Einsicht gewann in Leid und Streit, Schuld und Sühne, Kampf

und Sieg der heilsuchenden Menschheit. Wer war der Wander­genosse, der durch die Offenbarung seines tiefgewaltigen Mit­wissens um Gottes Geheimnisse ihnen das Herz zu verzehren­

dem Mitleid entflammte? '

,Herr, bleibe bei uns, es will Abend werden!" baten sie ihn an der Schwelle der Herberge. Und der Fremdling ging mit ihnen hinein - und als er mit ihnen zu Tische saß und

das Brot brach, wurden ihre Augen geöffnet und sie er­kannten ihn: Der Heiland! Aber plötzlich verschwand er vor ihnen. Der Gekreuzigte, der Gestorbene, der Begrabene, der niedergefahren zur Hölle und am dritten Tage auferstanden von den Toten! Der Erlöser!

Und wieder ertönt uns im Innern das Wort von Gurne­manz und seine Erklärung des Karfreitagzaubers: „Des Sün­ders Reuetränen sind es, der heut mit heiligem Tau beträu­felt Flur und Au - nun freut sich alle Kreatur auf des Er­lösers holder Spur. - - Was all' da blüht und bald er­stirbt, heut seinen Unschulds-Tag erwirbt."

Hört Ihr den Ruf? Immer bricht aufs neue nie zu be­schwichtigende Sehnsucht durch die Seele der verhärtetsten Menschen in gottentfremdetsten Zeitläuften - Sehnsucht nach Wissen, nach Erkenntnis, nach Helligkeit des Kopfes und Herzens, die eine befreiende Tat zu wirken vermöchten im Elend der irdischen Gebundenheiten, um auf sicheren Wegen zu einer Verbesserung und Veredlung des Menschen­lebens zu gelangen. Allerlei Wissenschaften blühen auf, die Forschung leuchtet mit allen Mitteln und Methoden in alte und urälteste Zeiten, das Mittelalter mit seinem romantischen Dunkel und seinen mystischen Träumen gewinnt zauberischen Sternenglanz, die Kunst schafft die tiefsinnigsten Gebilde von berauschender Schönheit - aber siehe da, der Wirrungen und Irrungen im Leben der Welt, in den Beziehungen der Rassen und Klassen, der Volkschaften und Parteien, der

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