Gralsblätter.

Gesammelte Vorträge

von

Abdruschin.

5. Heft








VERLAG DER GRALSBLÄTTER BAD HEILBRUNN


(Oberbayern)

Gralsblätter.

Gesammelte Vorträge

von

Abdruschin.

5. Heft Serie I



Inhalt:

  1. Der Mensch und sein freier Wille.

  2. Moderne Geisteswissenschaft.

  3. Falsche Wege.

  4. Fragenbeantwortungen und Verschiedenes:

a) Gotteskindschaft.

b) „Jungfrau“ Maria in der Verheißung.

c) Die Konfirmation.




Nachdruck verboten.



Der Mensch und sein freier Wille.

Um darüber ein geschlossenes Bild geben zu können, muß alles möglichst kurz gehalten sein, aber dennoch vieles außerhalb Liegende mit angezogen werden, das seine Einflüsse auf die Hauptsache mehr oder weniger geltend macht.

Der freie Wille! Das ist etwas wovor sogar bedeutende Menschen sinnend stehen bleiben, weil bei einer Verantwortlichkeit nach den Gesetzen der Gerechtigkeit auch unbedingt eine freie Entschließungs-möglichkeit vorhanden sein muß.

Wohin man auch hört, von allen Seiten kommt der Ruf: Wo soll ein freier Wille im Menschen sein, wenn es in Wirklichkeit Vorsehung, Führung, Bestimmungen, Sterneneinflüsse und Karma gibt? Der Mensch wird geschoben, gehobelt, geformt, ob er nun will oder nicht!

Mit Eifer stürzen sich ernsthaft Suchende über alles, was von freiem Willen spricht, in der ganz richtigen Erkenntnis, daß gerade darüber eine Erklärung notwendig gebraucht wird. Solange diese fehlt, vermag sich der Mensch auch nicht richtig einzustellen, um sich in der großen Schöpfung als das zu behaupten, was er wirklich ist. Wenn er aber nicht die richtige Einstellung zu Schöpfung hat, muß er ein Fremder darin bleiben, wird umherirren, muß sich schieben, hobeln und formen lassen, weil ihm das Zielbewußte fehlt. So ergibt dann eins das andere, und aus natürlicher Folgerichtigkeit heraus ist der Mensch zuletzt geworden, was er heute ist, das er ab eigentlich nicht sein soll!

Sein großer Mangel ist, daß er nicht weiß, wo eigentlich sein freier Wille ruht und wie er sich betätigt. Der Umstand zeigt auch, daß er den Weg zu seinem Willen vollständig verloren hat, ihn nicht mehr zu finden weiß.

Der Eingang des Pfades zu dem Verständnis ist durch aufgetürmten Flugsand nicht mehr erkennbar. Die Spuren sind verweht. Der Mensch läuft unschlüssig im Kreise, sich dabei ermüdend, bis ein frischer Wind die Wege endlich wieder freilegt. Daß dabei erst der ganze Flugsand aufgescheucht in tollem Wirbel durcheinander gefegt wird und noch im Vergehen viele Augen trüben kann, die hungernd nach der Wegesöffnung suchen, ist natürlich, selbstverständlich. Aus diesem Grunde muß ein Jeder größte Vorsicht üben, um seinen Blick frei zu halten, bis auch das letzte Stäubchen dieses Flugsandes verflogen ist. Sonst kann es geschehen, daß er den Weg wohl sieht, und doch leicht getrübt mit einem Fuß zur Seite tritt, strauchelt und stürzt, um noch, den Weg schon vor sich, zu versinken.

Das Unverständnis, das dem wirklichen Bestehen eines freien Willens von den Menschen hartneckig immer wieder entgegen gebracht wird, wurzelt haptsächlich in dem Nichtverstehen dessen, was eigentlich der freie Wille ist.

Die Erklärung liegt zwar in der Bezeichnung schon selbst, aber, wie überall, so sieht man auch hier das wirklich Einfache vor lauter Einfachheit nicht, sondern sucht an falscher Stelle, und kommt dadurch nicht in die Lage, sich den freien Willen vorzustellen.

Unter Willen versteht die größte Zahl der Menschen heute jene gewaltsame Konstuktion des irdischen Gehirnes, wenn der an Raum und Zeit gebundene Verstand für das Denken und Fühlen irgend eine bestimmte Richtung angibt und festlegt.

Das ist aber nicht der freie Wille, sondern der durch irdischen Verstand gebundene Wille!

Diese von vielen Menschen angewendete Verwechslung bringt großen Irrtum, baut die Mauer, welche ein Erkennen und Erfassen unmöglich macht. Der Mensch wundert sich dann, wenn er dabei Lücken findet, auf Widersprüche stößt und keinerlei Logik hineinzubringen vermag.

Der freie Wille, der allein so einschneidend in das eigentliche Leben wirkt, daß er weit hinausreicht in die jenseitige Welt, der Seele seinen Stempel aufdrückt, sie zu formen fähig ist, ist von ganz anderer Art. Viel größer, um so irdisch zu sein. Er steht deshalb auch in keinerlei Verbindung mit dem irdisch – grobstofflichen Körper, also auch nicht mit dem Gehirn. Er ruht lediglich im Geiste selbst, in der Seele des Menschen.

Würde der Mensch nicht immer wieder dem Verstande die unbe-schränkte Oberherrschaft einräumen, so könnte der weiterschauende freie Wille seines geistigen, eigentlichen „Ichs“ dem Verstandesgehirne die Richtung vorschreiben, aus der feinen Empfindung heraus. Dadurch müßte der gebundene Wille dann, der unbedingt zur Ausführung aller irdischen, an Raum und Zeit gebundenen Zwecke notwendig ist, sehr oft einen anderen Weg einschlagen, als es jetzt der Fall ist. Daß damit auch das Schicksal eine andere Richtung nimmt, ist leicht erklärlich, weil das Karma durch die anders eingeschlagenen Wege auch andere Fäden zieht und eine andere Wechselwirkung bringt.

Diese Erklärung kann selbstverständlich noch kein rechtes Verständnis für den freien Willen bringen. Soll ein ganzes Bild davon gezeichnet werden, so muß man wissen, wie sich der freie Wille bereits bestätigt hat. Auch, in welcher Weise die oft so vielseitige Verstrickung eines schon bestehenden Karmas erfolgte, das fähig ist, in seinen Auswirkungen den freien Willen so zu verdecken, daß dessen Bestehen kaum noch oder überhaupt nicht mehr erkannt zu werden vermag.

Eine derartige Erklärung läßt sich wiederum nur dann abgeben, wenn auf das ganze Werden des geistigen Menschen zurückgegriffen wird, um von dem Augenblicke auszugehen, in dem das Geist–Samenkorn des Menschen die Schöpfung berührt, sich also erstmalig in die feinstoffliche Hülle senkt, den äußersten Rand der Schöpfung, also die Stofflichkeit. –

Dann sehen wir, daß der Mensch durchaus nicht das ist, was er sich oft einbildet zu sein. Er hat nimmermehr das unbedingte Anrecht an die Seligkeit und an ein ewiges persönliches Fortleben in seiner Tasche*1) Der Ausdruck: „Wir sind alle Gottes Kinder“ ist in dem von den Menschen aufgefaßten oder gedachten Sinne falsch! Es ist nicht jeder Mensch ein Kind Gottes, sondern nur dann wenn er sich dazu entwickelt hat.

Der Mensch wird als ein Geistkeim in die Schöpfung gesenkt. Dieser Keim trägt alles in sich, um sich zu einem persönlich bewußten Kinde Gottes entwickeln zu können. Dabei ist aber vorausgesetzt, daß er die entsprechenden Fähigkeiten dazu öffnet und pflegt, sie aber nicht verkümmern läßt.

Groß und gewaltig ist der Vorgang, und doch ganz natürlich in jeder Stufe des Geschehens. Nichts steht dabei außerhalb eines logischen Werdeganges; denn Logik ist in allem göttlichen Wirken, da dies vollkommen ist und alles Vollkommene der Logik nicht enbehren darf. Jeder dieser Keime des Geistes trägt gleiche Fähigkeiten in sich, da sie ja von einem Geiste stammen, und jeder dieser einzelnen Fähigkeiten bringt eine Verheißung, deren Erfüllung unbedingt erfolgt, sobald die Fähigkeit zur Entwickelung gebracht wird. Aber auch nur dann! Das ist der Ausblich eines jeden Keimes bei der Saat. Und doch . . . !

Es ging ein Säemann aus zu säen: Dort wo das Göttliche, Ewige über der Schöpfung schwebt, wo das Feinstoffliche der Schöpfung an das Wesenhafte reicht, ist die Fläche der Aussaat der menschlichen Geistkeime. Fünkchen gehen von dem Wesenhaften über die Grenze und versenken sich in den jungfräulichen Boden des feinstofflichen Teiles der Schöpfung, wie bei den elektrischen Entladungen eines Gewitters. Es ist als ob die schaffende Hand des Heiligen Geistes Samenkörner ausstreut in das Stoffliche.

Drei Arten solcher Samenkörner sind es, die hinüberspringen in das Stoffliche. Unter diesen drei Arten sind als eine für sich abgeschlossene Art die Geistfunken zur Entwickelung des geistigen Menschen.

Während sich die Saat entwickelt und langsam der Erde zureift, gehen viele Körner verloren. Sie gehen nicht auf, das heißt, sie haben ihre höheren Fähigkeiten nicht entwickelt, sondern sind verfault oder verdorrt und müssen sich im Stofflichen verlieren. Die aber ausgegangen sind und über die Fläche emporstreben, werden bei der Ernte streng sortiert, die tauben Ähren von den vollen Ähren geschieden. Nach der Ernte wird dann nochmals sorfältig die Spreu von dem Weizen getrennt.

So ist das Bild des Werdeganges im Großen. Um nun den freien Willen zu erkennen, müssen wir den eigentlichen Werdegang des Menschen eingehender verfolgen:

Als Oberstes als Reinstes ist in seinem Glanze das Ewige, Göttlich-Wesenlose, der Ausgangspunkt von Allem, der Anfang und das Ende, umgeben von dem lichten Wesenhaften. Beides ist Geist. Gott selbst ist wesenlos, doch er vermag sich in das Wesenhafte zu hüllen, also Form anzunehmen.

Wenn nun Funken aus dem Wesenhaften überspringen in den Boden des feinstofflichen Ausläufers der stofflichen Schöpfung, so schließt sich um diesen Funken sofort eine gasige Hülle von der gleichen Stoffart dieser zartesten Region des Stofflichen. Damit ist der Geistkeim des Menschen eingetreten in die Schöpfung, die wie alles Stoffliche der Veränderung und dem Zergehen unterworfen ist. Er ist noch karmafrei und wartet der Dinge, die da kommen sollen.

Bis in diese äußersten Ausläufer hinein reichen nun die Schwingungen der starken Erlebnisse, die inmitten der Schöpfung in all dem Werden und Vergehen ununterbrochen vor sich gehen.

Wenn es auch nur die zartesten Andeutungen sind, die diese gasige Feinstofflichkeit wie ein Hauch durchzieht, so genügen sie doch, den empfindsamen Intellekt in dem Geistkeime zu wecken und aufmerksamzumachen. Er verlangt von dieser und jener Schwingung zu „naschen“, ihr nachzugehen, oder, wenn man es anders ausdrücken will, sich von dieser mitziehen zu lassen, das einem sich anziehen lassen gleich kommt. Darin liegt die erste Entscheidung des vielseitig veranlagten Geistkeimes, der nun je nach seiner Wahl hier oder dorthin gezogen wird. Dabei knüpfen sich schon die ersten Fäden zu dem Gewebe, das für ihn später sein Lebensteppich werden soll.

Nun kann aber der sich schnell entwickelnde Keim jeden Augenblick benutzen, sich den feinen Weg dauernd und vielfältig kreuzenden andersartigen Schwingungen hinzugeben. Sobald er dies vornimmt, also wünscht, wird er damit seine Richtung ändern und der neugewählten Art nachgehen, oder, anders ausgedrückt, sich von dieser ziehen lassen.

Durch seinen Wunsch vermag er wie ein Steuer den Kurs zu ändern in den Strömungen, sobald ihm die eine nicht mehr behagt. So vermag er hie und da zu „kosten“.

Bei diesem Kosten reift er mehr und mehr, erhält langsam Unter-scheidungsvermögen und zuletzt Urteilsfähigkeit, bis er schließlich immer bewußter und sicherer werdend einer bestimmteren Richtung folgt. Seine Wahl der Schwingungen, denen er zu folgen gewillt ist, bleibt dabei nicht ohne tiefere Wirkung auf ihn selbst. Es ist nur eine ganz richtige Folgerichtigkeit, daß diese Schwingungen, in denen er durch sein freies Wollen sozusagen schwimmt, in der Wechselwirkung den Geistkeim ihrer Art entsprechend beeinflussen.

Der Geistkeim selbst hat aber nur edle und reine Fähigkeiten in sich! Das ist das Pfund, mit dem er in der Schöpfung „wuchern“ soll. Gibt er sich edlen Schwingungen hin, so werden diese in der Wechselwirkung die im Keime ruhenden Fähigkeiten munter machen, sie aufrütteln, stärken und großziehen, sodaß diese mit der Zeit reichlich Zinsen tragen und großen Segen in die Schöpfung verbreiten. Ein derartig herangereifter Geistesmensch wird damit zu einem guten Haushalter.

Entschließt er sich aber vorwiegend zu unedlen Schwingungen, so können ihn diese mit der Zeit so stark beeinflussen, daß ihm deren Art anhaften bleibt und die eigenen reinen Fähigkeiten des Geistkeimes verhüllen, sie überwuchern und nicht zum eigentlichen Erwachen und Aufblühen kommen zu lassen. Diese müssen zuletzt als regelrecht „vergraben“ gelten, wodurch der betreffende Mensch zu einem schlechten Haushalter über das ihm anvertraute Pfund wird.

Ein Geistkem vermag also nicht von sich aus unrein zu sein,da er vom reinen Wesenhaften kommt und nur Reinheit in sich trägt. Aber er kann nach seiner Versenkung in die Stofflichkeit seine dann ebenfalls stoffliche Hülle durch „Kosten“ unreiner Schwingungen nach eigenem Wollen, also durch Versuchungen, beschmutzen, kann sich sogar damit seelisch das Unreine durch starke Überwucherungen des Edlen äußerlich zu eigen schaffen, wodurch er also unreine Eigenschaften erhält, zum Unterschiede von den mitgebrachten, ererbten Fähigkeiten des Geistes, und nur in der stoffliche Schöpfung bestehend. Nach einer eventuellen Rückkehr in das höher liegende Reingeistig-Wesenhafte ist die Seele abgestreift und nur noch der Geist vorhanden, der anders gar nicht über die Grenze der feinstofflichen Schöpfung eingehen könnte in das Geistige. Sein Wiedereingehen, seine Rückkehr geschieht allerdings dann in lebendiger, bewußter Form, während dies der ausgehende Funke im Anfang noch nicht war.

Jede Schuld und alles Karma ist nur stofflich! Nur innerhalb der stofflichen Schöpfung, nicht anders! Kann auch nicht auf den Geist übergehen, sondern ihm nur anhängen. Deshalb ist ein Reinwaschen von aller Schuld möglich.

Diese Erkenntnis wirft nichts um, sondern bestätigt nur alles, was Religionen und Kirche bildlich sagen. Vor allem erkennen wir immer mehr und mehr die große Wahrheit, die Christus der Menschheit brachte.

Es ist auch selbstverständlich, daß ein Geistkeim, der sich im Stoffli-chen durch Unreines beschwert, mit dieser Bürde nicht wieder zurück in das Geistige kann, sondern so lange im Stofflichen bleiben muß, bis er diese Last abgestreift hat, sich davon lösen konnte. Dabei wird er naturgemäß immer in der Region bleiben müssen, in die ihn das Gewicht seiner Belastung zwingt, wozu die mehr oder weniger große Unreinheit ausschlaggebend ist. Gelingt es ihm nicht, die Last bis zum Tage des Gerichtes loszuwerden und abzuwerfen, so mag er trotz der immer gebliebenen Reinheit des Geistkeimes, der sich allerdings durch die Überwucherung des Unreinen nicht seinen eigentlichen Fähigkeiten esprechend entfalten konnte, nicht emporzuschweben. Das Unreine hält ihn durch seine Schwere zurück und zieht ihn mit in die Zersetzung alles Stofflichen.2)

Je bewußter nun ein Geisteskeim in seiner Entwickelung wird, desto mehr nimmt seine äußere Hülle die Gestalt der inneren Eigenart an. Entweder nach dem Edlen hinstrebend oder nach dem Unedlen, also schön oder unschön.

Jede Schwenkung, die er macht, bildet den Knoten in den Fäden, die er hinter sich herzieht, die bei vielen Irrwegen, bei vielem Hin und Her in zahlreichen Maschen wie zu einem Netze werden können, in das er sich verstrickt, wodurch er entweder darin untergeht, weil es ihn festhält, oder sich gewaltsam herausreißen muß. Die Schwingungen, denen er sich naschend oder genießend auf seinen Fahrten hingab, bleiben mit ihm verbunden und ziehen wie Fäden hinter ihm her, senden ihm aber dadurch auch ihre Schwingungsarten dauern nach. Behält er nun eine Richtung lange Zeit inne, so können die weiter zurückliegenden Fäden wie die näheren in unverminderter Stärke wirken. Ändert er aber seinen Kurs, so werden durch die Kreuzungen die rückwirkenden Schwingungen nach und nach schwächer beeinflussend, da sie erst durch einen Knoten gehen müssen, der hemmend auf sie wirkt, weil die Knüpfung schon eine Verbindung und Verschmelzung mit der neuen, andersartigen Richtung gibt. Die dann folgende neue Richtung ist in ihrer anderen Art auf die bisherige weiterhin zersetztend und auflösend, wenn sie nicht einer der ersten ähnlichen Gattungen angehört. So geht es fort und fort. Die Fäden werden mit dem Wachsen des Geistkeimes dichter und stärker, bilden das Karma, dessen Nachwirkungen zuletzt so viel Macht gewinnen kann, daß es dem Geiste diesen oder jenen „Hang“ beigesellt, der schließlich dessen freie Entschlüsse zu beeinträchtgen fähig ist und diesen eine schon vorher abzuschätzende Richtung gibt. Damit ist der freie Wille dann verdunkelt, kann sich nicht mehr als solcher betätigen.

Von Beginn an ist der freie Wille also vorhanden, nur ist so mancher Wille später derart belastet, daß er in schon erwähnter Weise stark beeinflußt wird, also kein freier Wille mehr sein kann.

Der sich in dieser Weise nun mehr entwickelte Keim des Geistes muß der Erde dabei immer näher kommen, da von dieser die Schwingungen am stärksten ausgehen und er immer bewußter steuernd diesen folgt, oder besser gesagt sich von ihnen „anziehen“ läßt, um die nach seiner Neigung gewählten Arten immer stärker auskosten zu können. Er will vom Naschen zu dem wirklichen „Schmecken“ übergehen, und zu dem „Genießen“.

Die Schwingungen von der Erde aus sind deshalb so stark, weil hier ein neues sehr verstärkendes Etwas dazu kommt: Die grobstofflich-körperliche Eexualkraft!

Diese hat die Aufgabe und die Fähigkeit, das ganze geistige Empfinden zu „durchglühen“. Der Geist erhält dadurch erst die rechte Verbindung mit der stofflichen Schöpfung und kann deshalb auch erst dann vollkommen, mit voller Kraft, tätig darin sein. Dann umfaßt er alles, was notwendig ist, um sich in der Stofflichkeit volle Geltung zu verschaffen, um darin in jeder Beziehung fest zu stehen, durchgehend und zwingend wirken zu können,gegen alles gewappnet zu sein und auch gegen alles Schutz zu haben.

Deshalb die ungeheueren Kraftwellen, die von dem Erleben ausgehen, das durch die Menschen auf der Erde erfolgt. Sie reichen allerdings immer nur so weit, als die stoffliche Schöpfung geht,aber in dieser bis zu den zartesten Ausläufern schwingend.

Ein Mensch auf Erden, der geistig hoch und edel wäre und der deshalb mit hoher, geistigen Liebe zu seinen Mitmenschen käme,würde diesen fremd bleiben, innerlich nicht nahe kommen können,sobald seine Sexualkraft ausgeschaltet wäre. Es würde dadurch zum Verstehen und seelischen Nachempfinden eine Brücke fehlen,demnach eine Kluft sein.

In dem Augenblicke aber, wo diese geistige Liebe in reine Verbindung mit der Sexualkraft tritt und von dieser durchglüht wird, bekommt die Ausströmung für alle Stofflichkeit ein ganz anderes Leben, sie wird darin wirklicher und vermag dadurch auf die Erdenmenschen und auf die ganze Stofflichkeit voll und verständlich zu wirken. So erst wird sie von dieser aufgenommen und nachempfunden, und kann den Segen in die Schöpfung tragen, den der Geist des Menschen bringen soll.

Es liegt etwas Gewaltiges in der Verbindung. Das ist auch der eigentliche Zweck, wenigstens der Hauptzweck dieses so Vielen rätzelhaften und unermeßlichen Naturtriebes, damit er das Geistige sich in der Stofflichkeit zu voller Wirkungskraft entfalten läßt! Ohne dem, würde es der Stofflichkeit zu fremd bleiben, um sich richtig auswirken zu können. Der Zeugungszweck kommt erst in zweiter Linie. Die Hauptsache ist der durch diese Verbindung in einem Menschen erfolgene Aufschwung. Damit erhält der Menschengeist auch seine Vollkraft, seine Wärme und Lebendigkeit, er wird sozusagen mit diesem Vorgang fertig. Deshalb setzt hier aber auch nun erst seine volle Verantwortlichkeit ein!

Die weise Gerechtigkeit gibt dem Menschen an diesem bedeutenden Wendepunkte aber auch gleichzeitig nicht nur die Möglichkeit, sondern sogar den natürlichen Antrieb dazu, alles Karma, mit dem er bis dahin seinen freien Willen belastet hat, leicht abzuschütteln. Dadurch vermag der Mensch den Willen wieder vollkommen frei zu machen, um dann bewußt machtvoll in der Schöpfung stehend ein Kind Gottes zu werden, in seinem Sinne zu wirken und in reinen, erhabenen Empfindungen emporzusteigen zu den Höhen, wohin es ihn dadurch später zieht, sobald er seinen grobstofflichen Körper abgelegt hat.

Wenn es der Mensch nicht tut, so ist es seine Schuld; denn mit Eintritt der Sexualkraft regt sich in ihm in erster Linie eine gewaltige Schwungkraft nach oben zum Idealen, Schönen und Reinen. Bei unverdorbener Jugend beiderlei Geschlechtes wird es immer deutlich zu beobachten sein. Daher die von den Erwachsenen leider oft nur belächelten Schwärmereien der Jugendjahre, nicht zu verwechseln mit den Kinderjahren. Deshalb auch in diesen Jahren die unerklärlichen leicht melancholischen, ernst angehauchten Empfindungen. Die Stunden, in denen es scheint, als ob ein Jüngling oder eine Jungfrau den ganzen Weltschmerz zu tragen hätte, wo Ahnungen eines tiefen Ernstes an sie herantreten, sind nicht unbegründet. Auch das so häufig vorkommende Sich-nicht-verstanden-fühlen trägt in Wirklichkeit viel Wahres in sich. Es ist das zeitweise Erkennen der falschen Gestaltung der Umwelt, die den geheiligten Ansatz zu einem reinen Höhenfluge nicht verstehen will noch kann, und erst zufrieden ist, wenn diese so stark mahnende Empfindung in den reifenden Seelen herabgezerrt wird in das ihnen verständlichere „realere“ und nüchterne, das sie als der Menschheit besser angepaßt erachten und in ihrem einseitigen Verstandessinne für das einzig Normale halten.

Trotzdem gibt es zahllose verknöcherte Materialisten, die in der gleichen Epoche ihres Seins als ernste Mahnung ebenso empfunden haben und sogar hier und da einmal gern von der ersten Liebe goldenen Zeit mit einem leichten Anfluge von einer gewissen Sentimentalität sprechen, sogar einer Wehmut, die unbewußt einen gewissen Schmerz ausdrückt über etwas Verlorenes, das nicht näher zu bezeichnen geht. Und sie haben darin alle recht! Das Kostbarste wurde ihnen genommen, oder sie haben es leichtsinnig selbst weggeworfen, wenn sie im grauen Alltag der Arbeit oder unter dem Gespött sogenannter „Freunde“ und „Freundinnen“, oder durch schlechte Bücher und Beispiele das Kleinod scheu vergruben,dessen Glanz trotzdem während ihres weiteren Lebens hier und da einmal hervorbricht und dabei das unbefriedigte Herz einen Augenblick höher schlagen läßt in unerklärlichem Schauer einer rätselhaften Traurigkeit und Sehnsucht.

Wenn diese Empfindungen auch stets wieder schnell zurückgedrängt und in herber Selbstverhöhnung verlacht werden, so zeugen sie doch von dem Vorhandensein dieses Schatzes, und es sind glücklicherweise wenige, die behaupten können, derartige Empfindungen nie gehabt zu haben. Solche würden auch nur zu beklagen sein; denn sie haben nie gelebt.

Aber selbst solche Verdorbene, oder sagen wir Bedauernswerte Empfinden dann eine Sehnsucht, wenn ihnen Gelegenheit wird, mit einem Menschen zusammenzutreffen, der diese Schwungkraft in richtiger Einstellung nutzt, der also dadurch rein wurde und schon auf Erden innerlich hoch steht. Die Auswirkung einer derartigen Sehnsucht bei solchen Menschen ist aber in den meisten Fällen zuerst die ungewollte Erkenntnis der eigenen Niedrigkeit und Versäumnis, die dann in Haß übergeht, der sich bis zur blinden Wut zu steigern vermag. Nicht selten kommt es auch vor, daß ein auffallend seelisch schon hochstehender Mensch den Haß ganzer Massen auf sich zieht, ohne selbst wirklich einen äußerlich erkennbaren Grund dazu gegeben zu haben. Solche Massen wissen dann weiter nichts als: „Kreuziget, kreuziget ihn“! zu schreien. Aus diesem Grunde die große Reihe der Märtyrer, die die Menschheitsgeschichte zu verzeichnen hat. Die Ursache ist der Schmerz darüber, etwas Kostbares bei anderen zu sehen, das ihnen selbst verloren ging. Ein Schmerz, den sie nur als Haß erkennen. Bei Menschen bei mehr innerer Wärme, die durch schlechte Beispiele niedergehalten oder in den Schmutz gezogen wurden, löst sich bei Begegnung mit einem innerlich hochstehenden Menschen die Sehnsucht des selbst nicht Erreichten auch oft in grenzenloser Liebe und Verehrung aus. Wohin ein solcher Mensch auch kommen mag, es gibt immer nur ein Für oder Wider um ihn. Gleichgiltigkeit vermag nicht standzuhalten.

Der geheimnisvoll ausstrahlende Reiz einer unverdorbenen Jungfrau oder eines unverdorbenen Jünglings ist nichts anderes als der von seiner Umgebung durch die starken Schwingungen mit empfundene reine Auftrieb der erwachenden Sexualkraft in Vemählung mit der Geistkraft nach Höherem, Edelsten! Sorgsam hat der Schöpfer darauf Bedacht gelegt, daß dies bei den Menschen erst in ein Alter fällt, wo dieser sich seines Wollens und Handelns voll gewuß sein kann. Dann ist der Zeitpunkt da, an dem er alles Zurückliegende in Verbindung mit der nun in ihm liegenden Vollkraft spielend abzuschütteln vermag und abschütteln sollte. Es würde sogar von selbst abfallen, wenn der Mensch das Wollen zu dem Guten beibehält. Wozu es ihn unauhörlich drängt in dieser Zeit. Dann könnte er, wie die Empfindungen ganz richtig andeuten, mühelos emporsteigen zu der Stufe, auf die er als Mensch gehört! Sehet das Verträumtsein der unverdorbenen Jugend! Es ist nichts anderes als das Empfinden des Auftriebes, das Losreißenwollen von allem Schmutz, die heiße Sehnsucht nach Idealem. Die treibende Unruhe aber ist das Signal, die Zeit nicht zu versäumen, sondern energisch das Karma abzuschütteln und mit dem Emporsteigen des Geistes einzusetzen.

Deshalb die große Bedeutung, der große Wendpunkt, der die Erde für den Menschen ist!

Es ist etwas Herrliches, in dieser geschlossenen Kraft zu stehen und darin und damit zu wirken! Solange die Richtung eine Gute ist, die der Mensch erwählt hat. Es gibt aber auch nichts Erbärmlicheres, als die Kräfte einseitig zu vergeuden in blindem Sinnestaumel, und seinen Geist damit zu lähmen, einen großen Teil des Antriebes zu nehmen, den er so dringend braucht, um empor zu kommen.

Und doch versäumt der Mensch in den meisten Fällen die so kostbare Übergangszeit, läßt sich von „wissender“ Umgebung auf falsche Wege lenken, die ihn niederhalten und leider zu oft sogar abwärts führen.Dadurch vermag er die ihm anhängenden trübenden Schwingungen nicht abzuwerfen, die im Gegenteil nur neue Kräftezufuhr erhalten, und wird so seinen freien Willen mehr und mehr einspinnen,bis er ihn nicht mehr zu erkennen vermag.

So bei der ersten Inkarnierung auf der Erde. Bei weiteren notwendig werdenden Inkarnierungen bringt der Mensch ein viel stärkeres Karma mit. Die Möglichkeit des Abschüttelns setzt aber trotzdem jedesmal wieder ein und ein Karma könnte stärker sein als der in die Vollkraft kommende Geist des Menschen, sobald er durch die Sexualkraft die lückenlose Verbindung mit der Stofflichkeit erhält, zu der das Karma ja gehört.

Doch hat der Mensch diese Zeiten zur Abstreifung seines Karmas und der damit verbundenen Wiedererlangung seines freien Willens versäumt, hat er sich wieder verstrickt, ist er vielleicht tiefer gesunken, so bietet sich ihm trotzdem auch weiterhin ein mächtiger Bundesgenosse zur Bekämpfung des Karmas und zum Aufstiege. Der größte Sieger, den es gibt, der alles zu überwinden fähig ist.Des Schöpfers Weisheit brachte es in der Stofflichkeit mit sich, daß die angegebenen Zeiten nicht die einzigen sind, in denen der Mensch die Möglichkeit zu schneller Hilfe finden kann, in denen er sich selbst und seinen eigenen Wert zu finden vermag, sogar einen außergewöhnlichen starken Antrieb dazu erhält, damit er Aufmerk-sam darauf wird.

Diese Zaubermacht, die jedem Menschen während seines ganzen Erdenseins in steter Hilfsbereitschsft zur Verfügung steht die aber auch aus der selben Verbindung der Sexualkraft mit der Geisteskraft hervorgeht und das Abstoßen des Karmas herbeiführen kann, ist die Liebe! Nicht die begehrende Liebe des Grobstofflichen, sondern die hohe reine Liebe, die nichts anderes kennt und will als das Wohl des geliebten Menschen, die nie an sich selber dabei denkt. Sie gehört auch in die stoffliche Schöpfung und fordert kein Entsagen, kein Asketentum, aber sie will immer nur das Beste für den Anderen, bangt um ihn, leidet mit ihm, teilt aber mit ihm auch die Freude.

Als Grundlage hat sie die ähnlichen ideal-sehnsüchtigen Empfin-dungen der unverdorbenen Jugend bei dem Eintreten der Sexualkraft, aber sie peitscht den verantwortlichen, also reifen Menschen auch zur Vollkraft seines ganzen Könnens auf bis zum Heroismus, sodaß die Schaffens- und Streitkraft zu größter Stärke angespannt wird. Hierbei ist dem Alter keine Grenze gesetzt! Sobald der Mensch der reinen Liebe einen Raum gewährt, sei es nun des Mannes zum Weib oder umgekehrt, oder die zu einem Freunde oder einer Freundin, oder zu den Eltern, zu dem Kinde, gleichviel, ist sie nur rein, so bringt sie als erste Gabe die Gelegenheit zum Abstoßen alles Karmas, das sich dann nur noch rein „symbolisch“ auslöst,*3) zum Aufblühen des freien und bewußten Willens, der nur nach oben gerichtet sein kann. Als natürliche Folgerung beginnt dann der Aufstieg, die Erlösung von den unwürdigen Ketten, die ihn niederhalten.

Die erste sich regende Emfindung bei erwachender reiner Liebe ist das sich Unwertdünken dem geliebten Anderen gegenüber. Mit anderen Worten kann man diesen Vorgang mit eintretender Bescheidenheit und Demut bezeichnen, also den Empfang zweier großer Tugenden. Dann schließt sich daran der Drang, schützend die Hand über den Anderen halten zu wollen, damit ihm von keiner Seite ein Leid geschähe, sondern sein Weg über blumige, sonnige Pfade führt. Das „Auf den- Händen- tragen- wollen“ ist kein leerer Spruch, sondern kennzeichnet die aufsteigende Empfindung ganz richtig. Darin aber liegt ein Aufgeben der eigenen Persönlichkeit, ein großes Dienenwollen, das allein genügen könnte, alles Karma in kurzer Zeit abzuwerfen, sobald das Wollen anhält und nicht etwa rein sinnlichen Trieben Platz macht. Zuletzt kommt bei der reinen Liebe noch der heiße Wunsch, recht großes für den Geliebten Anderen in edlem Sinne tun zu können, ihn mit keiner Miene, keinem Gedanken keinem Worte , noch viel weniger mit einer unschönen Handlung zu verletzen oder zu kränken. Zarteste Rücksichtnahme wird lebendig.

Dann gilt es, diese reinen Empfindungen festzuhalten und allem anderen obenan zu setzen. Niemals wird Jemand dann etwas schlechtes wollen oder tun. Er mag es einfach nicht, sondern hat im Gegenteil darin den besten Schutz, die größte Kraft, den wohlmeinendsten Berater und Helfer.

Deshalb weist auch Christus immer wieder auf die Allgewalt der Liebe hin! Nur diese überwindet alles vermag alles. Aber immer nur vorausgesetzt, daß es nicht die nur irdisch begehrende Liebe ist, die die Eifersucht und ihr verwandte Laster in sich trägt.

Der Schöpfer hat in seiner Weisheit damit einen Rettungsring in die Schöpfung geworfen, der nicht nur einmal im Erdenleben an jeden Menschen anstößt, daß er sich daran halte und emporschwinge!

Es ist die Hilfe für alle da. Sie macht keinen Unterschied, weder im Alter noch Geschlecht, weder bei Arm noch Reich, nicht bei Vornehm oder Gering. Deshalb ist die Liebe auch das größte Geschenk Gottes! Wer es erfasst, der ist der Rettung aus jeder Not und jeder Tiefe sicher! Er macht sich frei, erhält damit am schnellsten und am leichtesten einen ungetrübten, freien Willen wieder, der ihn nach oben führt. Jubiliere der, dessen Wollen und Suchen nach dem Guten ein ernstes ist; denn dann erreicht er sicher einmal, was er sucht.

Und wenn er in einer Tiefe läge, die ihn zur Verzweiflung bringen muß, die Liebe ist fähig, ihn mit Sturmesgewalt emporzureißen zu dem Licht, zu Gott, der selbst die Liebe ist. Sobald in einem Menschen durch irgend einen Anstoß die reine Liebe rege wird, hat er auch die direkte Verbindung mit Gott, dem Urquell aller Liebe, und somit auch die stärkste Hilfe. Wenn aber ein Mensch alles besäße, und hätte der Liebe nicht, so wäre er doch nur ein tönend Erz oder eine klingende Schelle, also ohne Wärme, ohne Leben . . . . nichts!

Findet er jedoch zu irgend einem Nächsten die wahre Liebe, die nur darnach strebt, dem anderen geliebten Menschen Licht und Freude zu bringen, ihn nicht durch unsinniges Begehren herabzuzerren, sondern schützend emporzuheben, so dient er ihm, ohne sich dabei des eigentlichen Dienes bewußt zu werden, da er sich dadurch zu einem selbstlosen Geber und Schenker macht. Und dieses Dienen ringt ihn frei!

Viele werden sich hier sagen: Genau so mache ich es ja, oder strebe es wenigstens schon an! Unter Aufbietung aller Mittel suche ich meiner Frau oder Familie das Erdenleben leicht zu machen, ihnen Genüsse zu bieten, indem ich mich bemühe, so viele Mittel zu verschaffen, daß sie sich ein bequemes , angenehmes Leben leisten können und sorgenfrei sind. Tausende werden an ihre Brust schlagen, sich gehoben fühlen und sich für wer weiß wie gut und edel halten. Sie irren! Das ist die lebendige Liebe nicht! Diese ist nicht so einseitig irdisch, sondern drängt gleichzeitig viel stärker nach Höherem, Edlerem, Idealem. Gewiß niemand darf ungestraft, also ohne Nachteil, die irdischen Notwendigkeiten vergessen, soll sie nicht außer Acht lassen, aber diese dürfen nicht zur Hauptsache des Denkens und Handelns werden. Darüber schwebt groß und stark das für viele so geheimnisvolle Wünschen, das wirklich vor sich selbst sein zu können, was sie vor denen gelten, von denen sie geliebt werden. Und dieses Wünschen ist der rechte Weg! Er führt immer nur aufwärts.

Die wahre reine Liebe braucht nicht erst noch näher erklärt zu werden. Ein jeder Mensch fühlt ganz genau, wie sie beschaffen ist. Er sucht sich oft nur selbst darüber hinwegzutäuschen, wenn er seine Fehler dabei sieht und klar empfindet, wie weit entfernt er eigentlich noch davon ist, wahr und rein zu lieben. Aber er muß sich dann zusammenraffen, darf nicht zögernd halten und schließlich zum Versagen kommen; denn es gibt für ihn keinen freien Willen mehr ohne wahre Liebe!

Wie viele Gelegenheiten sind dem Menschen also geboten, sich aufzuraffen und emporzuschwingen, ohne daß sie es benützen. Ihr Klagen und Suchen ist deshalb bei der Mehrzahl nicht echt! Sie wollen gar nicht, sodaß sie selbst etwas dazu beitragen sollen, sei es auch nur eine kleine Umstellung ihrer Gewohnheiten und Anschauungen. Es ist zum großen Teile Lüge, Selbstbetrug! Gott soll zu ihnen kommen und sie zu sich emporheben, ohne daß sie ihre liebe Bequemlichkeit und ihre Selbstanbetung aufzugeben brauchen. Dann würden sie sich allenfalls herablassen, mitzugehen, nicht aber, ohne dafür von Gott noch einen besonderen Dank zu erwarten.

Laßt diese Drohnen ihre Wege zum Verderben gehen! Sie sind es nicht wert, daß sich Jemand Mühe um sie gibt. Sie werden immer wieder an sich bietenden Gelegenheiten klagend und betend vorübergehen. Sollte ein solcher Mensch sie aber doch einmal ergreifen,so würde er sie sicherlich ihres edelsten Schmuckes der Reinheit und Selbstlosigkeit berauben um dieses kostbare Gut in den Kot der Leidenschaften herabzuzerren.

Suchende und Wissende sollen sich endlich dazu aufraffen, einen Umweg um diese Menschen zu machen! Sie sollen nicht denken, daß sie ein Gott wohlgefälliges Werk damit tun, wenn sie sein Wort und seinen heiligen Willen stets so wohlfeil herumtragen und durch versuchte Belehrungen anbieten, daß es fast den Anschein erweckt, als müßte der Schöpfer durch seine Gläubigen betteln gehen, um den Kreis der Anhänger zu erweitern. Es ist eine Beschmutzung, wenn es solchen geboten wird, die mit schmutzigen Händen darnach greifen. Das Wort darf nicht vergessen werden, welches verbietet „Perlen vor die Säue zu werfen“.

Und etwas anderes ist es in solchen Fällen nicht. Unnötige Vergeudung von Zeit, die in solchem Maße nicht mehr verschwendet werden darf, ohne zuletzt rückwirkend schädlich zu werden. Den Suchenden soll geholfen sein.

Die überall auftauchende Unruhe in vielen Menschen, das Forschen und Suchen nach dem Verbleib des freien Willens ist vollkommen berechtigt und ein Zeichen, daß es hohe Zeit dazu wird. Verstärkt ist es durch unbewußtes Ahnen eines eimal möglich werdenden Zuspätseins dazu. Das erhält das Suchen jetzt dauernd lebendig. Doch es ist zum großen Teile vergebens. Die meisten Menschen von heute vermögen den freien Willen nicht mehr zu betätigen, weil sie sich zu tief verstrickt haben!

Sie verkauften und verschacherten ihn . . . . für nichts!

Dafür können sie aber nun nicht Gott verantwortlich machen, wie es so vielfach durch alle möglichen Deutungen immer wieder versucht wird, um sich selbst den Gedanken an eine eigene auf sie wartende Verantwortung auszureden, sondern sie müssen sich selbst anklagen. Und wenn diese Selbstanklagen auch von der herbsten Bitterkeit, von dem ärgsten Schmerze durchtränkt wäre, so könnte sie doch nicht heftig genug sein, um auch nur einigermaßen ein Gegengewicht zu geben für den Wert des verlorenen Gutes, das sinnlos unterdrückt oder verschwendet wurde.

Aber trotzdem kann der Mensch den Weg zur Wiedergewinnung noch finden, sobald er sich ernstlich darum bemüht. Allerdings immer nur dann, wenn er es sich aus tiefstem Innern heraus wünscht. Wenn dieser Wunsch wirklich in ihm lebt und nie ermattet. Er muß das sehnlichste Verlangen darnach tragen. Und müßte er sein ganzes Erdendasein daran setzen, er könnte nur dabei gewinnen; denn ernst und notwendig genug ist die Wiedererlangung des freien Willens für den Menschen! Wir können an Stelle der Wiedererlangung auch Ausgrabung sagen, oder Freiwaschung. Es ist an sich genau dasselbe.

Solange der Mensch aber nur daran denkt und darüber grübelt, wird er nichts erreichen. Die größte Anstrengung und Ausdauer muß dabei versagen, weil er mit Denken und Grübeln nie über die Grenze von Zeit und Raum hinauszukommen vermag, also nicht bis dorthin, wo die Lösung liegt. Und da Denken und Grübeln zur Zeit als der Hauptweg zu allem Forschen angesehen wird, so ist auch keine Aussicht dafür, daß ein Vorwärtskommen außer in rein irdischen Dingen erwartet werden kann. Es sei denn, daß sich die Menschen von Grund aus darin ändern.

Nützt die Zeit des Erdenseins. Denkt an den großen Wendepunkt, der stets die volle Verantwortung mit sich bringt!

Ein Kind ist aus diesem Grunde geistig noch unmündig, weil die Verbindung zwischen dem Geistigen und dem Stofflichen bei ihm noch nicht durch die Sexualkraft geschaffen ist. Erst mit dem Augenblicke des Eintretens dieser Kraft werden seine Empfindungen jene Stärke erreichen, daß sie einschneidend, umformend und neuformend die stoffliche Schöpfung zu durchziehen vermögen, womit er volle und ganze Verantwortlichkeit automatisch übernimmt. Vorher ist auch die Wechselwirkung nicht so stark, weil die Empfindungsfähigkeit viel schwächer wirkt. Ein Karma kann deshalb bei der ersten Inkarnation auf Erden nicht so gewaltig sein, sondern höchstens bei der Geburt mit ins Gewicht fallen darin, in welche Verhältnisse hinein die Geburt erfolgt, damit diese ihm bei seinem Erdenleben zum Ablösen des Karmas durch Erkennen seiner Eigenschaften helfen. Die Anziehungpunkte der Gleicharten würde dabei eine große Rolle spielen. Aber alles nur in schwachem Sinne. Das eigentliche kraftvolle und einschneidende Karma setzt erst dann ein, sobald sich der Mensch die Sexualkraft mit seiner Geistkraft verbindet, wodurch er im Stofflichen nicht nur vollwertig wird, sondern dieses in jeder Beziehung weit überragen kann, wenn er sich entsprechend einstellt.

Bis dahin mag auch das Dunkel, das Böse nicht direkt an den Menschen heran. Ein Kind ist durch die Lücke zum Stofflichen davor geschützt. Wie isoliert. Die Brücke fehlt.

Deshalb wird nun vielen Hörern auch verständlicher werden, weshalb Kinder vor dem Bösen einen viel größeren Schutz genießen, was ja sprichwörtlich ist. Auf dem selben Wege aber, den die Brücke der eintretenden Sexualkraft bildet, über die der Mensch in seiner Vollkraft streitend gehen kann, vermag dann natürlich auch alles andere zu ihm herein zu kommen, wenn er nicht achtsam genug ist. Aber es kann auf keinen Fall eher geschehen, als bis er auch die notwendige Abwehrkraft besitzt. Eine Ungleichheit ist keinen Augenblick vorhanden, die eine Entschuldigung aufkommen ließe.

Dadurch wächst die Verantwortung der Eltern in das Riesenhafte! Wehe, denen, die den eigenen Kindern die Gelegenheit zum Abstreifen ihres Karmas und zum Aufstiege nehmen durch unangebrachten Spott oder durch falsche Erziehung, wenn nicht gar durch böse Beispiele, zu denen auch alles Strebertum gehört auf den verschiedesten Gebieten. Die Versuchungen des Erdenlebens locken sowieso schon zu Diesem und Jenem. Und da den heranwachsenden Menschen seine eigentliche herrliche Machtstellung nicht erklärt wird, verwenden sie ihre Kraft entweder gar nicht oder aber sie vergeuden sie in unverantwortlichster Weise, wenn sie nicht gar unrechte und schlechte Anwendungen davon machen.

So setzt dann das bei Unkenntnis unabwendbare Karma in immer größerer Stärke ein, wirft seine Strahlungen durch irgend welchen Hang nach Diesem oder Jenem beeinflußend voraus und beengt danmit den eigentlichen freien Willen bei Entscheidungen, sodaß dieser unfrei wird. Daraus ist auch gekommen, daß die Mehrheit der Menschheit heute keinen freien Willen mehr betätigen kann. Sie hat sich gebunden, gekettet, geknechtet durch eigene Schuld. Wie kindisch und unwürdig sich die Menschen damit zeigen, wenn sie versuchen, den Gedanken an eine unbedingte Verantwortung abzulehnen und lieber dem Schöpfer einen Vorwurf der Ungerechtigkeit darin zu machen! Wie lächerlich klingt die Vorgabe, daß sie ja gar keinen eigenen freien Willen hätten, sondern geführt, geschoben, gehobelt und geformt würden, ohne etwas dagegen tun zu können.

Wenn sie sich nur einen Augenblick dessen bewußt machen wollten, welche klägliche Rolle sie bei solchem Tun eigentlich spielen. Wenn sie vor allen Dingen endlich sich selbst einmal wirklich kritisch betrachten wollten im Hinblick auf die ihnen verliehene Machtstellung, um zu erkennen, wie sinnlos sie diese an Kleinigkeiten und nichtige Vergänglichkeiten verzetteln, wie sie dafür Tand zu einer verächtlichen Wichtigkeit erheben, sich groß fühlen in Dingen, in denen sie doch so klein erscheinen müssen im Verhältnis zu ihrer eigentlichen Bestimmung als Mensch in der Schöpfung. Der Mensch von heute ist wie ein Mann, dem ein Reich gegeben ist, und der es vorzieht, seine Zeit mit den primitiefsten Kinderspielzeugen zu vertrödeln!

Es ist nur selbstverständlich und nichts anderes zu erwarten, daß die gewaltigen Kräfte, die dem Menschen gegeben sind, ihn zerschmettern müssen, wenn er sie nicht zu regieren versteht.

Es wird höchste Zeit zu endlichem Erwachen! Der Mensch sollte die Zeit und die Gnade voll ausnützen, die ihm durch jedes Erdenleben geschenkt wird. Er ahnt noch nicht, wie dringend nötig es schon ist. In dem Augenblicke, wo er den jetzt unfreien Willen wieder frei macht, dient ihm alles, was jetzt oft gegen ihn zu sein scheint. Selbst die von so vielen gefürchteten Strahlungen der Sterne sind nur dazu da, ihm zu dienen und zu helfen. Gleichviel welcher Art sie sind.

Und ein Jeder vermag es, auch wenn das Karma noch so wuchtig an ihm hängt! Auch wenn die Strahlungen der Sterne vorwiegend ungünstig zu sein erscheinen. Ungünstig wirkt sich das alles nur aus bei einem unfreien Willen. Aber auch dort nur scheinbar; denn in Wirklichkeit ist es doch zum Heile für ihn,wenn er sich selbst nicht anders mehr zu helfen weiß. Er wird dadurch zur Verteidigung , zum Erwachen und Muntersein gezwungen.

Furcht vor den Strahlungen der Sterne ist jedoch nicht angebracht, weil die sich dadurch auswirkenden Begleiterscheinungen immer für die Fäden des Karmas sind, das für den betreffenden Menschen läuft. Die Strahlungen der Sterne bilden nur die Kanäle, in die alles das zur Zeit für einen Menschen umherschwebende Karma gezogen wird, soweit es in seiner Art zu den jeweiligen gleichartigen Strahlungen paßt. Sind also die Strahlungen der Sterne ungünstig, so wird sich in diese Kanäle nur das für einen Menschen schwebende ungünstige Karma einfügen, was genau zu der Art der Strahlungen paßt, nichts anderes. Ebenso bei günstigen Strahlungen. So gesammelter geleitet, kann es sich auch dem Menschen stets fühlbar auswirken. Wo aber kein schlechtes Karma aussteht, werden auch ungünstige Strahlen der Sterne nicht schlecht wirken können. Eins ist nicht von dem anderen zu trennen. Auch darin wird wieder die große Liebe des Schöpfers erkannt. Die Sterne kontollieren oder dirigieren die Auswirkungen des Karmas. Demnach vermag sich schlechtes Karma nicht ohne Unterbrechung auszuwirken, sondern muß dem Menschen dazwischen auch Zeit zum Aufatmen lassen, weil die Sterne wechselnd bestrahlen und übles Karma sich zu den Zeiten günstiger Bestrahlungen nicht auswirken kann! Es muß dann unterbrechen und warten, bis wieder ungünstige Strahlungen der Sterne eintreten, kann also einen Menschen nicht so leicht ganz niederdrücken. Schwebt über dem Karma eines Menschen nicht auch gutes Karma, das sich bei günstigen Strahlungen der Sterne auswirkt, so wird durch günstige Strahlungen doch wenigstens erwirkt, daß das Leid Unterbrechungen zu Zeiten der günstigen Bestrahlungen erfährt.

So greift auch hier ein Rad des Geschehens in das andere. Eines zieht das andere in strenger Folgerichtigkeit nach sich und kontrolliert es gleichzeitig, damit keine Unregelmäßigkeiten vorkommen können. So geht es auch weiter, wie bei einem Riesenräderwerk. Von allen Seiten greifen die Zähne der Räder scharf und genau ineinander ein, alles weiter bewegend, vorwärts treibend zur Entwickelung.

Inmitten des Ganzen aber steht der Mensch mit der ihm anvertrauten unermeßlichen Macht, durch sein Wollen diesen gewaltigen Räderwerke die Richtung anzugeben. Doch immer nur für sich selbst! Es kann ihn aufwärts oder abwärts führen. Die Einstellung allein ist ausschlaggebend für das Ende.

Doch das Räderwerk der Schöpfung ist nicht aus starrem Material, sondern es sind alles lebendige Formen und Wesen, die mitwirkend umso gewaltigeren Eindruck schaffen. Das ganze wunderbare Weben dient aber lediglich dazu, dem Menschen zu helfen, ihm zu dienen, solange es die ihm gegebene Macht nicht in kindischem Vergeuden und falscher Anwendung hemmend dazwischenwirft. Er muß sich endlich anders einfügen, um das zu werden,was er sein soll. Gehorchen heißt in Wirklichkeit weiter nichts als Verstehen! Dienen ist helfen. Helfen aber bedeutet herrschen. In kurzer Zeit kann Jeder seinen Wollen frei machen, wie er sein soll. Und damit wendet sich für ihn alles, da er sich innerlich zuerst gewendet hat.

Aber für Tausende, für Hunderttausende, ja für Millionen Menschen wird es zu spät werden, weil sie es nicht anders wollen. Es ist ja nur natürlich, daß die falsch gestellte Kraft die Maschine zertrümmert, der sie sonst gedient hätte, um eine segensvolle Arbeit zu verrichten

Und bricht es dann herein, so werden sich alle Zögernden plötzlich wieder auf das Beten besinnen, aber nicht mehr die rechte Art dazu finden können, die allein Hilfe zu bringen vermöchte. Erkennen sie dann das Versagen, so werden sie in der Verzweiflung schnell zum Fluchen übergehen und anklagend behaupten, daß es keinen Gott geben könne, wenn er solches zuläßt. An eiserne Gerechtigkeit wollen sie nicht glauben, ebensowenig daran, daß ihnen die Macht gegeben war, alles rechtzeitig noch zu ändern. Und daß ihnen dies auch oft genug gesagt wurde.

Aber sie verlangen für sich mit kindlichem Trotze einen liebenden Gott nach ihrem Sinne, der alles verzeiht. Nur darin wollen sie seine Größe erkennen! Wie sollte dieser Gott nach ihren Vorstellungen wohl dann denen tun, die ihn immer ernsthaft suchten, aber gerade dieses Suchens wegen von jenen, die Verzeihung erwarten, getreten, verhöhnt und verfolgt wurden?

Toren, die in ihrer immer neu gewollten Blind - und Taubheit ins Verderben rennen, die ihr Verderben selbst mit Eifer schaffen. Mögen sie dem Dunkel überlassen bleiben, dem sie hartnäckig im Allesbesserwissen zustreben. Nur durch das eigene Erleben können sie noch zur Besinnung kommen. Deshalb wird das Dunkel auch ihre beste Schule sein. Doch es kommt der Tag, die Stunde, wo auch dieser Weg zu spät ist, weil die Zeit nicht mehr ausreichen wird, sich nach endlichem Erkennen durch Erleben noch von dem Dunkel loszureißen und aufwärts zu steigen. Aus diesem Grunde wird es Zeit, sich endlich mit der Wahrheit zu befassen.


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Moderne Geisteswissenschaft.

Moderne Geisteswissenschaft! Was sammelt sich alles unter dieser Flagge! Was findet sich dabei zusammen, und was bekämpft sich auch darunter! Ein Tummelplatz von ernstem Suchen, wenig Wissen, großen Plänen, Eitelkeit und Dummheit, vielfach auch leere Prahlerei, und noch mehr skrupellosester Geschäftssinn. Aus dem Gewirr erblüht nicht selten Neid und grenzenloser Hass, der sich zuletzt in tückischer Rachsucht niedrigster Art auslöst. Bei solchen Zuständen ist es natürlich nicht zu verwundern, wenn viele Menschen dem ganzen tollen Tun und Streben aus dem Wege gehen, mit einer Scheu, als ob sie sich vergiften würden, wenn sie damit in Berührung kommen. Diese haben auch nicht so unrecht; denn zahllose Anhänger der Geisteswissenschaft zeigen in ihrem Gebaren wahrlich nichts Verlockendes, noch weniger Anziehendes, sondern alles an ihnen mahnt viel eher jeden anderen Menschen zu größter Vorsicht.

Sonderbar ist es, dass das ganze Gebiet der sogenannten Geistes-wissenschaft, die oft von Übelwollenden oder Nichtwissenden mit Geisterwissenschaft, verwechselt wird, heute noch als eine Art Freiland gilt, worauf Jedermann sein Wesen und Unwesen ungehindert, ja zügellos und ungestraft treiben darf.

Es gilt dafür. Doch die Erfahrungen haben sehr oft gelehrt, dass es nicht so ist! Zahllose Pioniere auf diesem Gebiete, die leichtsinnig genug waren, mit nur eingebildetem Wissen forschend einige Schritte vorwärts zu wagen, wurden hilflose Opfer ihrer Fahrlässigkeit. Traurig dabei ist nur, dass alle diese Opfer fielen, ohne dass der Menschheit auch nur das Geringste damit gegeben werden konnte!

Jeder dieser Fälle hätte ja nur eigentlich ein Beweis dafür sein sollen, dass der eingeschlagene Weg nicht der richtige ist, da er nur Schaden und sogar Verderben, aber keinen Segen bringt. Doch mit einer eigentümlichen Beharrlichkeit werden diese falschen Wege beibehalten, immer wieder neue Opfer gebracht; über jedes gefundene Stäubchen neu erkannter Selbstverständlichkeit in der gewaltigen Schöpfung wird großes Geschrei erhoben und zahllose Abhandlungen geschrieben, die viele ernsthaft suchende Menschen abschrecken müssen, weil das unsichere Tasten darin nur zu deutlich fühlbar wird.

Das ganze bisherige Forschen ist in Wirklichkeit eine gefährliche Spielerei zu nennen mit gutwollendem Hintergrunde.

Das als Freiland angesehene Gebiet der Geisteswissenschaft wird nie ungestraft betreten werden können, solange man nicht den geistigen Gesetzen in ihrem vollen Umfange vorher Rechnung zu tragen versteht. Jedes bewusste oder unbewusste Entgegenstellen, das heißt „Nichtein-halten“ derselben, was gleichbedeutend mit Übertretung ist, muss in ihrer unvermeidlichen Wechselwirkung den Kühnen, Frivolen oder Leichtsinnigen treffen, der sie nicht genau beachtet oder zu beachten vermag.

Das unirdische mit irdischen Mitteln und Möglichkeiten durchstreifen zu wollen, ist nicht anders, als wenn ein mit irdischen Gefahren noch nicht vertrautes, unentwickeltes Kind in einen Urwald gestellt und allein gelassen würde, wo nur ein dazu entsprechend ausgerüsteter Mensch in seiner Vollkraft mit aller Vorsicht Aussicht haben kann, unbeschädigt hindurchzukommen. Den modernen Geisteswissenschaftlern in ihrer jetzigen Arbeitsweise geht es nicht anders, auch wenn sie es noch so ernst zu meinen wähnen und wirklich nur des Wissens halber vieles wagen, um den Menschen damit vorwärts zu helfen über eine Grenze, an der sie schon lange anklopfend harren.

Wie Kinder stehen diese Forscher heute noch davor, hilflos , tastend, die Gefahren nicht kennend, die ihnen jeden Augenblick entgegenströmen oder sich durch sie auf andere Menschen ergießen können, wenn ihre tappenden Versuche eine Bresche in den natürlichen Schutzwall wühlen oder eine Türe öffnen, die besser für viele verschlossen bleiben würde.

Leichtsinn kann das alles nur genannt werden, nicht Kühnheit, solange die so vordringen Wollenden nicht genau wissen, dass sie alle eventuellen Gefahren unbedingt zu meistern vermögen, nicht nur für sie selbst, sondern auch für andere,

Am unverantwortlichsten handeln die „Forscher“, die sich mit Experimenten befassen. Auf das Verbrechen der Hypnose ist bereits mehrfach schon hingewiesen. Die nun in anderer Art experimentierenden Forscher begehen in den meisten Fällen den bedauerlichen Fehler, dass sie, selbst nichts wissend – denn sonst würden sie es sicherlich nicht tun -, andere sehr sensible oder mediale Menschen entweder in magnetischen oder hypnotischen Schlaf versetzen, um sie damit den körperlich unsicht-baren Einflüssen der „jenseitigen“ Welt näher zu bringen, in der Hoffnung, dadurch verschiedenes hören und beobachten zu können, was bei vollkommen tagbewußtem Zustande der betreffenden Versuchsperson nicht möglich sein würde.

In mindestens fünfundneunzig von hundert Fällen setzen sie damit solche Menschen großen Gefahren aus, denen diese noch nicht gewachsen sind; denn jede Art künstlicher Nachhilfe zur Vertiefung ist eine Bindung der Seele, durch die diese in eine Empfindsamkeit hineingedrängt wird, die weiter geht, als es ihre natürliche Entwickelung zulassen würde.

Die Folge ist, dass ein solches Opfer der Versuche plötzlich seelisch auf einem Gebiete steht, auf dem es seines natürlichen Schutzes durch die künstliche Nachhilfe beraubt ist oder für das es seinen natürlichen Schutz nicht hat, der nur durch eigene, innere gesunde Entwickelung entstehen kann.

Man muss sich einen solchen bedauernswerten Menschen bildlich so vorstellen, als ob er entblößt an einen Pfahl gebunden steht, weit als Köder in gefährliches Gelände vorgeschoben, um das dort noch unbekannte Leben und Wirken auf sich zu ziehen, sogar auf sich wirken zu lassen, damit er darüber Bericht geben kann oder damit verschiedene Auswirkungen durch seine Mithilfe unter Hergabe bestimmter irdischer Substanzen aus seinem Körper auch anderen sichtbar werden.

Eine derartige Versuchsperson vermag zeitweise durch die Verbin-dung, die feine vorgedrängte Seele mit dem irdischen Körper auch anderen sichtbar werden.

Eine derartige Versuchsperson vermag zeitweise durch die Verbin-dung, die seine vorgedrängte Seele mit dem irdischen Körper halten muss, alles Vorgehende wie durch ein Telefon zu berichten und dem Zuschauer zu übermitteln.

Wird aber dabei der so künstlich vorgeschobene Posten irgendwie angegrif-fen, so vermag er sich wegen Mangel des natürlichen Schutzes nicht zu wehren, er ist hilflos preisgegeben, weil er durch Mithilfe anderer nur künstlich in ein Gebiet hineingeschoben wurde, in das er seiner eigenen Entwickelung nach und nach noch nicht oder überhaupt nicht gehört. Der so genannte Forscher aber, der ihn aus Wissensdurst hineindrängte, kann ihm ebenso wenig helfen, da er selbst dort, woher die Gefahr kommt, fremd und unerfahren ist und deshalb nichts zu irgendeinem Schutze zu tun vermag.

So kommt es, dass die Forscher zu Verbrechern werden, ohne es zu wollen und ohne von irdischer Gerechtigkeit darüber belangt werden zu können. Das schließt aber nicht aus, dass die geistigen Gesetze mit voller Schärfe ihre Wechselwirkung üben und den Forschenden an sein Opfer ketten.

So manche Versuchsperson erlitt feinstoffliche Angriffe, die sich mit der Zeit, oft auch schnell oder sofort grobstofflich-körperlich mit auswirken, so dass irdische Krankheit oder Tod folgt, womit aber der seelische Schaden noch nicht behoben wird.

Die sich Forscher nennenden Beobachter aber, die ihre Opfer in die unbekannten Gebiete drängen, stehen während solcher gefährlichen Experimente in den meisten Fällen in guter irdischer Deckung unter dem Schutze ihres Körpers und Tagbewusstseins.

Selten ist es, dass sie an den Gefahren der Versuchsperson gleichzeitig mit teilnehmen, dass solche also auf sie sofort übergehen. Aber bei ihrem irdischen Tode dann, dem Übergange in die feinstoffliche Welt, müssen sie durch ihre Verkettung mit den Opfern auf jeden Fall dort hin, wohin diese eventuell gerissen wurden, um erst gemeinsam mit ihnen langsam wieder emporsteigen zu können.

Das künstliche Hinausdrängen einer Seele in ein anderes Gebiet muss nun nicht immer so verstanden werden, dass die Seele aus dem Körper austritt und davonschwebt bis zu einer anderen Region. In den meisten Fällen bleibt sie ruhig in dem Körper. Sie wird nur durch den magnetischen oder hypnotischen Schlaf unnatürlich empfindsam gemacht, so dass sie auf viel feinere Strömungen und Einflüsse reagiert, als es ihrem natürlichen Zustande möglich wäre. Selbstverständlich ist es, dass in diesem unnatürlichen Zustande die Vollkraft nicht vorhanden ist, die sie sonst haben würde, wenn sie aus innerer Entwickelung heraus selbst so weit gekommen wäre, und dadurch auf diesem neuen, verfeinerten Boden fest und sicher stehen würde, allen Einwirkungen die gleiche Kraft entgegenbringend. Aus diesem Mangel an gesunder Vollkraft kommt durch das Gekünstelte eine Ungleichheit, die Strömungen nach sich ziehen muss. Die Folge davon ist unbedingte Trübung in allen Empfindungen, wodurch Entstellungen der Wirklichkeit entstehen.

Die Ursache zu den falschen Berichten, zu den zahllosen Irrtümern geben immer nur wieder die Forscher selbst durch ihre schädigende Nachhilfe. Daher kommt es auch, dass in den vielen „erforschten“ Dingen aus dem okkulten Gebiete, die schon vorliegen, so manches mit strenger Logik nicht übereinstimmen will. Es sind zahllose Irrtümer darin enthalten, die bisher noch nicht als solche erkannt werden konnten.

Bei diesen sichtbar falschen Wegen wird nun absolut nichts erreicht, das nur einigermaßen Nutzen oder Segen für die Menschen haben könnte.

Nützen kann den Menschen in Wirklichkeit nur etwas, das ihnen aufwärts hilft, oder wenigstens einen Weg dazu zeigt. Aber das alles ist bei diesen Experimenten von vornherein und für immer vollkommen ausgeschlossen! Durch künstliche Nachhilfe vermag ein Forscher manchmal aber doch schließlich irgendeinen sensiblen oder medialen Menschen aus dem irdisch-grobstofflichen Körper hinauszudrängen in die ihm zunächst befindliche feinstoffliche Welt, aber nicht um Haaresbreite höher als dorthin, wohin dieser seiner inneren Beschaffenheit entsprechend sowieso gehört. Im Gegenteil, durch künstliche Nachhilfe vermag er ihn nicht einmal dorthin zu bringen, sondern nur in die allem Irdischen nächste Umgebung.

Diese im Irdischen allernächste Umgebung aber kann nur alles das Jenseitige bergen, was noch dicht erdgebunden ist, was durch seine Minderwertigkeit, Laster und Leidenschaft an die Erde gekettet bleibt.

Natürlich wird auch etwas weiter Fortgeschrittenes hier und da in dieser Umgebung sich vorübergehend aufhalten. Das ist aber nicht immer zu erwarten. Hohes kann sich aus rein naturgesetzmäßigen Gründen nicht dort befinden. Eher würde die Welt aus den Angeln gehen, oder . . . es müsse denn in einem Menschen ein Postament zur Verankerung des Lichtes vorhanden sein!

Dass dies aber in einer Versuchsperson oder einem derart tastenden Forscher zu suchen wäre, ist kaum anzunehmen. Also bleibt die Gefahr und Zwecklosigkeit aller Experimente bestehen.

Sicher ist es auch, dass etwas wirklich Höheres nicht ohne die alles Gröbere reinigende Gegenwart eines weiter entwickelten Menschen in der Nähe eines Mediums kommen kann, noch viel weniger durch dieses zu sprechen vermag. Materialisationen aus den höheren Kreisen kommen gleich gar nicht in Betracht, am allerwenigsten die beliebten neckischen Spiele mit Klopfen, Bewegungen von Gegenständen usw. Die Kluft ist dafür viel zu groß, als dass sie ohne weiteres überbrückt werden könnte.

Alle diese Dinge können trotz eines Mediums nur von solchen Jenseitigen ausgeführt erden, die noch sehr dicht mit der Materie verbunden sind. Wenn es anders möglich wäre, also dass Hohes sich so leicht mit den Menschen in Verbindung setzen könnte, so hätte Christus ja gar nicht Mensch zu werden brauchen, sondern seine Mission auch ohne dieses Opfer erfüllen können.*4) Die Menschen von heute aber sind seelisch sicherlich nicht höher entwickelt als zu Jesus Erdenzeit, so dass nicht anzunehmen ist, dass eine Verbindung mit dem Lichte leichter herzustellen sei als damals.

Nun sagen die Geisteswissenschaftler allerdings, dass sie in erster Linie den Zweck verfolgen, jenseitiges Leben, namentlich das Fortleben nach dem Tode festzustellen, und das bei der jetzt allgemein herrschenden Skepsis sehr starke und grobe Geschütze dazu gehören, also irdisch begreifbare Beweise, um in die Abwehrstellung der Gegner eine Bresche zu schlagen.

Diese Begründung entschuldigt jedoch nicht, dass Menschenseelen in so leichtsinniger Weise immer und immer wieder auf das Spiel gesetzt werden! Außerdem liegt keine zwingende Notwendigkeit vor, böswillige Gegner unbedingt überzeugen zu wollen! Es ist doch bekannt, und es geht auch schon aus Christi Äußerungen hervor, dass diese nicht zu glauben bereit sein würden, auch wenn ein Engel vom Himmel direkt käme, um ihnen die Wahrheit zu verkünden. Nach dessen Weggange würden sie eben behaupten, dass es eine Massenhalluzination gewesen sei, nicht aber ein Engel, oder sonst eine Ausrede gebrauchen. Und wenn irgend etwas oder jemand gebracht wird, das oder der irdisch bleibt, also nicht wieder verschwindet oder unsichtbar wird, so gibt es wieder andere Ausflüchte, gerade weil es den an ein Jenseits nicht glauben Wollenden wiederum zu irdisch sein würde. Sie würden nicht davor zurückschrecken, einen solchen Beweis als Betrug, einen Menschen aber als Fantasten, Fanatiker, oder ebenfalls als Betrüger hinzustellen. Sei es nun zu irdisch oder unirdisch, oder auch beides zusammen, etwas werden sie immer auszusetzen und zu bezweifeln haben. Und wenn sie sich gar nicht mehr anders zu helfen wissen, dann werfen sie mit Schmutz, gehen auch zu stärkeren Angriffen über und scheuen vor Gewalttätigkeiten nicht zurück.

Um diese also zu überzeugen, dazu sind Opfer nicht angebracht! Noch weniger aber für viele der sogenannten Anhänger. Diese wähnen in einer sonderbaren Art von Hochmut, durch ihren in den meisten Fällen etwas unklaren und fantastischen Glauben an das Leben im Jenseits gewisse Forderungen daran stellen zu können, um ihrerseits etwas „sehen“ oder „erleben“ zu müssen. Sie erwarten von ihren Führern jenseitige Zeichen als Lohn für ihre Bravheit. Geradezu lächerlich wirken dabei oft die selbstverständlichen Erwartungen, die sie mit sich herumtragen, sowie das vielwissende, gutmütig verzeihende Lächeln als Schau für ihr eigentliches Nichtwissen. Es ist Gift, diesen Massen auch noch Vorstellungen geben zu wollen; denn da sie so Vieles zu wissen wähnen, gelten ihnen die Experimente nicht viel mehr als wohlverdiente Unterhaltungsstunden, bei denen Jenseitige die Varietee-Künstler abgeben sollen.

Sehen wir nun aber einmal von den großen Experimenten ab und betrachten wir uns die kleinen, wie Tischrücken. Diese sind durchaus nicht so harmlos, als es gedacht wird, sondern in ihrer ungeheueren leichten Verbreitungsmöglichkeit eine sehr ernste Gefahr!

Jedermann sollte davor gewarnt werden! Wissende müssen sich mit Grauen wenden, wenn sie sehen, wie leichtfertig mit diesen Dingen umgegangen wird. Wie viele der Anhänger suchen ihr „Wissen“ in manchen Kreisen zu zeigen, indem sie Versuche mit Tischrücken anregen, oder in Familien entweder lächelnd oder geheimnisvoll raunend die fast ins Spielerische gehende Übung mit Buchstaben und Glas oder anderem Hilfsmittel einzuführen, das bei leichtem Auflegen der Hand nach verschiedenen Buchstaben hinleitet oder hingezogen wird, so Worte bildend. Mit unheimlicher Geschwindigkeit hat sich dies alles bis zu Gesellschaftsspielen entwickelt, wo es unter Lachen, Spotten und manchmal angenehmen Gruseln getrieben wird.

Täglich sitzen dann in Familien ältere und jüngere Damen an einem Tischchen zusammen, oder auch allein vor auf Pappe gezeichneten Buchstaben, die, wenn möglich noch in ganz bestimmter Form aufgezeichnet sein müssen, damit der die Fantasie anregende Hokuspokus nicht fehlt, der überdies ganz unnötig dabei ist; denn es würde auch ohne dem gehen, wenn die betreffende Person nur einigermaßen dazu neigt. Und denen sind unzählige!

Die modernen Geisteswissenschaftler und die Führer der okkulten Verbindungen freuen sich darüber, da ja wirklich Worte und Sätze dabei gebildet werden, an die der Ausübende weder bewusst noch unbewusst gedacht hat, dadurch überzeugt werden muss und die Anhängerzahl des „Okkulten“ vergrößert.

Schriften okkulter Richtungen weisen darauf hin Redner treten dafür ein, Hilfsmittel werden fabriziert und verkauft, die all diesen Unfug erleichtern, und so tritt fast die gesamte okkulte Welt als gutarbeitende Handlanger des Dunkels auf in der ehrlichen Überzeugung, Priester des Lichtes damit zu sein!

Diese Vorgänge beweisen allein schon die vollkommene Unwissenheit, dass niemand von allen denen wirklich sehend ist! Es darf nicht als Gegenbeweis gelten, wenn sich irgendein gutes Medium aus diesen Anfängen heraus hier und da einmal entwickelt hat, oder vielmehr, was richtiger ist, wenn ein gutes Medium im Anfang vorübergehend dazu gezogen wurde.

Die wenigen Menschen, die von vornherein dazu bestimmt sind, haben in ihrer eigenen natürlichen Entwickelung einen ganz anderen und sorgfältig jede Stufe überwachenden Schutz, den andere nicht genießen. Dieser Schutz wirkt aber auch nur bei natürlicher, eigener Entwickelung, ohne jede künstliche Nachhilfe! Weil gerade nur in allem Natürlichen als selbstverständlich ein Schutz ruht.

Sobald nur die geringste Nachhilfe darin kommt, sei es durch Übungen der Person selbst oder von anderer Seite durch magnetischen Schlaf oder Hypnose, so wird es unnatürlich und dadurch nicht mehr ganz in die natürlichen Gesetze passend, die allein Schutz zu gewähren imstande sind. Kommt nun noch Unkenntnis dazu, wie sie überall zur Zeit vorhanden ist, so ist das Verhängnis da. Das Wollen allein wird das Können nie ersetzen, wenn es zum Handeln kommt. Niemand aber soll sein Können überschreiten.

Es ist selbstverständlich nicht ausgeschlossen, dass bei den Hunderttausenden, die sich mit diesen gefährlichen Spielereien befassen, hier und da ein Mensch wirklich ungestraft davon kommt und guten Schutz hat. Ebenso werden viele nur so geschädigt, dass es irdisch noch nicht bemerkbar wird, so dass sie erst nach dem Hinübergehen plötzlich erkennen müssen, welche Dummheiten sie eigentlich gemacht haben. Aber es gibt auch viele, die bereits irdisch sichtbaren Schaden davontragen, wenn sie auch während ihres Erdenlebens nie zur Erkenntnis der eigentlichen Ursache kommen.

Aus diesem Grunde muss der feinstoffliche und geistige Vorgang während dieser Spielereien einmal erklärt werden. Er ist eben so einfach, wie alles in der Schöpfung, und durchaus nicht so kompliziert, aber doch auch wieder schwerer, als sie sich denken.

Wie die Erde jetzt ist, hat durch das Wollen der Menschheit das Dunkel die Oberhand über alles Materielle gewonnen. Es steht also in allem Materiellen so gut wie auf eigenem, ihm wohlvertrauten Boden und vermag dadurch sich im Materiellen auch voll auszuwirken. Es ist also darin in seinem Element, kämpft auf ihm bekanntem Grunde. Dadurch ist es zur Zeit in allem Materiellen, also Grobstofflichen, dem Lichte überlegen.

Die Folge davon ist, dass in allem Materiellen die Kraft des Dunkels stärker wird, als die des Lichtes. Nun kommt aber bei derartigen Spielereien wie Tischrücken usw. das Licht also Hohes überhaupt nicht in Betracht. Wir können höchstens von Schlechtem, also Dunkel und Besserem, also Hellerem, sprechen.

Benutzt nun ein Mensch einen Tisch, oder ein Glas, oder überhaupt irgend einen grobstofflichen Gegenstand, so begibt er sich damit auf den dem Dunkel vertrauten Kampfboden. Einen Boden, den alles Dunkel sein eigen nennt. Er räumt ihm damit von vornherein eine Kraft ein, gegen die er keinen entsprechenden Schutz aufbringen kann.

Betrachten wir uns einmal eine spiritistische Beschäftigung oder nur ein Gesellschaftsspiel mit dem Tische, und verfolgen wir dabei die geistigen oder besser feinstofflichen Vorgänge.

Tritt ein Mensch oder mehrere mit der Absicht an den Tisch heran, um durch diesen in Verbindung mit dem Jenseitigen zu kommen, sei es nun, dass diese Klopftöne geben oder, was üblicher ist den Tisch bewegen sollen, um aus diesen Zeichen Worte formen zu können, so wird in erster Linie in der Verbindung mit der Materie Dunkles mit angezogen, das die Kundgebungen übernimmt. Mit großem Geschick verwenden sie oft hochtönende Worte, suchen die ja für sie leicht zu lesenden Gedanken der Menschen in denen erwünschter Weise zu beantworten, führen sie aber in ernsten Fragen dann immer irre, und suchen sie, wenn es oft geschieht nach und nach unter ihren immer stärker werdenden Einfluss zu bringen und so langsam, aber sicher herabzuzerren. Dabei lassen sie die Irregeführten sehr geschickt in dem Glauben, dass sie aufwärts gehen.

Kommt aber vielleicht gleich am Anfang, oder auch bei irgend einer Gelegenheit ein hinübergegangener Verwandter oder Freund durch den Tisch zu Worte, was sehr oft vorkommt, so lässt sich die Täuschung dann noch leichter durchführen. Die Menschen werden erkennen, dass es wirklich ein bestimmter Freund sein muss, der sich kundgibt, und daraufhin glauben, dass er es immer ist, wenn durch den Tisch irgendwelche Äußerungen kommen und der Name des Bekannten als Urheber genannt wird.

Das ist aber nicht der Fall! Nicht nur, dass das stets beobachtende Dunkel geschickt den Namen verwendet, um Irreführungen einen möglichst glaubhaften Anstrich zu geben und das Vertrauen der Fragenden zu erringen, sondern es geht sogar so weit, dass ein Dunkler mitten in einen von dem wirklichen Freunde begonnenen Satz eingreift und diesen absichtlich falsch vollendet. Es tritt dann die kaum bekannte Tatsache ein, dass an einem glatt und hintereinander bekundeten Satze zwei beteiligt waren. Erst der wirkliche und vielleicht ganz helle, also reinere Freund, und dann ein Dunkler, übel wollender, ohne dass der Fragesteller etwas davon bemerkt.

Die Folgen davon sind leicht zu denken. Der Vertrauende wird getäuscht und in seinem Glauben erschüttert. Der Gegner nützt den Vorgang zur Bestärkung seines Spottes und seiner Zweifel, mitunter zu heftigen Angriffen gegen die ganze Sache. In Wirklichkeit haben aber beide Unrecht, das nur auf die über das ganze Gebiet noch lagernde Unwissenheit zurückzuführen ist.

Der Vorgang aber spielt sich in aller Natürlichkeit ab: Ist ein hellerer, wirklicher Freund am Tische, um dem Wunsche des Fragenden nachzugeben und sich kund zu tun, und es drängt sich ein Dunkler heran, so muss dieser Hellere davon zurückweichen, da der Dunklere durch die vermittelnde Materie des Tisches eine größere Kraft entfalten kann, weil alles Materielle zur Zeit das eigentliche Gebiet des Dunkels ist.

Den Fehler macht der Mensch, der Materielles wählt und so von vornherein einen ungleichen Boden schafft. Das Dichte, Schwere, also Dunkle steht der Grobstofflichen Materie an Dichtheit schon näher als das Lichte, Reine, Leichtere, und hat durch die engere Verbindung größere Kraftentfaltung.

Auf der anderen Seite hat aber auch das Hellere, das sich noch durch Materielles kundzugeben vermag, ebenfalls immer noch eine diesem in gewissem Grade nahe kommende Dichtheit, sonst wäre eine Verbindung mit der Materie zu irgend einer Kundgebung gar nicht möglich. Das setzt an sich ein Nahekommen an die Materie voraus, welches wiederum die Möglichkeit einer Beschmutzung nach sich zieht, sobald die Verbindung durch die Materie mit dem Dunkel geschaffen ist. Dieser Gefahr zu entgehen, bleibt dem Helleren nichts anderes übrig, als sich schnell von der Materie, also dem Tische oder einem anderen Hilfsmittel zurückzuziehen, sobald ein Dunkler darnach greift, um das vermittelnde Glied auszu-schalten, das eine Brücke über die natürliche, trennende und dadurch schützende Kluft bilden würde.

Es ist jenseitig dann nicht zu vermeiden, dass in solchen Fällen der durch den Tisch experimentierende Mensch den niederen Einflüssen preisgegeben werden muss. Er hat es ja allerdings durch seine eigene Handlung auch nicht anders gewollt; denn die Unkenntnis der Gesetze vermag ihn auch hier nicht zu schützen.

Mit diesen Vorgängen wird sich für viele so manches bisher Unerklärliche klären, zahlreiche rätselhafte Widersprüche finden ihre Lösung, und hoffentlich werden nun auch viele Menschen ihre Hände von solchen gefährlichen Spielzeugen lassen!

In gleicher ausführlicher Art können nun auch die Gefahren aller anderer Experimente geschildert werden, die viel größer sind und stärker. Doch es sei mit diesen gebräuchlichsten verbreitetsten Dingen vorläufig getan.

Nur eine weitere Gefahr soll noch genannt werden. Durch diese Art der Fragestellungen und des Antwort- und Ratschlägeheischens machen sich die Menschen sehr unselbständig und abhängig. Das Gegenteil von dem, was das Erdenleben zum Zweck hat.

Der Weg ist falsch nach jeder Richtung hin! Er bringt nur Schaden, keinen Nutzen. Es ist ein Hinkriechen am Boden, wo die Gefahr besteht, immer wieder mit eklem Gewürm zusammenzutreffen, seine Kräfte zu vergeuden und zuletzt ermattet auf der Strecke liegen zu bleiben . . . für nichts!

Mit diesem „forschen“ wollen wird aber auch den Jenseitigen großer Schaden zugefügt!

Vielen Dunklen wird damit Gelegenheit geboten, sie werden sogar damit direkt in Versuchung geführt, Übles auszuführen und sich neue Schuld aufzubürden, wozu sie sonst nicht so leicht kommen können. Andere aber werden durch die fortwährende Bindung der Wünsche und Gedanken von ihrem Aufwärtsstreben zurückgehalten. Bei klarer Beobachtung dieses Forscherwesens erscheint es oft so kindisch eigensinnig, so von Rücksichtslosem Egoismus durchdrängt, dabei aber auch so täppisch, dass man sich kopfschüttelnd fragen muss, wie es überhaupt möglich ist, dass jemand der Allgemeinheit ein Land eröffnen will, von dem er selbst auch nicht einen Schritt breit wirklich kennt.

Falsch ist es auch, dass das ganze Suchen vor der breiten Öffentlich-keit stattfindet. Damit wird den Fantasten und Charlatanen freie Bahn geschaffen und es der Menschheit schwer gemacht, Vertrauen zu gewinnen.

In keiner Sache ist dies je geschehen. Und jedes Forschen von dem heute voller Erfolg anerkannt wird, hat vorher während des Suchens zahlreiche Fehlschläge gehabt. Man ließ diese aber der Öffentlichkeit nicht so miterleben! Sie wird davon ermüdet und verliert mit der Zeit jedes Interesse. Die Folge ist, dass bei endlichem Finden der Wahrheit die Hauptkraft einer umwälzenden und durchschlagenden Begeisterung vorher verloren gehen mußte. Die Menschheit vermag sich zu einer jubelnden Freude, die alles überzeugend mitreißt, nicht mehr aufzuraffen.

Die Rückschläge bei der Erkennung falscher Wege werden zu scharfen Waffen in den Händen vieler Feinde, die Hunderttausende von Menschen mit der Zeit ein solches Misstrauen einflößen können, dass diese Ärmsten bei dem Auftreten der Wahrheit diese nicht mehr werden ernsthaft prüfen wollen, aus lauter Furcht vor neuer Täuschung! Sie schließen die Ohren, die sie sonst geöffnet hätten, und versäumen schon die letzte Spanne Zeit, die ihnen noch Gelegenheit geben könnte, nach dem Licht emporzusteigen. Damit hat dann das Dunkel einen neuen Sieg erreicht! Den Dank kann es den Forschern bringen, die ihm die Hände dazu reichten und die sich gern und stolz zur Führung der modernen Geisteswissenschaften aufschwingen!



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Falsche Wege.

Die Menschen sind mit wenigen Ausnahmen in einem grenzenlosen und für sie sehr verhängnisvollem Irrtum!

Gott hat nicht nötig, ihnen nachzulaufen und darum zu bitten, dass sie an sein Dasein glauben sollen. Auch seine Diener sind nicht ausgesandt, immerfort zu mahnen, ja nicht von ihm abzulassen. Das wäre ja lächerlich. Es ist eine Entwertung und Herabzerrung der erhabenen Gottheit, so zu denken und solches zu erwarten. Diese Irrtümliche Auffassung richtet großen Schaden an. Genährt wird sie durch das Gebaren vieler wirklich ernster Seelsorger, die in tatsächlicher Liebe zu Gott und den Menschen immer wieder versuchen, nur dem Irdischen zugewandte Menschen zu bekehren, sie zu überzeugen und für die Kirche zu gewinnen. Das alles trägt nur dazu bei, den ohnedies genug vorhandenen Dünkel des Menschen von seiner Wichtigkeit maßlos zu steigern und viele zuletzt wirklich in den Wahn zu versetzen, dass sie darum gebeten werden müssen, Gutes zu wollen. Das bringt auch die sonderbare Einstellung der größten Zahl aller „Gläubigen“, die viel eher abschreckende Beispiele darstellen als Vor-bilder. Tausende und Abertausende fühlen in sich eine gewisse Genug-tuung, ein Gehobensein in dem Bewusstsein, dass sie an Gott glauben, ihre Gebete mit dem von ihnen aufbringenden Ernste vollziehen und ihren Nächsten nicht absichtlich Schaden zufügen.

In diesem inneren „Gehobensein“ fühlen sie eine gewisse Vergeltung des Guten, einen Dank Gottes für ihre Folgsamkeit, spüren sie ein Verbundensein mit Gott, an den sie auch manchmal mit einem gewissen heiligen Erschauern denken, das ein Seligkeitsgefühl auslöst oder hinterlässt, das sie mit Glück genießen.

Aber diese Scharen der Gläubigen gehen falsch. Sie leben glücklich in einem selbst geschaffenen Wahne, der sie sich selbst unbewusst zu jenen Pharisäern zählen lässt, die mit dem wirklichen aber falschem Dankgefühle ihre kleinen Opfer darbringen: „Herr, ich danke dir, dass ich nicht so bin wie jene“. Es wird dies nicht ausgesprochen, auch nicht in Wirklichkeit gedacht, aber das „hebende Gefühl“ im Inneren ist weiter nichts als dieses unbewusste Dankgebet das auch Christus schon als so falsch hinstellte.

Das innere „Gehobensein“ ist in diesen Fällen weiter nichts als die Auslösung einer durch Gebet oder gewollt gute Gedanken erzeugten Selbstbefriedigung. Die sich demütig nennen, sind meistens sehr weit davon entfernt, in Wirklichkeit demütig zu sein! Es erfordert oft Überwindung, mit solchen Gläubigen zu sprechen. Nie und nimmer werden sie in solcher Verfassung die Seligkeit erreichen, die sie schon sicher zu haben wähnen! Sie mögen zusehen, dass sie nicht etwa ganz verloren gehen in ihrem geistigen Hochmut, den sie für Demut halten. Viele der jetzt noch vollkommen Ungläubigen werden es leichter haben, in das Reich Gottes einzugehen, als alle die Scharen mit all ihrer dünkelhaften Demut, die in Wirklichkeit nicht einfach bittend, sondern direkt fordernd vor Gott treten, damit er sie belohne für ihre Gebete und frommen Worte. Ihre Bitten sind Forderungen, Ihr Wesen Heuchelei. Ihnen wird der Lohn, gewiss, nur anders, als sie denken. Sie haben sich auf Erden genug gesättigt in dem Bewusstsein ihres eigenen Wertes.

Das Wohlfühlen vergeht bald bei dem Übertreten in die feinstoffliche Welt, in der das hier kaum Geahnte innere Empfinden hervortritt, während das bisher vorwiegend nur durch Gedanken erzeugte Gefühl ins Nichts verweht.

Das innere, stille, sogenannte demutsvolle Erwarten eines Besseren ist in Wirklichkeit weiter nichts als ein Fordern, auch wenn es in noch so schönen Worten anders ausgedrückt wird. Jede Forderung ist aber eine Anmaßung. Gott allein hat zu fordern! Auch Christus kam nicht bittend zu den Menschen mit seiner Botschaft, sondern warnend und fordernd. Er gab wohl Erklärungen über die Wahrheit, hielt aber nicht lockend Belohnung vor die Augen der Hörer, um sie damit anzuspornen, besser zu werden. Er befahl den ernsthaft Suchenden ruhig und streng: Gehet hin und handelt darnach!

Fordernd steht Gott vor der Menschheit, nicht lockend und bittend, nicht klagend und trauernd. Ruhig wird er alle Schlechten, sogar alle Schwankenden, dem Dunkel überlassen, um die Aufwärtsstrebenden den Angriffen nicht mehr auszusetzen und um die Anderen alles gründlich erleben zu lassen, was sie für richtig halten, damit sie zur Erkenntnis ihres Irrtumes kommen!




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Fragenbeantwortung.

Frage: Abd-ru-shin sagt, Dass nicht alle Menschen Gotteskinder seien. Es steht aber geschrieben: Wer die Gotteskindschaft leugnet, sündigt wider den Heiligen Geist!

Antwort: Was geschrieben steht, verlangt in erster Linie auch richtig verstanden zu werden. Dem Fragenden sei deshalb Dank, dass er diese Frage stellte. Jeder also Fragende gibt damit oft vielen Menschen etwas, ohne darum zu wissen.

Der Vortrag: „Der Mensch und sein freier Wille“, in dem gesagt ist, dass nicht alle Menschen Gotteskinder seien, gibt gleichzeitig Antwort auf die oben gestellte Frage. Mit der Tatschache, daß nicht alle Menschen Gotteskinder sind, wird die Gotteskindschaft nicht geleugnet.

Die Gotteskindschaft leugnet nur der Mensch, der die in seinem Geistsamenkorn enthaltenen, ihm also vom Heiligen Geist geschenkten Fähigkeiten zur Gotteskindschaft vernachlässigt, also nicht genügend entwickelt und sie verkümmern lässt , so dass sie nicht zur Geltung und zum Wachstum kommen können. Das ist die Verleugnung der Gottes-kindschaft! In dieser Vernachlässigung liegt die Verleugnung. Damit sündigt er aber gleichzeitig wider den Heiligen Geist, der ihm in dem Samenkorn die Fähigkeiten zur Gotteskindschaft gab, damit sie entwickelt und großgezogen werden sollen.

Wer dies unterlässt, wird nie ein Kind Gottes sein oder werden, trotz seiner Anwartschaft darauf, das heißt, seiner Möglichkeit dazu, die ihm das Geschenk des Heiligen Geistes schon im Samenkorn verhieß. Durch Nichtachtung, also Verleugnung dieses Geschenkes hat er gesündigt und damit die Erfüllung der hohen Verheißung unmöglich gemacht.

Frage: In Heft 3 ist die unbefleckte Empfängnis erklärt. Die Erklärung steht aber im Widerspruch mit der Verheißung, die ausdrücklich darauf hinweist, dass der Heiland von einer Jungfrau geboren werden sollte.

Antwort: Zwischen dem Artikel in Heft 3 und der Verheißung ist kein Widerspruch. Den Widerspruch bringt nur die falsche Deutung des Ausdruckes „Jungfrau“ in der Verheißung. Wenn diese von einer Jungfrau spricht, so nimmt sie nicht einen engeren Begriff an, noch viel weniger die Anschauung eines Staates, sondern es kann sich nur um einen großen Menschheitsbegriff handeln.

Verengte Anschauung müßte die Tatsache feststellen, dass eine Schwangerschaft und eine Geburt an sich schon, ohne dabei an die Zeugung zu denken, die Jungfrauenschaft in gewöhnlichem Sinne ausschließt. Die Verheißung aber meint solche Dinge nicht. Es ist damit gesagt, dass Christus unbedingt als erstes Kind einer Jungfrau geboren werden wird, also von einem Weibe, das noch nie Mutter war. Bei diesem sind alle Organe, die zur Entwickelung des Menschenkörpers gehören, jungfräulich, das heißt sie haben sich in dieser Art vorher noch nie betätigt, es ist aus diesem Leibe noch kein Kind hervorgegangen. Bei jedem ersten Kinde müssen ja die Organe im Mutterleibe noch jungfräulich sein. Nur das konnte bei einer so weitausgreifenden Prophezeiung in Betracht kommen, weil jede Verheißung nur in unbedingter Folgerichtigkeit der arbeitenden Schöpfungsgesetze sich erfüllt und in dieser zuverlässigen Voraussicht auch gegeben wird!*5)

Bei der Verheißung ist also „das erste Kind“ gemeint, und deshalb der Unterschied von Jungfrau und Mutter gemacht worden. Ein anderer Unterschied kommt nicht in Betracht, da alle Begriffe von Jungfrau und Frau nur durch die rein staatlichen oder die gesellschaftlichen Einrichtungen der Ehe erstanden sind, die auf keinen Fall bei einer solchen Verheißung gemeint werden.

Bei der Vollkommenheit der Schöpfung als Werk Gottes ist der Zeugungsakt absolut notwendig; denn die Allweisheit des Schöpfers hat in der Schöpfung von Urbeginn an alles so eingerichtet, dass nichts zu viel oder überflüssig ist. Wer einen derartigen Gedanken hegt, sagt damit gleichzeitig, dass das Werk des Schöpfers nicht vollkommen sei. Dasselbe gilt dem, der behauptet, dass die Geburt Christi ohne normale vom Schöpfer der Menschheit vorgeschriebene Zeugung vor sich ging. Es muss eine normale Zeugung durch einen Menschen von Fleisch und Blut erfolgt sein! Auch in diesem Falle. Und es ist auch so!

Jeder Mensch der sich dessen richtig bewusst ist, preist den Schöpfer und Herrn damit mehr, als solche, die andere Möglichkeiten zulassen wollen. Die ersteren setzen damit ein so unerschütterliches Vertrauen in die Vollkommenheit ihres Gottes, dass nach ihrer Überzeugung in den von ihm bedingten Gesetzen eine Ausnahme oder Veränderung überhaupt nicht möglich ist. Und das ist der größte Glaube! Außerdem spricht ja auch alles andere Geschehen unbedingt dafür. Christus wurde Erdenmensch. Mit diesem Entschluss musste er sich auch den zur grobstofflichen Fortpflanzung von seinem Vater gewollten Gesetzen unterwerfen, da die Vollkommenheit Gottes dies bedingt.

Wenn gesagt werden soll, dass „bei Gott kein Ding unmöglich ist“, so befriedigt eine derartige Erklärung nicht; denn in diesem Ausspruche ruht wieder ein ganz anderer Sinn, als es sich viele Menschen in ihrer Bequemlichkeit vorstellen. Es braucht ja nur gesagt werden, dass Unvollkommenheit, Unlogik, Ungerechtigkeit, Willkür und vieles andere bei Gott unmöglich ist, um dem Wortlaute dieses Satzes nach dem gewöhnlichen Begriffe zu widersprechen. Auch könnte man begründen, dass, wenn in diesem Sinne bei Gott kein Ding unmöglich ist, er ebenso mit einem einzigen Willensakte alle Menschen der Erde gläubig machen können! Dann brauchte er nicht seinen Sohn mit der Menschwerdung dem irdischen Ungemache und dem Kreuzestode auszusetzen. Dieses gewaltige Opfer wäre erspart geblieben. Dass es aber so geschah, zeugt für die Unbeugsamkeit der von Anfang an laufenden göttlichen Gesetze in der Schöpfung, in die ein gewaltsamer Eingriff zu irgend einer Änderung durch deren Vollkommenheit nicht möglich ist.

Darauf könnte von blind streithafter Seite wiederum hartnäckig entgegnet werden, dass es Gottes Wille war, wie es geschah. Das ist ganz richtig gesagt, aber durchaus kein Gegenbeweis, sondern in Wirklichkeit ein Zugeben vorstehender Begründungen, wenn man die naivere Auffas-sung wegfallen lässt und tieferer Erklärung folgt, die alle Aussprüche geistiger Art unbedingt verlangen.

Es war Gottes Wille! Das hat aber mit einer Willkür nichts zu tun, sondern es bedeutet im Gegenteil nichts anderes, als die Bestätigung der von Gott in die Schöpfung gelegten Gesetze, die seinen Willen tragen, und die damit verbundene unbedingte Einfügung in dieselben, die Ausnahme oder Umgehung nicht zulassen. Gerade in der Erfüllungsnotwendigkeit zeigt und betätigt sich ja Gottes Wille.

Deshalb musste sich auch Christus zur Ausführung seiner Mission unabwendbar allen Naturgesetzen, also dem Willen seines Vaters unterwerfen. Es konnte auch unmöglich die in der Schöpfung zur irdischen Menschwerdung vorgesehene Zeugung durch einen Menschen vermieden werden. Dass Christus dies alles tat, beweist sein ganzes Leben. Die normale Geburt, das Wachstum, der auch bei ihm eintretende Hunger und die Ermüdung, die Leiden und zuletzt der Kreuzestod. Allem, dem ein irdischer Körper unterworfen ist, war auch er unterworfen. Warum soll nun einzig und allein die Zeugung anderer Art gewesen sein, wozu absolut keine Notwendigkeit vorlag. Gerade in der Natürlichkeit wird des Heilandes Aufgabe noch größer, durchaus nicht kleiner! Ebenso ist Maria deshalb nicht weniger begnadet gewesen in ihrer hohen Berufung.

Frage: Welche Wirkung und welchen geistigen Zweck hat die Konfirmation in der evangelischen Kirche?

Antwort: Die Konfirmation würde geistige Wirkung und geistigen Zweck haben, auch ohne Zweifel großen Segen bringen können, wenn sie als Grundlage einen reinen geistigen Sinn hätte. So aber ist es nicht der Fall, sondern sie bertrifft überhaupt nicht Religion oder Glaube an sich, wie dies jede Handlung haben sollte, die vor dem Altar, also vor dem Tische des Herrn, vorgenommen wird, sondern sie ist lediglich ein Akt der Kirche als Organisation, der damit auf gleiche Stufe mit irgend einem Vereinsgebrauche kommt.

Der Beweis dafür, dass es so ist und nicht anders sein kann, liegt darin, dass für die Zulassung zu einer Konfirmation der evangelischen Kirche nicht der seelische Wert, die innere Reife, der Drang zur Gottheit und auch nicht das geistige Wissen entscheidend ist; denn die Kirche lehnt eine diesbezügliche Prüfung einfach rundweg ab, wenn nicht ihre „Organisationsvorschrift“ erfüllt ist, die ohne Ausnahme schematisch bedingt, dass eine Konfirmation nur dann ausgeführt werden darf, wenn sich der darum Nachsuchende einer bestimmten Anzahl von Monaten Konfirmandenunterricht bei einem von der Kirche dazu bestimmten Geistlichen, also Angestellten der Kirche, unterworfen hat.

Es ist also dadurch nicht möglich, konfirmiert zu werden, auch wenn sich der darum Nachsuchende bereit erklärt, jede Prüfung in seelischer und geistiger Art abzulegen, wodurch er Wert und Reife für eine Konfirmation beweisen kann. Es werden demnach durch diese Vorschrift auch reife und wertvolle Menschen von der Kirche nicht zur Konfirmation zugelassen und zurückgewiesen, wenn sie ihre Reife und ihren Wert auf andere Art erworben haben, als durch einen Angestellten der Kirche, trotzdem dies sehr oft viel wertvoller sein kann, als der verstandesmäßige Konfirmandenunterricht. Es ist selbstverständlich, dass diese Bestimmun-gen unter keinen Umständen gelten dürfen, wenn es sich hierbei um einen geistigen und seelischen Gewinn des Menschen handeln könnte. Derartiges wäre dem hohen Christuswillen, in dem die Kirche als solche sich betätigen muss, direkt hemmend zuwider arbeitend. Es würde unter keinen Umständen in dem Geist und in dem Sinne des große Heilsbringers sein, der nie beabsichtigte, eine Kirche oder eine Religion zu gründen, sondern dessen Aufgabe es war, die Seelen frei zu machen. Aus diesem Grunde muss die Konfirmation nur eine reine Äußerlichkeit sein, nur eine Aufnahme in die Organisation der Kirche als solche. Es darf nicht verwechselt werden mit einer näheren Zugehörigkeit zu Gott. Sie kann deshalb auch den Menschen, die konfirmiert werden nur Organisations-nutzen und Organisationspflichten bringen, weiter nichts.

In solchem Sinne wird es wohl die Kirche selbst ansehen, da sie sich sonst eine Unterlassung und eine Anmaßung durch Ausschließung zu schulden kommen lassen würde, die in der Wechselwirkung sehr ernst werden müßte. Ganz abgesehen davon, dass es einem gefährlichen Dünkel gleichkäme, der bei den Pharisäern zu Christuszeiten kaum größer war. Und das ist von der Kirche nicht zu erwarten! Denn da die Christlichen Kirchen nur im Geiste Christi und nach seiner Lehre arbeiten, ergibt eine derartige Bestimmung, dass die Konfirmation nicht zu geistigen Handlungen oder fortschrittbringenden Dingen gehört, sondern lediglich eine Äußerlichkeit der weltlichen Organisation sein kann. Wäre es anders, so bedeutete die Einschränkung durch die Bestimmungen einen Fehler, dessen Tragweite nicht erst beleuchtet zu werden braucht. Zum geistigen Aufstiege kann also die Konfirmation nicht unbedingt gerechnet werden. Was der Einzelne durch diese Handlung innerlich dabei gewinnt, kommt durch seine eigene, persönliche Einstellung.



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Aus dem Inhalt des nächsten Heftes:

Das Verbrechen der Hypnose. Symbolik. Wunder. Die Taufe.

Astrologie. Menschheit und Wissenschaft. Usw.



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1 ) Vortrag: „Das jüngste Gericht“, Heft 4.

2 ) Jüngste Gericht Heft 4.

3 *) Vortrag: Symbolik, Heft 6.

4 ) Heft 3: Der Erlöser.

5 ) Offenbarungen.

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