Werfet auf ihn alle Schuld.
Dieses so oft gebrauchte Wort ist eines der Haptberuhigungsmittel aller, die sich gläubige Christen nennen. Doch das Mittel ist ein Gift, das einen Rausch erzeugt. Gleich vielen Giften, die bei Krankheiten nur zur Betäubung vorkommender Schmerzen angewendet werden und damit eine scheinbare Beruhigung herbeiführen, so ähnlich ist es in geistiger Beziehung mit den Worten: „Werfet auf ihn alle Schuld; denn er hat uns erlöset, und durch seine Wunden sind wir geheilet!“
Da dieses von den Gläubigen als eine der Grundsäulen der kirchlich-christlichen Lehren hingenommen wird, wirkt es unter ihnen umso verheerender. Sie bauen ihre ganze innere Einstellung darnach auf. Damit geraten sie aber in eine tödliche Umarmung blinden Glaubens; in der sie alles andere nur noch in starker Trübung zu schauen vermögen, bis sich zuletzt das ganze Bild verschiebt und über die Wahrheit ein grauer Schleier sinkt, sodaß sie nur noch einen Halt an dem künstlichen Aufbau entstellender Theorien finden können, der mit diesen zusammenbrechen muss am Tage der Erkenntnis.
„Werft auf ihn alle Schuld . . . .!“ Törichter Wahn! Wie Feuer wird die lichte Wahrheit zwischen die Heere falscher Lehrer und fauler Gläubigen fahren und alles Unwahre verbrennen! Behaglich sonnen sich Massen heute noch in dem Glauben, dass alles, was der Heiland litt und tat, für sie geschah. Sie nennen es in Trägheit ihres Denkens vermessen, frevelhaft von jedem Menschen, der wähnt, auch selbst noch etwas beitragen zu müssen, um in den Himmel eingehen zu können. In diesem Punkte verfügen viele über eine erstaunliche Demut und Bescheidenheit, die nach anderen Seiten vergebens bei ihnen zu suchen ist. Nach ihrem Ermessen käme es einer Gotteslästerung gleich, auch schwach und schüchtern dem Gedanken Raum zu geben, dass das Herabsteigen des Heilandes zur Erde und das damit aufgenommene Leiden und Sterben noch nicht genügen könnte, die Sünden aller derer Menschen abzuwischen, die an seinem damaligen Erdensein nicht mehr zweifeln.
„Werfet auf ihn alle Schuld . . . .“ denken sie mit inbrünstiger Andacht, und wissen nicht, was sie eigentlich tun. Sie schlafen, aber ihr Erwachen wird einst furchtbar sein! Ihr anscheinender demütiger Glaube ist nichts als Selbstgefälligkeit und grenzenlose Hoffart, wenn sie sich einbilden, dass ein Gottessohn herabkommt, um dienend für sie die Wege zu bereiten, auf dem sie dann stumpfsinnig direkt in das Himmelreich hineintrotten können. Eigentlich müßte Jedermann sofort die Hohlheit solcher Auffassung ohne weiteres erkennen. Sie kann nur von unbeschreiblicher Bequemlichkeit und Leichtsinnigkeit geboren werden, wenn sie nicht Klugheit als Lockmittel zum Zwecke irdischer Vorteile schuf!
Die Menschheit hat sich in tausend Irrgängen verloren und betrügt sich in ihrem törichten Glauben selbst, Welche Herabwürdigung Gottes liegt darin. Was ist der Mensch, dass er sich erkühnt, zu erwarten, ein Gott sendet seinen eingeborenen Sohn, also ein Stück seiner eigenen, wesenlosen Lebendigkeit, damit die Menschen ihre Sündenlast auf ihn zu werfen vermögen, nur damit sie sich nicht selbst zu bemühen brauchen, ihre schmutzige Wäsche zu waschen und die sich aufgebürdete dunkle Last abzutragen. Wehe denen, die solche Gedanken einst zu verantworten haben! Es ist die frechste Beschmutzung der erhabenen Gottheit! Christi Sendung war nicht solch niedriger Art, sondern sie war hoheitsvoll, fordernd nach dem Vater weisend.
Schon einmal wies ich auf das große Erlöserwerk des Gottes Sohnes hin*1) Sein großes Liebeswerk ist aufgegangen im Diesseits und im Jenseits, und hat Früchte aller Art gebracht. Inzwischen aber suchen nur von Menschen Berufene sich vielfach von Gott berufen zu machen, griffen mit unheiligen Händen nach den reinen Lehren und zogen sie verdunkelnd tief zu sich herab. Die Menschheit, die ihnen vertraute, ohne das Wort selbst ernsthaft zu prüfen, das sie lehrten, stürzte mit. Göttlicher Wahrheit hehrer Kern wurde mit irdischer Beschränktheit umzogen, so dass die Form so blieb, doch jedes Leuchten in der Sucht nach Erdenmacht unterging. Nur falsche Dämmerung herrscht dort, wo hellster Glanz geistigen Lebens sein könnte. Bittender Menschheit wurde das Kleinod geraubt, das Christus Jesus allen brachte, die darnach verlangten. Entstellt durch die Verhüllung egoistischen Versagens wird den Suchenden ein falscher Weg gezeigt, der sie nicht nur kostbare Zeit versäumen lässt, sondern sogar sehr oft dem Dunkel in die Arme treibt.
Schnell wuchsen Irrlehren empor. Die überwucherten die Einfachheit, die Wahrheit, und verdeckten sie mit einem schillernden Gewande, aus dessen Farbenpracht jedoch wie bei den Giftpflanzen Gefahren strömen, die alles Nahende betäuben, wodurch die Wachsamkeit der Gläubigen über sich selbst erlahmt, zuletzt erlischt. Damit erstirbt auch jede Möglichkeit des Aufstieges zum wahren Licht! Noch einmal wird der große Ruf der Wahrheit schallen über alle Lande. Dann aber kommt die Abrechnung für jeden durch das Schicksal, das er sich selbst wob. Die Menschen werden endlich das erhalten, was sie bisher mit Beharrlichkeit vertraten. Sie werden alle Irrtümer durchleben müssen, die sie in ihren Wünschen oder vermessenen Gedanken aufzustellen oder denen sie nachzugehen suchten. Bei vielen wird ein wildes Aufheulen die Folge sein, und Zähneklappern einsetzen aus Angst, aus Wut und aus Verzweiflung.
Die also von dem Übel arg Befallenen und bei Gericht Verworfenen werden es aber dann plötzlich als Ungerechtigkeit empfinden und als Härte, sobald sie in die Wirklichkeit hineingestoßen sind, die sie in Ihrem Erdenleben bisher als einzig wahr erkennen wollten, womit sie auch beständig ihre Mitmenschen bedachten. Dann soll der Gott ihnen helfen, dem sie mit solcher grenzenlosen Überhebung gegenüberstanden! Sie werden zu ihm flehen, zu ihm rufen, werden auch erwarten, dass er in seiner Göttlichkeit dem „unwissenden“ Menschlein auch das ärgste leicht verzeiht. Er wird nach ihrem Dünken plötzlich viel zu „groß“ sein, als so etwas nachtragen zu können. Er, den sie bisher so herabgewürdigt haben!
Doch er wird sie nicht erhören, wird ihnen nicht mehr helfen, weil sie vorher auf sein Wort nicht hören wollten, dass er ihnen sandte! Und darin liegt Gerechtigkeit, die sich von seiner großen Liebe niemals trennen lässt.
Es war die Pflicht der Menschen, das Wort selbst zu prüfen, das er ihnen gab. Auch wenn sie seine Boten nicht als solche erkennen wollten. Donnernd wird ihnen deshalb entgegenschallen: „Ihr habt nicht gewollte! Deshalb seid nun vertilgt und ausgelöscht im Buche des Lebens!“
Ehe denn Abraham ward, bin ich.
Dieses Christuswort, das ihm seiner Zeit von der Pharisäern so viel Anfeindungen brachte, wird in seiner ganzen Wahrheitstiefe und seiner Selbstverständlichkeit leicht verstanden werden, wenn man bedenkt, dass als höchster Ausgangspunkt aller Entwicklung das Göttlich-Wesenlose ist, das Rein-Göttliche!*2) Diesem schließt sich wie von der Spitze einer Pyramide abwärtsgehend das Geistig-Wesenhafte an, dem wieder nach vielen Stufen immer breiter und breiter werdend die Welt der Stofflichkeit folgt. Diese beginnt mit den dem irdischen Augen unsichtbaren feinstofflichen Teile, dann dichter und dichter werdend, und durch diese Dichtheit auch immer mehr an Schwere zunehmend, senkt sie sich selbstverständlich immer tiefer, bis zuletzt die grobstofflichen Teile in ihrer ganzen Schwere erstehen und ihren weitausgreifenden Kreislauf vollziehen.
Der geistige Mensch, zu dem auch Abraham gehört, stammt aus dem Geistig-Wesenhaften. Christus aber aus dem Göttlich-Wesenlosen.
Damit ist eigentlich die Selbstverständlichkeit und Richtigkeit des Sinnes des Christuswortes: „Ehe denn Abraham ward, bin ich“ schon gegeben. Da diese Frage aber einmal aufgeworfen ist, soll denen, die so tief sich versenken können, auch noch weiteres erklärt sein. Gott selbst ist als aller Anfang und Ende wesenlos, vermag aber mit dem Geistig-Wesenhaften als Mantel Form anzunehmen. Auch Christus kam aus diesem Wesenlosen. Deshalb ist er vor Abraham gewesen, da dieser aus dem erst nachfolgenden Geistig-Wesenhaften kam. Aus dem Wesenlosen stammen noch die vier Säulen des Gottesthrones, die vier Erzengel. Aus dem Wesenlosen wird auch der sein, dessen Auftrag es ist, die jetzt vom Dunkel so bedrohten Gottsuchenden hinzuführen zu dem Licht. Alle anderen Engel und himmlischen Heerscharen gehören zu dem Geistig-Wesenhaften.
Da der Geistmensch aus der untersten Stufe des Geistig-Wesenhaften stammt und von dort Eingang in das Stoffliche findet, vermag er selbstverständlich bei höchster Entwicklung nach seinem irdischen Abscheiden auch nach und nach wieder emporzusteigen bis in das Reich des Geistig-Wesenhaften, woher er ausgegangen ist, das er somit als seine Heimat bezeichnen kann. Natürlich nur, wenn er wieder rein-geistig geworden ist, also auch die letzte stoffliche Belastung abgelegt oder abgestoßen hat. Eine solche würde ihm den Übergang vom Feinstofflichen in das Rein-Geistige unmöglich machen, auch wenn sie noch so gering wäre. Das ist dann das direkte Reich Gottes.
Der Übergang vom Rein-Geistigen in das Göttlich-Wesenlose ist nur dem möglich, der direkt aus dem Wesenlosen kommt. Deshalb lag in den Worten des Heilandes nur die Bestätigung einer schlichten Tatsache, die er anders gar nicht hätte ausdrücken können.
Das Verbrechen der Hypnose.
Sonderbar! Noch vor zwanzig Jahren wütete man gegen die Behauptung, dass Hypnose wirklich besteht, allen voran gingen die Mediziner. Sie schreckten nicht davor zurück, Hypnose als Humbug und Schwindel zu bezeichnen, wie sie es kurz vorher auch mit dem Heilmagnetismus getan hatten, der heute für so viele ein großer Segen geworden ist. Ausübende wurden in schärfster Weise angegriffen, Gaukler und Betrüger genannt.
Heute nun sind es gerade die Mediziner, die sich zum größten Teile die Hypnose zu eigen gemacht haben. Was noch vor zwanzig Jahren in den schärfsten Ausdrücken abgelehnt wurde, dafür treten sie heute ein.
Dies lässt sich nach zwei Seiten hin beurteilen. Wer den damaligen erbitterten Kampf ganz objektiv betrachtete, kann sich heute natürlich eines Lächelns nicht erwehren, wenn er wiederum beobachten muss, wie damalige feindselige Eiferer jetzt die von ihnen so verschmähte Hypnose mit noch größerem Eifer anzuwenden versuchen. Nach der anderen Seite hin muß wiederum erkannt werden, dass einer solchen nahezu grotesken Wendung immerhin auch Achtung gebührt. Gehört doch ein gewisser Mut dazu, sich der Gefahr der Lächerlichkeit auszusetzen, die gerade in diesem Falle sehr nahe liegt. Man muß darin den Ernst erkennen, der wirklich der Menschheit nützen möchte und aus diesem Grunde nicht zurückschreckt, selbst solche Gefahr mit in Kauf zu nehmen.
Bedauerlich ist nur, dass man daraus nicht auch Lehren für die Zukunft gezogen hat und vorsichtiger mit Beurteilungen und – sagen wir es ruhig – Anfeindungen wird, wenn es sich um Dinge handelt, die in das gleiche Gebiet gehören, indem die Hypnose steht. Leider macht man es mit vielen anderen Fächern des gleichen Gebietes trotz aller Erfahrungen heute wieder genau so, fast noch schlimmer. Trotzdem wird am Ende sich zuletzt dasselbe Schauspiel wiederholen müssen, dass ohne Übergang mit Eifer plötzlich für etwas eingetreten wird, das man bisher so hartnäckig zu leugnen suchte. Noch mehr, dass man so vieles mit allen Mitteln rücksichtslos nur in die eigenen Hände zur Ausübung zu bekommen versucht, dessen Suchen und Finden man vorsichtig und unter dauernden Befehden erst anderen überließ, meistens sogenannten „Laien“. Ob das dann immer noch wieder als ein Verdienst und ein mutvoller Akt bezeichnet werden kann, mag dahingestellt bleiben. Es liegt im Gegenteil viel näher, dass diese ewigen Wiederholungen auch die schon als Verdienste erwähnten Handlungen in ein anderes Licht stellen können. So weit das Ergebnis oberflächlicher Beurteilung.
Viel bedenklicher aber wird es, wenn man die Wirkungen der Anwendungen der Hypnose richtig kennt. Dass das Bestehen der Hypnose endlich Anerkennung und Bestätigung fand und somit die wortreichen, aber nach jetziger Erfahrung nur Unwissenheit verratenden Angriffe der Wissenschaft aufhören, ist gut. Aber dass damit unter dem Protektorat der plötzlich wissend gewordenen bisherigen Gegenstreiter auch die Anwendung damit eine so weite Verbreitung fand, zeugt davon, dass diese Wissenden viel weiter von dem eigentlichen Erkennen entfernt sind, als die anfangs suchenden und viel geschmähten Laien.
Es ist erschütternd, zu wissen, welches Unheil dabei entsteht, dass sich heute Tausende vertrauensvoll in sogenannte berufene Hände begeben, um sich einer Hypnose freiwillig zu unterziehen, dazu überredet werden, oder, was am verwerflichsten ist, ohne ihr Wissen dazu vergewaltigt werden, Gutes damit stiften zu wollen, so ändert dies nichts an dem unermeßlichen Schaden, den diese Ausübung in jedem Fall anrichtet! Berufene Hände sind es nicht, die Hypnose anwenden. Berufen kann nur jemand sein, der auf dem Gebiete vollkommen bewandert ist, in das alles gehört, was er anwendet. Das wäre bei Hypnose das feinstoffliche Gebiet! Und wer dies wirklich kennt, ohne es sich in Vermessenheit nur einzubilden, wird niemals Hypnose anwenden, solange er das Beste eines Menschen will. Es sei denn, er beabsichtigt, ihm mit vollem Wissen schwer zu schaden. Auf allen Seiten wird deshalb gesündigt, wo immer Hypnose zur Anwendung kommt, gleichviel, ob es Laien sind oder nicht! Es gibt darin keine einzige Ausnahme!
Schon wenn man in der Einfachheit nur logisch zu denken versucht, so muss man zu dem Schlusse kommen, dass es in Wirklichkeit doch grenzenloser Leichtsinn ist, mit etwas zu wirken, dessen Tragweite man nur in den allerengsten Stufen zu überschauen vermag und dessen letzte Endwirkung noch nicht bekannt ist. Wenn solche Leichtfertigkeit in Angelegenheiten des Wohles und Wehes der Nebenmenschen nicht nur für die betroffene Versuchsperson Schaden nach sich zieht, sondern die Verantwortung doppelt schwer auch auf den Ausübenden fällt, so gibt es keine Beruhigung. Die Menschen sollten lieber nicht so vertrauensselig auf etwas eingehen, was sie nicht auch selbst gründlich kennen. Geschieht es dann trotzdem ohne ihr Wissen und Willen, so ist ein derartiges Vorgehen sowieso ein regelrechtes Verbrechen, auch wenn es von sogenannten berufenen Händen ausgeführt wird.
Da nun nicht anzunehmen ist, dass die mit Hypnose Arbeitenden alle die Absicht haben, ihren Mitmenschen zu schaden, so bleibt nur die Tatsache festzustellen übrig, dass sie über das Wesen der Hypnose vollkommen unwissend sind und den Folgen ihrer eigenen Tätigkeit gänzlich verständnislos gegenüberstehen. Darüber gibt es auch nicht den geringsten Zweifel; denn entweder das eine oder das andere kann nur in Betracht kommen. Also bleibt die Verständnislosigkeit als allein bestehend übrig.
Wenn ein Mensch seinem Nebenmenschen gegenüber Hypnose anwen-tet, so bindet er damit dessen Geist! Diese Bindung an sich ist geistiges Vergehen. Es entschuldigt nicht, wenn Hypnose zum Zweck der Heilung einer körperlichen Krankheit angewendet wird oder als Mittel zu einer psychischen Verbesserung. Ebenso wenig kann als Verteidigung vorgebracht werden, dass bei dadurch bewirkenden psychischen Veränderungen zum Guten auch das Wollen des Betreffenden besser geworden ist, so dass der mit Hypnose Behandelnde einen Gewinn davon getragen hat. In solchem Glauben zu leben und zu handeln, ist Selbstbetrug; denn nur was ein Geist aus vollkommen freiem und unbeeinflußtem Wollen heraus vornimmt, kann ihm den Gewinn bringen, den er zu einem wirklichen Aufstiege braucht. Alles andere sind Äußerlichkeiten, die ihm nur vorübergehend einen scheinbaren Nutzen oder Schaden zu bringen vermögen. Jede Bindung des Geistes, zu welchem Zwecke sie geschehen ist, bleibt ein unbedingtes Aufhalten in der Möglichkeit des notwendigen Fortschrittes. Ganz abgesehen davon, dass eine derartige Bindung weit mehr Gefahren mit sich bringt als Vorteil. Ein so gebundener Geist ist nicht nur dem Einflusse des Hypnotiseurs zugänglich, sondern bleibt in gewissem Grade, trotz eines eventuellen Verbotes des Hypnotiseurs, auch anderen feinstofflichen Einflüssen wehrlos ausgesetzt, weil ihm in der Gebundenheit der dringend notwendige Schutz dagegen fehlt, der ihm nur die völlige Bewegungsfreiheit bieten kann. Dass die Menschen von diesen dauernden Kämpfen, den Angriffen und der eigenen erfolgreichen oder nicht erfolgreichen Abwehr nichts bemerken, schließt die Lebendigkeit in der feinstofflichen Welt und ihre eigene Mitwirkung dabei nicht aus.
Ein Jeder der einer wirksamen Hypnose unterworfen wird, ist also mehr oder weniger nachhaltig an dem wirklichen Fortschritt seines tiefsten Kernes gehemmt worden. Die äußeren Umstände, seien sie dadurch nur noch ungünstiger geworden, der anscheinend vorübergehend fördernd, spielen erst in zweiter Linie eine Rolle, dürfen also für eine Beurteilung nicht maßgebend sein. Der Geist muss frei bleiben auf jeden Fall, weil es sich letzten Endes nur allein um ihn handelt!
Angenommen, es tritt eine äußerlich erkennbare Verbesserung ein, worauf die sich mit Hypnose Arbeitenden so gerne stützen, so hat der betreffende Mensch in Wirklichkeit doch keinen Nutzen davon. Sein gebundener Geist vermag nicht gleich stofflich schöpferisch zu wirken als ein vollkommen freier Geist. Die feinstofflichen Schöpfungen, die sein gebundenes oder erzwungenes Wollen erzeugt, sind kraftlos, weil erst aus zweiter Hand geformt, und welken in der feinstofflichen Welt sehr bald dahin. Es kann ihm also deshalb sein besseres Wollen in der Wechselwirkung nicht den Nutzen bringen, der bei den Schöpfungen des freien Geistes unbedingt zu erwarten ist. Ebenso ist es natürlich auch, wenn ein gebundener Geist im Auftrage eines Hypnotiseurs Übles will und ausführt. Durch die Kraftlosigkeit der Schöpfungen werden diese trotz böser grobstofflicher Handlungen bald vergehen oder von anderen Gleicharten aufgesaugt werden, so dass eine feinstoffliche Wechselwirkung gar nicht eintreten kann, wodurch den also Gezwungenen wohl eine irdische Verantwortung, aber keine geistige Verantwortung treffen kann. Genau so ist der Vorgang bei Irrsinnigen. Darin sieht man wiederum die lückenlose Gerechtigkeit des Schöpfers, die sich durch die in ihrer Vollkommenheit unerreichbaren lebendigen Gesetze in der feinstofflichen Welt auswirkt. Einen so Gezwungenen kann trotz übler Handlungen durch fremden Willen keine Schuld treffen, ebenso wenig auch keinen Segen, weil dessen bessere Handlungen ja auch unter fremdem Willen ausgeführt werden, woran er als selbständiges „Ich“ keinen Teil haben darf.
Dafür aber geschieht etwas anderes: Die gewaltsame Bindung des Geistes durch Hypnose bindet gleichzeitig den durch Hypnose ausübenden Menschen an sein Opfer, wie mit starken Ketten. Es lässt ihn nicht eher wieder los, als bis er den gewaltsam in seiner eigenen freien Entwicklung Zurückgehaltenen soweit vorwärts geholfen hat, wie dieser hätte kommen müssen, wenn er die Bindung nicht ausgeführt hätte. Er muss nach seinem irdischen Abscheiden dort hin, wohin der von ihm gebundene Geist geht, und sei es bis zu den tiefsten Tiefen. Was also demnach solchen Menschen blüht, die sich viel mit der Anwendung von Hypnose befassen, ist leicht zu denken. Wenn sie nach dem irdischen Abscheiden erwachend wieder zu sich kommen, so werden sie mit Entsetzen bemerken, wie viele Bindungen an ihnen zerren, von schon Vorausgegangenen, wie auch von solchen, die noch auf Erden wandeln. Nicht eine davon kann ihnen dann erlassen werden. Glied für Glied muss er sie lösen, und wenn er auch Jahrtausende damit verliert. Wahrscheinlich ist es aber, dass er damit nicht mehr ganz zu Ende kommen kann, sondern mit hineingerissen wird in die Zersetzung, die seine Persönlichkeit des eigenen „Ichs“ vernichtet;
denn er hat schwer gesündigt wider den Geist!
Astrologie.
Die königliche Kunst wird sie genannt, und nicht mit Unrecht. Doch nicht, dass sie unter den Künsten die Königin ist, ebenso wenig nur für irdische Könige vorbehalten, sondern wer sie wirklich auszuüben vermöchte, könnte im Geistigen einen königlichen Rang einnehmen, da er dadurch Lenker vieles Geschehens und Nichtgeschehens sein würde.
Doch es gibt nicht einen einzigen Erdenmenschen, dem diese Fähig-keiten anvertraut sind. Somit müssen alle Arbeiten nur klägliche Versuche bleiben, unzuverlässig, wenn von dem Ausübenden ernstgemeint, frevelhaft, wenn statt des tiefen Ernstes, wie so oft, Selbstüberhebung und krankhafte Fantasie dabei mitwirken.
Sternenberechnung allein kann überhaupt nur wenig nützen, denn zu den Strahlungen der Sterne gehört als eigentliche Kraft der Auswirkung auch unbedingt die lebende Feinstofflichkeit in ihrer ganzen Tätigkeit, wie z. B. die Welt der Gedankenformen, des Karmas, Strömungen des Dunkels und des Lichtes in der Stofflichkeit, sowie noch vieles mehr. Welcher Mensch mag sich nun rühmen, alles das bis zu den tiefsten Tiefen und den höchsten Höhen der Stofflichkeit scharf und klar zu überschauen!
Die Strahlungen der Sterne bilden ja nur die Wege und Kanäle, durch welche alles feinstofflich Lebendige geschlossener zu einer Menschenseele dringen kann, um sich dort auszuwirken. Bildlich ausgedrückt kann man sagen: Die Sterne geben das Signal für die Zeiten, in denen die rückläufigen Wechselwirkungen durch ihre Strahlenführung konzentrier-ter, geschlossener auf den Menschen strömen können. Ungünstigen oder feinstofflichen Sternenstrahlungen schließen sich üble in dem Feinstofflichen für den betreffenden Menschen schwebende Rück-wirkungen an, günstige Strahlungen dagegen der Gleichart entsprechend nur gute. Daher kommt es, dass die Berechnungen an sich nicht ganz wertlos sind. Doch es ist dabei unbedingte Voraussetzung, dass bei ungünstiger Bestrahlung eines Menschen für diesen auch ungünstige Wechselwirkungen rückläufig sind, oder bei günstiger Bestrahlung günstige. Sonst kann irgendeine Auswirkung nicht erfolgen. Wiederum aber sind auch die Sternenstrahlungen nicht etwa schemenhaft, für sich allein ohne Verbindung mit den anderen Kräften unwirksam, sondern sie besitzen auch selbsttätige Auswirkungen in einer gewissen Absperrung. Sind für einen Menschen in der feinstofflichen Welt nur schlechte Rückwirkungen fällig und am Werke, so wird deren Tätigkeit in den Tagen oder Stunden günstiger Sternenbestrahlung je nach der Bestrahlungsart abgesperrt, zurückgedrängt, oder doch wenigstens stark eingedämmt. Ebenso natürlich auch umgekehrt, so dass bei arbeitenden guten Rückwirkungen durch ungünstige Bestrahlung das Günstige die den Strahlungen entsprechende Zeit abgestellt wird.
Wenn also die Kanäle der Sternenstrahlungen durch Mangel an gleichartigen Wirkungen leer laufen, so dienen sie doch immerhin noch zur zeitweisen Absperrung eventuell andersartiger Wechselwirkungen, sodass sie also nie ganz ohne Einfluss bleiben. Es können nur nicht gerade gute Strahlungen immer Gutes oder üble Strahlen immer Übles bringen, so derartiges für den Betreffenden in den Rückwirkungen nicht bereit liegt.
Es ist kein Widerspruch in diesen Betrachtungen. Die Astrologen können darauf nicht sagen: „Nun also, da haben wir doch recht“. Denn dieses Rechthaben ist nur bedingungsweise und sehr eingeschränkt. Es berechtigt nicht zu den oft anmaßenden Behauptungen und geschäftlichen Anpreisungen. Leerlaufende Sternenstrahlungs-Kanäle können wohl Unterbrechungen bringen, aber nichts anderes, weder Gutes noch Übles. Zugegeben muss wiederum werden, dass in gewissem Sinne die zeitweise Unterbrechung übler Rückwirkungen an sich auch schon etwas Gutes ist. Schafft es doch dem vom Übel arg Bedrängten Zeit zum Aufatmen und damit Kraft zu weiterem Ertragen.
Die Berechnungen der Astrologen können trotz allem begrüßt werden, wenn die vielfache Großsprecherei und Reklame so mancher nicht beachtet wird. Doch es sprechen außerdem noch andere wichtige Faktoren mit, die die Berechnungen sehr unzuverlässig werden lassen, sodass sie in Wirklichkeit in der Allgemeinheit mehr Schaden wie Nutzen anrichten.
Es kommen nämlich nicht nur die wenigen Sterne in Betracht, die den Astrologen zur Berechnung heute zur Verfügung stehen. Zahllose andere, von Astrologen nicht einmal gekannte Sterne spielen, die die Wirkungen vermindernd, stärkend, kreuzend und verschiebend, eine so große Rolle, dass das Schlussbild der Berechnung oft ganz entgegenstehend sein kann dem, was dem besten Astrologen heute zu sagen möglich ist.
Zuletzt ist noch ein weiterer Punkt ausschlaggebend, der größte und der schwierigste: das ist die Seele eines jeden Menschen! Nur wer außer allen anderen Erfordernissen jede einzelne dieser Seelen mit all ihren Fähigkeiten, Eigenschaften, Karma-Verwicklungen, sowie in ihrem ganzen Streben, kurz, in ihrer wirklich jenseitigen Reife oder Unreife bis auf den letzten Grad genau abwägen kann, der könnte allenfalls Berechnungen wagen! Sternenstrahlungen können für einen Menschen noch so günstig sein, es wird ihn nichts Lichtes, also Gutes treffen können, wenn er viel Dunkles durch den Zustand seiner Seele um sich hat. Im umgekehrten Falle aber wird dem Menschen, dessen Seelenzustand nur die Reinheit und das Lichte um sich duldet, die Ungünstigste aller Sternenströmungen nicht so viel drücken können, dass er ernstlich Schaden davon trägt, es wird sich zuletzt immer nach dem Guten wenden müssen. So einseitig, wie es die Jünger der Astrologie sich bei ihrer Berechnung vorstellen, ist die Allmacht und die Weisheit Gottes nicht. Dieser stellt das Schicksal seiner Menschen, also deren Wohl und Wehe, nicht nur auf die Strahlungen der Sterne ein. Wohl wirken diese kraftvoll mit, nicht nur bei jedem Einzelmenschen, sondern in dem ganzen Weltgeschehen Doch sie sind auch nur Werkzeuge darin, deren Betätigung mit vielen anderen nicht nur zusammenhängt, sondern damit auch abhängig in seinen Möglichkeiten aller Auswirkungen bleibt. Auch wenn so manche Astrologen wähnen, intuitiv zu arbeiten, unter Eingebung, Inspiration, so kann das nicht so viel zur Vertiefung beitragen, dass man viel größeres Vertrauen auf das Nahekommen einer Wirklichkeit der Berechnungen verwenden dürfte.
Deren Eingebungen können nicht von hoher Warte kommen, es bleibt von dort ein Schleier vorgezogen, durch die unermessliche Kluft, die zwischen dem alles überschauenden Geiste und der Menschheit ist. Die Berechnungen bleiben einseitiges Stückwerk und unzulänglich, lückenhaft. Kurz: unvoll-kommen, also falsch. Sie bringen Unruhe unter die Menschen. Unruhe aber ist der Seele gefährlichster Feind; denn sie erschüttert die Mauer des natürlichen Schutzes und lässt gerade dadurch Übles herein, das sonst keinen Eingang gefunden haben würde. Und unruhig werden viele Menschen, die sich sagen, dass sie zur Zeit üble Strahlungen haben. Zu vertrauensselig und damit unklug aber oft, wenn sie überzeugt sind, gerade guten Strahlungen unterworfen zu sein. Bei der Mangelhaftigkeit aller Berechnungen bürden sie sich damit nur unnötige Sorgen auf, anstatt immer einen freien, frohen Geist zu haben, der zur Abwehr mehr Kraft aufbringt, als die stärksten üblen Strömungen zu drücken vermögen. Die Astrologen sollten, wenn sie nicht anders können, ihre Arbeiten ruhig fortsetzen und sich darin zu vervollkommnen suchen, aber nur im Stillen und für sich selbst, wie es wirklich Ernstzunehmende unter ihnen auch tun! Andere Menschen müssen sie mit solchen Unvollkommenheiten noch verschonen, da diese nur verderbenbringend wirken und als Frucht Erschütterung des Selbstvertrauens bringen, schädigende Bindung freier Geister, die unbedingt vermieden werden muss.
Symbolik im Menschenschicksal.
Wenn die Menschen nicht in den Notwendigkeiten und den vielen Nichtigkeiten des Alltags vollständig aufgehen würden, sondern auch noch einige Aufmerksamkeit dazu verwenden wollten, die großen und die kleinen Geschehnisse in ihrer Umgebung etwas aufmerksamer zu beobachten, so müsste ihnen bald eine neue Erkenntnis kommen. Sie würden über sich selbst erstaunt sein und es kaum glaublich finden, dass sie bis dahin über so Auffallendes gedankenlos hinwegsehen konnten. Und es liegt auch aller Grund vor, mitleidsvoll über sich selbst die Köpfe zu schütteln. Bei nur einiger Beobachtung wird ihnen plötzlich eine ganze Welt streng geordneten, lebendigen Geschehens eröffnet, die eine straffe Führung von höherer Hand deutlich erkennen lassen: Die Welt der Symbolik!
Diese wurzelt tief in dem feinstofflichen Teile der Schöpfung, nur die äußersten Enden treten als Ausläufer in das irdisch Sichtbare hinein. Es ist wie bei einem anscheinend ganz in Ruhe befindlichen Meere, dessen dauernde Bewegungen nicht sichtbar sind, sondern nur in ihren letzten Ausläufern am Strande beobachtet werden können. Der Mensch ahnt nicht, dass er bei ganz geringer Mühe durch etwas Aufmerksamkeit die für ihn so einschneidende und von ihm gefürchtete Tätigkeit des Karmas klar beobachten kann. Es ist ihm möglich, vertrauter damit zu werden, wodurch nach und nach die bei denkenden Menschen oft erwachende Furcht mit der Zeit abfällt und das Karma seine Schrecken verliert. Für viele kann es ein Weg zum Aufstiege werden, wenn sie durch irdisch sichtbare Geschehnisse die tiefsten Wellen des feinstofflichen Lebens fühlen lernen und ihm nachgehen können, wodurch mit der Zeit die Überzeugung von dem Vorhandensein unbedingt folgerichtiger Wechselwirkungen ersteht. Ist ein Mensch aber erst einmal dazu gekom-men, so fügt er sich langsam Schritt für Schritt bis er zuletzt die streng logisch und lückenlos treibende Kraft des bewussten göttlichen Willens in der ganzen Schöpfung erkennt, also in der grobstofflichen und feinstoffli-chen Welt. Von dem Augenblicke an wird er mit ihr rechnen, sich ihr freiwillig beugen. Das bedeutet aber für ihn ein Schwimmen in der Kraft, deren Auswirkungen nur noch nutzbringend für ihn sein können. Sie dient ihm, weil er sie zu verwenden weiß, indem er sich selbst richtig einfügt, einstellt. So kann sich dann die Wechselwirkung nur noch als Glücksbringer für ihn auslösen. Lächelnd sieht er dann jedes biblische Wort buchstäblich erfüllt, das ob seiner kindlichen Einfachheit ihm manchmal ein Stein des Anstoßes werden wollte, das zu erfüllen ihm oft deshalb schwer zu werden drohte, weil es nach seiner bisherigen Meinung einen Sklavensinn erforderte. Das von ihm unangenehm empfundene despotische Gehorsamsverlangen wird vor seinen sehend gewordenen Augen nach und nach zu der höchsten Auszeichnung, die einem Geschöpf widerfahren kann. Zu einem wahrhaft göttlichen Geschenk, das die Möglichkeit zu einer ungeheueren geistigen Kraftentfaltung in sich trägt, die ein persönlich bewusstes Mitwirken in der herrlichen Schöpfung zulässt. Die Ausdrücke: „Nur wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden“, der Mensch muss sich „demütig vor seinem Gott beugen“, um in dessen Reich eingehen zu können, er soll „gehorchen“, dienen“, und was der biblischen Ratschläge noch mehr sind, sie stoßen den modernen Menschen in dieser einfachen, kindlichen und doch so treffenden Ausdrucksart von vornherein etwas ab, weil sie seinen Stolz verletzen, der in dem Bewusstsein des Verstandeswissens liegt. Er will nicht mehr so blind geführt sein, sondern selbst erkennend bewusst in allem mitwirken und den zu allem Großen notwendigen inneren Aufschwung aus Überzeugung zu erhalten. Und das ist kein Unrecht!
Der Mensch soll mit seiner Fortentwicklung in der Schöpfung bewusster dastehen, als es früher war. Und wenn er mit Freude erkannt haben wird, dass die einfachsten biblischen Ausdrücke in ihrer der heutigen Zeit so fremden Art genau alles das anraten, wozu er sich bei Kenntnis der gewaltigen Naturgesetze freiwillig und mit voller Überzeugung auch einschließt, so fällt es wie eine Binde von seinen Augen. Er steht erschüttert vor der Tatsache, dass er die alten Lehren bisher nur verwarf, weil er sie nur falsch gedeutet hatte, und nie ernsthaft versuchte, richtig in sie einzudringen, sie mit dem heutigen Auffassungsvermögen in Einklang zu bringen.
Ob nun gesagt wird: „In Demut sich dem Willen Gottes beugen“, oder „nach richtigem Erkennen der gewaltigen Naturgesetze sich deren Art und Wirken nutzbar machen“, ist ein und dasselbe.
Nutzbar machen kann sich der Mensch die Kräfte, die den Willen Gottes tragen nur dann, wenn er sie genau studiert, also erkennt und sich dann darnach richtet. Das Mit-ihnen-rechnen oder Sich-darnach-richten ist in Wirklichkeit aber weiter nichts ein Sich-Einfügen, also ein Sich Beugen! Sich nicht gegen diese Kräfte stellen, sondern mit ihnen gehen. Nur indem der Mensch seinen Willen der Eigenart der Kräfte anpasst, also in die gleiche Richtung geht, vermag er die Gewalt der Kräfte auszunützen. Das ist kein Bezwingen der Kräfte, sondern ein sich demutsvoll Beugen vor dem Göttlichen Willen! Wenn der Mensch so manches auch eigene Klugheit nennt oder eine Errungenschaft des Wissens, so ändert dies nichts an der Tatsache, dass alles nur ein so genanntes „Finden“ von Auswirkungen bestehender Naturgesetze bedeutet, also des göttlichen Willens, den man damit „erkannt“ hat und mit der Auswertung oder Verwendung sich diesem Willen „fügt“. Es ist dies unbedingt ein demutsvolles Beugen vor dem Willen Gottes, ein „Gehorchen“!
Doch nun zu der Symbolik! Alles Geschehen in der Schöpfung, also in der Stofflichkeit, muss in seinem Kreislauf einen richtigen Abschluss erhalten, oder wie man auch sagen kann: es muss sich als Ring schließen. Deshalb kehrt nach den Schöpfungsgesetzen auch alles unbedingt auf seinen Ausgangspunkt zurück, wo allein es sein Ende finden kann, also erlöst, ausgelöst oder als Wirkendes ausgelöscht wird. So ist es mit der ganzen Schöpfung selbst, wie auch mit jedem einzelnen Geschehen. Daraus entsteht die unbedingte Wechselwirkung die wiederum die Symbolik nach sich zieht.
Da alle Handlungen dort enden müssen, wo sie entstanden sind, so ergibt sich daraus, dass jede Handlung auch in gleicher Stoffart enden muss, in der sie entstand. Also feinstofflicher Anfang muss feinstoffliches Ende haben, grobstofflicher Anfang aber grobstoffliches Ende. Das feinstoffliche vermögen die Menschen nicht zu sehen, das grobstoffliche Ende eines jeden Geschehens aber nennen sie Symbolik. Es ist ihnen wohl sichtbar, aber es fehlt Vielen der eigentliche Schlüssel dazu, der Anfang, der in den meisten Fällen in einem vorhergegangenen grobstofflichen Sein liegt.
Wenn auch hierbei der größte Teil alles Geschehens der Wechselwir-kung nur in der feinstofflichen Welt erfolgt, so könnte doch das also arbeitende Karma niemals eine Ablösung finden, wenn das Ende nicht in irgend einer Art in die grobstoffliche Welt hineinspielt und dort sichtbar wird. Erst mit einem dem Sinne der Wechselwirkung entsprechendem Vorgang kann ein laufender Ring geschlossen werden, wodurch die vollkommene Ablösung erfolgt, gleichviel, ob dies je nach Art des einstmaligen Anfangs gut oder böse ist, Glück oder Unglück bringt, Segen oder durch Auflösung Vergebung. Diese letzte Auswirkung muss kommen, an gleicher Stelle, wo der Ursprung liegt, also bei dem Menschen, der durch irgend eine Handlung einst den Anfang dazu gab. In keinem einzigen Falle ist sie zu vermeiden.
Wenn nun der betreffende Mensch sich unterdessen innerlich verändert hat, derart, dass Besseres in ihm lebendig wurde, als die einstmalige Handlung war, so kann die Rückwirkung in ihrer Art nicht festen Fuß fassen. Sie findet keinen gleichartigen Boden mehr in der aufwärtsstrebenden Seele, die lichter und damit leichter geworden ist nach dem Gesetz der geistigen Schwere.*3) Die natürliche Folge ist, dass eine trübe Auswirkung bei dem Herannahen von der lichten Umgebung des betreffenden Menschen durchsetzt und somit bedeutend abgeschwächt wird. Aber trotzdem muss das Gesetz des Kreislaufes und der Wechsel-wirkung voll erfüllt werden in seiner selbsttätigen Kraft. Ein Aufheben irgend eines Naturgesetzes ist unmöglich.
Deshalb wird sich so eine abgeschwächte rücklaufende Wechselwir-kung den unverrückbaren Gesetzen entsprechend auch sichtbar grobstofflich auswirken müssen, um wirklich abgelöst, also ausgelöscht zu sein. Das Ende muss in den Anfang zurückfließen. Wegen der lichtgewordenen Umgebung vermag aber dunkles Karma dem betreffenden Menschen nicht Schaden zu bringen, und so geschieht es, dass diese abgeschwächte Wechselwirkung nur derart auf die nähere Umgebung wirkt, dass der Betroffene in die Lage kommt, irgend etwas Freiwilliges zu tun, dessen Art nur noch dem Sinne der rückwirkenden Wechselwirkung entspricht. Der Unterschied von der eigentlichen ungebrochenen Stärke der für ihn bestimmt gewesenen Auswirkung des rücklaufenden dunklen Stromes ist der, dass es ihm keinerlei Schmerzen bereitet oder Schaden bringt, sondern vielleicht sogar Freude macht.
Das ist dann eine rein symbolische Auslösung manchen schweren Karmas, aber den Gesetzen in der Schöpfung vollkommen entsprechend, durch die Veränderung des Seelenzustandes selbsttätig derart wirkend. Deshalb bleibt es den meisten Menschen auch oft ganz unbewusst. Das Karma ist dann gelöst, der unverrückbaren Gerechtigkeit bis in die zartesten Strömungen Genüge getan. In diesen nach den Schöpfungs-gesetzen selbstverständlichen Vorgängen liegen so gewaltige Gnadenakte, wie sie nur die Allweisheit des Schöpfers in seinem vollkommenen Werk herbeiführen konnte.
Solcher rein symbolischen Auslösungen bei sonst schwer treffenden Wechselwirkungen gibt es viele!
Nehmen wir ein Beispiel: Ein einst harter, herrschsüchtiger Charakter hat in Ausübung dieser Eigenschaften durch Bedrückung seiner Mitmen-schen schweres Karma auf sich geladen, das lebendig in seiner Eigenart den Kreislauf geht und dann in gleicher vielfach verstärkter Art auf ihn zurückfallen muss. Beim Herannahen wird diese durch das Gesetz der Anziehungskraft feinstofflicher Gleichart oft ungeheure verstärkte Strömung der rücksichtslosen Herrschsucht die ganze feinstoffliche Umgebung des Betroffenen so durchsetzt, dass sie einschneidend auf die mit ihr eng zusammenhängende grobstoffliche Umgebung wirkt und damit Verhältnisse schafft, die den einstigen Urheber zwingen, in weit größerem Maße unter gleicher Herrschsucht zu leiden, als die von ihm früher gepeinigten Mitmenschen.
Ist so ein Mensch aber inzwischen bereits zu besserer Erkenntnis gekommen und hat durch ehrliches Bemühen zum Aufstiege eine lichte und leichtere Umgebung gewonnen, so verändert sich selbstverständlich damit auch die Art der letzten Auswirkung. Das zückkommende dichtere Dunkel wird je nach der Lichtstärke der neuen Umgebung des Betroffenen von diesem Lichte mehr oder weniger durchdrungen, demnach auch mehr oder weniger unschädlich gemacht. Bei großem Emporstiege des früher so Herrschsüchtigen, also bei einer außergewöhnlichen Besserung der Schuldigen, kann es nun geschehen, dass die eigentliche Auswirkung so gut wie aufgehoben ist und er nur vorübergehend etwas tut, das nach dem Äußeren einer Sühne ähnlich sieht. Nehmen wir an, es handelt sich um eine Frau. Da würde es genügen, dass sie einem Dienstmädchen einmal die Bürste aus der Hand nimmt, um ihr in aller Freundlichkeit zu zeigen, wie ein Fußboden gescheuert wird. Wenn es auch nur einige Bewegungen dieser Art sind, so ist doch der Symbolik des niedrigsten Dienens damit genügt. Diese kurze Handlung gibt eine Auslösung, die sichtbar geschehen musste und die trotz der Leichtigkeit ein schweres Karma zu beenden fähig ist.
Ebenso kann das Umräumen eines einzigen Zimmers das Symbol werden zur Beendigung und Aufhebung einer Schuld, deren Sühne oder Rückwirkung eigentlich eine größere, schmerzhaft einschneidende Umwälzung erfordert hätte. Diese Dinge ergeben sich auf irgend eine Weise aus den geschwächten Einflüssen einer Rückwirkung, oder zufällige Handlungen werden auch manchmal von der geistigen Führung geschickt dazu benützt, eine Ablösung damit herbeizuführen.
Bei allem diesen ist natürlich Voraussetzung, dass ein ungewöhnlich großer Aufschwung und die damit verbundene Veränderung des Seelenzustandes schon eingetreten ist. Umstände, die ein Astrologe natürlich nicht in Betracht zu ziehen vermag und dadurch oft unnötige Sorgen durch seine Berechnungen hervorruft, manchesmal sogar derartige Angst, dass deren Stärke allein schon Unangenehmes herbeizuführen oder neu zu bilden vermag, wodurch sich dann, allerdings nur anscheinend, eine Berechnung erfüllt, die sonst ohne diese Angst sich als falsch erwiesen haben würde. In solchen Fällen aber hat der betreffende Mensch selbst eine Türe in dem ihn umgebenden Lichtkreis durch seine Angst geöffnet. Wo er freiwillig selbst die Hand hinausstreckt durch die schützende Hülle, Kann ihm von keiner Seite geholfen werden. Sein eigener Wille bricht von innen heraus jeden Schutz, während von außen her ohne sein eigenes Wollen nichts durch das Licht an ihn heranzutreten vermag.
Somit kann sich die kleinste Gefälligkeit seinen Mitmenschen gegen-über, ein wirklich gefühltes Leid des Nächsten, ein einziges freundliches Wort, zur symbolischen Ablösung eines Karmas formen, sobald innerlich als Grund das ernste Wollen zu Gutem gelegt ist.
Dies muss natürlich vorausgehen; denn sonst kann von einer symbolischen Ablösung nicht die Rede sein, weil alles Rückströmende sich dann in jeder Beziehung voll auswirkt. Sobald aber das ernste Wollen zum Aufstiege in dem Menschen wirklich einsetzt, kann er sehr bald beobachten, wie nach und nach mehr und mehr Leben in seine Umgebung kommt, als ob ihm alle möglichen Dinge in den Weg gelegt würden, die aber immer gut ausgehen. Es fällt ihm direkt auf. Zuletzt kommt ebenso auffallend dann ein Abschnitt, bei dem mehr Ruhe einsetzt, oder alles Geschehen deutlich erkennbar auch zu irdischem Aufschwunge dient. Dann ist die Zeit der Ablösungen vorüber. Mit frohem Dank kann er sich dem Gedanken hingeben, dass viel Schuld von ihm abgefallen ist, die er sonst hätte schwer büßen müssen. Dann sei er auf der Wacht, dass alle Schicksalsfäden, die er durch sein Wollen und Wünschen neu anknüpft, nur gut sind, damit auch ihn nur Gutes wieder treffen kann!
Glaube.
Der Glaube ist nicht so, wie ihn die größte Zahl der sogenannten Gläubigen zeigt. Der eigentliche Glaube ersteht erst dann, wenn man sich den Inhalt der Gottesbotschaften zu eigen und damit zur lebendigen, ungezwungenen Überzeugung gemacht hat.
Gottesbotschaften kommen durch sein Wort, sowie durch seine Schöpfung. Alles zeugt von ihm in seinem Willen. Sobald ein Mensch das ganze Werden und Sein bewusst erleben kann, wird sein Empfinden, Denken und Wirken eine einzige freudige Gottesbejahung sein. Dann aber wird er still, spricht nicht viel davon, ist aber eine Persönlichkeit geworden, die mit dieser stillen Gottesverehrung, die man auch Gottvertrauen nennen kann, fest und sicher in der ganzen Schöpfung steht. Er wird nicht in Fantastereien schweben, nicht in Verzückung geraten, ebenso wenig auf Erden nur im Geistigen leben, sondern mit gesunden Sinnen und frischem Mute auch sein Erdenwerk vollbringen und dabei auch den kühlen Verstand bei notwendiger Gegenwehr im Angegriffensein geschickt als scharfe Waffe verwenden, natürlich ohne dabei ungerecht zu werden. Er soll durchaus nicht schweigsam dulden, wenn ihm Unrecht geschieht. Sonst würde er damit das Böse unterstützen und stärken.
Nun gibt es aber sehr viele Menschen, die sich nur gläubig dünken! Trotz allen inneren Zugebens des Vorhandenseins Gottes und seines Wirkens fürchten sie das Lächeln der Zweifler. Es ist ihnen peinlich, unbequem, sie gehen still mit diplomatischem Gesichtsausdrucke bei Unterhaltungen darüber hinweg, und machen aus Verlegenheit den Zweiflern durch ihr Verhalten dauernd Konzessionen. Das ist nicht Glaube sondern nur ein inneres Zugeben! Sie verleugnen damit in Wirklichkeit ihren Gott, zu dem sie im Stillen beten und von ihm daraufhin alles Gute erwarten.
Die falsche Rücksichtnahme den Zweiflern gegenüber kann nicht damit entschuldigt werden, dass den „Gläubigen“ die Sache zu „heilig und zu ernst ist“, als dass sie sie eventueller Verspottung aussetzen möchten. Es ist auch keine Bescheidenheit mehr zu nennen, sondern lediglich niedere Feigheit! Heraus endlich mit der Sprache, wess’ Geistes Kinder ihr seid! Furchtlos jedem Menschen gegenüber, mit dem Stolze, der der Gotteskindschaft gebührt! Nur dann werden auch die Zweifler ihren nur Unsicherheit verratenden Spott endlich zu zügeln gezwungen sein. Jetzt aber wird er durch das furchtsame Verhalten vieler „Gläubigen“ nur großgezogen und genährt.
Diese Menschen betrügen sich selbst, weil sie dem Wort „Glaube“ eine ganz andere Bedeutung beigelegt haben, als dieses Wort verlangt. Der Glaube muss lebendig sein, das heißt, er muss noch mehr als Überzeugung werden, zur Tat! Zur Tat ist er geworden, sobald er alles durchdrungen hat, das ganze Empfinden, Denken und Tun. Er muss von innen heraus in allem, was zu dem Menschen gehört, unaufdringlich fühlbar und sichtbar werden, also zur Selbstverständlichkeit. Man darf ihn weder als Attrappe noch als Schild nur vorhalten. Sondern alles äußerlich fühlbar Werdende muss lediglich das natürliche Ausstrahlen des inneren geistigen Kernes ergeben. Volkstümlich gesprochen, muss also der rechte Glaube eine Kraft sein, die vom Geiste des Menschen ausstrahlend sein Fleisch und Blut durchdringt und so eine einzige natürliche Selbstverständlichkeit wird. Nichts gekünsteltes, nichts Gezwungenes, nichts Erlerntes, sondern nur Leben!
Seht euch viele Gläubige an: Diese behaupten, an ein Fortleben nach dem Tode unbedingt zu glauben, richten auch anscheinend ihre Gedanken darauf ein. Wird ihnen aber irgend einmal Gelegenheit, einen über die einfache Beobachtung hinausgehenden Beweis dieses jenseitigen Lebens zu erhalten, so sind sie erschreckt oder tief erschüttert! Damit aber zeigen sie gerade, dass sie im Grunde noch nicht so überzeugt von dem jenseitigen Leben waren; denn sonst müßte ihnen ein derartiger gelegentlicher Beweis nur ganz natürlich vorkommen. Sie dürfen also weder erschrecken noch darüber besonders erschüttert sein. Neben diesem gibt es noch zahllose Vorgänge, die deutlich offenbaren, wie wenig gläubig doch die so genannten Gläubigen sind. Der Glaube ist nicht lebendig in ihnen.
Irdische Güter.
Es taucht sehr oft die Frage auf, ob sich der Mensch von irdischen Gütern trennen oder diesen Nichtachtung entgegenbringen soll, wenn er nach geistigem Gewinne strebt. Töricht wäre es, einen derartigen Grundsatz aufzustellen! Wenn es heißt, dass der Mensch nicht an irdischen Gütern hängen darf, sobald er nach dem Himmelreich strebt, so ist damit nicht gesagt, dass er irdische Güter verschenken oder wegwerfen soll, um in Armut zu leben. Der Mensch kann und soll froh genießen von dem, was ihm Gott durch seine Schöpfung zugänglich macht. An irdischen Gütern „nicht hängen dürfen“ bedeutet nur, dass sich ein Mensch nicht soweit hinreißen lassen soll, ein Zusammenraffen von irdischen Gütern als obersten Zweck seines Erdenlebens anzusehen, sich also durch vorwiegend an diesen einen Gedanken „zu hängen“. Eine derartige Einstellung müßte ihn ganz selbstverständlich von höheren Zielen ablenken. Er hätte dann dazu keine Zeit mehr und würde wirklich mit allen Fasern seines Seins nur noch an diesem einen Ziele des Erwerbes irdischen Besitzes hängen. Sei es nun um der Güter selbst willen, oder der Vergnügung halber, die der Besitz ermöglicht, oder auch wegen anderer Zwecke, gleichviel, es bliebe im Grunde immer dasselbe Ergebnis. Der Mensch hängt und bindet sich damit an das rein Irdische, wodurch er den Blick nach oben verliert und nicht aufwärts kommen kann.
Diese falsche Auffassung, dass irdische Güter nicht zu einem geistigen Höherstreben gehören, hat ja bei der Mehrheit der Menschen auch den unsinnigen Begriff nach sich gezogen, dass alle geistigen Bestrebungen nichts mit irdischen Gütern gemein haben dürfen, wenn sie für ernst genommen werden sollen. Welchen Schaden sich die Menschheit damit selbst zuzog, ist ihr sonderbarerweise nie bewusst geworden.
Sie entwerten sich damit die geistigen, also höheren Gaben, die ihnen zu teil werden können; denn weil durch diese sonderbare Einstellung alle geistigen Bestrebungen bisher auf Opfer und Schenkungen angewiesen sein sollten, ähnlich wie die Bettler, so schlich sich damit auch unbemerkt die gleiche Einstellung, die den Bettlern gegenüber entsteht, auch den geistigen Bestrebungen gegenüber ein. Diese konnten dadurch nie die Achtung erwerben, die ihnen eigentlich in allererster Linie gebührt. Die Bestrebungen selbst aber mußten aus dem gleichen Grunde stets von vornherein den Todeskeim in sich tragen, weil sie nie fest auf eigenen Füßen stehen konnten, sondern immer abhängig bleiben von dem guten Willen der Menschen. Gerade um sein Heiligstes, das Geistige, der Menschheit gegenüber zu schützen und zu wahren, darf ein ernsthaft Strebender irdische Güter nicht verachten! Sie müssen ihm in der grobstofflichen Welt vorwiegend jetzt als Schild dienen, um Gleiches mit Gleichem abwehren zu können. Ein ungesunder Zustand würde herbeigeführt, wenn in der Zeit der Materialisten geistig Aufwärts-strebende die stärkste Waffe der skrupellosen Gegner verachten wollten! Es wäre dies ein Leichtsinn, der sich sehr schwer rächen könnte.
Darum ihr wahrhaft Gläubigen, verachtet nicht irdische Güter, die auch nur durch den Willen des Gottes geschaffen werden konnten, den ihr zu ehren sucht! Doch lasst euch nicht von der Behaglichkeit einschläfern, die der Besitz irdischer Güter mit sich bringen kann, sondern macht gesunden Gebrauch davon.
Ebenso ist es mit besonderen Gaben solcher Kräfte, die zu Heilungen verschiedener Krankheiten dienen, oder mit ähnlichen segensreichen Befähigungen. In der naivsten, oder wollen wir richtiger sagen, unverfrorensten Weise setzen die Menschen voraus, dass ihnen diese Fähigkeiten unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden, weil sie ja auch aus dem Geistigen als besonderes Geschenk zur Ausübung gegeben wurden. Es geht sogar so weit, dass manche Menschen noch eine spezielle Freudenbezeugung erwarten, wenn sie sich „herabgelassen“ haben, in großer Not sich Hilfe solcher Art zu bedienen. Derartige Menschen müssen ausgeschlossen werden von aller Hilfe, auch wenn es die einzige wäre, die ihnen noch helfen könnte!
Die also begabten Menschen aber sollten ihr Gottgeschenk erst einmal selbst höher einschätzen lernen, damit nicht immer Perlen vor die Säue geworfen werden. Sie brauchen zu einer ernsten Hilfeleistung weit mehr körperliche und feinstoffliche Kraft, sowie auch Zeit, als ein Jurist zu seiner besten Verteidigungsrede, oder ein Arzt bei vielen Kranken-besuchen, oder ein Maler bei der Schaffung eines Bildes. Keinem Menschen würde es je einfallen, dem Juristen, dem Arzte oder dem Maler eine kostenlose Tätigkeit zuzumuten, trotzdem ein gutes Auffassungsvermögen wie jede andere Begabung auch nur ein „Gottgeschenk“ ist, nichts anderes. Werft diese Bettelkleider endlich ab und zeigt euch in dem Gewande, das euch gebührt.
Der Tod.
Etwas an das alle Menschen ohne Ausnahme glauben, ist der Tod! Ein jeder ist von seinem Eintreten überzeugt. Er ist eine der wenigen Tatsachen, über die keinerlei Streit und keinerlei Unwissenheit herrscht. Doch trotzdem alle Menschen von Kindheit an damit rechnen, einmal sterben zu müssen, sucht doch die Mehrzahl von Kindheit an den Gedanken daran immer abzuwehren. Viele werden sogar heftig, wenn in ihrer Gegenwart einmal davon gesprochen wird. Andere wieder vermeiden es sorgfältig, Friedhöfe aufzusuchen, gehen Begräbnissen aus dem Wege und suchen jeden Eindruck möglichst schnell zu verwischen, wenn sie doch einmal einem Trauerzuge auf der Straße begegnen. Dabei drückt sie immer eine geheime Angst, dass sie einmal plötzlich von dem Tode überrascht werden könnten. Unbestimmte Furcht hält sie davon ab, mit ernsten Gedanken an diese unverrückbare Tatsache heranzutreten.
Es gibt kaum ein zweites Vorkommnis, das bei seiner Unumgäng-lichkeit immer wieder in Gedanken so zur Seite geschoben wird, als der Tod. Kaum aber auch ein so bedeutungsvoller Vorgang im irdischen Leben, außer der Geburt. Es ist doch auffallend, dass sich der Mensch gerade mit dem Anfang und dem Ende seine Erdenseins so wenig beschäftigen will, während er allen anderen Vorgängen, sogar ganz nebensächlichen Dingen, eine tiefe Bedeutung beizulegen sucht. Er forscht und grübelt über alles Zwischengeschehen mehr als über das, was ihm über alles Aufklärung bringen würde: der Anfang und das Ende seines Erdenlaufes. Tod und Geburt sind so eng verbunden, weil eines die Folge des anderen ist.
Wie wenig Ernst wird schon bei der Zeugung beigelegt! Wohl in sehr seltenen Fällen ist dabei etwas Menschenwürdiges zu finden. Gerade in diesem Vorgange stellen sich die Menschen mit Vorliebe den Tieren gleich und vermögen es doch nicht, deren Harmlosigkeit darin beizubehalten. Das gibt eine Stellungnahme unter das Tier. Denn dieses handelt nach seiner Stufe, die es in der Schöpfung inne hat. Der Mensch jedoch vermag es nicht, oder will es nicht, die ihm gebührende Stufe einzuhalten. Er steigt tiefer herab und wundert sich dann, wenn es in verschiedenen Beziehungen mit der ganzen Menschheit nach und nach herab geht. Schon die Gebräuche der Hochzeiten sind alle darauf eingestellt, den Ehebund als rein irdische Angelegenheit zu betrachten. Es geht dabei in vielen Fällen sogar so weit, dass ernst angelegte Naturen sich mit Ekel vor unzweideutigen, nur auf irdischen Verkehr hinweisenden Einzelheiten abwenden möchten. Die Hochzeitsfeiern in niederen, wie auch in besseren Kreisen sind in vielen Fällen nur zu regelrechten Kuppelorgien ausgeartet, denen beizuwohnen alle ihrer hohen Verantwortung bewussten Eltern den Kindern mit schärfster Strenge untersagen müssen. Jünglinge und Jungfrauen aber, welche bei diesen Sitten und Anspielungen während eines solchen Festes nicht selbst Abscheu in sich erstehen fühlen, und aus diesem Grunde in ihrer eigenen Verantwortlichkeit für ihr Tun und Lassen nicht fern bleiben, sind sowieso schon auf gleich niedere Stufe zu rechnen, können also bei einer Beurteilung nicht mehr in Betracht gezogen werden. Es ist, als ob die Menschen sich auch hierin durch einen vergifteten Rausch über etwas hinwegzutäuschen versuchen, an das sie nicht denken wollen.
Wenn dann das irdische Leben auf solch leichtfertigen Grundlagen aufgebaut wird, wie es schon Sitte und Gebrauch geworden ist, kann man verstehen, dass sich die Menschen auch über den Tod hinwegzutäuschen versuchen, indem sie sich krampfhaft bemühen, nicht daran zu denken. Dieses Hinwegschieben aller ernsten Gedanken steht in engem Zusammenhange mit der eigenen Tiefstellung bei der Zeugung. Die unbestimmte Furcht, die wie ein Schatten durch das ganze Erdenleben neben dem Menschen herläuft, entspringt zum großen Teile dem vollen Bewusstsein alles Unrechtes der leichtsinnigen, die Menschen entwürdigenden Handlungen. Und wenn sie gar nicht anders Ruhe bekommen können, so klammern sie sich zuletzt krampfhaft und gekünstelt an den Selbstbetrug, dass es entweder mit dem Tode ganz aus ist, wo sie das Bewusstsein ihrer Minderwertigkeit und ihrer Feigheit vor einer eventuellen Verantwortung voll bekunden, oder an die Hoffnung, dass sie auch nicht viel schlechter sind als andere Menschen.
Aber alle die Einbildungen ändern nicht ein Stäubchen an der Tatsache, dass der irdische Tod an sie herantritt. Mit jedem Tag, jeder Stunde kommt er näher! Jämmerlich sieht es oft aus, wenn in den letzten Stunden bei der Mehrzahl aller derer, die mit Starrheit eine Verantwortung in einem Fortleben wegzuleugnen versuchen, das große angstvolle Fragen einsetzt, welches beweist, wie sie an ihrer Überzeugung plötzlich irre werden. Es vermag ihnen dann aber nicht viel zu nützen; denn es ist wiederum nur Feigheit. Die sie kurz vor dem großen Schritt aus dem Erdenleben plötzlich die Möglichkeit eines Fortlebens und mit diesem einer Verantwortung vor sich sehen lässt. Angst aber Furcht und Feigheit lässt ebenso wenig die Verminderung oder Ablösung der unbedingten Wechselwirkung aller Handlungen zu wie Trotz. Ein Einsehen, also zur Erkenntnis kommen, geht auch nicht in dieser Weise vor sich. Sterbenden Menschen spielt dann aus Furcht heraus noch in den letzten Stunden ihre so oft im Erdenleben erprobte Verstandesklugheit einen üblen Streich, indem sie den Menschen plötzlich in gewohnter Vorsicht noch schnell verstandesfromm werden lassen möchte, sobald die Loslösung des weiterlebenden feinstofflichen Menschen von dem grobstofflichen Körper schon einen so hohen Grad erreicht hat, dass das Empfindungsleben in dieser Loslösung der Stärke des Verstandes gleichkommt, dem es bisher gewaltsam untergeordnet war.
Sie haben dadurch keinen Gewinn! Sie werden ernten was sie an Gedanken und Handlungen in ihrem Erdenleben gesät haben. Nicht das Geringste ist damit gebessert oder auch nur geändert! Unwiderstehlich werden sie in die Räder der streng arbeitenden Gesetzte der Wechselwirkung gezogen, um in diesen in der feinstofflichen Welt und ach später nochmals in der grobstofflichen Welt alles das durchzuleben, was sie fehlten, also aus falscher Überzeugung heraus dachten und handelten. Sie haben alle Ursache, die Stunde des Loslösens von dem irdischen Körper zu fürchten, der ihnen eine Zeit lang für viele feinstoffliche Vorgänge ein Schutzwall war. Dieser Schutzwall wurde ihnen als Schild und Deckung eine Zeit lang überlassen, damit sie hinter ihm in ungestörter Ruhe Vieles zum Besseren ändern und sogar ganz ablösen konnten, was sie ohne diesen Schutz schwer hätte treffen müssen.
Doppelt traurig, ja zehnfach ist es für den, der diese Gnadenzeit eines Erdendaseins in leichtsinnigem Selbstbetruge wie in einem Rausche durchtaumelt. Die Furcht und Angst ist also bei Vielen begründet.
Ganz anders mit denen, die ihr Erdendasein nicht vergeudeten, die noch zu rechter Zeit, wenn auch in später Stunde, aber nicht aus Furcht und Angst heraus den Weg geistigen Aufstieges betraten. Ihr ernstes Suchen nehmen sie als Stab und Stütze mit hinüber in die feinstoffliche Welt. Sie können ohne Furcht und Bangen den Schritt aus dem Grobstofflichen in das Feinstoffliche unternehmen, der für jeden unausbleiblich ist, da alles, was vergänglich ist, wie der grobstoffliche Körper, auch einmal wieder vergehen muss. Die Stunde dieser Ablösung können sie begrüßen, weil es für sie ein unbedingter Fortschritt ist, gleichviel, was sie im feinstofflichen Leben durchzuleben haben. Das Gute wird sie dann beglücken, das Schwere wird ihnen überraschend leicht gemacht; denn dabei hilft das gute Wollen kraftvoller, als sie es je geahnt haben.
Der Vorgang des Todes selbst ist weiter nichts, als die Geburt in die feinstoffliche Welt. Ähnlich dem Vorgange der Geburt in die grobstoffliche Welt. Der feinstoffliche Körper ist mit dem grobstofflichen Körper nach der Loslösung eine Zeit lang wie durch eine Nabelschnur verbunden, die um so weniger fest, je höher der also in die feinstoffliche Welt Geborene seine Seele schon in dem Erdensein nach der feinstofflichen Welt hin entwickelt hat, als Übergang in das Reich seines Gottes. Je mehr er sich selbst durch sein Wollen an die Erde kettete, also an das Grobstoffliche, und so von dem Fortleben in der feinstofflichen Welt nichts wissen wollte, desto fester gefügt wird durch dieses sein eigenes Wollen auch diese Schnur sein, die ihn an den grobstofflichen Körper bindet, und damit auch sein feinstofflicher Körper, den er als Gewand des Geistes in der feinstofflichen Welt bedarf. Je dichter aber sein feinstofflicher Körper ist, desto schwerer ist er nach den üblichen Gesetzen und desto dunkler muss er auch erscheinen. Er wird sich durch diese große Ähnlichkeit und nahe Verwandtschaft alles Grobstofflichen auch sehr schwer von dem grob-stofflichen Körper lösen, so dass es vorkommt, dass ein solcher auch die letzten grobstofflich-körperlichen Schmerzen noch mitfühlen muss, sowie den ganzen Verfall in der Verwesung. Bei Verbrennung bleibt er ebenfalls nicht unempfindlich. Nach endlicher Trennung dieser Verbindungsschnur aber sinkt er in der feinstofflichen Welt bis dahin hinab, wo seine Umgebung die gleiche Dichtheit und Schwere hat. Dort findet er dann in der gleichen Schwere auch lauter Gleichgesinnte vor. Dass es aber übler zugeht als auf Erden in dem grobstofflichen Körper, ist erklärlich, weil sich in der feinstofflichen Welt alle Empfindungen voll und ungehemmt ausleben.
Anders mit den Menschen, die den Aufstieg zu allem Edleren schon in dem Erdensein begannen. Weil diese die Überzeugung des Schrittes in die feinstoffliche Welt lebendig in sich tragen, ist die Loslösung auch viel leichter. Der feinstoffliche Körper und mit ihm die Verbindungsschnur ist nicht dicht, und dieser Unterschied in ihrer gegenseitigen Fremdheit mit dem grobstofflichen Körper lässt die Loslösung auch sehr schnell erfolgen, so dass der feinstoffliche Körper während des ganzen sogenannten Todeskampfes oder den letzten Muskelzuckungen des grobstofflichen Körpers schon lange neben diesem steht, wenn überhaupt von einem Todeskampfe bei normalem Sterben eines solchen Menschen gesprochen werden kann. Der lose undichte Zustand des Verbindungs-stranges lässt den danebenstehenden feinstofflichen Menschen keinerlei Schmerzen mitempfinden, da dieser leichte Verbindungsstrang in seinem undichten Zustande keinen Schmerzleiter vom Grobstofflichen zum Feinstofflichen abgeben kann. Dieser Strang sprengt auch in Folge seiner größeren Feinheit die Verbindung schneller, so dass der feinstoffliche Körper in viel kürzerer Frist vollkommen frei wird, und dann nach der Region in die Höhe schwebt, die aus der gleichen feineren und leichteren Art besteht. Dort wird auch dieser nur Gleichgesinnte treffen können und in dem erhöhten guten Empfindungsleben Frieden und Glück empfangen. Ein solcher leichter und weniger dichte feinstoffliche Körper erscheint naturgemäß auch heller und lichter, bis er zuletzt in so große Verfeinerung kommt, dass das in ihm ruhende Reingeistige strahlend durchzubrechen beginnt, bevor er ganz lichtstrahlend in das Rein-Geistig-Wesenhafte eingeht.
Die bei dem Sterbenden weilenden Menschen aber seien gewarnt, dass sie nicht in lautes Klagen ausbrechen. Durch den zu stark gezeigten Trennungsschmerz kann der in Loslösung begriffene oder vielleicht schon danebenstehende feinstoffliche Mensch ergriffen werden, es also hören oder fühlen. Erwacht dadurch in ihm das Mitleid oder der Wunsch, noch Trostesworte zu sagen, so bindet ihn dieses Verlangen wieder fester mit dem Bedürfnis, sich der schmerzerfüllt Klagenden verständlich bemerkbar zu machen. Irdisch verständlich machen kann er sich nur unter zu Hilfenahme des Gehirnes. Das Bestreben aber zieht die enge Verbindung mit dem grobstofflichen Körper nach sich, bedingt sie, und deshalb kommt als Folge, dass nicht nur ein noch in Loslösung begriffener feinstofflicher Körper sich wieder enger mit dem grobstofflichen Körper vereinigt, sondern auch ein bereits danebenstehender losgelöster feinstofflicher Mensch nochmals zurückgezogen wird in den grobstofflichen Körper. Ergebnis ist die Wiederempfindung aller Schmerzen, denen er schon enthoben war. Die erneute Loslösung erfolgt dann weit schwerer, sie kann sogar einige Tage anhalten. Dann entsteht der sogenannte verlängerte Todeskampf, der für den sich Lösenwollenden wirklich schmerzhaft und schwer wird. Schuld daran sind die, die ihn aus der natürlichen Entwicklung durch ihren egoistischen Schmerz zurückriefen. Durch diese Unterbrechung des normalen Laufes erfolgte eine neue, gewaltsame Bindung, sei es auch nur durch den schwachen Versuch einer Konzentration zur Verständlichmachung. Und diese widernatürliche Bindung wieder zu lösen ist dem damit noch unvollkommen Unbewanderten nicht so leicht. Geholfen kann ihm dabei nicht werden, da er selbst die neue Bindung wollte. Diese Bindung kann leicht eintreten, solange der grobstoffliche Körper noch nicht ganz erkaltet ist und der Verbindungsstrang besteht, der oft erst nach vielen Wochen zerreißt. Also eine unnötige Qual für den Hinübergehenden. Deshalb soll in einem Sterbezimmer unbedingte Ruhe herrschen! Ein der bedeutungsvollen Stunde entsprechender würdiger Ernst. Personen die sich nicht beherrschen können, sollen gewaltsam entfernt werden, auch wenn es die nächsten Angehörigen sind.
Wunder.
Die Erklärung dafür liegt in dem Worte selbst. Wunder ist ein Vorgang, über den ein Mensch in Verwunderung gerät. Es ist etwas, das er nicht für möglich hält, denn dass es möglich ist, hat ja das Eintreten des Wunders schon bewiesen.
Wunder nach den Vorstellungen vieler an Gott glaubender Menschen gibt es nicht! Diese halten ein Wunder für etwas außerhalb der Naturgesetze Geschehendes, sogar für etwas, das allen Naturgesetzen entgegensteht. Darin erblicken sie gerade das Göttliche! Ein Wunder ist für sie etwas, das nur ihrem Gotte möglich ist, der darin seine besondere Gnade zeigt und seine Allmacht dazu anwendet.
Die armen Menschen denken sich unter Allmacht irrtümlich die Möglichkeit von Willkürsakten und die Wunder als solche Willkürsakte. Sie überlegen sich nicht, wie sehr sie Gott damit verkleinern; denn diese Art Wunder würden nichts weniger als göttlich sein.
Im göttlichen Wirken liegt in erster Linie eine unbedingte Vollkommenheit, ohne Fehler, ohne Lücke. Und Vollkommenheit bedingt strengste Logik, unbedingte Folgerichtigkeit in jeder Beziehung. Ein Wunder muss sich demnach nur in lückenloser Folgerichtigkeit im Geschehen auswirken. Der Unterschied ist nur der, dass bei einem Wunder der für irdische Begriffe längere Zeit in Anspruch nehmende Entwicklungs-gang sich zwar in üblicher Weise abspielt, doch in so ungeheuerer Geschwindigkeit, sei es nun durch die einen Menschen besonders verliehene Kraft, oder durch andere Wege, dass es von dem Menschen durch das außergewöhnlich schnelle Geschehen als wunderbar bezeichnet werden kann, kurz als Wunder.
Es kann auch einmal etwas über die jetzige Entwicklung Hinausreichendes sein, das durch konzentrierte Kraft erfüllt wird. Aber es wird sich nie und nimmer außerhalb der bestehenden Naturgesetze stellen oder diesen sogar entgegen. In dem Augenblicke, der an sich sowieso unmöglich ist, würde es alles Göttliche verlieren und ein Akt der Willkür werden. Also gerade das Gegenteil von dem, was viele Gottes-gläubige wähnen. Alles, was einer strengen Folgerichtigkeit entbehrt, ist unmöglich. Jedes Wunder ist ein unbedingt natürlicher Vorgang, nur in außerordentlicher Schnelligkeit und konzentrierter Kraft; niemals kann etwas Unnatürliches geschehen. Das ist vollkommen ausgeschlossen.
Erfolgen Heilungen bisher als unheilbar geltender Krankheiten, so ruht darin keine Veränderung der Naturgesetze, sondern es zeigt nur die großen Lücken des menschlichen Wissens. Umso mehr muss es als Gnade des Schöpfers erkannt werden, der einzelne Menschen hier und da mit besonderer Kraft begabt, die sie zum Heile der Menschheit verwenden können. Immer aber werden es nur solche sein, die sich allem Dünkel einer Wissenschaft fernhielten, da das erdgebundene Wissen die Fähigkeit, höhere Gaben entgegenzunehmen, ganz naturgemäß erstickt.
Erdgebundenes Wissen will erringen, vermag niemals rein, also kindlich zu empfangen. Aus dem Raum- und Zeitlosen kommende Kräfte aber können nur einfach empfangen, nie errungen werden! Dieser Umstand allein zeigt, was das Wertvollere, das Stärkere, also das Richtigere ist!
Die Taufe.
Wird die Taufe eines Kindes durch einen Geistlichen ausgeführt, der sie lediglich als Amtspflicht betrachtet, so ist sie absolut bedeutungslos, bringt weder Nutzen noch Schaden. Bei der Taufe eines Erwachsenen dagegen trägt dessen innere Empfangsbereitschaft dazu bei, je nach deren Stärke und Reinheit wirklich etwas Geistiges zu erhalten oder nicht.
Bei einem Kinde kann nur der Glaube eines Taufenden als Mittel zum Zweck in Betracht kommen. Je nach dessen Stärke und Reinheit erhält das Kind durch die Handlung eine gewisse geistige Kräftigung, sowie eine Schutzwand gegen üble Strömungen.
Die Taufe ist eine Handlung, die nicht jeder von irdischen Kirchen-leitungen eingesetzte Mensch wirkungsvoll vornehmen kann. Dazu gehört ein Mensch, der mit dem Lichte in Verbindung steht. Nur ein solcher vermag Licht zu vermitteln. Diese Fähigkeit aber wird nicht durch irdisches Studium, nicht durch kirchliche Weihe oder Amtseinsetzung erreicht. Sie hängt überhaupt nicht mit irdischen Gebräuchen zusammen, sondern ist lediglich ein Geschenk des Höchsten selbst.
Ein so Beschenkter wird dadurch zum Berufenen! Diese sind nicht zahlreich vorhanden; denn das Geschenk bedingt als Voraussetzung einen entsprechenden Boden in dem Menschen selbst. Ist die Vorbedingung in ihm nicht gegeben, so kann die Verbindung von dem Lichte aus nicht herbeigeführt werden. In unlockeren oder von dem Lichte abstrebenden Boden vermag sich das Licht nicht zu senken, da auch dieser Vorgang wie alles andere streng den alles durchströmenden Urgesetzen unterworfen ist.
Ein solch Berufener vermag aber durch die Handlung der Taufe wirklich Geist und Kraft zu übertragen, so dass die Taufe den Wert erhält, den sie symbolisch ausdrückt. Trotzdem ist es immer noch vorzuziehen, die Taufe nur solchen zu Teil werden zu lassen, die sich selbst der Wirkung dieser Handlung voll bewusst sind und den sehnsüchtigen Wunsch darnach empfinden. Die Taufe bedingt also ein gewisses Reifealter und den freiwilligen Wunsch des Täuflings, sowie einen Berufenen als Täufer, um sie wirklich vollwertig werden zu lassen.
Johannes der Täufer, der noch heute von allen christlichen Kirchen als wirklich Berufener angesehen und anerkannt wird, hatte seine größten Widersacher gerade in den Schriftgelehrten und Pharisäern, die sich damals als die zu einem Urteile darüber Berufenen wähnten. Das damalige Volk Israel selbst war berufen. Daran ist kein Zweifel. In seiner Mitte sollte der Gottessohn sein Erdenwerk vollbringen. In dieser Erfüllung war aber die Berufung des ganzen Volkes erloschen. Ein neues Israel wird neu entstehen zu neuer Erfüllung. Aber zu Johannes Zeiten war das damalige Israel noch das berufene Volk. Demnach hätten auch die Priester dieses Volkes zu dieser Zeit die Berufensten zu einer Taufe sein sollen. Trotzdem aber musste Johannes der Täufer kommen, um als einzig Berufener den Gottessohn in seiner Erdenhülle bei Beginn seiner eigentlichen irdischen Wirksamkeit zu taufen. Dieses Ereignis beweist ebenfalls, dass irdische Einsetzungen in ein Amt nichts mit göttlichen Berufungen zu tun haben. Ausübungen in dem Namen Gottes aber, also in seinem Auftrage, wie es bei der Taufe sein soll, können wiederum nur göttlich Berufene wirksam erfüllen. Der von dem damaligen Hohepriester des berufenen Volkes nicht anerkannte göttlich berufene Johannes der Täufer nannte diese seine Gegner „Otterngezücht“. Er sprach ihnen das Recht ab, zu ihm zu kommen.
Dieselben Priester des damals berufenen Volkes erkannten ja auch den Gottessohn selbst nicht an, verfolgten ihn dauernd und arbeiteten an seiner irdischen Vernichtung, da er ihnen überlegen und somit lästig war. Wenn Christus heute in neuer Gestalt unter die Menschen träte, so würde ihm ganz ohne Zweifel dieselbe Ableugnung und Feindschaft begegnen, wie es damals war. Ebenso würde es einem von ihm Gesandten ergehen. Umso mehr, da die Menschheit heute „fortgeschrittener“ zu sein wähnt.
Nicht nur aus diesem einen Falle des Johannes des Täufers, sondern aus zahlreichen gleichartigen Fällen geht ganz entschieden der Beweis hervor, das irdisch-kirchliche Weihen und Amtseinsetzungen, die ja immer nur zu den „Organisationen Kirchen“ als solche gehören, niemals eine größere Befähigung zu geistigen Handlungen bringen können, wenn nicht der Mensch selbst schon dazu berufen ist.
Richtig betrachtet ist also auch die Taufe der kirchlichen Vertreter nichts weiter als ein Interims-Aufnahme-Akt der Organisation einer religiösen Verbindung. Nicht eine Aufnahme bei Gott, sondern eine Aufnahme in die entsprechende kirchlich-irdische Gemeinschaft. Die später folgende Konfirmation und Firmung kann nur als eine nochmalige Bestätigung und erweiterte Zulassung zu den Gebräuchen dieser Gemeinschaften angesehen werden. Der Pfarrer handelt als „verordneter Diener der Kirche“, also rein irdisch, da Kirche und Gott nicht eins ist.
Fragenbeantwortung.
Frage: Wie kann ich mich dem „Gral“ nähern?
Antwort: a) Immer wieder kommen Anfragen darüber, wie man dem Orden „Der Gral“ näher kommen kann zu eventueller Aufnahme, oder Bitte um nähere Erläuterungen über den Orden. Deshalb soll nochmals ausführlicher darauf eingegangen werden.
Zur Aufklärung diene vor allem, dass der Orden nicht in dem üblichen Sinne zu betrachten ist. Die Bezeichnung „Orden“ ist eigentlich überhaupt nicht anzuwenden, sondern es handelt sich hierbei lediglich um einen Führer, der die Gralslehren bringt, dann dessen Helfer, sowie seine Jünger.
Außer diesen kommen Novizen. Das sind Lernende, die die Nähe des Führers suchen und mitwirken wollen an der Lebendigmachung idealer Ziele. Dann sind noch die Anhänger, die in vielen Ländern zerstreut wohnen, aber doch im Geiste mit dem Führer vereinigt sind. Sie alle bilden eine ansehnliche Gemeinde.
Aufnahmen im gewöhnlichen Sinne finden überhaupt nicht statt; denn es kann dabei immer nur ein solcher Mensch in Betracht kommen, der einen Ruf dazu erhält. Und dieser Ruf ist nicht irdisch. Vorgeburtlich erkoren, spürt er in sich selbst zu rechter Stunde, in der er auch die entsprechende für ihn notwendige Reife durch sein bisheriges Erleben erhalten haben muss. Wo er auch sei, gleichviel in welchem Lande, welchem Erdteile, er wird Gelegenheit erhalten, sich nähern zu können. Freiwillig muss es dann geschehen, aus eigenem, inneren Verlangen, ohne jede Beeinflussung, sonst hat es für ihn keinen Wert. Wenn er nicht selbst erst darum bittet, würde ihm nie etwas gesagt werden. Bei allem zählt nur der geistige Wert, geistige Beurteilung aller Dinge, die den jetzigen irdischen Begriffen oft sehr entgegenstehen, also auch kaum von solchen Menschen verstanden werden können, die mit irdischen Anschauungen behaftet sind.
Die Menschen sollen sich begnügen, die Gralslehren zu prüfen, darüber nachzudenken und zu sehen, ob sie mit ihrem Empfinden die Wahrheit darin sehen oder nicht. Das ist für sie persönlich doch die Hauptsache, und auch das einzige, woraus sie Gewinn haben können. Wenn sie wirklich ernsthaft prüfen, brauchen sie nur das „Wort“ selbst, nichts anderes. Für solche die das nicht vermögen, sind die Lehren nicht! Sie sollen ruhig fern davon bleiben; denn sie sind nicht gebeten, teilzunehmen. Diejenigen aber, die das Wort Gottes wirklich ernsthaft suchen, werden finden, was und wer darin zu ihnen spricht. Sie bedürfen keiner weiteren Fragen. So scheidet sich die Spreu vom Weizen schon von vornherein.
b) Damit sind gleichzeitig alle die Fragen beantwortet, die wegen „Einkaufens“ gestellt wurden. Ein Einkauf ist einfach unmöglich. Es kann deshalb geschehen, dass ein Milliardär vor geschlossenem Tore stehen bleiben muss, während ein Ärmster der Armen an ihm vorbei Einlaß findet, weil dabei weder Geld in Betracht kommt, noch die jetzigen irdischen Anschauungen, gesellschaftliche oder staatliche Regeln oder Gesetze; denn die Beurteilung greift tiefer. Selbstverständlich ist es, dass dabei eventuell fehlende äußere oder auch Geistesbildung unter allen Umständen nachgeholt werden muss; denn sie lässt sich von einem inneren wirklichen Reifezustand nicht trennen.
Aus dem Inhalt des Nächsten Heftes:
Das Geheimnis „Lucifer“.
1 ) Heft 3 „Der Erlöser“.
2 ) Heft 5: Der Mensch und sein freier Wille.
3 ) Heft 2. „Schicksal“.