Jahrgang 1937 Heft 10
DIE STIMME
Schrift
für Erstarkung im Wissen
und Können.
VERLAGS A..- G. ,,DIE STIMME“, ZÜRICH
Copyright by Verlag A - G „Die Stimme“, Zürich
Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung. Vorbehalten
Druck: Gebrüder Scheran, Innsbruck, Fallmeraystraße 4 - 6
Gedanken sind wie Pfeile
Gezielt auf Gegners Brust,
Sie fliehn mit Windeseile
Und tragen Schmerz und Lust
Gedanken sind wie Flügel,
Sie heben aufwärts Dich,
Hoch über Tal und Hügel,
Hinauf, hinauf ins Licht.
Gedanken, Deine Boten,
Ziehn weit hinaus ins All,
Sie gehn bis zu den Toten,
Sie suchen überall,
Bis sie das Herz gefunden,
Das ihnen offen steht,
Sie schließen seine Wunden,
Eh' noch der Tag vergeht.
Es treiben die Gedanken
Des Dunkels böse Tat,
Es wächst aus den Gedanken
Des Lichtes goldne Saat!
Des Lebens Zweck und Ziel!
Von Hugo von Eickstedt.
Es gibt in der letzten Zeit besonders viele Menschen, welche durch den Lebenskampf ermattet, allen Mut sinken lassen, um sich mutlos dann noch ganz zu verlieren. Fast hat es den Anschein, als ob tatsächlich die jetzigen wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse nicht besser werden wollten und die “guten alten Zeiten” überhaupt nicht wiederkämen . . . .
So, wie die Dinge jetzt liegen, wird alles immer schwieriger, die Zustände erscheinen unhaltbar. Jeder Mensch ist von Tag zu Tag auf die kommenden Ereignisse und Nachrichten gespannt, erwartet alles, nur leider nichts Gutes mehr.
Kaum anzunehmen, noch vorauszusehen ist es, wie aus dieser weltwirtschaftlichen und politischen Spannung plötzlich eine Änderung zum Guten eintreten sollte! So zeigen sich nun auch jene ungeahnte Menge unsinniger Morde, Handlungen und Taten, welche unmöglich gesunden und normalen Hirnen entspringen können.
Wenn auch die Selbstmorde teilweise zu den Verzweiflungsakten der letzten Zeit zu rechnen sind, als Folge der Mutlosigkeit in den jetzigen Wirrnissen gelten mögen, so wird dieses doch niemals durch ein Nichtwissen entschuldigt, die Konsequenzen solcher Handlungen können dadurch nicht im Geringsten aufgehoben werden. Jede gute Tat, wie auch jede Schuld wird im Schöpfungsweben aufbewahrt und kann nur durch den Urheber selbst gelöst und abgetragen werden, zu welchem aber auch das Gute segenbringend wiederkehrt. Es vermag kein anderer weder das Gute, noch das Böse für ihn zu tragen!.
Keine Entschuldigungen gibt es für Nichtwissen von Handlungen, welche ein Mensch im Guten oder Bösen begangen hat Er hat dafür einzutreten und auch die volle Verantwortung zu tragen!
Was aber denkt der Mensch des XX. Jahrhunderts nicht zu wissen, da seiner Meinung nach bereits alles erforscht und sondiert ist! Das Kleinste, ja Allerkleinste ist bald in seine Atome und Moleküle zerlegt! Heute gibt es doch darin kaum ein Nichtwissen mehr . . . alles ist erforscht und manches von Menschenhand künstlich Erzeugte ist oftmals den Naturprodukten an Qualität überlegen. Und dennoch!
Die Materie mögen Technik und Wissenschaft schon bis zu einem gewissen Grade erforscht haben, aber denken wir einmal an das, was man im Allgemeinen unter “übersinnlichen Dingen” versteht, an solche Begriffe, wie Geist, Seele - - - Unwissend steht diesen die Menschheit gegenüber, wie der einfachsten Frage, welche dem Menschen doch die nächste sein müßte, weil sie ihm die wichtigste sein sollte:
Was nützt uns das Leben und wozu sind wir hier?
In ihrer Not und Verzweiflung verwünschen sich heute viele, verfluchen ihre Geburt und verzweifeln an sich und ihrer Umwelt, leben mit dieser in Streit und Unfrieden. Nichts mehr erfreut sie, sie haben kein Ziel und finden als einzigen und letzten nur den einen Ausweg: diesem lästigen Leben ein Ende zu bereiten, denn dann sei es ja ein für allemal endlich aus! Andere leben einfach und genügsam, vielleicht sogar in recht bescheidenen Verhältnissen und sind dabei froh. Sie sehen glücklich und zufrieden aus, auf ihrem Antlitz ist vielleicht sogar ein gewisses Leuchten zu sehen . . . . Auch diese mögen nicht viel mehr wissen, wie die anderen, welche mit dem Leben nicht fertig werden und deshalb im Lebenskampfe auch gänzlich unterliegen. Aber in ihnen lebt etwas, oftmals ihnen selbst unbewußt, so daß sie sich selber nicht einmal klar darüber sind, und dieses ist:
Der Glaube und die Sehnsucht nach dem Licht!
Was aber ist der Zweck unseres Lebens überhaupt? Jeder Seelsorger wird die gleiche Erfahrung gemacht haben, daß viele Menschen sich überhaupt nur sehr ungern mit derartigen “religiösen Fragen” beschäftigen, teils aus Bequemlichkeit, teils aber aus Furcht und Ungewißheit sie irgend etwas in ihrem Innersten mahnt oder ihnen bequem wird, sie trotz aller Gegenwehr immer weiter daran erinnert, sich endlich doch damit zu befassen!
Schon in der Bibel aber steht bei Jesaja 1, 3, die vielsagende Stelle:
„Ein Ochse kennt seinen Herrn, und ein Esel die Krippe seines Herrn; aber . . . .
Jedem Tiere ist die Möglichkeit gegeben, sich das zu suchen, was es zur Erhaltung seines Lebens benötigt, sich zu erringen, zu erkämpfen. Den Kampf erkennen wir überall dort in der Natur, wo das Tier auf sich selbst in der Freiheit angewiesen ist.
Der Mensch aber, der höher steht als das Tier, dessen belebender Kern Geist ist, (der des Tieres aber nur Wesen) kennt heute nicht einmal seinen Gott, seinen Schöpfer, will ihn auch oft nicht anerkennen.
Jeder Handwerker oder Arbeiter benötigt und erhält zu seiner Arbeit die notwendigen Werkzeuge, ohne die er seine Arbeit nicht leisten könnte. Sollte der Mensch in die Schöpfung hineingestellt sein, ohne daß ihm alles mit auf seinen Erdenweg gegeben wäre, damit er in gottgewollter Art auch seinen Erdenweg machen kann?
Wie wäre sein Hiersein, sein ganzes Wirken überhaupt möglich ohne triftigen und gerechten Grund, wo alles in der Schöpfung nur auf Gesetz und Gerechtigkeit aufgebaut ist und auch für den Menschen niemals anders sein könnte, dient doch sein Aufenthalt in der Stofflichkeit zur Vorbereitung für weitere Leben: um Erkenntnisse zu sammeln und sich höher zu entwickeln in weiteren Inkarnationen mit wachsendem Wissen von Gott!
Der Kampf des Lebens, in edler Form geführt, kann nur zur Erstarkung dienen! Doch was der Mensch dabei säet, das muß er ernten, und wenn er Disteln säet, kann er nicht Rosen ernten. Die Erkenntnisse und Erfahrungen, welche der Mensch auf seinen Erdenwanderungen sammelt, sollen kraftvolle Eindrücke auf seiner Seele hinterlassen, damit sie ,dort eingebrannt zu Marksteinen auf seinen Wanderungen werden. Wohl ihm, wenn sie alle nur im edlen Sinne in seinen Lebensteppich eingewebt werden konnten.
Aus dem großen Geschichtswerke der Menschheit erfahren wir, wie vor Jahrtausenden der damalige Fürst Abd-ru-shin seinem Volke, den Is-Ra, im Tempel lehrte:
“Einmalig gebe ich Euch heute das wahre, unantastbare Wort vom Recht und von der Pflicht des Menschen! -
Wer aber die Rechte beanspruchen will, der sei sich vorerst seiner Pflichten bewußt; denn sie müssen sich die Waage halten, will der Mensch sein Leben gottgewollt verbringen!
Es soll kein Mensch den anderen richten; es soll es auch kein Mensch von dem anderen verlangen!
Ein jeder Mensch soll seinen Weg gehen und seine Sprache sprechen, damit er nicht das Abbild seines Nebenmenschen werde!
Niemand schaue auf den, den er schöner findet als sich und ahme ihn aus diesem Grunde nach; denn es ist kein Mensch von Gott erschaffen, der nicht auch Schönheit in sich trage in irgendeiner Art.
Ich gebe Euch das höchste Gebot, aus dem sich alle anderen Gebote entwickeln müssen:
Erfüllung der Pflicht zu Gott!
Daraus entsteht die Erfüllung der Pflicht zu den Nebenmenschen, daraus entstehen die Erfüllungen der Menschenpflichten gegen das Tier und die Pflanzen!
Klein steht der Mensch vor seinem Gotte und grübelt über die Pflichten nach, die er ihm gegenüber hat.
Natürlich sein, natürlich leben aber schließt die Pflichterfüllung in sich.
Hohe Ideale werden dem Menschen gegeben. Sie liegen schlummernd in der Tiefe seiner Seele.
Laßt sie erwachen! Drängt nicht jede Regung zurück die Euch beseligen will.
Es ist der Anfang auf dem Wege zur Pflichterfüllung gegen Gott, er führt aber über die Pflichterfüllung an den Menschen hinweg! Helft und fördert Euren Nächsten, damit erfüllt Ihr das an Ihm, was Ihr Ihm schuldig seid! Denn Ihr Menschen seid auf Eurer Wanderung, um aneinander zu reifen! Es nützt Euch nichts, wenn Ihr keinem ein Leid antut, weil Ihr Euch abschließt und die Menschen flieht. Ihr versäumt damit Eure Pflicht!
Segensreich aber wird sich dem der Himmel der Erkenntnis auftun, der mit den Menschen sich verband und wieder lösen konnte, weil er wechselwirkend alles daran erleben konnte, was ihm nottat und dem anderen ebenfalls zum Fortkommen gereichte.
Nehmet die Gaben, die Euch mit auf die Wanderung gegeben wurden, und laßt sie erblühen. Und solltet Ihr sie auch gering finden im Vergleich mit denen Eures Nächsten; sie haben alle gleiche Rechte!
Es kommt nur darauf an, wie Ihr sie fördert, segen - oder schadenbringend! Sie können, auch wenn sie noch so unbedeutend erscheinen, in Eurer Hand richtig angewandt, weit mehr Nutzen tragen, als größer erscheinende, die nicht voll genutzt werden.
Jede ungenutzte Gabe oder Kraft wird aber dem Menschen zum Verhängnis!
Ein Mensch; der seine Pflicht erfüllt, hat allein das Recht, in dieser Schöpfung zu leben!
Er allein hat Daseinsberechtigung!”
Wahrheit.
Von Hermann Wenng.
„Was ist Wahrheit?“ So fragte der römische Landpfleger Pilatus an jenem verhängnisvollen Freitage vor dem Osterfeste der Juden, den die christliche Welt den Karfreitag nennt; und: “Was ist Wahrheit?” so fragen noch immer die Menschen der Erde, wie sie immer gefragt haben, seit Zeugnisse vorhanden sind über der Menschen Denken.
Tausende und Abertausende von Zeugnissen in allen Sprachen und Zungen sind uns überliefert von den uns bekannten ältesten Zeiten des Menschengeschlechts auf Erden bis in die uns naheliegende neueste Zeit herein darüber, daß die Menschen nicht wissen, was Wahrheit ist, sondern daß sie immerwährend nach ihr suchen, ohne sie je gefunden zu haben,
Von allen den vielen Niederschriften, die vorgeben die Wahrheit zu sein, gleicht keine der anderen und keine einzige von ihnen ist allgemein anerkannt. Was das eine Volk und der eine Mensch als Wahrheit erkennt, als Wahrheit mit sich herumträgt, das verwirft der andere, mit dem lebt das andere Volk in grimmiger Feindschaft oder steht ihm doch in völligem Nichtverstehen gegenüber; was der eine Mensch als Wahrheit empfindet, ist dem anderen ein Nichts.
So hatte der Römer wohl recht zu fragen “Was ist Wahrheit?” denn in seiner ihm bekannten Welt gab es wohl viele “Wahrheiten” aber keine Wahrheit; das Absolute, Einmalige, das in dem Worte liegt, war nirgends zu finden! Wohl hatten sich zu seiner Zeit und längst vor ihm zahlreiche Denker, Philosophen genannt, daran versucht, die Wahrheit zu finden, Lehren aufzustellen, die immer und für alle Zeit unantastbar bleiben sollten. Keinem aber ist es gelungen, denn das, was der eine fand, ward vom Nächsten oft schon am gleichen Tage verworfen und mit ebenso viel Recht bekämpft, als der andere seine Wahrheit aufgestellt hatte. Ein wahrhaft ruhender Pol, der die Wahrheit doch sein soll, war nirgends zu finden.
So war des Römers beschämender und verzweiflungsvoller Ausspruch nur zu berechtigt. Wahrheit war nirgends, und doch stand die absolute Wahrheit vor ihm, die lebendige Wahrheit! Er aber erkannte sie nicht!
Es war dieser Landpfleger oder Statthalter Judäas ein gebildeter Mann und das Wissen seiner Zeit war ihm zugänglich gewesen; er hatte es beobachtet, in sich aufgenommen. Der römische Staat achtete die religiösen Überzeugungen seiner unterjochten Völker, er ließ ihnen die “Wahrheiten”, denen sie anhingen, wenn sie seinen materiellen Interessen nicht zuwiderliefen und seine Macht nicht gefährdeten. Es war dieser Staat, der in jener Zeit die fast ganze zivilisierte Menschheit beherrschte und mit dem anderen Teil wenigstens in regen Beziehungen stand.
Der vollendete Ausdruck des Denkens der herrschenden Menschheit, der maßgebenden Oberschicht und das Denken dieser Menschheit war eben dieses: eine absolute Wahrheit gibt es nicht, es gibt nur Meinungen, Anschauungen, Geglaubtes, das nur für denjenigen, der es als wahr annimmt, einigen Wert besitzt, für den Darüberstehenden nur insoweit, als es geeignet ist, ihm Vorteile irgend einer Art zu verschaffen.
Diese Anschauung über die Wahrheit, die von den Römer vor dem Herrn ausgesprochen wurde als Vertreter des sogar besseren Teiles der Menschheit im Vergleich zu dem fanatisierten jüdischen Pöbel ist durchaus keine überwundene, sondern im Gegenteil, sie ist heute herrschender denn je, denn sie ist ja nur ein Produkt des alles anzweifelnden, skeptischen Verstandes, der sich auf Greifbares, Sichtbares und durch Experiment und Rechnung Beweisbares allein stützt, alles andere aber als “metaphysische Spekulation” nur als Möglichkeiten, aber keineswegs als Wahrheit ansieht und auch nicht ansehen kann.
Wenn man den geistigen Zustand der Menschheit jener Zeit betrachtet und in Vergleich zieht mit dem sogenannten Geist, welcher heute wirkend ist, so wird es schwer sein, einen Beweis dafür zu erbringen, daß die in der Zeit, da Christus Jesus über die Erde ging, herrschenden Anschauungen geringwertiger gewesen sind als die heute geltenden, ja der Vergleich wird entschieden zu Gunsten jener römischen Welt ausfallen. Oder vermöchte jemand im Ernste zu leugnen, daß die heute lebende Menschheit noch ebenso von den “Wahrheiten” zehrt, die zu jener Zeit bekannt waren und Geltung hatten, wie die Menschen jener Tage? Keines der in jenen Tagen bereits vorhandenen philosophischen Systeme (Wahrheiten) ist jetzt außer Geltung gesetzt, vielmehr begründen sich sämtliche Lehren, die sich mit Moralbegriffen oder mit dem Menschen und dem Rätsel seines Woher und Wohin befassen, samt und sonders auf Altüberliefertes, schon in jener Zeit Bekanntes.
Es konnte von Niemandem seitdem irgend etwas gesagt oder gedacht werden, das nicht schon in irgend einer jener alten Wahrheiten enthalten ist, es mag sich handeln, um was es will. Die Vielheit der “Wahrheiten” ist bestimmt seit den Tagen des Landpflegers Pilatus nicht geringer geworden, die Verwirrung nicht kleiner, sondern im Gegenteil, sie wurde um ein Bedeutendes vermehrt.
Auch das Auftreten und Lehren Christus Jesus, der doch die lebendige Wahrheit selbst war, konnte darin keinen Wandel schaffen. Die Verwirrung über den Begriff “Wahrheit” ist keineswegs geringer geworden. Ist denn der Anspruch, die Wahrheit zu haben - und es kann doch nur eine einzige Wahrheit geben und nicht eine Unzahl von Wahrheiten bei irgend einer der heute geltenden Religionsbekenntnisse unangefochten? Befehden sich nicht innerhalb der christlichen Glaubensbekenntnisse eine große Anzahl von Richtungen? Haben sich diese nicht Jahrhundertelang erbittert und mit den grausamsten Mitteln bekämpft? Beansprucht nicht eine jede unter ihnen die absolute Wahrheit zu besitzen? Ist nicht die Frage: “Was ist Wahrheit” heute noch ebenso berechtigt, als in jenen Tagen? Es ist weder die Zahl der philosophischen Systeme und ihrer Anhänger noch die Zahl der Glaubensbekenntnisse geringer geworden, nur die Art und die Einzelheit haben eine andere Färbung angenommen.
Was von alledem eigentlich Wahrheit ist, das ist heute auf Erden noch genau so unbekannt, als es zu Zeiten des Menschen gewesen ist, der diesen uns überlieferten Ausspruch, diese Frage, getan hat. In einem jeden Land und über ein jedes Volk von einigermaßen Ausdehnung herrscht eine andere Wahrheit. Obwohl eine jede von ihnen innerhalb ihrer Kreise als absolut gilt, wird sie doch eben nur innerhalb dieses Kreises anerkannt. Wohl versuchen Bekenntnisse mit viel Aufwand von Mitteln und Überzeugungskraft auch in den ihnen fremden Kreis Boden und Anhang zu gewinnen, aber der Erfolg ist ein derart mäßiger, daß der Aufwand dazu in keinem Verhältnisse steht, meist sogar nur durch gebotene materielle Vorteile verursacht wird.
Man hat für diese auffallende Erscheinung die Erklärung darin zu finden gemeint, daß eben für jede Rasse, für jeden Kulturkreis, ja für jeden Erdteil eine andere “Wahrheit” sein müsse. Für den Japaner, den Chinesen, den Inder, den Malaien, die Bewohner der kalten Zone oder des heißen Gürtels um die Erde, die Araber, Türken oder Polynesier gelten eben ganz andere Bedingungen, als für den Europäer; sie könnten niemals unter einen Hut gebracht, nie unter eine einzige Wahrheit vereint werden.
Und dies scheint ja wohl trotz des Widerspruches der christlichen Bekenntnisse tatsächlich der Fall zu sein. Der Augenschein gibt jenen Recht, die die These aufstellen, daß sich eines eben nicht für alle eigne und man kann feststellen, daß dies auch die maßgebend staatliche Auffassung ist. Jeder Staat erkennt die Richtung an, welche seinen materiellen und Machtbedürfnissen und seiner Überlieferung am weitesten entgegenkommt.
Die Wahrheit ist auf Erden eine staatliche Machtfrage oder völlige Privatsache, aber auch diese nur, soweit sie sich nicht störend im staatlichen Leben bemerkbar macht.
Als bestimmt muß festgestellt werden: es ist unter den Menschen auf Erden kaum irgendwo eine wirkliche Überzeugung von irgend einer Wahrheit im übergeordneten Sinne vorhanden. Der “gebildete” Mensch spricht von der Ahnenverehrung des Chinesen, von der Vergottung des Kaisers der Japaner, also des “Zu Gott erhebens” eines sterblichen Menschen ebenso selbstverständlich anerkennend als der Katholik von seinen Heiligen, die der Protestant ebenso selbstverständlich wegläßt. Man muß fast sagen: es gibt nichts Wahres, das nicht geleugnet wird.
Als “Wahrheit” gilt in unserer Zeit jedenfalls immer nur das “Bewiesene”, jenes, das durch sichtbares und greifbares Experiment jederzeit wiederum bewiesen werden kann, während die Menschen der vorchristlichen Zeit immer noch Wahrheiten anerkannten, die einem solchen Beweise nicht zugänglich waren. Das alles bald 2000 Jahr nach dem Kommen und Wirken dessen, der die Wahrheit selbst gewesen Ist. Wie ist das möglich?
Um dies zu untersuchen muß zuerst festgestellt werden, daß kein Mensch auf Erden überhaupt anzugeben weiß, was “Wahrheit” ist! Über nichts herrscht eine solche Verwirrung in dem Wissen, als über diesen Begriff. Die meisten Menschen auf Erden, die sich überhaupt mit solchen Fragen beschäftigen, und deren sind nur wenig werden jedenfalls auf die Frage: “Was ist Wahrheit”, die Antwort geben: “Was ich für wahr halte! Wahrheit ist nichts Absolutes, nichts Feststehendes, sondern ein beständig Fließendes, ewig Wechselndes; was gestern wahr gewesen ist, ist es heute nicht mehr und morgen schon wird eine neue Wahrheit, die heute geltende verdrängt. haben!”
Dieser Antwort ist nichts entgegenzustellen. Es ist die Anschauung über Wahrheit, die für der Menschen Leben auf Erden die maßgebende blieb. Trotz der Ansprüche staatlich anerkannter Religionssysteme beherrscht dieses Eingeständnis der Ratlosigkeit gegenüber dem Begriff “Wahrheit” der Menschen Denken vollständig und bringt damit auch eine vollständige Gleichgiltigkeit gegen alles, was sich unter diesem Worte den Menschen vorstellen möchte. Wahrheit ist etwas dem Menschen trotz des Wirkens des Gottessohnes völlig Unbekanntes, etwas, wofür jeder Begriff und jedes Empfinden vollständig fehlt. Wer wird den Satz zu erfassen vermögen, daß “Wahrheit das Leben selbst” ist? Wohlgemerkt: nicht das Leben, wie es dem Menschen sich darstellt, ist Wahrheit, sondern “die Wahrheit ist das Leben!”
So muß, richtig gesehen, die Antwort auf die fragende Rede des Pilatus lauten, der freilich die Frage gestellt hatte mit dem absoluten Bewußtsein, daß sie überhaupt nicht beantwortet werden könnte. Und sie kann, wenn man, wie die gesamte Menschheit es tut, die göttliche Offenbarung unbeachtet läßt, auch nicht beantwortet werden. Diese Frage, anscheinend so alt wie die Menschheit selbst kann keine Antwort finden aus Menschenwissen!
Es mag manchem eine kühne Behauptung erscheinen, daß die Menschheit die göttlichen Offenbarungen als Quelle der Wahrheit völlig unbeachtet läßt, aber der Menschen ganzes Leben auf Erden beweist es mit jedem Atemzug, daß es dennoch so ist, denn wenn die Wahrheit eine Stätte hätte auf Erden, so müßte die Menschheit wirklich lebendig sein; denn Wahrheit ist das Leben!
Die Menschheit auf Erden lebt aber nicht, sondern sie vegetiert nur, sie befindet sich in einem Zustand dauernder Agonie. Der Grund für diesen Zustand beständigen Sterbens ist das Fehlen der Wahrheit, die doch das Leben ist, ohne die nichts werden kann, noch bestehen.
Kommt dies nicht schon in den kleinsten Dingen zum Ausdruck? Was kann bestehen, das nicht in sich wahr ist, folgerichtig und aufrecht? Nicht das geringste Kleine, geschweige denn das Große. Die fortwährenden Einstürze auf Erden, das unaufhörliche Zusammenbrechen allen Werkes und aller Lebensformen des Menschen, die unerträgliche Unsicherheit auf allen Gebieten beweist es mehr als genügend.
Was jedoch das Sonderbarste an allem ist, ist dies: Man weiß es, man fühlt es, daß man die Wahrheit nicht hat, daß an dem Allgemeinen Unglück nur ihr Fehlen schuld ist, man hat erkannt: “Was nicht in der Wahrheit ist, kann nicht leben, nicht bestehen, man sucht dauernd eben darum das Dauernde, das Wahre - und will dennoch die Wahrheit nicht!
Man will sie nicht und sieht sie nicht, heute ebensowenig als Pilatus, dieser Vertreter der gutwollenden Menschheit sie sah, als sie, angeklagt, Lüge zu sein, neben ihm stand!
Sein Auge, seine Empfindung war für ihn, der die Wahrheit in sich trug, das Leben selbst war, völlig verschlossen. Er erkannte nichts und ebensowenig wird sie heute erkannt, wenn sie vor einem menschlichen Richter steht, angeklagt der Lüge - nicht nur ebenso wenig, sondern noch viel weniger! Es wollten die Menschen jener Tage ja doch viel weniger “beweisen” und bewiesen haben als die von heute!
Und Wahrheit läßt sich nicht beweisen durch Experimente, sondern nur empfinden! Niemals werden Apparate konstruiert werden können von der Feinheit und Aufnahmefähigkeit des menschlichen Sonnengeflechtes, das der einzige Prüfstein für alle Wahrheit ist, wenn es unverdorben ist und rein; denn Wahrheit ist lebendige Schwingung, nicht tote Berechnung!
So gibt man vor, immer und ohne Unterlaß nach der Wahrheit zu suchen - wo sie sich aber zu erkennen geben will, dort will man sie nicht sehen und kann sie nicht mehr erkennen, wenn sie auch neben dem Menschen steht. Er sieht ihren Glanz nicht, er empfindet sie nicht mehr, wie Pilatus sie nicht empfand in dem, der da vor ihm stand.
Er “wusch seine Hände in Unschuld”; denn selbst sein Verstand, nicht so von Haß verblendet, als das berufene Volk der Juden, konnte keine Schuld finden. Trotzdem vermochte auch er nicht die Wahrheit zu empfinden. Sein “Hände waschen” befreite ihn darum aber nicht von Schuld.
Ein Symbol ist dies, ein Gleichnis, ja, mehr als ein Gleichnis, es ist lebendiges Geschehen gewesen. So kann auch die Menschheit von heute sich nicht schuldlos sprechen, wenn sie die Wahrheit nicht zu erkennen vermag! Alles, das da geschieht aus Menschenwillen und Wissen, ist der Beweis dafür, daß sie sich nicht im mindesten um die Spuren kümmert, die heute noch von dem vorhanden sind, was einst aus der Wahrheit auf die Erde kam. Es fragte einst der römische Landpfleger: “Was ist Wahrheit” und wollte sie nicht kennen. Er war so überzeugt von sich selbst, seinem eigenem Wissen, so eingenommen von seinem Zweifel, den allein er für Wahrheit hielt, daß es ihm gar nicht der Mühe wert war, überhaupt nach anderem zu suchen. So fragt die Menschheit von heute: “Was und wo ist Wahrheit?” und ist so überzeugt von dem, was sie zu besitzen meint aus sich selbst, von ihrer eigenen Vortrefflichkeit, von ihrer Zweifelsucht, daß es ihr unmöglich ist, etwas aufzunehmen, das aus der Wahrheit ist.
Sie meint, sie zu besitzen in ihren vielen Wahrheiten! Wäre es aber möglich, daß, wenn das, was sie besitzt, die der Wahrheit eigene aufbauende Kraft des Lebens besäße, dies alles so ganz ohne jeden Einfluß bliebe auf der Menschheit Sein? Es wäre nicht möglich!
Nun aber ist deutlich zu sehen, daß ihr Zweifel Kraft der Zerstörung besitzt. Alles andere kommt nicht dagegen auf, ist völlig ohnmächtig, irgend etwas zu tun, das Unheil zu bannen und wahr allein ist, daß alles unwahr sein muß.
Hat es irgend einer der Glaubenssätze, irgend eine jener philosophischen Lehren, irgend eine Wahrheit aus der Offenbarung, wie sie die Kirchen besitzen, vermocht, die Menschheit von ihren frevelnden Beginnen, womit sie alle ihre Glaubensbekenntnisse schändet, abzuhalten? Hat sich darin seit 2000 Jahren auch nur das Geringste geändert? Sind die sizilianische Vesper, die Bartolomäusnacht, die Zerstörung Magdeburgs, die Ketzer- und Hexenverbrennungen, die Minensprengungen des Weltkrieges, die Bombenabwürfe auf die Städte, die Giftgase, um nur einiges zu nennen, Beweise für eine Änderung?
Niemand wird zu behaupten wagen, daß dies eine Änderung im Sinne einer Annäherung an die Wahrheit sei, also an das lebendige Leben. Es sind vielmehr Beweise dafür, daß alles, was die Menschheit an wahren geistigen Gütern zu besitzen meint, kraftlos und schwach ist, ohne jeden Einfluß bleibt.
Da keine allgemein geltenden Leitgedanken außer dem geheiligten Egoismus vorhanden sind, muß ein jeder sich nach diesem verhalten. Das einzige, was die Menschheit als eine Art von Wahrheit zu erkennen vermag, ist die des ewigen Haders, des Streites, des Kämpfenmüssens!
Und alles fühlt doch irgendwie, es sollte anders sein, träumt davon, daß es einmal anders werden könnte, ohne auch nur eine leiseste Ahnung zu haben, wie dies Geschehen möglich zu machen sei. Das einzige Mittel, das ihr eine solche Möglichkeit geben würde, nämlich dies: über sich selbst und ihr Sein, über ihren Weg und ihr Ziel die Wahrheit zu wissen und sie anzunehmen, sich danach zu richten, nach ihr zu leben, will und kann sie nicht anwenden, weil sie leugnet, daß es eine solche Wahrheit gäbe.
Sie hat sich hierfür das “Verschleierte Bild zu Sais” erfunden und behauptet, es sei nicht gut, die Wahrheit zu wissen — die Wahrheit sei der Tod, während sie doch in Wirklichkeit ganz allein das Leben ist
Menschen fragen auch heute noch gleich Pilatus: “Was ist Wahrheit?” und bemühen sich, eine Antwort auf diese Frage, deren Beantwortung Sein oder Nichtsein bedeutet, zu finden. Viele fragen, aber wenige meinen es ernst mit dieser Frage: sie haben den Skeptizismus zu ihrem Gott erhoben. Noch weniger meinen es ernst mit der Antwort, sondern sie wollen nur eine solche, um selbst etwas dazu sagen zu können. Nur zu diesem Zwecke stellen sie die Frage. Wenige wollen die Wahrheit um ihrer selbst willen und lieben sie, die nicht gekannte, die ihnen das Leben bedeutet. Diesen Wenigen wird sie sich zeigen und zu erkennen geben zu rechter Stunde, wie es verheißen ist.
Das Kind!
Von Agnes Laute.
Von Gottes weiser Hand ein Samenkorn in den Schoß der Mutter Erde gelegt, an einen ganz bestimmten Ort, um zu rechter Zeit zu erwachen zum Erleben, sich sehnend und zum Licht empor sich hebend dann wie eine Blume — so ist das Kind.
In Liebe diese Menschenblume nun zu pflegen, bis sie allein den Stürmen des Erlebens standzuhalten fähig ist, das ist die Aufgabe und heilige Pflicht einer Mutter.
Nur eine Mutter, welche mit Selbsthingebung dieses hohe Amt erfüllt, gibt guten Boden für die Blume. Es liegt in unseres Schöpfers weisheitsvollem Willen, wo und wann eine Menschenblume in das Erdenleben tritt.
Auf Schicksalswegen, wozu die Mutter oder auch der Vater und nicht zuletzt er selbst die Fäden einstens spannten und knüpften, kommt so ein neuer Erdenmensch zu uns.
So, wie ein Veilchen immer nur im Schatten und immer schon im Frühling zum Knospen und zur Blüte kommt, während andere Blumen mehr die Sonne notwendig haben, so sind auch dem Menschen genau der Ort und Tag und Zeit bestimmt.
Das Elternhaus mit rechten Eltern ist der gesunde und der feste Grund für ein junges Menschenkind.
So ist es von Natur und “Gott” gewollt.
Verpflanzt man eine Blume - vielleicht aus dem Grunde, weil in der Nähe niemand weilt, sie richtig zu betreuen - dann gibt man sorglich einen Teil der guten Muttererde, worin sie wurzelt, mit zu dem neuen Platz.
Ebenso notwendig ist einem Menschen der gesunde Mutterboden - die rechten Eltern und das Elternhaus.
Ist aber der Boden einer Blume, aus dem die Wurzel ihre Nahrung zieht, krank, so wird sorgsam jedes Körnchen der kranken Erde beseitigt, um dann ganz besonders liebevoll diese Blume einer neuen Erde anzuvertrauen.
Dies Beispiel der Natur kann uns sagen, in welch großem Maße wir Frauen und Mädchen Liebe zu säen Gelegenheit haben,
Wer Liebe säet, wird Liebe ernten!, sagte einst schon Christus.
Nun ist heute leider alles falsch und sehr verworren. Naturverbundenheit besteht nicht mehr. Schon lange ist es her, da die Menschen noch im rechten Einklang und unverbildet in der Schöpfung standen. Tiefes und ernstes Beobachten zeigt uns heute oft ein gar zu trauriges Bild.
Wohl gab es eine Zeit, in der nur lichte Fäden Kind und Eltern verbanden. Glückseliges und harmonisches Leben herrschte da.
Doch durch die Verbogenheit des irregeführten Verstandes knüpften Eltern und Kinder dunkle Fäden, wodurch sie sich aneinander ketteten, die wieder auf dieser Erde zu lösen sie gezwungen sind. Zu ihrem Heil gezwungen sind, weil ohne solche Lösung das Leben aller Beteiligten keinen Fortschritt keinen Aufstieg nehmen kann.
Deshalb ist es falsch, wenn Eltern aus Bequemlichkeit heraus ihre Kinder in andere Hände geben. Dadurch lösen sie nichts, denn sie erkennen nicht die gegenseitige Schuld, die sie in früheren Erdenleben auf sich luden, erkennen nicht, daß sie schöpfungsgesetzmäßig wieder zusammengeführt wurden, sondern binden sich durch die Entziehung von ihren Pflichten von Neuem, indem sie noch den Kindern den Weg der Befreiung abschneiden. Die Eltern sollen an den Kindern, die Kinder an den Eltern reifen.
Darum, Ihr Eltern, mühet Euch, Euren Kindern den rechten und gesunden Boden zu geben.
In Erziehungsanstalten und dergleichen sollten deshalb auch nur Kinder weilen, denen die Eltern durch den Tod genommen wurden oder sie sollen für solche Fälle da sein, wo der Mutterboden krank ist und darum den Eltern die Kinder entzogen werden mußten.
Liebe, Licht und Leben diesen jungen Menschenblumen dann zu geben, das ist ein Beruf, welcher große Regsamkeit und Wachsamkeit erfordert.
Vergleichen wir einen jungen Menschen ruhig mit einer Pflanze.
Der Gärtner muß, wenn sie gedeihen soll, wissen, was diese Pflanze bedarf, ob viel oder wenig Sonne oder ob vielleicht sogar der Schatten für sie besser ist.
Schauen wir uns nur um, lernen wir an der Natur. Haben die Blumen in ihrer großen Verschiedenheit nicht ihren ganz bestimmten Platz von “Gott” erhalten?
Die Eine liebt die Frühlingssonne, zarte, linde Lüfte; jene heiße Sommertage, Gewitterregen; andere ziehen den Herbst in seiner herben Frische vor.
Auch wo sie blühen ist nicht von ungefähr, ob im Feld, im Wald, im Tal, an Seen oder auf schneebedeckten, kalten Bergeshöhen. In ihrer großen Verschiedenheit wirken die Blumen wohltuend auf uns.
Bei uns Menschen sollte es nicht anders sein. Unsere Verschiedenheit in der Veranlagung des Könnens, die Keime unserer verschiedenartigsten Befähigungen stammen aus der reinen Schöpfungsharmonie und sollen - zur Entwickelung gebracht — sie widerspiegeln zur Ehre des Schöpfers.
Nicht viel beachten, aber beobachten! Ergründen müssen Eltern und Erzieher, was dem jungen Menschen fehlt, was er ablegen muß; in ihn hineinhorchen müssen sie, um zu empfinden, was innerlich zur Entwickelung drängt und nach außen zur Betätigung und Wirkung kommen will.
Sehr, sehr viel können wir dazu der Natur entnehmen; lauschen darin, Pflanzen und Tiere beobachten führt zu manchem Erleben
Sehet das Tier, wie es seine Jungen hegt und pflegt, sie schützt und verteidigt, später lehrt und belehrt; wie die Jungen das Tun der Alten nachahmen; wie die Alten die Jungen zur Selbständigkeit erziehen und manchmal auch energisch abweisen, wenn so ein Mutterkind sich schlecht trennen kann.
Frauen, denen Kinder nicht gegeben sind und Mädchen, die keine Ehe eingehen, Euch erwartet eine Aufgabe, ebenso heilig und verantwortungsvoll wie die einer leiblichen Mutter.
Mutter zu sein von Kindern, welche kein Elternhaus haben, ist die Krone aller Berufungen. Hohe Geisteswerte werden - dazu verlangt. Überirdische Kraft steht zur Erfüllung zur Verfügung. Ein seliges Geben und Nehmen.
Reine Liebe ist es, die Euch zu diesem heiligen Berufe führt! Unsagbar viel löst Ihr durch Eure Liebe zu diesen sonst Schutzlosen.
Abgeschiedene Seelen liebender und sorgender Mütter sind Eure Helfer und Führer, sie ebnen Euch den Weg in Eure lichte Heimat und jubelnd geben Kinderseelen Euch das Geleit beim Hinübergehen in lichtere Gefilde.
Gebt Glück und Frieden diesen jungen, mutterlosen Seelen, auch Ihr werdet dann von Seelenfrieden umgeben sein.
Eltern, Lehrer und Erzieher, reicht Euch in freudigem Erkennen Eurer großen Aufgabe die Hände, um nach den Gesetzen, welche der Herr in seiner großen Liebe uns nochmals zeigte und erklärte, neu zu gestalten alles, damit es endlich Frieden werde.
Eltern haben in erster Linie Pflichten an den Kindern zu erfüllen und diese Pflichten bergen dann die Pflichten der Kinder den Eltern gegenüber in sich.
An zweiter Stelle kommt der Lehrer und die Schule, welche den Verstand erzieht. Das Elternhaus ist der Hort, der dem Menschengeiste durch weise Vorsehung zur Inkarnierung hier auf Erden gegeben wurde.
In vieler Hinsicht ist eine Trennung zwischen Elternhaus und Schule schon angebracht, aber eine Kluft darf es deshalb nicht geben, denn dadurch würden die jungen Seelen haltlos werden.
Alles, was auf solche Weise an den Kinderseelen verschuldet wird, kommt auf Euch zurück, Ihr Eltern und Erzieher. Ihr bindet Euch damit an diese Erde. Seid auf der Hut, da zu der Ablösung die Zeit Euch fehlen könnte.
Es muß so sein, daß der Lehrer nur mit großer Hochachtung von den Eltern sprechen kann, das gibt dem Kinde die gebührende Achtung vor dem Lehrer, wie auch im umgekehrten Falle die Eltern nur in Liebe von dem Lehrer reden können, welcher den Kindern Wissen zukommen läßt, damit sie in der Welt irdisch und geistig weiter kommen.
Hat ein Lehrer oder Erzieher die Gnade, den Kindern vom wahren Schöpfungswissen zu verkünden, dann wird er, wenn er die Gnade wirklich erkannt hat, in wahrer Demut dieses Wissen den Kindern vorleben. Dieses Vorleben oder Vorbild ist notwendig und darin zeigt der Erzieher seine größten Werte.
Voll lebendig wird ein solches Vorbild erst in den Kindern werden, wenn der Geist in den jungen Seelen erwacht. Dieses Vorbild ist die stärkste Stütze für die Kinder im späteren Leben.
Leuchtend Vorbild zu sein, ist deshalb die Aufgabe jedes Lehrers und Erziehers.
An den Kindern, welche ein getreues Spiegelbild der Erziehung wiedergeben, zeigt sich der Umgebung, welche Geisteswerte Eltern und Lehrer zu vergeben haben.
Wie unendlich viel kann eine Mutter ihren Kindern geben, wenn sie in rechter Art ihre Aufgabe in der Schöpfung zu erfüllen gewillt ist.
Eine Mutter lege vor allen Dingen jede Eitelkeit und Koketterie ab; denn entweder wird das Kind der Mutter Tun unschön finden und eine Abneigung gegen sie empfinden oder, was nach dem Gesetz der Anziehung der gleichen Art wahrscheinlicher ist, die Eitelkeit und Koketterie annehmen.
Mütter, seid Euch bewußt, daß Ihr in jedem Wort und in jeder Bewegung Euren Kindern etwas geben oder auch ihnen damit z u m Verderben sein könnt. Die Selbstentschuldigung, sich bei dem leichtfertigen Sprechen oder Handeln nichts gedacht zu haben, muß fallen. Wir Frauen müssen echt werden in jeder Beziehung!
Geh aus, mein Herz,
und suche Freud!
Von Charlotte von Troeltsch.
Geh aus, mein Herz, und suche Freud’ in dieser lieben Sommerszeit an Deines Gottes Gaben! So haben wir in unserer Jugend oftmals gesungen, voll Begeisterung, wenn die Sonne vom blauen Himmel lachte und die Wiesen voll Blüten standen. Es war so recht ein Ferienlied! Alle Verse mußten gesungen werden, und wir sind froh geworden über dem Singen. Die Augen gingen uns auf für die Wunder, die Gottes allmächtige Hand in das gelegt hat, was wir Natur nennen, und an dem wir meist so achtlos vorübergehen.
Wer singt diese Verse heute noch? Vielleicht werden sie hier und da in der Schule geübt, aber gedankenlos, wie etwas, das eben abgetan werden muß. Das Lied ist altmodisch geworden.
Wer wollte auch ausziehen, die Freude zu suchen? Zerstreuung sucht man und Ablenkung, Unterhaltung und Glück: was eben der Mensch von heute unter Glück versteht: Reichtum, Anerkennung, Einfluß und wie das alles heißt, das man mit heißem Bemühen für sich zu erringen sucht.
Das ist freilich nicht in der Natur zu finden, die sich keusch dem verschließt, der mit begehrlichen Augen in sie schauen möchte.
Wer auf die Berge steigt, um als Bergbezwinger zu gelten, der wird als Lohn für seine Anstrengungen höchstens ein wenig vergänglichen Ruhm davontragen. Er hat weder Zeit noch Sinn, die unvergänglichen Schönheiten, die Zeugen von Gottes Schöpferkraft zu schauen. Auch wer in gesellig schwatzendem Trupp dahinzieht, um die Aussicht zu genießen, wird durch Freude nicht belohnt werden.
Wahre Freude quillt nur in dem empor, ganz von innen heraus, der schweigend seines Weges geht, offenen Auges um sich schaut und dankbar Gottes allmächtige Hand ringsum erkennt. Ihm wird es dann gegeben werden, die Natur zu belauschen in ihrem frohen Leben und ihrem wunderbaren Anpassen an die großen und kleinen Gesetze Gottes, die In allem zu finden sind. Das schafft wahrhafte Freude
Aber das wollen die Menschen gar nicht mehr. Sie fragen ja nicht nach Gott, sie kümmern sich nicht um seine Gesetze. Wohl interessieren sie die Geheimnisse der Natur, aber um anderer Zwecke willen. Sie suchen sie ihr zu entreißen, um sie sich dienstbar zu machen.
Törichte Menschen, die Ihr glaubt, jemals in die Gedanken Gottes, die er in die Natur legte, eindringen zu können! Ihr sprecht von Naturkräften, die Ihr Euch erobert habt. Schauet zurück in die alten Kulturen: da werdet ihr finden, daß die Völker, auf die herabzuschauen Ihr Euch gewöhnt habt, viel natürlicher und darum besser sich diese gleichen Kräfte nutzbar machten.
Ihr verwendet das, was die Natur Euch bietet, um Euch dadurch der Natur nur immer mehr zu entfremden!
In den Schulen lernen die Kinder Tiere und Pflanzen, ja wohl auch Steine zu zergliedern, nach Klassen einzuordnen und ihre Merkmale trefflich zu bestimmen. Und was haben sie davon für ihr Leben? Bringt ihnen diese Beschäftigung Freude? Kennen sie die Pflanzen so, daß sie ihre Namen wissen, wenn sie ihnen draußen im Freien begegnen? Wissen sie einen einzigen Vogel nach seinem Ruf zu bestimmen?
Wendet nicht ein, daß die Ausflügler, die Sonntags in Scharen hinaus ziehen, ihre Freude an der Natur dadurch beweisen, daß sie mit großen, bunten Sträußen heimkehren. Gerade damit zeigt Ihr ja, daß Ihr keine Ahnung habt, was Freude an der Natur ist, daß Ihr den Sinn für wahre Schönheit verloren habt. Wie sehen diese Sträuße oft aus! Verwelkt, zerdrückt sind die zarten Pflanzen, die sich kaum mehr erholen können. Wie wenig Menschen gibt es, die die Stengel sorglich mit feuchtem Moos umhüllen, die den Strauß anknoten, statt ihn in der warmen Hand nach Hause zu tragen.
Warum müssen die Sträuße so groß sein? Sind nicht einige wenige Stiele, zierlich geordnet, viel erfreulicher als die Ansammlung von Blumen, die eine der anderen Luft und Licht nehmen, bei denen keine einzige zur Geltung kommt? Meist wird auch gar nicht daran gedacht, daß die Pflanze an vielen Stellen ausgerottet wird, wenn alle Blüten ihrer Art abgerauft werden.
Wieviel Freude entgeht den Menschen, die es nicht verstehen, offenen Auges sich hebend in das Leben und Wesen der Tiere zu versenken!
Seht dieses alte Mäuerchen im Sonnenschein! Steht still und harret dessen, was sich zeigen wird. Ihr dürft aber nicht Euren Schatten darauf fallen lassen, sonst kommt nichts! Jetzt! Aufgepaßt!
Zwischen verwitterten Steinen streckt sich vorsichtig ein Köpfchen hervor. Schwarze Augen mit einem Goldpunkt in der Mitte lugen umher. Bezwingt Euch und steht ganz still. Nun folgt ein Pfötchen, rund und gedrungen wie eine Kinderhand. Ein zweites wird herausgestreckt und nun geht es blitzschnell: mit graziösem Schwung huscht der Salamander vollends aus der Spalte. Er ist hübsch. Seine leuchtend roten oder gelben Flecken zieren den schwarzen Körper und helfen ihm, sich unter dem Laub zu verbergen, durch das er anmutig gleitet.
Es eilt ihm aber gar nicht damit. Wenn er sicher ist, daß Ihr ihm nichts tun wollt, bleibt er geruhsam in den Sonnenstrahlen sitzen, streckt von Zeit zu Zeit ein geschwindes Zünglein heraus, dehnt sich und zeigt Euch, wie man sich's wohl sein lassen kann.
Dieses Beobachten macht Freude. Man fühlt sich ein wenig mehr verbunden mit den uns umgebenden Geschöpfen, mögen es nun Eidechsen, Grillen oder Bachstelzen, eine emsig webende Kreuzspinne oder sich haschende Schmetterlinge sein.
Stumm und still muß man schauen, so wird sich ein Stückchen Leben erschließen. Wunder Gottes werden sich zeigen, die, wenn wir sie recht betrachten, uns zur Anbetung zwingen.
Und Märchen werden in uns erwachen, Märchen, die wir in der Kindheit vernommen von Elfen und Zwergen, von Nixen und Necken. Ist es nicht, wenn wir so still und aufmerksam dahinschreiten, als würde es lebendig um uns? Sollte es nicht doch Wahrheit sein, daß die freundlichen, frohen Geisterlein uns umspielen, daß sie arbeiten und für Blumen und Tiere sorgen?
Freude wollen auch diese Gedanken uns bringen, die uns an das frohbewegte Leben in der Natur erinnern, und Freude tut allen Menschen not.
Unsere Zeit hat es verlernt, was wahre Freude ist, Sie sucht das Rauschende, Lärmende, und wenn sie wirklich in die Stille geht, so verfällt sie in Grübeln und Sorgen, in Hadern mit dem Geschick, das sie doch sich selbst gewoben hat!
Geh aus, mein Herz, und suche Freud' an Deines Gottes Gaben!
Rettung! Erlösung! Von Abd-ru-shin.
Rettung! Erlösung! Wie oft haben Menschen sich von diesen Worten schon ein falsches Bild gemacht, wenn sie bedingungslose Hilfe aus dem Lichte darin sehen wollten unter Ausschluß der allheiligen Gerechtigkeit! Es liegt darin vollständige Verirrung, die sich heute schon in allem zeigt, was Menschensinn erdenkt. Sie wollen Gott zu Ihrem hilfsbereiten Sklaven machen, der nur für das Wohl der kleinen Erdenmenschen zugelassen werden soll.
Fragt Euch nur selbst einmal darüber, ohne Selbstbeschönigung beleuchtet Euere Gedanken, blickt sachlich klar bis auf den Grund, dann werdet Ihr bekennen müssen, daß das ganze Denken niemals anders eingestellt gewesen ist, als daß Euch Gott. auf Euer Bitten hin stets dienend helfen soll, um Euer Wünschen zu erfüllen.
Gewiß, Ihr nennt es nicht mit der Bezeichnung, welche der Art Eures Wesens nahekommen würde, sondern Ihr umschreibt wie Immer Euer falsches Wollen, legt Euch Mäntelchen der vorgetäuschten Demut um und sprecht nur vom „Gewähren“ anstatt Dienen, doch das ändert nichts daran, daß Euer ganzes Tun sogar bei dem Gebet vom Übel ist und nicht Gott wohlgefällig!
Seid endlich einmal wahr gegen Euch selbst und zittert beim Erkennen dessen, wie Ihr bisher stets vor Eurem Gotte standet, eigenwillig, anmaßend und unzufrieden, heuchlerisch aus Oberflächlichkeit heraus, in Not und Leid nur an ihn denkend, damit er Euch helfe aus den Folgen Eures Tuns, bei dem Ihr vorher niemals darnach fragtet, ob auch Euere Entschlüsse in dem Rahmen seines Wollens liegen.
Was seid Ihr Menschen vor der Allmacht und Erhabenheit des Herrn, den Ihr so für Euch walten lassen wollt, wie es Euch wohlgefällt. Mit welcher Dünkelhaftigkeit wollt Ihr hier auf der Erde die Gesetze durchzwingen, die Eurer kleinen Denkungsart entstammen und die nicht im Einklang stehen mit den göttlichen Gesetzen, die er in die Schöpfung legte. Ihr führet so oft Euer falsches Wollen mit einer vor Gott unverantwortlichen Klügelei und argen Denkungsweise durch, Eure Nächsten damit schädigend, um selbst Vorteile zu erhalten, sei es in Geld und Gut, oder an Ansehen bei denen, für die Ihr es tut.
Nun wird sich alles das schwer auf Euch wälzen mit Bergeslast; denn nichts von allem Euren falschen Tun konnte in dem Gesetz der Wechselwirkung aufgehoben werden als gelöst, es sei denn, daß Ihr selbst Euch davon löstet durch die Änderung in Eurem Wollen zu dem Guten.
Die den Sturz der aufgehäuften Massen der Vergeltung noch hemmenden Hindernisse werden weggerissen! Unaufhaltsam wälzt sich alles auf die Erdenmenschheit nieder, die in Geistesträgheit und in Dünkelhaftigkeit verharren will, um ihren Willen durchzusetzen, der sich weit vom Gotteswillen lange schon entfernte.
Das aber ist das Ende für die Herrschaft alles Dunkels auf der Erde! Sie bricht zusammen und reißt alle Menschen mit sich, die sich ihr gesellten.
Aber mitten durch krachendes Tosen der Zusammenbrüche schwingt das Wort! Sieghaft zieht es durch die Lande, damit sich noch retten kann, wer sich ehrlich darum bemüht.
Darin ruht die Bedingung, daß ein jeder Mensch sich selbst zu mühen hat, das Wort des Herrn als Rettung zu erkennen! Läßt er zweifelnd diese letzte Möglichkeit an sich vorüberziehen, ohne sie mit aller Kraft zu nützen, kommt er nie mehr in die Lage und der Augenblick ist für ihn ewiglich verloren, daß er in ihm die Erlösung findet.
Rettung, Erlösung wird ihm einzig in dem Wort, das er aufnehmen muß, um darnach lebend sich zu lösen von den Banden, die ihn niederhalten in Verkennung und Verbiegung der tatsächlichen Begriffe.
Am schlimmsten wurdet Ihr vergiftet und gefährdet durch die falsche Darstellung der Gottesliebe, die Ihr aller Frische, aller Kraft und Klarheit zu entkleiden suchtet und sie dafür mit der ungesunden Weichlichkeit und schadenbringender Nachgiebigkeit umhülltet, was Euch allesamt in Geistesträgheit und damit in das Verderben stürzen mußte.
Hütet Euch vor der verderbenbringenden Verbiegung des Begriffes der Heiligen Gottesliebe! Ihr fallt damit in einen anfangs angenehmen Schlummer, der zum Todesschlafe wird.
In Nachgiebigkeit und alles verzeihensollenden Güte liegt keine wahre Liebe, sondern es ist dieses Falsche wie ein Rauschgift, das die Geister nur in Müdigkeit einwiegt und schwächt, zuletzt die vollkommene Lähmung bringt und den ewigen Tod erzwingt, da ein Erwachen noch zu rechter Zeit dabei nicht möglich ist.
Nur scharfe Kühle der göttlichen Reinheit kann die Müdigkeit durchdringen und der wahren Liebe den Weg bahnen, der zu Euren Geistern führt. Reinheit ist scharf, sie kennt keine Beschönigungen, aber auch nicht Entschuldigungen. Deshalb wird sie wohl manchem Menschen, der sich selbst nur zu gern etwas vorzutäuschen sucht, als rücksichtslos erscheinen müssen. Aber sie verletzt in Wirklichkeit nur dort, wo etwas nicht in Ordnung ist.
Weichlichkeit bringt Schaden, Euch selber und auch denen, denen Ihr damit gefällig zu sein glaubt. Ihr werdet einst von einem Höheren gerichtet in einer Art Gerechtigkeit, welche Euch fremd geworden ist seit Langem durch Euch selbst; denn Ihr habt Euch davon entfernt.
Es ist die Gottgerechtigkeit, unwandelbar von Ewigkeit zu Ewigkeit, und unabhängig von der Menschen Meinung, frei von Ihrer Gunst, von ihrem Haß und ihrer Bosheit, ihrer Macht. Sie ist allmächtig; denn sie ist von Gott!
Wenn Ihr nicht alle Kraft aufwendet, Euch zu lösen von dem Alten, werdet Ihr diese Gerechtigkeit auch nicht verstehen lernen. Ihr vermögt dann aber auch nicht in Euch neu zu werden! Und nur der neue Mensch, der in dem Wort des Lebens steht und nach dem Lichte strebt, erhält die Hilfen, die er nötig hat, um durch ein Gottgericht zu gehen.
Es muß der Mensch sich helfen durch das Wort, das ihm die Wege zeigt, die er zu gehen hat! Nur so kann er Erlösung finden, sonst wird sie ihm nicht zu teil! Er muß erstarken in dem Kampfe, den er für sich selber führt, oder er muß darin untergehen!
Erwacht und stellt Euch kämpfend gegen alles Dunkel, dann wird Euch auch helfende Kraft zuteil. Den Schwächlingen aber geht alles noch verloren, was sie an Kraft besitzen, da sie diese nicht richtig zu verwenden wissen. Es wird ihnen damit das Wenige ihres Besitzes noch genommen, weil es in dem Gesetz der Anziehung der gleichen Art zu denen fließt, welche die Kraft in Eifer und der rechten Art verwenden. Damit erfüllet sich ein Wort uralter Verheißungen.
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Einsendungen aus dem Leserkreise:
1. Künstlertum.
Von Lothar Giesert.
Es gibt viele Menschen, welche ihre Nebenmenschen, die sich auf dem Gebiete der Kunst betätigen, nicht für voll ansehen, die spöttisch lächelnd von brotloser Kunst sprechen und meinen, es gäbe Dinge, die nützlicher wären für den sogenannten Daseinskampf.
Ihnen gegenüber steht die große Menge derer, die ein Kunstverständnis zu besitzen glauben, da sie sich vielleicht einmal mit Kunstgeschichte beschäftigten oder weil sie sich auf irgendeinem Gebiete der Kunst versucht und dabei eine gewisse Fertigkeit entwickelt haben. Sie alle kommen selten zum Erleben wahrer Kunst.
Ob sie nun in einem schönen Dome stehen und seinen kühnen Bau und seine Architektur bewundern oder ob sie beim Hören eines Musikwerkes sich mit Wohlbehagen dem Genusse der Töne hingeben, es gleitet alles ab an der Vertandesmauer, die sie um sich bauten, denn zu einem Erleben, das zum Geiste spricht, wird nie etwas in ihnen. So arm sind sie, daß sie von Gefühlsduselei reden, wenn wirklich einmal etwas in ihnen zum Erleben kommen will.
Zu gut ist dies alles nur verständlich, denn wahre Kunst kommt allein vom Geiste und spricht daher auch nur zum Geiste. Zum Geiste, den sie in sich schlafen lassen.
Wenn es der Menschen höchstes Ziel ist, die Gesetze Gottes in der Schöpfung zu erkennen, nach ihnen zu leben und dem Lichte zuzustreben, dann gibt es für die Kunst nur eines: Wegweiser zu sein in die lichten Gärten, die die Menschen Heimat nennen dürfen. Und wie in jenen Höhen Schönheit herrscht in Vollkommenheit, so ist wahre Kunst von Schönheit nicht zu trennen. Vermitteln soll sie die Schönheit jener Reiche und damit die Lichtsehnsucht in den Menschen wecken und fördern. Das ganz allein ist Endzweck jeder Kunst, und wo sie diesen nicht erfüllt, dort hat sie ihren Sinn verfehlt.
Wie groß ist daher die Verantwortung eines Menschen, der sich Künstler nennt und auch wie schön ist es, auf diese Weise Helfer an der Menschheit sein zu dürfen!
Zwei Fähigkeiten sind es, die einen Menschen zum Künstler machen. Zuerst die Fähigkeit des Empfangenkönnens aus den. lichten Höhen und dann die Fähigkeit, es in irgendeiner Form auch wiedergeben zu können.
Am klarsten wird dies auf dem Gebiet der Musik.
An erster Stelle steht der von oben empfangende Musiker, der, wenn er das Empfangene schriftlich niederlegt, zum Komponisten wird. Die Komposition wird jedoch zur Improvisation, wenn er das Empfangene im gleichen Augenblick in Töne umsetzt. Dabei bedeutet natürlich das Improvisieren ein noch erhöhteres Geöffnetsein als das Komponieren, da die. Improvisation bereits die Reife haben muß, welche die Komposition erst in längerer Arbeit zu erreichen braucht.
Dem empfangenden Musiker steht der ausübende Musiker zur Seite. Dieser aber wird erst dann zum Künstler, wenn er bei der Wiedergabe das vom Komponisten Empfangene voll erlebt. Er schwingt dann in dem gleichen Rhythmus wie dieser und sein geistiges Erleben nähert sich auf der vorgezeichneten Bahn dem des Komponisten. Damit wird auch der ausführende Musiker zum Künstler, denn er vermag zu empfangen und auch wiederzugeben. Kommt jedoch in ihm das empfangene Werk nicht zum Erleben, so bleibt auch die Wiedergabe empfindungsleer und er bleibt nichts als ein mit dem Verstande oder dem Gefühle wirkender Techniker.
Da der Menschheit der Maßstab der reinen Empfindung verloren ging, hat sie auch nicht mehr die Fähigkeit festzustellen, ob ein Mensch ein wirklicher Künstler oder nur ein glänzender Techniker ist, das heißt, ob er aus geistigen Höhen empfängt und dieses wiedergibt oder ob er das geistige Empfangen durch verstandesmäßiges Erfassen ersetzt
Dadurch allein konnte es zu dem überall sichtbaren Niedergang der Kunst kommen.
Besonders drückt sich dieses auch auf dem Gebiete der Baukunst aus. Der Baukünstler, der von oben empfangen — der Architekt sein sollte, entwickelte sich immer mehr nach der verstandesmäßigen Seite hin. Anstatt die Schönheit lichter Höhen zu vermitteln, lebte er nur noch in Formeln und Tabellen und wurde somit zum Bauingenieur.
Das Verhältnis zwischen Architekt und Bauingenieur sollte ein gleiches sein, wie das zwischen dem Komponisten und' dem ausführenden Musiker. Der eine empfangender Teil, der andere ausführender.
Bezeichnet man den ausführenden Musiker als ,den Interpreten des Komponisten, so kann man auch ebenso den Bauingenieur den Interpreten des Architekten nennen. Im Erleben wird auch dann der Bauingenieur zum ausführenden, Künstler.
So, wie der Komponist die Fähigkeit nicht zu besitzen braucht, sein niedergelegtes Werk auch auszuführen, so braucht auch der Architekt nicht die Fähigkeit zu besitzen, seine Entwürfe selbst in die Wirklichkeit umzusetzen. Dies ist Sache des Bauingenieurs.
Wie der Komponist die Grundlagen zu einer möglichst reinen Wiedergabe beherrschen lernen muß, so muß es auch der Architekt. Zeichnen und Malen sind dazu seine wichtigsten Grundlagen. Sie sind für ihn Mittel und Zweck. Da seine Tätigkeit im Formenschaffen liegt, ergibt sich fast zwangsläufig, daß er auch ein guter Bildhauer sein muß. Ein Architekt, der diesen Anforderungen nicht genügt, ist wie ein Komponist, der die Notensprache nicht beherrscht.
Nicht umsonst haben die Architekten, die noch etwas von wahrem Künstlertume in sich tragen, von ihren Berufskollegen, deren Fähigkeiten sich mit Reisschiene und Zirkel erschöpfen, das Wort „Reisschienen-akrobaten” geprägt.
Die Verbogenheit der heutigen Begriffe ist so groß geworden, daß man sich einen Architekten, der nicht auch zugleich Bauausführender ist, kaum denken kann. Wohin es jedoch führte, daß der Architekt sein Künstiertum zugunsten der Ausführungstechnik opferte, zeigt das Bauen in den letzten Jahrzehnten nur allzu deutlich.
Ziehen wir als ein drittes Beispiel die Dichtkunst heran, so ist es sehr einleuchtend, daß der Empfangende nicht auch der Ausführende oder Wiedergebende sein muß oder sein kann.
Ein Verfasser von Bühnenwerken etwa wird gar nicht den Drang in sich haben, selbst Mitwirkender in dem von ihm empfangenen Werke sein zu wollen, ja, er wird auch gar nicht die Fähigkeit dazu in sich haben wie jener Ausführende, der Schauspieler, dem die Fähigkeit der Wiedergabe gegeben ist.
Auch bei der Dichtkunst wird der Ausführende, der Vortragende, der Schauspieler, durch die Stärke des Erlebens und damit Empfangens zum Künstler.
Wir erkennen allmählich eine große Linie, die sich durch das ganze Gebiet der Kunst zieht und die ein Ausdruck eines großen Schöpfungsgesetzes ist.
Auf der einen Seite steht der von oben empfangende Teil, auf der anderen der nach unten wirkende, ausführende. Beide müssen Hand in Hand wirken, doch keiner darf in das Wirkungsfeld des anderen eingreifen. Der Empfangende, der sich um die Ausführung oder Wiedergabe kümmert, würde seine. Fähigkeit ebenso trüben wie der Ausübende, der sich um die Art des Empfangens kümmert.
Wenn es nun auch Gebiete der Kunst gibt, bei denen das nicht in dieser Weise zutrifft, so liegt darin kein Widerspruch, sondern es offenbart sich nur eine andere Gesetzmäßigkeit.
Die Tätigkeit der. Wiedergabe oder Ausführung kann auch als ein Übersetzen in die Wirklichkeit oder als Vergrobstofflichung bezeichnen. Je näher sich nun die Ebene des Empfangenen und die der Vergrobstofflichung liegen, je kürzer also der Weg ist, desto weniger sind zwei
getrennt wirkende Teile nötig. Es ergibt sich sogar die Notwendigkeit, daß Empfang und Ausführung in einer Hand liegen müssen.
Liegen gar Empfang und Ausführung in einer Ebene, so ist überhaupt nur das Wirken einer Person, eines Künstlers, möglich.
Außerdem gibt es aber noch Gebiete, bei denen die Wiedergabe des empfangenden Künstlers bereits schon so weit mit den Sinnen des Erdenkörpers erfaßbar ist, daß sich die weitere Vergrobstofflichung durch einen ausführenden Künstler erübrigt Für alles das gibt es der Beispiele so viele, daß man gar nicht alle Einzelheiten anführen kann. Es sei dabei nur an Malerei, Plastik oder auch die Tanzkunst erinnert.
Zusammenfassend können wir jetzt erkennen, daß künstlerisches Schaffen nichts anderes bedeutet als Erleben zu gestalten. Allein in diesem Schaffen, in diesem Erleben, lebt der Künstler. Das bereits geschaffene Werk soll ihn nicht mehr kümmern, er darf sich nicht daran ergötzen und Bewunderung heischend damit Ehre einlegen wollen. Er hindert sich sonst am weiteren Erleben, das bereits eine Stufe höher sein soll, und vergißt dabei eines: Die Demut vor dem Schöpfer. Denn nur in wahrem, demütigen Sichöffnen werden ihm von seinem Schöpfer die Gaben geschenkt, die er in seinem Wirken nützen darf. Ein Lehen sind sie, das er treu verwalten muß.
In Reinheit des Erlebens und wahrer Demut darf der Künstler Helfer sein der Menschheit auf ihrem Wege zum Lichte der Wahrheit Dabei vergesse er nie, daß er mit seinem Leben zuerst in den heiligen Gesetzen des Schöpfers schwingen muß, daß er zuerst den Weg zum Lichte der Wahrheit finden und auch gehen muß, denn wenn er Reines geben will, muß er sich mühen, rein zu sein!
2. Der aus Gewohnheit gewordene Fehler.
Von Fritz Löbe
Eine merkwürdige Gewohnheit, die zu einem Grundübel für vieles sich verdichtete, haben die Erdenmenschen sich angeeignet: Sobald sie irgendwie und irgendwo etwas lesen, hören oder sehen, fühlen sie sich auch schon berechtigt, sofort nach Fehlern zu suchen in dem, was der Nebenmensch geschrieben, gesprochen oder gestaltet hat.
Diese unangenehme Eigenschaft, die aus Gewohnheit sich entwickelte, ist so stark in ihrer Seele verwurzelt, daß sie fast alles wie ein wucherndes Unkraut überdeckt. Ganz arg wird es aber, wenn es sich um etwas handelt, das nach ihrer Ansicht „in ihr Fach schlägt”.
Wie oft wurde hierbei Kritik nach und nach zu dem Übel des erst hinterhältigen, dann öffentlichen Angriffes gegen das Neue, wenn es Ewigkeitswerte für die Menschen bringen wollte. In solchen Fällen richtet sich der Angriff sonderbarer Weise vorwiegend gegen die Bringer des Neuen selbst. Das traurige Los des Gottessohnes Jesus und anderer Wahrheitsbringer bezeugt und beweist genügend diese Tatsache.
Was ist aber die Ursache all dieser abfälligen Bemerkungen und Bekämpfungen mit Vernichtungs-vorgehen? Im tiefsten Grunde nichts anderes als aus mit Eitelkeit vermischtem Unwissen erstandene falsche Logik. Deshalb ist schon der Ausgangspunkt für die Stellungnahme falsch; denn auf falschem Grund kann nur ein falsches Urteil erstehen. Dieser als Ausgangspunkt falsche Grund ist der aus Unwissen und Eitelkeit geborene und zur Gewohnheit gewordene und daher unbeachtet bleibende Fehler!
Dieser Fehler kann in ungemein vielseitiger Art von Eitelkeit und anderem auftreten. Er kann bestehen in Geltungsbedürfnis, in Besserwissen - oder Besserkönnenwollen, in Konkurrenzneid mit Geldgier, in Oberflächlichkeit, in Herrschsucht, Machtbestreben, Ruhmsucht, Ehrgeiz, Dünkel, oder auch im Verdeckenwollen eigener ungenügender Leistungen, in angelerntem Dogma, heuchlerischem, geistesträgen Nachgeplapper, in Schmei-cheleien, im Erkennen eigener bestimmter Schwächen, auch in Angst, Furcht oder Haß und noch so vielen anderen Übeln. Immer aber ist eine eigensüchtige Berechnung dabei, mehr oder weniger versteckt.
Wer genau zu folgen vermag, wird zugeben müssen, daß zum Beispiel jede fortschreitende Gotterkenntnis nichts anderes ist als ein logisches Weiterführen in gewonnener Erkenntnis, was unaufdringlich die Beleuchtung bisher fehlerhafter und unvollständiger Anschauungen mit sich bringt. Ebenso ist jede sogenannte Erfindung — richtiger Findung - nichts anderes als ein fortgesetztes Aufdecken bisher fehlerhafter und unvollständiger technischer oder wissenschaftlicher Ansichten.
Beinahe lächerlich erscheint es, wenn nach jeder bekannt gewordenen fortschrittlichen Neuerung manchmal ein ganzes Heer von sich zur Wertprüfung berufen fühlenden Menschen eine Urteilsabgabe anmaßt.
Auf das Gehemmtwerden allen Fortschrittes durch den vorstehend beschriebenen, zur Gewohnheit und Eigenschaft gewordenen und bisher noch unbeachteten Fehler wurde seit Alters her niemand so recht aufmerk-sam.
Sehr deutlich zeigt sich dieser Fehler wieder bei Menschen, die das Lehrbuch „Im Lichte der Wahrheit” gelesen haben oder nur Teile davon, um dann in oberflächlicher Weise von „Religion” oder „Sektenlehre” zu sprechen. Deshalb sei an dieser Stelle einmal ein geeigneter Ausgangspunkt für die richtige Stellungnahme zu diesem herrlichen Lehrbuch über das Schöpfungswirken dargelegt.
Das Werk „Im Lichte der Wahrheit” bringt das Schöpfungswissen für alle Menschen. Es ist das erste wirkliche Lehrbuch zum Kennenlernen und Erkennenkönnen der Schöpfungsgesetze und deren selbsttätigen Wirken.
Wo aber von den Gesetzen der Schöpfung gesprochen wird, muß logischerweise auch vom Gesetzgeber, dem Schöpfer selbst, mit gesprochen werden. Deshalb ist es doch noch keine Religion, also keine Kirchenlehre noch eine Sektenlehre.
Wie alles Wissen stufenweise aufgebaut werden muß, so auch das Wissen über die Schöpfung. Dabei ist die Hauptsache, zuerst als sicheren Grund das richtige Verhältnis festzulegen, in welchem der Mensch zu seinem Gott steht. Nur von diesem Blickpunkte aus ist es möglich, eine sichere Ausgangsstufe dafür zu gewinnen, die Schöpfungsgesetze in ihrer Einfachheit überhaupt begreifen zu können.
Es ist genau so, als wenn ein Naturforscher in ein fremdes Land zieht, um das dort lebende fremde Volk und deren Sitten zu erforschen. Zuerst muß sich der Forscher, als sicherste Ausgangsstufe, ein Verhältnis, oder wie man allgemein sagt, eine „geeignete Plattform” schaffen, welche ein genaues Erkennen ermöglicht.
So enthält jedes richtige Lehrwerk eine solche Ausgangsstufe, von der aus die richtige Beurteilung mit einem sicheren Erkennenkönnen möglich ist. Das ganz allein ist eine geeignete Grundlage! Es ist wirklich nicht schwer, diese geeignete Grundlage in dem Schöpfungslehrbuche “Im Lichte der Wahrheit” sofort zu erkennen, zumal es in der Form einer Botschaft niedergeschrieben ist.
Wer diese richtige Grundlage erkennt, sieht auch den rechten Weg und das Ziel klar vor sich. Aus diesem Grunde spricht das Lehrbuch zuerst von dem nötigen Wissen des richtigen Verhältnisses des Menschengeistes zu seinem Gott. Das ist aber weder eine neue Religion noch Kirchen - oder Sektenlehre, wie es manche Menschen mit Ihrem zur Gewohnheit gewordenem Fehler oberflächlich bezeichnen, sondern es ist vorbereitende Einführung in das erweiterte Gotterkennen zum Wissendwerden über das Gotteswirken!
Etwas für kleine und große Kinder
Nahe ist die Stunde.
Von Susanne Schwartzkopff.
Über die einsamen, öden Berggipfel der hohen Anden steigt der Mond empor. Seine runde, goldrote Scheibe schiebt sich von Minute zu Minute höher über den Felsengrat. Schon treffen seine Strahlen die gegenüberliegenden Wände und erhellen sie mit fast tagheller Klarheit. Jeder Kiesel, jede Spalte ist deutlich zu erkennen.
Unirdisch weiß gießt er sein Licht über die kahlen Felsen, vertieft die Schatten zu pechschwarzer Finsternis und läßt den Sand aufglänzen.
Welche Einsamkeit! Kein Laut ist zu hören, nur ab und an rollt ein Stein zu Tal, rieselt ein wenig Sand in eine Spalte, huscht ein kleines Nachttier, aufgeschreckt durch wer weiß für eine Gefahr, davon. Wahrlich, wer hier wandern wollte, der müßte ein starkes Herz haben, ein reines Herz.
Aber was hätten Menschen hier zu suchen? Kaum daß sich einmal des Jägers Fuß in diese Höhe verirrt, um das scheue Wild zu jagen, das ihm Nahrung und Bekleidung geben muß. Sonst aber spielt sich das Leben der Menschen tief unten an den Hängen der Bergriesen und in den Tälern ab. Was hätten sie auch hier zu suchen? Erdrücken müßte sie die Majestät dieser Einsamkeit.
„Die Berggeister hüten die Berge, sie lassen niemand herauf”, so raunen sich die Roten zu.
Sie wissen es von ihren Ahnen, und von manch einem Unheil, das über allzu Waghalsige hereinbrach, können sie erzählen. Urplötzlich erheben sich die wilden Wetter, sie schmettern den Eindringling in den Abgrund, Felsenlawinen brechen herunter und begraben die Tollkühnen unter ihren Trümmern. Ja, die Hüter hüten ihre Berge gut!
Höher und höher steigt der Mond — hat er es heute besonders eilig? Es liegt etwas in der Luft, eine Ahnung von etwas Kommendem, Großem. Eisig weht es von den Schneehäuptern herab, hier oben ist es empfindlich kalt.
Plötzlich lassen sich fremde Laute hören, Laute, die diese Wildnis nicht kennt. Die Natur scheint den Atem anzuhalten und zu lauschen. Spähen nicht wachsame Blicke aus den Berggipfeln auf einen halsbrecherisch schmalen Pfad, der unheimlich nahe am Abgrund entlang führt?
Mühsam nur ist der sich um jede Windung des Berges schlängelnde Weg zu erkennen. In jede Felsspalte muß er sich hineinschmiegen. Wer ihn begeht, der läuft dauernd Gefahr, abzugleiten und hinabzufallen in die grausige Tiefe.
Ist es möglich, haben wirklich Menschen diesen kaum wahrnehmbaren Pfad gefunden? Gespenstisch eilen ihnen ihre Schatten voraus, die Gestalten ins Riesenhafte vergrößernd. Jetzt nähern sie sich einem Felsenkessel. Reiter auf flinken Maultieren sind es, einer reitet hinter dem anderen und keiner spricht ein Wort. Wer mögen die schweigsamen nächtlichen Wanderer sein?
Die Hüter der Berge sind verschwunden, nirgends ist eins ihrer mächtigen Häupter zu erblicken. Von diesen Menschen droht also keine Gefahr, sie sind willkommen in der Wildnis.
Was mag sie hierher gebracht haben? Alle steigen ab, sie führen ihre Tiere in die Mitte des Felsenkessels und lassen sie dort frei. Die Tiere wissen anscheinend, wie sie sich zu verhalfen haben. Geduldig bleiben sie stehen und geben keinen Laut von sich. Schon ist eine größere Anzahl von ihnen auf dem freien runden Platz versammelt. Wo aber sind die Reiter geblieben? Hat sie der Erdboden verschluckt?
Doch noch treffen neue Reiter ein, einer nach dem anderen steigt ab, überläßt sein Tier sich selbst und -jetzt ist es zu sehen, voll fällt das Mondlicht auf diese Stelle - biegt um eine Felsenzacke herum. Dann ist er verschwunden.
Söhne des Landes sind es. Allen fällt das straffe, blau-schwarze Haar bis auf die Schulter, in den dunklen Augen liegt schwermütige Glut, geschmeidig bewegen sie ihre Glieder. Arm ist ihre Kleidung, aber stolz und frei der Gang. Edle Züge sind unter ihnen zu finden, feingeschnittene Gesichter, adlige Haltung des freien Menschen, der niemandem gehorcht als dem, den er als seinen Herrn anerkennt.
Elastisch springt ein Jüngling von edlem Wuchs vom Tier, auch er biegt um die Felsennase. Dahinter folgt nach einigen Schritten eine zweite scharfe Ecke, dann ist ein enger Spalt zu sehen, aus dem die Dunkelheit quillt. Er ist so schmal, daß der Jüngling sich nur seitwärts hineinwinden kann.
Doch er scheint den Weg zu kennen. Ohne zu zögern geht er hinein. Der Durchlaß erweitert sich etwas, da — ein leiser Anruf, ein hoher Schatten vor ihm, ein geflüstertes Wort, der Schatten tritt beiseite.
In den engen Gang fällt von oben durch Ritze und Spalten im Felsen ein wenig Licht. Gewunden ist er und so schmal, daß der Mensch an beiden Seiten an die feuchten Steinwände streift. Eng rafft er seinen Poncho um den Körper, dann eilt er weiter, als ob ihm jeder Fußbreit Weges hier bekannt wäre.
Noch einmal steht ein Wächter vor ihm, noch einmal muß der Kommende sich ausweisen durch ein Losungswort, dann gibt auch dieser Wächter den Weg frei. Ein neuer Spalt ist zu sehen, aber dieser führt überraschend in einen großen, runden Raum, in dem schon all die anderen nächtlichen Wanderer versammelt sind.
Tief sind sie hier im Berge drinnen. Kein Laut von außen ist zu vernehmen, kein Laut kann von hier nach außen dringen.
Hell erleuchtet ist der weite Raum und eine wunderbare Feierlichkeit strömt den Eintretenden entgegen. Eine große Höhle im Berg ist kunstvoll erweitert und ausgeschmückt worden zu einem verborgenen Tempel. Es ist nicht zu glauben, daß man sich mitten in der Wildnis befinden soll, so viele Kostbarkeiten sind hier zusammengetragen, solche Schönheit ist hier zu sehen!
Von den Wänden gleißt schimmerndes Gold, Goldplatten mit herrlichen Edelsteinen verziert bedecken sie, goldene Gefäße mit köstlichem Rauchwerk gefüllt verbreiten Licht und Duft.
Im Hintergrunde, wo eine Art Altar errichtet ist, hängt ein großes Sonnenrad an der Wand. Das klare Gold leuchtet auf beim flackernden Licht der Lampen, die goldenen Strahlen der großen Sonne scheinen sich zu bewegen im Spiel des Lichtes. Blickt sie nicht liebevoll auf die Menschen vor ihr, die das weite Rund füllen mit ihrer stillen Andacht? Will die Sonne ihnen etwas künden?
Hinter dem großen, kunstvoll verzierten Stein, der den Altar bildet, steht ein uralter Mann in Priesterkleidung. Weit über hundert Jahre muß er alt sein, so viel Runen haben die Jahre in sein Gesicht geschrieben. Aber voll Feuer sind seine Augen. Sie sehen aus, als könnten sie Dinge wahrnehmen, die den Menschen für gewöhnlich verborgen bleiben.
Es ist Huro, der Alte, der schon viele Geschlechter kommen und gehen sah. Er läßt seine Augen in die Runde wandern. Da sind sie alle, Jung und Alt, er kennt sie, er weiß von jedem. Es fehlt keiner. Befriedigt nimmt er dies wahr.
Nun beginnt er zu sprechen. Zuerst klingt seine Stimme leise, gebrechlich, wie es bei einem so alten Menschen nicht Wunder nimmt. Aber im Laufe dessen, was er zu sagen hat, schwillt sie an zu mächtigen Tönen, wie man sie dem alten Körper niemals zugetraut hätte.
“Brüder”, hebt er an. “Sonnensöhne! Es ist heute die Nacht des siebenten Vollmondes. In diesem Augenblick steht der Mond auf seiner höchsten Höhe. Sein Strahl fällt auf die Mitte unseres Tempels und weiht ihn für den Gottesdienst, den wir hier halten wollen.
Von weit her seid Ihr alle gekommen, Ihr Sonnensöhne, um den Allerhöchsten anzubeten, wie es Eure Ahnen schon getan. Keiner ist unter Euch, dem nicht rein und unvermischt das Blut der Inkas in den Adern fließt. Keiner ist unter Euch, der den Nacken gebeugt hat unter der Faust des fremden Eroberers. Lieber wollt Ihr in Armut und Not leben als das Brot der Eindringlinge essen. Ich lobe Euren Stolz, er hat Euch rein erhalten! Gehofft habt Ihr und geharrt, wie wir, Eure Priester es Euch gelehrt.
Sonnensöhne! Unerkannt und oft verachtet geht Ihr durch die Reihen der Menschen, abseits und einsam lebt Ihr still für Euch. Aber in Euch tragt Ihr einen Schatz, der Euch kostbarer ist als Reichtum und Macht. Es ist dies das Wissen um den Allerhöchsten, das Wissen um seine Verheißung für unser armes, geknechtetes Volk, dem so bitteres Leid und Unrecht angetan war, das verachtet und mißhandelt auf seinem eigenen Boden leben muß und zusehen, wie Fremde an sich reißen, was ihnen gehört. Oft hat Euer Herz emporgeschrien zum Allerhöchsten, hat gefleht um seine Hilfe. Immer ward Euch die Antwort:
“Harret!”
Sonnensöhne! Großes habe ich Euch heute zu verkünden! Er, der Allerhöchste, hat seinen geringen Diener einer Offenbarung gewürdigt!
Könnt Ihr verstehen, was das heißt? Er, der Herr des Himmels sandte mir, seinem Knechte, heute einen seiner Boten, der zu mir sprach! Und ich darf Euch künden, was ich vernahm.”
Wie ein leises Seufzen nur, ein tieferes Atemholen ging es durch die Versammlung, aber kein Wort wurde laut.
“So öffnet Eure Lebensblumen, daß die himmlische Gnade in sie hineinfließe und sie zum Erblühen bringe!” fuhr der Alte fort.
“Huro, höre!, sprach der Lichte zu mir. Getreulich habt Ihr ausgeharrt Gott der Allmächtige hat Euch nicht vergessen. Er sieht voll Freude, daß Ihr Euch rein erhieltet und daß Ihr die hohe Weissagung, die Ihr einst in schwerem Leid als Trost empfangen durftet, unverdorben bewahrtet und weitergabet von einem Geschlecht zum anderen.”
“Freunde, Ihr kennt sie alle”, unterbrach sich Huro lebhaft, “unsere heilige Weissagung. Ich will sie Euch vorsprechen, wie ich sie Euch immer vorspreche, wenn wir hier versammelt sind. Höret und nehmet auf:
“Und es wird kommen die Zeit, da Not und Jammer sich endet. Führen wird Euch die Taube, die rein vom Himmel sich senket!”
Wie oft haben wir von der Zeit gesprochen, da die Taube kommen wird, um uns zu erlösen aus der Knechtschaft. Aber wir verstanden nicht, was diese Worte bedeuteten. Heute aber, Brüder —” die Stimme des Alten hob sich zu jubelndem Klange — “heute kann ich es Euch sagen!”
“Siehe, die Taube!” sprach der lichte Bote des Allerhöchsten zu mir.
Mein Auge tat sich auf und ich konnte in die Gefilde des Himmels blicken. Und da sah ich Einen, der war ganz aus Licht. Es blendete mich, in seinen Glanz zu schauen. Aber ich erkannte zwei mächtige Augen wie zwei goldene Sonnen, und über ihnen schwebte ein schneeweißes Flügelpaar. Die Taube war es, die Heilige Taube, sie schwebte über der Lichtgestalt, sie war sein.
Und wieder sprach die Stimme des Lichten und seine Worte brachten mich zur Erde zurück:
“Nahe ist die Stunde! Schon hat die Taube ihren Flug zur Erde gewandt, schon schweben ihre Fittiche über ihr. Harret sein, der zu Euch kommet, nahe ist die Stunde! Du wirst ihn erkennen dürfen, Huro, und Dein Mund wird sich auftun und künden von ihm, dem Retter und Befreier Deines Volkes, das Du so heiß geliebt! Führe ihm Dein Volk zu!”
Dann verschwand der Lichte und ich war wieder allein.” Eine Welle tiefster Bewegung, mächtigster Erschütterung ging durch die Versammlung. Schluchzen stieg auf in der Brust, die Freude war zu groß. Die Stunde, auf die ihr Volk durch Jahrhunderte gewartet, sie war gekommen! Nahe war die Erlösung!
Ungewollt stimmte einer der Männer das Loblied auf den Allerhöchsten an und alle fielen ein. Sie mußten singen, sie mußten ihrem übervollen Herzen Luft machen, sie mußten danken!
Freudentränen in den Augen, so sangen die Jungen und die Alten. Sie faßten sich an den Händen und ein heiliges Geloben stieg aus ihren Herzen auf zu Gottes Thron.
Die goldene Mutter aber vor ihnen lachte, sie lachte mit all ihren Strahlen, als jubelte sie ihnen zu:
“Sonnensöhne, Ihr meine Sonnensöhne, die Zeit des Leides ist vorüber! Freuet Euch!”
Langsam verklang das Lied. Schweigen erfüllte den Tempel. Mit erhobenen Armen stand Huro der Alte, der Priester eines vergessenen Volkes, vor den Inkas. Noch einmal ließ er jetzt seine Stimme ertönen. Verklärt klang sie - sahen seine Augen dort oben im Licht, wohin sie zu schauen schienen, den Erlöser mit der Taube über dem Haupte?
Wie ein Seher stand er vor den Seinen, und Worte kamen wie aus weiter Ferne:
“Da - ich sehe ihn, den Sohn des Allerhöchsten! Er geht über die Erde - er trägt ein Schwert in der Hand, das schlägt den Schlangen, die nach ihm züngeln aus den Tiefen der Erde, das Haupt ab! Gewaltig schreitet er, Zorn liegt in seinen Strahlenaugen - das Schwert blitzt! Wehe den Dunklen!”
Jetzt leuchtete das Auge des Schauenden auf:
“Aber hell wird nun ,die Erde, die goldene Mutter freut sich wieder über sie. Und von überall kommen Menschen, die dem Befreier dienen wollen. Sie knien vor ihm nieder und bringen ihm ihre Gaben. Herrlich bist Du, o König mit der Heiligen Taube über Dir, alle Schätze der Erde gehören Dir!”
Wie erwachend strich sich der Alte über die Stirn. Wußte er, was er soeben gesagt?
Aller Augen waren auf ihn gerichtet. Sie schienen etwas von ihm zu erbitten, und er verstand.
“Laßt uns beten, Brüder”, sagte er leise.
Und dann stieg es auf aus seinem und aller seiner Hörer Herzen:
“Herr, wir haben Dein geharret bis zu dieser Stunde! Laß uns Deine Diener sein! Alles, was wir haben, ist Dein. Dein ist dieser Felsentempel, den wir hüteten mit allen seinen Schätzen für Dich. Siehe hier, was geblieben von den Inkas, den Sonnensöhnen. Rein haben sie sich gehalten für Dich. Nie haben sie aufgehört, Gott, den Allerhöchsten anzubeten in der Verborgenheit. Nimm sie an als Deine Diener, Herr, wir bitten Dich!”
Auf lichten Schwingen stieg das Gebet auf zu ihm, dem es galt, und Kraft strömte zurück zu den Knieenden, lebendige Kraft. Jeder von ihnen fühlte einen kühlen, erfrischenden Hauch über sein Angesicht wehen.
Wie sie gekommen, so verließen sie schweigend den Tempel.
Niemand sah sie außer den treuen Hütern der Berge. Diese aber erblickten jetzt auf jeder Stirn ein helles Zeichen, das Zeichen des Erlösers.
vvv
In den Wäldern Afrikas.
Fortsetzung)
Aber was sie fürchteten, geschah nicht. Das Tier ließ einen Laut hören, der fast wie Wohlbehagen klang, und drängte sich näher an die Helferin. Und die Kleinen redeten der weißen Mutter zu, ruhig das Weitere zu wagen, es werde ihr nichts geschehen.
Sie bangte auch keinen Augenblick.
Freundlich sprach sie zu dem Gelben, während sie Stachel um Stachel auszog. Da drohte das Feuer, dessen Schein Ihr diesen Liebesdienst ermöglichte, zu verlöschen. Ganz selbstverständlich rief sie zwei der beherztesten Männer, Holz herbeizutragen.
Sie kamen auf Ihren Befehl, der Gelbe schien sie nicht zu beachten.
Da fragte die Frau, ob einer der Männer ihr wohl mit einem Feuerbrand leuchten möge. Sofort traten beide herzu und nun konnte Bu-anan auch noch mehr der Stacheln entfernen.
Sie redete den übrigen Männern zu, heimzugehen und die Frauen zu beruhigen. Etwa die Hälfte kam diesem Vorschlag nach, die andern wurden teils durch die Sorge um Bu-anan, teils durch Neugierde festgehalten.
Bis nach Sonnenaufgang hatte die weiße Mutter mit dem Entfernen der Stacheln zu tun. Dann sagte sie dem Gelben, er solle nun auf den Stämmen den Graben überschreiten und sich außerhalb desselben unter einen Baum legen. Sie werde ihm von der Jagdbeute der Männer zum Fressen bringen lassen.
Gehorsam folgte das große Tier ihren Worten.
Sie aber wies die Männer an, nun die Stämme zurückzuziehen, und rohes Fleisch für den Wunden zu holen. Auf dem gewöhnlichen Wege überquerte sie dann die Stachelwildnis und trat zu dem Tier, über dessen Körper noch Schauer liefen.
„Du Armer“, sagte sie freundlich, „nun mußt Du fressen. Wasser sollst Du auch bekommen. Danach überlasse ich Dich den kleinen Wesen, die Dich pflegen werden.“
Sie verließ den Platz nicht eher, als bis der Gelbe Wasser und Fleisch erhalten hatte. Dankbar blickte er zu Ihr auf. Keinen Augenblick fürchtete sie, daß der Gelbe den Übergang benutzen und in die Siedlung einbrechen würde.
Als die Männer sie danach fragten, umwölkte sich ihre klare Stirn.
„So undankbar sind nur die Menschen“, sagte sie kurz.
Ehe die Sonne sank, begab sie sich nochmals zu ihrem Pflegling, den sie unruhig schlummernd fand. Viele Kleine saßen bei ihm und dankten ihr für Ihre Liebe.
Einige Tage lang ließ sie den Gelben noch mit Speise und Trank versorgen, dann waren die Wunden geheilt, die nur dadurch sich so schwer geschlossen hatten, daß die Stacheln ein Gift enthielten.
„Nun wirst Du heimgehen in Deine Höhle, mein gelber Freund“, sagte Bu-anan fast bedauernd.
Das große Tier trat dicht zu ihr und preßte den mähnenumwallten Kopf an Ihren Arm.
„Er geht nicht gern“, riefen die Kleinen, „er geht nicht gern!“
„So komme wieder, so oft Du magst. Die Siedlung darfst Du nicht betreten, das wirst Du verstehen. Aber Du kannst mir ja einen von den Kleinen schicken. Dann komme Ich zu Dir hinaus.“
Im Laufe des Tages war dann der Gelbe verschwunden. Es war aber unter allen Tuimah-Leuten nicht einer, der es besser gefunden haben würde, den Gelben zu töten um des Felles und um größerer Sicherheit willen.
Inzwischen waren die U-au-Tiere ausgewachsen und sehr zahm geworden. Um Bu-anan drängten sie sich mit kurzen Freudenlauten, so oft sie ihrer ansichtig wurden. Aber auch die andern Leute in der Ortschaft kannten sie gut und zeigten ihnen Vertrauen.
Die kleinen Lehrmeister ordneten nun an, daß sämtliche U-aus tagsüber schlafen sollten, damit sie nachts den Graben auf der Innenseite umkreisen und den Wachen helfen könnten.
Anfangs gab es unruhige Nächte.
Nahte sich irgend ein Tier dem Graben von außen, so erschütterte ein vielstimmiges U-au die Luft, bis der Gegenstand der Aufregung fluchtartig davonstob.
Allmählich lernten die klugen Tiere aber, daß sie ihre Laute nur hören lassen durften, wenn irgend etwas über den Graben herüberkam.
Die Wachtleute aber taten ihre Pflicht doppelt gern, da die Nachtstunden durch die lebhaften Tiere verkürzt wurden.
Dann kam eine Nacht, da hallten die Rufe der Tiere wie der Menschen durch die Stille.
Eilig machten die Männer sich auf, den Gefährten draußen Hilfe zu bringen. Sie fanden sie an dem einen der Übergänge, den Fremde sich mühten zu betreten. Die U-aus aber drängten den Eindringlingen entgegen und suchten, ihnen an die Kehle zu springen.
Vergebens riefen die Männer sie zurück; denn die rücksichtslos sich Nahenden schleuderten die Tiere von sich, wobei einzelne in die Stachelpflanzen fielen und gewaltig heulten. Es war ein fürchterliches Durcheinander.
Einem Befehl Ur-wus gelang es endlich, die erregten Tiere innerhalb des Ringes zusammenzurufen. Er selbst aber betrat, die Waffe in der Hand und gefolgt von zahlreichen Männern, den Übergang.
Als die Fremden seiner ansichtig wurden, wichen sie zurück. Sie waren nicht auf einen Angriff gefaßt gewesen. Ur-wu rief sie an, was sie von den Tuimah-Leuten wollten. Sie antworteten, aber ihre Antwort war nicht zu verstehen. Sie sprachen eine fremde Sprache, die ganz hinten aus der Kehle zu quellen schien.
Da sprach einer der zahlreich herbeigeströmten Kleinen Ur-wu an:
„Traue ihnen nicht! Sie sinnen Böses, Sie verstehen Eure Sprache sehr wohl. Sprich noch mit ihnen, Sende aber heimlich Männer, die den andern Übergang benützen und sie von hinten bedrängen. Es sind nur sechs Fremde.“
Leise gab Ur-wu die entsprechenden Befehle und versuchte inzwischen, irgend eine Antwort, die für ihn verständlich war, von den Fremden zu erlangen. Sie fühlten sich augenscheinlich ganz behaglich und lachten innerlich der törichten Tuimah.
Plötzlich sah Ur-wu seine Leute hinter Ihnen auftauchen. Mit dem lauten Befehl:
„Faßt sie!“ stürzte er selbst mit seinen Begleitern den Fremden entgegen, die darauf nicht gefaßt waren und zurückwichen.
Da fühlten sie sich gepackt. Nicht einer entkam, es war aber auch kein Tropfen Blut geflossen.
Ur-wu ordnete an, daß die sechs gebunden wurden und daß man ihnen sorgsam jede Waffe nehme. Die Fremden wehrten sich verzweifelt, mußten aber einsehen, daß gegen die Übermacht nicht aufzukommen war.
Es waren große, hagere Gestalten von hellerer, gelblicher Gesichtsfarbe mit langen schwarzen, glatten Haaren, die von Fett zu triefen schienen. Ihre Bekleidung war bunt, aber bedeutend vollständiger als die der Tuimah-Leute.
Wache und U-aus wurden gelobt, dann zogen die Männer mit ihren Gefangenen vor die Hütte Bu-anans, die bereits wartete.
„Warum seid Ihr gekommen?“ redete sie die Gebundenen an.
Sie merkte an ihrem Zucken, daß sie die Worte verstanden hatten, aber die Männer stellten sich, als könnten sie die Sprache nicht enträtseln, und antworteten in ihrer eigenen Sprache.
Da war es nun merkwürdig, daß Bu-anan genau erfaßte, was die Männer sagten, obwohl sie deren Sprache noch niemals vernommen hatte.
Es war keine Antwort auf ihre Frage gewesen, sondern eine sehr unehrerbietige Beschimpfung. So häßlich war sie, daß die weiße Mutter beschloß, nicht merken zu lassen, daß sie verstanden.
Äußerlich ruhig sagte sie:
„Da Ihr vorzieht, Euch den Anschein zu geben, als seiet Ihr zu unwissend, um meine Worte zu begreifen, so werdet Ihr unsere Gefangenen sein, bis Eure Götter Euch den Sinn erleuchten werden. Danach können wir weiter miteinander reden.“
Eine Flut fremder Schimpfwörter ergoß sich über Buanan, die ruhig die Hand hob und den Tuimah-Leuten befahl, die Männer fortzuführen.
„Stopft ihnen erst den allzu beweglichen Mund“, befahl sie, gerade weil sie wußte, daß die Fremden sie verstehen konnten, „und verhüllet ihre Augen! Sie sind gekommen, zu spähen. Das sollen sie auch nicht als Gefangene tun dürfen.“
„Wenn Du doch weißt, warum wir kamen, was fragst Du erst, Weib?“ rief einer der Männer wütend in der Sprache der Tuimahs.
Bu-anan und mit ihr alle Anwesenden ließen keine Verwunderung merken und gaben auch keine Antwort. Die Männer wurden abgeführt, so, wie die weiße Mutter es angeordnet.
Danach zog Bu-anan sich mit einer Menge kleiner Wesen in die Einsamkeit zurück. Sie dankte ihnen, daß sie Ur-wu so gut beraten hatten. Dabei fiel ihr ein, daß sie ihn zu der Unterredung mit den Kleinen herbeirufen lassen könnte, da er ja imstande war, sie zu verstehen.
Als das geschehen, berichtete einer der Kleinen, daß die Männer einem sehr großen, mächtigen Reiche angehörten, das an einem breiten, fruchtbaren Flusse liege.
Irgendwie müsse Kunde von den Tuimahs zu dem dortigen Herrscher gedrungen sein, der lüstern nach schönen, geschickten Frauen sei, und dem überdies die Kunstschmiede-Arbeiten der Männer willkommen wären.
Um in Erfahrung zu bringen, ob diese Kunde auf Wahrheit beruhe, habe er die Kundschafter ausgesendet. Es werde ihm, so glaube er, ein Leichtes sein, den ungelehrten Negerstamm zu besiegen.
Ur-wu ballte die Faust. Bu-anan lächelte nur.
„Er wird sehen, daß er sich irrt. So, wie Anu uns jetzt geholfen, so wird er uns weiter helfen, wenn wir nur auf seinen Wegen bleiben. Solange wir die Verbindung mit ihm festhalten, solange kann uns nichts geschehen.“
Danach erkundigte sie sich, was aus den U-aus geworden, die von den Fremden in die Stachelgrube geschleudert worden seien. Ur-wu wußte es nicht, auch die Kleinen vermochten nichts darüber zu sagen, meinten aber, daß andere kleine Wesen den Tieren wohl geholfen hätten.
„Wir wollen nach Ihnen sehen“, schlug Bu-anan vor.
Mit Ur-wu schritt sie zum Graben, dem wohl anzusehen war, daß ein heftiges Ringen dort getobt. Abgebrochene Stücke der fleischigen Stachelpflanzen lagen am Boden zerstreut, rechts und links von dem Übergang waren die Gewächse niedergebrochen.
Sechs starke, schöne U-aus lagen kläglich winselnd auf Matten, die sorgsame Hände gebreitet. Zwischen Ihnen huschte die Gestalt eines etwa fünfjährigen Mägdleins umher. Es war Ur-ana, Ur-wus Enkeltochter.
Die Kleine mühte sich aus allen Kräften, die langen spitzen Stacheln auszuziehen, die immer wieder ihren schwachen Händen entglitten. Dazwischen tröstete sie die Tiere in liebevoller Art.
„Wer hat Dir geholfen, die U-aus aus dem Graben zu holen, Ur-ana?“ fragte Bu-anan erstaunt, während Ur-wu gleichzeitig sich erkundigte, wie sie, die sonst daheim sorglich Behütete, hierher gekommen sei.
Das Kind schaute mit großen, vertrauenden Augen auf beide Frager und beantwortete alles auf einmal:
„Liebe, kleine Männlein sagten, Ur-ana solle mit ihnen gehen und den armen U-aus helfen. Diese Männlein haben dann den Tieren aus dem Graben geholfen und sie auf die Matten gelegt, die Ur-ana holen mußte.
Nur ein armer U-au war so tief gesunken, daß er sich nicht mehr in die Höhe arbeiten konnte. Den haben die Männlein rasch tot gemacht“, berichtete das Kind, indes zwei große Tränen über ihre Wangen rollten. „Es hat Ihm nicht mehr weh getan“, setzte die Kleine, sich selber tröstend, hinzu.
Die Erwachsenen erfaßte Rührung beim Anblick dieses Mägdleins.
In Bu-anan aber erwachte mehr. Solange schon hatte sie nach einem Mädchen gesucht, dem sie ihr Wissen hinterlassen könne, wenn Anu sie einmal abrufen würde. Sie hatte Ihr Augenmerk auf die Größeren gerichtet.
Nun hatte sie in dieser Kleinen gefunden, was sie suchte.
Sie half ihr, die Stacheln auszuziehen, und wies sie an, die Tiere mit kühlender Salbe zu bestreichen. Ganz aus sich selber schleppte dann die kleine Helferin Gefäße mit Wasser herbei, indessen Ur-wu fortging, Leute herbeizuholen.
Diese mußten die verwundeten Tiere in eine der Hütten tragen, wo Ur-ana sie sorglich pflegte, bis sie wieder munter umherspringen konnten.
Darüber waren Tage vergangen. Die Männer hatten einen Jagdzug unternommen, weniger um Beute zu holen, als um die Wälder zu durchstreifen, die sie nicht mehr für sicher hielten, seit die fremden Späher sich der Siedelung genaht. Sie fanden aber keinen Menschen, soweit sie auch schweiften.
Dann brachten Wächter Kunde, die Fremden wollten Bu-anan sprechen.
„Woher wißt Ihr dies?“ forschte die weiße Mutter belustigt. „Sie können doch nicht in unserer Sprache reden?“
Nun lachten auch die Wächter.
„Bu-anan, ein Wunder hat sich vollzogen: als die Männer merkten, daß ihnen ihre Wut nichts half, versuchten sie, uns Geld und Steine zu bieten, damit wir sie frei ließen. Wir aber taten, wie Du uns angewiesen, und sprachen kein Wort mit ihnen. Und in diesem Schweigen haben sie unsere Sprache gelernt!“
„Es ist gut so“, entschied Bu-anan. „Sie mögen morgen gebracht werden. Aber bedeckt ihre Augen, bis sie vor mir stehen, und löset ihre Fesseln nicht. Man darf ihnen nicht trauen.“
Am folgenden Tag standen dann die Gefangenen vor der weißen Mutter. Mürrisch blickten sie auf Bu-anan, deren Lieblichkeit sie nicht erkennen konnten. Sie waren Frauen in kostbar überladenen Gewändern gewöhnt. Einfach Gekleidete beachteten sie nicht.
Bu-anan schwieg. Sie konnte ihre Gedanken sehen, als wenn sie gesprochen hätten. Darum hatte sie nicht nötig, eine Frage zu stellen. Die Männer schwiegen auch in Trotz und Verstocktheit.
Schon wollte Bu-anan das Zeichen geben, daß man die Gefangenen wieder fortführen solle, da entschloß sich endlich der Älteste von ihnen, zu reden. Unmutig stieß er hervor:
„Gibt es keine Männer in diesen elenden Hütten? Sind sie alle hinter dem Rock einer Frau versteckt? Wo ist der Häuptling des Stammes?“
Bu-anan schwieg. Das war nicht die Art, sie zum Reden zu bringen. Wieder währte das Schweigen eine geraume Weile, da sagte ein anderer:
„Wir sind nicht gewöhnt mit Weibern zu reden!“
Ein leichtes Lächeln kräuselte Bu-anans Lippen:
„Das merke ich, sonst würdet Ihr ehrerbietiger sein. Schlechte Sitten habt Ihr, Ihr Fremden.“ Nun brauste der dritte auf:
„Mit welchem Recht maßest Du Dir an, unsere Sitten zu beurteilen, Weib?“
„Mit doppeltem Recht: aus dem Recht des Siegers über den Besiegten, aber noch mehr aus dem Recht der reinen Frau!“
Sie sahen sich fast verlegen an. So kamen sie nicht weiter. Diese Frau vor ihnen hatte eine Hoheit, wie sie es noch niemals erlebt hatten. Wenn sie nur wüßten, was sie sagen sollten.
Da sprach Bu-anan sie an:
„Es ist gut, Ihr Fremden, daß Ihr merkt, wie wenig Ihr auf die begonnene Weise ausrichten könnt. Gebet wahrhaftige Antwort auf meine Fragen, so werden wir sehen, was weiter mit Euch zu geschehen hat!“
Wieder schauten sie sich an. Der Blick bedeutete: aufgepaßt, nicht verraten, warum wir gekommen, und woher wir stammen.
Diese Vorsicht war unnötig, die erwartete Frage wurde nicht gestellt.
„Habt Ihr über irgend etwas in Eurem Kerker zu klagen?“ fragte Bu-anan.
Sie waren so überrascht, daß sie keine Antwort fanden. Endlich ermannte sich einer von ihnen und versicherte, daß die Höhlen groß und luftig seien, auch daß sie immer Späne genug hätten, um sie zu erleuchten.
„Bekommt Ihr Speise genug?“ war die nächste Frage. Auch das beantworteten sie bejahend.
„So gibt es also keinen Grund, daß Ihr nicht noch eine Spanne Zeit hier aushalten könnt, Ihr Männer“, war Buanans völlig unerwarteter Entscheid.
„Ich werde Boten zu Eurem Fürsten schicken und ihm kundtun, daß seine Späher hier gefangen sitzen. Er mag sagen, wie er Euch auslösen will. Bis dahin müßt Ihr Euch noch gedulden.“
Das Staunen der Männer war so groß, daß es sie zunächst vergessen ließ, daß sie anderes erwartet hatten.
„Woher weißt Du von unserem Fürsten?“
„Wer hat Dir gesagt, daß wir als Späher kamen und nicht als friedliche Händler?“
„Wie will Dein Bote in unser Land finden, das so weit entfernt liegt?“
Die Fragen überstürzten einander. Unbegreiflich erschien es den Fremden, daß Bu-anan in solcher Gelassenheit das aussprach, was sie vor ihr verbargen.
Und diese Verwunderung veranlaßte abermals eine Frage:
„Bist Du eine Zauberin?“
„Ich weiß nicht, was das ist“, antwortete Bu-anan. „Eine Frau, die mit überirdischen Mächten im Bunde steht“, lautete die rasche Antwort.
„Ich bin die Dienerin des Herrn aller Welten“, sagte Bu-anan, und hoheitsvolle Würde schwang durch ihre Worte.
Da verstummten die Männer und ließen sich ohne Gegenwehr in den Kerker zurückführen.
Kaum waren sie außer Hörweite, da konnten sich die Tuimah-Männer, die zugegen gewesen, nicht länger halten. ihre Stimmen schwirrten durcheinander. Sie wußten ja, daß Bu-anan ihr Wissen von oben erhielt, sie wußten, daß sie die beste und reinste Erdenfrau war, aber so hoch, so himmlisch wie eben hatten auch sie ihre weiße Mutter noch nie gesehen. Einige von ihnen bogen das Knie vor ihr.
Sie wehrte freundlich, aber bestimmt.
„Danket Anu“, sagte sie, „der seiner Dienerin hilft. Wir müssen nun daran denken, den Boten zum Fürsten dieser Männer zu entsenden. Da diese Leute unsere Sprache verstehen, so werdet Ihr auch bei ihrem Fürsten wohl Verstehen finden. Wer von Euch will unter dem Geleit der Kleinen den weiten Weg wagen?“
Sie meldeten sich alle. Wenn Bu-anan etwas für richtig hielt, gab es keine Bedenken.
Sie bestimmte, daß Ur-wu nebst drei anderen und etlichen Schwarzen ausziehen sollten. Ur-wu konnte sich mit den Männlein verständigen, er war der Führer des Stammes, er war am besten dafür geeignet.
Schon am folgenden Tage zogen die Männer fort.
Bu-anan hatte Ur-wu angewiesen, in allem dem Rat der Kleinen zu folgen, nicht nur betreffs des einzuschlagenden Weges, sondern viel mehr noch wegen dem, was mit dein fremden Fürsten zu verhandeln sei. Anu habe einen der Kleinen mit besonderer Weisheit begabt, auf ihn könne Ur-wu sich verlassen.
Während der Zeit, die Ur-wu fern bleiben mußte, bestimmte Bu-anan dessen Sohn, Ur-an, zum Leiter der Männer. Es zwar ganz gut, daß er, der später den ganzen Stamm führen sollte, sich jetzt schon üben konnte, solange Buanan noch da war, ihm zu raten.
Sie selber aber zog Ur-ana ganz an sich heran, um des Mägdleins Seele zu bilden.
Reich lohnte die Kleine ihr die geringe Mühe. Mit fröhlichem Sinn erfaßte sie alles, was die weiße Mutter sie lehrte. Ihre Fragen bewiesen, daß sie sich ständig innerlich mit allem beschäftigte, was sie- von Bu-anan hörte und sah. -
So waren einige Monate vergangen, da ließen die Gefangenen abermals um eine Unterredung bitten.
Wie das letzte Mal wurden sie mit verhüllten Augen und gefesselt vorgeführt. Aber sie betrugen sich besser als damals. Sie begegneten Bu-anan mit Ehrerbietung, die aber zu übertrieben war, um echt zu sein. Sie stieß die Frau ebenso ab, wie die damalige Ungezogenheit.
„Ist Dein Bote noch nicht zurückgekehrt, Frau?“ fragte der Älteste.
„Diese Frage könnt Ihr Euch selber beantworten; denn Ihr wißt; wie weit es bis zu Eurem Lande ist“, war Bu-anans Antwort. „Er zog am nächsten Tage aus. Ich rechne, daß noch zwei volle Mondscheiben heraufziehen müssen, ehe er zurück sein kann, wenn Euer Fürst ihn sofort wieder ziehen läßt.“
„Was geschieht mit uns, wenn unser Herrscher uns nicht auslösen will?“ fragte ein anderer, und man konnte merken, wie sehr diese Frage sie alle bereits beschäftigt hatte.
„Was würde in Eurem Lande mit Spähern geschehen?“ lautete Bu-anans Gegenfrage.
Die Männer blickten sich an. Der Jüngste aber rief ungestüm:
„Bei uns hätte man solche Männer gar nicht erst gefangen gesetzt. Man hätte sie sofort getötet!“
Es war den andern sichtlich nicht recht, daß der Jüngste dies ausgesprochen. Nun es aber einmal gesagt war, nickten sie alle.
„Wäre Euch dies lieber gewesen?“ fragte die weiße Mutter.
„Wenn Du uns nachher doch töten lassen willst, dann wäre es uns vielleicht lieber, wir brauchten nicht solange darauf zu warten“, meinte einer.
„Was mit Euch geschehen wird, hängt von der Antwort Eures Fürsten ab. Ich selber würde keinen Augenblick zögern, meine Ausgesandten frei zu machen, wenn ich in seiner Lage wäre.“
(Fortsetzung folgt.)
__________
Fragen-Beantwortungen
durch Abd-ru-shin
Frage: Streng kirchengläubige Menschen weisen oft auf den Bibelbericht hin, nach dem der ungläubige Thomas bei der Erscheinung des Gottessohnes Jesus seine Hand in die Seitenwunde legen durfte und diese auch als solche Wunde empfand. Daraus suchen sie zu begründen, daß die Auferstehung fleischlich erfolgt sein muß, im Gegensatz zu den Ausführungen Abd-ru-shins.
Antwort: Es ist die übliche bequeme Art von Begründungen der Kirchengläubigen, sich einfach als Beweis auf Bibelstellen zu stützen, die sie nur in seltenen Fällen wirklich richtig verstehen und die auch bisher nicht immer in dem richtigen Sinne ausgelegt worden sind.
Außerdem ist ein Hinweis auf den Bibelbericht durchaus keine tatsächliche Begründung, was wohl ohne weiteres jedem selbständig denkenden Menschen einleuchten wird.
Jesus trug bei seinem Erscheinen unter den Jüngern wie jeder andere Abgeschiedene in der ersten Zeit nur noch den Körper der feineren Stofflichkeit, nicht aber den grobstofflichen. Um Thomas überzeugen zu können, daß es wirklich Jesus war, wurde Thomas die Gnade gewährt, für diesen Augenblick feinstofflich schauen und fühlen zu können, also seinen eigenen feinstofflichen Körper wirken zu lassen.
Der feinstoffliche Körper schaut und fühlt bei dem noch in der grobstofflichen Hülle befindlichen Menschengeist durch dessen grobstofflichen Körper. Das erweckt den Anschein, als ob es der grobstoffliche Körper selbst sei, der handelt. Der grobstoffliche Körper führt dabei sehr oft auch äußerlich sichtbar die dazu gehörenden Bewegungen aus, er geht sozusagen mit.
So kann es auch heute bei ganz anderen Gelegenheiten sein, daß ein für feinstoffliches Schauen und Fühlen begabter Mensch nach etwas greift und dieses auch als selbstverständlich fühlt, was andere nicht schauen können.
Nicht anders war es bei Thomas. Er schaute und fühlte durch seinen grobstofflichen Körper hindurch mit seinem feinstofflichen Körper und dessen Organen den schon verklärten, also feineren Körper von Jesus, sah und fühlte deshalb auch dessen Wunde, ohne daß es der dichte Fleischkörper war.
Das ist ein ganz natürlicher Vorgang, der, von lichten Helfern und Kräften zum Zwecke des Überzeugens unterstützt, namentlich da es von Jesus selbst gewollt war, um so natürlicher auf Thomas wirken mußte.
Gerade dieser Vorgang aber spricht sogar sehr deutlich dafür, daß es nicht der allen Jüngern so bekannte grobstoffliche Erdenkörper von Jesus gewesen sein kann; denn sonst würde jeder Zweifel von vornherein ausgeschlossen gewesen sein.
Jesus muß also bereits auch äußerlich in seinem feinstofflichen Körper eine andere Erscheinung gewesen sein, die einen Zweifel an seiner Echtheit zuließ durch den Unterschied mit seinem sonst gut bekannten Erdenkörper, so daß Jesus einen besonderen Beweis noch erbringen wollte, um den durch die Veränderung möglich gewordenen Zweifel aufzuheben.
Was also derartige Eiferer als Gründe ihres Denkens anführen wollen, trägt in Wirklichkeit einen Beweis des Gegenteils in sich! Man muß nur die Starrheit des trägen Festhaltenwollens an Gewohntes oder Gelerntes aufgeben, dann kommt im Darübernachdenken selbsttätig der erleuchtende Strahl von allen Seiten, so daß man später nie verstehen kann, warum der Mensch nicht schon viel früher darauf gekommen ist.
Und wer dann die Kraft aufbringt, alles gegeneinander ruhig abzuwägen, so findet er, daß alles für das Neue spricht und nichts für das Alte, das irrigem, trägen Denken oder kluger Berechnung entsprang.
Die Erdenmenschen erleben doch andauernd genug, um sich bei nur einigem Nachdenken leicht in die Tatsachen hineindenken zu können. Wer hat zum Beispiel noch nie einen klaren Traum erlebt, bei dem der grobstoffliche Körper als beteiligt grobstofflich mitwirkt? Er schlägt um sich, oder weint, schluchzt und schreit, stöhnt und spricht, während der Traum, das eigentliche Erleben, Schauen und Fühlen :durchaus nicht grobstofflicher Art ist, sondern noch viel zarter und feiner als die feinere Stofflichkeit, die bei dem verklärten Körper des Gottessohnes während der Begebenheit mit dem ungläubigen Thomas in Betracht kam.
Und doch ist der Mensch während des Erlebens im Traume vollkommen überzeugt, daß es grobstofflicher Art ist, nur beim Erwachen dann kommt ihm die Erkenntnis, daß es anders war, trotzdem er noch grobstoffliche Beweise in den Tränen und anderem vorfindet.
Auch die sogenannte “Verklärung” ist nicht die Veränderung von etwas Bestehenden, wie des grobstofflichen Erdenkörpers, sondern die Enthüllung davon, die einen zarteren Körper hervortreten läßt, durch den der Menschengeist selbst stärker durchleuchten kann.
Die Verklärung bezieht sich ja auch nicht auf den Erdenkörper, sondern auf den Menschen selbst, der Geist ist, der nach Ablegung des Erdenkörpers und sonstigen an ihm hängenden trübenden Schlacken immer klarer durch seine Hüllen zu leuchten beginnt.
Es bricht eine neue Zeit heran, die alle Zweifel beseitigen wird und das Wissen von Gott neu auferstehen läßt in reinerem, lebendigerem Gewande, was die Größe des damaligen Opfers des Gottessohnes nicht verkleinert, sondern es in noch viel strahlenderes Licht stellt, weil der Menschengeist darüber wissend geworden ist und nicht nur in unklarem Glauben darüber verbleibt, der keine lebendige Kraft in sich trägt.
Frage: Als ernsthaft schürfender Leser sämtlicher Vorträge Abd-ru-shins bin ich empört über die Art des vor wenigen Tagen in dem “Tiroler Anzeiger” erschienenen Artikels “Vomp und die Gralssiedlung”, da dieser dem wirklichen Worte Abd-ru-shins gegenüber sofort als ein Meisterwerk gewollter Entstellung erkennbar ist, das einem bestimmten, darin aber unausgesprochenen Zwecke dienen soll.
Will Abd-ru-shin auch hierbei schweigend verbleiben? Und würde es nicht angebracht sein, über den Marien-Kult einmal nähere Aufklärungen zu bringen, da dies doch auch nichtkatholische Christen interessieren muß.
Antwort: Warum sollte ich nicht noch länger auf Angriffe schweigen, die sich in absehbarer Zeit doch durch die selbsttätig in der Schöpfung wirkenden Gottgesetze klären müssen? Dann ist die Folge, daß gerade derartige Angriffe nicht nur auf die Urheber zurückfallen, sondern sogar mehr wie alles andere dazu beitragen, das Gegenteil von dem damit Bezweckten zu fördern.
Aber ,da Ihre Fragen durch derartige Angriffe ja geradezu erzwungen werden, will Ich wenigstens einige Hinweise geben, die jedem Menschen zu eigenem Überlegen und Denken anregen können und den Tatsachen entsprechen.
Der von Ihnen erwähnte Artikel ist Ihrer Ansicht entgegen durchaus kein Meisterwerk der Entstellung, sondern die ganze Art erinnert stark an die Handlungsweisen der Kirchen im Mittelalter, die heute doch allgemein mit berechtigter Entrüstung verworfen werden.
Inhalt und Art des Artikels zeigt nur eins deutlich: die vielleicht verständliche Sorge, ich will nicht gerade sagen Angst, daß sich so mancher tiefer denkende Mensch auch aus den Kreisen der Kirche den in meinen Vorträgen gebrachten folgerichtigen Erklärungen über Schöpfungswissen anschließen könnte, weil es ihm auf alle bisher ungeklärten Menschheitsfragen eine verständliche und überzeugende Antwort nicht schuldig bleibt und nichts in Mystik verweist.
Und diese meine Vorträge sind mit jedem Worte nur von reinster, wissender, die Vollkommenheit Gottes betonender Gottverehrung durchstrahlt. Die Vollkommenheit Gottes ist überhaupt die Grundlage und der Ausgangspunkt aller meiner Vorträge, während dies bei anderen bisherigen Belehrungen oft außer Acht gelassen worden ist; denn Vollkommenheit läßt Willkürshandlungen, die außerhalb der wirkenden Schöpfungsgesetze liegen, nicht zu, da ja die Schöpfungsgesetze aus der Vollkommenheit Gottes, des Schöpfers, hervorgegangen sind.
Das erhöht aber die Anbetung Gottes und macht sie im Wissen noch vertiefter, es verkleinert auch durchaus nicht die Heilige Aufgabe der Erdenmutter Maria von Nazareth, die dem Gottessohne Jesus den Erdenkörper geben durfte!
Und wenn ich in Anerkennung und Betonung der vollkommenen Gesetze Gottes in der Schöpfung den Schluß ziehe, daß bei jeder irdischen Geburt auch schöpfungsgesetzmäßig die irdische Zeugung notwendig ist, so liegt darin keinerlei Beschmutzung; denn sonst müßte ja jede irdische Mutterschaft als Beschmutzung angesehen werden!
Und will sich denn die Erdenmenschheit vermessen, Gott in seinen selbsttätig wirkenden Naturgesetzen zu zwingen, sich ihren menschlichen so verschiedenartigen und auch wechselnden Gesellschaftsgesetzen unterzuordnen?
Unbefleckte Empfängnis ist eine Empfängnis in reinster Liebe, die im Gegensatz steht zu der Empfängnis in sündiger Lust!
Und daß Jesus niemals hätte ein Kind sündiger Lust sein können, ist selbstverständlich. Ich wäre der erste, der einen solchen Gedanken mit aller Energie bekämpfen würde. Es gehört schon große Unsauberkeit dazu, derartige Auslegungen meiner rein sachlichen Betrachtungen auch nur zu gestalten.
Bei Ihrer zweiten Frage über die Art des Marien-Kultes will ich einmal in die Fußstapfen des Gottessohnes Jesus treten und sie ebenfalls durch eine Frage beleuchten:
Hat Jesus, der den Menschen alles lehrte, wie sie denken und handeln, ja sogar auch reden und beten sollten, um das Richtige, Gott Wohlgefällige zu tun, jemals auch nur mit einem Worte etwas von derartigem gesagt? Und die Christen wollen sich doch nach Christus richten.
Ich denke, mehr ist darüber nicht zu erwähnen. Mir liegt es vollkommen fern, an die Überzeugung oder Anschauungen anderer Menschen zu, rühren und ich achte jede Gottanbetung, wo sie ehrlich empfunden ist. Ebensowenig habe ich noch nie einem Menschen mein Wissen aufzudrängen gesucht, sondern fordere von vornherein stets von jedem ernstes, eigenes Prüfen, da ja die von Gott eingesetzte eigene Verantwortung des Menschen auch frei Entschlußmöglichkeit bedingt; denn auch die Gerechtigkeit Gottes ist vollkommen, sie würde den Menschen für nicht verantwortlich machen, wofür er nicht frei sich entschließen konnte, was natürlich auch in Glaubensangelegenheiten keine Ausnahme bildet.
Und wenn ich in diesem Falle einmal mit der Bibel reden wollte, worauf sich ja auch viele stützen, so sprich Jesus nach dem Evangelium Matthäi, 6. Kapitel:
“Und wenn Ihr betet, sollt Ihr nicht viel plappern wie die Heiden, denn sie meinen, sie werden erhöret, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt Ihr also beten.”
Dann gab er ihnen das Vaterunser, wie es heute noch gelehrt und gebetet wird. Sonst aber nichts!
Wenn ich nun noch auf das erste Gebot hinweise, das auch Jesus mehr als einmal besonders betont, wo es ausdrücklich heißt: “Ich bin der Herr, Dein Gott, Du sollst nicht andere Götter haben neben mir!”, so ist es eine andachtsvolle Gottverehrung, wenn gesagt wird, alles andere ist dann von Menschen ausgedacht. Und Christen wollen doch nur Christus nachstreben.
Aber ich habe auch ausdrücklich vor vielen Jahren schon auf Befragen hin erklärt, daß es durchaus nicht falsch ist und auch angebracht, geistigen Helfern für deren viele Hilfen zu danken. Das ist wie alles andere lange schon in Druck erschienen.
Dies sei für heute genug. Wer nicht unreine Gedanken hat, wird niemals etwas Unreines in dem von mir Gesagten finden können, sondern lediglich sachliche, schöpfungsgesetzmäßige Begründungen, die sich auf die Vollkommenheit Gottes stützen, wie auch in den meisten Fällen bereits die Weltgeschichte beweisend lehrt.
Die Weltgeschichte! Ja, diese lehrt auch noch vieles, unter anderem auch daß es gerade immer in erster Linie Priester waren, gleichviel welcher Gottbegriffe und Lehren, die gegen jeden Wahrheitsbringer und den rechten Gottbegriff Suchenden in arger Weise vorgingen, da sie sich damit in ihrer Ruhe und ihrem Einfluß bedroht fühlten.
So waren es ja auch die Priester, die den Verkünder Johannes den Täufer und später die Jünger bedrängten, -und, voran der Hohepriester, - den Gottessohn Jesus der Gotteslästerung anklagten und ihn an das Kreuz brachten.
Und wieder wird es die Weltgeschichte sein, die auch von den Tatsachen der heutigen Zeit in rücksichtsloser Klarheit noch in Jahrtausenden berichtet und die Kämpfe schildert, die sich in der Jetztzeit abspielen in immer gleicher Art, bis daß die Wahrheit des Heiligen Lichtes auch die verborgensten Schlupfwinkel des Dunkels durchstrahlt.
Öffnet Auge und Ohr, damit Tropfen des Lichtes guten Boden finden:
Ein Bevollmächtigter Gottes kann aus der Natur der Sache heraus überhaupt kein Mensch sein, es sei denn, daß dieser unmittelbar aus dem Göttlichen gekommen wäre, also selbst Göttliches in sich trüge! Nur darin allein kann eine Vollmacht liegen.
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So wenig in ein Tier auf Erden der Geist eines Menschen umgepflanzt werden kann, so daß ein lebendiges Tier dadurch zum Menschen werden soll, ebensowenig kann in einen Menschen Göttliches gepflanzt werden.
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Die Lehren, welche blinden Glauben fordern, sind als tot und deshalb schadenbringend zu verwerfen; nur die, die wie durch Christus zum Lebendigwerden rufen, das heißt, zum Überlegen und zum Prüfen, damit aus wirklichem Verstehen Überzeugung wachsen kann, bringen Befreiung und Erlösung!
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Nur ein von allem Unverständnis ganz befreiter Geist vermag sich freudig überzeugt auch aufzuschwingen zu den lichten Höhen, zu dem Paradiese!
Es ist ein großer Fehler, wenn die Menschen glauben, durch den Kreuzestod sei die Vergebung ihrer Sünden gewährleistet. Dieser Gedanke zieht den furchtbaren Schaden nach sich, daß alle die, so daran glauben, dadurch von dem wahren Wege zur Erlösung zurückgehalten werden, der einzig und allein darin liegt, nach dem Worte des Heilandes zu leben, nach den Erläuterungen, die er als Wissender und alles Überschauender gab.
* * *
Wenn Christus Wunder tat, die weitab vom Können der Erdenmenschen liegen, so berechtigt dies nicht zu dem Gedanken, daß er sich nicht um die in der Schöpfung ruhenden Gesetze des Gotteswillens zu kümmern brauchte, daß er über diese hinausgriff. Das ist ausgeschlossen. Auch bei Wundern handelte er in vollkommener Übereinstimmung mit den Gottgesetzen und nicht willkürlich.
* * *
Jesus war das fleischgewordene Wort Gottes! Wer also sein Wort richtig in sich aufnahm, der nahm damit ihn selbst auf.
Und läßt ein Mensch das ihm gebotene Wort Gottes dann in sich lebendig werden, so, daß es ihm zur Selbstverständlichkeit wird in dem Denken und im Tun, so macht er mit dem Wort in sich auch den Christusgeist lebendig, weil der Gottessohn das fleischgewordene, lebendige Wort Gottes war!
Abd-ru-shin.
Inhalt:
Seite
1. Spruch von Susanne Schwartzkopff. . . . . . . . . . . . . . 4
2. Des Lebens Zweck und Ziel, von Hugo von Eickstedt. 5
3. Wahrheit. Von Hermann Wenng. . . . . . . . . . . . . . . . . 10
4. Das Kind. Von Agnes Laute. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
5. Geh aus mein Herz, und suche Freud'!
Von Charlotte von Troeltsch. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
6. Rettung! Erlösung! Von Abd-ru-shin. . . . . . . . . . . . . 26
7. Einsendungen aus dem Leserkreise: . . . . . . . . . . . . .
1. Künstlertum. Von Lothar Giesert. . . . . . . . . . . 29
2. Der aus Gewohnheit gewordene Fehler
Von Fritz Löbe. . . . . . . . . . . . 33
8. Nahe ist die Stunde. Von Susanne Schwartzkopff. . . 36
9. In den Wäldern Afrikas. (4. Fortsetzung) . . . . . . . . . . 43
10. Fragenbeantwortungen. Von Abd-ru-shin. . . . . . . . . 53
11. Tropfen des Lichtes. Von Abd-ru-shin. . . . . . . . . . . . 59
Herausgeber: Verlags A.-G. „Die Stimme”, Zürich, Drusbergstraße 17.
Verantwortlich: Für die einzelnen Artikel und Mitteilungen die
Verfasser. Für den übrigen Teil: Herr Arthur Giese, Zürich.