DAS RPROBLEM GEISTIGEN FÜHRERTUMS.

Der Geist wahrer Religion und wahrer Philosophie ist eins. Beider Ziel ist das gleiche, aber die Erfahrungen der Menschen auf dem Weg dahin sind verschieden. Die Botschaft der Wahrheit gilt für den Priester, den Philosophen, wie für den Wissenschaftler. Das Evangelium des Grals ist für jedermann, für alle Menschen, ungeachtet ihrer Konfession, Rasse, Nationalität und Sprache. Das gleiche ist mit wahrer Philosophie der Fall.

Findet ein Menschengeist zur Gralsbotschaft „Im Lichte der Wahrheit“, die alles Schöpfungswissen, somit Weistum und höchste Philosophie umfaßt, und die identisch mit der von allem Dogma befreiten Christus-Botschaft ist, so weitet sich sein Geist-Horizont, und seine Erkenntnis vertieft sich zu solcher Empfindungskraft und Verstandesmacht, daß der, welcher nach der Botschaft der Wahrheit lebt, ihr in seinem Herzen ein Heiligtum errichtet und sie mit scharfem Verstand im Alltagsleben, besonders auch beruflich auszuwerten versteht, für geistiges Führertum bereitet ist.

Dieses geistige Führertum in religiösen wie anderen Belangen aber ist unbedingt unter Menschen notwendig. Wäre es nicht, würde Wirrnis, ja, Chaos herrschen.

Wenn wahres Führertum in natürlich-selbstverständlicher Weise vom Licht der Wahrheit, somit völliger Logik, getragen wird, kann es im Leuchten nach außen noch um so stärker strahlen, wenn der, von dem es strahlt, sein egozentrisches „Ich“ in jeglicher Hinsicht auszuschalten die Kraft aufbrächte und sein Sinnen und Sein mit vollster Überzeugung im Denken und Tun in den Gotteswillen stellte.

Die volkstümliche Auffassung eines Führers im Öffentlichen Leben ist die eines Mannes, der seinem Namen und Ruf nach einer großen Anzahl Menschen bekannt ist. Bislang wußte die Menschheit verhältnismäßig wenig von den machtvollen Führern ihrer Entwicke-lung nicht nur in religiöser, auch in weltlicher Hinsicht, und was sie von ihnen wußte, war mehr oder weniger sagenhafter oder legendärer Natur. Nur wenige hatten ihre Führer im Leben und Wirken per-sönlich erlebt, sodaß ihr Wissen um sie meist vom Hörensagen stammte, also keineswegs zuverlässig war. Auch pflegten sich Führer-naturen fern allem Verkehr mit den ihnen Unterstellten, ihren Untertanen zu halten, die sie für Herdenvolk nahmen, weniger aus Stolz und Überhebungswahn, als darum, weil sie nur wenigen sich verständlich machen und auch die wenigen kaum ihre Eigenart verstehen konnten.

Wenn sich dies vor allem auf geistige Dinge bezieht, war es nicht minder in verstandlicher Hinsicht. Würde es doch niemals zu etwas Positivem führen, wenn ein Philosoph beispielsweise den „Homer“ an einer Dorfschule lesen ließe.

Um wie viel mehr bewirkt Wissen und Unwissen in geistigen Dingen eine Trennung der Geister!

Führertum im Stoffe findet sich in vielen Bereichen geistiger wie verstandlicher Belange, wobei der, welcher ein von Menschen berufe-ner Führer für eine Gruppe oder Sippe von Mitmenschen ist, notwen-digerweise nicht auch Führer einer anderen Gruppe sein muß.

Dagegen sollte ein von der Vorsehung berufener Führer als solcher von allen anerkannt werden, die ihm im Leben auf seinem Pfad begegnen.

Trefflich kennzeichnet die beiden „Führerprobleme“ C.B. Pardon in seinen l937 in London erschienenen Werk „The Perfekt Master - The Life of Shri Meher Baba“ (11), dessen Wahlspruch lautet: „Ich bin gekommen nicht um zu lehren, sondern zu erwecken:“

Es gibt zwei Hauptarten von Menschheitsführern: die ersteren, die von Gott zu Führern berufen sind, und die anderen, die von Menschen berufen werden. Die Letzteren verkörpern den menschli-chen Wunsch, voran zu stürmen, sie vertreten den natürlichen Drang, aus der Verwirrung herauszukommen. Ihre Mission bezieht sich auf das weltliche das irdische Königreich, auf Politik und auf die soziale Ordnung. Ihr Ziel besteht darin, das Leben erträglich zu gestalten, den Menschen zu ermöglichen ihr irdisches Dasein tragbar zu führen - die Früchte, ihrer Taten zu ernten. Fast alle bekannten Führer gehören zu dieser Art. Es sind die erwählten, oder sich selber zu Führern gemacht habenden, die die Macht ausüben. Sie können Menschen von einer Lage in die andere verpflanzen. Viele große Persönlichkeiten, aber auch Scharlatane, gehören zu diesen.

Die andere Art Führer ist selten. Diese trachten nach keiner Erwählung. Sie schulden niemand etwas. Sie haben ihre Existenz der Wahrheit unterstellt, und das Wort, das aus ihrem Herzen spricht, ist nicht das ihre, sondern Gottes. Sie vertreten nicht die Menschheit. Sie sind nicht von dieser Zeit, sie gehören der Zukunft an. Solche Männer sind Heilande, aber sie erretten nicht aus diesem irdischen Leben, sie erretten um des kommenden Lebens willen.“

Über solche hat ein anderer namhafter Anglosachse, Shaw Desmond, Lehrer über „Wiederinkarnierung“ und bekannter Schrift-steller in seinem Buch „World-Birth“ (12) im 14. Kapitel, betitelt „Die Führer der Neuen Zeit“ auszugsweise folgendes geschrieben:

„Noch nie in der Geschichte der Menschheit hat sich ein derar-tiges Allgemeininteresse in Glaubenssachen und vor allem in einer Religion des Lebens kundgetan.

Vielen scheint es, als ob der tiefste Grund für diesen Drang hiernach in dem vorherrschenden Skeptizismus liegt, mit dem der Laie der organisierten dogmatischen Religion behaftet ist, sowie in der hieraus resultierenden Flucht aus der Kirche.

Mit dem Wunsch und dem Drängen nach einer lebendigen Religion geht Hand in Hand eine andere markante Erscheinung, das Auftauchen hier und da von Menschengeistern, die, wie es dünkt, berufen erscheinen, die Führung über die Erde anzutreten, nachdem sich der erste Zyklus ihrer Kindheitsentwickelung vollzogen hat.

Diese zur Zeit auf Erden inkarnierten Geister besitzen einen bisher einzig gewesenen Glauben und Mut, und hiermit gerüstet, meine ich, sind sie die Retter der Menschheit in dieser Übergangszeit. Viele, wenn auch nicht alle dieser, scheinen zur Gruppe schöpferischer Künstler zu gehören, vornehmlich zu den Meistern im Schreiben und Sprechen, und es mutet an, als ob diesen besonders das künftige Geschick des Erdballs von jenen jenseits der Materie anvertraut wurde, die nur dastehen und - warten.

Die Kinder des Lichtes sind durch unverkennbare Zeichen gezeichnet - Zeichen so deutlich und verständlich wie die Strahlenkrone eines Heiligen sichtbar ist jenen, denen größere Erkenntnisse wurden. Sie sind ungleichen Alters und betrachten die Zeit und ihre Probleme anders als übliche Alltagsmenschen. Es möchte scheinen, als wären es alte Geister, die sich in irgend einem oder auch in verschiedenen Vorleben ungemein großes Wissen erwarben, das denen nicht eigen, die glauben, heute die Geschicke der Völker zu leiten.

Die Kinder des Lichtes gehören auch zu keinem besonderen Land, sie sind Kinder der Welt. Fern jeder Kaste, wie der Menschenmenge stehend, sind sie „Weltbürger“, wie der es einst war, dem sie oft den Tribut ihres Dienstes zollten, Jesus von Nazareth, und den sie als ihren Führer betrachten. In den meisten Fällen gehören sie keiner Kirche an, bekennen sich zu keinem dogmatischen Glauben, halten Religion für etwas, über das nicht zu diskutieren ist, das vielmehr wahrhaftig gelebt werden muß. Die Kinder des Lichtes haben die feste Überzeugung, daß der Mensch ein Geistwesen ist, auch daß es in unserer Zeit als wissenschaftlich bewiesen gilt, daß Gedächtnis und Wesenheit den Tod überleben. Dies Wissen hebt sie über alle Andersgläubigen empor, was den Eckstein ihres Glaubens an das Leben und seine Entwickelung formt.

Die Kinder des Lichtes lassen sich weder verführen, noch von dem von ihnen selbst erwähnten Wege abbringen, jenem Weg, der für sie vielleicht auch bestimmt worden ist. Wohl hören sie auf ihre Mitbrüder und Schwestern, lassen sich aber mitnichten schmeicheln. Weder Geld noch Macht bedeuten ihnen etwas! Trotzdem sind sie nicht weltfremd, nicht unnatürlich in ihren Lebensallüren. Sie sind so menschlich, wie es ihr Meister gewesen. Wie er stehen auch sie über den Dingen, nicht außerhalb derselben. Auch umgibt sie weder Legende noch Mysterium. Sie stehen aufrecht im Leben, für jedermann sichtbar, wenn die ihnen Begegnenden sie sehen wollen. Einige von ihnen sind Schriftsteller. Wieder andere Musiker. Dritte mögen, wie ihr Meister es war, Zimmermann sein. In sozialer Hinsicht bekleiden sie niedrigste Posten, wie auch hohe Stellungen. Selten nur sind sie aus irgend einem Grund Geschäftsleute und Politiker. Oft behaupten sie sogar, daß Politik und Finanzen Erzfeinde jeglichen geistigen Fortschrittes sind.

Sie gehören jeder Rasse und Hautfarbe an. Bemerkt sei jedoch - in unserer Zeit kommen sie gewöhnlich aus dem Westen, nicht aus dem Osten, der ehedem große religiöse Verkünder und Denker der Menschheit schenkte. Das Licht kommt nicht mehr aus dem Osten. Der Westen wird der Erde seinen großen Messias noch geben.

Wenn die Kinder des Lichtes schreiben, scheint es, als hielte die geisterstarrte Masse des Herdenmenschentums für Augenblicke weiterzulesen inne. Und wenn sie sprechen, vermeint man hinter ihren beschwingten Worten wie ferne Musik und Trommelschlag des Sieges zu hören. …“

Wahrlich, wenn solche Kinder des Lichtes nicht nur vereinzelt hier und dorten, sondern in Scharen auf allen Kontinenten, in allen Ländern auftreten würden, stolz und doch liebreich ihr Amt hoher Berufung übend, Ordnung würde dem Chaos auf Erden folgen, das Chaos würde aufhören zu bestehen.

Wie aber verhält es sich mit ausgesprochenem weltlichen Führertum sei es nun das eines Generals, eines Fabrikdirektors, oder eines Führers in jedweder Domäne menschlichen Seins? Der wichtigste Faktor dabei dürfte wohl sein, daß, wer auch immer ein Führer, dieser als erste zu treffende Maßnahme jedwede, auch die kleinste Ungerechtigkeit verpönt und beseitigt, bevor von Leidtragenden Klagen erhoben werden. Dies vollbringen zu können, muß er Verbindung mit seinen Leuten aufrecht erhalten, muß über ihr Tun und Treiben vollauf orientiert sein. Als General hat er seinen Soldaten bis in die Schützengräben zu folgen, um Kameradschaftsgeist zu kultivieren, als Fabrikdirektor seinen Arbeitern bis an die Spinnmaschinen, in alle Werkstätten eines Betriebes, weder Gefahren dabei fürchtend für sein persönliches Wohl, noch guten Humors oder freundlichen Zuspruches mangelnd, seinen Untergebenen die Freude an der Arbeit zu schüren, anstatt sie durch Launenhaftigkeit unfroh, verdrießlich und unzufrieden zu machen.

Auch ist es notwendig, daß ein Führer sich in seiner Leute Psyche und Denken versetzt, um sie vor Leid und Enttäuschungen zu schützen. Das Geheimnis, ihr Vertrauen und ihre Zuneigung zu erringen, ruhet darin, ihnen Vertrauen und Zuneigung zu schenken und allzeit selbst auch fähig zu sein, ihnen Rat erteilen sowie ihre Arbeiten übernehmen zu können, um unabhängig von ihnen zu bleiben. Das allein schafft ihnen Achtung vor dem Führertum mehr denn alles andere.

Viel könnte noch über Führertum erörtert, debattiert und geschrieben werden, doch sei all dies in einen kurzen Ausspruch zusammengefaßt der besagt, daß die Rolle eines Führers in zwei Kernpunkten liegt:

Erstens, eine Gruppe von Menschen planmäßig und in Disziplin einem bestimmten Ziel entgegenzuführen und dies nicht durch Wortschwall, sondern Willensstärke und Umsicht zu erreichen.

Zweitens, Befehle zu erteilen, die nach Menschenbegriffen ausführbar sind und dabei einen Weg gehen, der in Wahrheit, Ehrenhaftigkeit, Arbeit und entsprechender Besoldung verankert ist.

Führen ist kein Vorrecht, sondern bedingt höchstes Verantwortungsgefühl. Führen ist Ehren- und Vertrauenssache.

In dieser Niederschrift wird mit Vorbedacht nicht von politischer Führerschaft gesprochen, die für sich selbst eine Abhandlung benötigt. Es müßte zu viel hierüber gesagt werden, um dieses Problem nur einigermaßen erschöpfend zu behandeln; zu viel auch Negatives, das heute bereits als überlebt gilt. Die Epoche der erblichen Herrscherfolge, wie jene, da selbst Idioten den Thron bestiegen, nur um irdischen Verstandesgesetzen Genüge zu leisten, ist endgültig im Verklingen und letzten Ersterben. Und was Diktatoren- und Usurpatorentum betrifft, habe ich an anderer Stelle schon gesagt. Auch darüber gesprochen, welches System in der Ära des Wassernanns allein noch bestehen wird und lebensfähig ist: die gottgewollte Theokratie, wie es schon F.X Uranus, Regensburg in seinem Aufsatz „Durchblicke und Ausblicke“ (13) zum Ausdruck brachte:

„Unsere heutige und kommende Zeit steht im Übergang, zu neuen Lebenswerten und geistiger Erneuerung, und es ist ein Unding, sich dem neuen Zeitgeiste irgendwie widersetzen zu wollen, der kosmisch bedingt ist. Die neuen Kämpfe bedeuten eine endgültige Lösung der Rassen- und Religionsfragen. Das frühere Königtum hat sich ausgelebt und wird in ferner Zukunft solchen Menschen Platz machen, die Instrumente des Geistes und Organe des Logos sind, in denen die Vorsehung waltet.

Übergang von der Monarchie und Demokratie zur wahren Theokratie, zur Herrschaft des Geistes Gottes auf Erden, das ist die kommende Zukunft des werdenden uranischen Zeitalters.“

Die Träger des Gralskreuzes mit vier gleichschenkligen Balken im Ring wissen, daß der Geist Gottes um die Weltenwende auf Erden inkarniert war. Unter dem altarabischen Namen Abd-ru-shin kündete er als der verheißene Menschheitsführer und Weltenlehrer die Gralsbotschaft

„Im Lichte der Wahrheit“

die das Schöpfungswissen enthält, dem Menschengeschlecht noch einmal die Gottgesetze deutet und die Christus-Botschaft vom falschen Dogma befreit.

Ich beende diesen Vortrag mit einigen Aussprüchen Abdruschins betreffs Führertum; in seinem Kapitel „Der Schrei nach dem Führer“ wirft er die Frage auf „Wie stellen sich die Menschen den Führer vor?“ Dazu führt der Weltenlehrer folgendes aus:

In erster Linie erwarten sie von ihm, oder, sagen wir nur ganz richtig, fordern sie von ihm, daß er einem jeden Einzelnen dessen Weg empor zum Licht bereitet! Er hat sich zu bemühen, Brücken für die Anhänger jedes Bekenntnisses nach dem Wege der Wahrheit zu schlagen! Er hat es so leicht und verständlich zu machen, daß es ein jedes mühelos verstehen kann. Seine Worte müssen so gewählt sein, daß deren Richtigkeit groß und klein aller Stände ohne weiteres überzeugt.

„Der Führer weckt sie sicher nicht, sondern wird sie ganz ruhig weiter schlafen lassen, bis das Tor geschlossen ist, und sie nicht Einlaß finden können in das Licht, da sie sich nicht zu rechter Zeit aus dem Bereich der Stofflichkeit befreien können, wozu das Wort des Führers ihnen den Weg wies.“

„Gerade damit, daß ein Führer für das Verstehen seiner Worte von vornherein geistige Regsamkeit verlangt und ernstes Wollen, Sichbemühen, trennt er spielend Spreu von Weizen schon bei dem Beginn. Es liegt darin ein selbsttätiges Wirken, wie es in den göttlichen Gesetzen ist. Es wird den Menschen auch hierin genau nach dem, wie sie es wirklich wollen.“ (l4)

„Ein Führer darf Bestehendes der Gegenwart nicht achtlos übersehen. Er muß gleichzeitig weiter schauen in die Zukunft, auch über alles Grobstoffliche noch hinaus.“ (25)

„Ein medialer Mensch wird niemals Führer sein können, da er viel zu abhängig von Strömungen und anderen Dingen ist. Sie sollen zeitweise geöffnete Tore sein zum Zwecke weiterer Entwickelung, Sprossen zur Leiter des Aufsteigens.“

„Erst wenn die Missionare, Prediger und Lehrer auf Grund des Wissens der natürlichen Entwickelung in aller Schöpfung, und damit auch der genauen Kenntnis der Gesetze des göttlichen Willens, ihre Tätigkeit beginnen, ohne Sprunghaftes, Lückenlassendes, werden sie wirkliche geistig lebendige Erfolge verzeichnen können. Jetzt ist jede Religion leider nichts anderes als eine starre Form, die einen trägen Inhalt mühselig zusammenhält. Nach der notwendigen Veränderung jedoch wird im Lebendigwerden dieser bisher träge Inhalt kraftvoll, sprengt die kalten, toten, starren Formen und ergießt sich jubilierend brausend über alle Welt und unter alle Völker!“ (16)

In seinem zweiundsechzigsten Vortrag der Nachklänge zur Gralsbotschaft, betitelt „Allweisheit“, offenbarte Abdruschin:

„Der Geist Gottes ist das lebendige Gesetz, ist Gottes allheiliger Wille in Person: Imanuel! – darum müßt Ihr nun wissen von Imanuel; denn diese Zeit ist für Euch da! Imanuel ist mit Gottvater ebenso untrennbar eng verbunden wie auch Jesus, und das muß Euch zum Wissen werden in der Zeit jetziger Weltenwende!

Vieltausend Zeugen werden nun auf Erden hier gelöst, um Imanuel zu künden unter allen Völkern, wie er bereits verkündet wird durch Engelscharen in der ganzen Schöpfung; denn es ist Gottvaters Wille.



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GESANG DES LEBENS .


……er sei ein Lobpreis für alles Sein und Weben, das Menschen im Vollbewußtsein wahrhaftig leben!

Solch Dasein wurde dem Menschen zeitweilig von Jahrhundert zu Jahrhundert, Jahrtausend zu Jahrtausend gnadenvoll durch Gott, den Erschaffer und Erhalter allen Seins, gewährt.

Verherrlichung solch eines Lebens, seine Gestaltung in Schönheit, ist der Begriff einer Religion für viele, die tief im Gesetz des Weltherrn wurzeln, die das Gesetz leben!

Ihre Religion ist Gottanbetung durch die Tat durch ein in Demut, Aufrichtigkeit und in gottgewolltem Sinne Auskosten des Lebens gemäß des Gesetzes!

Wahrlich, wohl kein Mensch wandelt auf Erden, der nicht zu tiefst st im Herzen irgend eine Art Religion verbirgt, wenn auch die einen oder anderen vermeinen, daß höchster Glaube ein Glaube ohne Gotterkenntnis sei, daß wahrer Glaube die Religion des Atheisten wäre! Lasset sie reden, wenn sie so wollen! Einfach dahinlebend, sich selbst vergöttlichend, ihren Thron des Verstandes sich selbst errichtend, schreiten sie einher im Pfauengefieder und kennzeichnen so ihr eigen Verhalten!

Seitdem Menschen zum Sein im Stoffe erstanden, schwang eine Gottidee in ihren Seelen. Dem Unbekannten durch nicht vorauszuahnende Wendungen und Kreuzwege des eigenen Geschickes im Zwang allen Geschehens gegenübergestellt, harrten sie beständig, oft trotzig sogar, in ihrer Sehnsucht nach etwas, das sie mächtiger als sie selbst empfanden. Die Vorfahren der Menschen schnitzten Gebilde ihrer Vorstellung - recht primitiv noch zumeist - in Bäume und Holz, meißelten Abbilder in Gestein und Felsen, und wallten in Gruppen gemäß geistiger Entwicklung unter Riten und frommen Gesängen durch die Täler zu den Bergen ihrer im Schöpfungsfrühling noch jungfräulichen Heimat. Ein leises Ahnen von höheren Wesen denn sie war der Urmenschen erste Erkenntnis, daß etwas bestand, das ihnen noch unverständlich deuchte.

Stellet euch vor, am schwindelnmachenden Rand des Abgrundes eines Felsens zu stehen, der das Meer beherrscht! Die gerundete Form der Erde dehnt sich zur Unendlichkeit, und im Windhauch schwankende Gräser winken ihren Gruß gegen die Banner stummer Wolken, welche frei am Himmelszelt segeln. Grandios ist das Bild! Der erschütterte Geist zittert vor neugeborenem Frohlocken! Die Natur scheint bereitet für die Feier des Hochamts! Tief in der Bucht donnern die Wogen, die Brandung brüllt in ihrer elementaren Wucht, Flutwellen brechen sich in schäumendem Gischt, schneeweiße Kronen tragend fluten die Wogen zurück ins Weltmeer, das seit urdenklichen Zeiten sich im Kommen und Gehen bewegt im ewigen Rhythmus sich wiederholenden Kreislaufs natürlichen Geschehens. So ist es gewesen, so wird es sein - Urgewalten der Natur von Merkur gelenkt!

Von einem zum anderen Ende der Kontinente der Erde ist Tag für Tag, Monat zu Monat, Jahrhundert zu Jahrhundert, Jahrtausend zu Jahrtausend der Widerhall kosmischer Kräfte, ihr unvergängliches Echo, dem menschlichen Ohre vertraut gewesen. Er zeugt von der Zeit, die keine Zeit ist, von etwas, das ein eigenartig vollkommenes Einzigsein darstellt, gleich der Verlassenheit einer allen Lebensodems beraubten Meerfenchel, die stumm, mondscheinübergossen an einem Vorsprung des Strandes verdorrt.

Wer beobachtete nicht schon auf schneeweißen Kalkklippen, hoch über der Meeresbrandung im Süden Englands über den grünen Schultern ihrer Hänge im azurnen Äther unter fliehenden Wolken die Möwen der See, die einander rufen im Klang ihrer Sprache? Im Zenit der Zeit, zwischen Vergangenheit und Zukunft schwingend, sind sie geweiht der Gegenwart Leben! In ihrer ureigensten Lebensstunde! Diese weißbeflügelten Körpergebilde lebten noch nicht vor einem Jahrzehnt. Die in der Natur ruhende schöpferische Macht hat mit Dädalus-Kraft aus Staub der Erde diese Vögel geboren, sie befähigt, ihre hungrigen Leiber in die Lüfte zu schwingen, wie fliegende Blätter im Herbststurm.

Wo sind jetzt jene Möwen, deren Schreie wir schon lauschen auf selbigen Meerklippen, da wir Kinder noch waren? Ihre Leiber sind zerfallen in jene geheimnisvollen Quellen des Stoffes - Grundbausteine der Elemente - aus denen neues Leben gebiert, und ihre Seelen einge-gangen in die Gruppenseele ihrer Art. Aus den Eiern anderer Möwen, in Felshöhlen geborgen, quillt neues Leben.

Wie es der Lebenslauf der Möwen ist, ist es im Stoffe auch mit uns Sterblichen! Wir werden gezeugt, getragen und geboren, um durch Erfahrungen des Lebens seelisch zu reifen und müssen uns einfügen mit Geist und Verstand in das Räderwerk der Schöpfung, um nicht zermahlen zu werden. Und solange ein Funke in unserem Leib noch glüht, sollte unser jubelnder Geist Gebete des Dankes zu dem Schöpfer senden, daß wir das Sonnenlicht noch schauen dürfen !

Auf dem Pfade der Gegenwart - lasset uns hoffen dem letzten im Stoffe - müssen wir streben, unseren Glauben an Gott zu stärken, müssen wir Glauben in Überzeugung wandeln! Wir müssen bewußt werden eines Weiterlebens nach dem Erdentod und überzeugt von dem selbsttätigen Wirken Gottes unantastbarer Gesetze seines Werkes. Wir müssen uns mühen, diesen Gesetzen zu gehorchen und der Heiligen verordneten Code unseres Herrn einen Hochsitz in unserem innersten Sein erbauen !

Wenn wir so handeln, wird der Sang unseres Lebens vollkommen sein! Wir werden die Früchte freiwilligen Gehorchens ernten und geistig erkennen, daß von Menschenverstand gemachte Gesetze dem Menschen kein Glück zu bringen vermögen!

In vielen Städten Europas habe ich mit Grausen die starren Seelen der Menschen gespürt wie sie sich mühten und plagten, reich und arm, und leblos, apathisch, ja klaglos unerhörter Unterjochung sich ergaben, weil der „Gesang des Lebens“ ihnen fehlte!

Weder Sonnenwärme noch erfrischende Kälte, weder Musik oder selbst das Heilige Wort vermochten sie aus Lethargie zu wecken, sie schliefen im Wachen, ihr Körper atmete, doch ihr Geist war tot! Nachtwandler waren sie, wie durch Hypnose betäubt durch menschliche Untat, verdammt, sich mühsam ihres Weges in Ver-zweiflung zu schleppen. Wenn sie nur einmal das Leben erblickten, wie es im Wechsel der Vielgestaltigkeit ist, wenn sie nur einmal in einmaliger Erhellung die Möglichkeit augenblicklicher Erkenntnis einer bis ins feinste gewogenen, schöpferischen, von ihnen geächteten Urkraft gewönnen, dann, ja dann würde vielleicht sofortige Bekehrung erfolgen – die Erleuchtung!

Sie würden beginnen, das Leben zu lieben, dem Leben zu huldigen! Denn Verehrung des Lebens, der Sang des Lebens, Verherrlichung des Lebens, das Gott der Herr schenkte, ist wahre Religion!

Ein Kind ist religiös, wenn es die Blätter vom Birnbaum fallen sieht, den ein barhäuptiger Mann in weißem Haar schüttelt. Ein Hirte ist religiös, wenn er andächtiger Stimmung vor dem Wunder der Schönheit eines nebelziehenden Septembermorgens steht und mit „zweitem Gesicht“ drollige Wesenhafte mit Kappen und langen Bärten erblickt, feinste Elfenkinder zu schauen begnadet ist, die im Sonnenschein einer Waldwiese tanzen. Ein junges Weib ist religiös, das ihrem Kinde am Busen die Muttermilch spendet. Ein Priester ist religiös, der einem Sterbenden die Wahrheit nicht vorenthält. Die Amseln leben im Willen Imanuels, wenn sie im Morgengrauen vor Sonnenaufgang in grünen Ginsterhecken ihr Morgenlied schmettern, hell wie der Glocken reinstes Silbergetön, oder sanft und melodisch, wie der Schalmeien süßer Abendklang. Fische, gleich silbrigen Pfeilen durch die Salzflut schwirrend, leben in ihrer Art naturverbunden.

Ich zweifle, ob Kirchendiener, vorgebend religiös zu leben, gottwohlgefällig sind, im Lichte der Wahrheit bestehen können? In Schranken sollten sie gewiesen werden, nichts anderes tun dürfen als die Messe lesen denen, die sie irre führten und einschüchterten

Doch Genugtuung ist es und Freude zu wissen, daß hie und da ein natürliches Sehnen nach Gottanbetung anhebt, versklavtes Christen-tum verdrängt und von einer Welle zur Sturmflut wächst, obwohl moderne Seelenkunde ins Uferlose entartend, dieses Sehnen zu däm-men sucht im Geheimen schon ahnend, daß sie das Spiel verloren. Alle Machenschaften des Antichristen vermögen die natürlich-religiösen Empfindungen eines demütig Suchenden weder zu erniedrigen noch zu zerstören solange die Flamme des Geistes noch glüht und der Mensch noch fähig ist, das zu empfangen und auch zu leben, was Abdruschin, der Künder der Gralsbotschaft „Im Lichte der Wahrheit“ in folgenden Sätzen zum Ausdruck brachte:

„Sexualkraft ist die feinste und edelste Blüte aller Grobstoff-lichkeit, das Höchste, was die grobstoffliche Schöpfung bieten kann.“

„Die Sexualkraft ist das pulsierende Leben der Stofflichkeit und kann allein die Brücke bilden zu dem Wesenhaften, das wiederum den Fortgang zu dem Geistigen vermittelt.“

„Aus diesem Grunde ist das Erwachen der Sexualkraft in dem grobstofflichen Körper wie der Vorgang des Herablassens der Zugbrücke einer bisher verschlossenen Burg.“

„Die Sexualkraft hat die Aufgabe und auch die Fähigkeit, das ganze geistige Empfinden einer Seele irdisch zu „durchglühen.“

„Damit erhält aber der Menschengeist dann auch die Vollkraft, seine Wärme und Lebendigkeit. Er wird mit diesem Vorgange erst irdisch kampfbereit. Deshalb setzt hier nun die Verantwortlichkeit ein! Ein ernster Wendepunkt in jedes Menschen Sein!“

„Mit Eintritt der Sexualkraft regt sich in erster Linie eine gewaltige Schwungkraft nach oben, zu allem Idealen, Schönen, Reinen!“

„Der geheimnisvoll ausstrahlende Reiz einer unverdorbenen Jungfrau oder eines unverdorbenen Jünglings ist nichts anderes, als der von seiner Umgebung mitempfundene reine Auftrieb der erwachenden Sexualkraft nach höherem, edelsten, in Vermählung mit der Geisteskraft!“

„Auch wenn der Mensch die Zeit versäumt, wenn er sich mehr verstrickt, vielleicht sogar tief sinkt, so bietet sich ihm trotzdem weiterhin Gelegenheit zum Aufstiege: Durch Liebe!“

„Nicht die begehrende Liebe des Grobstofflichen, sondern die hohe, die reine Liebe, die nichts anderes kennt und will, als nur das Wohl des geliebten Menschen. Sie gehört auch in die Stofflichkeit und fordert kein Entsagen, kein Büßertum, aber sie will immer nur das Beste für den anderen.“

„Als Grundlage hat Liebe auch im höchsten Mensenalter immer wieder die ideal-sehnsüchtigen Empfindungen der unverdorbenen Jugend, die diese beim Eintreten der Sexualkraft fühlt. Doch sie zeigt sich anders: Den reifen Menschen peitscht sie bis zur Vollkraft seines ganzen Könnens auf, ja bis zum Heldentum. Hierbei ist durch das Alter keine Grenze gesetzt. Die Sexualkraft bleibt bestehen, auch wenn der niedere Geschlechtstrieb ausgeschaltet ist; denn Sexualkraft und Geschlechtstrieb ist nicht eins.

Sobald der Mensch der reinen Liebe Raum gewährt, sei es nun die des Mannes zum Weibe, oder umgekehrt, die zu dem Freunde, einer Freundin, zu den Eltern, zu dem Kinde, gleichviel, ist sie nur rein, so bringt sie auch als erste Gabe die Gelegenheit zum Abstoßen des Karmas, das sich sehr schnell „symbolisch“ lösen kann. Es „vertrocknet“, da es keinen gleichartigen Anklang, keine Nahrung mehr im Menschen findet. Damit wird dieser frei!“

„Der Schöpfer gab in seiner Weisheit damit einen Rettungsring, der nicht nur einmal in dem Erdensein an jeden Menschen stößt, daß er sich daran halte und emporschwinge!

Die Hilfe ist für alle da. Sie macht nie einen Unterschied, weder im Alter noch Geschlecht, weder bei arm noch reich, auch nicht bei vornehm und gering. Deshalb ist die Liebe auch das größte Geschenk Gottes! Wer es erfaßt, der ist der Rettung sicher, aus jeder Not und jeder Tiefe!

„LIEBE IST FÄHIG, IHN MIT STURMESGEWALT EMPORZUREISSEN ZU DEM LICHT, ZU GOTT, DER SELBST DIE LIEBE IST!“

Die Sexualkraft ist der Kernpunkt, das pulsierende Herz allen Menschtums in der Stofflichkeit. Sexualkraft erweckt den Menschen zu wahrhaftigem Leben. Des Lebens Hochgesang quillt wie ein unversiegbarer Born aus dieser Kraft, die Gutes nur wollend das Tor zum Lichte öffnet!



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1 (1) Der vollkommene Meister- Das Leben S.M.B.

2 (1) Weltgeburt.

3 (1) „Der Ruf“ Heft 3 /4, Okt./ Nov. 1927, S. 164; Verlag der Gralsblätter - Oskar Ernst Bernhardt Tutzing. (Obb.)

4 (1) ILdW., Vortrag, 65 „Der Schrei nach dem Führer“ S. 450-451.

5 (2) ILdW., Vortrag, 70 „Okkulte Schulung“ S. 500.

6 (1) ILdW., Vortrag 82 „Götter- Olymp Wallhall“, S. 588 und 596.

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