Reihenfolge der Vorträge

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Gottanbetung 2

Das Redet des Kindes an die Eltern 10

Ideale Menschen 14

Du siehst den Splitter in Deines Bruders Auge und achtest

nicht des Balkensin Deinem Auge 18

Der Antichrist 20

Das Kreuz des Heiligen Grales 24


GOTTANBETUNG


Es kann ruhig gesagt werden, dass der Mensch die für ihn unbedingte Selbstverständlichkeit einer Gottes-Anbetung überhaupt noch nicht begriffen hat, noch weniger geübt. Betrachtet Euch einmal die Gottan-betung, wie man sie bis heute trieb! Man kennt ja nur ein Bitten, oder besser noch gesagt ein Betteln! Nur hie und da kommt es schließlich auch einmal vor, dass Dankgebete aufsteigen, die wirklich aus dem Herzen kommen. Das ist jedoch als große Ausnahme immer nur dann und dort, wo ein Mensch ein ganz besonderes Geschenk unerwartet erhält, oder aus einer großen Gefahr plötzlich errettet wird. Das Unerwartete und Plötzliche gehört bei ihm dazu, wenn er sich überhaupt einmal zu einem Dankgebet aufschwingt. Es können ihm auch die gewaltigsten Dinge unverdient in den Schoß fallen, so wird es ihm doch nie oder nur sehr selten einfallen, an einen Dank zu denken, sobald alles auf eine ruhige, normale Art vor sich geht. Sind ihm und allen denen, die er liebt, stets Gesundheit auffallend beschert, und hat er keine Erdensorgen, so wird er sich wohl kaum zu einem ernsten Dankgebet aufschwingen. Um ein stär-keres Gefühl in sich hervorzurufen, bedarf es bei dem Menschen leider immer eines ganz besonderen Anstoßes. Freiwillig im Gutgehen rafft er sich niemals dazu auf. Er führt es vielleicht hier und da im Munde, oder geht auch in die Kirche, um bei der Gelegenheit ein Dankgebet zu murmeln, aber mit seiner ganzen Seele dabei zu sein, auch nur eine einzige Minute, das fällt ihm gar nicht ein. Nur wenn wirkliche Not an ihn herantritt, dann besinnt er sich sehr schnell, dass es ja jemand gibt, der ihm zu helfen fähig ist. Die Angst treibt ihn dazu, endlich einmal auch ein Gebet zu stammeln! Und das ist doch dann immer nur ein Bitten, aber keine Anbetung.

So ist der Mensch, der sich noch gut dünkt, der sich gläubig nennt! Und das sind wenige auf der Erde! Rühmenswerte Ausnahmen!

Stellt Euch nun einmal selbst das jammervolle Bild vor Augen! Wie erscheint es bei dem richtigen Betrachten Euch, den Menschen! Wie viel erbärmlicher steht so ein Mensch aber vor seinem Gott! Aber so ist leider die Wirklichkeit! Ihr könnt Euch drehen oder wenden wie Ihr wollt, es bleibt bei diesen Tatsachen, sobald Ihr Euch einmal bemüht, der Sache auf den Grund zu gehen, unter Auslassung jeder Beschönigung. Es muss Euch doch etwas beklommen dabei werden; denn weder Bitten noch der Dank gehören zu der Anbetung.

Anbetung ist Verehrung! Diese findet Ihr nun aber wirklich nicht auf dieser ganzen Erde! Betrachtet Euch einmal die Feste oder Feiern, die zu Gottes Ehren dienen sollen, wo von Bitten und von Betteln ausnahmsweise einmal abgelassen wird. Da sind die Oratorien*1)! Sucht Euch die Sänger, die in Gottesanbetung singen! Seht sie Euch an, wenn sie sich dazu vorbereiten in dem Saale oder in der Kirche. Sie alle wollen etwas leisten, um damit den Menschen zu gefallen. Gott ist ihnen dabei ziemlich gleichgültig. Gerade er, dem es ja gelten soll! Blickt auf den Dirigenten! Er heischt nach Beifall, will den Menschen zeigen, was er kann.

Dann gehet weiter. Seht die stolzen Bauten, Kirchen, Dome, welche Gott zur Ehre stehen ... sollen. Der Künstler, Architekt, der Baumeister ringt nur nach Erdenanerkennung, jede Stadt prunkt mit diesen Gebäuden ... zur Ehre für sich selbst. Sie müssen sogar dazu dienen, Fremde anzuziehen. Aber nicht etwa zur Gottanbetung, sondern dass dem Orte Geld zufließt durch den dadurch gehobenen Verkehr! Nur Drang nach Erdenäußerlichkeiten, wohin Ihr blickt! Und alles unter Vorgabe der Gottanbetung!

Wohl gibt es hier und da noch einen Menschen, dem im Walde, auf den Höhen seine Seele aufzugehen pflegt, der dabei sogar auch der Größe des Erschaffers all der Schönheit am ihn her flüchtig gedenkt, doch als ganz weit im Hintergrunde stehend. Ihm geht die Seele dabei auf, doch nicht zum Jubelfluge in die Höhe, sondern ... auseinander, sie läuft buchstäblich breit im Wohlbehagen des Genusses. So etwas darf mit einem Höhenfluge nicht verwechselt werden. Es ist nicht anders einzuschätzen, als das Behagen eines Schlemmers an der reichbesetzten Tafel. Das Aufgehen der Seele dieser Art wird irrtümlich für Anbetung gehalten; sie bleibt gehaltlos, Schwärmerei, eigenes Wohlgefühl, das der Empfindende für einen Dank zum Schöpfer hält. Es ist rein irdisches Geschehen. Auch viele der Natur-schwärmer halten gerade diesen Rausch für rechte Gottanbetung, dünken sich auch darin anderen weit überlegen, welche nicht die Möglichkeiten haben, diese Schönheiten der Erdenformationen zu genießen. Es ist ein grobes Pharisäertum, das nur im eigenen Wohlbefinden seinen Ausgang hat. Ein Flittergold, dem jede Werte fehlen. Wenn diese Menschen einstens ihre Seelenschätze suchen müssen, um sie zu ihrem Aufstieg zu verwerten, so finden sie den Schrein in sich vollständig leer; denn der gedachte Schatz war nur ein Schönheitsrausch, sonst nichts. Es fehlte ihm die wahre Ehrfurcht vor dem Schöpfer. -

Die wahre Gottanbetung zeigt sich nicht in Schwärmerei, nicht in gemurmelten Gebeten, nicht in Betteln, Knien, Händeringen, nicht in seligem Erschauern, sondern in freudiger Tat! In jubelnder Bejahung dieses Erdenseins! Auskosten eines jeden Augenblicks! Auskosten heißt Ausnützen. Ausnützen wiederum . . . erleben! Doch nicht in Spiel und Tanz, nicht in den Körper und die Seele schädigenden Zeitvertrödelungen, die der Verstand als Ausgleich und Aufpeitschen seines Wirkens sucht und braucht, sondern im Aufblick zu dem Licht und dessen Wollen, welches alles in der Schöpfung Seiende nur fördert, hebt, veredelt!

Dazu gehört aber als Grundbedingung die genaue Kenntnis der Gesetze Gottes in der Schöpfung. Diese zeigen ihm, wie er zu leben hat, wenn er gesund sein will am Körper und an Seele, zeigen genau den Weg, welcher hinaufführt zum geistigen Reich, lassen ihn aber auch die Schrecken klar erkennen, die für ihn erstehen müssen, wenn er diesen Gesetzen sich entgegenstellt!

Da die Gesetze in der Schöpfung selbsttätig und lebendig wirken, ehern, unverrückbar, mit einer Kraft, gegen die Menschengeister völlig machtlos sind, so ist es eigentlich nur selbstverständlich, dass das dringendste Bedürfnis eines jeden Menschen das sein muss, diese, Gesetze restlos zu erkennen, deren Auswirkungen er in jedem Falle wirklich wehrlos preisgegeben bleibt!

Und doch ist diese Menschheit so beschränkt, dass sie über diese so klare, einfache Notwendigkeit sorglos hinwegzugehen sucht, trotzdem es etwas Näherliegenderes gar nicht gibt! Die Menschheit kommt bekanntlich niemals auf die einfachsten Gedanken. Ein jedes Tier ist darin sonderbarerweise klüger als der Mensch. Es fügt sich in die Schöpfung ein und wird darin gefördert, solange es der Mensch nicht davon abzuhalten sucht. Der Mensch aber will herrschen über etwas, dessen selbständigem Wirken er stets unterworfen ist und unterworfen bleiben wird. In seinem Dünkel wähnt er schon Gewalten zu beherrschen, wenn er nur kleine Ausläufer von Strahlungen für seine Zwecke zu verwenden lernt, oder die Auswirkung der Luft, des Wassers und des Feuers ganz im Kleinen nützt! Dabei bedenkt er nicht, dass er bei diesen im Verhältnis immer noch sehr kleinen Nutzanwendungen erst vorher lernen muss, beobachten, um schon vorhandene Beschaffenheiten oder Kräfte ganz in deren Eigenart zu nützen. Er muss sich dabei anzupassen suchen, wenn Erfolg sein soll! Er ganz allein! Das ist kein Herrschen, kein Bezwingen, sondern ein Sichbeugen, ein Sicheinfügen in die bestehenden Gesetze.

Der Mensch müßte dabei endlich gesehen haben, dass ihm nur lernendes Sicheinfügen den Nutzen bringen kann! Er sollte darin dankbar weiter schreiten. Aber nein! Er brüstet und gebärdet sich daraufhin nur noch anmaßender als zuvor. Gerade dort, wo er sich einmal dienend dem göttlichen Willen in der Schöpfung beugt und dadurch sofort sichtbar Nutzen hat, sucht er es kindisch derart hinzustellen, dass er ein Sieger ist! Ein Sieger über die Natur! Die unsinnige Einstellung erreicht den Gipfel aller Dummheit darin, dass er damit an wirklich Großem blind vorübergeht; denn bei der rechten Einstellung würde er tatsächlich ein Sieger sein . . . über sich selbst und seine Eitelkeit, weil er sich in der folgerichtigen Beleuchtung bei allen namhaften Errungenschaften vorher lernend beugte gegenüber dem Bestehenden. Darin allein wird ihm Erfolg. .Jeder Erfinder und auch alles wirklich Große hat sein Denken und sein Wollen eingefügt in die bestehenden Naturgesetze. Was sich dagegen stemmen oder gar dagegen wirken will, das wird erdrückt, zermalmt, zerschellt. Es ist unmöglich, dass es jemals recht zum Leben kommen kann.

Wie die Erfahrungen im Kleinen, nicht anders ist es mit des Menschen ganzem Sein, nicht anders mit ihm selbst!

Er, der nicht nur die kleine Erdenzeit, sondern die ganze Schöpfung zu durchwandern hat, braucht dazu unbedingt die Kenntnis der Gesetze, denen die gesamte Schöpfung unterworfen bleibt, nicht nur die jedem Erdenmenschen allernächste, sichtbare Umgebung! Kennt er sie nicht, so wird er aufgehalten und gehemmt, verletzt, zurückgeworfen oder gar zermalmt, weil er in seiner Unkenntnis nicht mit den Kraftströmungen der Gesetze gehen konnte, sondern sich so falsch hineinstellte, dass sie ihn abwärts drücken mußten anstatt aufwärts.

Ein Menschengeist zeigt sich nicht groß, bewundernswert, sondern nur lächerlich, wenn er die Tatsachen, die er täglich in ihren Auswir-kungen überall erkennen muss, starrköpfig und verblendet abzulehnen sich bemüht, sobald er sie nicht nur in seiner Tätigkeit und aller Technik, sondern auch für sich und seine Seele grundlegend verwenden soll! Er hat in seinem Erdensein und Wirken stets Gelegenheit, die unbedingte Fertigkeit und Gleichheit aller Grundauswirkungen zu sehen, sobald er sich nicht leichtsinnig oder gar böswillig verschließt und schläft.

Es gibt darin in der gesamten Schöpfung keine Ausnahme, auch nicht für eine Menschenseele! Sie muss sich den Gesetzen in der Schöpfung fügen, wenn deren Wirken fördernd für sie werden soll! Und diese einfache Selbstverständlichkeit übersah der Mensch bisher vollständig in der leicht-fertigsten Art.

Sie erschien ihm so einfach, dass sie für ihn gerade dadurch zu dem Schwersten im Erkennen werden musste, was es für ihn gab. Und dieses Schwere zu erfüllen wurde mit der Zeit für ihn überhaupt unmöglich. So steht er heute nun vor dem Ruin, dem seelischen Zusammenbruch, der alles von ihm Aufgebaute mit zertrümmern maß!

Nur eines kann ihn retten: Restlose Kenntnis der Gesetze Gottes in der Schöpfung. Das ganz allein vermag ihn wieder vorwärts, aufwärts zu bringen, und mit ihm alles, was er künftig aufzubauen sucht.

Sagt nicht, dass Ihr als Menschengeister die Gesetze in der Schöpfung nicht so leicht erkennen könnt, dass sich die Wahrheit von den Trugschlüssen schwer unterscheiden lässt. Das ist nicht wahr! Wer solche Reden führt, will damit nur die Trägheit wieder zu bemänteln suchen, die er in sich birgt, will nur die Gleichgiltigkeit seiner Seele nicht erkennbar werden lassen, oder sich vor sich selbst zur eigenen Beruhigung entschul-digen.

Es nützt ihm aber nichts; denn jeder Gleichgiltige, jeder Träge wird nunmehr verworfen! Nur der, der seine ganze Kraft zusammenrafft, um sie zur Erringung des Notwendigsten für seine Seele restlos zu verwenden, kann noch Aussicht auf die Rettung haben. Alle Halbheit ist so gut wie Nichts. Auch jedes Zögern, das Hinausschieben ist schon vollständige Versäumnis. Es ist der Menschheit nicht mehr Zeit gelassen, weil sie schon bis zu dem Zeitpunkt gewartet hat, welcher die letzte Grenze bildet.

Es wird ihr selbstverständlich diesmal nicht so leicht gemacht und auch nicht so leicht werden, da sie durch das bisherige sorgloseste Dahinschlendern in diesen Dingen sich jeder Fähigkeit beraubte, an den tiefen Ernst einer notwendigen letzten Entscheidung überhaupt zu glauben! Und dieser Punkt gerade ist die größte Schwäche, wird der unfehlbare Sturz so Vieler sein!

Jahrtausende hindurch ist viel getan worden, Euch Gottes Willen oder die Gesetzmäßigkeit in der Schöpfung klar zu machen, wenigstens so weit, wie Ihr es braucht, um aufsteigen zu können nach der Urschöpfung, aus der Ihr ausgegangen seid, um Euch dahin zurückzufinden! Nicht durch die so genannten Erdenwissenschaften, auch nicht durch die Kirchen, sondern durch die Diener Gottes, die Propheten alter Zeiten, wie dann durch des Gottessohnes Botschaft selbst. So einfach diese Euch gegeben war, Ihr redet bisher nur davon, doch habt Ihr niemals Euch ernsthaft bemüht, sie richtig zu verstehen, noch weniger, darnach zu leben! Das war nach Eurer trägen Meinung viel zu viel von Euch verlangt, trotzdem es Euere einzige Rettung ist! Ihr wollt gerettet werden, ohne dass Ihr selbst Euch irgendwie dabei bemüht! Wenn Ihr darüber nachdenkt, müsst Ihr doch zu diesem traurigen Erkennen kommen.

Aus jeder Gottesbotschaft machtet Ihr Religion! Zu Euerer Bequem-lichkeit! Und das war falsch! Denn einer Religion bautet Ihr eine ganz besondere, erhöhte Stufe, abseits von dem Alltagswirken! Und darin lag der größte Fehler, den Ihr machen konntet; denn Ihr stelltet damit auch den Gotteswillen abseits von dem Alltagsleben, oder, was dasselbe ist, Ihr stelltet Euch abseits vom Gotteswillen, anstatt Euch mit ihm zu vereinen, ihn mitten in das Leben und das Treiben Eures Alltags zu setzen! Eins mit ihm zu werden! Ihr sollt jede Botschaft Gottes ganz natürlich aufnehmen und praktisch, müsst sie Eurer Arbeit einverleiben, Eurem Denken, Eurem ganzen Leben! Ihr dürft nicht etwas für sich Alleinstehendes daraus machen, wie es jetzt geschah, zu dem Ihr nur besuchsweise in Ruhestunden geht! Wo Ihr für eine kurze Zeit Euch der Zerknirschung hinzugeben sucht, oder des Dankes, der Erholung. Damit ist es Euch nicht als etwas Selbstverständliches geworden, das Euch zu eigen ist wie Hunger oder Schlaf.

Versteht doch endlich recht: Ihr sollt in diesem Gotteswillen leben, damit Ihr Euch zurechtfindet auf allen Wegen, welche Gutes für Euch bringen! Die Gottesbotschaften sind nur wertvolle Winke, die Ihr nötig habt, ohne deren Kenntnis und Befolgung Ihr verloren seid! Ihr dürft sie deshalb nicht in einen Glasschrein stellen, um sie darin wie etwas Heiliges in seligem Erschauern nur des Sonntags zu betrachten, oder in der Not, in Angst an diesen Ort zu flüchten, um sich darin Kraft zu holen! Unselige, Ihr sollt die Botschaft nicht verehren, sondern nützen! Sollt herzhaft zugreifen, nicht nur im Feierkleide, sondern mit der harten Faust des werktätigen Lebens, welche niemals schändet, nicht erniedrigt, sondern jeden ehrt! Das Kleinod leuchtet in der schweiß- und erdbeschmutzten Schwielenhand viel reiner, höher auf als in den wohlgepflegten Fingern eines trägen Nichtstuers, der seine Erdenzeit nur mit Betrachtungen verbringt!

Jede Gottesbotschaft sollte Euch zu teil gegeben sein, das heißt ein Teil von Euch werden! Den Sinn müsst Ihr recht zu erfassen suchen!

Ihr durftet sie nicht als etwas Gesondertes betrachten, was außerhalb von Euch verbleibt, an das Ihr mit scheuer Zurückhaltung heranzutreten Euch gewöhnt. Nehmt das Wort Gottes in Euch auf, damit ein jeder weiß, wie er zu leben und zu gehen hat, um zu dem Gottesreiche zu gelangen!

Darum erwachet endlich! Lernet die Gesetze in der Schöpfung kennen. Dazu verhilft Euch aber keine Erdenklugheit, nicht das kleine Wissen technischer Beobachtung, so Karges reicht nicht aus für den Weg, welchen Eure Seele nehmen muss! Ihr müsst den Blick über die Erde weit hinaus erheben und erkennen, wohin Euch der Weg führt nach diesem Erdensein, damit Euch darin gleichzeitig auch das Bewusstsein dafür wird, warum und auch zu welchem Zwecke Ihr auf dieser Erde seid. Und wiederum gerade so, wie es in diesem Leben mit Euch steht, ob arm, ob reich, gesund oder erkrankt, in Frieden oder Kampf, Freud oder Leid, Ihr lernt die Ursache und auch den Zweck erkennen und werdet darin froh und leicht, dankbar für das Erleben, das Euch bisher ward. Ihr lernt die einzelne Sekunde kostbar schätzen und vor allen Dingen auch sie nützen! Nützen zum Aufstieg nach dem freudevollen Sein, dem großen, reinen Glück!

Und da Ihr selbst Euch viel zu sehr verstrickt, verworren habt, kam Euch als Rettung einst die Gottesbotschaft durch den Gottessohn, nachdem die Warnungen durch die Propheten kein Gehör gefunden hatten. Die Gottesbotschaft zeigte Euch den Weg, den einzigen, zu Eurer Rettung aus dem Sumpf, der Euch schon zu ersticken drohte! Durch Gleichnisse suchte der Gottessohn Euch darauf hinzuführen! Die Glaubenwollenden und Suchenden nahmen sie auf mit ihrem Ohr, doch weiter ging es nicht. Sie suchten nie darnach zu leben.

Religion und Alltagsleben blieb auch Euch stets zweierlei. Ihr standet immer nur daneben, statt darin! Die in den Gleichnissen erläuterte Auswirkung der Gesetze in der Schöpfung blieb von Euch völlig unverstanden, weil Ihr sie darin nicht suchtet!

Nun kommt noch einmal in der Gralsbotschaft die gleiche Deutung der Gesetze in für die Jetztzeit Euch verständlicherer Form! Es sind in Wirklichkeit genau dieselben, welche Christus einst schon brachte, in der für damals angebrachten Form. Er zeigte, wie die Menschen denken, reden, handeln sollen, um geistig reifend in der Schöpfung aufwärts zu gelangen! Mehr brauchte ja die Menschheit nicht. Es ist nicht eine Lücke dafür in der damaligen Botschaft. Die Gralsbotschaft bringt nun genau dasselbe, nur in heutiger Form.

Wer sich nun endlich darnach richtet, im Denken, Reden und im Tun, der übt damit die reinste Gottanbetung aus; denn diese ruht nur in der Tat!

Wer sich in die Gesetze willig stellt, tut stets das Rechte! Damit beweist er seine Ehrfurcht vor der Weisheit Gottes, beugt sich freudig seinem Willen, der in den Gesetzen liegt. Er wird dadurch von deren Auswirkung gefördert und beschützt, von allem Leid befreit und hochgehoben in das Reich des lichten Geistes, wo in jubelndem Erleben die Allweisheit Gottes ohne Trübung jedem sichtbar wird, und wo die Gottanbetung in dem Leben selbst besteht! Wo jeder Atemzug, jedes Empfinden, jede Tat von freudevoller Dankbarkeit getragen wird und so als dauernder Genuss besteht. Aus Glück heraus geboren, Glück aussäend und deshalb Glück erntend! Gottanbetung in dem Leben und Erleben liegt allein im Einhalten der göttlichen Gesetze. Nur damit wird das Glück verbürgt. So soll es sein in dem kommenden Reich, dem Tausendjährigen, welches das Gottesreich auf Erden heißen wird! So sollen alle Anhänger der Gralsbotschaft als Leuchten und als Wegweiser unter der Menschheit werden.

Wer das nicht kann oder nicht will, der hat die Botschaft wieder nicht verstanden, der lege besser sein Kreuz ab, damit er nicht ein falsches Vorbild bietet, das ernsthaft Suchende nur irre werden lassen muss. Gralsdienst soll wahre, lebendige Gottanbetung sein. Gottanbetung ist der erste Gottesdienst, der nicht in äußeren Dingen besteht, sich nicht nur nach außen hin zeigt, sondern auch in den zurückgezogensten Stunden in jedem Menschen lebt, und sich in seinem Denken und in seinem Handeln zeigt, als Selbstverständlichkeit.

Wer sich freiwillig nicht dazu bekennen will, der wird die nahe Zeit des Gottesreiches nicht erleben, wird vernichtet oder aber noch zur unbe-dingten Beugsamkeit gezwungen mit göttlicher Kraft und irdischer Gewalt! Zum Besten der gesamten Menschheit, die begnadet ist, in diesem Reich endlich den Frieden und das Glück zu finden!



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DAS RECHT DES KINDES AN DIE ELTERN

Viele Kinder leben den Eltern gegenüber in einem unseligen Wahne, der für sie zum größten Schaden wird. Sie glauben den Eltern die Veranlassung zu ihrem eigenen Erdensein aufbürden zu können. Oft hört man die Bemerkung: „Selbstverständlich müssen meine Eltern für mich sorgen; denn sie haben mich ja in die Welt gesetzt. Meine Schuld ist es nicht, dass ich da bin.“

Etwas Törichteres kann gar nicht gesagt werden. Ein jeder Mensch ist auf sein eigenes Bitten hin auf dieser Erde, oder auf seine eigene Schuld hin! Eltern geben lediglich die Möglichkeit der Inkarnierung, weiter nichts. Und jede inkarnierte Seele muss dankbar sein, dass ihr die Möglichkeit dazu gegeben wurde!

Die Seele eines Kindes ist weiter nichts als Gast bei seinen Eltern. In dieser Tatsache allein schon liegt genug Erklärung, um zu wissen, dass ein Kind in Wirklichkeit keinerlei Rechte den Eltern gegenüber geltend machen kann! Geistige Rechte an die Eltern hat es nicht! Irdische Hechte aber sind ja lediglich aus der rein irdischen, gesellschaftlichen Ordnung hervorgegangen, die der Staat vorsieht, damit er selbst keine Verpflich-tungen zu übernehmen braucht.

Das Kind ist geistig eine für sich abgeschlossene Persönlichkeit! Außer dem irdischen Körper, der als Werkzeug zur Betätigung auf dieser grobstofflichen Erde nötig ist, hat; es nichts von den Eltern empfangen. Also nur eine Behausung, welche die schon vorher selbständige Seele benützen kann.

Doch durch die Zeugung übernehmen Eltern die Verpflichtung, die damit geschaffene Behausung zu verpflegen und instand zu halten, bis die Seele, die davon Besitz genommen hat, die Unterhaltung selbst zu übernehmen fähig ist. Den Zeitpunkt dafür zeigt der natürliche Werdegang des Körpers selbst. Was darüber hinaus geschieht, ist von den Eltern ein Geschenk.

Die Kinder sollten deshalb endlich einmal aufhören, sich auf die Eltern zu verlassen, und lieber daran denken, dass sie selbst so bald als irgend möglich sich auf eigene Füße stellen. Es ist dabei natürlich gleichgültig, ob sie sich in dem Elternhause selbst betätigen, oder außerhalb. Aber Betätigung muss sein, die nicht in Vergnügungen und Erfüllung so genannter Gesellschaftspflichten bestehen darf, sondern in einer bestimm-ten wirklichen und nützlichen Pflichterfüllung, derart, dass die betreffende Betätigung durch eine andere, extra dafür eingestellte Person ausgeführt werden müßte, wenn das Kind diese Arbeit nicht mehr erledigt. Nur so kann von einem nützlichen Sein auf der Erde gesprochen werden, das Reife des Geistes nach sich zieht! Erfüllt ein Kind im Elternhause eine derartige Aufgabe, gleichviel, ob es männlichen oder weiblichen Ge-schlechtes ist, so soll ihm von den Eltern aus aber auch der Lohn werden, der einer fremden dafür angestellten Person zukommen müßte. Mit anderen Worten: Das Kind muss dann in seiner Pflichterfüllung auch als wirklich selbständiger Mensch beachtet und behandelt werden. Schlingen sich um Eltern und Kinder besondere Bande der Liebe, des Vertrauens und der Freundschaft, so ist es umso schöner für beide Teile; denn dann ist dies ein freiwilliges Verbundensein, aus innerer Überzeugung heraus, und deshalb umso wertvoller! Dann ist es echt, und hält verbunden auch für das Jenseits, zur gegenseitigen Förderung und Freude. Familienzwang und Familien-gepflogenheiten aber sind ungesund und verwerflich, sobald eine gewisse Altersgrenze der Kinder überschritten ist.

Es gibt natürlich auch keine so genannten Verwandtschaftsrechte, auf welche namentlich Tanten, Onkels, Basen und Vettern, und was sich sonst noch alles verwandtschaftlich herauszuschälen sucht, sich so oft stützen. Gerade diese Verwandtschaftsrechte sind ein verwerflicher Missbrauch, der einem in sich selbst abgeschlossenen Menschen stets zum Ekel sein muss.

Aus Überlieferungen heraus ist dies leider zur Gewohnheit geworden, derart, dass gewöhnlich ein Mensch gar nicht anders zu denken versucht, und sich still darein fügt, wenn auch mit Abneigung. Wer aber einmal den kleinen Schritt wagt und frei darüber nachdenkt, dem kommt das alles aus der Tiefe der Seele heraus so lächerlich vor, so widerlich, dass er sich empört abwendet von den damit geschaffenen Anmaßungen.

Mit solchen widernatürlichen Dingen muss einmal aufgeräumt werden! Sobald ein frischer und gesunder Menschenschlag in sich erwacht, werden derartige Missbräuche dann sowieso nicht mehr ertragen, weil sie gegen jeden gesunden Sinn stehen. Aus solchen gekünstelten Verzerrungen des natürlichen Lebens könnte ja auch nie etwas wirklich Großes erstehen, da die Menschen dabei viel zu unfrei bleiben. In diesen anscheinenden Nebensachen liegt gewaltiges Gebundensein. Hier muss die Freiheit einset-zen, indem der Einzelmensch sich losreißt von unwürdiger Gepflogenheit! Wahre Freiheit liegt nur in der rechten Pflichterkennung, die verbunden bleibt mit freiwilliger Pflichterfüllung! Pflichterfüllung ganz allein gibt Rechte! Dies bezieht sich auch auf Kinder, denen ebenfalls nur aus der treuesten Pflichterfüllung heraus Rechte werden können. -

Es gibt aber nun eine ganze Reihe strengster Pflichten aller Eltern, die mit Kinderrechten nicht zusammenhängen.

Jeder Erwachsene hat sich bewusst zu sein, was mit der Zeugung eigentlich verbunden ist. Der bisherige Leichtsinn darin, die Gedanken-losigkeit und auch die falschen Anschauungen haben sich ja in so unheilvoller Art gerächt.

Macht Euch nur klar, dass in dem allernächsten Jenseits eine große Anzahl Seelen schon bereit stehen in der Erwartung einer Möglichkeit zur Wiederinkarnierung auf der Erde. Es sind dies meistens solche Menschenseelen, die, von Karmafäden festgehalten, irgendwelche Ablösung in einem neuen Erdenleben suchen.

Sowie sich ihnen eine Möglichkeit dazu ergibt, haften sie sich an Stellen, wo ein Zeugungsakt erfolgte, um wartend das Heranreifen des neuen Menschenkörpers als Behausung zu verfolgen. In diesem Warten spinnen sich dann feinstoffliche Fäden von dem jungen Körper aus zur Seele, die sich hartnäckig in großer Nähe der werdenden Mutter hält, und umgekehrt, und bei bestimmter Reife dienen dann die Fäden zu der Brücke, die die fremde Seele aus dem Jenseits einlässt in den jungen Körper, den sie auch sofort für sich in Anspruch nimmt. Ein fremder Gast zieht damit ein, der durch sein Karma den Erziehern manchen Kummer machen kann! Ein fremder Gast! Welch ungemütlicher Gedanke! Das sollte sich ein Mensch doch stets vor Augen halten, und sollte nie vergessen, dass er in der Auswahl unter den wartenden Seelen mitbestimmen kann, wenn er die Zeit dazu nicht leichtsinnig versäumt. Es ist die Inkarnierung allerdings einem Gesetz der Anziehung der Gleichart unterworfen. Doch braucht dazu nicht unbedingt die Gleichart eines der Erzeuger als ein Pol zu dienen, sondern manchmal irgendeines Menschen, der viel in der Nähe der werdenden Mutter ist. Wie manches Unheil kann nun abgewendet werden, sobald der Mensch den ganzen Vorgang richtig kennt, und sich bewusst damit befasst. So aber tändeln sie nur leichtfertig dahin, besuchen Spiel und Tanz, geben Gesellschaften, und kümmern sich nicht viel darum, was wahrend dieser Zeit an Wichtigem sich vorbereitet, um später in ihr ganzes Leben machtvoll einzugreifen.

Bewusst sollten sie im Gebet, dem ja das heiße Wünschen stets zu Grunde liegt, so manches darin lenken, Übel abschwächen, Gutes zu verstärken. Der fremde Gast, der dann als Kind bei ihnen einzieht, würde dadurch derart sein, dass er willkommen bleibt in jeder Art! Man faselt viel von vorgeburtlicher Erziehung, in dem gewohnten Halbverstehen oder Falschverstehen mancher Auswirkungen, die sich äußerlich bemerkbar machen.

Wie aber oft, so ist auch hier menschliche Folgerung aus den Beob-achtungen falsch. Es gibt gar keine Möglichkeit der vorgeburtlichen Erziehung, doch dafür unbedingte Möglichkeit einer Beeinflussung der Anziehung, wenn es zu rechter Zeit und mit dem rechten Ernst geschieht! Das ist ein Unterschied, der in den Folgen weiter greift, als es je eine vorgeburtliche Erziehung fertig bringen könnte.

Wer nun darüber klar geworden ist, und trotzdem noch in leicht-sinniger Weise sich gedankenlos verbindet, verdient es ja nicht anders, als dass ein Menschengeist in seinen Kreis sich drängt, der ihm darin nur Unruhe und vielleicht sogar Übel bringen kann.

Die Zeugung soll für einen geistig freien Menschen nichts andres sein, als der Beweis seiner Bereitwilligkeit, einen fremden Menschengeist als Dauergast in die Familie aufzunehmen, ihm Gelegenheit zu geben, auf der Erde abzulösen und zu reifen. Nur wo auf beiden Seiten der innige Wunsch für diesen Zweck vorhanden ist, soll die Gelegenheit zu einer Zeugung erfolgen. Betrachtet nun einmal die Eltern und die Kinder nur von diesen Tatsachen ausgehend, so wird vieles sich von selbst verändern. Gegenseitige Behandlung, die Erziehung, alles erhält andere, ernstere Grundlagen als bisher in zahlreichen Familien üblich war. Es wird mehr Rücksicht und mehr Achtung gegenseitig sein. Selbständigkeits-Bewußtsein und Verantwortungsbestreben wird sich fühlbar machen, das als Folge den natürlichen, sozialen Aufstieg in dem Volke bringt. Die Kinder aber werden bald verlernen, sich Rechte anmaßen zu wollen, welche nie bestanden. -




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1 *) Geistliche Tonstücke

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