VOM FINDEN GOTTES.

Seitdem das Menschengeschlecht auf diesem Planeten Erde beheima-tet ist - und diese Zeit umspannt Jahrmillionen - haben seine Bewohner ein inneres, ihnen oft unerklärliches Drängen empfunden, gleich einer Art Sehnsucht, nach etwas zu suchen, zu dem sie aufblicken konnten.

Die Menschheit war bisher im Wissen über das Schöpfungsgeschehen nur auf die alt-testamentarischen Berichte der „Genesis“ (11) angewiesen, soweit es christliche Einstellung betraf. Es existieren zumal im Orient noch weitere Schöpfungsberichte, die gleich der Moses-Überlieferung in symbolisch-allegorischer Form gehalten sind, somit aber freien Lauf verstandlicher Phantasie und Einbildungskraft gewähren. Sie bringen keine nüchtern-natürliche Erklärung und absolute Wahrheit über den Vorgang des Schöpfungsgeschehens an sich.

In allen Annahmen und Forschungsergebnissen hierüber beriefen sich die Christen bisher auf die Bibel, vor allem auf das Alte Testament. Aber selbst das führt sie nicht bis zu den Epochen des „Piltdown und Neandertal Menschen“, geschweige denn zu jenen, die zuvor noch bestanden. Die historisch-verstandlich erfaßbare Menschheitsgeschichte umschließt nur sechs bis sieben Jahrtausende. Innerhalb dieser wurde der Mensch zu dem, was er ist und heute darstellt, der Mensch des zwanzigsten Jahrhunderts - eine Karikatur dessen, was er gottgewollt sein sollte und auch hätte darstellen müssen, hätte er von Beginn an in den Gottgesetzen geschwun-gen. Der biblische Sündenfall, das Reichen des Apfels Evas an Adam - in Wahrheit das Großziehen des Verstandes und Überwuchern des Geistes, die alleinige Erbsünde, die allen Niedergang bedingte - war der Anfang vom Ende, vor dem die Menschheit nun steht.

Das Buch Genesis, als dessen Autor Moses gehalten wird, bringt Juden wie Christen die früheste Vorstellung von etwas, das weit über ihnen thront, von Göttlichem und Gott, erstmals zum Bewußtsein.

Moses entdeckte den alleinigen Gott, David erforschte den Gott der Gerechtigkeit Jesajas offenbarte den Gott aller Menschheit! Jeremias erkannte den Gott der Beschützung, und erst Jesus, der Gottessohn und Lichtbringer kündete das wahre Wissen um Gott.

Gralswissen geht aber weiter als bloßes Bibelwissen, indem es vom Wirken noch anderer Wahrheitskünder und Wegbereiter für den „Geist der Wahrheit“ berichtet, die jeweils ihrem Volk zu bestimmten Reifezeiten das wahre Wissen um Gott und sein Werk, die Schöpfung, vermitteln durften. So Buddha in Indien, Lao-Tse in China, Zoroaster in Persien und Mohammed in Arabien. Aller Offenbarungen über den alleinigen Gott aber trübten sich nach dem Tod ihrer Bringer, wurden verbogen und entstellt, wie es gleichfalls mit dem Evangelium Jesu geschah.

Wie war dies möglich, wie konnte solches geschehen? Nur zufolge schon erwähnter „Erbsünde“, die alle Menschen an die Stofflichkeit kettete, den hohen Geistflug drosselte, ihren Innenkern abschnitt vom Gottsuchen und wahrem Gottfinden, war solches möglich!

Es war dem Gottessohn Jesus von Nazareth vorbehalten, aller Menschheit den Gott der Liebe und Gnade zu künden, aller Kreaturen Erschaffer und Erhalter! Anstatt ihm für dieses Liebesopfer zu danken, freudig seinen Spuren zu folgen, lebendig, seine Lehre zu leben, mordete Menschenhaß und Geistverblendung den Gottessohn auf Golgatha. Als Folge dieser Untat zerriß der Vorhang im Allerheiligsten des Salomoni-schen Tempels in Jerusalem zum Zeichen dafür, daß Gott seinen Bund mit der Menschheit verwarf.

Seitdem die Menschheit die inkarnierte Gottliebe mit Füßen getreten, verlor sie von ihr auch den rechten Begriff, verlor überhaupt den Drang zur Liebe gegenüber allem, was der Herr geschaffen, sei es Mensch oder Tier, oder die Natur.

Paulus schrieb an die Korinther:

Wenn ich mit Menschen - und mit Engelzungen redete, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich weissagen könnte und wüßte alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, also daß ich Berge versetzte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib brennen und hätte der Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze. Die Liebe höret nimmer auf, so doch die Weissagungen aufhören werden und die Sprachen aufhören werden und die Erkenntnis aufhören wird. Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser Weissagen ist Stückwerk.

Wenn aber kommen, wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören! (12)

In unseren Tagen der Spaltung und Unterschiede ist weder der Protestant dem Katholiken ein Bruder, noch der Katholik dem Protestanten. Ein Jude ist nicht Bruder dem Moslim, wie er auch mit dem Hindu nicht einer Seele ist. Ein Buddhist bekämpft einen Anhänger Zoroasters, und selbst der Methodist steht gegen Baptisten, der Hochanglikaner gegen Presbyterianer, wie Unitarier auf Sektierer herniederblicken.

Und wie es im Religiösen ist, so noch mehr im Politischen: Der Russe ist Feind dem Amerikaner, der Franzose nur gedrungen freundlich zum Deutschen, der Deutsche büßt schwer für sein angenommenes und hartnäckig vertretenes Nazitum, während die Balkanvölker den Brandherd Europas noch zum Hexenkessel machen.

Wohin das Auge reicht, was das Ohr erhört und wo auch immer die Empfindung sich rührt, es mehren sich turmhoch die Verschiedenheiten, das Chaos wächst, der Dunkelheit Mächte schüren die Feindschaft, zündender Haß steigt empor, und aller Übel Wurzel ist nichts als Mißtrauen, das die Sünde gebiert, in Rasse wie Volk, in Gemeinschaft und Familie, wie unter Freunden.

Weitab wich der Mensch von Jesu Lehre, die Tatchristentum fordert:

„Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!“

Ohne Liebe zum Nächsten vermag aber auch Liebe zu Gott nicht zu bestehen.

Johannes schrieb in seinem ersten Briefe:

„Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. So jemand spricht: „Ich liebe Gott, und haßt seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann er Gott lieben, den er nicht sieht?“ (23)

Beides muß unbedingt zusammen geschehn. Die Ausübung einer echten Brüderschaft gegenüber dem Nächsten muß ein lebendiges Zeugnis für die Liebe Gott gegenüber sein. In einem Maß, wie es nie auffallender als heutzutage war, springt alles Unheil der Welt aus der negierenden Einstellung des Menschen zu Gott, der vor der Sünde der Menschheit sein Angesicht verhüllt.

Es ist auch nicht so, daß der Mensch einst reinsten Gottesglauben und Liebe besessen und beides nach und nach verlor. Niemals hat der Mensch sie in Wahrheit besessen. Die Geschichte der Vergangenheit, die Lage von heute bietet untrüglichen Beweis dafür. Alles Sprechen oder Schreiben darüber ist zwecklos. Das Spiel ist verloren. Die Kirche ist ihrer Macht nicht mehr sicher. Die Priester und Prediger stehen vor leeren Bänken, weil sie Steine für das Brot des Lebens boten. Es dünkt, als gewönnen die Kinder der Welt ihren Feldzug gegen die Kinder des Lichtes!

Zum wahren Gottfinden durch feinstoffliches Dornengestrüpp und vergiftendes Dogma weist uns erst die Gralsbotschaft

„Im Lichte der Wahrheit“

den rechten Weg. Sie stellt die Weichen wieder richtig, die Menschen-verstand und Unglaube verbogen und offenbart das vollkommene Schöp-fungswissen, das in „Gotterkennen- und Gottfinden-Dürfen“ seinen höchsten Segen spendet.

Die Gralsbotschaft kündet:

„Bei jedem Volke, sogar bei jedem Menschen, auch den Menschen dieser Neuzeit muß zuerst die Grundlage zur Aufnahme der hohen Gotter-kenntnis vorhanden sein, die in der Christuslehre liegt, Nur aus einer dazu reifen Grundlage heraus darf dann und muß der Menschengeist hinein-geführt werden in alle Möglichkeiten einer Gotterkenntnis durch die Christuslehre.

So ist es, und es wird so bleiben bis in alle Ewigkeit!

Könnte es anders sein, so würde Gott sich auch schon früher haben offenbaren lassen bei den Erdenvölkern. Er tat es nicht!

Erst wenn ein Volk in der Entwickelung so weit gekommen war, daß es das Wirken alles Wesenhaften wußte, dann konnte es vom Geistigen erfahren, von dem Reingeistigen, dem Göttlichen, und zuletzt auch von Gott!“ - (14)

„Nur in den Schöpfungsgesetzen selbst, die Gott gegeben hat, kann der Menschengeist zur Gotterkenntnis kommen. Und er hat diese Erkenntnis zu seinem Aufstieg unumgänglich nötig! Nur darin erhält er den Halt, der ihn unerschütterlich seinen vorgeschriebenen, ihm nütz-lichen Weg zur Vollendung wandern läßt! Nicht anders!“ - (15)

„Das ganze Schöpfungswissen ist notwendig, um zuletzt zu einem Ahnen von der Größe Gottes zu gelangen und damit endlich auch zur wahren Gotterkenntnis! Der heutige Christenglaube kann nichts Leben-diges in sich tragen, weil ihm das alles fehlt! Das Notwendige dazu wird stets weggelassen und die Kluft ist nicht durch anderes zu überbrücken, als durch das von Gott dazu in dieser Nachschöpfung Gegebene!“ - (26)

„Menschen, erwachet! Holt das Versäumte nach! Ich zeige Euch noch einmal Euren Weg! Bringt endlich Leben und Bewegung in das starre Wollen, das Ihr habt, dann werdet Ihr die große Gotterkenntnis finden, die Ihr lange schon besitzen müßtet, wenn Ihr nicht zurückgeblieben wäret in dem Fortschritt der Entwickelung der großen Schöpfungen!

Eilt Euch, die Zeit der letzten Wende ist gekommen, wo Ihr Euch bewähren müßt und zeigen, ob Ihr auch noch weiter aufwärts folgen könnt, oder ob Ihr zurückbleibend verderben müßt! - (37)

ECHTES CHRISTENTUM

Wenn ich von echtem Christentum spreche, meine ich damit Tatchris-tentum, Gralschristentum.

Was ich mit Grals-Christentum bezeichne, soll aus Nachstehendem klarer werden!

Der zweite Weltkrieg war weniger ein Krieg der Nationen oder der Rassen, er war auch kein ausgesprochener Eroberungskrieg, er war nicht zuletzt, im tiefsten Grunde genommen, ein Krieg verschiedener Weltanschauungen, wenn nicht ein Religionskrieg. Besonders für Deutschland und seine deutsch sprechenden Stämme.

Schon geographisch bedingt, zwischen Osten und Westen gelegen, im Zentrum der Alten Welt, in der Mitte sich begegnender russisch-asiatischer wie amerikanischwesteuropäischer Geist- und Weltanschauungen, spielte das religiös-ethisch-moralische Element von früh an eine wichtige, wenn nicht die ausschlaggebende, alle Lebensformen und Normen bestimmende Rolle auf germanisch-sächsischem Boden.

Deutschland war schon im sechzehnten Jahrhundert (18) der Ausgangspunkt der Reformation. Deutschland unter eine Religion zu bringen, erregte den mörderischen Dreißigjährigen Krieg (29). Deutschland das Gepräge eines „Groß-Deutschen Reiches“ mit einer eigenen wieder auf altem Wodanglauben ruhenden Religion zu geben, den zweiten Weltkrieg (310), der das Land fast zur Wüste machte und unter Fremdherrschaft stellte.

Ein Seherauge, in Deutschlands Zukunft schauend, schilderte diese mit folgenden Worten:

„Und wenn einer in weiteren hundert Jahren, etwa um 2050, wieder auf der Erde erscheinen würde, würde er vielleicht ein Deutschland erleben, das die Nächte seiner Prüfungen überstanden hat“.

Sicher dürfte sein, daß die Mächte, die wir Noch-Lebenden im zweiten Weltkrieg gegeneinander zu Felde ziehen sahen, zum großen Teil im Dienst Luzifers stehende vorgeschickte Kämpfer des Antichristen waren.

Daraus soll aber nicht gefolgert werden, daß ein Mensch oder Streiter, der eigenen Willens oder auf Befehl gegen den Antichristen kämpfte, nur dadurch zu einem echten Christen wurde. Es ist ein langer, oft dorniger Weg innerer Entwicklung vonnöten, von einem Namenschristen ein Tat-Christ zu werden.

Geben wir schon zu, daß das Land der Reformation, das Land eines Luthers und eines Goethes, aufgehört hat, echt christlich zu sein, zu glauben und zu handeln - ist es wohl recht zu behaupten, daß beispiels-weise England, dessen Söhne und Töchter allsonntäglich noch in die Kirchen strömen, weil es „so Sitte ist und immer so war“, ein echt christ-liches Land genannt werden darf? Wer fühlt sich berufen, hier ein endgültiges Urteil zu fällen?

In einem urchristlichen Volk muß sich Tatchristentum in allen Lebensbelangen und -zweigen, und zwar nicht nur an Sonntagen und kirchlichen Festen, sondern auch alltäglich in Arbeitsbehausungen wie in Schlössern, Familien und Gemeinden, allüberall zeigen. Vor allem diploma-tisch im Verkehr mit fremden Völkern.

Es dürfte nicht allzuschwierig sein, auf geduldigem Papier vermittels geschriebener Verträge einem Volk Versprechungen zu machen, Zuge-ständnisse zu gewähren, geschlagene Menschen, sich nicht regen könnend, mit Großmut und Geste eines Siegers behandeln zu wollen. Wer aber bietet die Garantie, daß solche Versprechungen gehalten werden? Hat die Menschheit nicht schon zu oft erfahren, daß der Fluch des Hasses neuen Haß gebiert, daß die Versuchungen groß sind, diesem Haß freie Zügel zu geben!

Da steht nur ein Prinzip am Kreuze des Lebens, das die Wegrichtung weist: ein feierlich Geloben und auch Befolgen, echtes Christentum lebendig zu machen, wahres Christentum durch die Tat zu leben. Das aber bedingt:

Sein eigen Wohl nicht über des Nächsten Wohl, sondern dem gleich, wenn nicht darunter zu setzen! Neid, Mißgunst, Haß und Schadenfreude zu bannen, Argwohn und Feindschaft mit Liebe zu begegnen! Ehrlich bis ins Kleinste zu handeln! Lüge und bösen Leumund zu meiden! Anstatt Treulosigkeit nur Treue zu wahren! Gerechtigkeit und Reinheit in allem zu üben! Geduld zu erlernen, Nachsicht walten zu lassen, wo es dem Willen zum Guten nur an Kraft gebricht!

Alles Gegenteilige gebärt nur Unfrieden und Zwist, Blutbad und Krieg, Revolution und Terror, Tyrannei, wie jegliche Art Verbrechen.

Wohl dünken Wohlstand, Bequemlichkeit und Sicherheit wünschens-werte Dinge im menschlichen Leben, sind aber nicht eines solchen Lebens Endziel. Der Mensch ist vom Geist, und sein Ziel liegt im Geiste. Höhere Güter gibt es als Wohlstand und Sicherheit, für die es wahrlich kämpfens-wert ist.

Kein Friedensvertrag, wenn auch mit goldener Feder gezeichnet, weder Pakt noch Charta, vermögen die Auswirkung eines ehernen, kosmischen Gesetzes zu verhindern, dem nicht ein einziger der gesamten Menschheit zu entgehen, zu entfliehen vermag, „und hätte er Flügel der Morgenröte“, - dem selbsttätigen Schöpfungsurgesetz, das jeder, auch der verborgensten, oft irdisch nicht belangbaren Missetat, eine unabwendbare gerechte Bestrafung bringt:

„Was der Mensch säet, das muß er ernten!“

Diesem Gesetz vermag selbstverständlich auch weder der Bolschewis-mus, noch seine Abzweigung, wie Kommunismus, Anarchismus und Nihilismus zu entgleiten. Alle so bedauerlich verführten und getäuschten Menschengeister, die aus genannten Ideologien das Erblühen des „Goldenen Zeitalters“ erhofften, ein Paradies auf Erden, werden früher oder später ihren Irrtum erkennen müssen.

Noch hält der Kampf zwischen den Meinungen an. Er wird sich verstärken und zu einer letzten Entscheidung drängen - auf dem Schlachtfeld von Harmagedon. (111) In dieser letzten Auseinandersetzung wird es nicht um irdische Werte, Macht und Ruhm gehen, sondern um Sein oder Nichtsein von Gut und Böse. Gotteskindschaft und Gottferne, somit um Leben oder Tod!



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SELBSTSUCHT - SELBSTAUFGABE.

Habt Ihr noch niemals darüber nachgedacht, daß Selbstsucht, so wie wir sie im Leben unter Menschen finden, ein notwendiges Übel wurde, um zu Fortschritt und irdischem Erfolg zu kommen!

Wenn wir vermeiden, daß es recht ist, was sogenannte „Lebens-künstler“ oft marktschreierisch über Erlangung materieller Werte und Vorzüge lehren, müssen wir allen Fortschritt als Resultat eines selbstsüchtigen Lebenskampfes betrachten.

Alle gehobeneren Verhältnisse und Formen sind heutzutage in der Blüte des materialistischen Zeitalters meist durch skrupelloses Vordrän-gen, wenn nicht rechtswidrige Aneignung irdisch wichtiger Dinge durch egozentrische Menschen in ihrem Kampf gegen die Schwächeren, bezüglich Anständigen, zu Stande gekommen.

So könnte es wohl scheinen, daß Selbstsucht das ausschließliche Mittel zur Erreichung von Fortschritt ist. Nur die Kreaturen oder jene Art Wesen, die rücksichtslos für sich zu kämpfen verstehen, volkstümlich gesprochen „über Leichen zu gehen oder den Rahm abzuschöpfen“ kommen voran und werden groß vor den Menschen.

Ob wir diesen Standpunkt nun billigen oder nicht, es ist schwerlich zu leugnen, daß im Leben der Menschen die Früchte der Erfolge meist dem Selbstsüchtigen zufallen.

Es ist außerdem auch so, daß der selbstsüchtige Mensch, neben dem Einheimsen besonderer Vorteile und Gewinne, jedem eigenen Schmerz entgeht, der bei gutartigen Menschen vom Mitleid mit ihren Nachbarn herrührt.

Wird ein Selbstsüchtiger mit Mißgeschick belastet, so trägt er es mit stoischem Mut, weil ihm nichts anderes übrig bleibt. Die Trauer Fremder läßt ihn durchaus kalt.

Hierdurch ergibt sich nun, oberflächlich von den Massen beurteilt, jene irrige Annahme, daß das Prinzip der Selbstsucht den einzig rechten Weg bedeute und ein restlos Selbstsüchtiger als der glücklichste Mensch zu werten sei.

In dieser Beleuchtung dürfte Selbstsucht Tugend sein, Selbstaufgabe dagegen äußerste Dummheit.

Durch solche Urteilsbildung sind wir aber keineswegs an irrige Ergebnisse gebunden. Denn bei all unserer verstandlichen Erfahrung regt sich in unserem Innersten ein leises Empfinden, das klar für Selbstlosigkeit und Güte spricht, jedoch gegen jegliche Selbstsucht, wie auch gegen Haß und alle sonstigen Verächtlichkeiten.

Finden die Menschen doch oft Körnchen des Guten selbst bei hoffnungslosen Verbrechern! Mördern wie Seeräubern zollt man zu Zeiten Bewunderung, ja, sogar eine Art Beachtung, doch wer hat je, sei es in Wirklichkeit, in Poesie oder Prosa, einem selbstsüchtigen Menschen das Wort gesprochen?

Wir können uns des Gefühles, daß ungemein Niedriges in Selbstsucht liegt, wahrlich nicht erwehren! Selbst zynische Redensarten oder Worte erschüttern unsere Meinung darob nicht.

So fröhnt der Mensch bisweilen einem Verstandeswahn, daß Selbst-sucht der Hauptschlüssel zu Erderfolg und irdischem Glück ist, gesteht sich im Geheimsten aber doch, daß es bei weitem besser ist, durch Selbstlosigkeit Geistgewinn zu erhalten, wenn auch auf Kosten materieller Nachteile.

Das leise Gemahnen unserer inneren Stimme wurzelt in dem in uns glühendem Geistesfunken, der unser Gewissen beeindruckt. Da aber der Geist ein Fremdling im Stoffe ist, steht er gegen alles, was selbstsüchtig und erdgebunden ist.

Wohl ist es schon so, daß unsere Handlungen gar oft in Disharmonie zu unseren besten Absichten stehen, zu ehrlichem Wollen unseres Herzens. Auch ist es wohl wahr, daß wir oft zuwider Drängens des Gewissens recht egoistisch sind und handeln.

Ein Franzose prägte den Ausspruch, daß Menschenfreude ihre größte Orgie beim Hören vom Unglück eines Nebenmenschen, dem man nicht gewogen ist, feiert.

Der deutsche Sprachschatz spricht von „Schadenfreude“.

Ist wohl in dieser Beziehung auch nur ein Mensch, der frei und schuldlos dieser Bezichtigung ist? Der zu leugnen vermag, daß nicht ein leiser Hauch dieses verwerflichen Übels, wenn auch verborgen in ihm keimt, das anschwillt und offener zu Tage tritt, wenn das Mißgeschick einen seiner Bekanntschaft trifft?

Vielleicht ist es nicht direkte Freude, sondern ein Gefühl von Selbstbeglückwünschung, selbst nicht der Betroffene zu sein!

Wenn es auch nur Sekunden sind, in denen man dieser Form Selbstsucht verfällt, versucht man krampfhaft, sie zu unterdrücken, sich moralisch zusammenzuraffen, fest entschlossen, solches Gefühl nie im geringsten wieder zu nähren. Man bemüht sich, sich einzureden, nicht glücklich über das Mißgeschick des Mitmenschen zu sein.

Aber selbst, wenn wir uns nicht so tief verlieren, sind wir uns bewußt, daß oft nur eine gelinde Beschäftigung mit unserem Ich, unseren Inte-ressen, ein Hindernis darstellt, uns ernsthaft und im Sinn des „Barmher-zigen Samariters“ mit dem Ergehen anderer zu beschäftigen.

Wie oft wurde nicht ein Gespräch, das um Schmerz oder Ungemach eines Nachbarn ging, durch Gleichgültigkeit eines anderen jäh unterbrochen, indem dieser ausrief: „Oh, das hatte ich ja selbst zu dulden!“ Dann aber dazufügend: „Doch niemand half mir, kümmerte sich nur im geringsten um mich! Warum soll ich jetzt Hilfe leisten?“

Wie oft wurde auch schon das freudige Erzählen eines glücklichen Umstandes oder Geschehens kurz durch jemand abgeschnitten, der keine Freude, von einem fröhlichen Lachen begleitet, zu ertragen imstande war, weil er, ebenfalls aus Selbstsucht, keine Teilnahme an der Freude anderer aufbringen konnte.

Unser aller Gesichtskreis hat sich geschmälert, unser Horizont ist enger geworden, und der Grund zu dem ist die ständig wachsende Beschäf-tigung mit unserem Ich, in tausendfachen Formen den Nebenmen-schen schadend.

Oft ist es auch zu großer Reichtum, zu reiches Auskosten weltlichen Wohlstandes, Stolz auf irdischen Erfolg und Dünkel über eigenes Können, daß wir weder Zeit noch den Willen finden, uns um das Wohl des Anderen zu kümmern.

Wir sind weit von der Erfüllung des Wortes Jesu entfernt:

„Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!“

Die Wurzel des Übels, der Grund zum Mangel an Barmherzigkeit, alles Völkerleid und Elend kommen aus der Selbstsucht jedes einzelnen Menschen.

Ab Abdruschin zeigt uns erneut und haarscharf in seiner Gralsbot-schaft

„Im Lichte der Wahrheit“

wie wir Selbstsucht, jeden Hang und jedes Laster zu überwinden vermögen.

Das bedingt, daß wir Nachsicht, Milde und Schonung mit uns selbst meiden, unserem Ich in keiner Weise Vorrang geben!

Das bedingt, für unsere Mitmenschen, vor allem aber für des Glaubens Genossen, zu leben, zu denken, zu empfinden und zu kämpfen!

Das bedingt nichts geringeres als „keinem anderen ein Leid zuzufügen, um das eigene Begehren damit zu erfüllen!“

Das aber ist kein Opfer, wie es zuerst erscheinen mag, sondern verbürgt Vollkommenheit des Glückes - den Weg zum Frieden!

Aller Menschen Wege auf Erden sind mühsam und hart, nur wenige sind, die im Sonnenschein leben. Der Mensch allein kann sein Schicksal ändern! Er muß sich mühen, aus Schmerz nur Freude, aus Sorge Geborgenheit, aus Angst innere Ruhe erstehen zu lassen, in Erkenntnis der Gottgesetze von Selbstsucht durch Selbstzucht zur Selbstaufgabe zu reifen!



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1 (1) 1, Buch Moses.

2 (1) 1. Korinther Kap. 13, Vers 1-3 und 8-10.

3 (2) 1. Johannes, Kap. 4, Vers 19 und 20.

4 (1) „Nachklänge zu der Gralsbotschaft“ Vortrag 38 „Das Gotterkennen“ S, 277“.

5 (1) „Nachklänge zur Gralsbotschaft“ Vortrag 38 „Das Gotterkennen“ S. 278/9.

6 (2) „ „ „ „ „ S. 280

7 (3) „ „ „ „ S. 283

  1. 8 31. Oktober 1517 beginn der Reformation durch Luther. Anschlag der 95 Thesen gegen den Mißbrauch des Ablasses (Tezel) an die Schlosskirche zu Wittenberg.

  1. 9 Frieden Dreißigjähriger Krieg 1618-1648; im Westfälischen Frieden 1648 erhielten Lutherische und Reformierte in Deutschland gleiche Rechte mit den Katholiken.

10 (3) Zweiter Weltkrieg 3. 9. 1939 - 9. 5. 1945

11 (1) Offenbarung Kap. 16 Vers 16.

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