Menschensinn und Gotteswille
im Gesetz
der Wechselwirkung
Nenn vom Menschensinn und Menschenanschauung gesprochen werden soll, dem auch das irdische Gericht verbunden ist, so darf nicht erwartet werden, dass dies gleichbedeutend ist mit göttlicher Gerechtig-keit, oder dieser auch nur nahe kommt. Es muss im Gegenteil leider gesagt werden, dass in den meisten Fällen darin sogar ein himmelweiter Unterschied besteht. Bei dieser Gegenüberstellung ist der volkstümliche Ausdruck „himmelweit“ im wahrsten Sinne angebracht. Dieser Unterschied würde sich oft mit dem an Raum und Zeit begrenzten Verstand der Menschheit erklären lassen, der in seiner Beschränktheit nicht vermag, das eigentliche Unrecht zu erkennen und vom Rechte zu scheiden, da dieses selten durch Äußerlichkeiten klar zu erkennen ist, sondern lediglich im Innersten eines jeden Menschen liegt, zu dessen Beurteilung starre Gesetzesparagraphen und Schulweisheit nicht aus-reichen. Betrübend aber ist es, dass deshalb so manche Beurteilungen des irdischen Gerichtes der göttlichen Gerechtigkeit direkt gegenüberstehen müssen.
Es soll nicht von den Zeiten des Mittelalters gesprochen werden, nicht von den traurigen Zeiten der qualvollen Folterungen, sowie der so genannten Hexenverbrennungen und anderen Verbrechen der Justiz. Ebenso wenig sollen die zahlreichen Verbrennungen berührt werden, das Foltern und Morden, welche auf das Schuldkonto der religiösen Gemeinschaften fallen und in ihren Wechselwirkungen die Ausübenden doppelt furchtbar treffen müssen, weil sie den Namen des vollkommenen Gottes dabei missbrauchten, in seinem Namen alle diese Verbrechen ausführten, als angeblich ihm wohlgefällig, und damit ihn vor den Menschen als den dafür Verantwortlichen stempelte. Missbräuche und Greuel, die nicht so schnell vergessen werden dürften, sondern die man immer wieder auch bei heutigen Beurteilungen sich warnend ins Gedächtnis rufen sollte, namentlich da die damals Ausübenden diese Übergriffe mit dem Anschein des vollen Rechtes und besten Glaubens eifrig durchführten.
Vieles ist anders geworden. Und doch wird selbstverständlich auch die Zeit kommen, in der man auf die heutige Rechtspflege mit ähnlichem Schauer zurückblickt, wie wir heute auf die oben erwähnten Zeiten schauen, die nach unserer jetzigen Erkenntnis soviel Unrecht in sich tragen. Das ist der Lauf der Welt und ein gewisser Fortschritt
Tiefer geschaut aber liegt der anscheinend große Fortschritt zwischen dem Damals und dem Heute lediglich in den äußeren Formen. Die in so manches Menschen ganzem Sein tief einschneidende Allgewalt des Einzelnen ohne persönliche Verantwortung für diesen auf der Erde ist vielfach immer noch dieselbe. Auch die Menschen selbst und deren Triebfedern zu ihrem Handeln haben sich nicht sehr geändert. Und wo das Innenleben noch dasselbe ist, sind auch die Wechselwirkungen die gleichen, welche das göttliche Gericht in sich tragen.
Wenn die Menschheit darin plötzlich sehend würde, könnte nur ein einziger Verzweiflungsschrei die Folge sein. Ein Grauen, das sich über alle Völker legt. Nicht einer würde seine Hand mit Vorwurf gegen seinen Nächsten heben, da jeder Einzelne in irgendeiner Art die gleiche Schuld auch auf sich lasten fühlen müßte. Er hat kein Recht, dem anderen darin vorwurfsvoll zu begegnen, da bisher jeder irrend nur nach Äußerlichkeit urteilte und alles eigentliche Leben übersah.
Die Menschheit war jedoch bei ihrer Anschauung noch gar nicht fähig, anderes zu denken und leistete im besten Sinne gerade jetzt das Beste, was sie aus ihrem Begriffsvermögen heraus überhaupt zu leisten fähig ist.
Nur gibt das alles nicht Gewähr für unbedingte Richtigkeit. Aus diesem Grunde des ersichtlichen und anerkennenswerten guten Wollens der jetzigen Menschheit dürfen die nun folgen den Auslegungen auch nicht als Vorwurf angesehen werden oder eine Anklage. Ebenso wenig sind sie Tadel der bestehenden Konstitutionen.
Sie gelten lediglich dem Zwecke, Einzelmenschen aus der prüfungslosen Trägheit fremden Anschauungen gegenüber aufzurütteln, da ein jeder für sich selbst wolle Verantwortung zu tragen hat in allem, was er denkt und tut. Sie sollen Stab sein jedem ernsthaft Suchenden, der sicher stützend hinaus geleitet aus den Wirrnissen so mancher Anschauungen, die göttlichem Willen widersprechen.
Sonst könnte es geschehen, dass beim Erwachen richtiger Erkenntnis ein allzu klägliches Ergebnis für die Menschheit haften bliebe, welches lähmend und vernichtend auf den Aufstieg wirkt. Viele würden an sich selbst verzweifeln bei dem ersten Lichtstrahle, wenn dieser ohne Vorbereitung in sie dringen könnte, während andere, die sich bisher nie Zeit zum Nachdenken genommen haben, maßlose Erbitterung empfinden müssten darüber, dass sie so lange schliefen.
Darum ist nun die Anregung zum ruhigen Nachdenken angebracht, und zur Entwicklung der eigenen gerechten Urteilsfähigkeit, die jede blinde Anlehnung an fremde Ansichten zurückweist und nur nach eigenem Empfinden aufnimmt, denkt, spricht und handelt!
Nie darf der Mensch vergessen, dass er ganz allein alles das voll und ganz zu verantworten hat, was er empfindet, denkt und tut, auch wenn er es bedingungslos von anderen übernommen hat!
Wohl dem, der diese Höhe erreicht und jedem Urteile prüfend entgegentritt, um dann nach seinen eigenen Empfindungen zu handeln. Er macht sich so nicht mitschuldig wie Tausende, die oft nur aus Gedankenlosigkeit und Sensationslust durch Vorurteil und Nachrede schwere Karmas auf sich laden, die sie in Regionen führen, deren Leid und Schmerzen sie niemals hätten kennen lernen brauchen. Sie lassen sich dadurch auch schon auf Erden oft von vielem wirklich Guten abhalten, und versäumen damit nicht nur viel für sich selbst, sondern setzen vielleicht alles damit aufs Spiel, ihr ganzes Sein.
So war es bei dem auflodernden, sinnlosen Hass gegen Jesus von Nazareth, dessen eigentlichen Grund nur wenige der böswilligen Schreier kannten, während alle anderen sich einfach in einen vollkommen unwissenden blinden Eifer hineinarbeiteten, mitschrieen, ohne selbst je mit Jesus persönlich zusammengekommen zu sein. Nicht minder verloren sind auch alle die, die sich auf Grund falscher Ansichten anderer von ihm wandten und seine Worte nicht einmal anhörten, noch viel weniger sich die Mühe einer sachlichen Prüfung nahmen, wobei sie schließlich doch noch den Wert hätten erkennen können.
Nur so konnte die wahnsinnige Tragödie reifen, die ausgerechnet den Gottessohn wegen Gotteslästerung unter Anklage stellte und an das Kreuz brachte! Den Einzigen, der selbst direkt von Gott kam und ihnen die Wahrheit über Gott und seinen Willen kündete!
Der Vorgang ist so grotesk, dass sich darin in greller Deutlichkeit die ganze Beschränktheit der Menschen zeigt.
Und die Menschheit ist von da bis heute nicht etwa innerlich vorgeschritten, sondern gerade darin trotz aller sonstigen Entdeckungen und Erfindungen noch weiter zurückgegangen.
Vorgeschritten ist allein durch die äußeren Erfolge der damit auch mehr wissenwollende Dünkel, den gerade die Beschränktheit zeugt und großzieht, der ja eigentlich das ausgesprochene Zeichen der Beschränktheit ist.
Und diesem seit zwei Jahrtausenden immer fruchtbarer gewordenen Boden sind die jetzigen Menschheits-Anschauungen entsprossen, die ausschlaggebend und verheerend wirken, während die Menschen selbst ahnungslos sich immer mehr darein verstricken, zu ihrem eigenen entsetzlichen Verhängnis.
Wer sich da eigentlich durch falsche Anschauungen oft in gutem Glauben üble Auswirkungen einer Wechselströmung zuzieht, also gegen göttliche Gesetze verstößt, ist bisher selten jemand klar geworden. Die Zahl ist groß, und viele sind in ahnungsloser Hoffahrt sogar stolz darauf, bis sie dereinst in qualvollem Entsetzen die Wahrheit schauen müssen, die so ganz anders ist als ihre Überzeugung sie sich denken ließ.
Dann ist es allerdings zu spät. Die Schuld, die sie sich aufgebürdet haben, muss gesühnt werden in oft jahrzehntelangem, mühseligem Ringen mit sich selbst
Der Weg ist weit und schwer bis zur Erkenntnis, sobald ein Mensch die günstige Gelegenheit des Erdenseins versäumte, und sich dabei sogar gewollt oder durch Unkenntnis noch neue Schuld auflud.
Entschuldigungen fallen dabei niemals ins Gewicht. Ein jeder kann es wissen, wenn er will!
Wem darnach drängt, einmal in dem Gange der Wechselwirkungen die göttliche Gerechtigkeit zum Unterschied irdischer Anschauungen zu erkennen, der bemühe sich, irgendein Beispiel aus dem Erdenleben daraufhin anzusehen, und dabei zu prüfen, auf welchen Seiten wirklich Recht und Unrecht liegen. Es fallen ihm täglich viele zu.
Bald wird sich seine eigene Empfindungsfähigkeit stärker und lebendiger entfalten, um zuletzt alle gelernten Vorurteile mangelhafter Anschauungen abzuwerfen. Damit ersteht ein Gerechtigkeitsempfinden, das sich auf sich selbst verlassen kann, weil es im Erkennen aller Wechselwirkungen den Gotteswillen aufnimmt, darin steht und wirkt.
Nehmen wir ein Beispiel, das dem menschlichen Verstehen nahe liegt, vor dem Empfinden rein dasteht, und doch bei Ausübung starrer Gesetzesparagraphen und beschränkter Anschauungen Unrecht erscheint:
Ein junger, nach Idealen strebender Mensch nimmt ein Mädchen zur Ehe, das dessen Empfinden verständnislos gegenübersteht, weil es fest im Materiellen wurzelt Es ist dies öfter, als man anzunehmen wagt Gerade die natürliche Folgerung gibt dafür die Erklärung. Je größere Ideale ein junger Mensch in sich trägt, desto sicherer wird er die seelischen Mängel des weiblichen Geschlechts nicht erkennen. Er wird im Weibe nur die Verkörperung des Idealsten denken, wie es ja auch in Wirklichkeit sein sollte. Wie sehr er aber meistens darin irrt, kommt ihm entweder erst in der Ehe, oder durch verschiedene Erfahrungen in seinem Leben zum Verständnis.
Dass wiederum ein Mädchen, welches im Materiellen wurzelt, sich keinen bequemeren Lebensgefährten wünscht, als einen derartigen Idealisten, ist leicht erklärlich, vorausgesetzt, dass auch die wirtschaft-lichen Verhältnisse auf ihrer oder des anderen Seite mit ihrer Rechnung stimmen. Sie wird aus natürlichem Drange heraus darnach trachten, den idealen Menschen zu gewinnen, ohne etwas Böses dabei zu wollen, auch durchaus nicht mit der Absicht, ihm zu schaden.
Auf ihrer Seile können dabei verschiedene Punkte die Entscheidung bringen. Entweder kühle Berechnung, oder sinnlicher Trieb, ebenso aber auch der Wunsch, überhaupt „Frau“ sein zu wollen. Alles das ist aber nicht haltbar für die Dauer, und keine Grundlage für die Ehe. Natürlich kommen auch zahlreiche umgekehrte Fälle vor, in denen die Mädchen die ideal Veranlagten sind, und die Jünglinge und Männer im Materiellen wurzeln.
Die Ernüchterung kommt dann sehr bald. Der materielle Teil wird spöttelnd und zuletzt mit allen Mitteln bis zur lieblosesten Rücksichts-losigkeit das Ideale in dem anderen vernichten wollen. Langsam steigt sogar manchmal der Hass auf, dort, wo erst noch eingebildete Liebe oder Gleichgültigkeit war, sobald der materielle Teil fühlt, eine Macht gegen das Lichte, Ideale ausüben zu können. Diese Macht gibt ihnen das Gesetz und das Bewusstsein der Ehe.
Es ist dies eine ganz natürliche Entwicklung bei zwei ungleichen Teilen, von beiden sehr oft unbewusst und ungewollt. Das zwingende Ergebnis im Verhältnis eines geistigen Niederen dem Höheren gegenüber, des Dunkleren dem Lichteren gegenüber, sobald der dunklere Teil empfindet, dass er sich nicht dem höheren Fluge des anderen anschließen kann. Gestärkt und aufgepeitscht dazu wird er durch die dunklen Kraftzentralen, mit denen er durch das Gesetz der Anziehungskraft seelischer Gleichart verbunden ist *1)
Die Steigerung des Hasses aber bis zu brutalen Ungerechtigkeiten kommt zuletzt durch das engere Zusammenleben in der Ehe, und dem Bewusstsein, dass auch dem idealen Teile durch das Gesetz die gleiche Macht in einer Ehe zukommt. Da aber das Ideale nicht mit gleichen Waffen kämpft wie das Materielle, sondern in seiner Grundgesinnung immer zurückhaltend bleiben wird, gutmeinend in erster Linie nur an den anderen denkt, so musste es bisher fast immer unterliegen, weil auch die ganze Außenwelt nur das Materielle als allein zurecht bestehend anerkannte.
Aus diesem Boden heraus soll nun ein Fall genommen werden:
Ein junger ideal veranlagter Ehemann betätigt sich geschäftlich, also auf einem Boden, der an sich schon schärfste Kämpfer des materiellen Dunkels trägt. Mit seinen idealen Zielen und Empfindungen kommt so ein junger Mann nicht weit. Er wird skrupellos ausgenützt von vielen, die nach Gelegenheiten spähen, ihm sofort einen Stoß zu geben, der ihn in den Kot der Straße werfen soll, sobald er ihnen keine Vorteile mehr bieten kann.
Noch während sie berechnend ihn umschwärmen, und seine ideale Leichtgläubigkeit ausnützen, bereiten sie eine derartige Gelegenheit klug rechnend vor, und ihre Hände haben dabei schon die Steine aufgehoben, um sich einem ersten Wurfe schnell anzuschließen, der ihn aus irgendeinem Dunkel treffen könnte, wenn sein Vertrauen an die Menschheit einen Stoß erleidet, deren Worten er in seiner Harmlosigkeit unbedingt vertraut Sofort mitwerfen, ist die beste Art einer Verteidigung für solche, die selbst wirklich etwas zu befürchten haben, sobald ihr Tun und Treiben an das Licht der Sonne kommt. So ist es überall bei tausenden Gelegenheiten.
Der rücksichtslose berechnende materielle Mensch bezeichnet ja das Lichte, Ideale nur zu gern mit Leichtsinn, aus der Missstimmung heraus, die die Erkenntnis bringt, dass er niemals vermag, sich selbst zu einer solchen Höhe aufzuschwingen Solche natürliche Entwicklung kann man nun als Vorspiel in den Dramen vieler Menschenleben sehen.
Die eigentliche Handlung lässt dann auch in einem solchen Falle nicht zu lange auf sich warten. So auch in dem, der hier als Grundlage genommen werden soll. Zuerst will dabei nur der äußerliche Vorgang in irdischer Anschauung betrachtet sein, um später dann die Wechselwirkungen zu suchen.
Viele, die von diesem jungen Manne Geld und Waren hatten, zahlten zur Stunde der Erfüllung nicht, so dass er selbst in Schwierigkeiten kam. Doch sie versprachen fest und sicher an einem bestimmten späteren Tage ihre Schulden abzulösen. In diesem guten Glauben lieh sich der Geschäftsmann selbst, was er zur Zeit für seine Frau benötigte. Doch dabei fiel er zwei geschickten Wucherern in die Hände, die, ihres Unrechtes sich selbst genau bewusst, bei ihren Handlungen in kluger Art die äußerliche Einhaltung aller Gesetze stets beobachteten. Sie rechneten also von vornherein mit einem Unrecht, und konnten sich dadurch vorsichtig über die Gesetze stellen, wie es alle tun, die von vornherein das Unrecht wollen! Sie forderten als Unterpfand „der Form halber“ einen Verkauf von Möbelstücken, und wiesen, wie es üblich ist, besonders darauf hin, dass diese „Form“ ja weiter nichts bedeute. Die ungeheuere Entschädigung für die „Gefälligkeit“ konnte der Mann ertragen, wenn - - seine Schuldner zahlten.
Die Schuldner aber zahlten nicht. Der eigene Zahltag nahte, und es war keine Deckung für die Wechsel da, die er gegeben hatte. Der Mann war die Verpflichtung eines Verkaufes von Gegenständen zur Sicherung des Darlehens eingegangen, weil er darüber wirklich frei verfügen konnte und weil auch seine Frau mit Leichtigkeit sofort hätte Vielfaches schaffen können, aus dem Vermögen ihrer Mutter, das zum größten Teile schon ihr selbst gehörte, und worüber auch der Mann nach den vorausgegangenen Besprechungen verfügen konnte.
Aus dem materiellen Sinn der Frau heraus im Gegensatz zu dem des Mannes waren trotzdem schon eine Reihe Szenen solcher Art hervorgegangen, die man zu den unerquicklichsten der Ehe zählt, ohne dass Nahrungssorge den Grund dazu gegeben hätte. Der Mann entschloss sich deshalb, unabhängig von ihr in einer anderen Stadt die Schuld durch Arbeit aufzubringen.
Der Zahltag kann heran, die beiden Wucherer wollten jedoch nicht warten, ohne eine weitere im Verhältnis zur geliehenen Summe ganz ungeheuere Entschädigung zu erhalten, und klagten auf Erfüllung zur Wegnahme der der „Form halber“ gekauften Gegenstände, deren Wert für sie wiederum einen dreifachen Gewinn versprach, wodurch sie selbstverständlich noch viel mehr erreichten, als es eine erneute Entschädigungsgebühr zu geben vermocht hätte.
Die Frau des fernweilenden Mannes erklärte in ihrer materiellen Einstellung kurzerhand, den Tatsachen entgegen, dass die verkauften Gegenstände ihrer Mutter seien, und der Mann kein Verfügungsrecht darüber hätte. Die Haupttriebfeder dazu war, dass sie den Wucherern den dreifachen Gewinn einer an sich ganz geringen Summe nicht so leicht in die Hände spielen wollte. Sie beabsichtigte zuerst damit in gutem Wollen, die Wucherer zu veranlassen, noch eine kurze Zeit zu warten, in der ihr Mann dann Gelegenheit fand, die Schuld abzutragen.
Der Mann, in der anderen Stadt über diese Behauptung seiner Frau befragt, wähnte, diese habe ihre Aussage beschworen und schwieg, da er sie nicht der Strafe eines Meineides aussetzen wollte. Er kam deshalb wegen angeblichen Betruges sofort in Haft, und konnte sich aus diesem Grunde mit ihr auch nicht darüber aussprechen. Die Annahme des Meineides ließ ihn auch ferner schweigen.
So weit getrieben, fühlten sogar die Wucherer ein menschliches Empfinden, und wollten warten, wenn die Frau sich dafür mit verbürgte, dass ihr Mann die im Verhältnis nicht bedeutende, noch nach Hunderten zu zählende Schuld innerhalb zehn Jahren abtragen würde. Sie hatten sowieso selbst keine Anklage auf Bestrafung erhoben, sondern durch die den Tatsachen widersprechende Aussage der Frau während der einfachen Zivileinklagung des Betrages waren die Zivilprozessakten dem Staatsanwalt zur Untersuchung automatisch übergeben worden, ganz ohne Zutun der zwei Gläubiger und gegen deren eigentliches Wollen.
Der Staatsanwalt selbst ließ ausnahmsweise diese Frau vor Aufnah-me einer Anklage noch zu sich kommen, und ermahnte sie in schöner Menschlichkeit, doch diese leichte Bürgschaft den Gläubigern gegenüber zu übernehmen, machte sie auch ganz besonders auf die unabsehbaren Folgen für die Zukunft ihres Mannes aufmerksam, wenn sie bei ihrem zweifelhaften Standpunkte verharre.
Durch ein einziges, der Wahrheit entsprechendes Wort konnte sie alles zum Guten wenden, doch sie tat es nicht!
Deutlicher setzt nun aufsteigende Gegnerschaft materieller Verstan-desmenschen dem Idealeren gegenüber ein, die mit dem Siege der Verstandesmenschen enden musste, da die Umgebung auf der Erde bisher vorwiegend die Gleichart trug, und deshalb auch nur dafür mehr Verständnis hatte.
Die Frau hatte sich Rat geholt bei einem noch viel schlimmeren materiellen Grundsätzen huldigenden entfernten Verwandten, der den Idealisten infolge dessen Anschauungen schon von jeher hasste, und sie handelte, überdies nicht zum ersten ihren Mann schädigenden Male, nach dessen Eingebungen.
Der Staatsanwalt vermochte daraufhin entgegen seinem menschlichen Empfinden nichts anderes zu tun, als seine irdischen Gesetzespflichten zu erfüllen.
Der junge Mann musste nun für die Forderung des ersten Wucherers des Betruges angeklagt und auch verurteilt werden„ Vor dem Urteilsspruch wurde jedoch ausdrücklich verkündet, dass der zweite bereits ebenfalls zur Anklage aufgenommene Fall als eine Sache betrachtet werden sollte, da es sich dabei um keine Wiederholung handelte, sondern um ein zu gleicher Zeit und zu gleichen Voraussetzungen sich abspielendes Geschehnis.
Als dann aber die Verhandlung dieser Forderung des zweiten Wuche-rers war, wurde dieser Fall entgegen der Verkündigung als eine Wiederholung angesehen, trotzdem der Verurteilte inzwischen gar nicht auf freiem Fuße gewesen war, es sich im Grunde wirklich auch um eine gleichzeitige Sache handelte, die nur aus zwei Abteilungen bestand, ganz abgesehen davon, dass die Beurteilung unter einer falschen Voraussetzung erfolgte. So galt der Mann dadurch ohne weiteres als zweimal bestraft. Die Schulden trug er später richtig ab, so dass ein Schaden für niemand vorhanden war, außer für ihn selbst.
Was das bei der irdischen Anschauung des beschränkten Menschen-verstandes bedeutet, braucht wohl kaum besonders hervorgehoben werden. Jedem ihm übelwollenden ist ein derartiger Mensch von vornherein bedingungslos ausgeliefert. Jedem Gesellen des Dunkels erst recht. Sei dieser nun ein Sklave des Neides, des Geizes, der Habsucht, Verleum-dungssucht oder anderen von der Menschheit noch als harmlos und nicht kompromittierend betrachteten Unsauberkeiten. Denn ein Wort von ihm über die so genannte „irdische Vergangenheit“ des anderen, und dieser ist nicht nur moralisch, sondern auch wirtschaftlich sofort schwer geschädigt, wenn nicht sogar jedesmal ganz ruiniert.
Der oben genannte Mensch nun kam in seinem guten Wollen und seinem Fleiße wirklich vielfach wieder in die Höhe, wurde geachtet und geehrt, doch immer nur solange, bis er den Neid oder den Ärger irgendeines dunklen Ehrenmannes, beschränkten Philisters oder modernen Pharisäers aus irgendeinem Grunde erweckte. Skrupellos und ohne Überlegung benützte dieser dann die so bequeme Waffe, um aus dem Beneideten spielend ein Opfer zu machen.
Hier zeigte sich aber nun ganz und unverkennbar die treibende Kraft dunkler Strömungen; denn die Frau selbst war es, die ohne Unterlass ihren eigenen Mann bei jeder sich bietenden Gelegenheit damit peitschte und es als Geißel benützte, um ihn unter Drohungen öffentlicher Brandmarkung zu zwingen, sich nie von ihr zu trennen, für Lebenszeit arbeitenden Frondienst zu verrichten, und ihren sich ins Maßlose steigernden Launen ausgesetzt zu bleiben. Das traurige Bild im kleinen, wie es sich im großen zeigt, sobald rein Materielles unbeschränkte Macht über Ideales erreicht. Der ganze Hass des Dunkels kommt dabei- zum Ausdruck wider alles Unverstandene, das sich nicht der gleichen Richtung einverleiben will.
Mit einer sonderbaren Lust gefiel sich die Frau außer allem auch noch darin, jedem Menschen, der sich ihr oder auch ihrem Manne näherte, bei erster sich nur bietenden Gelegenheit „vertraulich“ mitzuteilen, welch schweres Los sie auf der Erde trug, und wies dabei auf ihre Weise auf die Vorkommnisse hin. Jahrzehnte suchte sie in solcher Art krampfhaft bei Menschen Sympathie zu finden, die ihr sonst nie zuteil geworden wäre. Es wurde ihr zuletzt die Untergrabung ihres Mannes liebgewordenes Spiel, bei dem sie sich mit der erborgten Glorie der stillen Dulderin umgab, die standhaft aushält an der Seite eines solchen Mannes. Doch wehe ihm, wenn er von Trennung sprach.
Das Scheingold, das sie also um ihr dunkles Innenleben, hüllte, blieb selten ohne Wirkung auf die Außenwelt, die auch so großer Lüge Glauben schenkte, da sie ihr viel verständlicher erschien.
Von den sich dabei immer feindlicher gestaltenden Begleiterschei-nungen der verschiedenen Charaktere soll nicht gesprochen werden. Es ist nur natürlich, dass sie sich unter solchem Drucke andauernd schärfer entwickeln und schroffer gegenüberstehen, wenn nicht der eine in dem anderen untergeht. Die Spaltung wird zuletzt zum klaffenden Riss. Dass solche ungesunde Vorkommnisse nur auf dem Moraste unrichtiger Anschauungen wachsen können, ist nicht schwer zu sagen. Doch solch Gewächs treibt seine Blüten noch viel weiter, da alles Dunkel nimmer rastend die Vernichtung will und seine Werkzeuge zu diesem Zwecke peitschend durch das Erdendasein treibt.
Unmöglich, frei von dieser Frau zu werden, suchte er unter Verdop-pelung des Fleißes seine Einkünfte zu steigern, einmal um häuslichen Friedens willen, soweit dies überhaupt nur möglich war, und dann auch, um die Frau so wenig als nur möglich persönlich in dem Haushalt etwas tun zu lassen, um wenigstens auf diese Art die Unabhängigkeit zu schaffen.
Auf Anraten eines Freundes, auf dessen Tüchtigkeit und Können, wie auch auf sein Wort der Mann der geschilderten Vorfälle voll vertraute, gab er zur Gründung einer Gesellschaft in das Ausland sein erspartes Geld, ohne sich um diese Gründung selbst noch weiter zu bekümmern. Diese Gesellschaft kam jedoch in kurzer Zeit in Zahlungsschwierigkeiten. Der Mann dieser Geschichte hatte dabei ohne sein Zutun große Verluste. Nach den noch bonapartistischen Gesetzen des dortigen Landes jedoch werden Gründer eine bestimmte Zeit haftbar gehalten für das ganze Unternehmen.
Der Freund, dem unser Mann vertraute, war aber Streber höchster Art, der unter dem Deckmantel oberflächlichster Einhaltung aller Gesetze in erster Linie nur seinen Vorteil zu wahren suchte, ohne Rücksicht-nahme auf die anderen. So hatte er bei dieser Gründung einen zu leichten Grund errichtet, der die Stürme erster Entwicklung nicht aus-hielt Bei dem Konkurs dieser Gesellschaft wurden nun die Gründun-gsakten eingehend geprüft, für ungesund betrachtet, und dann deshalb die Gründer zur Rechenschaft gezogen. Der Mann, der nur sein Geld dazu gegeben hatte, wusste weder von dem Inhalte der Gründungsakten, noch von dem Fortgange in der Gesellschaft Er lebte selbst nicht in jenem Lande. Der Aufforderung des Gerichtes, dorthin zu kommen, um sich darüber zu verantworten, leistete er keine Folge, da er wenig Grund hatte, unbedingter Gerechtigkeitsausübung zu großes Vertrauen entgegenzu-bringen. Er stützte sich bei seiner Antwort lediglich auf die Tatsache, dass er das Geld durch eine Bank einzahlen ließ, die selbst als Zeuge dafür eintrat.
Trotz dieses Beweises aber genügte es, zu wissen, dass dieser Mann wegen so genannten Betruges „vorbestraft“ galt, um ihn auch hier als Mitbegründer ohne weiteres für mitschuldig anzusehen, und ihn auch in seiner Abwesenheit mit zu verurteilen. Wenn er diese Strafe auch nicht zu verbüßen brauchte, so gilt er trotzdem bei dem Durchschnitte der Menschen, die in ihrer ausgeprägten Gedankenträgheit kein eigenes Urteil bilden, kurzerhand als ein Geächteter. Vor allem aber bei so manchem Richter, der sich von vornherein bei der Beurteilung der harmlosesten Dinge darnach richtet und solchem Manne selten glaubt, auch bei den einfachsten Prozessen. Und allen seinen Handlungen, die bei jedem anderen Menschen als vollkommen selbstverständlich und harmlos gelten, wird von vornherein mit Misstrauen begegnet, und ihnen wenn irgend möglich betrügerische Absichten untergelegt. Es finden sich auch manche „achtbare“ Personen, die zu ihrem eigenen sträflichen Vorteil einen Sport daraus zu machen suchen.
Viele werden ohne weiteres aus einfacher Bequemlichkeit die Unglaub-würdigkeit eines solchen Menschen den eigenen Betrachtungen zugrunde legen.
So ist das Bild der äußeren irdischen Formen und Gepflogenheiten.
Doch nun zur Kehrseite des Ganzen! Der Blick auf göttliche Gerechtig-keit durch sein Gesetz der Wechselwirkung, die unbeeinflusst von mensch-licher Anschauung eisern die eigenen Wege geht.
Welche Ketten sich solche Geistesträgen für das Jenseits auferlegen, und welcher furchtbaren Wechselwirkung sie wie auch alle die, die sich in törichter Überhebung über einen solchen Menschen zu stellen wagen, entgegengehen, scheinen sie nicht einmal zu ahnen, wie viel weniger zu fürchten.
Und doch hätten sie Ursache zu erbeben vor dem, was sie sich damit schaffen, indem sie ihrem Nächsten derartigen Schaden bringen. Sie sind in diesen Fällen die Verworfenen und die durch ihre Handlung für das Jenseits schon Verurteilten, nicht der, den sie zu schmähen und auf den sie herabzusehen versuchen.
Allerdings wird in diesem Falle wohl ein jeder denkende Mensch ohne weiteres den Mann in Wirklichkeit für schuldlos halten, sobald er den Zusammenhang und Hergang erfährt, er wird ihm vielfach sogar noch wärmste Sympathie und Mitgefühl entgegenbringen, im Gegensatz zu denen, die mit absichtlichem, bösartigem Übelwollen blindlings den äußeren Schein benützen, um den Betreffenden in irgendeiner Weise Schaden zuzufügen.
Aber leider unterlassen es die Menschen, selbst zu prüfen, bevor sie sich von bösartigem Geschwätz und Nachreden beeinflussen lassen. Vielfach werden sogar vornehmere Charaktere dazu hingerissen, auch dies und jenes Wort davon als gut gemeinte Warnung für andere weiterzugeben. Und solcher Fälle gibt es Tausende!
Nach göttlicher Gerechtigkeit jedoch sieht dieses Bild ganz anders aus! Der einzige Schuldlose dabei bleibt der, der irdisch als schuldig erklärt und auf Grund dieser Erklärung auch von den Menschen dafür angesehen wird, Alle anderen aber bürden sich eine mehr oder weniger große Schuld auf, die bis zum kleinsten Teile abzutragen ihnen nicht erspart bleiben kann.
Wird nun der Mann dieser Begebenheit einmal richtig betrachtet, so kann in ihm nicht eine Spur von Schuld gefunden werden.
Bei keiner seiner Handlungen hat ihn der Gedanke geführt, einem anderen Menschen Schaden zuzufügen. Er wollte sich keinen Vorteil verschaffen in der Absicht, andere darum zu schädigen. Wenn eintretende Verhältnisse den Anschein erwecken, so ist es trotzdem nicht geschehen!
Wirklich schuldig ist nur der, der mit Vorbedacht und Absicht einen anderen schädigt. Dieses Wollen allein birgt Leben zur Erzeugung eines Fadens der Wechselwirkung, die den Urheber einst in der Rückwirkung treffen muss.
Hat er nicht die Absicht gehabt, so ist es gar nicht möglich, dass er schuldig ist. Es wird auch keinem ruhig denkenden und vernünftigen Menschen einfallen, einen Menschen schlecht zu nennen, der ohne Absicht einer Schädigung, also ohne es zu wollen, etwas unternimmt, das üble Folgen bringt und wodurch andere Schaden erleiden. Ein solcher absichtslos Schaden hervorrufender Mensch wird auch im Gegensatz zu anderen sofort bestrebt sein, alles gutzumachen, sobald es ihm nur möglich ist
Unmöglich aber wird es leider vielen oft gemacht durch die Aus-wirkung falscher Anschauungen, wie die hier geschilderten. Nun, da es einmal ausgesprochen ist, wird es für viele selbst verständlich sein, weil in der Einfachheit die Wahrheit liegt. Der Mensch kann gar nicht falsch urteilen, sobald er richtig denkt. Er darf jedoch dabei nicht nach der Oberfläche gehen, sondern muss schon tiefer schürfen, damit es nicht einseitiges Stückwerk wird. Das macht natürlich Mühe, wie alles Vollwertige. Die Unterlassung einer solchen Mühe schadet nichts, solange er sich weder für noch wider entscheidet Schließt er sich aber ohne Überlegung einer fremden Ansicht an, oder bildet er sich eine eigene Meinung, so wird diese Unterlassung zu einer Schuld, weil ein anderer direkt oder indirekt Schaden davon trägt.
Aber wenn auch dem anderen kein Schaden ersteht, trifft ihn selbst die Wechselwirkung von dem, was er in sich dachte und urteilte, weil es ja damit lebendig in ihm wurde, und einen Faden zeugte, dessen rücklaufende Wirkung in der Gleichart Boden bei ihm findet.
Eins greift zahnradähnlich in das andere. Wäre der Boden nicht dagewesen, so konnte die Art der Meinung nicht entstehen. Der durch die Meinung erzeugte Karmafaden findet rückwirkend dann wieder gleichartigen Boden, und seine Rückwirkungen müssen dadurch darauf Früchte tragen, das heißt, sie wirken sich verstärkt fühlbar aus.
Wer sich nur einigermaßen den unverrückbaren Lauf der Wechsel-wirkungen vorstellen kann, dem wird es nicht schwer zu finden, mit welchen lebendigen Fäden die Frau in diesen Begebenheiten sich belastet, die wie die stärksten Ketten an ihr hängen. Dadurch hat sie auf die natürlichste Art alles das vielfach zu ernten, was sie zu säen sich bemühte.
Keiner wird sie darob beneiden, aber auch keiner vermag sie zu entlasten, da die Fäden nicht nur von einem abhängig sind, nicht nur von ihrem Manne, der ihr vergeben könnte. Zu vielfach haben sie sich in der Feinstofflichkeit eingehakt und verankert. In zu viel kleinen und großen Begebenheiten sind sie verstrickt, unter zu viel Menschen hat sie zu Ungunsten des Mannes ihr Gift verstreut, von denen aus jedesmal nicht nur Fäden zu ihr direkt zurücklaufen, sondern da diese Menschen das von ihr Aufgenommene auch vermehrt nach vielen Seiten weiter geben, so laufen auch von den immer größer werdenden Kreisen die Kräfte der zahlreichen ferneren Fäden durch den, der sie weiterwob, zuletzt mit auf sie zurück! Die Vergebung ihres Mannes allein kann sie also nur zu einem kleinen Teile befreien.
Und doch muss sie einst warten und leiden, bis auch der entfernteste und kleinste Faden des Gewebes, in das sie sich verstrickte, und die sie gar nicht alle kennt, gelöst sein wird.
Das Lösen kann sie auch nicht selbst für sich allein bewirken, sondern sie ist dabei noch abhängig von allen anderen, die sich durch ihre schlechte Aussaat irre führen ließen, und die abzulösen sie selbst wieder helfen muss, unter der Flut deren gefahrbringenden Vorwürfen und Feind-schaften.
Ein für viele ganz entsetzlicher Gedanke unerbittlicher Gerechtigkeit.
Doch die Menschen wollen es nicht anders; denn wenn sie nach dem Worte Gottes in sich leben, das warnend und auch liebend führend seinen Schöpfungswillen kündet, so könnten sie nicht solchen falschen Anschau-ungen huldigen, wie es die Mehrheit heute und schon seit Jahrtausenden beweist.
Bei Verleumdung, übler Nachrede ist selbstverständlich die gewollte Schädigung sofort ersichtlich; denn diese lässt sich hierbei von der Handlung gar nicht trennen. Ebenso bei Diebstahl und bei Einbruch. Das ist etwas ganz anderes. Betrüger ist auch derjenige unverkennbar, der schlechte Ware einem anderen für gut verkauft, oder der minderwertige Arbeitsleistung für voll einsetzt Betrug ist es, wenn jemand eine Arbeit oder eine Stellung zu gewinnen sucht, oder auch nur eines anderen Vertrauen, in der Betonung, dass er irgend etwas leisten kann, was er in Wirklichkeit nur kennt, oder zum kleinen Teil beherrscht. In allem dem liegt schon von vornherein das eigene Wissen einer Täuschung. Und das ist es, welches den Faden zu der üblen Wechselwirkung knüpft! Allein in diesem Vorgange liegt der Beweis wirklicher Schuld? Nur solche werden vor dem Richterstuhle Gottes nicht bestehen. Das Urteil und auch der Vollzug liegt in der Wechselwirkung ganz allein. In deren lebendigen Selbsttätigkeit spricht der Schöpfer stets seinen Spruch. Darin liegt seine Strafe, die Vergebung, aber auch der Lohn! Er selbst persönlich braucht sich darum nicht mehr kümmern; denn jede Seele muss durch diese unverrückbar arbeitenden Wechselwirkungen hindurch, bevor sich dann der Geist aufschwingen kann zum Licht Sie bringen Läuterung oder Vernichtung, je nach des Menschen eigenem Wollen, und nur der ganz geläuterte und reine Geist kommt nach der Ablegung des Niederen hinauf bis in das Reich des Herrn.
Es schlage sich deshalb ein jeder ernsthaft prüfend an die eigene Brust! Wer ist dann noch, der sich als rein bekennt und über anderen stehend. Bei richtiger Erkenntnis wird die Demut kommen, die alles sträflich Überhebende von selbst erstickt. Wo Demut in Beurteilung seines eigenen Wertes Einzug hält, dort wird Verleumdung keinen Platz gewinnen, und dadurch ist ein solcher Mensch gleichzeitig auch vor schwerer Schuld bewahrt
Der Gottessohn erklärte einst schon der empörten Menge: „Wer unter Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!“
Die Menschheit nahm sich diese Worte nie zu Herzen!
Ankläger und auch Richter sind von Wechselwirkungen nicht ausgeschlossen. Je nach der Einstellung ihrer Empfindung strömt es auf sie zurück Ausschlaggebend für die Rückwirkungen sind in jedem Falle Art und Starke der Empfindungen.
Wer nur auf Grund toter Gesetzesparagraphen mit Verstandesklüge-leien eine Schuld zu formen sucht, aus Eitelkeit heraus, oder aus Strebertum, unter Zurückdrängung der menschlichen Empfindung als höchsten Gabe seines Schöpfers, der wird es schwer zu büßen haben im Gesetz der Wechselwirkung, die sich in den meisten Fällen hier auf Erden entweder noch in diesem oder erst im nächsten Leben nach Lösung ringend auf ihn niederlässt, während in manchen Fällen diese Ablösung auch in dem so genannten jenseitigen Leben zu erfolgen hat. Von einem Aufstiege kann keine Rede sein, solange diese Schuld nicht in vollem Umfange genau nach ihrer Art gemessen abgelöst wurde. Das Messen ihrer Art liegt in dem Grade des lebendigen Empfindens bei den Handlungen der beiden Teile, des Ausübenden und auch des dabei Betroffenen. Sogar die Nachwir-kungen einer solchen Handlung während des ganzen Erdenseins eines also Betroffenen fallen belastend auf den Urheber zurück.
So ergeht es namentlich solchen Menschen, die bei Beurteilung anderer entweder ganz bewusst nur künstliche Verstandeskonstruktionen formten, ohne in der reinen Empfindung dabei abwägend zu prüfen, nur um recht schnell in ihrem Berufe Beförderungen oder Auszeichnungen zu erhalten.
Wenn ihre eigenen Empfindungen auch dabei fehlten, also nicht Kraft genug vorhanden war, um ein wirksames Karma anzuknüpfen, so fällt doch nachhaltig die ganze Wucht des Erlebens des Menschen auf ihn zurück, der unter seiner an richtiger Empfindung mangelnden Aus-übung zu leiden hat.
Ebenso ist es bei denen, die aus Trägheit heraus jede Empfindung ausschalten und sich lediglich an leere Form klammern, genau wie es bei blindem Glauben ist. Diese, die dabei nicht genug lebendige Empfindung trugen, um als geistig Tote selbst lebendige Wechselwirkung anzuknüpfen, werden voll und ungeteilt von den Wirkungen der Empfindungen des Leidens getroffen, die während des ganzen Seins des von, einer solchen Handlung Betroffenen in diesem durch alle Nachwirkungen hervorgerufen werden. Ganz abgesehen von den Wechselwirkungen, die ihre dabei beteiligte Eitelkeit hervorrief. Spielte bei einer Beurteilung aber eine gewollte Böswilligkeit oder Gehässigkeit mit, sei diese nun der Person oder der Sache entgegengebracht, so kommt außerdem noch die volle Kraft der Wechselwirkung dieser Gehässigkeiten, Böswilligkeiten oder Übergriffe dazu. Alles fällt zurück, das Böse wie das Gute. Nichts bleibt in der Wechselwirkung ungesühnt.
Noch schlimmer aber sind solche Menschen daran, die derartige Vorfälle benützen, um einen also Betroffenen immer und immer wieder damit in den Augen der Nebenmenschen herabzusetzen oder ihn sonst wie zu schädigen. Die Wechselwirkungen derartiger irdisch leicht angesehenen Handlungen sind schwer genug, um sie aus dem Reiche Gottes zum großen Teile für. immer auszuschließen. Man denke dabei an das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Selbst wenn eine wirkliche Schuld bei einem vom irdischen Gericht Verurteilten vorläge, so müßte diese nach einer Bestrafung durch diese Strafe vollkommen von ihm genommen sein, wenn das irdische Gericht und auch die Menschen von irdischer Gerechtigkeit sprechen wollten; denn Strafe bedeutet Sühne, und Sühne Ablösung! Etwas anderes kann und darf sie nicht sein, sonst würde auch hierin irdisches Gericht wie die Einzelmenschen alle Gerechtigkeit verleugnen. Oder will der Mensch, wenn er alle auf ihm ruhenden Wechselwirkungen abgelöst hat, trotzdem vor Gott weiterhin beschmutzt dastehen, wie er es auf Erden mit seinen Nebenmenschen macht?
Ist eine belastende Wechselwirkung abgelöst, damit also eine Strafe erlitten und verbüßt, so ist auch diese Schuld damit nicht mehr, sondern sie ist vollkommen gewichen. Ein solcher Mensch steht vor Gott ebenso rein da wie der, der niemals fehlte. Die Schuld kann ihm nach der Ablösung nicht mehr nachgetragen werden, weil es die göttliche Gerech-tigkeit nicht zulässt. Solange der Mensch nicht fähig ist, der göttlichen Gerechtigkeit gleichzutun, wird er selbst nie in das Reich Gottes eingelassen werden, weil er damit schweres Unrecht tut und sich immer neue Schuld auferlegt, die abzubüßen er nur mit der Änderung seiner Gesinnung Gelegenheit hat, nicht anders. Er ist wie der Mann im Gleichnis, dem der Herr seine Schulden erließ, da er sie nicht bezahlen konnte. Dieser aber ging dann hin und forderte von seinen Schuldnern alles mit Zins und Zinseszinsen. Da sie ihn aber auch nicht zahlen konnten, ließ er sie in den Kerker werfen. Davon hörte sein Herr. Er ließ sich den Knecht kommen, dem er die Schuld erlassen hatte, und diesen seiner Gesinnung wegen in den Kerker werfen. Christus hat damit die damals schon bestehende und heute noch regierende falsche Anschauung der Menschen scharf gekennzeichnet und ernst gewarnt!
Deshalb strebe ein jeder Mensch, die eigene Urteilsfähigkeit zu wecken in regem Nachempfinden und im Prüfen.
Groß sind die Unterschiede zwischen göttlicher Gerechtigkeit durch Wechselwirkung und den Urteilen der Erdenmenschen.
Während jedoch so manches falsche Urteil auf die Mangelhaftigkeit und die Beschränktheit des an Raum und Zeit gebundenen, verengten menschlichen Verstandes zurückzuführen ist, muss die gedankenlose oder böswillige Nachrede als voll bewusste und gewollte Übertretung göttlicher Gesetze gelten, die deshalb auch keine Linderung ihrer scharfen Wechselwirkungen erwarten kann.
Es wird Heulen und Zähneklappern sein unter den Scharen derer, die sich immer durch Verleumdung über ihre Nebenmenschen zu erheben suchen. Die Steine, die sie aufzuheben sich bemühen, wachsen in der Wechselwirkung zu Felsen an, die sie zermalmend gleichzeitig zuletzt ihr Grabmal bilden, da solch Gewürm nicht in das Paradies gelassen werden darf.
1 Buch: Im Lichte der Wahrheit. Vortrag: Schicksal