BRUCHSTÜCKE DER WAHRHEIT.

Als ich im September 1937 zur Feier der Reinen Lilie zum letzten Mal während der Anwesenheit des Menschensohnes Imanuel auf dem Heiligen Berge weilen durfte, sagte der Herr in einer mir gewährten Audienz unter vielem anderen auch dieses:

„In Zukunft werden zahlreiche geisteswissenschaftliche Bücher durch Ihre Hände gehen. Wenn Sie deren Veröffentlichungsdatum suchen, werden Sie finden, daß es in den meisten Fällen das Jahr 1921 war. Denn da geschah es, daß die erste große Geisteswelle über diesen Planeten strömte und manche Menschengeister zur Erweckung brachte. Deren Tagbewußtsein empfand wohl nichts davon, doch ihr Geist nahm die Strahlung auf.“

An diesen Ausspruch des Herrn mußte ich oft gedenken, als sechs Jahre darauf mein Tätigkeitsfeld als Bibliothekar im „The Times Book Club“ in London lag, wo an die zweiundeinhalb Millionen Bücher aller Belange menschlichen Lebens in fünf Hauptsprachen der Erde zur Verfügung standen und Hunderttausende davon - vornehmlich aber geisteswissenschaftliche - in der Tat durch meine Hände glitten, und nicht nur das, sondern ich viel aufmerksam las und sich mir dadurch ein großes Gebiet englischer Literatur erschloß.

Eines Tages entdeckte ich ein Buch, das in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika gedruckt worden war, und zwar im Jahre 1921. Bei einem kurzen Blick auf den Inhalt und Überfliegen des Textes, ahnte ich, daß diesen Band Geistführung mir in die Hände spielte.

Während der Nacht verschlang ich das Buch und entnahm ihm folgenden Auszug:

„Fragments of Truth“, - Bruchstücke der Wahrheit – war der Titel des Werkes, von Richard und Isabella Ingalese verfaßt.

Als Motto für meinen Auszug wählte ich die Worte:

„Einmal im Leben jedes Mannes, jeder Nation, kommt im Kampf zwischen Wahrheit und Lüge ein Augenblick der Entscheidung für Tod im Dunkel oder des Lichtes Rettung! Eine große Bewegung, ein Messias des Herrn, von beiden strahlend Frühling oder Frost, spaltet die Menschheit in Böcke und Schafe, der, wer Gott fürchtet, schlafe getrost!“

Wie in uralten Annalen verlautet, zählten Joseph und Maria zu der Sekte der Esseners, und Jesus selbst, jung noch an Jahren, wurde ein Novize in dem Orden dieser Gemeinschaft.

Jesus lehrte in zweifacher Weise, in der Sprache seines Volkes - aramäisch, - mit Gleichnissen oder symbolischen Erzählungen sich an die Menge wendend, und jene, die geistig vorangeschritten waren, esoterisch zu unterrichten.

Der Erlöser war sich dessen bewußt, daß Rom vorerst bestehen bleiben würde Beherrscherin der damals zivilisierten Welt zu sein, auch daß, wenn die Wahrheit erst in Rom erkannt würde, die Erkenntnis von der Weltstadt über die ganze römische Nation strahlen könnte, und durch diese über das gesamte Abendland. Jesus hielt es als einen Teil seiner Sendung, die westliche Hemisphäre zur Erkenntnis uralter Wahrheit erwecken zu lassen. Nachdem er hingemordet war, wurde sein Bruder Jacob das Haupt der Sekte der Esseners. Jacob und einige andere der Jünger Jesu verblieben in Jerusalem und bemühten sich, von da aus die Wahrheit zu verbreiten.

Jacob verfiel dabei dem Märtyrertod und auch noch weitere Jünger des Gottessohnes erlitten mitsamt ihren Anhängern ein ähnliches oder gleiches Los, das viele Wegbereiter und Pioniere für neue Geistbewegungen im Laufe der Entwickelung traf.

Petrus verließ Jerusalem und reiste nach Rom, um festen Glaubens für die Wahrheit dort weiter zu wirken, gleicher Überzeugung und Hoffnung wie sein Meister, daß, sobald die Lehre Jesu in Rom Wurzel geschlagen, sie sich von selbst über die Erde verbreiten würde. Petrus gründete in der Metropole der damals bekannte Welt eine nicht nur strenge, auch zahlenmäßig starke Kirche, mit besonderer Betonung, der neue Glaube mitten im heidnischen Unglauben sich radikal von den religiösen Gebräuchen der Römer absondern müsse. Und schließlich bezahlte auch Petrus für seine Mühen und Anstrengung für die Wahrheitslehre mit seinem physischen Tode.

Die von ihm auf Basis der Lehren der Essener gegründete römische Kirche wurde jedoch, wie es zu erwarten war, von den politischen Machthabern des alten Rom, die hinter den Tempeln ihrer heidnischen Götter auf die Neuerer lauerten, hart bedrängt und bekämpft. So erachteten es die frühen Christen notwendig, ihre Zusammenkünfte geheim in den Katakomben zu halten.

Die Wahrheitslehre Jesu war schon im Verwässern. Der neue Kirchenglaube formte sich zunächst mehr in ethischer wie philosophischer Tendenz, da Petrus unter dem Eindruck gestanden hatte, daß das Christentum vornehmlich an die niedereren Klassen der römischen Bevölkerung herangetragen werden müsse, weil der Apostel in einzelnen dieser gerade die stärksten und aufnahmefähigsten Geister inkarniert hielt.

Ist es nicht kosmisch bedingt, daß zu jeder besonderen Entwick-lungsepoche ganze Gruppen Jenseitiger in irdischen verschiedenen Gesellschaftskasten je dem Karma entsprechend, das sie einmal gewoben, und zu lösen wünschen, inkarnieren! Ja, welches Gesetz des Lichtes sich auch auf ganze Rassen erstreckt!

Auch Jesus bevorzugte zu seiner Zeit nicht die Patrizier seiner näheren örtlichen Umgebung, sondern wandte sich an das einfachere, demütige Volk, weil in jenem Teil der Erde zur Zeit des Messias geistig reifere Menschenegos in der Kaste der Ärmeren zu inkarnieren pflegten.

Aber das gleiche war nicht der Fall in Rom, und hierin beging Petrus einen taktischen Fehler.

Johannes wandte sich nach Kleinasien und traf dort aufnahmefähigere Wahrheitssucher.

Das wirkliche Wachstum des Christentums im Abendland begann aber erst mit der Bekehrung des Saulus zu Paulus, der in der neuen Lehre das ans Herz Greifende, das Gemüt Bewegende erkannte und betonte. Weniger befaßte er sich in seinem Wirken für die Wahrheit mit der esoterischen Tendenz des Jesuswortes, als daß er dafür sein gewaltiger Verkünder wurde, der weltbekannte Evangelist. Sein Ruf und Ruhm erreichte auch seinen Ausgangspunkt Jerusalem, wo gesehen wurde, daß er in seiner Verkündung des Wortes im Abweichen von der Wahrheit war. Er wurde darauf nach Ephesus gesandt, um die volle Wahrheit sich wieder anzueignen

Mit dem Fall von Jerusalem im Jahre 70 erlitt das Christentum ärgste Bedrängnis und viele der Anhänger wurden in alle Winde zerstreut. Doch hatte der Glaube in ihnen einen festen Grund gefunden, das Wort des Gottessohnes hatte sich verankert, und trotz mancher Prüfung und Versuchung bot die empfangene Seelenspeise Weg und Richtscheit durch irdische Nöte.

Um das Jahr 300 geriet die Gestalt des Wahrheitbringers Jesus unter den ersten Christen bereits ins Verblassen, und um seine Person begannen sich Legenden zu ranken ähnlich jenen, die die sterbenden Götter Roms umschwebten.

In der im Jahre 325 zu Nicea stattgefundenen Kirchenversammlung wurde das erste Christentum beerdigt und das Kirchenchristentum begann.

Die Wahrheit aber stirbt keineswegs und während es sich erwies, daß Nichtwissen und Materialisten, die hinfort die Kirche beeinflußten und beherrschten, unfähig waren, dem Volke weiterhin die Wahrheit zu künden, begannen dem ungeachtet wiederum echte Sucher innerhalb der Kirche geheime Bruderschaften zu gründen. Was Jesus einst lehrte, wollten sie wieder erwecken.

So erstanden zwischen dem vierten und achten Jahrhundert soge-nannte „mystische Ordensgemeinschaften“, welche esoterische und okkul-te Lehrart im Abendland Europas aufrecht erhielten und dafür sorgten, daß sie nicht verging.

Der nächste Abschnitt in der großen Geistentwicklung war die anhebende Blüte der griechischen Philosophie. Europäer vermischten sie darauf mit der esoterischen Lehre Indiens und arabische Gelehrte wurden die Fackelträger durch die Nacht mittelalterlicher Verdüsterung.

Doch auch während dieser verging die Wahrheit nicht. Ihre allgewaltige Kraft, von Okkultisten geführt und mit Irrlehren durchschwängert, war bis zum vierzehnten Jahrhundert in Wirkung, im besonderen durch die Verlegung der Päpstlichen Residenz nach Avignon (1305 – 1376) und das Schisma gefordert (1378 – 1417), als drei gleichzeitig lebende Päpste jeder für sich das Recht beanspruchte, der alleinige Vertreter Gottes auf Erden zu sein - ein Schisma (11), von dem sich Rom niemals völlig erholte.

Zu Beginn des fünfzehnten Jahrhunderts wurde im Abendlande die Kunst des Druckens entdeckt und durch ganz Europa nutzbar gemacht, Diese Erfindung kam den Bemühungen der Okkultisten ungemein zugute, ihre Lehren zu verbreiten und somit den Urgrund menschlichen Wissens zu erweitern.

Anno 1425 wandte sich Christian Rosencreutz, ein in die Geheim-lehren Eingeweihter, esoterisch eingestellte Studenten, sie einladend, gemeinsam mit ihm einen Orden zu gründen. Der Widerhall war groß und nach genügender Vorbereitung wurde im Jahre 1459 „der Orden des Rosenkreuzes“ in Deutschland gegründet. Entsprechende Logen folgten in Frankreich und England, hernach auch noch in weiteren Ländern. Das Ziel dieses Ordens der Rosenkreuzer war die Reformation der Kirche mit ihrem Dogma, aber auch die Verbreitung des Okkultismus und aller okkulten Wissenschaften, besonders der Medizin, der Magie und der Alchemie. Während rund eines Jahrhunderts, das diesen Gründungen der Rosenkreuzer folgte, erfuhr die Öffentlichkeit nicht viel über den Orden und seine Tätigkeit. Die Rosenkreuzer tauchten in ihrem Wirken unter und legten damit die Saat für die Reformation. Auch wirkten sie darin, ihnen Hilfe und Heilung würdig dünkende Menschen, die leibes- oder seelenkrank waren, zu unterstützen, zu heilen und zu fördern.

Während der ersten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts lebte einer der eingeweihten Größten sich in das Wesen und die Wirkung der Natur-kräfte hinein. Theophrastus Bombast von Hohenheim, genannt Paracelsus. Als einer der bekanntesten Ärzte damaliger Zeit verstarb er 1541 in Salzburg, nachdem man in ihm einen Vertreter jenes echten Roskreu-zertums erahnt hatte, der die Mysterienweisheit des esoterischen Christentums pflegte. Die Geschichte berichtet, daß Genannter vom Papst ein Besitztum in Tirol erwarb, das den Namen St. Germain trug und mit dem der Titel eines Grafen von St. Germain verbunden war. Paracelsus bediente sich dieses Titels und ging unter diesem Namen in die Annalen der Geschichte ein.

Unter seiner geistigen Führung arbeiteten später Menschen wie Friedrich Mesmer, ein deutscher Arzt (1733 - 1815) und der in Palermo geborene Graf Joseph Cagliostro (1743 - 1795), Arzt und Okkultist am Hof Ludwigs XVI von Frankreich, unermüdlich an der Förderung von Wissenschaft und neuen Erkenntnissen.

Nach diesem kurzen Auszug durch das Werk von Richard und Isabella Ingalese „Bruchstücke der Wahrheit“, will ich einige Sätze beider Autoren wörtlich zitieren, die auf unsere heutige Zeit, die „Weltenwende des Menschensohnes Imanuel“ bezogen werden könnten, obwohl dieser namentlich nicht genannt wird. Es dürfte sich meiner Vermutung nach auch hier wiederum ein gewaltiger dogmatischer Irrtum eingenistet haben, der nicht nur die Leser des Buches falsch unterrichtete und irrig geistig beeinflußte, vielmehr auch Millionen Gläubige irre führte, die unter dem Namen „Bahais“ eine religiöse Gemeinschaft bilden und in Baha’u’llah und seinem Wirken die Erfüllung aller Weissagungen sehen. (12) Denn die Bahais glauben noch heute, daß das Gottesreich auf Erden, das Friedensreich eines Goldenen Zeitalters, auf Grund der Offenbarung Baha’u’llahs ersteht.

Die Autoren Ingalese schreiben:

Während der Schlußperiode eines jeden Tierkreiszyklus, d. h. in esoterischer Sprache eines Weltenjahres von 2160 Jahren, beziehungsweise zu Beginn des neuen Zyklus erscheint ein großer Religionslehrer in der Welt, um alles Geistige zu erwecken. In jedem Jahrhundert je eines Zyklus wird diese Erweckung von weniger starken Lehrern unternommen. Am Ende eines Weltzeitalters, esoterisch gesprochen 25920 Erdenjahre umspannend, beziehungsweise zu Beginn eines solchen, steigt ein Messias, Erlöser oder Avatar auf diese Erde, um der neu anbrechenden Epoche einen machtvollen geistigen Aufschwung zu geben.

Fallen Weltzeitalter- und Weltenjahrbeginn zusammen, kann die menschliche Lage, auch geschichtlich-wirtschaftlich betrachtet, äußerst krisenhaft sein, wie es einst zu Beginn der Fische war und das damals noch berufene Volk Israel unter der Fronherrschaft Roms zu dulden hatte.

Bei der schon im neunzehnten Jahrhundert immer stärker werdenden Materialisierung, hatte eine fast übermenschliche Anstrengung zu erfolgen, um das Geistige nicht völlig versickern zu lassen,. Okkultisten die sich heute in den Reihen der Spiritisten oder Spiritualisten bewegen, waren nicht mehr fähig, dem Sturm zu trotzen, und darum hatte ein „Meister“ zu kommen.

Noch einmal - so schreiben nun Richard und Isabella Ingalese - wurde die Erde mit der physischen Gegenwart eines Gottsohnes gesegnet, der jedoch schon am Ende des neunzehnten Jahrhunderts inkarnierte anstatt zu Beginn des " Aquarischen Zeitalters“.

Die Ingaleses nennen den Namen nicht, den sie meinen. Nach unserer Erkenntnis auf Grund des Gralswissens konnte es nur die Erdgeburt von Oskar Ernst Bernhardt als „Parzival“ sein, die am achtzehnten April 1875 in Bischofswerda erfolgte.

Mit Bezug auf die Eigenart des Menschheit-Retters steht in besagtem Buch ungefähr zu lesen:

Vor rund zwei Jahrtausenden sah die Menschheit dem Kommen eines Messiaskönigs entgegen und verfehlte doch, ihn zu erkennen. Wiederum ging die Menschheit von heute, nur wenige ausgenommen, an dem Künder und seiner Offenbarung vorüber.

Der Lehrer dieser Menschheits-Ära, der sein Kommen im neunzehnten Jahrhundert beschleunigte, beabsichtigte nicht, durch seine Persönlichkeit und Kraft beeindruckend auf die Massen zu wirken, wie von diesen angebetet zu werden. Der Zweck seiner Sendung gipfelte auch nicht darin, eine neue Religion zu bringen, war doch die Menschheit mit diesen schon allzu sehr belastet, sein Ziel war, alles Dogma der Religionen zu bannen, damit jedes aufrichtigen Menschen Geist noch einmal in reinster Gottanbetung erglühen könnte.

Wenn der neue Tag ersteht, werden Gerechtigkeit, Wahrheit und Ehrenhaftigkeit die herrschenden Prinzipien sein, die Männer wie Frauen erfüllen, und Gier nach Besitz und Ruhm werden nicht mehr bestehen.

Für lange Zeit auf Erden werden diese arkadischen Verhältnisse währen, doch nur für die, die das Gesetz von Ursache und Wirkung im Alltag zu leben sich mühen.


Niemand wird vermögen, Wunschträume und Phantasiegebilde im Hirn zu nähren.

In jenen Tagen werden Geldtransaktionen nicht unternommen werden. Jegliche Wertschätzung wird sich nach dem richten, was der einzelne schafft und leistet. Gold und Silber werden wieder den Ausgleich schaffen, und sollte es doch noch Banknoten geben, werden sie als ehrlose Überbleibsel einer degenerierten Epoche erachtet werden.

In jener Frühzeit neu erstehender Kultur werden Druckereien auf Erden nur noch die Wahrheit drucken, Lüge und Schund werden dann nicht sein!

Auch Privilegierte werden nicht mehr leben, um Nichtprivilegierte nur auszunutzen. Spekulationsunternehmungen sind endgültig geschlossen. Und sollte jemand den Wert einer Sache, die er verkauft, zu hoch bemessen, wird er aus der Menschheitsgesellschaft gestoßen. Banken und öffentliche Anstalten und Institutionen gehen in den Besitz der Regierungen über. Alles Gemeinschaftswesen wird ohne Vorurteil und Pfründe verwaltet.

Zwischen den Menschen wird fortan Harmonie nur walten, und anerkannte Gesetze, die freudig befolgt werden, bieten die Garantie dafür.




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1 (1) Kirchenspaltung

2 (1) Baha’u’llah, 1817 - 1892 aus Iran 1852 verbannt; Missionsbeginn in Bagdad 21. April 1863. Aus Adrianopel 1863 verbannt. Eingekerkert in Akka August 1868. Seine Anhänger sagen, daß sein Missionsbeginn das „Ende der Prophetischen Ära“ und die „Eröffnung der Ära der Erfüllung“ signalisierte.

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