Gralsblätter.
Gesammelte Vorträge
von
Abdruschin.
7. Heft
Serie
I
VERLAG DER GRALSBLÄTTER BAD HEILBRUNN
(Oberbayern)
Gralsblätter.
Gesammelte Vorträge
von
Abdruschin.
7. Heft Serie I
Inhalt:
1. Der Heilige Gral.
2. Das Geheimnis „Lucifer“
3. Die Regionen des Dunkels und der Verdammnis.
4. Die Regionen des Lichtes und das Paradies.
5. Weltgeschehen.
6. Mensch und Tier.
7. Fragenbeantwortung und Verschiedenes:
a) Wissenschaft und Menschheit
b) Gottmenschen
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Nachdruck verboten.
Der Heilige Gral!
Vielfach sind die Auslegungen der Dichtungen, die über den Heiligen Gral vorliegen. Die ernstesten Gelehrten und Forscher befassten sich mit diesem Mysterium. So manches davon hat hohen, sittlichen Wert, doch alles trägt in sich den großen Fehler, daß es nur einen Aufbau vom Irdischen aufwärts zeigt, während die Hauptsache, der Lichtstrahl von oben herab, fehlt, der erst die Lebendigmachung und Erleuchtung bringen könnte. Alles, was von unten nach oben strebt, muß Halt machen an der Grenze des Stofflichen auch wenn ihm das Höchsterreichbare gewährt ist. In den meisten Fällen kann jedoch bei günstigen Vorbedingungen kaum die Hälfte dieses Weges zurückgelegt werden. Wie weit aber ist dann noch der Weg zur wahren Erkenntnis des Heiligen Grales!
Diese Empfindung der Unerreichbarkeit macht sich bei Forschern zuletzt fühlbar. Das Ergebnis davon ist, dass sie den Gral nunmehr als eine rein symbolische Bezeichnung eines Begriffes zu nehmen versuchen, um ihm so die Höhe zu geben, deren Notwendigkeit sie für diese Bezeichnung ganz richtig empfinden. Damit gehen sie aber in Wirklichkeit rückwärts, nicht vorwärts. Abwärts anstatt aufwärts. Sie weichen von dem richtigen Wege ab, den die Dichtungen zum Teile schon in sich tragen. Nur diese lassen die Wahrheit ahnen. Aber auch nur ahnen, weil die hohen Inspirationen und visionären Bilder der Dichter durch den bei der Weitergabe mitarbeitenden Verstand zu stark verirdischt wurden. Sie verliehen der Wiedergabe des geistig Empfangenen das Bild ihrer derzeitigen irdischen Umgebung, um damit den Menschen den Sinn ihrer Dichtung verständlicher zu machen, was ihnen trotzdem nicht gelang, weil sie selbst dem eigentlichen Kerne der Wahrheit nicht nahe kommen konnten.
So war dem späteren Forschen und Suchen von vornherein ein unsicherer Grund gegeben; jedem Erfolge damit eine enge Grenze gesetzt. Daß man zuletzt nur noch an eine reine Symbolik denken konnte und die Erlösung durch den Gral in jedes Menschen innerstes Selbst verlegte, ist deshalb nicht erstaunlich.
Die bestehenden Deutungen sind nicht ohne großen ethischen Wert, aber sie können keinen Anspruch darauf machen, eine Erklärung der Dichtungen zu sein, noch viel weniger der Wahrheit des Heiligen Grales nahe zu kommen.
Auch ist unter dem Heiligen Gral nicht das Gefäß gemeint, das der Gottessohn am Ende seiner irdischen Mission bei dem letzten Mahle mit seinen Jüngern benützte, worin dann sein Blut am Kreuze aufgefangen wurde. Dieses Gefäß ist eine heilige Erinnerung an das hohe Erlöserwerk des Gottessohnes, aber es ist nicht der Heilige Gral, den zu besingen die Dichter der Legenden begnadet wurden. Diese Dichtungen sind von der Menschheit falsch aufgefaßt worden.
Es sollten Verheißungen sein aus höchsten Höhen, deren Erfüllung die Menschen zu erwarten haben! Hätte man sie als solche aufgefasst, so wäre sicherlich schon lange auch ein anderer Weg gefunden worden, der die Forschungen noch etwas weiter führen konnte als bisher. So aber musste in all den Deutungen zuletzt ein toter Punkt eintreten, weil niemals eine volle, lückenlose Lösung zu erreichen war, da der Ausgangspunkt einer jeden Forschung durch die bisherige falsche Auffassung von vornherein auf falschem Boden stand. - - -
Nie wird ein Menschengeist, sei er auch zuletzt in seiner größten Vollendung und Unsterblichkeit, dem Heiligen Gral selbst gegenüberstehen können! Deshalb kann auch nie eine ausgiebige Kunde darüber von dort in das Stoffliche erdenwärts gelangen sei es denn durch einen Boten, der von dort ausgeschickt wurde. Dem Menschengeiste also wird der Heilige Gral immer und ewig ein Mysterium bleiben müssen.
Der Mensch bleibe bei dem, was er geistig zu erfassen vermag, und suche vor allen Dingen das zu erfüllen und bis zu den edelsten Blüten zu bringen, was in seinen Kräften liegt. Leider aber greift er nur zu gern in seinem Verlangen immer weit darüber hinaus, ohne sein eigenes Können zu entwickeln, wodurch er die Nachlässigkeit begeht, die ihn nicht einmal das erreichen lässt, was er vermöchte, während er das Gewünschte sowieso niemals erreichen kann. Er bringt sich damit um das Schönste und das Höchste seines eigentlichen Seins, er erreicht nur ein vollkommenes Versagen der Erfüllung seines Daseinszweckes. - - -
Der Parsival ist eine große Verheißung. Die Mängel und Irrtümer, die die Dichter der Legenden durch ihr allzu irdisches Denken hinzugefügt haben, entstellen das eigentliche Wesen dieser Figur. Parsifal soll eins sein mit dem Menschensohne, dessen Kommen der Gottessohn selbst verkündete.*1) Ein Gottgesandter wird er mit einer Binde vor den geistigen Augen durch die schwersten irdischen Mühsale gehen müssen, als ein Mensch unter Menschen. Nach einer bestimmten Zeit von dieser Binde befreit, muß er seinen Ausgangspunkt und damit sich selbst wieder erkennen, sowie auch seine Mission klar vor sich sehen. Diese Mission wird ebenfalls eine Erlösung der ernsthaft suchenden Menschen bringen, verbunden mit scharfem Gericht. Dafür kann aber nicht irgend ein Mensch angenommen werden, noch viel weniger will darin das mögliche Erleben zahlreicher oder gar aller Menschen erkannt sein; sondern es wird nur ein ganz Bestimmter, Auserlesener, besonders Gesandter diese Möglichkeiten in sich tragen.
In der unverrückbaren Gesetzlichkeit alles göttlichen Willens ist es nicht anders möglich, als daß ein jedes nach seinem Entwicklungslaufe in seiner höchsten Vollendung wieder zu dem Ausgangspunkt seines ursprünglichen Wesens zurückkehren kann, niemals aber darüber hinaus. So auch der Menschengeist. Er hat seinen Ursprung als Geistsamenkorn aus dem Geistig-Wesenhaften, wohin er nach seinem Laufe durch die Stofflichkeit bei höchster Vollendung und gewonnener lebendiger Reinheit als bewusster Geist in wesenhafter Form zurückkehren kann. Sein Weg vermag ihn dort im günstigsten Falle bis in den Vorhof der Gralsburg zu führen, die als Höchstes in dem Geistig-Wesenhaften steht und in diesem die Pforte bildet zu den Stufen des Thrones, auf dem der Ursprung alles Seins, Gottvater, in seinem Göttlich-Wesenlosen zeitweise den Mantel des Geistig-Wesenhaften um sich schlägt, also Form annimmt. Kein Geistig-Wesenhafter, sei er auch noch so hoch und rein und strahlend, vermag die Grenze zu dem Göttlich-Wesenlosen zu überschreiten. Die Grenze und die Möglichkeit des Überschreitens liegt auch hier, wie in den Sphären oder Ebenen der stofflichen Schöpfung, einfach in der Natur der Sache, in der Verschiedenheit der Art.
Als Oberstes und Höchstes ist Gott selbst in seiner Göttlich-Wesenlosigkeit. Dann kommt als Nächstes etwas tiefer das Geistig-Wesenhafte. Beides ist ewig. Diesem schließt sich dann erst tiefer und tiefer gehend das stoffliche Schöpfungswerk an, mit der gasigen Fein-stofflichkeit beginnend, in abwärts steigenden Ebenen oder Sphären dichter und dichter werdend, bis zur endlichen den Menschen sichtbar werdenden Grobstofflichkeit. Das Feinstoffliche in der stofflichen Schöpfung ist das von den Menschen genannte Jenseits. Also das Jenseits ihres irdischen, grobstofflichen Sehvermögens. Beides aber gehört zum Schöpfungswerke, ist in seiner Form nicht ewig, sondern der Veränderung zum Zwecke der Erneuerung und Erfrischung unterworfen.
Am höchsten Ausgangspunkte des ewigen Geistig-Wesenhaften nun steht die Gralsburg, geistig sichtbar, greifbar, weil noch von der gleichen geistig-wesenhaften Art. Diese Gralsburg birgt einen Raum, der wiederum an der äußersten Grenze nach dem Göttlich-Wesenlosen zu liegt, also noch ätherisierter als alles andere Geistig-Wesenhafte. In diesem Raume befindet sich als Unterpfand der ewigen Güte Gottvaters und als Symbol seiner reinsten göttlichen Liebe, sowie als direkter Ausgangspunkt göttlicher Kraft: Der Heilige Gral!
Er ist eine Schale, in der es ununterbrochen wallt und wogt wie rotes Blut, ohne je überzufließen. Vom lichtesten Lichte umstrahlt, ist es nur den Reinsten aller Geistig-Wesenhaften vergönnt, in dieses Licht schauen zu können. Das sind die Hüter des Heiligen Grales! Wenn es in den Dichtungen heißt, der Menschen Reinste sind dazu bestimmt, Hüter des Grales zu werden, so ist dies ein Punkt, den der begnadete Dichter allzu sehr verirdischt hat, weil er sich nicht anders auszudrücken vermochte. Kein Menschengeist kann diesen geheiligten Raum betreten. Auch in seiner vollendetsten geistigen Wesenhaftigkeit nach seiner Rückkehr von dem Laufe durch die Stofflichkeit ist er noch nicht ätherisiert genug, um die Schwelle, also die Grenze zu diesem Raume zu überschreiten. Er ist auch in seiner höchsten Vollendung in der Wesenhaftigkeit noch zu dicht dazu. Eine weitere Ätherisierung für ihn aber müßte gleichbedeutend mit völliger Zersetzung oder Verbrennung sein, da ja seine Art vom Ursprung aus sich nicht dazu eignet, noch strahlender und lichter, also noch ätherisierter zu werden. Sie erträgt es nicht.
Die Hüter des Grales sind Ewige, Reingeistige, die niemals Menschen waren, die Spitzen des Geistig-Wesenhaften. Sie bedürfen aber der göttlich-wesenlosen Kraft, sind abhängig von ihr, wie alles abhängig ist von dem Göttlich-Wesenlosen, dem Ursprung aller Kraft, Gottvater.
Von Zeit zu Zeit erscheint nun an dem Tag der Heiligen Taube die Taube über dem Gefäß als erneutes Zeichen der unwandelbaren göttlichen Liebe des Vaters. Es ist die Stunde der Verbindung, die Krafterneuerung bringt. Die Hüter des Grales empfangen sie in demutsvoller Andacht und vermögen dann diese erhaltende Wunderkraft weiterzugeben.
Daran hängt das Bestehen der ganzen Schöpfung!
Es ist der Augenblick, in dem im Tempel des Heiligen Grales des Schöpfers Liebe strahlend sich ergießt zu neuem Sein, zu neuem Schaffensdrange, der pulsartig abwärts durch das ganze Weltall sich verteilt. Ein Beben geht durch alle Sphären, ein heiliges Erschauern ahnungsvoller Freude, großen Glückes. Nur der Geist der Erdenmenschen steht noch abseits, ohne zu empfinden, was gerade ihm damit geschieht, welch unermessliches Geschenk er stumpfsinnig entgegennimmt, weil seine Selbsteinengung im Verstande das Erfassen einer derartigen Größe nicht mehr zuläßt.
Es ist der Augenblick der Lebenszufuhr für die ganze Schöpfung!
Die stete, notwendige Wiederkehr einer Bestätigung des Bundes, den der Schöpfer seinem Werke gegenüber hält. Würde diese Zufuhr einmal abgeschnitten, bliebe sie aus, so müßte alles Seiende langsam vertrocknen, altern und zerfallen. Es käme dann das Ende aller Tage, und nur Gott selbst verblieb, wie es im Anfang war! Weil er allein das Leben ist.
Dieser Vorgang ist in der Legende wiedergegeben. Es ist sogar angedeutet, wie alles altern und vergehen muß, wenn der Tag der Heiligen Taube, die „Enthüllung“ des Grales, nicht wiederkehrt, in dem Altwerden der Gralsritter, während der Zeit, in der Amfortas den Gral nicht mehr enthüllt, bis zu der Stunde, in der Parsifal als Gralskönig auftritt.
Der Mensch sollte davon abkommen, den Heiligen Gral nur als etwas Unfassbares zu betrachten; denn er besteht wirklich! Es ist aber dem Menschengeiste durch dessen Beschaffenheit versagt, ihn jemals erschauen zu können. Den Segen jedoch, der von ihm ausströmt, und der von den Hütern des Grales weitergegeben werden kann und auch weitergegeben wird, können die Menschengeister empfangen und genießen. In diesem Sinne sind einige Auslegungen nicht gerade falsch zu nennen, sobald sie in ihren Deutungen den Heiligen Gral selbst nicht mit hineinzuziehen versuchen. Sie sind richtig und doch auch wieder nicht.
Das Erscheinen der Taube an dem bestimmten Tage der Heiligen Taube zeigt die jedesmalige Sendung des Heiligen Geistes an; denn diese Taube steht in engem Zusammenhange mit ihm. Doch das ist etwas, das der Menschengeist nur bildlich zu erfassen fähig ist, weil er aus der Natur der Sache heraus bei höchster Entwicklung nur bis dahin zu denken, zu wissen und zu empfinden vermag, woher er selbst kam, also bis zu der Art, die eins mit seiner reinsten Beschaffenheit des Ursprungs ist. Das ist das ewige Geistig-Wesenhafte. Diese Grenze wird er auch im Denken niemals überschreiten können. Anderes vermag er auch nie zu erfassen. Das ist so selbstverständlich, logisch und einfach, dass dem Gedankengange jeder Mensch zu folgen vermag.
Was aber darüber ist, wird und muß der Menschheit aus diesem Grunde immer ein Mysterium sein und bleiben!
Jeder Mensch lebt deshalb in einem irrendem Wahne, so er sich einbildet, Gott in sich zu tragen, oder selbst göttlich zu sein, oder dies werden zu können, Er trägt Rein-Geistiges in sich, aber nicht Göttliches. Und darin ruht ein unüberbrückbarer Unterschied. Er ist ein Geschöpf nicht ein Teil des Schöpfers, wie sich so mancher einzureden versucht. Der Mensch ist und bleibt ein Werk, wird niemals Meister werden können.
Es ist deshalb auch unrichtig, wenn erklärt wird, daß der Menschen-geist von Gottvater selbst ausgeht und zu ihm zurückkehrt. Der Ursprung des Menschen ist das Geistig-Wesenhafte, nicht das Göttlich-Wesenlose. Er kann deshalb auch bei erreichter Vollkommenheit nur bis zum Geistig-Wesenhaften zurückkehren. Richtig ist, dass der Menschengeist aus dem Reiche Gottes stammt und deshalb auch, wenn er vollkommen wird, wieder in das Reich Gottes zurückzukehren vermag, nicht aber zu ihm selbst. Das Reich Gottes ist das Reingeistig-Wesenhafte.
Der Mittler zwischen dem Göttlich-Wesenlosen und dem Reingeistig-Wesenhaften ist der Gottessohn geworden. Er tritt aus dem Göttlich-Wesenlosen hinüber in das Geistig-Wesenhafte, wie er einst auch in das Stoffliche gekommen ist. Das Kommen des Menschensohnes bringt die Vollendung der hohen göttlichen Mission des Gottessohnes. Nach der Erfüllung wird der Gottessohn wieder ganz zurückkehren in das Göttlich-Wesenlose, während der Menschensohn das Amt des Mittlers an seiner Stelle übernimmt, und so zum Führer der Hüter des Heiligen Grales wird, zum Gralskönig, der das Heilige Gefäß betreut.
Der Menschensohn wird für den Menschengeist dann das A und das O sein, weil er den Anfang und das Ende gibt für das Fassungsvermögen des menschlichen Geistes; denn er vermag über die Grenze zum Göttlich-Wesenlosen zu gehen, und somit alles zu überschauen.
Das Geheimnis Lucifer.
Ein grauer Schleier ruht über allem, das im Zusammenhange mit Lucifer steht. Es ist, als ob alles zurückschreckt, den Zipfel dieses Schleiers zu lüften. Das Zurückschrecken ist in Wirklichkeit nur das Unvermögen, einzudringen in das Reich des Dunkels. Das Nichtkönnen aber liegt wiederum ganz einfach in der Natur der Sache, weil hier der Menschengeist nicht so weit einzudringen vermag, sondern ihm in seiner Beschaffenheit eine Grenze gesetzt ist. Ebenso wenig wie er bis zur höchsten Höhe gehen kann, so vermag er auch nicht bis zur tiefsten Tiefe zu dringen, wird es auch nie vermögen.
So schuf die Fantasie Ersatz für das Fehlende, Wesen in mancherlei Gestalt. Man spricht vom Teufel in den abenteuerlichsten Formen, von dem gefallenen und ausgestoßenen Erzengel, von der Verkörperung des bösen Prinzips, und was sonst noch mehr ist. Von dem eigentlichen Wesen Lucifers versteht man nichts, trotzdem der Menschengeist von ihm getroffen und dadurch oft mitten hineingewirbelt wird in einen gewaltigen Zweispalt, den man mit Kampf bezeichnen kann.
Diejenigen, die von einem gefallenen Engel sprechen, und auch die, die von der Verkörperung des bösen Prinzips reden, kommen der Sache am nächsten. Nur ist auch hierbei eine falsche Einstellung, die allem ein unrichtiges Bild verleiht. Eine Verkörperung des bösen Prinzips lässt den höchsten Gipfel, das Endziel, das lebendiger-Körper-Gewordene alles Bösen denken, also die Krönung, den vollkommenen Schluss. Lucifer aber ist umgekehrt der Ursprung des falschen Prinzips, der Ausgangspunkt und die treibende Kraft. Man sollte es auch nicht das böse Prinzip nennen, das er bewirkt, sondern das falsche Prinzip. Falsch als den Begriff unrichtig genommen, nicht unrecht. Das Wirkungsgebiet dieses unrichtigen Prinzips ist die stoffliche Schöpfung. In der Stofflichkeit allein treffen die Wirkungen des Lichten und die Wirkungen des Dunkeln, also die beiden entgegengesetzten Prinzipien zusammen, und wirken darin dauernd auf die Menschenseele ein, während diese die Stofflichkeit zu ihrer Entwicklung durchläuft. Welchem sich die Menschenseele nach eigenem Wunsche mehr hingibt, ist ausschlaggebend für ihr emporsteigen zum Licht oder Abwärtsstreben zum Dunkel.
Die Kluft ist gewaltig, die zwischen dem Licht und dem Dunkel liegt. Sie wird ausgefüllt von dem Schöpfungswerke der Stofflichkeit, die der Vergänglichkeit der Formen und Wiederneubildung unterworfen ist.
Da der Kreislauf nach den Gesetzen, die der Wille Gottvaters in die Schöpfung legt, nur dann als vollendet und erfüllt gelten kann, wenn er an seinem Ende zu dem Ursprung zurückkehrt, so kann auch der Lauf eines Menschengeistes nur dann als erfüllt angesehen werden, wenn er in das Geistig-Wesenhafte zurückkehrt, das dem Urlichte am nächsten steht, weil sein Samenkorn von diesem Geistig-Wesenhaften ausgegangen ist. Läßt er sich abtreiben, dem Dunkel zu, so läuft er Gefahr, über den äußersten Kreis seines normalen Laufes nach der Tiefe zu hinausgezogen zu werden und sich dann nicht mehr zurückzufinden, zu dem Aufstiege. Er vermag aber auch nicht, aus dem dichtesten und tiefsten feinstofflichen Dunkel noch tiefer über dessen äußerste Grenze hinauszutreten aus der Stofflichkeit, wie er es nach oben zu in das Reich des Geistig-Wesenhaften tun könnte, weil dies sein Ausgangspunkt ist, und wird deshalb in dem gewaltigen Kreislaufe der stofflichen Schöpfung dauernd mit fortgezogen, bis zuletzt mit in die Zersetzung hinein, weil ihn sein feinstofflich-dunkles, deshalb dichtes und schweres Gewand, oder auch jenseitiger Körper genannt, niederhält. Die Zersetzung löst dann seine in dem Laufe durch die Schöpfung gewonnene geistige Persönlichkeit als solche mit auf, so dass er den geistigen Tod erleidet und in geistigen Ursamen zerstäubt wird. Lucifer selbst steht außerhalb der stofflichen Schöpfung, wird also nicht in die Zersetzung hineingerissen, wie es den Opfern seines Prinzips ergeht; denn Lucifer ist ewig. Er stammt aus dem Teile des Göttlich-Wesenhaften. Der Zwiespalt setzte nach dem Beginn der Entstehung alles Stofflichen ein. Ausgesandt, das Geistig-Wesenhafte in dem Stofflichen zu unterstützen und in der Entwicklung zu fördern, erfüllte er diesen seinen Auftrag nicht im Sinne des schöpferischen Willens Gottvaters, sondern er erwählte andere als die ihm durch diesen Schöpfungswillen vorgezeichneten Wege, aus einem Besserwissenwollen heraus, das ihm bei seinem Wirken in der Stofflichkeit kam.
Die ihm gegebene Kraft missbrauchend, führte er das Prinzip der Versuchungen ein, an Stelle des Prinzips schützender Hilfe, die gleichbedeutend mit dienender Liebe ist. Dienende Liebe im göttlichen Sinne gemeint, die nichts gemein hat mit sklavischem Dienen, sondern lediglich den geistigen Aufstieg und somit des Nächsten ewiges Glück ins Auge faßt und dementsprechend handelt.
Das Prinzip der Versuchung aber ist gleichbedeutend mit dem Legen von Fallstricken, durch die nicht genügend in sich gefestigte Kreaturen schnell straucheln, stürzen und verloren gehen, während andere dagegen wieder allerdings dabei erstarken in der Wachsamkeit der Kraft, um dann machtvoll emporzublühen zu geistigen Höhen. Alles Schwächliche ist aber von vornherein der Vernichtung rettungslos preisgegeben. Das Prinzip kennt keine Güte, kein Erbarmen; es ermangelt der Liebe Gottvaters, damit aber auch der gewaltigsten Auftriebskraft und der stärksten Stütze, die es gibt.
Die in der Bibel geschilderte Versuchung im Paradiese zeigt die Wirkung von dem Einsetzen des Lucifer-Prinzips, indem sie bildlich darstellt, wie es durch Versuchung die Stärke oder Standhaftigkeit des Menschenpaares zu prüfen sucht, um diese bei dem geringsten Schwanken sofort erbarmungslos in den Weg der Vernichtung zu stoßen.
Standhaftigkeit würde gleichbedeutend gewesen sein mit freudiger Einstellung in den göttlichen Willen, der in den einfachen Natur- oder Schöpfungsgesetzen liegt. Und dieser Wille das göttliche Gebot, war dem Menschenpaare gut bekannt. Nichtwankend- werden wäre gleichzeitig eine Anerkennung und Befolgung dieser Gesetze gewesen, wodurch der Mensch sich diese erst richtig und unbeschränkt nutzbar machen kann und so zum eigentlichen „Herrn der Schöpfung“ wird, weil er „mit ihnen geht“. Alle Kräfte werden ihm dann dienstbar, wenn er sich nicht entgegenstellt, und arbeiten selbsttätig zu seinen Gunsten. Darin liegt dann die Erfüllung der Gebote des Schöpfers, die weiter nichts wollen, als die ungetrübte und ungehemmte Aufrechterhaltung und Pflege aller Entwicklungsmöglichkeiten, die in seinem herrlichen Werke liegen. Diese einfache Betrachtung ist weitergreifend wieder ein bewußtes Mitwirken an der gesunden Fortentwicklung der Schöpfung oder der stofflichen Welt.
Wer das nicht tut, ist ein Hemmnis, das sich entweder in rechte Form schleifen lassen muß oder zwischen dem Räderwerk des Weltgetriebes, also den Schöpfungsgesetzen, der Zermalmung anheim fällt. Wer sich nicht biegen will, muß brechen, daß kein Stocken entstehen kann.
Lucifer will nicht in Güte das allmähliche Reifen und Erstarken abwarten, will nicht wie er sollte ein liebender Gärtner sein, der die ihm anvertrauten Pflanzen hütet, schützt und pflegt, sondern mit ihm wurde buchstäblich „der Bock zum Gärtner“. Er geht auf die Vernichtung alles Schwachen aus und arbeitet in dieser Weise schonungslos.
Dabei verachtet er die Opfer, die seinen Versuchungen und Fall-stricken erliegen, und will, daß sie in ihrer Schwäche zu Grunde gehen sollen.
Er hat auch Ekel vor der Niedrigkeit und der Gemeinheit, die diese gefallenen Opfer in die Auswirkungen seines Prinzips legen; denn nur die Menschen machen diese zu der ekelhaften Verworfenheit, in der sie sich präsentieren, und damit fachen sie Lucifer nur umso mehr dazu an, in ihnen Geschöpfe zu sehen, welche lediglich Vernichtung verdienen, nicht Liebe und Pflege.
Und zur Durchführung dieser Vernichtung trägt nicht wenig das sich dem Prinzip der Versuchung als natürliche Folge anschließende Prinzip des Sichauslebens bei. Das Sichausleben vollzieht sich in den niederen Regionen des Dunkels, wird aber bei so genannter Psycho-Analyse von verschiedenen Ausübenden bereits irdisch aufgenommen in der Annahme, daß auch auf Erden das Sichausleben reift und befreit.
Doch welches entsetzliche Elend muß die Ausübenden dieses Prinzips auf Erden herbeiführen! Welches Unheil muß sie anrichten, weil auf der Erde nicht wie in den Regionen des Dunkels nur Gleichartiges beisammen ist, sondern noch dunkles wie helleres neben - und miteinander lebt. Man denke nur einmal an das Sexualleben und ähnliches. Wenn ein solches Prinzip in der Praxis auf die Menschheit losgelassen wird, muß es am Ende nur ein Sodom und Gomorra geben, aus dem es kein Hinausgeleiten gibt, sondern wo nur Schrecken größter Art ein Ende bringen kann.
Ganz abgesehen davon sieht man heute schon zahlreiche Opfer ähnlicher Therapie haltlos umherirren, deren geringes Selbstbewußtsein, überhaupt alles persönliche Denken, noch ganz zerpflückt und vernichtet wurde dort, wo sie vertrauensvoll Hilfe erwartet hatten. Sie stehen da wie Menschen, denen systematisch alle Kleider vom Körper gerissen wurden, damit sie dann gezwungen sind, die ihnen gereichten Kleider anzulegen. Die also Entblößten vermögen jedoch in den meisten Fällen leider nicht mehr einzusehen, warum sie noch neue Kleider anlegen sollen. Durch das planmäßige Eindringen in ihre persönlichen Dinge und Rechte verloren sie mit der Zeit auch die das persönliche Selbstbewußtsein erhaltende Schamempfinden, ohne die es nichts persönliches geben kann, die einen Teil des Persönlichen selbst ausmacht.
Auf so zerwühltem Boden läßt sich dann kein neuer, fester Bau errichten. Unselbständig bleiben diese Menschen mit wenigen Ausnahmen, was sich bis zu zeitweiser Hilflosigkeit steigert, da ihnen auch der wenige Halt genommen wurde, den sie vorher noch hatten.
Die beiden Prinzipien des sich Auslebens und der Versuchung sind so eng zusammen verbunden, daß dem Sichausleben unbedingt die Versuchung vorausgesetzt werden muß. Es ist also die regelrechte Befolgung und Verbreitung des Lucifer-Prinzipes.
Für den wahren Seelenarzt ist kein Niederreißen nötig. Dieser heilt zuerst und baut dann weiter auf. Das wahre Prinzip gibt Umstellung falschen Verlangens durch geistige Erkenntnis!
Die Anwendung dieses lieblosen Prinzips aber mußte Lucifer selbstverständlich aus der Natur der Sache heraus immer mehr von dem liebenden Willen des allmächtigen Schöpfers trennen, was die eigene Abschneidung oder Ausstoßung aus dem Lichte brachte und damit den immer tieferen Sturz Lucifers. Ein Sich-selbst-vom-Licht-getrennt-habender ist Lucifer, was gleichbedeutend ist mit einem Ausgestoßenen.
Die Abstoßung mußte ebenfalls nach den bestehenden Urgesetzen, dem unumstößlichen Willen Gottvaters, erfolgen weil ein anderes Geschehen nicht möglich ist.
Da nun allein der Wille Gottvaters, des Schöpfers aller Dinge, all-mächtig ist, der auch in der stofflichen Schöpfung und deren Entwicklung festwurzelt, vermag Lucifer wohl sein Prinzip in die Stofflichkeit hineinzusenden, die Auswirkungen aber werden sich immer nur in den von Gottvater festgelegten Urgesetzen bewegen können, und müssen sich in deren Richtung formen.
So kann Lucifer durch die Verfolgung seines unrichtigen Prinzips wohl einen Anstoß geben zu für die Menschheit gefährlichen Wegen, er vermag aber nicht, die Menschen zu irgend etwas gewaltsam zu zwingen, sobald sich diese nicht selbst freiwillig dazu entschließen.
Lucifer kann tatsächlich nur locken. Der Mensch als solcher steckt aber fester als er in der stoffliche Schöpfung, demnach auch viel sicherer und kraftvoller, als ihn der Einfluß Lucifers je treffen kann. Ein jeder Wunsch ist dadurch so geschützt, daß es eine zehnfache Schmach für ihn ist wenn er sich von dieser im Vergleich zu ihm schwächeren Kraft locken läßt. Er soll bedenken, daß Lucifer selbst außerhalb der Stofflichkeit steht, während er mit festen Füßen in ihm voll vertrauten Grund und Boden wurzelt. Lucifer ist gezwungen, zu seinen Prinzip-Anwendungen nur seine Hilfstruppen zu benutzen, die sich aus in den Versuchungen gefallenen Menschengeistern zusammenstellen.
Diesen aber ist wiederum jeder nach oben strebende Menschengeist nicht nur vollkommen gewachsen, sondern in Stärke weit überlegen. Ein einziger ernster Willensakt genügt, um ein Heer davon spurlos verschwinden zu lassen. Vorausgesetzt, dass diese mit ihren Lockungen keinerlei Widerhall oder Anklang finden, an den sie sich klammern können.
Lucifer würde überhaupt machtlos sein, wenn die Menschheit sich bemühte, die von dem Schöpfer eingelegten Urgesetze zu erkennen und zu befolgen. Die Menschen stützen aber sein Prinzip durch ihre jetzige Art immer mehr und werden deshalb auch zum größten Teile unter gehen müssen.
Es ist unmöglich, dass irgend ein Menschengeist mit Lucifer selbst einen Kampf ausfechten kann, aus dem einfachen Grunde, weil er nicht bis zu diesem vorzudringen vermag, infolge der verschiedenen Wesensart. Der Menschengeist kann immer nur mit den durch das falsche Prinzip Gefallenen in Berührung kommen, die im Grunde seine Wesensart haben.
Der Ursprung Lucifers bedingt, daß ihm nur der persönlich nahen und entgegentreten kann, der aus dem gleichen Ursprung ist; denn nur ein solcher vermag bis zu ihm vorzudringen. Es muss ein Gottgesandter sein, kommend und erfüllt vom Göttlich-Wesenlosen, gewappnet mit dem heiligen Ernste seiner Mission, und vertrauend auf den Ursprung aller Kraft, auf Gottvater selbst.
Diese Aufgabe ist dem angekündigten Menschensohne zugeteilt.
Persönlich ist der Kampf, von Angesicht zu Angesicht, nicht nur symbolisch in der Allgemeinheit, wie es viele Forscher aus Verheißungen entnehmen wollen. Es ist die Erfüllung der Verheißung in Parsifal. Den „Heiligen Speer“, die Macht, hatte Lucifer falsch angewendet, und dem Geistig-Wesenhaften damit in der Menschheit in dessen Funken und Ausläufer durch sein Prinzip eine schmerzende Wunde geschlagen. Er wird ihm in dem Kampfe genommen. Dann in der „richtigen Hand“, also bei Durchführung des echten Gralsprinzipes der reinen strengen Liebe heilt er die vorher durch ihn in unrechter Hand, also falscher Anwendung, geschlagene Wunde.
Durch das Lucifer-Prinzip, also durch die falsche Anwendung göttli-cher Macht, gleichbedeutend mit dem „Heiligen Speer“ in unrechter Hand, wird dem Geistig-Wesenhaften eine Wunde geschlagen, die sich nicht schließen kann! Das ist mit diesem Gedanken in der Legende in treffender Form bildhaft wiedergegeben; denn der Vorgang gleicht wirklich einer offenen, sich nicht schließenden Wunde.
Man überlege, daß die Menschengeister als unbewußte Geistsamenkörner oder Funken aus dem niedersten Rande des Geistig-Wesenhaften an der Grenze der beginnenden Stofflichkeit in die Schöpfung der Stofflichkeit abfließen oder überspringen, in der Erwartung, dass diese ausfließenden Teile nach ihrem Laufe durch die Stofflichkeit zum persönlichen Bewußtsein erwacht und entwickelt wieder in Vollendung des Kreislaufes in das Geistig-Wesenhafte zurückkehren. Ähnlich dem Kreislaufe des Blutes in dem grobstofflichen Körper! Das Lucifer-Prinzip jedoch lenkt nun einen großen Teil dieses geistigen Kreislaufstromes ab, wodurch viel des Geistig-Wesenhaften verloren geht. Dadurch kann der notwendige Kreislauf nicht geschlossen werden und es wirkt sich aus wie das dauernde schwächende Abfließen einer offenen Wunde.
Kommt aber nun der „Heilige Speer“, also die göttliche Macht, in die richtige Hand, die in dem Willen des Schöpfers steht und dem durch die Stofflichkeit als belebenden Faktor wandernden Geistig-Wesenhaften den rechten Weg weist, der es aufwärts führt zu seinem Ausgangspunkte, in das lichte Reich Gottvaters, so geht es nicht mehr verloren, sondern fließt damit zurück in seinen Ursprung wie das Blut zum Herzen, wodurch die im Geistig-Wesenhaften bisher schwächend abfließende Wunde geschlossen wird. Somit kann die Heilung nur durch den gleichen Speer erfolgen, der diese Wunde schlug.
Dazu muss aber der Speer Lucifer entwendet werden und in die richtige Hand kommen, was sich in dem persönlichen Kampfe des Menschensohnes mit Lucifer vollzieht!
Die sich dann noch anschließenden, in das Stoffliche und Grobstoffliche hineinziehenden Kämpfe sind nur Nachwirkungen dieses einen großen Kampfes, der die verheißene Fesselung Lucifers bringen muß, die den Beginn des tausendjährigen Reiches kündet. Sie bedeutet die Ausrottung der Folgen des Lucifer-Prinzips.
Dieses richtet sich gegen das Walten göttlicher Liebe, deren Segnung den Menschen in ihrem Laufe durch die Stofflichkeit zu teil werden. Würde nun die Menschheit einfach dieser göttlichen Liebe nachstreben, so wäre sie sofort vollkommen gefeit vor jeglichen Versuchungen Lucifers, und er würde aller seiner Schrecken entkleidet sein, die der Menschengeist um ihn webt.
Der bunten Fantasie der Menschenhirne sind auch die ungeheuer-lichen, häßlichen Gestalten entsprungen, die man irrtümlich Lucifer zu geben sich bemüht. In Wirklichkeit vermochte ihn auch aus dem einfachen Grunde der verschiedenen Wesensart heraus noch keines Menschen Auge zu erschauen, auch nicht das geistige Auge, das die Feinstofflichkeit des Jenseits oft schon während des Erdenlebens zu erkennen fähig ist. Lucifer ist im Gegenteil zu allen Anschauungen stolz und schön zu nennen, überirdisch schön, von düsterer Majestät mit klaren, großen, blauen Augen, die aber von dem eisigen Ausdrucke fehlender Liebe zeugen. Er ist nicht nur ein Begriff, wie man ihn gewöhnlich nach vergeblichen anderen Deutungen hinzustellen versucht, sondern er ist persönlich.
Die Menschheit soll begreifen lernen, daß auch ihr durch ihre eigene Wesenheit eine Grenze gesetzt ist, die sie niemals überschreiten kann, natürlich auch im Denken nicht, und daß von jenseits dieser Grenze Botschaften nur auf dem Gnadenwege kommen können. Doch nicht durch Medien, die ihre Wesenheit auch nicht durch unirdische Zustände verändern können, ebenso wenig wie die Wissenschaft. Gerade diese hat ja durch Chemie Gelegenheit zu finden, daß Verschiedenheit der Art unüberwindliche Grenzen bilden kann. Diese Gesetze aber gehen von dem Ursprunge aus, sind nicht nur in dem Werk der Schöpfung zu finden.
Die Regionen des Dunkels und die Verdammnis.
Wenn man Bilder sieht, die das Leben in der sogenannten Hölle wiedergeben sollen, so geht man achselzuckend darüber hinweg mit halb ironischem, halb mitleidsvollem Lächeln, und dem Gedanken, dass nur eine angekränkelte Phantasie oder eine fanatisch Blindgläubigkeit Szenen solcher Art erdenken können. Selten wird es jemand geben, der auch nur das kleinste Wahrheitskörnchen darin sucht. Und doch kann wohl die grauenvollste Phantasie kaum annähernd ein Bild zusammenstellen, das den Qualen des Lebens in den dunklen Regionen dem Ausdrucke nahe kommt. Arme Verblendete, die wähnen, mit einem spöttischen Achsel-zucken leichtsinnig darüber hinweg gehen zu können! Der Augenblick kommt, wo Leichtsinn sich bitter rächt mit dem erschütternden Eintreten der Wahrheit. Da hilft kein Sträuben , kein Sichabwenden, sie werden hineingezogen in den Strudel, der Ihrer wartet, wenn sie nicht rechtzeitig diese Überzeugung eines Nichtwissens abwerfen, die immer nur die Hohlheit und die Beschränktheit eines solchen Menschen kennzeichnet.
Kaum ist die Loslösung des feinstofflichen Körpers von dem grobstofflichen Körper erfolgt*2), so finden sie schon die erste große Überraschung in dem Erlebnis, dass das bewusste Sein und Leben damit noch nicht beendet ist. Die erste Folge ist Verwirrung, dem sich ungeahnte Bangigkeit anschließt, die oft in dumpfe Ergebung oder angstvolle Verzweiflung übergeht. Vergebens ist dann das sich Sträuben, vergebens alles Klagen, vergebens auch das Bitten; denn sie müssen ernten, was in dem Erdenleben säeten.
Verachteten sie das Wort, das ihnen von Gott gebracht wurde, welches auf das Leben nach dem irdischen Tode und die damit verbundene Verantwortung eines intensiven Denkens und Handeln hinweist, so ist das mindeste, was sie erwartet, das, was sie wollten: tiefste Dunkelheit! Ihre feinstofflichen Augen, Ohren und Münder sind verschlossen durch das eigene Wollen. Sie sind taub, blind und stumm in ihrer neuen Umgebung. Das ist das Günstigste, was ihnen geschehen kann. Ein jenseitiger Führer und Helfer kann sich ihnen nicht verständlich machen, weil sie sich selbst davor verschlossen halten. Ein trauriger Zustand, dem nur das langsame innere Reifen des Betreffenden selbst, das durch die sich steigernde Verzweiflung führt, eine allmähliche Änderung bringen kann. Mit der wachsenden Sehnsucht nach Licht, die wie ein ununterbrochener Hilferuf aus solchen gedrückten und gequälten Seelen steigt, wird es dann endlich nach und nach heller um ihn, bis er auch andere sehen lernt, die gleich ihm der Hilfe bedürfen. Hat er nun das Bestreben, diese noch in tiefster Finsternis Harrenden zu unterstützen, damit es auch bei denen heller werden kann, so erstarkt er in dieser Tätigkeit des Versuches zum Helfen durch die dazu erforderliche Anstrengung immer mehr, bis ein anderer zu ihm treten kann, der schon weiter vorgeschritten ist, um auch ihm weiter zu helfen, den lichteren Regionen entgegen.
So hocken sie trübselig herum, da ihre feinstofflichen Körper durch das Nichtwollen auch zu kraftlos sind, zum gehen. Ein mühseliges, unsicheres Ambodenkriechen bleibt es daher, wenn es einmal zu einer Bewegung kommt. Andere wieder tappen wohl in diesem Dunkel herum, straucheln, stürzen, raffen sich immer wieder auf, um bald hier, bald da anzuecken, wobei schmerzende Wunden nicht ausbleiben; denn da eine Menschenseele immer nur durch die Art ihrer eigenen Dunkelheit, die Hand in Hand geht mit der mehr oder weniger starken Dichtheit, die wiederum ein entsprechendes Schwergewicht nach sich zieht, in die Region sinkt, die ihrer feinstofflichen Schwerkraft genau entspricht, also von gleicher Art der Feinstofflichkeit ist, so wird ihre neue Umgebung für sie ebenso greifbar, fühlbar und undurchdringlich, wie es einem grobstofflichen Körper in der grobstofflichen Umgebung ergeht. Jeden Stoß jeden Sturz, oder jede Verletzung fühlt sie deshalb dort so schmerzlich als es ihr grobstofflicher Körper während der Erdenlaufbahn auf der grobstofflichen Erde empfand.
So ist es in jeder Region, gleichviel welcher Tiefe oder Höhe sie angehört. Gleiche Stofflichkeit, gleiche Fühlbarkeit, gleiche gegenseitige Undurchdringlichkeit. Jede höhere Region jedoch, oder jede andere Stoffart kann durch die niedere, dichtere Stoffart ungehindert hindurch, wie jedes Feinstoffliche durch das anders geartete Grobstoffliche.
Anders nun mit solchen Seelen, die außerdem irgend ein begangenes Unrecht abzulösen haben. Die Tatsache selbst ist eine Sache für sich. Sie kann gelöst werden in dem Augenblicke, wo der Täter von dem betroffenen Teile volle, ehrlich gemeinte Verzeihung erlangt. Was eine Menschenseele aber schwerer bindet, das ist der Drang, oder der Hang, der die Triebfeder zu einer Tat oder mehreren Taten bildet. Dieser Hang lebt in der Menschenseele fort, auch nach dem Hinübergehen, nach der Loslösung vom grobstofflichen Körper. Er wird sogar im feinstofflichen Körper sofort noch stärker zur Geltung kommen, sobald die Einengung alles Grobstofflichen wegfällt, da dann die Empfindungen viel lebendiger und rückhaltloser wirken. Ein derartiger Hang ist es auch wiederum, der maßgebend für die Dichtheit und also Schwere des feinstofflichen Körpers wird. Das hat zur Folge, daß der feinstoffliche Körper nach Freiwerdung vom grobstofflichen Körper sofort in die Region sinkt, die genau seiner Schwere und demnach gleichen Dichtheit entspricht. Dort wird er demnach auch alle finden, die dem gleichen Hange huldigen. Durch deren Ausstrahlungen wird der seine noch genährt, gesteigert, und er wird dann in Ausübung dieses Hanges förmlich rasen. Ebenso natürlich auch die anderen mit ihm dort Befindlichen. Daß derartige, hemmungslose Austobungen für die Umgebung eine Qual sein müssen, ist nicht schwer verständlich. Da dies aber in solchen Regionen immer nur auf Gleichseitigkeit beruht, so wird jeder einzelne unter den anderen bitter zu leiden haben, alles das, was er wiederum den anderen selbst dauernd zuzufügen sucht. So wird das Leben dort zur Hölle, bis eine derartige Menschenseele nach und nach ermattet und Ekel davor empfindet. Dann wird nach langer Dauer endlich allmählich der Wunsch erwachen, herauszukommen aus solcher Art. Der Wunsch und Ekel ist Beginn der Besserung. Er wird sich bis zum Hilfeschrei und zuletzt zum Gebet verstärken. Erst dann kann ihm die Hand zum Aufstiege geboten werden, was oft Jahrzehnte und Jahrhunderte, manchmal auch noch länger auf sich warten läßt. Der Hang in einer Menschenseele ist also das schwerer Bindende.
Daraus geht hervor, daß eine unbedachte Tat viel leichter und viel schneller abzulösen ist, als ein in einem Menschen ruhender Hang, gleichviel, ob dieser zu einer Tat geworden ist oder nicht!
Ein Mensch der einen unsauberen Hang in sich trägt, ohne diesen zur Tat werden zu lassen, weil ihm die irdischen Verhältnisse günstig sind, wird deshalb schwerer büßen müssen, als ein Mensch, der unbedachter Weise durch irgend eine oder mehrere Taten gefehlt hat ohne böse Absicht dabei gehabt zu haben. Die unbedachte Tat kann letzterem sofort verziehen sein, ohne übles Karma zu entwickeln, der Hang aber erst dann, wenn er vollkommen in dem Menschen ausgelöscht wurde. Und deren gibt es viele Arten. Sei es nun Habsucht und der ihr verwandte Geiz, sei es schmutzige Sinnlichkeit, Drang zu Diebstahl oder Mord, Brandstiftung oder auch nur zu Übervorteilung und zu leichtsinnigen Nachlässigkeiten, gleichviel, ein derartiger Hang wird den Betreffenden immer dorthin sinken lassen oder ziehen, wo seinesgleichen ist. Lebensbilder davon wiederzugeben, hat keinen Zweck. Sie sind oft so fürchterlicher Art, daß ein Menschengeist auf Erden kaum an derartige Wirklichkeiten glauben kann, ohne sie zu sehen. Und auch dann würde er noch denken, es müssen nur Gebilde grenzenloser erhitzter Fieberphantasien sein. So mag er sich begnügen sittliche Scheu vor allem derartigen zu empfinden, die ihn frei macht von den Banden alles Niederen, damit dem Aufstiege zum Lichte keine Hemmung mehr im Wege steht.
So sind die dunklen Regionen als Auswirkungen des Prinzipes, das Lucifer einzuführen sucht. Der ewige Kreislauf der Schöpfung rollt und kommt an den Punkt, an dem die Zersetzung beginnt, in der alles Stoffliche die Form verliert, um in Ursamen zu verfallen, und damit im Weiterrollen neue Mischung, neue Formen bringt mit frischer Kraft und jungfräulichem Boden. Was sich bis dahin aus dem Grob- und Feinstofflichen noch nicht lösen konnte, um über die höchste, feinste und leichteste Grenze, alles Stoffliche zurücklassend, in das Geistig-Wesenhafte einzutreten, das wird unweigerlich in die Zersetzung mit hineingezogen, wodurch auch seine Form und das Persönliche an ihm vernichtet wird. Das ist dann erst die ewige Verdammnis, das Auslöschen alles bewusst Persönlichen!
Die Regionen des Lichtes und das Paradies.
Strahlendes Licht! Blendende Reinheit! Beseligende Leichtigkeit! Das alles spricht von selbst schon viel, daß kaum noch Einzelheiten zu erwähnen sind. Je weniger der feinstoffliche Körper, also der Mantel des menschlichen Geistes im Jenseits, mit irgend einem Hange nach Niederem, mit irgend einem Begehren nachgrobstofflichen Dingen und Genüssen belastet ist, desto weniger zieht es ihn darnach, desto weniger dicht und dadurch auch desto weniger schwer wird sein feinstofflicher Körper sein, der sich seinem Wollenen entsprechend bildet, und desto schneller wird er durch seine Leichtigkeit emporgehoben werden in die lichteren, der geringeren Dichtheit seines feinstofflichen Körpers entsprechenden Regionen.
Je undichter, also lockerer und feiner dieser feinstoffliche Körper durch seine Abgeklärtheit von niederen Begierden wird, desto heller und lichter muß er auch erscheinen, da dann der Kern des Geistig-Wesenhaften in der Menschenseele, der an sich durch seine Beschaffenheit strahlend ist, immer mehr von innen heraus den undichter werdenden feinstofflichen Körper durchscheint, während in den unteren Regionen dieser an sich strahlende Kern durch die größere Dichtheit und Schwere des feinstofflichen Körpers verhüllt und verdunkelt bleibt.
Auch in den Regionen des Lichtes wird eine jede Menschenseele je nach Beschaffenheit ihres feinstofflichen Körpers die Gleichart finden, also Gleichgesinnte. Da nur das wirklich Edle, das Gutwollende, nach oben zu streben fähig ist, frei von niederen Begierden, so wird er als seine Gleichart auch nur Edles antreffen. Dass der Bewohner einer solchen Region keine Qualen zu erleiden hat, sondern nur den Segen des von ihm gleichartig ausströmenden Edlen genießt, sich darin beseligt fühlt und wiederum selbst auch Freude in den anderen seinem eigenen Tun gegenüber erweckt und mitempfindet, ist ebenfalls leicht verständlich. Er kann sagen, dass er in den Gefilden der Seligen, sich also Beseligtfühlenden, wandelt. Angespornt davon, wird seine Freude an dem Reinen und Hohen immer stärker werden und ihn weiter und weiter emporheben. Sein feinstofflicher Körper wird durchdrungen von diesem Empfinden, feiner und immer weniger dicht werden, sodass das Leuchten des geistig-wesenhaften Kernes immer strahlender durchbricht, und zuletzt auch die letzten Stäubchen dieses feinstofflichen Körpers wie in Flammen aufgehend abfallen, wodurch dann der somit vollendete und bewußte, persönlich gewordene Menschengeist in vollkommen reingeistgwesenhafter Art die Grenze in das Geistig-Wesenhafte überschreiten kann. Erst damit tritt er in das ewige Reich Gottvaters, in das unvergängliche Paradies.
So wenig ein Maler die Qualen des wirklichen Lebens der dunklen Regionen wiedergeben könnte, ebenso wenig vermag er das Entzücken zu schildern, das in dem Leben der Regionen des Lichtes liegt, auch wenn die Regionen noch zu dem vergänglichen Feinstofflichen gehören, und die Grenze zu dem ewigen Reiche Gottvaters noch nicht überschritten ist.
Jede Schilderung und jeder Versuch, das Leben bildhaft wiederzugeben, würde unbedingt eine Verkleinerung bedeuten, die der Menschenseele deshalb statt Nutzen nur Schaden bringen müßte.
Weltgeschehen.
Es gibt keine größere Gefahr für eine Sache, als eine Lücke zu lassen, deren Füllungsnotwendigkeit vielfach empfunden wird. Es hilft dann nichts, darüber hinweggehen zu wollen; denn eine derartige Lücke hindert jeden Fortschritt, und wird, sobald darüber ein Bau errichtet ist, diesen eines Tages zusammenbrechen lassen, auch wenn er mit größter Kunstfertigkeit und mit wirklich gutem Material ausgeführt ist.
So zeigen sich heute die verschiedenen christlichen Religionsgemeinschaften. Sie verschließen mit zäher Energie Auge und Ohr an manchen Stellen ihrer Lehren, die eine Unlogik fühlen lassen. Mit leeren Worten versuchen sie darüber hinweg zu schreiten, anstatt wirklich einmal ernsthaft in sich zu gehen. Wohl empfinden sie die Gefahr, daß die durch eine Lehre blinden Glaubens provisorisch gelegte Brücke über derartige Klüfte eines Tages nicht mehr zureichend sein können, und sie fürchten den Augenblick, der diesen leichten Bau durch Erleuchtung erkennen lassen muß. Auch wissen sie, daß dann niemand mehr zu bewegen sein wird, einen so trügerischen Weg zu betreten, wodurch natürlich der dann wieder folgende solide Weiterbau und Weg ebenfalls leer bleiben muß. Ebenso ist ihnen bekannt, daß ein einziger Luftstrom frischer Wahrheit solche künstlichen Gebilde hinwegfegen muß. Doch in Ermangelung eines Besseren suchen sie trotz aller Gefahren die schwankende Planke festzuhalten. Sie sind sogar viel eher bereit, sie mit allen Mitteln zu verteidigen und den zu vernichten, der es wagen würde, in der Wahrheit selbst einen festen Übergang zu bringen. Ohne Zögern würden sie den Vorgang zu wiederholen versuchen, der vor nahezu zweitausend Jahren sich auf dieser Erde abspielt, der seinen Schatten noch bis auf den heutigen Tag wirft, und den sie doch selbst als große Anklage gegen die Verblendung und verderbliche Starrköpfigkeit der Menschheit zum Brennpunkte ihrer Lehren und ihres Glaubens machten. Es waren die Träger der Religionen und die damaligen Gelehrten, die in ihrer dogmatischen Einengung und ihrem Schwäche verratenden Dünkel die Wahrheit und den Gottessohn nicht zu erkennen vermochten, sich auch davor verschlossen und ihn und seine Anhänger aus Furcht und Neid heraus haßten und verfolgten, während die anderen Menschen sich leichter der Erkenntnis öffneten und die Wahrheit des Wortes schneller empfanden. Trotzdem nun die heutigen Träger der christlichen Religionsgemeinschaften den Leidensweg des Gottessohnes besonders betonten, so haben sie doch an dieser Tatsache selbst nichts gelernt und keinen Nutzen daraus gezogen. Gerade die heutigen Führer dieser auf Christi Lehren gegründeten Gemeinschaften, wie auch diejenigen der neueren Bewegungen würden auch heute wieder Jeden unschädlich zu machen versuchen, der die schwankenden Übergänge über bedenkliche Lücken oder Klüfte in ihren Belehrungen und Auslegungen durch die Wahrheit selbst gefährden könnte. Sie würden ihn mit ihrem Haß verfolgen, der aus Angst geboren ist, und noch viel mehr aus Eitelkeit heraus, genau wie es schon einmal war.
Die Größe würde ihnen fehlen zu ertragen, daß ihr Wissen nicht ausreichte, die Wahrheit selbst zu erkennen und die Lücken auszufüllen, um damit den Menschen zum leichteren Verstehen und vollem Erfassen den Weg zu ebnen.
Und doch ist der Menschheit nur durch volles Erfassen ein Aufstieg möglich, niemals durch blinden, unwissenden Glauben!
Eine solche Lücke durch falsche Überlieferung ist der Begriff des „Menschensohnes“. Krankhaft wird daran festgehalten, ähnlich den Pharisäern, die sich der ihren herkömmlichen starren Lehren gegenüberstellenden Wahrheit durch den Gottessohn nicht erschließen wollten. Christus hat von sich nur als Gottessohn gesprochen. Die Unlogik sich gleichzeitig Menschensohn zu nennen, lag ihm fern. Mag man aus den eigenen Zweifeln heraus mit größte Kunstfertigkeit und Gewandtheit nach allen Richtungen hin versucht haben, diesen offensichtlichen und von jedem ruhig denkenden Menschen empfundenen Widerspruch zwischen Gottessohn und Menschensohn zu klären, so kann doch trotz aller Mühen nicht behauptet werden, dass eine Vereinigung gefunden wurde. Die günstige aller Deutungen müßte immer und immer wieder eine Doppelnatur zeigen, die nebeneinander stehen blieb, niemals aber als eins erscheinen konnte.
Das liegt auch ganz in der Natur der Sache. Der Gottessohn kann nicht zum Menschensohne werden, nur, weil er durch eines Menschen Leib geboren werden mußte, um auf Erden wandeln zu können.
Es ist jedem Christen bekannt, dass der Gottessohn lediglich in geistiger Mission kam, und alle seine Worte das geistige Reich betrafen, also geistig gemeint waren. Demnach darf von vornherein auch sein mehrmaliger Hinweis auf den Menschensohn nicht anders aufgefasst werden! Warum soll nun hier eine Ausnahme sein. Geistig aber war und blieb Christus lediglich der Gottessohn! Wenn er nun von dem Menschensohne sprach, so konnte er sich nicht selbst meinen. Es liegt in dem allen viel Gewaltigeres, als die heutigen Auslegungen der christlichen Religionen wiedergeben. Der offene Widerspruch müßte schon lange ernster zum Nachdenken angeregt haben, wenn nicht die dogmatische Einklammerung alles verdunkelte. Statt dessen griff man ohne die für so einschneidende Dinge unbedingt notwendige ernste Prüfung zum krampfhaften Festhalten an dem überlieferten Worte und legte sich so Scheuklappen an, die den freien Ausblick hinderten. Natürliche Folge ist, daß solche Ausleger und Lehren, obwohl in der Schöpfung Gottes stehend, nicht einmal diese richtig zu erkennen vermögen, wodurch allein die Aussicht besteht, auch dem Schöpfer selbst dem Ausgangspunkte des Werkes, näher zu kommen.
Christus lehrte in erster Linie volle Natürlichkeit, das heißt, sich in die Gesetze der Natur, also der Schöpfung einzufügen. Einfügen aber kann sich nur der, der die Naturgesetze kennt. Die Naturgesetze wiederum tragen den Willen des Schöpfers in sich, und können somit auch den Weg zur Erkenntnis des Schöpfers selbst geben. Wer nun die Naturgesetze kennt, erfährt aber auch, wie unverrückbar diese wirkend ineinandergreifen; weiß deshalb, daß dieses Wirken in seiner steten Folgerichtigkeit unabänderlich ist, wie damit auch der Wille des Schöpfers Gottvaters.
Jede Abweichung müßte eine Änderung des Göttlichen Willens bedeuten Eine Änderung aber würde auf Unvollkommenheit hinweisen. Da aber der Urquell alles Seins, Gottvater, nur einheitlich und vollkommen ist, so muß auch die kleinste Abweichung der Naturgesetze, also der Entwicklungsgesetze, einfach unmöglich und von vornherein ausgeschlossen sein. Diese Tatsache bedingt, dass auch Religionswissenschaft und Naturwissenschaft in jeder Beziehung eins sein müssen in lückenloser Klarheit und Folgerichtigkeit, wenn sie die Wahrheit wiedergeben sollen.
Dass die Naturwissenschaften heute noch eine im Verhältnis zur ganzen Schöpfung sehr niedere Grenze des Wissens ist, wird nicht geleugnet, da sie sich lediglich an das Grobstoffliche gehalten hat, weil der Verstand in heutigem Sinne nur an das Raum und Zeit Gebundene heranzugehen vermag. Der einzige, allerdings auch unverzeihliche Fehler dabei ist nur, dass die Jünger dieser Wissenschaft alles Darüberhinausgehende spöttisch als nichtbestehend zu leugnen suchen, natürlich nur aus Vermessenheit heraus, mit Ausnahme weniger Gelehrten, die das Mittelmaß überschritten haben und weiterschauender wurden, und die es verschmähten Nichtwissen mit Dünkel zu überdecken. Religionswissenschaft aber greift viel weiter, bleibt aber trotzdem ebenfalls auf die über das an Raum und Zeit Gebundene hinausgreifenden Naturgesetze angewiesen, die vom Urquell kommend in das Irdich-Sichtbare ohne Unterbrechung und ohne Abänderung ihrer Art hinauslaufen. Aus diesem Grunde dürfen auch Religionslehren weder Lücken noch Widersprüche bergen, wenn sie der Wahrheit, also den Naturgesetzen oder dem göttlichen Willen wirklich entsprechen sollen, wenn sie also die Wahrheit bergen sollen. Freiheiten blinden Glaubens dürfen sich zu Führung dienende und verantwortungsreiche Lehren nicht erlauben!
Schwer lastet deshalb der Irrtum des Begreifens vom Menschensohne auf den Anhängern der wahren Christuslehren, weil sie irrtümliche Über-lieferungen ruhig hinnehmen und weiterschleppen trotzdem in vielen Menschen zeitweise gegenteiliges Empfinden leise mahnt.
Gerade die Unabänderlichkeit göttlichen Willens in seiner Vollkom-menheit ist es, die ein willkürliches Eingreifen Gottes in der Schöpfung ausschließt. Sie ist es aber auch, die nach der Abspaltung Lucifers durch dessen falsches Handeln*3) diesen nicht einfach auszuschalten vermag, ebenso einen Missbrauch der Naturgesetze, des göttlichen Willens durch die Menschen zulassen muss, weil dem Menschengeiste durch seine Herkunft aus dem ewigen Geistig-Wesenhaften ein freier Entschluss vorbehalten ist.**4) In den Geschehnissen der fein – und grobstofflichen Schöpfung muss sich gerade die unverrückbare Vollkommenheit des Schöpferwillens als eine Art Gebundensein zeigen. Aber nur minderwertige und kleine Menschengeister können bei dieser Erkenntnis eine Beschränkung der Macht und Größe sehen. Eine derartige Auffassung würde lediglich das Produkt ihrer eigenen Beschränktheit sein.
Die Unermesslichkeit des Ganzen verwirrt sie, weil es ihnen tatsächlich nur möglich ist, sich ein Bild davon vorzustellen, wenn es – Ihrem Verstehen entsprechend – eine engere Grenze hat.
Wer sich jedoch wirklich bemüht, seine Schöpfer in dessen Wirken zu erkennen, der wird auf dem sicheren Wege der Naturgesetze ein überzeugendes Ahnen empfangen haben von den weitausgreifenden Vorgängen, deren Anfänge in dem Urquell, also in dem Ausgangspunkte alles Geschehens liegen, um sich von dort aus wie unverrückbare Schienenstränge durch die Schöpfung zu ziehen, auf denen dann alles weitere Leben je nach Stellung der Weiche sich abrollen muß. Das Weichenstellen aber besorgt der Menschengeist in seinem Laufe durch das Stoffliche selbsttätig. (Heft 5, „Der Mensch und sein freier Wille!) Durch Lucifers Prinzip läßt sich nun leider die Mehrzahl zur falschen Weichenstellung veranlassen, und so rollt dann deren Leben nach den unabänderlichen Fortentwicklungsgesetzen, die gleich Schienensträngen alles Stoffliche durchziehen, mehr und mehr abwärts, einem je nach der Einstellung ganz bestimmten Endziele zu.
Die Weichenstellung des freien Entschlusses kann nun vom Ursprung aus genau beobachtet oder empfunden werden, woraufhin der weitere Verlauf klar zu erkennen ist, weil er nach einem erfolgten Entschlusse in der Fortentwicklung nur den entsprechenden in der Schöpfung verankerten Gesetzes-Schienensträngen entlang laufen muss. Dieser Umstand ermöglicht das Vorausschauen so mancher Geschehnisse, weil die Natur – oder Schöpfungsgesetze in ihrem Entwicklungsdrange niemals abweichen. Jahrtausende spielen dabei keine Rolle. In diesen vorausgeschauten, unbedingten Endzielen entstehen dann die großen Offenbarungen, die Begnadeten in Bildern geistig gezeigt werden und durch Weitergabe zur Kenntnis der Menschheit kommen. Es ist aber dabei nicht mit Bestimmtheit vorauszusagen: die irdische Zeit, zu der sich solche Offenbarungen und Verheißungen erfüllen!
Das geschieht zu der Stunde, in welcher ein solcher Lebensverlauf seinen gewählten Schienen entlangrollend an einer vorauserklärten Zwischenstation oder dem Endziele einfährt. Das Schicksal des Menschen wie des Volkes und zuletzt der ganzen Menschheit ist mit dem Zuge zu vergleichen, der auf einer eingleisigen Bahn vor nach allen Richtungen führenden Schienensträngen wartend steht. Der Mensch stellt eine Weiche nach seinem Belieben ein, springt aus und gibt Dampf, das heißt, er belebt ihn. Bei seinem Einbiegen in das von ihm gewählten Gleise vermag man nur die einzelnen Stationen und die Endstationen zu erkennen, nicht aber die genaue Stunde der jeweiligen Ankunft, da dies von der Fahrtgeschwindigkeit abhängt, die je nach der Art des Menschen wechseln kann; denn der Mensch belebt die Maschine und wird sie je nach seiner eigenen Art in ruhigem Gleichmaße oder in stürmischer Leidenschaft oder abwechselnd verschiedenartig vorwärtstreiben. Je mehr solche Einzelmenschen – oder Völker – oder Menschheitszug sich aber einer Station seiner Schienen – oder Schicksalsrichtung nähert, desto sicherer kann das nahende Eintreffen erschaut und angedeutet werden. Das Schienennetz hat aber auch einige Verbindungslinien, die durch jeweilige Weichenumstellungen während der Fahrt benützt werden können, um eine andere Richtung zu erhalten und somit auch eine andere Endstation als der zu erst zugesteuerten zu erreichen, Es erfordert dann natürlich ein Langsamerfahren beim Nahen einer derartigen Weiche, ein Anhalten und Weichenumstellen. Das langsamere Fahren ist das Nachdenken, das Anhalten der Entschluss des Menschen, der ihm immer bis zu einem letzten Entscheidungspunkte immer möglich ist, und das Umstellen die diesem Entschlusse folgende Tat.
Den göttlichen willen, der sich in den feststehenden Naturgesetzen wie Schienenstränge durch das Stoffliche zieht, kann man auch die Nerven in dem Schöpfungswerke nennen, die den Ausgangspunkt, den schöpferischen Urquell, jede Unebenheit in dem gewaltigen Körper des Werkes fühlen lassen oder ihm melden.
Dieser auf Grund der unverrückbaren Gesetze bis an jedes Ende ausschauende sichere Überblick veranlasst den Schöpfer, seinen Offenbarungen auch Verheißungen anzuknüpfen, die für die Zeit herannahenden gefährlichsten Kurven, Zwischenstationen oder Endstationen rechtzeitig von ihm kommende Helfer verkünden! Diese Helfer sind von ihm ausgerüstet, kurz vor Eintreffen unausbleiblicher Katastrophen und gefährlichen Wendungen den auf diesen falschen Gleisen rollenden Menschengeistern durch Verkündung der Menschheit die Augen zu öffnen, damit es ihnen möglich wird, noch rechtzeitig eine andere Weiche einzustellen, um die immer gefährlicher werdenden Stellen zu vermeiden und durch eine neue Richtung auch dem verderbenbringenden Endziele zu entgehen. Wehe dem Menschen in Dies – und Jenseits, der die letzte aller Umstellungsweichen und damit die Möglichkeit einer besseren Richtung übersieht und versäumt! Er ist rettungslos verloren.
Da der Schöpfer an der Vollkommenheit seines Willens nicht rütteln kann, so wird auch er bei diesem Helfen genau wieder die bestehenden Gesetze einhalten. Mit anderen Worten: Sein Wille ist von Urbeginn an vollkommen. Jede seiner neuen Willensakte werden selbstverständlich ebenfalls vollkommen sein. Das bedingt, dass jeder neue Willensakt von ihm auch genau die gleichen Gesetze in sich tragen muss als die bereits vorausgegangenen. Folge davon ist wieder die genaue Einfügung in das Entwicklungsgeschehen der fein – und grobstofflichen Welt. Eine andere Möglichkeit ist gerade durch die Vollkommenheit Gottes ein für allemal ausgeschlossen. In dem schon erklärten Vorausschauen entstand die Verheißung der Menschwerdung des Gottessohnes, um mit der Wahrheitsverkündung die Menschheit zur Umstellung der Weiche zu veranlassen. Die Tat der Umstellung bleibt den Gesetzen entsprechend den Menschengeistern selbst vorbehalten. Dadurch aber ist es einem Vorausschauen entzogen, die Art des Entschlusses zu erkennen; denn nur die von den Menschengeistern schon gewählten Bahnen, in die sie die Weiche nach ihren freien Entschluss gestellt haben, können genau in ihren sämtlichen Stationen und Kurven bis zum Endziele überschaut werden. Davon ausgeschlossen sind folgerichtiger Natürlichkeit die Wendepunkte, bei denen ein freier Entschluss der Menschheit ausschlaggebend ist; denn auch dieses Recht ist aus der natürlichen Entstehungs- und Entwicklungsgesetzmäßigkeit heraus durch Gottes Vollkommenheit ebenso unverrückbar wie alles andere, und da der Schöpfer den Menschengeistern dieses Recht durch deren Ursprung aus dem Geistig-Wesenhaften gegeben hat, vermag er auch nicht im voraus zu wissen, wie die Entscheidung von diesen fallen wird. Nur die Folge einer solchen Entscheidung kann er genau bis an das Ende erkennen, weil diese sich dann innerhalb dieses Willens auswirken muss, der in den Gesetzen der fein- und grobstofflichen Schöpfung ruht. Würde es anders sein, so könnte die Ursache dazu aus diesem Grunde nur ein Mangel an Vollkommenheit bedeuten, was unbedingt ausgeschlossen ist.
Der Mensch soll also dieser seiner ungeheueren Verantwortung stets voll bewusst sein, dass er in seinen Grundentschlüssen wirklich unabhängig ist. Leider aber wähnt er sich entweder als vollkommen abhängigen Knecht, oder dann sich überschätzend als einen Teil des Göttlichen. Wahrscheinlich liegt der Grund dafür darin, dass er sich in beiden Fällen der Verantwortung enthoben glaubt. In dem einen Fall als zu tiefe und abhängige Kreatur, in dem anderen Falle als weit darüber stehend. Beides aber ist falsch! Er mag sich als Verweser ansehen, dem in gewissen Dingen freier Entschluss, aber auch die volle Verantwortung zusteht, der also ein großes Vertrauen besitzt und dieses nicht durch schlechtes Haushalten täuschen soll.
Gerade diese Vollkommenheit macht es notwendig, dass der Schöpfer bei Ausübung direkter Hilfen für die falschsteuernde Menschheit bei deren Entschlussfassung rechnen muss. Für solche Fälle hält er aus seiner Weisheit und Liebe heraus, die als ihm zu eigen ebenfalls wieder gesetzmäßig und natürlich sind, weitere Wege zur Hilfe bereit, die sich dann dem ersten, durch Versagen der Menschheit eventuell abgeschnittenen Wege als Fortsetzung anschließen.
So wurde schon vor der Zeit der Menschwerdung des Gottessohnes in dem ewigen Reiche des Vaters ein anderer Sendling für eine Mission vorbereitet, für den Fall, dass die Menschheit trotz des großen Liebesopfers des Vaters versagen könnte. Wenn der Gottessohn mit seiner rein-göttlichen Einstellung nicht so gehört werden würde, dass die Menschheit auf seine Warnung hin die Weiche ihrer Bahnen nach der Richtung hin einstellte, die er ihnen wies, sondern auf ihren bisherigen zum Verderben führenden Bahnen in Verblendung verblieb, so sollte dann noch ein Sendling ausgehen, der der Menschheit in deren innersten Wesen näher stehen konnte als der Gottessohn, um ihr nochmals in der letzten Stunde als Warner und Führer zu dienen wenn-.-.-. sie auf seinen Ruf der Wahrheit hören wollten. Das ist der Menschensohn.
Christus als Gottessohn wusste davon. Als er den überwucherten und verdorrten Boden der Menschenseelen bei seinem Wirken erkannte, wurde ihm klar, dass sein Erdenwallen nicht die Früchte tragen würde, die bei gutem Wollen der Menschheit hätten reifen müssen. Er trauerte tief darüber, überschaute er doch auf Grund der ihm so wohlbekannten Gesetze in der Schöpfung, die den Willen seines Vaters tragen, den unbedingten Fortgang zu dem unvermeidlichen Ende, das der Menschen Art und Wille nach sich ziehen musste. Und da begann er von dem Menschensohne zu reden, von dessen durch die entstehenden Geschehnisse notwendig werdenden Kommen. Je weiter er seine große Mission erfüllte, die je nach dem Entschlusse der Menschheit zwei Wege offen ließ: entweder ein großes Folgen seiner Lehren mit anschließendem Aufstiege unter Vermeidung alles Verderbenbringenden, oder ein Versagen und Weiterstürmen auf abschüssiger Bahn, die ins Verderben führen musste, desto klarer sah er, dass der Entschluss der großen Mehrheit der Menschheit dem Versagen und somit dem Untergange zuneigte. Daraufhin formten sich seine Äußerungen über den Menschensohn zu direkten Verheißungen und Ankündigungen, indem er sprach: „Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird“ . . . usw.
Damit bezeichnete er die Zeit kurz vor der Gefahr des Unterganges, der sich aus dem Versagen der Menschheit seiner Mission gegenüber als Endziel der beharrlich weiter verfolgten Richtung nach den göttlichen Gesetzen in der stofflichen Welt erfüllen musste. Schwer litt er damals bei diesem Erkennen.
Falsch ist jede Überlieferung, die behauptet, dass Jesus als Gottessohn, gleichzeitig auch sich selbst als Menschensohn bezeichnet hätte. Derartige Unlogik liegt weder in den göttlichen Gesetzen, noch ist sie dem Gottessohne als Kenner und Träger dieser Gesetze zuzumuten. Die Jünger wussten nicht Bescheid darin, wie ja aus ihren Fragen selbst hervorging. Von ihnen allein ging der Irrtum aus, der sich bis heute erhalten hat. Sie wähnten, dass der Gottessohn mit dem Ausdruck Menschensohn sich selbst bezeichnete, und aus dieser Annahme heraus überlieferten sie diesen Irrtum auch der Nachwelt, die sich ebenfalls nicht ernster mit der darin liegenden Unlogik befasste, als die Jünger selbst, sondern einfach darüber hinweg gingen, teils aus Scheu, teils aus Bequemlichkeit, trotzdem in der Richtigstellung der Alliebe des Schöpfers nur noch deutlicher und kraftvoller heraustritt. In den Fußstapfen des Gottessohnes gehend, das heißt, seine Mission aufnehmend und weiter tragend, wird der Menschen-sohn als zweiter Gesandter Gottvaters der Menschheit auf der Erde gegenübertreten, um sie durch Verkündung der Wahrheit zurückzureißen von der bisherigen Bahn, und sie zu dem freiwilligen Entschlusse einer anderen Einstellung zu bringen, die abseits führt von den Punkten des Verderbens, die jetzt ihrer warten.
Gottessohn – Menschensohn! Dass darin ein Unterschied liegen muss, ist sicherlich nicht so schwer herauszufinden. Jedes dieser Worte hat seinen scharf umrissenen, streng ausgeprägten Sinn, der eine Vermischung und Verschmelzung in eins direkt zur Trägheit des Denkens stempeln muss. Hörer und Leser der Vorträge werden sich der natürlichen Entwickelung bewusst sein, die vom Urlicht Gottvater, ausgehend bis zu dem grobstofflichen Weltenkörper herabreicht. Der Gottessohn kam aus dem Göttlich-Wesenlosen, das Geistig-Wesenhafte und das Feinstoffliche schnell durcheilend, zur Inkarnation in der grobstofflichen Welt. Deshalb muss er mit vollem Recht der menschgewordene Gottesteil oder Gottessohn genannt werden. Das Durcheilen des Geistig-Wesenhaften, in dem erst der Menschengeist seinen Ausgangspunkt hat, ließ ihn dort, wie auch in dem dann folgenden feinstofflichen Teile der Schöpfung nicht so Fuß fassen, dass sein göttlich-wesenloser Geist starke Schutzhüllen dieser verschiedenen Arten mitnehmen konnte, sondern diese sonst als Rüstung dienenden Hüllen blieben dünn. Das brachte den Vorteil, dass der innerlich Göttliche leichter und stärker durchstrahlte, also hervorbrach, aber auch den Nachteil, dass es in den lichtfeindlichen Niederungen der Erde durch sein Auffallen umso schneller bekämpft und wütender angegriffen werden konnte. Das starke nur schwach verdeckte Göttliche in der irdisch-grobstofflichen Hülle musste fremd unter den Menschen bleiben, als zu fern stehend. Bildlich ausgedrückt könnte man also sagen, dass sein göttlicher Geist für das niedere Grobstofflich-Irdische durch den Mangel an Aufnahme aus dem Geistig-Wesenhaften und dem Feinstofflichen nicht genügend gewappnet und gerüstet war. Die Kluft zwischen dem Göttlichen und dem Irdischen blieb nur schwach überbrückt.
Da nun die Menschen dieses Geschenk göttlicher Liebe nicht achteten und hüteten, sondern aus dem natürlichen Triebe alles Dunkleren heraus dem lichten Gottessohn mit Feindseligkeiten und Hass entgegentraten, so musste ein zweiter Sendling kommen in dem Menschensohne, der für die grobstoffliche Welt stärker gewappnet ist.
Auch der Menschensohn ist ein Gottgesandter und aus dem Göttlich-Wesenlosen hervorgegangen. Er wurde aber vor seiner Sendung in die grobstoffliche Welt in das ewige Reingeistig-Wesenhafte inkarniert, also eng verbunden mit der geistigen Wesensart, aus dem das Samenkorn des Menschengeistes stammt! Damit tritt der göttlich-wesenlose Kern dieses zweiten Gesandten dem Menschengeiste in dessen Ursprunge näher, wodurch er auch mehr Schutz und unmittelbare Kraft gegen diesen gewinnt.
In den höchsten Höhen der gleichen Wesensart des Menschengeistes lebt für alles Bestehende je ein vollendetes Ideal dessen, was die Fortentwicklung aus dem Geistig-Wesenhaften heraus alles in sich tragen kann so auch das ewige, reingeistig-wesenhafte Ideal des Weiblichen, gleichsam als Königin der Weiblichkeit mit allen lebendigen Tugenden. Jeder weibliche Geistkeim trägt die unbewusste Sehnsucht in sich, diesem reinen, in edelster Form lebendigen Ideale nachzustreben. Leider artet diese unbewusste Sehnsucht während des Laufes durch die Stofflichkeit oft in Eitelkeit aus, die vortäuschend und in Selbstbetrug viel nicht Lebendiggewordenes, aber doch Ersehntes ersetzen soll. Doch diese Sehnsucht wird bewusster bei dem Emporsteigen zum Licht, noch in der feinstofflichen Welt. Sobald die niederen Begierden abzufallen beginnen, bricht sie immer heftiger hervor, um zuletzt die Tugenden zu beleben und zu stärken. Der Magnet und Brennpunkt dieser Sehnsucht nach den weiblichen Tugenden ist die Königin der Weiblichkeit in dem unvergänglichen Reiche des Vaters, dem Reingeistig-Wesenhaften. Der göttlich-wesenlose Kern des zweiten Gottgesandten nun wurde in dieses geistig-wesenhafte Ideal der Weiblichkeit gesenkt und von ihr als geistig-wesenhafte Mutter in dem ewigen Reiche Gottvaters großgezogen, mit der Gralsburg als Heimat seiner geistigen Jugend. Erst von hier aus erfolgte erst seine Sendung in die grobstoffliche Welt, zu einer Zeit, dass er zur rechten Stunde auf den Kampfplatz treten kann, um den um geistige Führung Bittenden ernsthaften Gottsuchern den rechten Weg in das Reich des Vaters weisen zu können, und gleichzeitig Schutz zu gewähren vor den Angriffen der ihnen feindlichen Abwärtsstrebenden.
Da er im Gegensatze zu dem Gottessohne seine Geistige Jugend in dem Geistig-Wesenhaften verbrachte, also in dem Ursprunge und Ausgangspunkte des Menschengeistes, so wurzelt er gleichzeitig außer in dem Göttlich-Wesenlosen auch fest in dem Geistig-Wesenhaften, kommt dadurch in seiner Art der Menschheit näher und ist in der Paarung der Herkunft und Jugend richtiggehend Gottmensch! Hervorgehend aus dem Göttlich-Wesenlosen und auch aus dem Reingeistig-Wesenhaften, dem Urbeginn der Menschheit. Aus diesem Grunde wird er im Gegensatz zum reinen Gottessohn der Menschensohn genannt, dem der Weg zum Göttlich-Wesenlosen durch seine Herkunft offen steht! Deshalb trägt er göttliche Kraft und Macht in sich und steht damit der ganzen Menschheit wie auch Lucifer zum Kampf wohlausgerüstet gegenüber.
Darum wachet, dass Ihr ihn erkennet, sobald die Zeit für ihn gekommen ist; denn er bringt auch die Zeit für Euch!
Der Unterschied im
Ursprung zwischen Mensch und Tier.
Um den Unterschied des Ursprungs zwischen Mensch und Tier klar zu machen, bedarf es einer eingehenden Zergliederung der Schöpfung als bisher. Mit den üblichen Schlagwörtern wie „Gruppenseele“ des Tieres gegenüber dem persönlichen „Ich“ des Menschen ist dabei nicht genug getan, trotzdem es an sich schon richtig gedacht ist. Aber es wird dabei nur das Allgemeine und dem irdischen Zunächstliegende weitumrissen gezeigt, doch nicht der eigentliche Unterschied genannt.
Es muss hierbei die Entwicklung der Schöpfung bekannt sein, die in dem Vortrage „Schöpfungsentwicklung“*5) erklärt ist.
Der leichteren Übersicht halber seien die Haupt-Stufen von oben herab noch einmal wiedergegeben:
Der
Mensch hat seinen geistigen Ursprung in dem
Unbewußt-Geistig-Wesenhaften. Das Tier dagegen seinen wesenhaften
Ursprung in dem Unbewusst-Wesenhaften. Zwischen diesen beiden Stufen
ist ein gewaltiger Unterschied. Der belebende Kern des Menschen ist
Geist. Der belebende Kern des Tieres aber ist Wesen.
Ein Geist steht weit über dem Wesen; der innere Ursprung des Menschen demnach auch viel höher als der des Tieres, während beide gemeinsam nur den Ursprung des grobstofflichen Körpers haben. Der Geist des Menschen hat jedoch seinen ursprünglich reintierischen Körper mit der Zeit weiter ausgebildet, als es dem Wesen des Tieres möglich wurde.
Die Lehre der natürlichen Entwicklung des grobstofflichen Körpers von dem niedrigsten Tierkörper angefangen bis zum Menschenkörper ist deshalb richtig. Sie zeigen das in jeder Beziehung lückenlose Aufwärtsarbeiten des schöpferischen Willens in der Natur. Ein Zeichen der Vollkommenheit.
Es ist bei dieser Lehre nur der eine, allerdings auch große Fehler gemacht worden, dass man über das Grobstoffliche nicht hinausging. Wenn man sagt, der menschliche Körper, also der grobstoffliche Mantel des Menschen, stammt vom Tierkörper ab, der vor dem Menschenkörper da war, so ist das richtig. Diese Körper machen aber weder den Menschen noch das Tier aus, sondern gehören nur als in der Grobstofflichkeit notwendig dazu. Will man aber daraus folgern, dass auch die innere Lebendigkeit des Menschen von der des Tieres abstamme, so ist dies ein unverzeihlicher, irreführender Fehler, der einen Zwiespalt erwecken muss. Aus diesem Zwiespalt heraus entsteht auch in so vielen Menschen die gesunde Empfindung gegen eine derartige unrichtige Annahme. Einesteils werden sie von der Richtigkeit der Annahme angezogen, die die Körper betrifft, andererseits wieder abgestoßen von der groben Nachlässigkeit, die ohne Weiteres den inneren Ursprung mit hineinverweben will.
Die Wissenschaft konnte allerdings bisher kaum anders, als zu sagen, dass in der natürlichen Entwicklung der Mensch schließlich vom Tier, und zunächst von einem affenähnlichen Tier abstammen muss, das in seiner Form dem menschlichen Körper am nächsten kam, weil sie sich bisher lediglich nur mit dem Stofflichen zu beschäftigen vermochte. Vorwiegend sogar nur mit dem Grobstofflichen, das einen ganz kleinen Teil der Schöpfung ausmacht. Und von dieser kennt sie auch nur die gröbsten Äußerlichkeiten. In Wirklichkeit also verschwindend wenig, so gut wie nichts. Verschiedenes Wertvollere vermag sie wohl heute endlich zu verwenden, kennt es aber in seinem Eigentlichen noch nicht, sondern muss sich notgedrungen dabei mit einigen Fremdwörtern abfinden, die sie an Stelle des Wissens setzt. Diese Worte bezeichnen lediglich die provisorische Klassifizierung eines bestehenden und schon verwendbaren gewissen Etwas, dessen eigentliche Art man nicht kennt, noch viel weniger den Ursprung.
Das Wesenhafte aber und noch viel mehr das Geistige stehen über allem Stofflichen, sind von der Erde aus nach oben zu in Fortsetzung zum Ursprung alles Bestehenden, oder, was natürlicher ist, von oben herab aus dem Stofflichen in der Entwicklung Vorausgegangene.
Es muss bedacht werden, dass alles Geistige wie auch alles Wesenhafte, selbstverständlich und aus der Entwicklung heraus naturgemäß bedingt den Mantel eines grobstofflichen Körpers braucht, sobald es den Entwicklungsgesetzen gehorchend als bildender Faktor und lebendiger Kern bis in das Grobstoffliche vordringt. Jeder Zwist wird sofort behoben sein, wenn man endlich entweder weiter aufwärts dringt in allem Forschen, also über das Feinstoffliche hinaus, oder dem natürlichen Entwicklungsgange von oben herab zu folgen vermag. Die Zeit ist da, wo der Fuß dazu erhoben werden muss. Doch die größte Vorsicht ist dabei geboten, damit geistiges Wissen, das die Logik unverkennbar in sich trägt, nicht unbemerkt in unwissende Fantasie herabgezogen wird. Man muss beachten, dass dem Wesenhaften und dem Geistigen auch nur mit klarem, freiem Geiste gegenübergetreten werden kann, nicht wie im Stofflichen mit Waagen, Seziermessern und Gläsern.
Ebenso wenig aber auch mit beengtem Geiste oder Voreingenommenheit, wie es so oft versucht wird. Das verbietet sich nach den bestehenden Schöpfungsgesetzen von selbst in unüberbrückbarer Art. Darin wird eine kleine menschliche Kreatur auch mit der größten Anmaßung nicht an dem in seiner Vollkommenheit ehernen Willen seines Schöpfers abbiegen können.
Der eigentliche Unterschied zwischen dem Menschen und dem Tiere liegt also lediglich in seinem Inneren. Ein Tier kann auch nur in das Wesenhafte zurückkehren, nachdem es den Grobstofflichen Körper abgelegt hat, während ein Mensch in das Geistig zurückkehrt, das viel höher liegt.
Der Mensch vermag wohl in gewisser Beziehung oft herabzusteigen zum Tier, muss aber trotzdem immer Mensch bleiben, da er sich der Verantwortung nicht zu entziehen vermag, die ihren Keim in seinem geistigen Ursprung hat; Das Tier mit seinem nur wesenhaften Ursprunge jedoch kann sich niemals zum Menschen emporschwingen. Der Unterschied zwischen den Körpern aber liegt nur in der Form, und in der edlen Entwicklung bei dem Menschen, die durch den Geist hervorgerufen wurde, nachdem er in den grobstofflichen Körper eingegangen war.*6)
Fragenbeantwortung.
Frage: Es liegt etwas Unausgesprochenes zwischen der Wissenschaft und der allgemeinen Menschheit, das nicht verbindend, sondern trennend wirkt, während doch die Menschheit schließlich direktes Anrecht an die Wissenschaft hat.
Antwort: Natürlich hat die ganze Menschheit volles Anrecht auf die Wissenschaft; denn diese versucht ja nur, das Gottgeschenk der Schöpfung verständlicher zu machen. Die eigentliche Tätigkeit eines jeden Zweiges der Wissenschaft liegt in dem Versuche, die Gesetze des Schöpfers näher zu ergründen, damit diese durch deren genauere Kenntnis ausgiebiger zu Nutzen und Frommen der Menschheit verwendet werden können.
Es ist dies weiter nichts als ein Sichunterordnenwollen unter den göttlichen Willen.
Da aber nun die Schöpfung und die sie tragenden Natur- oder Gottesgesetze in ihrer Vollkommenheit so überaus klar und einfach sind, so müßte die natürliche Folge auch eine schlichte und einfache Erklärung geben durch den, der sie wirklich erkannt hat.
Hier aber setzt nun eine fühlbare Differenz ein, die durch ihre ungesunde Art eine immer mehr sich erweiternde Kluft zwischen der Menschheit und denen reißt, die sich Jünger der Wissenschaft, also Jünger des Wissens oder der Wahrheit nennen.
Diese drücken sich nicht so einfach aus, wie es der Wahrheit, also dem eigentlichen Wissen entsprechen würde, ja, wie es die Wahrheit überhaupt als natürliche Folge verlangt.
Das hat zwei Ursachen, eigentlich drei. Für die nach ihrer Meinung besondere Mühe des Studiums erwarten sie eine Sonderstellung. Dass dieses Studium auch nur ein Entlehnen aus der fertigen Schöpfung ist, wie es ähnlich ein einfacher Landmann durch die für ihn notwendige ruhige Beobachtung der Natur durchführt, oder andere Menschen in ihren praktischen Arbeiten es tun müssen, wollen sie sich nicht gern klar machen.
Außer diesem wird ein Jünger der Wissenschaft, solange er nicht wirklich in seinem Wissen der Wahrheit nahe kommt, sich aus der Natur der Sache heraus immer unklar ausdrücken müssen. Erst dann, wenn er die Wahrheit selbst wirklich erfasst hat, wird er ebenso wieder aus der Natur der Sache heraus notwendigerweise einfach und natürlich in seinen Schilderungen werden. Es ist nun kein Geheimnis, dass gerade Nichtwisser während ihrer Übergänge zum Wissen gern mehr sprechen als die Wissenden selbst, und sie werden sich dabei immer der Unklarheit bedienen müssen, weil sie nicht anders können, wenn sie die Wahrheit, also das eigentliche Wissen, noch nicht vor sich haben.
Drittens aber liegt tatsächlich die Gefahr vor, dass die Allgemeinheit der Menschen der Wissenschaft sehr wenig Beachtung schenken würde, wenn diese sich in dem natürlichen Mantel der Wahrheit zeigen wollte. Die Menschen würden sie dann „zu natürlich“ finden, um ihr viel Wert beilegen zu können.
Dass aber gerade das das einzig Richtige ist und auch den Maßstab gibt für alles Echte und Wahre, daran denken sie nicht. Nur in der natürlichen Selbstverständlichkeit liegt die Garantie der Wahrheit.
Doch dazu sind die Menschen nicht so leicht zu bekehren, wollten sie ja auch in Jesus nicht den Gottessohn erkennen, weil er ihnen „zu einfach“ kam.
Diese Gefahr wussten die Jünger der Wissenschaft von jeher ganz genau. Deshalb verschlossen sie sich aus Klugheit der natürlichen Einfachheit der Wahrheit immer mehr und mehr. Um sich und ihre Wissenschaft zur Geltung zu bringen, schufen sie in grüblerischem Sinnen immer schwerer werdende Hindernisse.
Der sich aus der Masse heraushebende Gelehrte verschmähte es, sich einfach und allen verständlich auszudrücken. Oft aus dem ihm selbst kaum bewussten Grunde, dass ihm wohl nicht viel Vorhabendes verblieben wäre, wenn er sich eine Ausdrucksweise formte, die erst in jahrelangem Studium besonders hätte erlernt werden müssen.
Sich nicht allen verständlich zu machen, schuf ihm mit der Zeit einen künstlichen Vorrang, der von seinen Schülern und Nachfolgern um jeden Preis festgehalten wurde, da sonst bei vielen das jahrelange Studium und die damit verbundenen Geldopfer tatsächlich vergebens gewesen wären.
Heute nun ist es so weit gekommen, dass es vielen Gelehrten überhaupt nicht mehr möglich ist, sich einfachen Menschen gegenüber klar und verständlich, also einfach auszudrücken. Das Bestreben würde nunmehr wohl das schwerste Studium erfordern und mehr als ein ganzes Menschenalter in Anspruch nehmen. Es würde aber vor allen Dingen das für viele unangenehme Ergebnis zeitigen, dass dann nur noch solche Menschen hervorragen, die der Menschheit mit wirklichem Können etwas zu geben haben und ihr damit zu dienen bereit sind.
Jetzt ist Verschleierung durch Unverständlichkeit für die Allgemeinheit eine besonders hervorstechende Eigenart der Gelehrtenwelt, wie es ähnlich schon in kirchlichen Dingen gepflogen wurde, wobei irdisch berufene Gottesdiener zu den Andachtsuchenden und Erhebungheischenden als Führer und Lenker lateinisch sprachen, das diese nicht verstanden und demnach auch nicht erfassen und sich zu eigen machen konnten, wovon allein sie irgendwelchen Gewinn zu haben vermochten. Die Gottesdiener hätten damals ebenso gut siamesisch reden können mit der selben Erfolglosigkeit.
Das wahre Wissen darf es nicht nötig haben, sich unverständlich zu machen; denn in ihm liegt gleichzeitig auch die Fähigkeit, ja das Bedürfnis, sich in sachlichen Worten auszudrücken. Die Wahrheit ist ohne Ausnahme für alle Menschen; denn diese entstammen ihr ja, weil die Wahrheit in dem Geistig-Wesenhaften dem Ausgangspunkte des Menschengeistes, lebendig ist. Das lässt folgern, dass die Wahrheit in ihrer natürlichen Sachlichkeit auch von allen Menschen verstanden werden kann. Sobald sie aber in der Wiedergabe kompliziert und unverständlich gemacht wird, dann bleibt sie nicht mehr rein und wahr, oder die Schilderungen verlieren sich in Nebensächlichem, das die Bedeutung nicht hat wie der Kern. Dieser Kern, das echte Wissen, muss allen verständlich sein. Künstlich Emporgeschraubtes kann in seiner Entfernung von der Natürlichkeit nur wenig Weisheit in sich bergen. Ein Jeder hat das wahre Wissen nicht erfasst, der es nicht einfach und natürlich weiter geben kann, sonst sucht er unwillkürlich etwas zu verdecken, oder ist wie eine aufgeputzte Puppe ohne Leben.
Wer in der Folgerichtigkeit noch Lücken lässt und dafür blinden Glauben fordert, der macht den vollkommenen Gott zu einem Götzen und beweist, dass er den rechten Weg selbst nicht hat, und deshalb auch nicht sicher zu führen vermag. Das sei jedem ernsthaft Suchenden zur Warnung!
Frage: Es wird verschiedenfach in neueren Büchern darauf hingewiesen, dass einst die Zeit der Gottmenschen kommen wird, der vollkommenen Edelmenschen. Ist das die Zeit des tausendjährigen Reiches?
Antwort: Es kommt nicht die Zeit der Gottmenschen, sondern die Zeit des Gottmenschen! Hier liegt der Irrtum wieder in dem Versuch der Verallgemeinerung einer bisher nicht verstandenen persönlichen Ver-heißung.
Niemals wird es Gottmenschen geben können außer dem Einen, der von Gott ausgegangen ist.*7) Die vollkommensten Edelmenschen können in höchster Vollendung aus der Natur der Sache heraus nur Geistmenschen werden, niemals aber göttlich.
Frage: Haben die Gralsblätter irgendwelche Verbindung mit einem der bestehenden Grals-Orden oder solchen Vereinigungen, die sich ähnlich nennen?
Antwort: Die Gralsblätter stehen in keinerlei Verbindung mit irgend einem bekannten Orden oder Verein. Sie würden in ihrer unbedingten Selbständigkeit auch jeden Anschluss ablehnen.
Frage: In vielen Veröffentlichungen der Tageszeitungen weisen die Theosophen auf den Inder Krischnamurti als den erwarteten Großen hin. Was sagen die Gralsblätter dazu?
Antwort: Nichts! Es sind darüber aus verschiedenen Ländern schon zahlreiche Anfragen eingetroffen. Wir lehnen es prinzipiell ab, auf die Angelegenheit irgend einer Vereinigung einzugehen oder eine Meinung darüber abzugeben. Wir stehen der betreffenden Bewegung vollkommen fern. Wer aus der Wahrheit kommt und ernsthaft sucht, wird auch erkennen wenn die Wahrheit zu ihm spricht!
Aus dem Inhalt des nächsten Heftes:
1. Ich bin der Herr, Dein Gott. 2. Der Kreuzestod des Gottessohnes und das Abendmahl. 3. Die Grablegung Christi und die Auferstehung. 4. Schöpfung. 5. Ein arabisches Märchen. usw.
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Buchbesprechung:
Im Verlag von Kurt Stenger, Erfurt 1925, erschien von Wilhelm Müller-Walbaum eine Schrift „Vom ewigen Gral“.
Wenn auch der Verfasser auf dem Boden steht, der in der „Grals-legende“ nur eine Symbolik für allgemeines irdisch-menschliches Geschehen und Entwickeln erblickt, so ist der Gegenstand aber zum Mittel- und Ausgangspunkt so vieler schöner, klar ausgesprochener Gedanken gemacht, sind so viele brennende Fragen mit sachlicher Unparteilichkeit beleuchtet, dass man das Buch vielseitig angeregt aus der Hand legt. Es ist eines der Bücher, das zu lesen man empfehlen kann.
1 ) Heft 2, Vortrag: „Gottessohn und Menschensohn“
2 ) Heft 6: „Der Tod“.
3 ) Heft 7: „Das Geheimnis Lucifer“.
4 **) Heft 2: „Verantwortung“.
5 *) Heft 8.
6 *) Heft 2. „Die Erschaffung des Menschen“.
7 ) Heft 7 „Weltgeschehen“.