DIE TRAGÖDIE DER ERDE UM DIE WELTENWENDEZEIT.
(Gedanken, einem Artikel „Die Rache der Dämonen“ in der Neuen Illustrierten Wochenschau Wien, vom 27. Februar 1949 von Jul. Sieg. Pollak entnommen.)
Zum ersten Male seit Bestehen der Menschheitsgeschichte ist unsere Welt, durch Radio und Flugzeug, zu einer Einheit geworden. Durch diese modernen Erfindungen sind sich die einzelnen Völker näher gekommen, und binnen eines Tages sind alle Ereignisse der Gesprächsstoff in sämtlichen Hauptstädten der Erde.
Von ideologisch-geistiger Warte aus betrachtet ist die Wirrnis unter den Menschen, die Entfremdung der Völker, nie augenscheinlicher und betrüblicher zutage getreten denn jetzt. Worin liegt der Grund? Es gibt deren manche, der Kern scheint jedoch darin zu ruhen, weil der Mensch die Zivilisation nicht mehr beherrscht, im Gegenteil, durch sie zum Sklaven wurde.
Der Mensch der Jetztzeit konstruiert Maschinen, die bis zum Hunderttausendfachen die Arbeit seines Hirns und seiner Muskeln ersetzen. Kanadische Erntemaschinen leisten die Arbeit von 40 Männern. Russische Torfstechmaschinen graben und stapeln soviel Ziegel, wie ehedem 200 schwielige Hände. Ein Mammutbagger in Swerdlowsk im Ural verdrängte 1300 menschliche Arbeitskräfte und gleiche Maschinen in den USA machten sogar 7000 überflüssig. In Leningrad läuft eine Holzbear-beitungsmaschine, die 1500 Arbeitsgänge ausführt. Roboterflugzeuge überkreuzen ohne Piloten die Ozeane. Amerikanische Farmer steuern vermittels Radarstrahlen ihre Maschinenpflüge, ohne menschlicher Lenker noch zu bedürfen. Neueste Werkzeugmaschinen schneiden, fräsen, drehen, bohren ohne Bedienung, automatisch geführt. Sogar Rechenmaschinen ersetzen das menschliche Hirn.
Weit, wahrhaftig, hat es der Mensch technisch gebracht! Und immer erstehen noch wie am laufenden Band Monstermaschinen, Mammut-kraftwerke, nicht Hunderte oder Tausende, nein, Millionen ehrsame Arbeiter verdrängend, ihrer Löhnung beraubend. Wo führt das hin? Wann kommt der Umschwung in dieser Tragödie irdischen Lebens? Wo blieb bisher der Segen der Technik, starben nicht Millionen durch ihr Morden? Ist es nicht so, daß, „wie ein dräuender Golem sich der Mammutismus der menschlichen Zivilisationsgebilde gegen seine Schöpfer erhebt!“
Maschen mit „Röntgenaugen“ sehen oft besser wie der Mensch, dafür beraubten Giftgase Hunderttausende gehorsamer Soldaten ihres natür-lichen Augenlichtes! Diktatschreibmaschinen produzieren automatisch gefertigte Briefe, aber Millionen von Analphabeten vermögen noch heute weder zu schreiben noch zu lesen.
Ein Triumphmarsch der Technik, eine via dolorosa menschlicher Leiden und Entbehrungen. Seit Dezennien bauen Materialisten und Gottleugner ihre Türme zu Babel in den Himmel, strebt zynischer Hochmut verkrampfter Gehirne ins Unbegrenzte, wachsen Hochhäuser in nie geträumter Höhe empor, darinnen Menschen wie Ameisen wimmeln, nur mit einem Unterschied, daß Ameisen noch im Willen Gottes schwin-gen, die Kreatur des Geistes sich über ihn erhob. Truste entwickelten sich zu hochkapitalistischen Wirtschaftsdiktaturen, alles stellte sich auf das Wort „Monster“ um, Monsterarmeen, Monsterluftflotten, Monsterauf-märsche, Monsterkriege, ja, Monsterabschlachtungen selbst in den KZs, Massenvergasungen, Massengräber bis ins Unendliche.
In anderer Hinsicht Riesengeschäfte und Spekulationen, Riesen-gewinne in Lotterie, beim Totalisator, und beim Spiel, Riesenverbrechen in Versicherungen, Riesenbetrüge, und Riesenverdienste auf Schwarzem Markt, Haß und Neid, Mißtrauen schürend selbst am Familienherd. Massenhunger und Armut erhob sich gegen bauchgefüllte Frevler am Volke, ungeheuere Vermögen, unrechtlich erworben, wucherten im Massenheer des Elends.
Im vorgenannten Artikel heißt es wörtlich:
„In Fort Knox in USA liegt, tief unter der Erde, ein Riesengoldschatz im Wert von 22 Milliarden Dollar, und täglich wird er größer..., aber niemand weiß, wem er frommt. Derselbe Drang zur Elephantiasis zeigt sich in der Bürokratie. Eine britische Fluggesellschaft, die 120 Apparate besitzt, beschäftigt 22,000 Angestellte. Zu jedem Flugzeug gehören demnach 200 Schreibtische. Um einem Flüchtling zu einem Paar Socken zu verhelfen, werden selbst in der fortschrittlichen Schweiz 18 Formulare benötigt. Ein von Hitler-Deutschland ausgebürgerter Emigrant, der seine Wiedereinbürgerung betreibt, muß 56 verschiedene Fragebogen ausfüllen. In Palästina ist jetzt sogar der Beruf eines Schafhirten von einer Lizenz abhängig. Für eine aus Exportgründen nötige Auslandsreise werden 32 bis 46 verschiedene Formulare gebraucht. Während zur Jahrhundertwende auf 1 Million Einwohner 5000 öffentliche Beamte kamen, sind es jetzt 100,000. Das Papier erstickt die Menschlichkeit. Das ist die Welt von heute! Himmelstürmender Rausch des Erdbeherrschers, und daneben die Sklavenkette der Angst und der Ohnmacht, die Fessel des Prometheus“.
Ein gleiches chaotisches Bild in den Wissenschaften. Während Forscher und Ärzte streben, die Geißeln des Jahrhunderts Krebs und T.B, zu bannen, Menschen und Tiere vor Seuchen zu schützen, Obstbäume und Kräuter von bazilli zu befreien, arbeiten Kriegslaboratorien an Versuchen, auf Massentod eingestellte Mordwaffen zu erklügeln. Dem gegenüber wiederum erforschen Biologen Methoden, die menschlichen Erbanlagen heben und ihre Lebenstüchtigkeit zu fördern vermögen.
Noch ist Hiroshima in aller Gedenken, am 6. August 1945 vollzog sich in Minuten der größte Mord der Menschheitsgeschichte, Giuseppina Saccardo Rossi, eine italienische Klosterschwester, schrieb folgendes darüber:
Das Gebetbuch in der Hand wandelte ich im Morgenschatten der Bäume. Gegen 7 Uhr 40 hob ich den Blick zum Himmel und sah wie etwas gleich drei Fallschirmen zur Erde schwebte. Wenige Minuten später wandelte sich mein Brevier in der Hand in eine Flamme. Beide Hände begannen zu bluten, auch glaubte ich zu erblinden. Schmerzende Helle, erst grünlich, dann gelb, zuletzt rot strahlte wie milliardenfach starkes Magnesiumlicht. Eine furchtbare Windhose riß Steinplatten, Möbel und Gegenstände aus Kloster und Kirche, nur die Mauern blieben stehen. Ich sah einen entsetzlichen Totenberg von Kinderleichen - ihrer fünfhundert waren im Bruchteil von Sekunden wie zu lange geröstete Kastanien verkohlt. Das Firmament wurde dunkel, eine gasgeschwängerte Staub-wolke bedeckte die Stadt. In jenen Augenblicken ging Hiroshima in Flammen auf . . . .“
Es ist wissenschaftlich erwiesen worden, daß die im Stoff und Wasser verbleibenden Strahlen explodierter Atombomben kilometerweit nicht nur die Frucht auf den Äckern vernichten, sondern auch Mißgeburten unter Tieren erzeugen und sogar ungeborene Kinder im Mutterleib degenerieren.
Auf religiösem Gebiete vollzieht sich ein nicht minder großer Gärungsprozess, vielleicht der größte, da letzten Endes der Mensch ein Geistwesen mit freiem Willen begabt und kein automatisch arbeitender Roboter ist.
Jul. Sig. Pollak schreibt hierüber wie folgt:
„Während die Theologen nach einem Grundnenner der allumfas-senden Nächstenliebe suchen, bauen die Philosophen und Staatsjuristen an den Ideen der Weltverängstigung. Caritasverbände, Quäker und andere Institutionen im Zeichen des Roten Kreuzes spenden Menschengüte, und Filmproduzenten, Propagandisten und Romanautoren lenken die Phan-tasie der Menschen ins blutige Verderben. Täglich produziert der ungeheuere, auf den Weltfrieden ausgerichtete Apparat der UNO 600 Millionen Wörter, aber die Kriegsängste wachsen von Tag zu Tag. Trotz des hartnäckigen Wettkampfes der Völker um die Facharbeiter der Welt, den „Rohstoff Mensch“, geschieht nichts, der abermaligen Verschleu-derung von Millionen Menschenleben vorzubeugen. . . .
Widerspruch und Gegensätzlichkeit, wohin man blickt! Unheimliche Beweise dafür, daß der Mensch seine Zeit auch verstandlich nicht beherrscht. 102 Grundideen, in 432 epochalen Hauptwerken populär gemacht, haben der westlichen Kultur, von Homer bis Freud, das Gepräge gegeben. Aber aus allen diesen Denkrezepten wurde uns die rettende Quintessenz nicht zuteil. Die jedem Zeitalter nötige, ausgleichende Grundtendenz einer klaren These oder einer geahnten Zielsetzung fehlt dem unseren. Sie ist ihm in den Räuschen nach Geld, Macht, Gold und Größe verloren gegangen. Überall triumphierender Übermenschenwahn und nirgends Demut und Nächstenliebe!
Im Taumel des modernen Größenwahns hat der Mensch die Zucht und Lenkung seines eigenen Ichs aus den Händen verloren. Und damit hat er Gewalten über sich Macht gegeben, die sich nicht an die Grenze der menschlichen Lebenssphäre halten. Diese Gewalten haben den Glauben an die Macht der Vernunft genommen, wie sie die Überzeugung von der Existenz eines Schöpfers unterminiert haben. Die Barbarei unserer Zeit beweist, daß weder der Menschengeist noch Verstand führend wirken, sondern daß dämonische Mächte unsere Geschicke lenken“.
Diese Dämonie zeigt sich symbolisch sogar in der modernen Musik und Malerei, wo erschreckliche Gebilde sich formen. Da blickt man oft in Abgründe, aus denen es keine Wiederkehr gibt. So zeigt sich also das Drama unserer Zeit! Wiederaufstieg oder Zerfall allen Menschentums kann sich nur dort entscheiden, wo sich der Urgrund des Seins befindet: in der Brust des Menschen, in jedes einzelnen innerstem Geist. Und darum bekennt auch Mauriac in seinen Schriften zur Erneuerung unserer Welt, „daß es die Seelen sind, auf die es ankommt!“
NACHWORT
Zu diesem Thema, den Nöten und Unzulänglichkeiten der Zeit, der Tragödie der Erde um die Weltenwende, äußerte sich jüngst ein Leser eines internationalen Weltblattes für alle Fragen der kommenden Entwickelung und sagte klar und deutlich, nicht mißzuverstehen:
„Was wir brauchen, ist eine neue Lebenslehre. Der Westen bietet sie uns nicht. Die aus Amerika kommenden sogenannten Erfolgsbücher sind ein Trug. Es gilt, bis zu den Quellen des ganzen Geschehens vorzustoßen!“
Wir Kreuzträger des Heiligen Grales, wissen, wo die Quellen des ganzen Geschehens für immer offenbart sind!
DAS ENDE DER MISSION IMANUELS AUF VOMPERBERG.
12. März 1938.
Dunkle Wolken hingen über der schuldbeladenen immer tiefer im Weltenraum sinkenden Erde.
Undurchdringliche Nebelgebilde brüteten über allem, was da kreuchte und fleuchte. Die Wohnstätten friedsamen Lebens von ehedem lagen verlassen, verwüstet, und unter der Fron der Arbeit trugen die Menschen schweigend die Bürde eines freudlosen Daseins. Der Hauch ihres Atems dünkte giftigverpestet, und die Schwüle ihrer Umgebung drückte sie vollends darnieder.
Ungeheuere Naturkatastrophen schüttelten und rüttelten diesen uralten Planeten, und Orkan, wie Greise selbst ihn nicht erlebt zu haben glaubten, tobte und riß die feste Erde hin und her. Schaurig zuckten Blitze am Himmel, und Donnergebrüll machte die Seelen erschrecken.
Viele Jahre hindurch tobte das Unwetter. Noch hält es an und die Menschen begannen an ihrem Los zu verzweifeln. Angstgepeitscht und schwankend taumelte jedes Lebewesen in seine kärgliche Hütte, voll Haß und Mißtrauen gegenüber dem Nächsten.
Plötzlich aber schlug eine kosmische Stunde. Es war August 1931. Noch immer kreisten schwere Wolken um die Stofflichkeit;
da siehe, ward die Finsternis mit drei blendenden Strahlen flammen-den Lichtes erhellt: ein grüner, ein violetter, ein weiß-testamentarischer Blitz brachte den Willen Gottes zur Erde. Es geschah an dem Tag, zu der Stunde - kosmisch bedingt - da Imanuel, ein Teil der Dreifaltigkeit, sich mit Parzival im Erdenleib Abdruschins vereinte - ein göttliches Mysterium! (Siehe S. 172.)
Und sehet! Der Glanz der Himmel überflutete die Gärten der Erde, einhüllend sie in ein gülden Gewand.
Wie es in den Tagen des Gottessohnes Jesus im Heiligen Lande war, da er als Mensch unter Menschen schritt, ausübend sein Amt während dreier Jahre, so war es auch mit dem Menschensohn Imanuel, zehn Jahre auf dem Heiligen Berge wirkend inmitten der Berge von Tirol, mit jedem Schritt seines Fußes die Erde weihend, bis er vor den Mächten des Dunkels wich - sich zurückzog - und schwieg.
Und siehe, ein neuer Tag erstand über den Domen einer alten Stadt. Wiederum war Trauer im Himmel, kein Lichtstrahl zerriß seine Däm-merung. Nur ein mattfahles Leuchten rötete das Firmament wie Blut. Die Engel weinten.
Brutale Menschen führten einen Häftling in das Verlies, in blindem Haß hoffend, daß ihnen nun der Sieg erblühte und sie noch einmal ver-nichten konnten, was der Bringer des Lichtes aufgebaut.
Die abermalige Einkerkerung des Menschensohnes aber verursachte tiefen Schmerz unter den Kreuzträgern der Berg-Gemeinschaft. Manche von ihnen vermochten nicht zu fassen, daß es möglich sein sollte, das Erlösungswerk Imanuels jemals zu zerstören. Einige waren in sich nicht gefestigt, diese Prüfung zu bestehen. Die Berg-Gemeinschaft teilte sich in zwei Lager. Die einen, die festhielten an ihrem Gelöbnis, das sie dem Men-schensohne gegeben - und die anderen, wenn auch weniger an Zahl, die ihn verließen und sich gegen ihn stellten.
Sechs Jahre hiernach - nach dem 12. März 1938 - erhob sich auch in den Reihen der englischen Anhänger des Menschensohnes eine Stimme der Rache. Wie immer schürte auch diese gekränkter Eigendünkel. Bald fand sich Gleichart zu Gleichart, zog ein Glied ein zweites nach sich, dem Gesetz der Anziehung folgend, daß die, so eines Sinnes, sich auch verbünden müssen.
Und unter Angst frug ich mich: Wer bildet das dritte Glied in der Verräter Kette? Ist dieser dritte, gleichfalls irregeführt durch die Mächte des Dunkels, schon in unserer Mitte, oder übt er von außen sein Rän-kespiel, in unsere Gemeinschaft einzudringen?
Doch wer es auch sei und was immer auch geschehe, es muß zuletzt dem Lichte dienen, den „gefürchteten Tag des Herrn“, die Scheidung im Stoff inkarnierter Geister, voranzubringen und zu beschließen zu helfen.
So lasset uns denn, die wir die Keimzelle wahrhaftiger Bahnbrecher für das Formen der neuen Zeit, des Reiches Imanuels, auf Erden bilden, wie unwankbare Säulen von Beginn auf granitenem Felsengrund stehen mitten im Gärungsprozeß geistiger Strömungen, daß nichts unsere Seelen noch einmal in Schwäche und Zweifel locke, daß nichts unsere Über-zeugung von der Wahrheit der Botschaft des Grales erschüttere!
GEDANKEN UND ERLEBEN IM GEFÄNGNIS
DIE STIMME VON JENSEITS DER MAUERN
Ein reiches Leben von Format brach plötzlich ab……
Das Tor zur Weite hatte sich geschlossen, das Tor zu tatenlosem Sein die Flügel weit geöffnet in eine fremde Lebenswelt.
Ein Kerker unter Erde nahm mich auf. Auf einem düsteren Gang erblickte nun das Auge in der Dämmerung schwer-eichene Zellentüren mit trotzigen Schlössern. Der Schließer, mehr Tier als Mensch, hielt in der Faust einen Schlüsselbund, für mich die Zelle öffnend mit schrecklichem Geschnarr. Das, was er brüllte rauhen Klanges, war ein Begriff nur:
„Zelle Nummer Dreizehn!“
Die Tür schlug zu - ich war allein.
Ich sah stabile Mauern, ein schmutziges Lager, die klinkenlose Tür, eisenbeschlagen, mit einem Guckloch zur Beobachtung des Opfers. Der trübe Boden zog mich nieder mit der ganzen Last von Trauer. Durch ein vergittert Fenster brach kärglich Licht. Mit hilflosen Händen betastete ich feucht-triefende Wände. Sie schienen zu stark, um durchbrochen werden zu können. Wohl jeder Gefangene, mag er auch noch so bös und gottverlassen sein, spürt in der Wucht der Mauern die ganze gefühllose Härte eines grausamen Menschenherzens. Ich fühlte mich schuldlos, keine Schuld belastete mein Gewissen, und dennoch dünkten mich diese starren Mauern Negierung des Lebens.
Das geringste Tier, der unbedeutendste Wurm - und dennoch Geschöpfe Gottes - vermögen frei ihren Leib und ihre Glieder zu bewegen, während der Mensch, sich überlegen fühlend, seine Mitmenschen in düstere Kerker sperrt. Für mich, der ein Leben in Freiheit, in Luft und Sonnenschein zu atmen gewohnt war, war alles nun beschränkt auf die Gefängniszelle. Ich war auf mich verwiesen, gewollter Bewegung beraubt, beraubt selbst darum, freien Willen zu entfalten.
Wo war eine Spur von Gerechtigkeit? Wo der Wert des Gesetzes? Ich habe weltliche Gesetze nie hoch geschätzt, sah doch in ihnen nur Polizeimaßnahmen, Mißbrauch von Gewalt, unberechtigte Steuern, dreiste Konfiskationen, erklügelte Geldstrafen, Zwangssammlungen und derglei-chen mehr. So spürte ich auch jetzt die Ungerechtigkeit, die Folgen falschen Menschengesetzes mit all seinen Intrigen und Unterfängen, sich gegen die persönliche Freiheit wendend, gegen durch Naturgesetz mir privilegiertes Recht, ein „Freimann“ zu sein in Gottes Schöpfung. Auf Grund des Christlichen und Gral-Evangeliums sollte mein Erdenleib ein Tempel sein, gar wunderbar erstanden zum Preise des Herrn, aus Erde und ihren Elementen gefügt, begnadet mit Verstand zu irdischem Kampf, ausgerüstet mit Kraft, die ein lebendiger Geist erfüllt zur Erkenntnis der Schöpfung und zur Gottanbetung.
Warum dann fühlte ich mich bedrängt, betrübt und so verlassen? - - Weil ich Scham für meine Peiniger, meine Mitmenschen empfand! Weil die Hand des Menschen frevlerisch die Erde beschmutzte, als sie Steine zum Bau von Gefängnismauern trug! Hier standen sie grau in grau, weder Mitleid noch Gnade bergend. Ein unkompliziertes Tier sehnt sich nach Sonne in natürlicher Art. Das Gras sprießt aus dem Erdreich, durch Wärme getrieben. Aber der Nazi-Gefangene ist verdammt, in Dunkelheit zu brüten und elende Suppe auf schmutzigem Schemel im Verlies der Ungerechtigkeit zu schlucken.
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Langsam fällt Dämmerung und es wird Nacht. . . . .
Mein Gehör spannt sich, es lauschet und lauscht. . . .
Schritte kommen und verhallen. Sie kommen wieder und wieder und gehen wieder, und endlich entdecke ich sie in meines Nachbars Zelle.
Vier Schritte zum Fenster, vier Schritte zur Tür - sich immer wieder-holend, eine Ewigkeit dauern sie. Zwischen Kommen und Gehen - eine Pause der Rast - dunkelste Nacht – Unendlichkeitsahnen. . . . . .
Wahrlich, unaufhaltbar wähne ich die acht Schritte innerhalb einer Kerkerzelle und endlos den Marsch dessen, der zwischen Mauer und Tür sich dauernd bewegt im Grübeln über Dinge, die weder gekettet noch verschlossen werden können, die weit hinauswandern in eine sonnige Welt, ein Ziel vor den Augen.
Die ganze Nacht lauschte ich erregt diesen Schritten, mir nah meinem Lager und doch so fremd! Wer schreitet drüben? mir Ich kenne ihn nicht, kenne nicht sein Leid und nicht sein Geschick? Ist es ein Kerker-Geist, ein schlafloses Hirn, ein Mann dieses Wesen, das be-harrlich schreitet?
Eins, zwei, drei, vier : vier Schritte und die Mauer!
Eins, zwei, drei, vier : vier Schritte und die Tür!
Jeder Schritt tönt hohl und dumpf und jedes Schrittes Echo hallt tönern monoton an meine Ohren. Ich unternehme, sie gespannt zu zählen, vermeinend, daß es in dem Marsch ohne Ende, im Grabe der Nacht, fünf Schritte einmal gäbe anstatt der vier zwischen der modrig feuchten Mauer und der Tür.
Noch lausche ich gespannt, voll wach bei Sinnen, erlausche Töne und Geräusche lebendiger Wesen wie auch toter Dinge, ich höre alle Leid- und Freudenschreie der Nacht. Ich hör das Stöhnen dessen, der da beweint, was starb. Ich hör die Seufzer eines, der zu ersticken droht, was nicht von selbst dem Tode verfällt. Ich hör die unterdrückten Schluchzer eines, der heulend unter rauher Decke sein Haupt vergräbt auf kaltem Lager, sowie das leise Flüstern eines Mundes, der mit verhaltenem Odem die Fliesen seiner Zelle küssend jammervollste Bitten lallt. Ich hör auch den, der schrill das furchtbare Lachen eines Irren brüllt, der voll Entsetzen seiner selbst die Wände zu erklettern sucht, doch dessen ohnmächtig mit geröteten Augen, die Feuerbrände schleudern, schließlich zusammenbricht und starrt und starrt. . . . Ich hör in eisigem Schweigen ihn, der einen trocknen, harschen Husten keucht, wie Espenlaub den hageren Körper schüttelnd, und wünsche nur, daß seine Lunge nicht rassele das Rasseln eines Totgeweihten und er nicht fortfährt seinen Geifer auf den schleimigen Boden zu stoßen, denn kein Geräusch ist so banal als ausgespiener Auswurf auf nackten Stein. Ich hör auch den, der Eide schwört, die ich in Andacht empfinde, denn sie sind heiliger denn einer Jungfrau Beten. Ich höre, wohl das Schlimmste von allem, das stumme Grübeln von zweihundert Hirnen, hier eingekerkert voller Schmerz und Tränen, geplagt, gefoltert, doch besessen von nur einem Trachten, dem Ziele der Befreiung zuzustreben.
All dieses höre ich schlaflos bei Nacht; höre des Windes Heulen hinter Mauern, in weiter Ferne Glockenläuten, Getröpft von Regentropfen, an Grabesrand mahnend. Höre das Murmeln einer Stadt, zu neuem Schaffen sich bereitend, erwacht zu Tatendrang, hör auch die Schläge meines Pulses, wildstoßende Schläge, wahnwitzige Schläge meines eigenen Herzens. Ich höre all dies in der Stille der Nacht. Nichts aber ist lauter, härter, trauriger, mächtiger und schrecklicher als die Schritte, die ich höre in meines Nachbars Zelle.
Trotz allem aber verzweifelte ich nicht. Ich beehrte meinen Glauben und hielt aufrecht die Überzeugung in Gottes, des Allmächtigen ehernes Gesetz, in seine Gerechtigkeit und seine Bestimmung für mich durch sieben endlos dünkende Monde. Wundersam und heilig war das Wissen, das ich schöpfte im Erleben, mir zu eigen machen durfte in der Zelle des Kerkers. Hehr und erhaben wirket die Vorsehung ihr Gesetz im Gefängnis, das alle Vorrechte aufhebt, die Schranken - die Menschenwahn im Auf und Darnieder des Lebens setzte - beseitigt und nichtig erklärt das Adeltum des Verstandes zwischen Mitgefangenen. Eine ausgleichende Vernunft hebt sie alle auf eine gemeinsame Stufe mit einem einzigen Gedanken, einer einzigen Hoffnung: die der Befreiung!
Ich sende meine guten Gedanken zu dem ruhelosen Schreiter:
„Mein Bruder, höre doch auf zu marschieren! Eine Entweihung ist das Schreiten auf einem Grabe. Wenn du aufhörst zu gehen, wird sich nicht länger ein Grab hier befinden, denn zurück gibst du mir meine eigenen Gedanken, die jetzt an dein Schreiten gekettet sind, auch das Recht, meine eigenen Gedanken zu rühren. Ich flehe dich an, mein Bruder, erfülle meine Bitte, denn ich bin müde der Nachtwache, müde des Anhörenmüssens ungezählter Schritte - und schlaftrunken.“
An einem Abend später, als sieben eherne Schläge vom Turme erklangen, stellte der ruhelose Wanderer sein Hin- und Herschreiten ein.
Es gab aber ein anderes furchtbareres Geräusch - das Rasseln einer Kette - ein tiefes fremdartiges Stöhnen - das Schweigen des Todes!
Der Missetäter, angeklagt des dreifachen Mordes, des Erschießens von Frau, Tochter und Geliebten, und mit dem ich lernte, mich mittels Gefängnissprache durch Klopfen an die Wand zu verständigen, erhängte sich selbst in seiner Zelle, kaum dreißig Jahre alt.
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Tage darauf, während ich Nachtruhe und Frieden nun genießen durfte ward mir eine symbolische Schauung, die mir das Geschehen der Zukunft offenbarte:
Und siehe, ich sah die Wasser zweier Welt-Ozeane. Klar und leuchtend das eine im Glanze der Sonne, das andere gleich einem schlammigen Sumpf, in dessen gurgelnden Fluten häßliches Getier, Frösche und Schlangen, sich regte, einander verschlingend.
Eine düstere Schleuse verband die Ozeane.
Ihre eisernen Flügel waren geschlossen und öffneten sich nicht. Da entstand Leben. Die Fluten der Dunkelheit, durch die Gelüste des Getiers in Bewegung gesetzt, begannen gegen die Tore der Schleuse zu drängen - sie widerstanden; - die Wasser der Ozeane vermochten sich nicht zu mischen. Da spürten die Tiere, was sie verbrochen, was sie sich selbst getan- Aber- für sie war Rettung zu spät! Fern vom Sonnenlicht, fanden sie den Lohn ihrer Tat in dem schleimigen Sumpf!
Und siehe, ich schaute auch die Gestade des lichtgleißenden Ozeans, er war wie ein gläsernes Meer.
" mit Feuer gemenget; und die den Sieg behalten hatten an dem Tier und seinem Bilde und seinem Malzeichen und seines Namens Zahl, daß sie standen an dem gläsernen Meer, und hatten Gottes Harfen; und sangen das Lied Moses, des Knechts Gottes, und das Lied des Lammes, und sprachen: Groß und wundersam sind Deine Werke, Herr, allmächtiger Gott; ge-recht und wahrhaftig sind Deine Wege, Du König der Heiligen. Wer sollte Dich nicht fürchten, Herr, und Deinen Na-men preisen? Denn Du bist allein heilig. Denn alle Heiden werden kom-men, und anbeten vor Dir; denn Deine Urteile sind offenbar geworden.“ (11)
Als das Morgenrot in meiner Zelle Dämmerung brach, schrieb ich die Schauung und meine Deutung nieder:
Ich schaute das Tor des Lebens für den größeren Teil aller Menschen verschlossen, ich sah keine Rettung für die, welche die Botschaft Imanuels verworfen hatten.
Dann hob ich abermals meinen Griffel und schrieb eine Hymne auf das „lebendige Licht“, auf Ihn, der immerdar gepriesen sei, den ich in Fleisch und Blut gesehen, so, wie die Jünger einst Jesum sahen, und der da ist der Menschensohn, der Herr aller Herren, der das Weltall trägt mit seinem Gesetz, der es selbst ist, ohne den alles Leben erlischt!
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Der letzte Morgen meiner Gefängnishaft brach an. Es war am Tag nach der Feier der Heiligen Taube im Gral.
Die sich ergießende Kraft aus Gottes Allheiligem Ursprung hatte den in der Stille seiner Zelle erreicht, der durch Versuchungen, Anfechtungen und Gefahren die Treue wahrte Dem, dem er sich anvertraute im Leben und Tod.
Es jauchzte mein Geist, und er vernahm die Stimme des Herrn wie machtvollen Donner und die rauschende See. Die Stimme sprach:
„Gehe hin und verkünde, was deine Augen sahen und deine Ohren vernahmen!“
Mein Geist antwortete:
„Oh Herr und König Imanuel, sie wollen meine Rufe nicht hören!“
Der König der Geister sprach:
„Was ist es von Belang, ob sie wollen oder nicht! Gute Menschen werden dir, meinem Knecht, und deinen Worten lauschen, die du unmerklich in die Herzen deiner Brüder träufelst, denn die, so aus der Wahrheit sind, erkennen die Worte, die die Wahrheit künden.
Den anderen, die sie nicht vernehmen, obwohl du ihnen die Gelegenheit gibst, das Wort der Wahrheit wie ein Rettungsseil zu haschen, versengen sie den Geist gleich Feuergarben, daß sie es spüren müssen früh oder spät.
Die Weißglut meines Zornes aber wird sie am Tag ihrer Not verbrennen.“
Mein Geist beugt sich vor der Allmacht Imanuels:
„Herr, Du weißt, daß die Bürde der Zeit stark auf mir lastet, mein Körper altert und die Stimme verblasset. Laß Deinen Diener etwas ruhen, bevor er auszieht zu neuem Dienst!“
„Darum gerade darfst du nicht rasten! Habe Ich, Imanuel, Herr über Leben und Tod, dir nicht gekündet und geschrieben als Vermächtnis unter das Bild meiner segnenden Hände, daß ich dich stütze, als Streiter für das Licht nicht zu erlahmen, so du mir Treue hältst und das Gelübde wahrst, das du zu wahren gelobtest am Tag deiner Weihe, und deine Überzeugung Meiner Gottessendung!
Es geht um nichts anderes als dieses! Darum suche nicht Ruhe! Es gibt keine Ruhe im Dienste des Grals! Sie kommet zu ihrer Zeit! Denke an die so in den Gräbern ruhen, da sie geistig im Leben schon schliefen - sie werden nie den „neuen Tag“ sehen!“
„Ich will gehen, mein Herr und Meister, wohin Dein Wille mich zu gehen heißt. Ich will tun, was Du befiehlst. Ich will kämpfen für Gerechtigkeit, Liebe und Reinheit, solange ein Atemzug noch in mir lebt!“
„So gehe denn“ - sprach der Herr- „und fürchte nichts! Ich will bei dir sein, wenn du mich rufest. Ich will die Worte, die du sprechen sollst, auf deine Zunge legen. Über dem Erdreich brütet ein Nebel von Verderben. Es wütet Aufruhr und Schrecken, Krieg und Kriegsnot. Noch aber ist das Ende nicht kommen. Erst Seuche und Pest wird die Menschen zerbrechen. Ich, Herr der Welt, will den Sturm entfachen, der alles hinwegfegt. Die Bestie im Menschen rühmet sich ihrer Laster, Menschen vermeinen, daß zeitliche Macht für ewig besteht. Doch habe ich den Herren elementarer Gewalten Befehl gegeben, allen Missetätern den festen Boden unter den Füßen zu nehmen. Meine Stunde kommt. Der Tag meiner Rache ersteht im Kreislauf der Äonen. Er bereitet sich als letzter Schlag des Weltgerichtes.“
Der Herr sprach weiter:
„Gehe hin, mein Diener, und sprich zu den Tyrannen der Erde, doch nicht nur zu denen, die ihre politische Macht mißbrauchen, zu denen im Besonderen, die Tyrannen der Geister sind und ihre Mitbrüder und -schwestern fesseln mit ewigen Ketten der Furcht und Verfolgung. Ermahne sie, warne sie, daß ihre Tage gezählt sind! Jage meine Drohungen in ihre Ohren! Lege eiskalte Angst auf ihre Gewissen! Laß dieses ihre erste Seelenqual sein! Sie haben mich selbst in den Kerker geworfen. Sie haben verkündet, daß Ich nicht mehr bin. Sie sollen erfahren, daß es nicht so ist! Sprich zu den Despoten sehnsüchtig Harrender! Hämmere in ihr Ohr Wehklagen, Schreie und Anklagen ihrer Opfer, sie körperlich und geistig mordend! Laß sie die Geister der Toten, die sie wie Tiere geschlachtet, als schaurige Phantome, grausige Gedanken ihrer eigenen Phantasie, unentrinnbar verfolgen! Laß sie geplagt sein vom Alpdruck unaussprech-licher Art, laß Vampire ihr Herzblut saugen, furchtbare Träume ihren Schlaf zerreißen, daß sie bei Tag und Nacht keine Ruhe finden! Daß zur Stunde der Dämmerung, wenn sie unwürdigen Orgien zu frönen beginnen, sie den Eishauch der Gespenster auf eigenem Fleische spüren und schaudern vor Schrecken!
Sprich zu den Bedrängten, denen, die Licht und Wahrheit suchen, sag ihnen, daß meine Augen ihr Leid gesehen, daß mein Schwert gezückt ist für ihre Feinde, daß es sie selbst beschützet! Daß ihre Bitten mein Ohr erreichten, daß ich ihr Weinen in Gesang der Lobpreisung wandeln werde! Sag ihnen in meinem Namen, daß sie befreit von den Bösewichten von Selbstsüchtigen, Hasserfüllten, über diese einst triumphieren werden. Sprich zu allen in Tränen, denen, die Gutes nur wollen, Gott und Menschen achten, die Demut bewahren, und einen Wunsch nur in Gebeten und Fürbitten stammeln:
„DEIN REICH KOMME!“
1 ( 1 ) Offenbarung Johannis, Kap. 15 , Vers 2 - 4