GRALSGLOCKENWEIHE AUF DEM BERG DES HEILS
am 18. April 1948, 9 Uhr.
Noch schwingen die Klöppel der Glocken und senden ihren Jubelton über Berg und Tal im Heiligen Lande Tirol.
Und schon regt sich ein Drang tief im Innersten der Empfindung, mit dem Griffel zu schreiben, was in der Weihestunde, die einzig war und bleiben wird in Zeiten der Zukunft, geistig empfindbar wie irdisch sicht- und hörbar sich zutrug für jene, die dem Feier-Akte beiwohnen durften.
Denn Glockenweihe gab es! Glockenweihe dreier Glocken des Grales, zum Preise Imanuels, Marias und Irmingards, so wie es einst der Herr bestimmt hat.
Voller Erwartung und in Sehnsucht der gewaltig-kosmischen Erfül-lung haben die Kreuzträger der Berg-Gemeinschaft und alle, die seit Jahren um dieses Ereignis wußten, des Tages des achtzehnten April geharrt, der auch die dreiundsiebzigste Wiederkehr des irdischen Geburts-tages Imanuels war.
Von nah und fern war gekommen, wer die Reise zu unternehmen vermochte, erstmals dem Klang der Glocken zu lauschen, die nach viel Mühe ,Anstrengung und Sorge zur Stunde der Erfüllung nun im Glockenstuhl hingen im Turm am Tempel, der unter Aufwand vieler Kräfte, nach dem Plan Friedrich Hermanns, des Schweizer Jüngers, in den vorhergehenden Tagen errichtet worden war, nachdem im Beisein von Frau Maria, Fräulein Irmingard und Herrn Alexander am siebenten März 1948, an einem sonnenübergossenen Sonntagmorgen nach der Gralsan-dacht, die Abmessung des Ortes und der erste Grabenstich vollzogen worden waren.
Die über den Firnen der Berge aufsteigende Frühsonne grüßte den Feiermorgen des achtzehnten April, Anno Domini 1948.
Vor dem Pavillon im Gralsgarten sammelte sich im Weiß der Damen und Schwarz der Herren der Gesang-Chor des Grals, um unter Leitung des Jüngers Siffrid seinen Jubelhymnus „Das ist der Tag des Herrn“ Frau Maria und Fräulein Irmingard, der „Rose des Lichtes“ und der „Reinen Lilie“ vorzutragen.
Um die neunte Stunde darauf pilgerten die Kreuzträger in Feierge-wändern zum Tempel des Herrn, dessen weiße Kreuze auf beiden Giebeln von weitem schon grüßten und denen sich nun ein drittes gesellte, das ringlose Kreuz auf dem Glockenturm, gleich dem auf dem Ostfirst über dem Tisch des Herrn, im Inneren der Halle. Jede Nacht wird das Turm-Kreuz erleuchtet sein, um seinen erweckenden und mahnenden Lichtschein weithin über den Berg verbreiten zu können, ein Lichtmal für Lichtsuchende im Tal, Inn auf- und abwärts, Sehnsüchtigen weisend das Licht auf dem Berg, von dem es noch einmal über die Welten strahlt.
Der Tisch des Herrn prangte im Schmuck roter Rosen, unter ihnen das Hoheitszeichen des Göttlichen Trigons: ein goldenes Strahlenkreuz mit dem Schwert als Symbol, umrankt von Rosenzweig und Lilienblüten. Über dem Hochsitz Irmingards hing die Standarte des Heiligen Grals smaragdgrün in Farbe mit dem Kreuz im Quadrat.
Orgeltöne schwangen im Raum, während Helfer und Helferinnen die Kreuzträger auf ihre Sitze wiesen, vor denen die Jünger Platz genommen und wiederum vor diesen auf gepolsterten Sesseln Herr Alexander, Gralsritter und Urgeschaffener Löwe, neben ihm der Apostel Herbert Vollmann und beiden gegenüber Maria-Elisabeth, Frau Vollmann.
Alles vollzog sich in Schweigen und Ordnung, nur die Orgel von Emil Siffrid gespielt und die Geige des Jüngers Kaufmann-Strasbourg beherrschten feierlich den Raum, den jeden Augenblick die Hohen Damen betreten würden.
Es spaltete sich der Vorhang hinter dem Tisch des Herrn, und unter Voranschritt der Reinen Lilie betrat Frau Maria den Andachtsraum.
Noch einmal braust die Orgel auf, der Apostel Imanuels tritt zum Lesepult und verliest aus der Gralsbotschaft Worte des Herrn, den „Fremdling“ betreffend der der Menschensohn war, solange er im Dunkel dieser Stofflichkeit wallte.
Ihm folgte wieder Orgelspiel, und Herr Alexander, das grüne Ordensband auf befrackter Brust, noch immer mühsam an Stöcken gehend, verliest die einschlägige Feier-Rede. Ihr Eindruck ist gewaltig, gewaltig auch der Eindruck den, die Heroengestalt des „Löwen“ prägt.
Der Ansprache Wortlaut wird im Archiv des Grals verwahrt, doch mühte ich mich, ihren Sinn zu Papier zu bringen. In großen Zügen war er so:
Gott, dem Allmächtigen gebührt allein der Dank, daß er in Gnaden der Berggemeinschaft des Grales gewährte, die Stunde der Glockenweihe zu erleben. Dank, daß er das Werk trotz Mühsal und Arbeit zu Ende förderte, das heute Erfüllung und Krönung findet: die Weihe der ersten Gralsglocken auf Erden, die seit der Zeit der Is-ra geschwiegen haben. Seit Jahrtausenden war ihr Geläute verstummt, die Menschen haben ihren Klang vergessen, und nur durch den Willen Imanuels wurde der Glockenguß beschlossen, die Allen, besonders den „Berufenen“ des Berges, das Ende des Gerichtes künden sollen, sie warnen und mahnen, daß die Warte- und Lernzeit nun verflossen und sie bereit stehen müssen für den Dienst im Gral. Die Glocken sollen sie aus dem Geistschlaf wecken, wollen sie bestehen, aber nicht versagen.
Dreier Glocken Dreiklang wird ab heute zu jeder Andacht, jeder Feier, in Reinheit schwingend alle Geister rufen, damit sie im Tempel die Wahrheit hören und ihr entsprechend ihr Leben gestalten. Denn nur, wer im Gesetze Gottes lebt, vermag das Weltgericht zu überstehen!
Die große, tieftönende „Imanuel Glocke“ trägt die in Erz gestochenen Worte:
MUTIG VORAN - GOTT WOHLGETAN!
Über dem Emblem der Heiligen Taube mit dem Strahlenkreuz darun-ter stehen die Worte:
IN REINHEIT BEGONNEN UND VOLLENDET IM JAHRE DES HERRN 1948!
Die Rückseite der „Imanuel Glocke“ ziert die „Blaue Blume“ des Men-schensohnes, von Rose und Lilie umrahmt, darüber das Gralskreuz mit einer Dornenkrone.
Die mittlere „Maria Glocke“ trägt folgenden Spruch:
LIEBE LÄSST SICH
VON GERECHTIGKEIT NICHT TRENNEN,
SIE SIND EINS!
Die zu oberst hängende und kleinste „Irmingard Glocke“ zeigt diese Inschrift:
DEM HERRN DER WELTEN DIENE ICH
IN REINHEIT UND TREUE!
Auch die „Maria und Irmingard Glocken“ tragen auf ihrer Rückseite Embleme des Heiligen Grals, eine die „Gottesliebe“ verkörpernde Rose und eine die „Gottesreinheit“ versinnbildlichende Lilie.
Nachdem Herr Alexander die Feier-Rede beendet hatte, trat Frau Maria von ihrem Hochsitz an den Tisch des Herrn und weihte in Gegenwart der Kreuzträger-Gemeinschaft die Glocken des Heiligen Grals zur Ehre Gottes und zu Heiliger Erfüllung dessen, was der Wille Gottes beschlossen.
Von tiefer Erregung ergriffen, schwang ihre göttliche Stimme durch die Stille des Raumes, die kein Hauch bewegte, und während in der Gralsburg hoch über Raum und Zeit Gralsglocken ihr jauchzendes Läuten begannen, das alle Ebenen und Welten durchflutete und Jubelklang die Sphären füllte, setzten auch die irdischen Gralsglocken ein und- viele Augen netzten Tränen.
Frau Maria stand in Andacht, die Arme erhoben, den Blick in die Höhe des Lichtes gerichtet - als schaute ihr Auge
IMANUEL ,
bis Herr Alexander, sein Ritter und Löwe, das Lichtgebet sprach:
Wir stehen im Licht,
in Deiner Schöpfung,
und wissen von Dir,
o Schöpfer des Alls.
Wissen von
Deiner unendlichen Weisheit
und Güte ,
von Deiner urewigen Macht
und
Deiner unerschöpflichen
Kraft .
Anbetend heben wir die Hände
und bitten Dich:
HERR ,
lass’ Deine große Güte und
Gnade über uns sein!
Amen .
Die evangelische Choral-Melodie „Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden . . ." beschloß die erhebende, einmalige, nie wiederkehrende Weihestunde und Gralshandlung, die keiner, der sie erlebte, vergessen dürfte und vergessen wird.
Ein neuer Eckstein im Aufbau des Heiligen Grals auf Erden war damit gesetzt worden.
Eine neue Tat zur Ehre Gottes des Vaters und seiner zwei Söhne hatte sich am achtzehnten April 1948 auf Vomperberg erfüllt.
Bericht in der Tiroler Tageszeitung vom 21. April 1948:
Grals-Siedlung Vomperberg. Man schreibt uns:
Am achtzehnten April, dem Geburtstag des Gründers der Grals-Siedlung, Oskar Ernst Bernhardt, wurden die drei Grals-Glocken geweiht.
An der Feier nahmen auch ausländische Gäste teil. Das Metall wurde von der Grals-Bewegung Schweiz gespendet. Gegossen wurden die Glocken in der Glockengießerei Johann Grassmayr, Innsbruck.
Die Glocken haben die Töne as, c und es ; ihr feierlicher Klang ist weit über Berg und Tal zu hören.
ERSTER ANGESTELLTEN-AUSFLUG DER GRALS-SIEDLUNG MIT DEM L.K.W.
AM 22, APRIL 1948.
Das freudige Ereignis eines ersten Angestellten-Ausfluges der Grals-Siedlung kam fast für alle der in Frage kommenden Teilnehmer wie ein Blitz aus heiterem Himmel in bester Deutung des Wortes.
Erst am Nachmittag des zuvorgehenden Arbeitstages, an dem keine Hand in der Siedlung müßig ruhte, sondern regstes Schaffen auf Feld wie am Glockenturm, im Grals-Garten wie in den Arbeitsstätten herrschte, sickerte die frohe unerwartete Kunde, von Frau Maria veranlaßt, von Herrn Alexander weitergegeben, hier und dorten durch, sodaß am Vor-abend des zweiundzwanzigsten April die gesamte Siedlung wohl das Geheimnis kannte, um letzte Rüstung für die Ausfahrt zu treffen.
Sieben Minuten lang hatten die Grals-Glocken, die vor vier Tagen erst bei der Gedächtnisfeier des Geburtstages Abdruschins ihre Weihe erhielten, um sechs Uhr abends den zur Rüste gehenden sonnigen Tag ausgeläutet und am nächsten Morgen den neuerstehenden mit gleichem Jubelton gegrüßt, während das auf dem Glockenturm erleuchtete Gralskreuz die ganze Nacht seinen Schein in die Finsternis strahlte.
Alle Siedlungsbewohner waren schon auf den Beinen, teils das Letzte für die Fahrt zu rüsten, teils so Beschäftigten freudiger Miene zuzuschauen, denn erstmalig war dies große Ereignis!
Fast dämmerte es noch in diesen Anfangstagen der begonnenen Frühlingszeit, als der schwere Last-Kraft-Wagen (L.K.W.) seine Garage im ehemaligen Dr. Illig- Haus verließ und auf den freien Platz vor dem Gralsverwaltungs-Bau rollte. Karl Bergmann und Josef Wagner waren die ersten zur Stelle, und nicht lange währte es, so bewegte, wirbelte und schwirrte es um das grau-lackierte Gefährt, es kam und ging, und immer mehr der Dinge, Decken und Kissen, vor allem Eßwaren wurden gebracht, denn die achtundzwanzig Teilnehmer die vom Trigon zu der Fahrt geladen waren, sollten auch auf Verwaltungskosten gut und reichlich beköstigt werden.
Ein Viertel vor neun Uhr war alles bereit. Das blaue Herrschaftsauto mit der wohlbekannten Nummer T 18026, und der L.K.W. T.18415 standen abfahrtsfertig vor dem geöffneten Siedlungstor. Herr Vollmann prüfte noch einmal an Hand einer Liste durch Ausrufen der Namen die teilnehmenden Gäste, und siehe, es ergab sich, daß Fräulein Meta Genske noch fehlte. Jean Choisel wurde zu ihr gesandt, und bald war auch sie zur Stelle.
Folgende waren die achtundzwanzig Teilnehmer:
Herr Alexander Fahsel als grau-livrierter Chauffeur des Herrschafts-wagens. Herr Karl Bergmann als Fahrer des L.K.W., und neben ihm auf der Führerbank Herr Herbert Vollmann.
Fünfundzwanzig Insassen des Lastkraftwagens, und zwar fünfzehn weibliche und zehn männliche Personen:
Margarete Wilder, Elisabeth Görtz, Alice Schmid, Elisabeth Regner, Anni Niemeck-Freitag, Eva Schlieper, Meta Genske, Maria Nell, Olga Studer, Ida Kaiser, Blandine Wagner, Hedy Weibel, Lucie Reckleben, Frida Bergmann, Charlotte Siffrid - René Weill, Walther von Bötticher, Josef Wagner, Jean Choisel, Eberhard Dowe, Wilhelm Fritsch, Martin Görtz, Paul Bergmann, Wilhelm Vollmann und Randolph Freeman-Eales.
Die genannten Personen gehörten sechs verschiedenen Nationen an - Österreicher, Deutsche, Schweizer, Balten, Franzosen und Engländer. Bei der Durchfahrt von Ortschaften und Dörfern fiel der Landbevölkerung besonders Herr von Bötticher auf, der mit Cowboyhut und Reitstiefeln am besten den baltischen Fremdländer aus Brasilien markierte.
Herr Alexander blieb als „landwirtschaftlicher Leiter“ der Grals-Siedlung zurück, zusammen mit drei Jüngern, Lucien Siffrid als Vertreter Fräulein Recklebens und „Pfortewächter“, Herr Emil Dörflinger und Herr Hermann Wenng, ferner Fräulein Henn als „Betreuerin des Gralshauses“, Herr Kurt Naumann in Bereitschaft eines seit Tagen schon erwarteten Fohlens, sowie alle übrigen Privat-Siedlungsbewohner und Kinder.
Frau Maria, Fräulein Irmingard, Frau Maria-Elisabeth Vollmann, und klein Marga (Hannelore Scherer) hatten im Herrschaftswagen Platz genommen, und nachdem dieser vorangefahren war, setzte sich auch der L.K.W. auf ein von Herrn Alexander gegebenes Zeichen „Los“ in Bewegung.
Ohne Plane, die Aussicht frei auf eine herrliche, blütendurchschwän-gerte Landschaft, fuhren wir unter Abschiedswinken der Zurückbleibenden und freudigem Gegengruß unsererseits Gralshöhe hinab, vorüber am Zilderer-Hof, der anstatt von Frau Regner von Frau Choisel gehütet wurde, vorbei an dem „Gästehaus“, der früheren Grals-Schule, wo aus ihrer nebenan liegenden Villa Frau Berninger und Fräulein Weglau noch Abschied winkten. Dann ging es talabwärts, am Gemeindeamt Vomp und Talstation noch einmal haltend, bis die Fahrt im Tempo auf offener Landstraße nach Innsbruck verlief, durch engwinklige Ortschaften, an Gebirgs-Gottesackern Tiroler Eigenart, Klöstern und verfallenen Schlös-sern vorüber. Verabredungsgemäß erwartete uns in Wattens Herr Schwaiger von der Firma Swarovski, um den bestellten Bier-Vorrat für den Festtag in unser Auto abzuliefern.
Hinter Innsbruck eröffnete sich den entzückten Augen eine grandiose Alpenwelt. Es grüßten uns die Firne gewaltiger Bergriesen, die in den Strahlen der Sonne gleißten und unsere Herzen jubeln machten. Unterhalb Zirl stieg senkrecht die Martinswand hoch empor, die 1113 m hoch durch das Jagdabenteuer Kaiser Maximilians im Jahre 1493 bekannt ist und droben, durch ein schwarzes Kreuz bezeichnet, die Felshöhle heutigen Tages noch birgt, wo sich der Kaiser angeblich in Lebensgefahr befand. Als erste größere Ortschaft folgte dann Telfs mit schmuck bemalten Häusern und vielen Gasthöfen, von wo eine schöne Straße über Obermieming und Obsteig nach Nassereit führt. Wie eine Trutzwand lag zur Rechten die Mieminger Kette bis ca. 2700 m steigend, noch immer schneebedeckt, während hinter ihr das Wetterstein Gebirge mit Zugspitze, dem höchsten Berge Deutschlands (2963 m), entlang zieht.
Auf der Mieminger Hochebene wurde inmitten eines Lerchenhaines Rast gehalten, an einer gar wundersam schönen Stelle, wie sie Frau Maria nicht hätte besser wählen können.
Schon waren die Damen dem Auto entstiegen, Marga lag sich sonnend auf weichem Waldboden, als der L.K.W. ankam. Wir entstiegen demselben und lagerten uns in Gruppen zu einer köstlichen Mahlzeit unter freiem Himmel. Frau Wagner und Frau Bergmann verteilten die Portionen, die auf mitgebrachtem Geschirr mit eigenem Besteck vollen Appetites dank-barst verzehrt wurden. Etwas abseits der Angestellten hatten Frau Maria und Fräulein Irmingard mit Frau Vollmann an einem mitgebrachten Tisch auf Klappstühlen Platz genommen, und trotz kleiner Trennung schwang manch freudiger Ruf, manch echte Dankempfindung herüber und hinüber, wo diejenigen saßen, die im Namen Imanuels sein Werk nun weiterführen.
Es wurde leckerer Kartoffelsalat mit köstlich geräuchertem Schweine-fleisch und hart gesottenem Ei geboten, Schwarzbrot und Bier, Schokolade und Äpfel reinsten Aromas.
Nach dem Mahle gab es Ruhe oder man ging in den Wald auf Enzian- und Erika-Suche, und ein besonders freudiger Augenblick war es, als Ehepaar Götz, er der Senior der Gemeinschaft, Hand in Hand mit seinem Weib sich in die hellgrüne Tiefe leuchtenden Lerchenwaldes verzog, während Fräulein Irmingard mit alles erfassender Kamera nachstieg, um das betagte Paar, des Überfalls nicht ahnend, photographisch zu verewi-gen.
Gegen drei Uhr wurde Jause gehalten. Einzeln und in Gruppen fanden sich die Kreuzträger wieder zusammen. Drei und viermal wurde ein duftender Apfelkuchen gereicht, ein seltener Genuß bei normalen Verhält-nissen in sonst kärglicher Zeit.
Den Abschluß der Waldrast bildeten Gesänge, von Jünger Lucien Siffrid einstudiert und in Abwesenheit von Herrn Vollmann dirigiert.
Der Chor nahm vor den Hohen Damen Aufstellung, und bald ertönten harmonische Weisen, von frischen, geschulten Kräften gemeistert, durch die weihevolle Stille des friedvollen Waldes.
Folgende Lieder wurden gesungen:
„Es steht eine Stadt im schönen Tirol“ (Mein schönes Innsbruck)
„Des Sonntags in der Morgenstund“ und
„Die Capri Fischer“ mit einem Solo der Herren Vollmann und von Bötticher.
Nachdem Blumen und Lerchengrün wie alles übrige im L.K.W. wieder verstaut worden war, bestiegen wir gegen vier Uhr das Auto und traten durch das romantische Gurgltal über Ob-Tarrenz und Imst, Silz und Stams die Rückfahrt an, um in Telfs auf die Innsbrucker Straße zu stoßen.
Während wir auf Hinfahrt die linke Inn-Seite fuhren, führte uns das Auto auf der Rückfahrt bis Telfs auf rechter Inn-Seite entlang, von wo sich die Mieminger Kette mit vorgelagertem Hochwald nur um so imposanter bot. Auch Stams zeigte sich prächtig mit seinem massiv gebauten Zisterzienserstift und zwei Türmen.
Gegen sechs Uhr hatten wir Innsbruck berührt und befanden uns nun bei Pill, fast Vomperberg gegenüber gelegen. Das Auto hielt, denn von der Höhe des Glockenturms am Tempel Imanuels schwangen zum Tal über die Wasser des Inns hernieder weihevolle Klänge der Glocken des Grals. Tiefe Andacht durchzog unsere Geister im Gedenken an den, der uns den Gral für immerdar erschloß, der uns das Wissen der Schöpfung schenkte und damit die Möglichkeit der Heimkehr ins Paradies. Tiefe Dankbarkeit auch gegenüber den Hohen Damen, die freiwillig auf sich das schwere Amt genommen, dem Gral auf Erden zum Sieg zu verhelfen.
Nicht geringer Dank gebührt auch dem Schwertträger Imanuels, der festen Willens mit starker Faust auf dem Schwertknauf das Werk der Hohen Damen beschützt und fördert, und der im Augenblick da die Glocken tönen, anstatt des Mesners Josef Wagner die Gralsglocken läutet auf dem Berg des Heils.
Als wir Vomperberg gegen sieben Uhr erreichten, erwartete uns schon das Trigon und Herr Alexander, sowie die zurückgebliebenen Siedlungs-bewohner, und ein jeder der Teilnehmer nahte in Ehrfurcht den Erkorenen, einen Dank zu stammeln für den gespendeten Festtag.