Inhalt
Seite
1. „Der Ruf“. Vorwort von Abdruschin 5
2. Lebensmeisterung. Von Dr. Heinz Neu, Bonn 7
3. Hört Ihr den Ruf? Von Dr. Michael Georg Conrad, München . 9
4. Es war einmal ... Von Abdruschin 13
5. Voltaires Kampf ums Recht. Von Hofrat Prof. Alfred Börckel 37
6. Die geistige Struktur der Gegenwart. Von Joh. Anton Neidhart 47
7. Gralslehre Abdruschins und exakte Wissenschaften. Von Dr. K. Illig 54 8. Moderne Medizin. Von Hofrat Med.-Rat Dr. Leop. Ceipek . . . 83
9. Fragenbeantwortungen. Von Abdruschin
a) Kreuzestod 69
b) Offenbarung Johannes 70
c) Buddhismus 74
d) Gotteskindschaft 76
e) Katastrophen 77
f) Furchtsame Gläubige 78
10. Mitteilungen des Verlags 81
11. Aus verschiedenen Städten wird geschrieben, 84
12. Aus dem Leserkreise 87
13. Buchbesprechungen 88
Copyright by Verlag der Gralsblätter
Oskar Ernst Bernhardt, Tutzing (Obb.)
Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten
Druck
von P. Beirich Nachf., Groitzsch (Bez. Leipzig)
„Der Ruf“
gehe hinaus in alle Welt! Er soll die engere Verbindung schaffen zwischen allen Anhängern und Lesern meiner Worte. Vielerorten schließen sich „Freie Vereinigungen zur Pflege der Gedanken meiner Vorträge“ zusammen, um in gemeinsamer Tätigkeit immer tiefer einzudringen in die Wahrheiten der großen Schöpfung, um damit auch des Schöpfers Willen richtig zu erkennen.
Wenn ich auch freudig die Vereinigungen grüße, so kann ich diese doch nicht führen, kann mich auch nicht daran beteiligen; denn solcherlei Bestrebungen ergeben zuletzt immer Bindungen für den, um den sie sich gruppieren. Verpflichtungen so mancher Art, sei es auch nur moralisch durch die Beiträge der Mitglieder. Derartiges vermag ich nicht
Frei muss ich sein und bleiben in dem, was ich zu sagen habe!
In allen meinen Reden und Entschlüssen. Ich darf dabei nicht Rücksicht nehmen müssen auf die Wünsche Einzelner oder auch ganzer Gruppen, wozu es kommen würde, wenn ich damit verbunden bin. Auch, wenn ich auf Geschäftsvorteile sehen wollte. Beides darf für mich und meine Schriften nicht mit in die Wagschale geworfen werden müssen. Doch dabei möchte ich trotzdem nicht auch in Nachlässigkeit fallen und versäumen, die Gelegenheit jedem zu verschaffen.
Ich biete deshalb an, doch werbe nicht!
Und werde immer bei dem Grundsatze verbleiben: Wer nichts für sich in meinen Worten findet, für den sind sie nicht gesagt. Er soll sie auch nie aufgedrängt erhalten.
Ich werde daher stets mit meinen Worten eines jeden Menschen Freund und seiner Fehler Feind sein müssen, da ich nichts seinetwegen streichen kann.
Weil ich mich also nicht an die Zusammenschlüsse binden kann, doch förderndes Ergebnis davon für so manchen Einzelmenschen wohl erkenne, schuf ich aus meinem Einsamseinmüssen heraus den „Ruf“als Mittler zwischen allen Lesern und Verbänden, die ihre Mitteilungen und die Wünsche gegenseitig darin auszutauschen die Gele-genheit erhalten. Für diese Zwecke wird stets ein Raum kostenlos bereitgehalten sein.
Möge „Der Ruf“ recht viele Seelen wecken, allen ernst-haft Suchenden Erleuchtung und damit den Frieden und den Fortschritt bringen!
Im Sommer 1927.
Abdruschin.
Lebensmeisterung
Das Leben ist ein Turngerüst,
An dem ihr täglich turnen müsst.
Wer daran hängt mit schlaffen Armen,
Find’t nicht bei Gott noch Mensch Erbarmen. Wer tapfer übt mit straffer Hand, Wird immer stärker und gewandt. Ihm wird in Zügen und in Schwüngen Die Lebensmeisterung gelingen.
Dr. Heinz Neu, Bonn.
Hört Ihr den Ruf?
Eins der eindrucksvollsten Bilder in Richard Wagners Bühnenweihe-Festspiel „Parsifal“ zeigt uns gleich der erste Aufzug: Wald, schattig und ernst doch nicht düster, in frischer Morgenfrühe - der greise, aber rüstige, temperamentsvolle Gralshüter Gurnemanz mit zwei Knappen im Jünglingsalter unter einer mächtigen Baumgruppe schlafend. Da ertönt von der Gralsburg her der feierliche Morgenweckruf der Posaunen. Gurnemanz erhebt sich rasch, reibt sich den Schlaf aus den Augen, rüttelt die beiden Jünglinge wach: „Waldhüter Ihr? Jawohl, Schlafhüter mitsammen!“ Dann bricht er in die wahrhaft erschütternden Herzenslaute aus: „Hört Ihr den Ruf?“ Die Knappen springen auf, beschämt, senken sogleich sich wieder auf die Knie, und Gurnemanz fährt in väterlich beschwörenden Tönen fort: „Nun danket Gott, daß Ihr berufen seid, den Ruf zu hören!“ Und gemeinschaftlich verrichteten sie stumm ihr Morgengebet.
*
„Durch Mitleid wissend ...“
Ein nicht weniger ergreifendes Bild zeigt uns das Neue Testament in der Erzählung vom Gang der zwei Jünger nach Emmaus,, denen sich unterwegs ein dritter Wanderer zugesellt und über die Dinge, die in diesen schrecklichen Tagen zu Jerusalem geschehen waren, die Erkenntnis heiliger Notwendigkeit alles Geschehens zum Besten der Menschheit mit so eindringlichen, nie gehörten Worten öffnet, daß ihnen, „das Herz brannte“ vom Feuer des Wissens um verborgene Dinge und Zusammen-hänge. So stark war die Rede, daß der Hörer schlichte Einfalt eine erschütternde Einfühlung und