je schärfer und weitreichender die Instru-mente geschaffen werden. Der Durchschnittsmensch findet sich dann mit dem Worte „Unendlichkeit“ ab, womit bei ihm der Irrtum einer falschen Vorstellung einsetzt.

Die Welt ist aber nicht unendlich. Sie ist die Schöpfung, also das Werk des Schöpfers. Dieses Werk steht wie jedes Werk neben dem Schöpfer und ist als solches begrenzt.

So genannte Fortgeschrittene sind oft stolz darauf, die Erkenntnis zu haben, daß Gott in der ganzen Schöpfung ruht, in jeder Blume, jedem Gestein, daß die treibenden Naturkräfte Gott ist, also alles das Unerforschliche, was sich fühlbar macht, aber nicht wirklich erfaßt zu werden vermag. Eine dauernd wirkende Urkraft, die ewig sich selbst neu entwickelnde Energiequelle, das wesenlose Urlicht. Sie dünken sich gewaltig vorgeschritten in dem Bewußtsein, Gott als eine immer auf das eine Ziel der Fortentwickelung zur Vollkommenheit hinwirkende, alles durchdringende Triebkraft überall zu finden, ihm überall zu begegnen.

Das ist aber nur in einem gewissen Sinne richtig. Wir begegnen in der ganzen Schöpfung nur seinem Willen, und damit seinem Geiste, seiner Kraft. Er selbst steht weit über der Schöpfung. Die Schöpfung als sein Werk, als der Ausdruck seines Wollens, wurde schon mit dem Entstehen an die unabänderlichen Gesetze des Werdens und Zerfallens gebunden; denn das, was wir Naturgesetze nennen, ist der Schöpfungswille Gottes, der sich auswirkend andauernd Welten formt und auslöst. Dieser Schöpfungswille ist einheitlich in der ganzen Schöpfung, zu der die feinstoffliche und die grobstoffliche Welt als eins gehört. Und diese gesamte Schöpfung ist allesein Werk nicht nur begrenzt wie jedes Werk, sondern auch vergänglich! Die unbedingte und unverrückbare Einheitlichkeit der Urgesetze, also des Urwillens, bringt es mit sich, daß sich in dem kleinsten Vorgange der grobstofflichen Erde stets genau das abspielt, wie es bei jedem Geschehen, also auch in den gewaltigsten Ereignissen der ganzen Schöpfung vor sich gehen muß, und wie in dem Erschaffen selbst.

Die straffe Form des Urwillens ist schlicht und einfach. Wir finden sie, einmal erkannt, in allem leicht heraus. Die Komplizierung und Unbegreif-lichkeit so mancher Vorgänge liegt nur in dem Vielfachen Ineinan-dergreifen der durch der Menschen verschiedenes Wollen gebildeten Um- und Nebenwege.

Das Werk Gottes, die Welt, ist also als Schöpfung den sich allem gleichbleibenden und vollkommenen göttlichen Gesetzen unterworfen, auch daraus entstanden, und somit begrenzt, weil es keine Ausnahme geben kann.

Der Künstler ist z. B. auch in seinem Werke, geht in diesem auf, und steht doch persönlich neben ihm. Das Werk ist begrenzt und vergänglich, das Können des Künstlers deshalb noch nicht. Der Künstler, also der Schöpfer des Werkes, kann sein Werk vernichten, in dem sein Wollen liegt, ohne daß er selbst davon berührt wird. Er wird trotzdem immer noch der Künstler bleiben. Wir erkennen und finden den Künstler in seinem Werke, und er wird uns vertraut, ohne daß wir ihn persönlich gesehen zu haben brauchen. Wir haben seine Werke, sein Wollen liegt darin und wirkt auf uns, er tritt uns darin entgegen, und kann doch selbst weit von uns für sich leben.

Der selbstschöpferische Künstler und sein Werk gibt einen matten Abglanz wieder von dem Verhältnisse der Schöpfung zu dem Schöpfer.

Ewig und ohne Ende, also unendlich ist nur der Kreislauf der Schöpfung in dem dauernden Werden, Vergehen, und sich wieder neu Bilden.

In diesem Geschehen erfüllen sich auch alle Offenbarungen und Verheißungen. Zuletzt wird sich dann für die Erde auch das „Jüngste Gericht“ erfüllen!

Das jüngste, das heißt, das letzte Gericht kommt einmal für jeden Weltenkörper, aber es geschieht nicht gleichzeitig in der ganzen Schöpfung.

Es ist ein notwendiger Vorgang in jenem jeweiligen Teile der Schöpfung. der in seinem Kreislaufe den Punkt erreicht, an dem seine Auflösung beginnen muß, um auf dem weiteren Wege wieder neu sich bilden zu können.

Mit diesem ewigen Kreislaufe ist nicht der Lauf der Erde und anderer Sterne um ihre Sonnen gemeint. sondern der große, gewaltigere Kreis, den wiederum alle Sonnensysteme gehen müssen, während sie in sich extra noch ihre eigenen Bewegungen ausführen.

Der Punkt, an dem die Auflösung eines jeden Weltenkörpers zu beginnen hat, ist genau festgesetzt, auch wieder auf Grund der Folgerichtigkeit natürlicher Gesetze. Ein ganz bestimmter Platz, an dem der Vorgang der Zersetzung sich entwickeln muß, unabhängig von dem Zustande des betreffenden Weltenkörpers und seiner Bewohner. Unaufhaltsam treibt der Kreislauf jeden Weltenkörper darauf zu, ohne Aufschub wird die Stunde des Zerfallens sich erfüllen, das wie bei allem in der Schöpfung in Wirklichkeit nur eine Wandlung, die Gelegenheit zu einer Fortentwickelung bedeutet. Dann ist die Stunde des „Entweder-Oders“ da für jeden Menschen. entweder er wird hochgehoben dem Lichte zu, wenn er dem Geistigen zustrebt, oder er bleibt an die Materie gekettet, an der er hängt, wenn er aus Überzeugung nur Materielles für Wertvolles erklärt. In solchem Falle kann er sich in der gesetzmäßigen Folge seines eigenen Wollens nicht von der Materie erheben und wird mit ihr dann auf der letzten Strecke Weges in die Auflösung gezogen. Das ist dann der geistige Tod! Gleichbedeutend mit dem Auslöschen aus dem Buche des Lebens. Dieser an sich ganz natürliche Vorgang wird auch mit der ewigen Verdammnis bezeichnet, weil der so in die Zersetzung mit hineingezogene „aufhören muß zu sein“, er wird zerstäubt und in den Ursamen gemischt, diesen noch nach der Auflösung mit geistigen Kräften tränkend. Nie wird er wieder „persönlich“ werden können. Das Furchtbarste, was den Menschen treffen kann. Er gilt als „verworfener Stein“, der zu einem geistigen Bau nicht zu gebrauchen ist und deshalb zermahlen werden muß.

Diese auch auf Grund ganz natürlicher Vorgänge und Gesetze erfolgende Scheidung des Geistes von der Materie ist das sogenannte „jüngste Gericht“, das mit großen Umwälzungen und Wandlungenverbunden ist.

Daß diese Auflösung nicht an einem Erdentage erfolgt, ist wohl für jeden leicht verständlich. denn in dem Weltgeschehen sind tausend Jahre wie ein Tag.

Aber wir sind mitten in dem Anfange dieser Periode. Die Erde kommt jetzt an den Punkt, an dem sie abweicht von der bisherigen Bahn, was sich auch grobstofflich sehr fühlbar machen muß. Dann setzt die Scheidung unter allen Menschen schärfer ein, die in der letzten Zeit schon vorbereitet wurde, sich aber bisher nur in „Meinungen und Überzeugungen“ kundgab.

Jede Stunde eines Erdenseins ist deshalb kostbar, mehr wie je. Wer ernsthaft sucht und lernen will, der reiße sich mit aller Anstrengung heraus aus niederen Gedanken, die ihn an das Irdische ketten müssen. Er läuft sonst Gefahr, an der Materie hängen zu bleiben und mit ihr der vollständigen Auflösung entgegengezogen zu werden. Nach dem Lichte Strebende aber werden von der Materie nach und nach gelockert und zuletzt emporgehoben zu der Heimat alles Geistigen.

Dann ist die Spaltung zwischen Licht und Dunkel endgiltig vollbracht und das Gericht erfüllt.

Die Welt“, also die ganze Schöpfung, geht dabei nicht zu Grunde, sondern die Weltenkörper werden erst dann in den Auflösungsprozeß hineingezogen, sobald ihr Lauf den Punkt erreicht, an dem die Auflösung und damit auch die vorherige Scheidung einzusetzen hat. Der Anfang dazu ist für die Erde schon in Betätigung, alles wird nun bald mit Riesenschritten vorwärts rollen.

Die Vollziehung bricht hervor durch naturgemäße Auswirkung der göttlichen Gesetze, die von Urbeginn der Schöpfung in ihr ruhten, die die Schöpfung selbst bewirkten und auch heute und in Zukunft unentwegt den Willen des Schöpfers tragen. In ewigem Kreislaufe ist es ein dauerndes Erschaffen, Säen, Reifen, Ernten und Zergehen, um in dem Wechsel der Verbindung frisch gestärktwieder andere Formen anzunehmen, die einem nächsten Kreislaufe entgegen eilen.

In der Schöpfung liegt des Schöpfers Wille, und damit auch des Schöpfers Geist und Kraft. Der Schöpfer selbst steht mit der Schöpfung in Verbindung, aber trotzdem neben seinem Werke. Das Werk, die Schöpfung, kreist um ihn, in dem erwähnten nimmer endenden Kreislaufe. Nur dieser Kreislauf ist ewig und unbegrenzt, während die Schöpfung an ihren Seiten begrenzt ist, also einEnde hat.

Bei diesem Kreislaufe der Schöpfung kann man sich einen Riesen-trichter oder eine Riesenhöhle feinstofflicher Art vorstellen, aus der in unaufhaltsamen Strome dauernd der ebenfalls feinstoffliche Ursamen herausquillt, der in kreisenden Bewegungen neuer Bindung und Entwicke-lung zustrebt. Genau so, wie es die Wissenschaft schon kennt und richtig aufgezeichnet hat. Dichte, grobstofflich werdende Nebel formen sich durch Reibung und Zusammenschluß, aus diesen wieder Weltenkörper, die sich durch unverrückbare Gesetze in sicherer Folgerichtigkeit zu Sonnensystemen gruppieren und, in sich selbst kreisend, geschlossen dem großen Kreislaufe folgen müssen, der der ewige ist. Wie in dem, dem irdischen Auge sichtbaren Geschehen aus dem Samen die Entwickelung, das Formen, die Reife und Ernte oder Verfall folgt, was ein Verwandeln, ein Zersetzen zur weiteren Entwickelung nach sich zieht, bei Pflanzen-, Tier- und Menschenkörpern, genau so ist es auch in dem großen Weltgeschehen. Die grobstofflich sichtbaren Weltenkörper, die eine weitaus größere, feinstofflichere, also dem irdischen Auge nicht sichtbare Umgebung mit sich führen, sind demselben Geschehen in ihrem ewigen Umlauf unterworfen, weil dieselben Gesetze in ihnen tätig sind.

Das Bestehen des Ursamens vermag selbst der fanatischste Skeptiker nicht abzuleugnen, und doch kann er von keinem irdischen Auge geschaut werden, weil er andersstofflich ist, „jenseitig“. Nennen wir es ruhig wieder feinstofflich.

Es ist auch nicht schwer zu verstehen, daß naturgemäß die sich zuerst davon bildende Welt ebenso feinstofflich und mit den irdischen Augen nicht erkennbar ist. Erst der dann später sich daraus weiter ergebende gröbste Niederschlag formt, ausgehend und abhängig von der feinstofflichen Welt, nach und nach die grobstoffliche Welt mit ihren grobstofflichen Körpern, und das erst ist aus den kleinsten Anfängen heraus mit den irdischen Augen und allen dazukommenden grobstofflichen Hilfsmitteln zu beobachten. Ob es sich nun um Moleküle, Elektronen oder Anderes handelt, immer nur wird es zu den gröbsten Niederschlägen der feinstofflichen Welt gehören, die lange vorher schon ihre fertigen Formen und ihr Leben hatte.

Nicht anders ist es mit der Umhüllung des eigentlichen Menschen in seiner geistigen Art, auf den selbst ich noch zu sprechen komme. Bei seinen Wanderungen durch die verschiedenartigen Welten muß sein Gewand, Mantel, Schale, Körper oder Werkzeug, gleichviel, wie man die Umhüllung nennen will, stets von der gleichen Stoffart der jeweiligen Umgebung werden, in die er tritt, um ich deren als Schutz und als notwendiges Hilfsmittel zu bedienen, wenn er die Möglichkeit haben will, sich direkt wirksam darin zu betätigen. Da nun die grobstoffliche Welt ausgehend und abhängig von der feinstofflichen Welt ist, folgt daraus auch das Rückwirken alles Geschehens in der grobstofflichen Welt nach der feinstofflichen Welt.

Diese große feinstoffliche Umgebung ist aus dem Ursamen mit erschaffen worden, läuft den ewigen Kreislauf mit und wird zuletzt auch mit in die Rückseite des schon erwähnten Riesentrichters saugend getrieben, wo die Zersetzung vor sich geht, um an der anderen Seite als Ursamen wieder zu neuem Kreislaufe ausgestoßen zu werden. Wie bei der Tätigkeit des Herzens und des Blutumlaufes, so ist der Trichter wie das Herz der Schöpfung. Der Zersetzungsprozeß trifft also die gesamte Schöpfung, auch den feinstofflichen Teil, da alles sich wieder in Ursamen auflöst, um sich neu zu bilden. Nirgends ist eine Willkür dabei zu finden, sondern alles entwickelt sich aus selbstverständlicher Folgerichtigkeit der Urgesetze, die einen anderen Weg nicht zulassen. An einem gewissen Punkte des großen Kreislaufes kommt daher für alles Erschaffene, grob- oder feinstofflich, der Augenblick, wo der Zersetzungsprozeß aus dem Erschaffenen heraus sich selbständig vorbereitet und zuletzt hervorbricht.

Diese feinstoffliche Welt nun ist der Durchgangsaufenthalt irdisch Abgeschiedener, das so genannte Jenseits. Es ist innig mit der grob-stofflichen Welt verbunden, die zu ihr gehört, eins mit ihr ist. In dem Augenblick des Abscheidens tritt der Mensch mit seinem feinstofflichen Körper, den er mit dem grobstofflichen Körper trägt, in die gleichartig feinstoffliche Umgebung der grobstofflichen Welt, während er den grob-stofflichen Körper auf dieser zurückläßt. Diese feinstoffliche Welt nun, das Jenseits, zur Schöpfung gehörend, ist den gleichen Gesetzen der dauernden Entwickelung und des Zersetzens unterworfen. Mit dem Eintreten des Zerfalles erfolgt nun ebenfalls wieder auf ganz natürlichem Wege eine Scheidung des Geistigen von der Materie. Je nach dem geistigen Zustande des Menschen in der grobstofflichen wie auch in der feinstofflichen Welt muß sich der geistige Mensch, das eigentliche „Ich“, entweder nach oben zu bewegen, oder an der Materie gekettet bleiben. Der ernste Drang nach Wahrheit und Licht wird Jedem durch seine damit verbundene Verän-derung geistig reiner und damit lichtet machen, sodaß dieser Umstand ihn naturgemäß von der dichten Materie mehr und mehr lockern und seiner Reinheit und Leichtigkeit entsprechend in die Höhe treiben muß. Der aber nur an die Materie Glaubende hält sich selbst durch seine Überzeugung an die Materie gebunden und bleibt daran gekettet, wodurch er nicht aufwärts getrieben werden kann. Durch selbstgewollten Entschluß jedes Einzelnen nun erfolgt eine Scheidung zwischen den nach dem Lichte Strebenden und den dem Dunkel Verbundenen, nach den bestehenden natürlichen Gesetzen der geistigen Schwere.

Diese Scheidung ist das jüngste Gericht!

Es wird somit klar, daß es auch für die Entwickelungsmöglichkeit irdisch Abgeschiedener in dem Leuterungsprozesse des sogenannten Jenseits einmal ein wirkliches Ende gibt. Eine letzte Entscheidung! Die Menschen in beiden Welten sind entweder soweit veredelt, daß sie empor gehoben werden können zu den Regionen des Lichtes, oder sie bleiben in ihrer niederen Art nach eigenem Wollen gebunden, und werden dadurch zuletzt hinabgestürzt in die „ewige Verdammnis“, d. h., sie werden mit der Materie, von der sie nicht los können, der Zersetzung entgegen gerissen, erleiden die Zersetzung selbst schmerzhaft mit und hören damit auf, persönlich zu sein. Sie werden wie Spreu im Winde zerflattert, zerstäubt, und damit aus dem goldenen Buche des Lebens gestrichen!

Dieses sogenannte jüngste Gericht, d. h., das letzte Gericht, ist also ebenfalls ein Vorgang, der sich in Auswirkung der die Schöpfung tragenden Gesetze auf ganz natürliche Weise vollzieht, derart, daß es nicht anders kommen könnte. Der Mensch erhält auch hierbei immer nur die Früchte dessen, was er selbst gewollt hat, was er also durch seine Überzeugung herbeiführt.

Das Wissen, das alles in der Schöpfung Vor-sich-gehende in strengster Folgerichtigkeit sich selbst auswirkt, der Leitfaden für der Menschen Schicksale immer nur von diesen selbst gegeben wird durch ihr Wünschen und Wollen, daß der Schöpfer nicht beobachtend eingreift, um zu lohnen oder zu strafen, verkleinert die Größe des Schöpfers nicht, sondern kann nur Anlaß dazu geben, ihn noch weit erhabener zu denken. Die Größe liegt in der Vollkommenheit seines Werkes, und diese zwingt zu ehrfurchts-vollem Aufblick, da die größte Liebe und unbestechlichste Gerechtigkeit in dem Gewaltigsten, wie in dem kleinsten Geschehen ohne Unterschied liegen muß. Groß ist auch der Mensch, als solcher in die Schöpfung hineingestellt, als Herr seines eigenen Schicksales! Er vermag sich durch seinen Willen heraus zu heben aus dem Werke, dabei zu dessen höherer Entfaltung beizutragen; oder aber es herabzuzerren und sich darin zu verstricken, sodaß er nicht mehr loskommt und mit ihm der Auflösung entgegen geht, sei es nun in der grobstofflichen oder in der feinstofflichen Welt. Darum ringt Euch frei von allen Banden niederen Gefühls; denn es ist hohe Zeit! Die Stunde naht, wo die Frist dazu abgelaufen ist! Erweckt in Euch das Sehnen nach dem Reinen, Wahren, Edlen! -

Weit über dem ewigen Kreislaufe der Schöpfung schwebt wie eine Krone in der Mitte eine „Blaue Insel“, die Gefilde der Seligen, der gereinigten Geister, die schon in den Regionen des Lichtes weilen dürfen! Diese Insel ist von der Schöpfung, der Welt, getrennt. Sie macht den Kreislauf deshalb auch nicht mit, sondern bildet trotz ihrer Höhe über der kreisenden Schöpfung den Halt und den Zentralpunkt der ausgehenden geistigen Kräfte. Es ist das Eiland. das auf seiner Höhe die viel gerühmte Stadt der goldenen Gassen, das himmlische Jerusalem trägt. Her ist nichts mehr der Veränderung unterworfen. Kein jüngstes Gericht mehr zu befürchten. Die dort weilen können, sind in der Heimat. Als letztes aber, auf dieser blauen Insel, als höchstes dann, steht, unnahbar den Schritten Unberufener, die . . . . Gralsburg, die in Dichtungen so viel genannt!

Sagenumwoben, als Sehnsucht Ungezählter, steht sie dort im Lichte der größten Herrlichkeit und birgt das heilige Gefäß, das Symbol der reinen Liebe des Allmächtigen, den Gral!

Als Hüter sind der Geister Reinste bestellt, die dem Throne des Höchsten am nächsten stehen. Sie sind die Träger der göttlichen Liebe in ihrer reinsten Form. Die wesentlich anders aussieht, als sie von den Menschen auf Erden gedacht ist, trotzdem diese sie täglich und stündlich erleben. Diese Burg bildet die Pforte zu den Stufen des Thrones des Allerhöchsten. Niemand vermag zu den Stufen zu kommen, ohne die Gralsburg durchschritten zu haben. Streng ist die Wacht vor dem goldenen Tore, scharf und unerbittlich, damit die Reinheit des Grales gewahrt bleibt, wodurch er den Segen über alle Suchenden ergießen kann.

Durch Offenbarungen kam die Kunde von der Burg in vielen Staffeln den weiten Weg herab von der blauen Insel durch die feinstoffliche Welt, bis sie zuletzt in vertiefter Inspiration durch einige Dichter auch unter die Menschen der grobstofflichen Erde drang. Von Stufe zu Stufe weiter abwärts gegeben, erlitt dabei das Wahre auch ungewollt verschiedene Entstellungen, sodaß die letzte Wiedergabe nur ein mehrfach getrübter Abglanz bleiben konnte, der zu vielen Irrungen Anlaß wurde.

Steigt nun aus einem Teil der großen Schöpfung in arger Bedrängnis Leid und heißes Flehen zu dem Schöpfer auf, so wird ein Diener des Gefäßes ausgesandt, um als ein Träger dieser Liebe helfend einzugreifen in die geistige Not. Was nur als Sage und Legende in dem Schöpfungswerke schwebt, tritt dann lebendig in die Schöpfung ein! Solche Sendungen geschehen aber nicht oft. Jedes Mal sind sie begleitet von einschneidenden Veränderungen, großen Umwälzungen. Jahrtausende liegen zumeist dazwischen. Die so Gesandten bringen Licht und Wahrheit den Verirrten, Frieden den Verzweifelnden, reichen mit ihrer Botschaft allen Suchenden die Hand, sammeln alle Gläubigen, um ihnen neuen Mut und neue Kraft zu bieten und sie durch alle Dunkelheit hinaufzuführen zu dem Licht.

Sie kommen nur für die, die Hilfe aus dem Licht ersehnen, nicht aber für die Spötter und Selbstgerechten. Ein jeder der vom Gral Gesandten hat zur Begleitung einen Kometen, der jetzt unter dem Namen „Bethlehem-Komet“ bekannt ist. Viermal war dieser schon der Erde seit derem Bestehen nahe, in immer kürzer werdenden Zwischenräumen. Das fünfte Mal sei allen Suchenden ein Zeichen, sich gewaltsam aufzuraffen zu dem Guten, Edeln; denn es gemahnt an das unausbleibliche Gericht, das als das jüngste Gericht eines Tages kommen muß. Wohl dem, der dann nicht mehr durch den beschränkten Sinn an die Materie gebunden bleibt, damit er aufgehoben werden kann zum Licht!


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Der Kampf.

Von einem scharfen Gegenüberstehen zweier Weltanschauungen konnte bisher noch keine Rede sein. Kampf ist also ein schlecht gewählter Ausdruck für das eigentliche Geschehen zwischen den Verstandesmen-schen und den ernsten Wahrheitssuchern. Alles, was bisher erfolgte, bestand in einseitigen Angriffen der Verstandesmenschen, die für jeden ruhigen Beobachter auffallend unbegründet und oft lächerlich erscheinen müssen. Gegen alle, die sich rein geistig höher zu entwickeln suchen, liegt Verhöhnung, Anfeindung und sogar Verfolgung ernstester Art bereit, auch wenn sie stille Zurückhaltung bewahren. Es gibt immer einige, die versuchen, solche Aufwärtsstrebende mit Spott oder Gewalt zurückzu-reißen und herabzuzerren in das stumpfe Dahindämmern oder die Heuchelei der Massen. Viele mußten dabei zu tatsächlichen Märtyrern werden, weil nicht nur die große Menge, sondern damit auch die irdische Gewalt auf der Seite der Verstandesmenschen lag. Was diese geben können, liegt schon deutlich in dem Worte „Verstand“. Das ist: Verengte Begrenzung des Begriffsvermögens auf das rein Irdische, also dem winzigsten Teile des eigentlichen Seins.

Daß dies nichts Vollendetes, überhaupt nichts Gutes bringen kann für eine Menschheit, deren Sein sich hauptsächlich durch Teile zieht, die sich die Verstandesmenschen selbst verschlossen, ist leicht verständlich. Namentlich, wenn man dabei in Betracht zieht, daß gerade ein winziges Erdenleben ein bedeutsamer Wendepunkt für das ganze Sein werden soll, und einschneidende Eingriffe in die den Verstandesmenschen völlig unbegreiflichen anderen Teile nach sich zieht. Die Verantwortung der an sich schon tief gesunkenen Verstandesmenschen wächst dadurch in das Ungeheuere, sie wird als wuchtiger Druck dazu beitragen, sie dem Ziele ihrer Wahl schneller und schneller entgegenzupressen, damit sie endlich die Früchte dessen genießen müssen, dem sie mit Zähigkeit und Anmaßung das Wort geredet haben.

Unter Verstandesmenschen sind diejenigen zu verstehen, die sich bedingungslos ihrem eigenen Verstande unterwerfen. Diese glaubten sonderbarerweise seit Jahrtausenden ein unbedingtes Recht darauf zu haben, ihre beschränkten Überzeugungen durch Gesetz und Gewalt auch denen aufzwingen zu dürfen, die anderer Überzeugung leben wollten. Diese vollkommen unlogische Anmaßung liegt wiederum nur in dem engen Begriffsvermögen der Verstandesmenschen, das sich nicht höher aufzu-schwingen vermag. Gerade die Begrenzung bringt ihnen einen sogenann-ten Höhepunkt des Begreifens, wodurch reiche Überhebungen in der Einbildung entstehen müssen, weil sie glauben, wirklich auf der letzten Höhe zu stehen. Für sie .selbst ist es auch so, da dann die Grenze kommt, die sie nicht überschreiten können.

Ihre Angriffe gegen die Wahrheitssucher zeigen aber in der so oft unverständlichen Gehässigkeit bei näherer Betrachtung deutlich die hinter ihnen geschwungene Peitsche des Dunkels. Selten ist bei diesen Anfein-dungen ein Zug ehrlichen Wollens zu finden, das die oft unerhörte Art und Weise des Vorgehens einigermaßen entschuldigen könnte. In den meisten Fällen ist es ein blindes Daraufloswüten, das jeder wirklichen Logik entbehrt. Man sehe sich die Angriffe einmal ruhig an. Wie selten ist ein Artikel dabei, dessen Inhalt den Versuch zeigt, wirklich sachlich auf die Reden oder Aufsätze eines Wahrheitssuchers einzugehen.

Ganz auffallend macht sich die gehaltlose Minderwertigkeit der Angriffe gerade immer darin bemerkbar, daß diese niemals rein sachlich gehalten sind! Immer sind es versteckte oder offene Beschmutzungen der Person des Wahrheitssuchers. Das macht nur jemand, der sachlich nichts zu entgegnen vermag. Ein Wahrheitssucher oder Wahrheitsbringer gibt nicht sich persönlich, sondern er bringt das, was er sagt.

Das Wort muß geprüft werden, nicht die Person! Daß man stets erst die Person zu beleuchten sucht und dann erwägt, ob man auf seine Worte hören kann, ist eine Gepflogenheit der Verstandesmenschen. Diese in ihrer engen Begrenzung des Begriffsvermögens brauchen solchen äußerlichen Halt, weil sie sich an Äußerlichkeiten klammern müssen, um nicht in Verwirrung zu kommen, Das ist ja gerade der hohle Bau, den sie errichten, der unzulänglich für die Menschen ist, ein großes Hindernis zum Vorwärtskommen. Hätten sie innerlich festen Halt, so würden sie einfach Sache gegen Sache sprechen lassen und die Personen dabei ausschalten. Das vermögen sie jedoch nicht. Sie vermeiden es auch absichtlich, weil sie fühlen oder zum Teil wissen, daß sie bei einem geordneten Tournier schnell aus dem Sattel stürzen würden. Der oft benützte, ironische Hinweis auf „Laienprediger“ oder „Laien-Auslegung“ zeigt etwas derartig lächer-lich anmaßendes, daß jeder ernste Mensch sofort empfindet: „Hier wird ein Schild gebraucht, um krampfhafte Hohlheit zu verbergen. Eigene leere mit einem wohlfeilen Aushängeschild zu verdecken!“

Eine plumpe Strategie, die sich nicht lange halten kann. Sie hat den Zweck, Wahrheitssuchern, die unbequem werden können, in den Augen der Mitmenschen von vornherein auf eine „untergeordnete“ Stufe zu stellen, wenn nicht gar auf eine lächerliche, oder doch mindestens in die Kategorie der „Pfuscher“ zu bringen, damit sie nicht ernst genommen werden. Mit solchem Vorgehen will man vermeiden, daß sich überhaupt jemand ernsthaft mit den Worten befaßt, die von Menschen ausgehen welche nicht durch irgend eine Universität qualifiziert sind. Die Veran-lassung zu diesem Vorgehen ist aber nicht die Sorge, daß Mitmenschen durch irrtümliche Lehren aufgehalten werden am inneren Aufstieg, sondern es ist eine unbestimmte Furcht, an Einfluß zu verlieren und dadurch gezwungen zu sein, selbst tiefer einzudringen als bisher, und vieles verändern zu müssen, das bisher als unantastbar gelten sollte, und bequem war.

Gerade dieser ofte Hinweis auf die „Laien“, dieses sonderbare Herabsehen auf solche, die durch ihre verstärkte und unbeeinflußtere Empfindung der Wahrheit viel näher stehen, die sich nicht durch starre Formen des Verstandes Mauern bauten, deckt eine Schwäche auf, deren Gefahren keinem Denkenden entgehen können. Wer solchen Ansichten huldigt, ist von vornherein davon ausgeschlossen, ein unbeeinflußter Lehrer und Führerzu sein; denn er steht damit Gott und seinem Wirken viel weiter entfernt, als jeder andere. Das Wissen der Religions-Entwick-lungen mit all den Irrtümern und Fehlern bringt die Menschen ihrem Gotte nicht näher, ebensowenig die verstandesmdßige Auslegung der Bibel oder anderer wertvoller Niederschriften der verschiedenen Religionen. Verstand ist und bleibt an Raum und Zeit gebunden, also erdgebunden, während die Gottheit und demnach auch das Erkennen Gottes und seines Willens über Raum und Zeit und über alles Vergängliche erhaben ist und deshalb niemals von dem eng begrenzten Verstande erfaßt werden kann. Aus diesem einfachen Grunde ist der Verstand auch nicht dazu berufen, Aufklärung in Ewigkeitswerten zu bringen. Es würde sich ja widersprechen. Und wer deshalb in diesen Dingen auf Universitäts-qualifikation pocht, auf unbeeinflußte Menschen herabsehen will, spricht damit selbst sein Unvermögen und seine Beschränkung aus. Denkende Menschen werden sofort die Einseitigkeit empfinden und die Vorsicht gegen den anwenden, der in solcher Art zur Vorsicht warnt!

Nur Berufene können wahre Lehrer sein. Berufene sind solche, welche die Befähigung in sich tragen. Diese Befähigungen aber fragen nicht nach Hochschulbildung, sondern nach den Schwingungen einer verfeinerten Empfindungsfähigkeit, die sich über Raum und Zeit, also über die Begriffsgrenze des irdischen Verstandes zu erheben vermag.

Außerdem wird jeder innerlich freie Mensch eine Sache oder Lehre immer darnach bewerten, was sie bringt, nicht wer sie bringt. Das letztere ist ein Armutszeugnis für den Prüfenden, wie es nicht größer sein kann. Gold ist Gold, ob es ein Fürst in der Hand hat oder ein Bettler.

Diese unumstößliche Tatsache aber sucht man gerade in den wertvollsten Dingen des geistigen Menschen hartnäckig zu übergehen und zu ändern. Selbstverständlich mit ebensowenig Erfolg wie bei dem Golde. Denn die, die wirklich ernsthaft suchen, lassen sich durch solche Ablen-kungen nicht beeinflussen, die Sache selbst zu prüfen. Die aber, die sich dadurch beeinflussen lassen, sind noch nicht reif zum Empfange der Wahrheit, für diese ist sie nicht.

Doch die Stunde liegt nicht fern, in der nunmehr ein Kampf beginnen muß, der bisher fehlte. Die Einseitigkeit hört auf, es folgt ein scharfes Gegenübertreten, das jede falsche Anmaßung zerstört.

Dann hören Spott und Hohn, die Anfeindungen und Verfolgungen mit einem Schlage auf. Wie nach einem befreienden Gewitter schwindet endlich alle diese ungesunde Düsterheit.

Die Wahrheit schwingt sich auf zum Sieg!





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Gedankenformen.

Setzt Euch in irgend ein Kaffee oder Bierhaus und beobachtet dort die belegten Tische Euerer Umgebung. Lauscht auf die Unterhaltungen. Hört, was die Menschen sich zu sagen haben. Geht in Familien, beachtet Eueren engsten Kreis in den Ruhestunden, wenn die Arbeit nicht mehr drängt.

Mit Bestürzung werdet ihr die Hohlheit alles dessen finden, was die Menschen reden, wenn sie nicht über ihre sonstige Beschäftigung sprechen können. Ihr werdet die Leere der Gedanken, die erdrückende Enge des Interessenkreises, sowie die erschreckende Oberflächlichkeit bis zum Abscheu empfinden, sobald Ihr Euch einmal ernsthaft mit scharfer Beobachtung befaßt. Die wenigen Ausnahmen, die Euch dabei begegnen, deren Worte in den Ruhestunden des Alltagslebens von Sehnsucht nach seelischer Vervollkommnung durchdrungen sind, werden Euch wie einsame Fremdlinge inmitten eines Jahrmarktlebens erscheinen.

Gerade in den sogenannten Ruhestunden vermögt ihr das eigentliche innere des Menschen am leichtesten zu erkennen, nachdem der äußere Halt und das Spezialgebiet seines Wissens mit dem Zurseiteschieben seiner gewohnten beruflichen Tätigkeit weggefallen ist. Was dann übrig bleibt, ist der eigentliche Mensch. Seht Euch diesen an und lauscht als Unbeteiligte auf seine Worte. Sehr bald werdet ihr die Beobachtungen abbrechen, weil sie Euch unerträglich werden. Diese Traurigkeit kommt über Euch, wenn ihr erkennt, wie viele Menschen nicht viel anders als die Tiere sind. Nicht ganz so stumpf, mit höherem Intellekt, in der Hauptsache aber dasselbe. Wie mit Scheulederngehen sie einseitig durch das Erdenleben und sehen nur immer das rein irdische vor sich. Sie sorgen für Essen, Trinken, mehr oder weniger Aufspeicherung irdischer Werte, streben nach körperlichen Genüssen und halten alles Nachdenken über Dinge, die sie nicht schauen können, für Verschwendung von Zeit, die sie nach ihrer Meinung zur „Erholung“ weit besser verwenden.

Daß das Erdenleben mit allen seinen Genüssen und Freuden erst dann den rechten Inhalt erhält, wenn man mit der dazu gehörenden feinstofflichen Welt einigermaßen vertraut ist, die uns mit ihr verbindenden Wechselwirkungen kennt und damit nicht mehr das Gefühl hat, Zufällen preisgegeben zu sein, können und werden sie nicht verstehen. Sie weisen es weit von sich in dem Irrtume, daß ihnen, wenn es eine feinstoffliche Welt wirklich gibt, davon nur Unbequemlichkeiten oder auch Schrecken kommen können, sobald sie sich damit befassen.

Fremd ist ihnen der Gedanke, daß mit dem Höherstreben das ganze Erdenleben erst eigentlichen Wert erhält, daß damit herrlichste Lebens-wärme auch alle Erdenfreuden und Genüsse durchpulst. Diese also nicht etwa zur Seite schiebt, sondern den sich nach Reinerem und Höherem Sehnenden und ernsthaft Suchenden als schönste Wechselwirkung glühende Lebensbejahung zu Teil wird, die oft in jubelnder Begeisterung für alles Bestehende und sich Darbietende ausklingt.

Toren, die daran vorüber gehen! Feiglinge, denen die herrlichen Freuden eines mutig Vordringenden immer versagt bleiben werden.

Frohlocket doch, daß alles um Euch lebt, bis weit hinaus in scheinbar unermeßliche Gefilde! Nichts ist tot, nichts leer, wie es den Anschein hat. Und alles wirkt und webt an dem Gesetz der Wechselwirkung, in dessen Mitte ihr als Menschen steht, die Fäden neu zu formen und zu lenken, als Ausgangspunkte und als Endziele. Machtvolle Herrscher, von denen jeder Einzelne sein Reich sich bildet, daß es ihn emporhebt oder unter sich vergräbt. Wacht auf! Benutzt die Macht, die Euch gegeben ist, in voller Kenntnis des gewaltigen Geschehens, damit ihr nicht wie jetzt in Dummheit, Starrsinn oder auch in Trägheit nur schädigende Mißgeburten zeugt, die das Gesunde, Gute überwuchern und den Erzeuger selbst zuletzt ins Wanken und zum Stürzen bringen.

Schon die nächste feinstoffliche Umgebung des Menschen vermag viel beizutragen, ihn zu heben oder hinabzudrücken. Es ist dies die sonderbare Welt der Gedankenformen, dessen Lebendigkeit nur einen kleinen Teil ausmacht von dem Riesenräderwerk der ganzen Schöpfung. Ihre Fäden aber gehen in das Grobstoffliche, wie weiter in das Feinstofflichere hinauf, ebenso jedoch auch abwärts in das Reich des Dunkels. Wie ein Riesennetz von Adern oder Nervensträngen ist alles ineinander verwoben und ver-schlungen, unzerreißbar, untrennbar! Darauf achtet!

Begünstigte vermögen hier und da einen Teil davon zu schauen, vieles aber nur zu ahnen. So kam manches schon zur Kenntnis der Menschheit. Diese suchten darauf weiter aufzubauen, um ein vollkommenes Bild zu erhalten. Doch dabei blieben Lücken und Fehler nicht aus. Viele Forscher auf feinstofflichem Gebiete machten Sprünge, die den Zusammenhang verlieren lassen mußten. Andere wieder füllten Lücken mit fantastischen Gebilden aus, die Entstellungen und Verzerrungen brachten, welche den Glauben an das Ganze erschüttern lassen mußten. Die Folge war berechtigter Spott, der, gestützt auf die Unlogik der sogenannten geistigen Forscher, den Sieg davon tragen mußte.

Wenn schon davon gesprochen werden soll, so muß in erster Linie eine Schnur durch das ganze Geschehen in dem Schöpfungswerke gezogen werden, an die sich der Beschauer halten kann, an der er emporzuklimmen vermag. Viele ihm unverständliche Vorgänge finden ihren Ausgangspunkt schon in der näheren Umgebung. Ein Blick in die Welt der Gedanken-formen müßte ihn manches verstehen lernen, das vorher unerklärlich schien. Auch die ausübende Gerechtigkeit würde bei Beurteilung mancher Fälle als eigentliche Urheber ganz andere finden, als die von ihr damit Be-zichtigten, und solche in erster Linie mit zur Verantwortung ziehen. Der Schlüssel dazu liegt in dem Zusammenhange des Einzelmenschen mit der Welt der Gedankenformen, die als Nächste zu der Erdenmenschheit steht. Es ist allerdings eine Wohltat für viele, daß sie die Binde tragen, die sie nicht weiter schauen läßt, sie ihr irdischkörperliches Auge es aufzunehmen fähig ist. Die Art der jetzigen Gedankenformen würde sie erschrecken lassen.Lähmendes Entsetzen würde sich auf viele legen, die jetzt in naiver oder auch leichtsinniger Weise skrupellos dahinleben. Denn jeder gezeugte Gedanke nimmt, wie alles in der feinstofflichen Welt, sofort eine Form an, die den eigentlichen Sinn des Gedankens verkörpert und darstellt.

Die lebendige Schöpfungskraft, die die Menschen durchflutet, rafft durch den geschlossenen Willen eines fertigen Gedankens Feinstoffliches zusammen und schließt es bindend zu einer Form, die dem Willen dieses Gedankens Ausdruck gibt. Also etwas Wirkliches, Lebendiges, das nun Gleichartiges in dieser Welt der Gedankenformen durch das Gesetz der Anziehungskraft der Gleichart anzieht oder sich von solchen anziehen läßt, je nach seiner eigenen Stärke. Wie ein Gedanke bei Entstehen gleichzeitig mitempfunden wird, schwächer oder stärker, so wird auch sein feinstoffliches Gebilde entsprechendes Leben in sich tragen. Dicht bevölkert ist diese Gedankenwelt. Ganze Zentralen haben sich durch die gegenseitige Anziehungskraft gebildet, von denen durch ihre konzentrierte Kraft Beeinflussungen ausströmen auf die Menschen.

In erster Linie immer auf die, die für die Gleichart geneigt sind, die also ähnliches in sich tragen. Diese werden dadurch verstärkt in ihrem entsprechenden Willen und zu immer erneuter Zeugung ähnlicher Gebilde angeregt, die gleichartig in die Welt der Gedankenformen treten.

Aber auch andere Menschen, die diese Eigenart nicht in sich tragen, können davon belästigt und nach und nach dazu herangezogen werden, wenn diese Zentralen durch dauernd neuen Zustrom ungeahnte Kraft erhalten. Geschützt davon sind nur die, die andersartiges in größerer Stärke besitzen, wodurch eine Verbindung mit nicht ähnlichem unmöglich wird.

Nun sind es aber in der Jetztzeit leider nur Haß, Neid, Missgunst, Lüsternheit, Geiz und andere Übel, die durch ihre größere Zahl der Anhänger die stärksten Kraftzentralen in der Welt der Gedankenformen haben. Weniger die Reinheit und die Liebe. Aus diesem Grunde nimmt das Übel mit unheimlicher Schnelligkeit an Ausbreitung zu. Dazu kommt, dass diese Kraftzentralen der Gedankenformen wiederum Verbindung erhalten mit den gleichartigen Sphären des Dunkels. Von dort werden sie besonders angefacht zu immer stärkerer Wirksamkeit, sodaß sie weiterleitend unter der Menschheit förmliche Verheerungen anzurichten vermögen.

Gesegnet soll deshalb die Stunde sein, wo die Gedanken der reinen göttlichen Liebe unter der Menschheit wieder größeren Platz einnehmen, damit gleichartig starke Zentralen in der Welt der Gedankenformen sich entwickeln, die Zufuhr aus den lichten Sphären erhalten können, und dadurch nicht nur Stärkung den nach dem Guten Strebenden erteilen, sondern auch langsam reinigend auf dunklere Gemüter wirken.

Es ist aber auch noch eine andere Tätigkeit in dieser feinstofflichen Welt zu beobachten: Gedankenformen werden durch die Wünsche des Erzeugers auf bestimmte Personen zugetrieben, denen sie anhaften können. Sind diese Gedankenformen reiner und edler Art, so bilden sie die Verschönung der Person, der sie gelten, verstärken um diese den Schutz der Reinheit und können sie bei Ähnlichkeit der inneren Empfindungen noch weiter heben, zum Aufstieg kräftigen. Gedanken der Unreinheit aber müssen die Person, der sie gelten, beschmutzen, genau so wie ein grobstofflicher Körper mit Anwurf von Kot und Schlamm beschmutzt wird. Ist ein so angeworfener Mensch innerlich nicht fest verankert mit Zentralen der Lichtströmungen, so kann es ihm geschehen, dass seine Empfindungen durch diesen Anwurf von unsauberen Gedanken mit der Zeit verwirrt wird. Es ist dies möglich, weil die anhaftenden unsauberen Gedankenformen Gleichartiges anzuziehen vermögen, wodurch sie, also erstarkt, die Gedanken der umklammerten Person nach und nach vergiften.

Selbstverständlich fällt die Hauptverantwortung auf den Menschen zurück, der die unsauberen Gedanken erzeugte und nach der betroffenen Person durch seinen Wunsch oder sein Begehren ausschickte; denn die Gedankenformen bleiben auch mit dem Erzeuger verbunden, auf diesen entsprechend zurückwirkend.

Deshalb muß allen wahrhaft Suchenden immer wieder zugerufen werden: „Achtet auf die Reinheit Euerer Gedanken!“ Setzt Euere ganzen Kräfte dafür ein. Ihr könnt nicht ahnen, was ihr damit schafft. Es liegt etwas Gewaltiges darin! Wie starke Kämpfer könnt ihr damit wirken. Bahnbrechen für das Licht und damit für Befreiung Euerer Mitmenschen aus den Schlinggewächsen der Giftfelder in der Welt der Gedankenformen.

Wenn einem Menschen jetzt die Binde von den Augen genommen würde, sodaß er in die nächste feinstoffliche Umgebung schauen kann, würde er zuerst erschreckt ein wildes Durcheinander sehen, das ihm bange machen könnte. Aber nur so lange, bis er die Kraft erkennt, die in ihm ruht, mit der er wie mit einem scharfen Schwert sich freie Bahn zu schaffen fähig ist. Mühelos, nur durch sein Wollen. In hunderttausenden Verschiedenheiten sieht er die Gedankenformen alle möglichen und für irdische Augen oft unmöglichen Gestaltungen. Jede einzelne aber scharf ausgeprägt, genau das zeigend und lebend, was das eigentliche Wollen bei Zeugung des Gedankens gewesen ist. Ungeschminkt aller künstlichen Bemäntelung bar.

Aber trotz der tausenderlei Arten erkennt man mit der Zeit sofort das Wesen der Gedankenform, das heißt, man weiß, wohin sie trotz verschiedener Gestaltungen gehören. Genau wie man einen Menschen vom Tier durch sein Gesicht zu unterscheiden vermag, oder sogar die verschiedenen Menschenrassen an bestimmten Merkmalen des Gesichtes erkennt, genau so haben die Gedankenformen bestimmte Ausdrücke, die klar darauf hinweisen, ob die Form zum Haß, zum Neid, zur Lüsternheit oder zu irgend einer anderen Grundklasse gehört. Jede dieser Grundklassen hat ihren bestimmten Stempel, der den einzelnen Gedan-kenformen als Grundlage ihrer von ihnen verkörperten Eigenschaften ausgedrückt ist, gleich viel, welche äußere Gestaltung diese Formen durch den zeugenden Gedanken angenommen haben. So ist also trotz grotesker Verunstaltungen einer Form zu grässlichen Missbildungen sofort zu erkennen, zu welcher Grundart sie gehört. Mit dieser Erkenntnis hört auch das anscheinende wilde Durcheinander auf, als solches zu erscheinen.

Man sieht die unverrückbare Ordnung und Strenge der die ganze Schöpfung durchströmende Grundgesetze, die, wenn man sie kennt und sich ihren Lauf anschmiegend fügt, unabsehbaren Schutz gewähren und großen Segen bringen. Wer sich diesen Gesetzen aber entgegenstellt, der wird natürlich angegriffen und erfährt, wenn er nicht umgeworfen und zermalmt wird, mindestens scharfe Abschleifungen, die ihn unter Schmerzen und bitteren Erfahrungen selbst so lange umformen, bis er in die Strömung dieser Gesetze passt und kein Hindernis bedeutet. Erst dann kann er mit emporgetragen werden.

Diese Gedankenformen senden ihre Wirkungen nicht nur auf die Menschheit zurück, sondern sie greifen weiter; denn in die gleiche feinstoffliche Welt der näheren Umgebung gehören auch der größte Teil der Naturgeister. Wer sich einmal mit der Tatsache abgefunden hat, daß alles lebt und damit auch alles in Formen ist, ob es irdisch sichtbar oder nicht sichtbar erscheint, dem wird es kein schwerer Schritt sein, sich vorzustellen, dass auch Elementarkräfte geformt sind. Zu diesen gehören die schon von vielen – früher mehr wie jetzt – geschauten Gnomen, Elfen, Sylphen, Nixen usw., Erd-, Luft-, Feuer- und Wassergeister. Sie werden beeinflusst von den Gedankenformen, wodurch auch wiederum viel Heil oder Unheil entsteht. Und so geht es weiter. Eins greift in das andere, wie bei dem Räderwerk eines bis zur höchsten Kunst vollendeten Mechanismusses.

Inmitten all dieses Getriebes aber steht der Mensch! Ausgerüstet mit den Mitteln, die Art der Gewebe anzugeben, die aus dem Wirken in der Schöpfung hervorgehen sollen. Das Räderwerk nach verschiedenen Richtungen hin einzustellen. Seid Euch dieser unermeßlichen Verantwortung bewusst; denn alles spielt sich nur in dem eigenen Kreise Eueres Erdenbannes ab. Darüber hinaus geht nach der weisen Einrichtung des Schöpfers nichts, sondern es kommt nur auf Euch selbst zurück. Ihr vermögt das Dies – und Jenseits der Erde zu vergiften durch Euer Wünschen, Denken und Wollen, oder auch reinigend emporzuheben, dem Lichte zu. Deshalb werdet Lenker des Geschickes, das nach oben führt, durch Reinheit Euerer Gedanken!



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Sittlichkeit.

Wie eine dunkle Gewitterwolke lagert es über der Menschheit. Schwül ist die Atmosphäre. Träge unter dumpfem Drucke arbeitet die Empfin-dungsfähigkeit der Einzelnen. Hochgradig gespannt sind nur die Nerven, die auf das Gefühls – und Triebleben der Körper wirken. Künstlich angestachelt durch den Irrtum solcher Erziehung, falscher Einstellung und Selbsttäuschung. Der Mensch von heute ist in dieser Beziehung nicht normal, sondern er trägt einen krankhaften, bis auf das zehnfache gesteigert sexuellen Trieb mit sich, dem er in hundertfältigen Formen und Arten einen Kult zu erbauen sucht, der zum Verderben der ganzen Menschheit werden muß.

Ansteckend, übertragend wie ein Pesthauch wirkt dies alles mit der Zeit auch auf die, die sich noch krampfhaft anzuklammern suchen an ein Ideal, das ihnen im Verborgenen ihres Halbbewusstseins vorschwebt. Sie strecken wohl verlangend ihre Arme darnach aus, lassen diese aber seufzend immer wieder sinken, hoffnungslos, verzweifelnd, wenn sich ihr Blick auf die Umgebung richtet. In dumpfer Ohnmacht sehen sie mit Grauen, mit welcher Riesenschnelle der klare Blick für Sittlichkeit und Unsitte sich trübt, die Urteilsfähigkeit verloren geht und das Begriffs-vermögen darin wandelt, derart, dass man so vieles, das vor kurzem noch Abscheu und Verachtung ausgelöst hatte, sehr schnell als ganz natürlich hinnimmt und nicht einmal darüber stutzt. Aber der Becher ist bald bis zum Rande gefüllt. Es muß ein furchtbares Erwachen kommen!

Schon jetzt geht es manchmal über diese sinnengepeitschten Massen wie ein plötzliches scheues Ducken, ganz mechanisch unbewusst. Unsi-cherheit greift einen Augenblick an manches Herz; doch zum Erwachen, zu klarer Empfindung ihres unwürdigen Treibens kommt es nicht. Doppelter Eifer setzt daraufhin ein, um solche „Schwäche“ oder „letzte Anhängsel“ veralterter Gesinnungen abzuschütteln oder gar zu übertönen. Fortschritt um jeden Preis soll sein. Fortschreiten kann man nach zwei Seiten. Auf – oder abwärts. Wie man wählt. Und wie es jetzt steht, geht es abwärts, mit undeutlicher Geschwindigkeit. Der Anprall muß die also Niedersausenden zerschmettern, wenn die Stunde schlägt, wo sie auf einen starken Widerstand aufstoßen.

In dieser schwülen Atmosphäre zieht sich die Gewitterwolke immer dichter, unheilbringender zusammen. Jeden Augenblick ist nun der erste Blitzstrahl zu erwarten, der die Finsternis durchschneidet und erhellt. Der flammend das Verborgenste beleuchtet mit einer Unerbittlichkeit und Schärfe, die in sich die Befreiung trägt für solche, die nach Licht und Klarheit streben. Verderben aber denen bringt, die kein Verlangen nach dem Lichte haben. Je länger diese Wolke Zeit erhält, ihre Dunkelheit und Schwere zu verdichten, desto greller und erschreckender wird auch der Blitz sein, den die Wolke erzeugt. Vergehen wird die weiche, erschlaffende Lust, die in den Falten ihrer Trägheit schleichende Lüsternheit verbirgt; denn dem ersten Blitzstrahle wird auch Naturgemäß ein frischer, herber Luftstrom folgen, der neues Leben bringt. In kalter Klarheit des Lichtes werden urplötzlich alle Ausgeburten der düsteren Fantasie ihrer gleiß-nerischen Unwahrheiten entkleidet vor den Blicken der entsetzten Menschheit stehen. Die Erschütterung eines gewaltigen Donners gleich wird das Erwachen in den Seelen wirken, sodaß sich das lebendige Quellwasser ungetrübter Wahrheit brausend über den dadurch gelockerten Grund ergießen kann. Der Tag der Freiheit bricht an. Befreiung vor dem Banne einer seit Jahrtausenden bestehenden und sich jetzt zur höchsten Blüte entfalteten Unsittlichkeit.

Sehet Euch um! Betrachtet die Lektüre, Tänze, Kleidung! Die jetzige Zeit ist mehr, als es je geschehen, bemüht, durch Niederreißen aller Schranken zwischen zwei Geschlechtern die Reinheit der Empfindung systematisch zu trüben, sie in dieser Trübung zu entstellen und ihnen irreführend Masken aufzusetzen. Wenn irgend möglich zuletzt ganz zu ersticken. Aufsteigende Bedenken betäuben die Menschen mit hohen Reden, die aber scharf geprüft nur aus dem innerlich vibrierenden Sexualtriebe heraufsteigen, um den Begierden auf zahllose Arten, geschickt und ungeschickt, in verdeckter und unverdeckter Weise immer neue Nahrung zu geben. Sie sprechen vom Auftakt zu freiem Menschentume, von einer Entwickelung innerer Festigung, von Körperkultur, Schönheit und Nacktheit, veredeltem Sport, Erziehung zur Lebendigmachung des Wortes: „Dem Reinen ist alles rein“, kurz: Hebung des Menschenge-schlechtes durch Ablegung aller „Prüderie“, um den Edlen freien Menschen zu schaffen, der die Zukunft tragen soll! Wehe dem, der es wagt, etwas dagegen zu sagen! Ein derart Verwegener wird sofort unter großem Geheul gesteinigt mit Anwürfen, ähnlich der Behauptungen, dass nur unreine Gedanken ihn bewegen können, etwas „dabei zu finden“!

Ein toller Strudel fauligen Wassers, aus dem eine betäubende vergiftende Atmosphäre sich verbreitet, die gleich einem Morphiumrausche sinnverwirrende Täuschungen auslöst, in die sich dauernd Tausende und Abertausende hineingleiten lassen, bis sie erschlaffend darin untergehen. Der Bruder sucht die Schwester zu belehren, Kinder die Eltern. Wie eine Sturmflut jagt es über alle Menschen hin, und tolle Brandung zeigt sich dort, wo einige Besonnene ekelerfaßt wie Felsen im Meere noch einsam stehen. An diese klammern sich viele, denen die eigene Kraft in dem Tosen auszugehen droht. Man sieht sie gern die kleinen Gruppen, die wie Oasen in der Wüste stehen. Ebenso wie solche erquickend, zur Ruhe und Erholung ladend für den Wanderer, der sich mühsam durch den verderbendrohenden Samum kämpfen konnte.

Was heute unter all den schönen Mäntelchen zum Fortschritte gepredigt wird, ist nichts anderes, als eine verblümte Förderung großer Schamlosigkeit, Vergiftung jeder höheren Empfindung in dem Menschen. Die größte Seuche, die die Menschheit je betroffen hat. Und sonderbar: es ist, als ob so viele nur darauf gewartet hätten, dass ihnen ein glaubhafter Vorwand gegeben wurde, sich selbst zu Tieren zu erniedrigen. Zahllosen Menschen ist es sehr willkommen!

Doch wer die geistigen Gesetze kennt, die in dem Weltall wirken, wird sich mit Abscheu von den jetzigen Bestrebungen wenden. Nehmen wir nur eines der „harmlosesten“ Vergnügungen heraus: „Die Familienbäder“. Dem reinen ist alles rein!“ Das klingt so schön, dass man sich im Schutze dieses Wohlklanges so manches erlauben darf. Betrachten wir uns einmal die einfachsten feinstofflichen Vorgänge in einem derartigen Bade. Angenommen es seien dreißig Personen verschiedenen Geschlechts, und davon neunundzwanzig wirklich in jeder Beziehung rein. Eine Ausnahme, die von vornherein völlig ausgeschlossen ist; denn das Umgekehrte würde richtiger, sogar dann noch selten sein. Doch nehmen wir es an. Der eine, der Dreißigste, hat, durch das Sehen angeregt, unreine Gedanken, trotzdem er sich äußerlich vielleicht vollkommenkorrekt verhält. Diese Gedanken verkörpern sich feinstofflich sofort in lebendige Gedanken-formen, ziehen nach dem Objekt seines Schauens und haften diesem an. Das ist eine Beschmutzung, gleichviel, ob es zu irgendwelchen Äußerungen oder Tätlichkeiten kommt oder nicht! Die betreffende angeworfene Person wird diesen Schmutz mit sich herumtragen, der ähnliche umherirrende Gedankenformen anzuziehen vermag. Dadurch wird es dichter, immer dichter um sie herum, kann zuletzt beirrend auf sie einwirken und sie vergiften, wie ein schmarotzendes Schlinggewächs oft den gesündesten Baum absterben lässt. Das sind die feinstofflichen Vorgänge bei den sogenannten „harmlosen“ Familienbädern, Gesell-schaftsspielen, Tänzen oder anderem mehr.

Nun muß aber bedacht werden, dass in diese Bäder und Vergnügungen auf jeden Fall gerade alle die hingehen, die direkt etwas suchen, um ihre Gedanken und Gefühle durch solche Schau besonders anregen zu lassen! Welcher Schmutz also damit gezüchtet wird, ohne das äußerlich grobstofflich etwas bemerkt werden kann, ist nicht schwer zu erklären. Ebenso selbstverständlich ist es, dass dieses sich dauernd vermehrende und verdichtende Gewölk der sinnlichen Gedankenformen nach und nach auf zahllose Menschen einwirken muß, die von sich aus solche Dinge nicht suchen. In denen tauchen erst schwach, dann stärker und lebendiger ähnliche Gedanken auf, die dauernd genährt werden durch die jetzige Art der „Fortschritte“ in seiner Umgebung, und so geleitet einer nach dem anderen mit in den dickflüssigen dunklen Strom, in dem sich das Begriffsvermögen von wirklicher Reinheit und Sittlichkeit immer mehr verdüstert und zuletzt alles in die Tiefe vollster Dunkelheit reißt.

Diese Gelegenheiten und Anregungen zu solchen wuchernden Auswüchsen müssen in erster Linie wieder genommen werden! Sie sind nichts als Brutherde, in die das verpestete Gewürm unsittlicher Menschen ihre Gedanken werfen können, die dann wuchernd emporschießen und sich verheerend über die ganze Menschheit gießen, immer neue Brutstätten schaffend, die zuletzt nur noch ein Riesenfeld ekler Gewächse bilden, von denen ein Gifthauch ausgeht, der auch Gutes mit erstickt. Reißt Euch heraus aus diesem Taumel der einem Narkotikum gleich nur eine Kräftigung vortäuscht, in Wirklichkeit aber erschlaffend und verderben-bringend wirkt. Natürlich ist es, wenn auch betrübend, dass gerade das weibliche Geschlecht in erster Linie wieder über alles Maß hinaus geht und in seiner Kleidung skrupellos bis zur Dirnenhaftigkeit herabgesunken ist. Das beweist aber nur die Richtigkeit der Erklärung über die feinstofflichen Vorgänge. Gerade das Weib in seiner von Natur aus stärkeren Empfin-dungsfähigkeit nimmt dieses Gift der verpesteten feinstofflichen Gedan-kenwelt zuerst und tiefer auf, sich selbst ganz unbewusst. Sie ist diesen Gefahren mehr preisgegeben, wird aus diesem Grunde auch zuerst fortgerissen und geht unverständlich schnell und auffallend über die Grenze hinaus. Nicht umsonst heißt es: Wenn ein Weib schlecht wird, so ist es schlimmer als ein Mann“! Dasselbe gilt in jeder Art, sei es in Grausamkeit, Haß oder in Liebe! Das Tun des Weibes wird immer ein Produkt der sie umgebenden feinstofflichen Welt sein! Natürlich gibt es darin Ausnahmen. Auch ist es dadurch der Verantwortung nicht entzogen; denn es vermag die auf sie einstürmenden Eindrücke zu beobachten und das eigene Wollen und Tun nach seinem Willen zu lenken, wenn . . . es will! Daß dies von der Mehrheit nicht geschieht, ist ein Fehler des weiblichen Geschlechtes, der nur der absoluten Unwissenheit in diesen Dingen zu danken ist. Schlimm ist es aber für die jetzige Zeit, dass das Weib in Wirklichkeit auch die Zukunft des Volkes in der Hand hat. Sie trägt sie, weil ihr seelischer Zustand einschneidender auf die Nachkommen ist als der des Mannes. Welchen Niedergang muß uns demnach die Zukunft bringen! Unausbleiblich! Mit Waffen, Geld oder Entdeckungen lässt es sich nicht aufhalten. Auch nicht durch Güte oder geschulte Politik. Da müssen tiefer einschneidende Mittel kommen.

Aber nicht die Frau allein trifft diese ungeheuere Schuld. Sie wird immer nur das getreue Spiegelbild jener Welt von Gedankenformen sein, die über ihrem Volke lagern. Das darf man nicht vergessen. Achtet und ehrt das Weib als solches, und es wird sich darnach formen, wird das werden, was ihr in ihr seht, und damit hebt ihr euer ganzes Volk! Doch vorher muß unter den Frauen ein großer Umwandlungsprozeß geschehen. Wie sie jetzt sind, kann eine Heilung nur durch gründliche Operationen erfolgen, mit einem gewaltsamen unerbittlichen Eingriff, der jede Wucher-ung mit scharfen Messern herausschneidet und in das Feuer wirft! Sonst würde sie alle gesunden Teile noch vernichten.

Auf diese notwendige Operation an der ganzen Menschheit eilt die jetzige Zeit unaufhaltsam zu, schneller, immer schneller, führt sie zuletzt selbst herbei! Das wird schmerzhaft, furchtbar sein, doch das Ende ist Gesundung. Erst dann ist die Zeit da, von Sittlichkeit zu sprechen. Heute würde es gleich dem gesprochenen Worte im Sturme verhallen. Doch ist die Stunde dann vorüber, in der das Sündenbabel untergehen musste, weil es verfault in sich zusammenbrach, dann achtet auf das weibliche Geschlecht! Sein Tun und Lassen wird Euch immer zeigen, wie Ihr seid, weil es in seiner feineren Empfindungsfähigkeit das lebt, was die Gedankenformen wollen.

Der Umstand gibt uns auch Gewissheit, dass bei reinem Denken und Empfinden die Weiblichkeit als Erste emporschnellen wird zu dem Ideal, das wir als Gottmenschen ansehen. Dann hat die Sittlichkeit in vollem Glanze ihrer Reinheit Einzug gehalten!



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Die Ehe.

Ehen werden im Himmel geschlossen! Dieser Satz wird oft mit Grimm und Bitterkeit von Verheirateten gerufen. Aber er wird auch gleißnerisch von solchen angewendet, die vom Himmel am weitesten entfernt sind. Die natürliche Folge ist, dass man über diesen Spruch nur noch die Achseln zuckt, lächelt, spottet und sogar auch höhnt.

Im Hinblick auf die Ehen, die ein Mensch im Laufe der Jahre in seiner nächsten und weiteren Umgebung kennen lernt, wird dies verständlich. Die Spottenden haben Recht. Nur würde es besser sein, nicht über den Ausspruch zu spotten, sondern über die Ehen selbst! Diese sind es, denn in der Mehrzahl nicht nur Spott und Hohn, sondern sogar Verachtung gebührt.

Die Ehen, wie sie heute sind und wie sie schon vor hunderten von Jahren waren, machen die Wahrheit des Spruches zu schanden, lassen niemand daran glauben. Sie sind mit leider nur sehr seltenen Ausnahmen ein ausgesprochen unsittlicher Zustand, dem ein Ende zu bereiten nicht schnell genug geschehen kann, um Tausende von dieser Schande zu bewahren, in die sie der Gepflogenheit der Jetztzeit entsprechend blind hineinrennen. Sie wähnen, dass es nicht anders sein kann, weil es so üblich ist. Dazu kommt, dass gerade in der Jetztzeit alles bis zur Schamlosigkeit darauf zugeschnitten ist, jede reinere Empfindung zu trüben und zu ersticken. Kein Mensch denkt daran, die Persönlichkeit auch durch Ehrfurcht dem Körperlichen gegenüber zu dem zu machen, was sie sein sollte, sein kann und sein muß.

Der Körper hat gleich der Seele etwas Kostbares, deshalb etwas unantastbares zu sein, das man nicht zur Anlockung zur Schau stellt. Etwas Hohes, Heiliges! Und deshalb lässt sich auf Erden auch in dieser Beziehung der Körper von der Seele nicht trennen. Beides ist gleichzeitig als Heiligtum zu achten und zu bewahren, wenn es irgend einen Wert haben soll. Sonst wird es Plunder, an dem man sich beschmutzt, dem nur gebührt, in die Ecke geworfen zu werden, um den ersten besten vorüberziehenden Trödler billig anzugehören. Ergießt sich heute ein Heer solcher Trödler und Aufkäufer über die Erde, so finden sie ungeahnte Mengen dieses Plunders. Jeder Schritt bringt ihnen neue Ansammlungen, die schon ihrer harren. Und solche Aufkäufer und Trödler ziehen täglich schon in dichten Scharen umher. Sie sind die Gesandten und Werkzeuge der Finsternis, die gerade die wohlfeile Beute an sich reißen, um sie weiter und weiter triumphierend herabzuführen in ihr dunkles Reich, bis alles über ihnen schwarz zusammenschlägt und sie den Weg zum Licht niemals zurückfinden können. Es ist kein Wunder, dass alles lacht, sobald noch jemand ernsthaft davon spricht, dass Ehen im Himmel geschlossen werden!

Die staatliche Eheschließung ist nichts anderes als ein nüchterner Geschäftsakt. Die sich dadurch Verbindenden nehmen ihn vor, nicht etwa um gemeinsam ernsthaft an ein Werk heranzutreten, das den inneren und äußeren Wert der beteiligten Personen hebt, dass sie gemeinsam hohen Zielen zustreben lässt, und somit sich selbst, der Menschheit, sowie der ganzen Schöpfung zum Segen gereichen, sondern als einfachen Packt, mit dem sie sich gegenseitig materiell sicher stellen, damit die beiderseitige körperliche Preisgabe ohne rechnerische Bedenken erfolgen kann. Wo bleibt dabei die Heiligkeit des Körpers, die von beiden Seiten in die Ehe gebracht und darin auch gewahrt bleiben soll? Diese wird überhaupt nicht in Betracht gezogen.

Das Weib nimmt dabei eine so entwürdigende Stellung ein, dass man sich von ihr abwenden müßte. In achtzig von hundert Fällen verdingt oder verkauft sie sich einfach in den Dienst des Mannes, der nicht einen gleichwertigen Kameraden in ihr sucht, sondern außer einem Schauobjekt eine billige und willige Wirtschafterin, die ihm das Heim behaglich macht mit der er auch unter dem Deckmantel einer falschen Ehrhaftigkeit gemeinsam den Begierden ungestört fröhnen kann.

Aus den nichtigsten Gründen verlassen junge Mädchen oft das Elternhaus, um eine Ehe einzugehen. Manchmal sind sie des Elternhauses müde, sehnen sich nach einem Wirkungskreise in dem sie selbst bestimmen können. Andere dünken es sich reizvoll, eine junge Frau zu spielen, oder erhoffen mehr Bewegtheit im Leben. Sie glauben auch in bessere materielle Verhältnisse zu kommen. Ebenso gibt es Fälle, wo junge Mädchen aus Trotz heraus eine Ehe eingehen, um damit einen anderen zu ärgern. Auch rein körperliche Triebe geben die Veranlassung zum Eheschluß. Durch falsche Lektüre, Unterhaltung und Spielerei wurden sie erweckt und künstlich großgezogen.

Selten ist es wirkliche seelische Liebe, die sie zu diesem ernstesten aller Schritte im Erdenleben veranlasst. Die Mädchen sind unter treuer Assistenz vieler Eltern angeblich „zu klug“, um sich nur von reinen Empfindungen leiten zu lassen, rennen aber erst recht in ihr Unglück hinein. Solche haben ihren Lohn für die Oberflächlichkeit zum Teil schon in der Ehe selbst. Zum Teil aber nur! Das bittere Erleben der Wechselwirkung als Folge solcher falscher Ehen kommt viel später; denn das Hauptübel liegt in der Versäumnis, die damit im möglichen Fortschritte leichtsinnig herbeigeführt wird. So manches Erdenleben ist dadurch für einen eigentlichen Zweck des persönlichen Seins vollkommen verloren. Es bringt sogar noch einen schweren Rückgang, der mühsam wieder nachgeholt werden muß.

Wie anders, wenn eine Ehe auf rechter Grundlage geschlossen ist und harmonisch sich gestaltet! Freudig, einer im freiwilligen Dienste des Anderen, wachsen sie aneinander empor zu geistiger Veredelung, Schulter an Schulter lächelnd den irdischen Mühsalen entgegenblickend. Die Ehe wird dann zum Gewinn fürs ganze Sein, aus Glück heraus. Und in dem Glücke ruht ein Aufschwung nicht nur für die Einzelnen, sondern für die ganze Menschheit! Wehe deshalb den Eltern, die ihre Kinder durch Überredung, List oder Zwang aus Vernunftsgründen in falsche Ehen treiben. Die Wucht der Verantwortung, die darin weiter greift als nur für ihr Kind, fällt früher oder später so nachhaltig auf sie, dass sie wünschen, nie auf solche „glänzende Gedanken“ gekommen zu sein.

Die kirchliche Eheschließung nun wird von vielen nur als ein Teil einer rein irdischen Feier angesehen. Die Kirchen selbst oder deren Vertreter wenden das Wort an. „Was Gott zusammenfügt, dass soll der Mensch nicht scheiden!“ Religiösen Kulten liegt der Grundgedanke vor, dass die beiden Eheschließenden durch diese Handlung einer Trauung von Gott zusammengefügt werden. „Fortgeschrittene“ nehmen statt dessen auch den Sinn, dass die beiden Eheschließenden damit vor Gott zusam-mengefügt werden. Die letzte Deutung hat immer noch mehr Berech-tigung wie die erste.

Gewollt ist aber mit diesen Worten eine derartige Deutung nicht! Sie sollen etwas ganz anderes sagen. Es ist dabei die Tatsache zu Grunde gelegt, dass Ehen wirklich im Himmel geschlossen sind.

Werden von diesem Satze alle falschen Begriffe und Deutungen entfernt, so hört sofort jede Ursache zum Lachen, Spotten oder Höhnen auf, und der Sinn liegt in seinem ganzen Ernste und seiner unabän-derlichen Wahrheit vor uns. Die natürliche Folge ist aber dann auch die Erkenntnis, dass die Ehen ganz anders gemeint und gewollt sind, als die Heutigen es sind, das heißt daß ein Eheschluß nur unter ganz anderen Voraussetzungen, mit ganz anderen Ansichten und Überzeu-gungen und mit ganz reinen Absichten erfolgen darf.

„Die Ehen werden im Himmel geschlossen“, zeigt in erster Linie, dass schon bei Eintritt in das irdische Leben ein jeder Mensch bestimmte Eigenschaften mitbringt, deren harmonische Entwickelung nur Menschen mit den dazu passenden Eigenschaften bewirken können. Dazu passende Eigenschaften sind aber nicht die gleichen, sondern solche, die ergänzen und durch diese Ergänzung vollwertig machen. In der Vollwertigkeit aber erklingen alle Seiten in einem Harmonischen Akkord. Wird nun der eine Teil durch den anderen vollwertig gemacht, so wird auch dieser andere dazu kommende Teil durch den Zweiten ebenso vollwertig, und in dem Zusammenschluss beider, also in dem Zusammenleben und Wirken, wird dieser harmonische Akkord erklingen. So ist die Ehe, die im Himmel geschlossen ist

Damit ist aber nicht gesagt, dass für einen Menschen zu einer harmonischen Ehe nur ein ganz bestimmter anderer Mensch auf Erden befähigt ist, sondern es sind meistens einige da, die die Ergänzung des anderen Teiles in sich tragen. Man braucht also nicht etwa Jahrzehnte um die Erde zu wandern, um diesen zweiten, wirklich passenden und ergänzenden Teil zu finden. Es heißt nur, den nötigen Ernst dazu zu verwenden, Augen, Ohren und Herz offen zu halten, vor allem von den bisher als Vorbedingung zu einer Ehe gestellten Forderungen abzusehen. Gerade das, was heute gilt, soll nicht sein. Gemeinsame Arbeit und hohe Ziele bedingt eine gesunde Ehe ebenso unerlässlich, wie ein gesunder Körper die Bewegung und frische Luft. Wer auf Bequemlichkeit und mögliche Sorglosigkeit rechnet und darauf das Zusammenleben aufzu-bauen sucht, wird zuletzt nur Ungesundung mit allen Nebenerscheinungen ernten. Deshalb sucht endlich Ehen einzugehen, die im Himmel geschlossen sind. Dann wird das Glück Euch finden!

Das im Himmel geschlossen sein bedeutet, vor oder mit Eintritt in das Erdenleben schon für einander vorgesehen zu sein. Das Vorgesehensein liegt aber nur in den mitgebrachten Eigenschaften, mit denen sich zwei gegenseitigvoll ergänzen. Solche sind dadurch für einander bestimmt.

Bestimmtsein kann man aber ebenso gut auch ausdrücken mit „für einander passen, sich also wirklich ergänzen“. Darin liegt die Bestimmung.

„Was Gott zusammengefügt, das soll der Mensch nicht scheiden“. Das Nichtverstehen dieses Wortes Christi hat schon so manches Unheil angerichtet. Viele wähnten bisher unter: „Was Gott zusammenfügt“ den Eheschluß. Dieser hat mit den Sinn der Worte bisher so gut wie nichts zu tun gehabt. Das, was Gott zusammengefügt, ist ein Bund in dem die Bedingungen erfüllt sind, die eine volle Harmonie erfordert, der also im Himmel geschlossen ist. Ob darüber nun die staatliche Konzession erteilt wurde oder nicht, ändert an der Sache nichts.

Selbstverständlich ist es notwendig, sich dabei auch in diese staatliche Ordnung einzufügen. Wird dann eine Trauung bei einem so geschlossenen Bund noch nach dem jeweiligen religiösen Kult in entsprechender Andacht vorgenommen, so ist es ganz natürlich, dass dieser Bund durch die innere Einstellung der Beteiligten eine noch viel höhere Weihe erhält, die wirklichen und starken geistigen Segen über das Paar bringt. Eine solche Ehe ist dann wirklich von und vor Gott zusammengefügt und im Himmel geschlossen.

Nun folgt die Warnung: „Das soll der Mensch nicht scheiden“! Wie klein ist auch der hohe Sinn dieser Worte herabgedrückt worden. Dabei liegt die Wahrheit doch so klar zu Tage! Wo immer auch ein Bund sich findet, der im Himmel geschlossen ist, das heißt wo zwei sich ergänzen, dass ein voller harmonischer Akkord ersteht, dort soll kein Dritter versuchen, eine Trennung herbeizuführen. Sei es um Missklang hinein zu bringen, eine Vereinigung unmöglich zu machen oder eine Trennung herbei zu führen, gleichviel, ein solches Unterfangen wäre Sünde. Ein Unrecht, das sich in seiner Wechselwirkung schwer an den Urheber heften muss, da zwei Menschen gleichzeitig davon betroffen werden, und mit diesen auch der Segen, der durch Ihr Glück sich ausgebreitet hätte in die grob – und feinstoffliche Welt. Es ist in diesen Worten eine schlichte Wahrheit, die sich nach allen Seiten kenntlich macht. Die Warnung ist zum Schutze nur solcher Bündnisse, die durch die schon vorher erwähnten Vorbedingungen im Himmel geschlossen sind, wofür sie ihre Bestätigung durch die mitgebrachten beiderseitig sich ergänzenden seelischen Eigen-schaften haben.

Zwischen solche soll sich kein Dritter drängen, auch nicht die Eltern! Den beiden Beteiligten selbst wird es nie einfallen, eine Trennung zu wünschen. Die ihnen durch ihre gemeinsamen seelischen Eigenschaften zu Grunde gelegte göttliche Harmonie lässt einen solchen Gedanken nicht aufkommen. Ihr Glück und die Beständigkeit ihrer Ehe ist damit von vornherein gewährleistet. Wird ein Antrag auf Scheidung von einem der Ehegatten gestellt, so gibt dieser damit den besten Beweis, dass die notwendige Harmonie nicht zu Grunde liegt, die Ehe also im Himmel nicht geschlossen sein kann. In solchem Falle sollte eine Ehe unbedingt geschieden werden. Zur Hebung des sittlichen Selbstbewusstseins beider auf solcher ungesunden Stufe lebenden Ehegatten. Derartige falsche Ehen bilden jetzt die große Mehrzahl. Dieser Übelstand liegt vorwiegend an dem moralischen Rückgange der Menschheit sowie in der herrschenden Anbetung des Verstandes.

Das Scheiden dessen, was Gott zusammengefügt, betrifft aber nicht nur die Ehe, sondern auch schon das vorhergehende sich Nähern zweier Seelen, die durch die sich ergänzenden Eigenschaften nur Harmonie entwickeln können, also für einander bestimmt sind. Ist dann ein solcher Bund geschlossen, und ein Dritter sucht sich hineinzuzwängen durch Verleumdung oder ähnlich bekannte Mittel, so ist diese Absicht schon der vollendete Ehebruch!

Der Sinn der Worte: „Was Gott zusammengefügt, das soll der Mensch nicht scheiden“, ist also einfach und klar, dass schwer zu begreifen ist, wie hierüber eine irrige Auffassung auftauchen konnte. Es war das nur möglich durch unrichtige Trennung der geistigen Welt von der irdischen Welt, wodurch beschränkte Verstandesauffassung zu Geltung kommen konnte, die noch nie wirkliche Werte zeitigte.

In so manchem Hörer wird eine Art frohes Gefühl erwachen. Das Bewusstsein einer Erweiterung, einer schöneren Zukunft. Er fühlt sich bei dem Erkennen der Wahrheit von einem Drucke befreit, den falsche irdische Bestimmungen auf Grund getrübter Auffassungen auf ihn legen. Bei Unveränderung der Worte sieht er plötzlich die lebendige Wirklichkeit vor sich, die so viel schöner, herrlicher ist, und die trotzdem in sich in ihrer streng arbeitenden Folgerung einen Halt und eine Sittlichkeit trägt, die weit und erhaben über dem irdischen Begreifen steht.

Aus dem Geistigen wurden diese Worte gegeben, nur aus dem Geistigen können sie deshalb ihre wahre Erklärung finden!




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Das Gebet.

Wenn überhaupt von dem Gebet gesprochen werden soll, so ist es selbstverständlich, dass die Worte nur denen gelten, die sich mit dem Gebet befassen. Wer nicht den Drang zu einem Gebet in sich fühlt, kann ruhig davon Abstand nehmen, weil seine Worte oder die Gedanken doch in nichts zerfließen müssen. Wenn ein Gebet nicht richtig durchempfunden ist, so hat es keinen Wert, und deshalb auch keinen Erfolg. Der Augenblick eines aufwallenden Dankgefühles in großer Freude, wie auch die Empfindung tiefsten Schmerzes in dem Leide, gibt die beste Grundlage zu einem Gebet, das Erfolg erwarten kann. In solchen Augenblicken ist der Mensch durchdrungen von einer bestimmten Empfindung, die alles andere in ihm ertönt. Dadurch ist es möglich, daß der Hauptwunsch des Gebetes, sei es nun ein Dank oder eine Bitte, ungetrübte Kraft erhält.

Die Menschen machen sich überhaupt oft ein falsches Bild von dem Geschehen und Werden des Gebetes und dessen Weiterentwicklung. Nicht jedes Gebet dringt zu dem höchsten Lenker der Welten. Im Gegenteil, es ist eine seltene Ausnahme, dass ein Gebet wirklich einmal bis zu den Stufen des Thrones zu dringen vermag. Auch hier spielt die Anziehungskraft der Gleichart als Grundgesetz die größte Rolle.

Ein ernstgemeintes, tief empfundenes Gebet kommt selbst anziehend und von der Gleichart angezogen werdend in Verbindung mit einer Kraftzentrale derjenigen Art, von der der Hauptinhalt des Gebetes durchdrungen ist. Die Kraftzentralen können ebenso gut Sphärenabtei-lungen oder anderswie benannt werden, es wird im Grunde immer auf dasselbe herauskommen. Wechselwirkung bringt dann das, was der Hauptwunsch des Gebetes war. Entweder Ruhe, Kraft, Erholung, plötzlich im Innern aufstehende Pläne, Lösungen schwieriger Fragen oder sonstiger Dinge. Ein Gutes wird immer dabei herauskommen, sei es auch nur die eigene verstärkte Ruhe und Konzentration, die dann wiederum zu einem Auswege, zu einer Rettung führt.

Es ist auch möglich, dass diese ausgesandten Gebete, in ihrer Stärke vertieft durch die Wechselwirkung gleichartiger Kraftzentralen, einen feinstofflichen Weg zum Menschen finden, die dadurch angeregt auf irgend eine Weise Hilfe und damit Erfüllung des Gebetes bringen. Alle diese Vorgänge sind bei der Beobachtung des feinstofflichen Lebens leicht verständlich. Auch hierin liegt die Gerechtigkeit wieder darin, dass das Ausschlaggebende bei dem Gebet immer die innere Beschaffenheit des Betenden bleiben wird, die nach seiner Tiefe die Kraft, also die Lebensfähigkeit und Wirksamkeit des Gebetes bestimmt.

In dem großen feinstofflichen Geschehen des Weltalls findet jede Art des Empfindens seine bestimmte Gleichart, da sie von anderen nicht nur nicht angezogen werden könnte, sondern sogar abgestoßen würde. Nur wenn eine Gleichart kommt, erfolgt Verbindung und damit Verstärkung. Ein Gebet, welches verschiedene Empfindungen birgt, die durch große Vertiefung des Betenden trotz der Zergliederung immerhin noch eine gewisse Kraft in sich tragen, wird also Verschiedenes anziehen und Verschiedenes in der Wechselwirkung zurückbringen. Ob darin dann eine Erfüllung liegen kann, hängt ganz von der Art der einzelnen Teile ab, die einander fördernd oder hemmend sich auswirken können. In jedem Falle aber ist es besser, bei einem Gebet nur einen Gedanken als Empfindung hinauszusenden, damit keine Verwirrung entstehen kann.

So hat Christus durchaus nicht gewollt, dass das „Vater Unser“ unbedingt geschlossen gebetet werden soll, sondern er gab damit nur zusammenfassend alles das an, was der Mensch bei ernstem Wollen in erster Linie mit Sicherheit auf Erfüllung erbitten kann.

In diesen Bitten sind die Grundlagen für alles enthalten, was der Mensch zu seinem leiblichen Wohlbefinden und geistigem Aufstiege notwendig hat. Sie geben aber noch mehr! Die Bitten zeigen gleichzeitig die Richtlinien für das Streben an, das der Mensch in seinem Erdenleben verfolgen soll. Die Zusammenstellung der Bitten ist ein Meisterwerk für sich. Das „Vater Unser“ allein kann dem suchenden Menschen alles sein, wenn er sich hinein vertieft und es richtig erfasst. Er braucht gar nicht mehr als das „Vater Unser“ Dieses zeigt ihm das ganze Evangelium in konzentrierter Form. Es ist der Schlüssel zu den lichten Höhen für den, der es richtig zu erleben weiß. Es kann für Jedermann Stab und Leuchte zugleich sein für das Vorwärts - und Aufwärtsschreiten! So unermesslich viel trägt es in sich.

Schon dieser Reichtum zeigt den eigentlichen Zweck des „Vater Unser“ Jesus gab der Menschheit in dem „Vater Unser“ den Schlüssel zu dem Reiche Gottes! Den Kern seiner Botschaft. Er hat aber damit nicht gemeint, dass es in dieser Weise hergebetet werden soll.

Der Mensch braucht nur darauf zu achten, wenn er gebetet hat, und er wird von selbst erkennen, wie viel Ablenkung es ihm brachte, und wie es die Tiefe seiner Empfindung schwächte, indem er der Reihenfolge der einzelnen Bitten folgte, auch wenn diese ihm noch so geläufig sind.

Es ist ihm auch unmöglich, mit tiefer, für ein richtiges Gebet notwendiger Inbrunst der Reihe nach aus einer Bitte in die andere zu gleiten! Jesus aber hat in seiner Art der Menschheit alles leicht gemacht. Der richtige Ausdruck ist „kinderleicht“ gemacht. Er wies extra darauf hin: „Werdet wie die Kinder“ Also so einfach denkend so wenig Schwierigkeiten suchend. Er würde nie von der Menschheit so etwas Unmögliches erwartet haben, wie es das wirklich vertiefte Beten des Vater Unser’s verlangt. Das muß der Menschheit auch die Überzeugung bringen, dass Jesus damit etwas anderes wollte, etwas Größeres: Er gab den Schlüssel zu dem Reiche Gottes, nicht ein einfaches Gebet!

Vielseitigkeit eines Gebetes wird es immer abschwächen. Ein Kind kommt auch nicht mit sieben Bitten gleichzeitig zum Vater, sondern immer nur mit dem, was sein Herz gerade am ärgsten bedrückt, sei es nun ein Leid oder ein Wunsch.

So soll auch ein Mensch in Not sich bittend an seinen Gott wenden, mit dem was ihn bedrückt. Und in den meisten Fällen wird es doch immer nur eine besondere Angelegenheit sein, nicht vieles zusammen. Um etwas, was ihn nicht gerade bedrückt, soll er auch nicht bitten. Da eine solche Bitte in seinem Innern nicht lebendig genug mitempfunden werden kann, wird sie zu leerer Form und schwächt naturgemäß eine vielleicht wirklich nötige andere Bitte.

Deshalb soll immer nur um das gebeten werden, was wirklich nötig ist! Nur keine leeren Formen, die zersplittern müssen und mit der Zeit die Heuchelei großziehen!

Das Gebet erfordert tiefsten Ernst. Man bete in Ruhe und in Reinheit, damit durch Ruhe die Empfindungskraft erhöht wird und sie durch Reinheit jene lichte Leichtigkeit erhält, die das Gebet emporzutragen fähig ist bis zu den Höhen alles Lichtes, alles Reinem. Dann wird auch diejenige Erfüllung kommen, die dem Bittenden am meisten nützt, ihn wirklich vorwärts bringt in seinem ganzen Sein.

Die Kraft des Gebetes vermag dieses nicht emporzuschleudern, oder emporzudrängen, sondern nur die Reinheit in ihrer entsprechenden Leich-tigkeit. Reinheit aber im Gebet kann jeder Mensch erreichen, wenn auch nicht in allen seinen Gebeten, sobald der Drang zum Bitten in ihm lebendig wird. Es ist dazu nicht notwendig, daß er schon mit seinem ganzen Leben im Reinen steht. Es vermag ihn nicht zu hindern, wenigstens zeitweise hier und da einmal im Gebet sich in Reinheit seiner Empfindung sekundenlang zu versenken.

Zur Kraft des Gebetes aber verhilft nicht nur die abgeschlossene Ruhe und die dadurch ermöglichte vertiefte Konzentration, sondern auch jede starke Gemütsaufwallung, wie die Angst, die Sorge, die Freude.

Es ist nun nicht gesagt, daß die Erfüllung eines Gebetes immer irdisch gedachten Vorstellungen und Wünschen unbedingt entspricht und mit diesen im Einklang steht. Die Erfüllung greift wohlmeinend weit darüber hinaus und führt das Ganze zum Besten, nicht den irdischen Augenblick! Oft muß daher eine scheinbare Nichterfüllung später als einzig richtige und beste Erfüllung erkannt werden, und der Mensch ist glücklich, dass es nicht nach seinen Augenblickswünschen ging.

Nun die Fürbitte! Der Hörer fragt sich oft, wie die Wechselwirkung bei einer Fürbitte, also der Bitte eines Anderen, den Weg zu einem Menschen finden kann, der nicht selbst gebetet hat, weil die Rückwirkung auf dem angebahnten Wege auf den Bittenden selbst zurückströmen muß.

Auch hierbei gibt es keine Abweichung von den feststehenden Geset-zen. Ein Fürbittender denkt während seines Gebetes so intensiv an den, für den er bittet, daß sein Wünschen dadurch in der anderen Person zuerst verankert oder festgeknotet wird, und dann von dort seinen Weg aufwärts nimmt, also zu der Person auch zurückkehren kann, für die die starken Wünsche des Bittenden sowieso schon lebendig geworden sind und ihn umkreisen. Dabei ist jedoch unbedingt vorauszusetzen, daß der Boden in der Person, für die gebeten wird, auch aufnahmefähig und durch Gleichart geeignet ist zu einer Verankerung, und einer solchen nicht etwa Hindernisse entgegenstellt.

Ist der Boden nicht aufnahmefähig, also unwert, so liegt in dem Ab-gleiten der Fürbitten nur wieder die wunderbare Gerechtigkeit der göttlichen Gesetze die nicht zulassen können, daß auf ganz unfruchtbaren Boden von außen her durch einen anderen Hilfe kommt. Dieses Anprallen oder Abgleiten der gewollten Verankerung einer Fürbitte von einer diese Bitte betreffenden Person, die durch ihren inneren Zustand unwert ist, zieht die Unmöglichkeit einer Hilfebringung nach sich. Es liegt auch hierin wieder etwas derartig Vollkommenes in diesem selbstverständlichem Wirken das der Mensch staunend vor der damit verbundenen unver-kürzten und gerechten Verteilung der Früchte alles Selbstgewolltem steht!

Würde dies nicht so unerbittlich vor sich gehen, so ergäbe das Räderwerk der Schöpfung eine Lücke, die Möglichkeiten zur Unge-rechtigkeit zuließe gegen solche Unwerten, die keine Fürbitter haben können, trotzdem Fürbitter auch wieder nur durch Wechselwirkung vorher gegebener Freundschaften oder Ähnlichem erstehen.

Fürbitten von Menschen, die es ohne eigenen inneren und unbeding-ten Drang wahrer Empfindungen heraus tun, haben keinerlei Wert noch Erfolg. Sie sind nur leere Spreu.

Noch eine Art der Wirkung echter Fürbitten gibt es. Das ist die eines Wegweisers! Das Gebet steigt direkt empor und zeigt nach dem Hilfsbedürftigen. Wird nun ein geistiger Bote an Hand dieses gewiesenen Weges zur Unterstützung geschickt, so ist die Möglichkeit einer Hilfe denselben Gesetzen des Wertes oder Unwertes, also der Aufnahmefähigkeit oder der Abstoßung unterworfen. Ist der Hilfsbedürftige innerlich dem Dunkel zugekehrt, so kann der auf die Fürbitte hin helfenwollende Bote keine Fühlung gewinnen, vermag nicht einzuwirken und muß unverrich-teter Sache wieder zurück. Die Fürbitte konnte also nicht erfüllt werden, weil es die Gesetze in ihrer Lebendigkeit nicht zuließen. Ist aber der gegebene Boden dazu da, so hat eine echte Fürbitte unschätzbaren Wert! Entweder sie bringt Hilfe herbei, auch wenn der Hilfsbedürftige nichts davon weiß oder sie vereinigt sich mit dem Wunsche, oder Gebet des Hilfsbedürftigen und gibt diesem damit große Verstärkung.



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Fragenbeantwortungen.

Frage: „Wie erfolgen die Heilungen im Gralshause“?

Antwort: Durch Handauflegen strömt die neue Lebenskraft in den Kranken. Das Christuswort: „Dir geschehe wie Du geglaubt hast“! ist auch hier der Schlüssel zu dem Vorgange. Der Erfolg richtet sich ganz nach dem Werte des Menschen, das heißt, wie weit er wert ist, geheilt zu werden, oder mit anderen Worten jetziger Zeit: Wie er wirklich innerlich eingestellt ist, nicht etwa, wie er es sich vortäuscht. In diesem Grade, nicht mehr und nicht weniger, wird er seine Gesundung erhalten!

Auch das formt sich ganz in die Wechselwirkung der unverrückbaren Gesetze in der Schöpfung: Wer innerlich dem Dunkel zugekehrt ist, kann die Lichtkraft zur Gesundung nicht in sich aufnehmen, und wer nicht will, dem kann Gesundung nicht aufgezwungen werden. Die Lichtkraft des berufenen Mittlers strömt dann von ihm ab. Genau wie bei dem Evan-gelium. Selbst Christus vermag niemand in das Himmelreich zu bringen, der sich nicht auf sein Evangelium eingestellt hat, das heißt, der nicht darnach lebt.

Der heiße Wunsch zur Gesundung ist allerdings auch eine Einstellung, die zur Aufnahme und Wirkung der Kraft führt.


Frage: Wie kann ich Aufnahme in den Orden: „Der Gral“ finden?

Antwort: Die immer wieder von allen Seiten sich wiederholenden Fragen wegen Anschluss an den Orden oder Aufnahme erfordern eine kurze Erklärung in den Gralsblättern, wodurch viele derjenigen, die angefragt haben, gleich die Antwort mit erhalten.

Es ist nicht so ohne weiteres möglich, in den Orden beizutreten, wie es bei Vereinen, Sekten oder sonstigen Verbindungen üblich ist. „Der Gral“ wirbt nicht um Mitglieder. Es ist sogar Aufnahmeheischenden außeror-dentlich erschwert, beitreten zu können. Nicht auf die Anzahl der Zuge-hörigen wird gesehen, sondern auf die inneren Werte, gleichviel, ob diese schon entwickelt sind oder nicht. Allein darauf wird bei Aufnahme unter die Novizen gesehen. Mit Kosten ist eine Aufnahme nicht verbunden. Ein Novize gehört dem Orden noch nicht an. Je nach seiner geistigen Entwickelung kann es ein Jahr, es kann aber auch Jahrzehnte dauern, bevor er in den Orden aufgenommen wird. Dabei muß er jeden Tag gegenwärtig sein, wieder ganz ausgeschaltet zu werden, wenn er es nicht erreicht, bei der ihm während der Novizenschaft zu Teil werdenden Hilfe die in ihm ruhenden Werte lebendig zu machen. Sonst aber steigt er mit dem Grade seiner Entwickelung.

Den sich für die Lehren des Ordens interessierenden Menschen soll geraten werden, sich in ihrem Wohnorte oder der zunächstliegenden Stadt der Anhängerschaft unserer Gralslehren anzuschließen. Es bilden sich in vielen Städten Gruppen ernster Menschen, die damit erstreben, in enger Fühlung mit dem Orden selbst zu kommen, in direkter Korrespondenz zu stehen und auch zeitweise den Besuch eines Gralszugehörigen zu erhalten, der über verschiedene einschneidende Lebensfragen in ihrem Kreise spricht. Aus diesem Kreise kommen mit der Zeit Novizen. Es sind die, die neben inneren Werten das starke Verlangen tragen, sich dem Orden noch näher anzuschließen oder auch in ihm tätig zu sein. Eine Aufnahme mit weniger als einem Jahr Novizenschaft ist unmöglich. Dabei kommt eine ursprüngliche Konfession nicht in Betracht; denn der Orden beurteilt die Menschen lediglich nach ihren eigentlichen Werten.

Der Orden ist vollkommen unabhängig, erhebt keine Beiträge und geht ungeachtet vielfacher Verbindungen nur seinen eigenen Weg.

Die glücklicherweise Wenigen, die bei ihren Anfragen wissen wollen, welche Vorteile mit einem Anschluss verbunden sind, kommen weder für einen Anschluss noch für eine Aufnahme in Betracht, da die Frage allein schon beweist, dass ihnen das ernste Verlangen zu innerem Fortschritt fehlt. Es soll deshalb auch nicht auf die Vorteile hingewiesen werden, die schon die Anhängerschaft mit sich bringt.



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Aus dem Inhalte des nächsten Heftes:

Das Verbrechen der Hypnose. – Moderne Geisteswissenschaftler. – Strömungen der Sterne. – Der freie Wille des Menschen trotz Karma und Sterneneinfluss. – Das Wesen der Offenbarungen. – Der Werdegang des geistigen Menschen bis zu seiner ersten Inkarnierung auf Erden. – usw.



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