Gruppen und Einzelnen, selbst des grauenhaften Aufruhrs im Bereich der Elemente, nirgends will des Schreckens ein Ende werden. Der eignen Seele wird im wachsenden Dunkel, das sich wie traumschwere Nacht um alle Dinge breitet, bange um Ruhe und Licht. Wie will sie, mag sie noch so strebend sich bemühen, den Weg aus dieser Finsternis in die täuschungsfreie Helle mit Sicherheit gewinnen? Wie ihrer

Pflichten und Fähigkeiten froh werden in diesem neu er­brennenden Widerstreit der Wissenschaften und Schulen, in den wilden Richtungen der Künste und Moden, in der ewigen Fehde der Religionen, Konfessionen, Kirchen, Sekten? Wozu hilft es, immer wieder neue Katheder und Kanzeln aufzu­richten, Schulen und Gemeinschaften zu gründen, Unfehlbar­keitsansprüche zu erheben, zu bestreiten, zu verteidigen? „Licht, mehr Licht!" Trugloses Licht, das endlich der Seele beglückende Harmonie, ruhige Schönheit, friedvolle Abge­klärtheit, Furchtlosigkeit in Not und Tod zu bringen ver­möchte! Ist es mit Schulweisheit zu erreichen, mit offiziel­len Predigten und Hirtenbriefen, mit amtlich abgestempelten Satzungen der Moral?

„Nun aber bleiben Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen," spricht ein heiliges Apostelwort. Und Herder, der fromme Gottesmann und über­zeugungstreue Freimaurer in Weimar, läßt als seine Leitsterne diese anderen Drei auf seinen Grabstein meißeln: Licht, Liebe, Leben. Damit wollte er für alle, die nicht bloß Hörer des Wortes, sondern lebendige Täter und Vollbringer sein woll­ten, dieses Dreifache erreichen: Das Schlechte, Dumme, Ge­meine in jeder Form zu hassen, in allen Stücken das Beste zu erarbeiten und zu höchsten Ansehen zu bringen, Helfer und Freund aller Menschen von gutem Willen zu sein, da­mit jegliches zu seiner Freude wachse und gedeihe.

Also innere Gründung mit Rundung durch Pflege eines reinen aus sich selbst sich bereichernden Lebensgefühls,

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