Jahrgang 1937 Heft 11

DIE STIMME

Schrift

für Erstarkung im Wissen

und Können.


VERLAGS A..- G. ,,DIE STIMME“, ZÜRICH








































Copyright by Verlag A - G „Die Stimme“, Zürich

Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung. Vorbehalten

Druck: Gebrüder Scheran, Innsbruck, Fallmeraystraße 4 - 6

Blick auf zum Licht, Du kleiner Menschengeist,

Damit Du Dich vom Dunkel nun befreist,

Das Licht ist Halt im großen Zornessturm,

Im Sterben Deiner Welt der feste Turm.

Blick auf zum Licht, dann findest Du den Frieden,

Du siehst vor Dir den Weg, der Dir beschieden.

Blick auf zum Licht, sein Glanz verblasset nie,

Sink demutsvoll vor Deinem Herrn ins Knie,

Sein ist die Macht, der Sieg, sein ist das Leben,

Nur er kann Dir die Kraft zum Kämpfen geben.

O nimm sie auf und öffne ihr das Tor,

Es fuhrt Dein Weg zu sel’gen Höhn empor!

Blick auf zum Licht, vorbei ist dann die Not,

Es gibt nur Leben noch und keinen Tod,

Laß Dich durchdringen von der Strahlen Glanz,

Laß leuchten sie um Dich als hellen Kranz,

Blick auf zum Licht und seiner Heiligkeit,

Es ist Dein Gott in alle Ewigkeit!

Der Mensch am Wendepunkte

seines Seins!


Von Herbert Vollmann.

Wenn auch Jesus Christus in dem damals berufenen Volk der Juden geboren wurde und dort seinen Wirkungskreis hatte, so war doch das von ihm verkündete Wort der ,Wahrheit nicht nur allein für das Volk der Juden, sondern für die ganze Menschheit bestimmt!

Das kommt ganz klar in seiner Aufforderung an seine Jünger zum Ausdruck, in alle Welt zu gehen und den darnach verlangenden Seelen das Wort der Wahrheit zu bringen.

So wurden die Worte Jesus’ der Nachwelt überliefert und zur Grundlage des Christentums, das, wenn es wahrhaftig und gottgewollt sein soll, die höchsten Anforderungen, die größte Regsamkeit für den Menschengeist bedingt!

Nur der, der das von Christus verkündete Wort richtig aufnimmt und es so in sich verarbeitet, so zum Leben bringt, daß es auch nach außen hin zur Tat im Irdischen wird, verdient es, Christ genannt zu werden!

Dabei ist es unwesentlich, ob er irgend einer Glaubensgemeinschaft angehört oder nicht. Denn nicht die Glaubensgemeinschaft macht den Christen, sondern das Wort Christi, wenn es von den Menschen voll erfüllt wird!

Es gilt vor den Gesetzen des Allerhöchsten nur, wie der Mensch innerIich ist, was er auch sonst in seinem Erdenkleide sein mag.

Der Wert eines Menschen in der Schöpfung hat zum Beispiel mit seinem Erdenberuf, mit der Art, wie er seinen Lebensunterhalt bestreitet, sehr wenig zu tun, hängt aber eng zusammen mit dem, was man „Herzensbildung“ und „Taktgefühl“ nennt.

Ein Arbeiter mit Herzensbildung gilt vor Gott mehr als ein König ohne eine solche!

Diese innere Bildung ist es auch, die den Menschen erst zum Menschen macht und die ihn in den durch Menschen überlieferten Worten des Gottessohnes Jesus das erkennen läßt, was gerade er zu seinem Aufstiege braucht.

Versucht er dann die Gebote und Gesetze Gottes wissend zu erleben, so ist er ein Christ aus innerster Überzeugung und gerade auf diese kommt es an.

Wenn Jesus mit Rücksicht auf das damalige Auffassungsvermögen der Menschen vorerst nur einen kindlich reinen Glauben verlangte, so Ist das heute nicht mehr möglich.

Der Mensch hat sein Verstandeshirn inzwischen so geschult, seine Denkwerkzeuge so scharf geschliffen, daß der kindlich einfache Glaube nicht mehr dazu paßt

Bei der damaligen Denkweise genügte für höhere, überirdische Dinge zunächst noch der schlichte Glaube daran, um geistig vorwärts zu kommen.

Bei der heutigen Denkveranlagung muß anstelle des Glaubens an das Höhere die Überzeugung treten, die nur durch rücksichtsloses Abwägen und Prüfen gewonnen wird, wobei allerdings der Verstand nur bis an die Grenze des Irdischen mitwirken kann, darüber hinaus muß die Empfindung einsetzen, die als Eigenschaft des Geistes alles „Überirdische“ zu erahnen und zu erfassen vermag.

Der Übergang vom einfachen Glauben bis zur bewußten Überzeugung von dem in der ganzen Schöpfung sich zeigenden Willen Gottes ist naturgesetzmäßig bedingt, genau so wie bei der Entwickelung des Kindes, das bis zu einer bestimmten Reife bedingungslos alles glaubt, was ihm gesagt wird, bis dann mit dem Beginn der Geschlechtsreife eigenes Denken und Vergleichen, eigene Urteilsfähigkit einsetzt. Dadurch wird das bisher Geglaubte vertieft, aber auch abgelehnt oder verbessert, wenn es nicht mit den gemachten Erfahrungen und Prüfungen übereinstimmt.

So ist es auch bei der großen Menschheitsentwickelung. Die Menschheit hat ihr Kindesalter, in dem mit Recht der Glaube ihr Höchstes war, hinter sich und muß nun in den Zustand der Reife eintreten, wo das Geglaubte durch sachliches Prüfen zur Ueberzeugung werden muß.

Unter Prüfen ist aber nicht allein verstandesmäßiges Beurteilen zu verstehen, sondern vor allem ein inneres Nachempfinden, ein Nacherleben des Geglaubten, das auch immer eine Erweiterung des Schöpfungswissens mit sich bringt.

Betrachtet man von diesem Gesichtspunkte aus den inneren Zustand der heutigen Menschheit, so entdeckt man sofort zwei bestimmte Gruppen.

Die eine Gruppe hat noch den kindlich reinen Glauben sich bewahrt und arbeitet fieberhaft daran, um endlich die wahre Ueberzeugung von allem Schöpfungswirken zu erlangen und alle Glaubenslücken durch echtes Wissen auszufüllen.

Die andere Gruppe ist dem Schöpfungsgesetz der Entwickelung nicht nachgekommen, weil sie zu träge ist im Geiste.

Denn der oft rege Verstand, den sie zeigen, Ist noch kein Beweis eines regen Geistes! Oft sind die größten Verstandeskünstler im Geiste die Trägsten!

Deshalb kommt es in vielen Fällen so, daß sich der kindliche Glaube, der bei ihnen keine Lebensmöglichkeit mehr findet, in den blinden Glauben umwandelt!

Mit dem Worte blind ist alles gesagt. Es liegt darin die ganze Bequemlichkeit, Starrheit und Eigensinnigkeit, ja sogar sehr oft Gehässigkeit, die diese Gruppe kennzeichnet.

Daher ist heute derjenige, der so einfach, so schlicht und unbefangen glauben kann wie ein Kind, allen anderen weit voraus. Er kann in wenigen Tagen, ja In Stunden zu der Ueberzeugung gelangen, die der Schöpfer nun von den Menschen verlangt: Die Überzeugung von Gott und seinem göttlichen Willen!

Das Luziferische, gegen Gott Eingestellte kann sich dann nicht mehr halten. Das Schöpfungsgeschehen rollt kalt und sachlich darüber hin, alles Falsche zertrümmernd, wenn die Zeit dazu gekommen Ist!

Der Mensch ist vollständig ohnmächtig gegen diese Gewalten, die er selbst auf sich lenkte durch seinen Verstandesdünkel und sein Besserwissenwollen.

Man denke nur einmal an eine Art der Gewalten:

die Naturkatastrophen.

In wenigen Minuten, ja in Sekunden vernichtet ein Unwetter, eine Wasserflut, ein Vulkanausbruch oder ein Erdbeben ganze Städte mitsamt den Einwohnern, wie es jetzt immer häufiger vorkommt! Und wenn es heute noch weit entfernt vor sich geht, wer weiß, ob nicht schon morgen hier und dort in der Nähe sich dieselben oder ähnliche Katastrophen ereignen können?

Es gibt keinen von Menschen bewohnten Flecken auf der Erde, den nicht die strafende Hand Gottes in irgend einer Form treffen müßte!

Wie ein Nichts erscheint dagegen ein aus Eigensinn oder Wut entstandener Widerstand der Menschen!

Es ist tatsächlich die Zeit des Überganges vom einfachen Nur-daran-glauben zur Ueberzeugung von dem in allen Schöpfungsgesetzen zum Ausdruck kommenden Willen Gottes eine ganz gewaltige Weltenwende. Und wie es den Störenfrieden und Aufsäßigen, den Trägen und Bequemen dabei ergeht, zeigen die sich mehrenden Schläge vom Lichte aus deutlich genug!

Der Mensch nennt diese Schläge große und kleine Katastrophen, sie sind es auch für ihn, aber er darf nie vergessen, daß er es zu diesen Schlägen kommen ließ!

Gott straft nie, nur um zu sehen, ob die Menschen auch innerlich im Glauben genug gefestigt sind. Wenn er straft, dann gab den Anlaß dazu allein der Mensch. Die göttliche Strafe ist niemals einseitig, in ihr kommt Immer das Gesetz von der wechselnden Wirkung zum Ausdruck, das heißt, was der Mensch säet, das muß er ernten!

Die Umwälzungen in der Natur sind gesetzmäßig bedingt, sie werden für den Menschen nur dann zu Katastrophen, wenn sie gleichzeitig mit zur Rückwirkung seines üblen Wollens benutzt werden!

Wie groß aber auch die Sünde eines Menschen oder ganzer Völker sein mag, die Hilfe aus dem Lichte ist immer bereit und wirkt sich auch bei herannahenden Katastrophen oft schon lange vor deren Einsetzen durch Warnungen und Mahnungen aus, die den gefährdeten Menschen noch im letzten Augenblicke Rettung in mancherlei Art bringen können, wenn sie sich rechtzeitig den lichten Hilfen zu öffnen vermögen.

So wurden einst die Atlantier schon Jahrzehnte vorher auf den Untergang ihrer Insel aufmerksam gemacht, aber die Meisten von ihnen achteten der vielen Warnungen nicht, entfernten sich im Gegenteil durch ihre größer werdenden Sünden immer mehr von Gott und mußten so mit der Insel Atlantis untergehen,*)

Der Untergang der Insel mußte naturgesetzmäßig dadurch erfolgen, daß der Mond sich der Erde näherte und ihre Bahn kreuzte, was katastrophale Umwälzungen hervorrief, von denen auch Atlantis betroffen wurde.

Die Bewohner hätten gerettet werden können, wenn Ihr Wollen rein und voller Demut gewesen wäre, wie es zum Beispiel bei den Inkas im Süden Amerikas der Fall war.

Der Inka Mantoa erhielt lichte Kunde von nahen Naturgeschehen und auf seine Aufforderung hin eilte das Volk in den Tempel. Während draußen die Wasser stiegen, die Erde bebte und Stürme brausten, geschah der kleinen Schar in dem Tempel nichts. Sie konnte ihn nach den Katastrophen wohlbehalten verlassen und wurde der Grundstein für das große Reich der Inkas, das einst von einem Ozean bis zu dem anderen reichte.*)

Auch heutzutage gibt es noch viele ähnliche Fälle, in denen einzelnen Menschen oder Gruppen von ihnen auf „überirdische“ Weise Warnung und Hilfe zuteil wird. Aber nur wenige beachten solche Rettungsmöglichkeiten.

Die Meisten wollen sie nicht sehen noch hören, bis sie plötzlich mitten in den vollen Auswirkungen ihres falschen Tuns stehen, die sie durch rechtzeitiges Beachten der vielen Warnungen mindestens hätten abschwächen können.

So geht die Mehrzahl der Menschen auch noch an der größten Hilfe achtlos vorüber, die je für sie vom Lichte aus gegeben wurde, an der von Abd-ru-shin verkündeten Gralsbotschaft, deren Erleben die Menschen mit einem Schlag zu der höchsten und schönsten Überzeugung ihres Lebens verhelfen würde.

Sie öffnet den Blick in die Geschehnisse der Schöpfung und bietet dem Menschen die Stufe, auf der er mühelos von dem bisher nur Geglaubten oder Geahnten zur vollen Ueberzeugung zu gelangen vermag. Sie steht an der Wende der jetzigen Zeit als eine lodernde Fackel, die nach oben weist, gen Osten, in die unermeßliche Gottesferne, aus der das Licht der Wahrheit auf die Erde kommt!

Die mit Osten bezeichnete Richtung in das All ist für den Menschengeist der Weg in das Paradies, wenn er ihn rechtzeitig wählt.

Der Mensch steht in einer großen Wende, in der er sich nun endgültig für oder gegen Gott entscheiden muß! Ein Mittelweg, ein Schwanken und Zagen ist dabei ausgeschlossen.

Plätze für das Himmelreich wird niemals ein Mensch vergeben können, das steht nur Gott allein zu und er wird auch wissen, wer die wahre Ueberzeugung von seinem Willen lebendig in sich trägt.

Mag er auch ein Heide gewesen sein: hat er noch im letzten Augenblick die rechte Ueberzeugung von dem Dasein Gottes und seiner Gesetze gewonnen, so ist er geistig auf der gleichen Stufe wie der beste Christ!

Ausschlaggebend ist für die geistige Reife zur Zeit des Endgerichtes, was der Mensch innerlich ist nicht was er war!

Es Ist eine eherne, nicht zu umgehende Forderung der Weltenwende, daß nun endlich auch der Mensch in wahrer Anbetung zu Gott sich wenden muß, wenn er weiterhin in dieser wundervollen Schöpfung bestehen bleiben will.

Bisher hatte er seinen Blick nur zur Erde gerichtet, jetzt muß er ihn auch nach oben wenden, dem Lichte zu, damit er darin erstarken kann zu wahrem Menschentume, das für Ihn bis jetzt nur ein leerer Begriff blieb!

Die Menschen müssen nun hinein in die Wirren Ihres selbst gewählten Schicksals!

Wohl dem, der in dem Kampfe um Sein oder Nichtsein den Weg zur Wahrheit findet Es wird Ihm reicher Lohn und selig kann er einer neuen, glückerfüllten Zeit entgegensehen.








Heilung durch Strahlung.


Von Dr. med. F. K. Noack.


Die Erforschung der Strahlen hat in den letzten Jahren die Naturwissenschaft stark interessiert. Besonders weite Kreise der Ärzte haben regen Anteil genommen an den Forschungsergebnissen und diese ihrem heilerischen Rüstzeug dienstbar gemacht.

Durch die Lehre Abd-ru-shins* ) sind uns aber gerade in dieser Richtung Ausblicke eröffnet worden, die uns erkennen lassen, daß die Wissenschaft erst im äußersten Beginn ihrer Entdeckung steht.

Abd-ru-shin hat wiederholt auf die für alles Sein grundlegende Wichtigkeit der Strahlungen hingewiesen, letzthin auch ihre Bedeutung In der „Blutstrahlung“**) uns dargelegt. So manches Rätsel, vor dem gerade wir Ärzte häufig genug stehen, löst sich dadurch, und wenn wir aufmerksam die Natur in ihrem Wirken betrachten, finden wir Immer wieder ihre Bestätigung.

Gar vieles gibt es in der Natur und, wenn ich hier vom Standpunkt des Arztes spreche, gerade in den Heilungsvorgängen an Kranken, wofür uns die Wissenschaft auch mit ihren subtilsten Untersuchungsmethoden die Antwort schuldig bleibt Die Strahlungslehre Abd-ru-shins gibt uns erstaunlich einfache, den Gesetzen der Natur entsprechende Lösungen. So lüften sich auch die Schleier, die über den „Wunderheilungen“ liegen.

Im Grunde genommen ist ja jeder Heilungsvorgang ein Wunder. Die genaueste Untersuchung zum Beispiel der Ausheilung einer Entzündung mittels des Mikroskops oder colloid-chemischer Methoden kann uns noch längst nicht das unseren fünf Sinnen verborgene Wesen dieses wunderbaren Vorganges erklären, und ein Gefühl tiefster Ehrfurcht muß uns erfassen vor dem, was sich da unserem Geist offenbart.

Und sehen wir ein Blatt, einen Stengel, ja das einfachste einzellige Lebewesen, eine Amöbe, an. Hat jemals Menschengeist oder Wissenschaft solch ein Kunstwerk zu erschaffen vermocht, obwohl wir doch Ihre morphologische Struktur, ihren Aufbau im Hinblick auf chemische Zusammensetzung, Atome, Ionen, Elektronen usw. genauestens erforscht haben?

Mit unserem menschlich eingeengten Verstand werden wir eine Erklärung dafür nie geben können. Ebenso geht es uns auch mit den Heilungsvorgängen an Kranken. Nur vom alles umfassenden Geistigen aus können wir sie begreifen. Da sind die überall In der Natur vorhandenen Strahlungskräfte am Werk, Endauswirkungen göttlicher Lichtkraft, die sich im Grobstofflichen des menschlichen Körpers heilend betätigen.

Die Ärzte verwenden verschiedenste Mittel zu Heilzwecken. Können wir Ärzte aber etwa mit gutem Gewissen behaupten, daß diese nun einzig und allein den Heilvorgang herbeigeführt haben, wenn wir auch einen unterstützenden Einfluß in der Heilung nicht von der Hand weisen können? Die eigentliche Heilwirkung müssen wir doch in etwas anderem suchen.

Zumeist nehmen wir Luft, Sonne, Wasser, Pflanzen, Tiere, Gestein, elektrische Ströme zur Behandlung zu Hilfe. Alles dies sind Substanzen, in denen Strahlungskräfte der Natur irgendwie verankert sind. Wir schließen sie nun erst durch besondere Zubereitung auf, um die erwähnten Kräfte auf diesem Umweg dem Kranken zugänglich zu machen. Wir sehen also, wie jeder Heilvorgang letzten Endes auf der Auswirkung der Strahlungen dieser verschiedenen Substanzen beruht

Um wievieles einfacher, wirkungsvoller und sicherlich erfolgreicher wäre unsere Behandlungsweise, wenn wir diese Umwege nicht mehr zu gehen brauchten, sondern lernen würden, diese göttlichen Strahlungskräfte geistig direkt in uns aufzunehmen, um sie an den Kranken zu heilerischen Auswirkungen weiter zu leiten.

Nun gibt es ja auch wenige begnadete Menschen, die diese Fähigkeit besitzen. Sie brauchen dazu keinerlei materielle Hilfsmittel, wie Medikamente, Teezubereitung, Bestrahlungsapparate und ähnliches, um Heuwirkungen zu erzielen.

Die ärztliche Wissenschaft steht bei den Heilerfolgen solcher Menschen wie vor einem Wunder, denn es geschieht da etwas, was wir mit unseren fünf Sinnen nicht begreifen können und doch sehen wir die Tatsache der Heilung vor uns. Mit dem gewöhnlichen Magnetismus, dessen Erfolge auch wir Ärzte unbestreitbar anerkennen, hat jedoch diese Art der Behandlung nichts zu tun, ebenso auch nicht mit Suggestion oder Autosuggestion, wie sich die medizinische Wissenschaft die Erklärung in solchen Fällen so einfach macht. Es sind da Kräfte am Werk, die nicht menschlichen Kenntnissen und Wissen entspringen.

Ein dazu Begnadeter nimmt solche heilende Strahlung aus der Natur, dem All, der alles erfüllenden Gotteskraft auf, und gibt sie an den zu behandelnden Menschen weiter, wo sie ihre Heilwirkung in kürzester Zeit entfaltet. Dieser übersinnlichen Kraft verdankt letzten Endes alles in der Natur sein Dasein.

Auch vom ärztlich-wissenschaftlichen Standpunkt aus können wir uns vorstellen, daß die Strahlungskräfte, die die gesamte organische und anorganische Welt erbaut haben, und die jedes Wesen In dieser Welt in sich aufgespeichert hat, auch vom gesunden Menschen aufgenommen und schließlich an Kranke zu Heilzwecken weitergegeben werden. Diese Kräfte, sie werden auch als „Od“ oder „Fluidalkräfte“ bezeichnet, bewirken nun im Menschen eine Umstellung aller vitalen Vorgänge auf dem Weg übe das Nervensystem, besonders über das vegetative System das ja hauptsächlich für den normalen Ablauf aller Lebensreaktionen verantwortlich und für die Aufnahme dieser Strahlungen besonders empfänglich ist.

Ist dieser normale Ablauf gestört, was sich uns als Krankheitsvorgang bemerkbar macht, so wird die Natur in Ihrem Bestreben, den Normalzustand wiederherzustellen durch die ihr zugeführten fluidalen Kräfte ganz wesentlich unterstützt und wir sehen eine raschere und zum Teil auch vollkommenere Heilung eintreten, als wir es mit Hilfe unserer sonstigen Heilmittel zu beobachten gewöhnt sind.

Nur wenige Menschen gibt es allerdings, die diese Strahlungskräfte an Kranke weitergeben können, Das hat seinen Grund in der geistigen Verbogenheit der Menschheit Wir sind durch eine Ära vorwiegend materialistisch monistischer Weltauffassung gegangen, in der die Wissenschaft, das heißt alles, was der Verstand geschaffen hat Trumpf ist. So haben wir unsere direkte Verbindung zur Natur, zu Gott, die Intuition, das primitive „den Naturkräften Geöffnet-sein“ verloren. Leider sehr zu unserem Nachteil, wie unsere mangelhaften Heilerfolge und die Irrwege, die die Medizin in den letzten Jahrzehnten gegangen ist, beweisen.

Diese Unzulänglichkeit der Menschen durch ihre verstandesmäßige Einengung ist auch der Grund, warum viele Heilkundige und Ärzte in ihrem Beruf versagen. Wir, die wir den Menschen heilend helfen wollen, können nur dann der kranken Menschheit die wahre Hilfe bringen, wenn wir selbst diese Hilfe direkt aus der Strahlung der göttlichen Kraft bekommen. Unsere Heilerfolge verdanken wir der Auswirkung dieser Kraft, die sich andererseits auch wieder nur voll entfalten kann, wenn der Kranke da geistig-seelisch geöffnet ist.

So kommen wir zwangsläufig zu der Erkenntnis, daß nur derjenige im wahrsten Sinne des Wortes „heilen“ kann, der in ganz ursprünglicher Naturverbundenheit die Gotteskräfte In Demut empfängt, um sie auf dem Weg über das vegetative Nervensystem den dafür zugänglichen Kranken zuzuführen. Dann werden wir aber auch das Wunderbare in unseren Heilerfolgen erleben und nicht mehr in Abhängigkeit von irgend welchen oft schädigend wirkenden pharmazeutischen Präparaten stehen.

Christus hat uns ein einzigartig dastehendes leuchtendes Beispiel gegeben von der heilenden Wirkung dieser Strahlungskräfte. Ihm, selbst ganz von der göttlichen Kraft und Liebe erfüllt, war es gegeben, diese an solche Kranke weiterzuleiten, die im wahren Glauben, das heißt frei von zersetzender Verstandeskritik sich ihm nahten und in demütiggeistigem Geöffnetsein die heilende Strahlung in sich aufnahmen. So erfüllte sich an ihnen das „Wunder“ einer ungeahnt raschen Gesundung auch von schwerster Krankheit

In unserer Zeit geistigen Tiefstandes infolge gröblicher Vernachlässigung des Empfindungslebens, In der das Dunkel die letzten edlen Fähigkeiten des Menschen abzudrosseln versucht, gibt es wie bereits erwähnt, nur ganz wenige Begnadete, die die seltene Begabung haben, die Kraft aus dem All direkt zu schöpfen, um sie unmittelbar an den Kranken weiter zu geben.

Um diese Fähigkeit zu bekommen, müssen wir eine hohe ethische und geistige Stufe erreichen. Unser Streben muß dahin gehen, uns bewußt nach dem Geistigen, nach möglichster innerer Vollkommenheit zu entwickeln, das Materielle zu überwinden, um der reinen Strahlungskraft in Demut geöffnet zu werden.

Wenn wir diese selbstentsagende, nie endende Arbeit an unserem Charakter, an dem Kern unserer Seele, dem Geist, in jedem Augenblick unseres irdischen Daseins leisten, so werden wir dieser Kräfte teilhaftig werden können, die dann jede Zelle unseres Körpers und unseren Geist durchströmen und uns so zu den schönsten Heilerfolgen befähigen.

Sehen wir in der Geschichte der Medizin die wirklich großen erfolgreichen Heiler, es sind deren für die Länge der Jahrtausende doch nur einige wenige, so werden wir als Grundlage ihres Wesens eine ganz selten starke Natur-und Gottverbundenheit erkennen.

Wem diese heilenden Kräfte aus göttlicher Gnade zuteil geworden, wer sie aber nicht in demütigem Sinn und reinem, selbstlosem Bestreben verwendet, der wird nicht vor schweren Enttäuschungen und Mißerfolgen bewahrt bleiben, denn nur zu leicht werden Luzifers Trabanten einem solchen Irregeleiteten die ihm aus göttlicher Gnade zuteil gewordenen Kräfte zerstören und ihm selbst zum Schaden verkehren, im bevorstehenden Weltgeschehen, wo das Gute, geistig Wertvolle vom Minderwertigen sich scheiden muß wird sich uns in aller Deutlichkeit zeigen, welche Macht die geistigen Strahlungskräfte bei den Heilvorgängen aller Art Krankheiten ausüben, und wie sie gerade bei den in reiner Empfindung lebenden Menschen ihre vollste, segensreiche Wirkung entfalten.

Wir, in heilerischen Berufen Stehenden, sollten unseren Geist im Streben nach dem Höchsten ganz besonders öffnen, daß wir befähigt werden, die Gnade, die im uneingeschränkten Helfenkönnen liegt, von der göttlichen Strahlkraft zu empfangen.








Vom ungehobenen Schatz

des Menschen.


Von André Fischer.




Wieviel Menschen wissen noch etwas von jenem wunderbaren Schatz, der allen denen, die ihn finden, wahres Glück und wahren Frieden bringt?

Ungefunden und ungehoben ist er! Und kein zweiter Ist so schwer zu erreichen heute wie eben dieser eine, denn er ruht an jenem Ort, von dem der heutige Mensch am allerwenigsten weiß: er ruht in seinem eigenen Innern!

Wohl bringt das Leben, In all dem Geschehen, das täglich an uns vorüberzieht, so manchen klaren Hinweis, wo der Weg und das Glück zu finden sind. Doch unnütz sind all diese Hilfen, wenn der Mensch das Seine nicht dazu tut: wenn er nicht in seinem alltäglichen Hasten und Jagen einen Augenblick „innehält“, um sich „an sein Inneres zu halten“, um „in sich zu lauschen“, um seine Denkkraft doch auch einmal für etwas anderes zu verwenden als für das ausschließlich materielle Interesse, so zum Beispiel für das Ergründen des tieferen Sinnes dieses oder jenes Geschehens.

Solch eine Gelegenheit eines „Innehaltens“ zu eigenem Prüfen und weiterem Denken kann der Leser dieser Schrift in Betrachtung des angeblichen „Kampfes um Freiheit“ der heutigen Menschheit finden!

Denn sonderbar und direkt auffallend wird es, festzustellen, wie fast überall, für den Einzelmenschen, die Familien, die Vereinigungen, die Parteien, wie für ganze Länder und Völker, eines ihrer Hauptbestreben darin besteht, Ihre „Freiheit“ zu erlangen!

Wohl nur dem Worte nach, denn was sich die Menschen eigentlich unter dem Ausdrucke „Freiheit“ vorstellen, ist alles andere als die Freiheit, die dem Menschen als Mensch geziemt!

Aber wenn auch nur das Wort noch geblieben ist, so muß es doch etwas Besonderes sein mit der Freiheit des Menschen wenn so viele, trotz aller traurigen und unseligen Mißbräuche, welche dieses schöne Wort „Freiheit“ leider erfahren hat, immer noch von seiner geheimnisvollen und anerkannten Macht erfaßt sind und, selbst in schmachvollster Verirrung, es eben nicht vergessen können.

Ja gewiß, es ist etwas Sonderbares mit der Freiheit des Menschen, und jeder ahnt es auch in seinem Herzen!

Aber wird dieses Ahnen auch in einigen zum Wissen werden? Zum Wissen, daß sie mit ihrer wahren Freiheit auch schon den Weg und den Schlüssel haben zu jenem ungehobenen Schatz in ihrem Innern?

Ja, Freund, dem ist so, und wahre Ueberzeugung davon wird auch Dir werden, so Du wahrlich „innehalten“ wirst und in Dir, mutig und frei, zu eigenem Prüfen und weiterem Denken schreitest:

Ein Schatz ist ein Wert, der wahres, ungetrübtes Glück spendet Alles Unglück aber kommt daher, daß die Menschen den glückspendensollenden Wert immer und immer wieder in rein Irdischem, also Vergänglichem suchen. Denn mit dem jeweiligen „Vergehen“ des vermeinten Wertes, vergeht auch sofort wieder das Glück. Irdisches wirklich besitzen kann der Mensch nie und nimmer, weil Irdisches eben ständig im Werden und Wiedervergehen ist,

Der Mensch besitzt ja nicht einmal. jenes ihm zunächst liegende Irdische: seinen Körper. Denn auch diesen muß jeder einmal liegen lassen!

Unvergängliches Glück, und damit auch ungetrübtes Glück, kann also nur ein unvergänglicher Wert spenden. Also ein unvergänglicher Wert, den jeder Mensch ganz und unbedingt besitzt.

Hat aber der Mensch einen solchen? Hat er einen wirklichen Wert, neben welchem alle Erden- „Werte“ nur Schein sind?

Ja! Und nur dieser Wert ist es, der den Menschen erst zum Menschen macht, der ihn auch zum Herr In der Schöpfung macht!

Es ist: die unbeschränkte Möglichkeit der Entwickelung seines Geistes!

Unvergänglich ist dieser Wert, weil er dem unsterblichen Geist angehört, und weil keine Macht den Menschen in seiner inneren Entwickelung hindern kann, so er es nicht selbst geschehen läßt.

Und ein Wert ist es, weil der Mensch mit seiner geistigen Entwickelung ja überhaupt erst zum wahren Leben kommt und mit einem sich immer steigernden Daseinsbewußtsein im großen Schöpfungsgetriebe als nützlicher Bestandteil mitwirkt, als solcher aber auch unbedingt geschützt und gehoben wird.

Das ist ein Schatz, der reines und hehres Glück spenden kann, der Schatz, von dem die Menschen immer träumen, den sie aber, mit wenigen Ausnahmen, nie fanden, weil sie ihn immer da suchten, wo er nicht ist und auch nie sein kann!

Er besteht in der Möglichkeit der unbegrenzten, inneren Entwickelung durch eigenes Prüfen, eigenes Denken, eigenes Empfinden!

Doch diese Möglichkeit der Entwickelung, die jeder in sich trägt als einzig wahren Besitz, kann natürlich nur derjenige ausnützen, der in sich frei ist und sich nicht an Irdisches gebunden hält, oder sich nicht von Irdischem binden läßt.

Denn Entwickelung heißt: Bewegung und Weiterschreiten, dem eigentlichen Leben entgegen.

Und jeder kann diesen seinen Schatz heben, das heißt nützen, und Zins und Zinseszinsen tragen lassen, so er selbst nicht zu träge dazu ist, und nicht selbst seine Innere Freiheit der eigenen Bewegung und des eigenen Weiterschreitens für nichts verschachert hat.

All dieses ahnt noch mancher Mensch, wenn er von der Freiheit hört. Sie ist der schmale Weg, welcher ihn zu dem einzigen Schatz führt, den er je besitzen kann und der ihm das wahre Glück gibt.

So werdet denn in Euch frei! Das rufe ich den Einen zu.

Und den Anderen möchte ich sagen: So Ihr die Freiheit schon errungen habt, nützet sie nach allen Euren Kräften!

Die drei Blitzstrahlen.


Von Walther Schoppan


Es war ein Singen in der Natur, ein Klingen, ein Jubeln, ein helles Jauchzen, denn der Herr hatte seinen Engeln Befehl gegeben, noch eine kleine Weile zu warten noch eine kurze Spanne Zeit das Gefäß hochzuhalten, aus dem Verderben und Unheil auf die Menschheit hernieder fließen sollten; um der wenigen Guten noch, die den Weg zum Lichte noch finden konnten.

Es war ja für die Menschen noch so schwer den Weg zum Lichte zu finden; denn immer wieder mischten sie Irdisches Denken und Wollen in alle ihre Gedanken und Taten. Anstatt an den herrlichen Lichtweg zu denken, vergrübelten sie sich in irdischen Anschauungen und Meinungen, in irdischen Kleinigkeiten und Kleinlichkeiten und konnten deshalb den Weg zum Heiligen Gottlicht nicht mehr erkennen.

Und dieser Weg war steinig, war nicht den Wünschen der Menschen angepaßt, sondern führte steil empor, über Schroffen und Felsgrate, über schmale Steige und wegloses Geröll. Dieser Weg war ein Pfad der Hindernisse, die die Menschen selbst sich mit ihrem Verstande in den Weg gerollt hatten, war eine Brücke voller fehlender Planke denn die Menschen selbst hatten die Bretter dieser Brücke herausgebrochen, sie allein hatten sich den Weg zur Lichtburg versperrt, den Weg, der zur Lichtheimat, zum Urquell des Lichtes führte.

Und jetzt weinte die Menschheit!. Ihr Leben war leer und schal, der Inhalt ihres Seins war zum Nichts geworden! Sie wußten nicht mehr, warum sie auf der Erde waren, warum sie litten und strebten, warum sie empor wollten, empor, aber wohin?

Dunkel und trübe ballten sich die Wolken über der Menschheit, dunkel und trübe waren ihre Gedanken, dunkel und trübe ihr Wollen.

Alles, was sie an irdischen Schätzen finden und erraffen konnten, glaubten sie als Ersatz für die verlorene Himmelssehnsucht verwerten zu können, glaubten sie als größten Schatz ihres Daseins gefunden zu haben. Aber, was war dies alles? Irdischer Kleinkram war es, irdischer Tand, den sie für das verlorene Himmelsglück eintauschen wollten!

Sie fanden nicht das Himmelsglück, es war für sie in unerreichbare Fernen geruckt, in Fernen der Reinheit und der Wahrheit. Dort konnte der Mensch nicht das Himmelsglück suchen und auch nicht finden, denn zum Suchen fehlte Ihm die Kraft, sich selbst erst einmal zu überwinden, deshalb konnte es auch kein Finden geben. Der Mensch wollte nur sich selbst finden, wollte seine eigene Größe entdecken und glaubte, damit auch das Himmelsglück finden zu können.

Immer trüber wurde es deshalb auf der Erde. Immer dunkler ballten sich Wolken über ihr zusammen. Immer irdischer wurde der Menschen Denken und Tun. Immer mehr ward das Irdische Licht dem himmlischen vorangestellt Immer mehr vergaßen die Menschen, daß sie Diener seien, Diener des Hocherhabenen, der über allen Welten thronet, immer mehr glaubten sie, selbst Herrscher und Götter zu sein.

Da fuhr der erste Blitzstrahl herab, der Blitzstrahl der Erkenntnis, der in seinem scharfen Strahl all dieses üble Denken und Tun in einen Trümmerhaufen verwandelte.

Das große Wissen, die überschwengliche Weisheit wurden zum Nichts, es entstand eine gähnende Leere und Hohlheit, wie man sie heute überall sehen kann. Diese Hohlheit und Leere aber wurde verdeckt mit schwulstigen Titeln und propagandistischen Geschrei. Es sollte ja niemand darauf aufmerksam werden, daß eigentlich das ganz Denken und Wissen der Hochweisen hohl sei, es sollte niemand an der großen Weisheit der Nichtswissenden zweifeIn dürfen.

Auf diesem Grunde baute sich die Menschheit ihr neues Haus auf. Da aber der Grund morsch und faul war, so konnte auch schließlich die schönste Verzierung nicht den Verfall des Hauses verhindern. Und dieser Verfall trat schneller ein, als selbst sogenannte Pessimisten voraussagen konnten. Es kam der Zusammenbruch des ganzen menschlichen Seins und heute steht die Menschheit wieder aufs neue vor der Frage: Was ist unser Sein? Was sind Zweck und Ziel unseres ganzen Lebens hier auf der Erde?

Sinnlos und zwecklos ist das Leben der heutigen Menschheit geworden, da sie nur eigenes Wollen, eigenes Streben als Höchstes anerkennt, da sie nur an sich selbst zu glauben vorgibt, ohne daß dieser Glaube wahr und echt ist Denn an sich selbst zu glauben bedingt Gottvertrauen, ohne das der Glaube an sich selbst zur Utopie wird.

Wie kann ein Mensch an sich selbst glauben, der nicht an Gott, den Allerhöchsten, seinen Schöpfer und Erhalter glaubt! Wer nicht an den Schöpfer glaubt, kann auch an Erschaffenes nicht glauben. Ohne die Existenz Gottes gibt es auch keine Existenz des Menschen, den schließlich wird niemand annehmen, er sei auf maschinellem Wege oder auf Grund seines eigenen Schöpfungswollens entstanden. Wenn er dieses, sein eigenes Wollen als Schöpfer hinstellen wollte, muß er auch an irgendeine Macht glauben, die ihm die Möglichkeit gab, Schöpfer zu sein. Wenn die Menschen also litten, mußten sie sich selbst diese Leiden geschaffen haben, da sie doch dann Schöpfer waren.

Und wieder standen die Menschen vor einem Rätsel. Sie erkannten, daß sie mit ihrem Wollen zwar Werke Schaffen konnten, doch diese Werke waren klein und gering, meist dunkel und trübe, da der Menschen Wollen und Wünschen dem Dunkel entsprang.

Wieder überkam die Menschen dieses Ungewisse, das schon Immer in ihnen lebte, seit sie sich von dem Lichte abgewandt hatten. Sie fanden nicht mehr Ziel und Zweck ihres Daseins!

Alles in der gesamten Schöpfung hatte Zweck und Ziel. Wie konnte die Menschheit als einzige ohne Zweck und Ziel dahinvegetieren? Und es begann ein Suchen, ein Streben nach bekannten und doch verlorenen, nach bestimmten und doch so unauffindbaren Zielen und Zwecken.

Und das Suchen ergriff die Menschen wie eine Flamme Es begann in ihnen zu brennen, zu flammen, zu lodern. Eine große Sehnsucht beherrschte alle: Sie wollten den verschlossenen Weg eröffnen, wollten Zweck und Ziel ihres Daseins ergründen. Nur wenige fanden dabei den Weg zu Gott, ihrem Schöpfer. Viele derer, die ihn fanden, schreckten immer wieder vor den ihnen streng und hart erscheinenden Geboten „Du sollst nicht!“ zurück. Wenn da verkündet worden wäre, „Du darfst nicht!“, dann hätten sich die Menschen sicherlich leichter damit abgefunden, aber mit dem Befehl „Du sollst nicht!“ fanden sich nur wenige ab.

Viele dieser wenigen noch unter Murren und mit Bedauern und Bemitleidung ihrer eigenen Person. Was mußten sie doch alles aufgeben, wenn sie dem Befehl des Allerhöchsten gehorsam sein sollten! Alles mußten sie aufgeben, was ihnen lieb und wert geworden war; die schönen lieben Hänge, die herrlichen Angewohnheiten, die bisher ihr Dasein beherrscht hatten. Ja, sie mußten sogar von dem wunderbaren, selbst erschaffenen Herrscherthron herabsteigen, den sie sich in ihrem Besserwissenwollen errichtet hatten.

Das war doch zu hart für die meisten unter ihnen. begannen zu grübeln. Sie holten die Bibel hervor und begannen sie zu prüfen, aber dabei versuchten sie, die Befehle Gottes zu verschönern nach ihren irdischen Begriffen, sie versuchten, die ganze Bibel nach ihrem eigenen Denken umzugestalten. Es war ihnen ja doch so unangenehm zu wissen, daß ein Gerechter Richter über ihnen stand, der jede ihrer Taten auf die Wagschale legte und bei jeder dieser Taten sagen konnte: „Gewogen, gewogen - - - und zu leicht befunden!“

Es war dies ein zu hartes Wort, was die Menschen hören mußten, während sie bisher so sanfte und beruhigende, so einschläfernde und in ihrem eigenen Denken gepaßte Worte ihrer sogenannten Weisen und Wissenden vernommen hatten, die zwar die Wahrheiten in der Bibel ihnen auch gesagt, aber beruhigend hinzugefügt hatten daß es der „liebe Gott“ natürlich nicht so streng meine und daß dies nur für die Halbwilden der damaligen Zeit gepaßt hätte.

Und die Menschen empörten sich gegen die Wahrheit Es brach aus ihnen hervor ein unklarer Quell des Übelwollens. Sie wollten mit Gewalt das Dunkel zerstören, das versicherten sie, aber durch ihr eigenes dunkles Wollen sahen sie das Licht als Dunkel an.

Wo waren die wahre Liebe und die Reinheit geblieben? Trauernd standen sie beiseite, denn bei diesen dunklen Menschengebilden, die Liebe und Reinheit als Gebilde ihres sogenannten Teufels hielten, konnten sie nicht weilen. Aber auch die Ehrlichkeit, die Sittsamkeit, das gute Wollen verbargen sich vor den Menschen, die diese Gestalten nicht mehr sehen wollten, denn sie waren ihnen zu hell, zu licht, sie taten ihren Geistesaugen weh. Sie wollten sich nur noch an der Sinnenlust, an der Lüge, die sie Diplomatie nannten, an der Unmoral ergötzen, denn diese waren ja bedeutend bequemer. Sie riefen den Menschen kein „Du sollst nicht!“, sondern ein lächelndes „Du darfst!“ zu.--Da fuhr ein zweiter Blitzstrahl vom Himmel nieder. Er

räumte mit dem „Du darfst!“ auf und schuf dafür jetzt den Befehl „Du mußt!“ Schrecken brachte dieser Blitzstrahl, denn er war zu klar, zu rein, um von den verbogenen Menschen verstanden zu werden. Und er brannte, verbrannte. --- Weißglut ging von ihm aus und das Dunkel zischte auf.

Rote Rosen der Liebe wurden an goldenen Ketten vom Himmel herabgesandt, weiße Blüten der Reinheit sanken zur Erde nieder. Aber die Menschheit erkannte die himmlische Schönheit der Bluten nicht. Sie kannten zwar irdische Liebe, körperliche, sinnliche, verstandesmäßige, sie glaubten, daß Reinheit und ihre sogenannte Keuschheit ein und dasselbe seien, aber die wahre, die göttliche Liebe, die göttliche Reinheit kannten sie nicht. Wenn sich irgendetwas nicht in den Begriff ihres irdischen Verstehenwollens einzwingen ließ, so betrachteten sie es als phantastisch, als erfunden, als erlogen.

Doch der Blitzstrahl zündete. Er schuf den Weg für das Licht, das sich in liebevollem Erbarmen der Menschheit noch einmal zeigen wollte, das noch einmal den Menschen den Weg zu den Gärten der Wahrheit, der Liebe, der Reinheit weisen wollte

Man konnte dieses Mal zwar nicht das Licht ans Kreuz schlagen, wie man es so gern getan hätte, denn das Licht war ja so unangenehm, es brannte so hell und licht in das Dunkel, in all die Fäulnis, in der die Menschen zufrieden dahinvegetieren. Man suchte jedoch dem Licht seinen Weg zu erschweren, man versuchte es zu hindern anders zu leuchten, als wie man es für gut befand.

Es wurden Dämme aus Gesetzesparagraphen und Verordnungen errichtet, auf Grund deren man dem Licht den Weg abschneiden konnte. Doch man hatte nicht mehr mit dem zweiten Blitzstrahl gerechnet, der jetzt erst zu wirken begann. Er nahm der Menschheit ihr Eigenwollen, ihr Besserwissenwollen, ihr sogenanntes Können, auf das sich diese kleine Erdenmenmenschheit soviel eingebildet hatte, nahm ihr sogar das Allerliebste: Ihre eigene Beweihräucherung!

Er wandte schon ein wenig mehr Gewalt an, als der erste Blitzstrahl, um sich durchzusetzen. Noch hat er sich nicht vollkommen bemerkbar gemacht, aber seine starken Ausstrahlungen sind überall bemerkbar. Bald wirst Du seine ganze Kraft zu spüren bekommen, Menschheit, und dann - - - wehe Dir! Dein eigenes Trug- und Scheingebilde, das Du Dir errichtet hast, wird und muß zusammenbrechen, sonst fegt Dich der dritte Blitzstrahl, der letzte, mit sich hinweg, hinab in die Tiefen des Verlorenseins.

Dunkel hat sich der Abgrund vor Dir aufgetan, der Dich zu verschlingen droht. Übles Wollen und Wirken steigt empor und sucht Dich zu umgarnen, zu umschlingen, um Dich hinabzureißen dorthin, wo es keine Auferstehung mehr für Dich gibt. „Gewogen, gewogen und zu leicht befunden!“ wird dann in blutigen Lettern über der Erde stehen. - -

Lange, unendlich lange währt die Geduld des Allerhöchsten! Aber wie auch die überreife Frucht eines Tages vom Baume fällt, um zu verfaulen, so wirst auch Du, Menschheit, eines Tages vom Baum als überreife Frucht abfallen und Du wirst verfaulen, wie es Naturgesetz ist. Diese Stunde ist nahe! Näher als Du es glaubst! Diese letzte Stunde stehet vor Deiner Tür und klopfet an. Du mußt ihr die Tür öffnen, damit diese Stunde der letzten Erkenntnis bei Dir eintritt, auch wenn sie Dich dem letzten Blitzstrahl überantwortet, der Dich mit in die dunklen Tiefen der Zersetzung reißt. Jetzt heißt es nicht mehr: „Du darfst!“ auch nicht mehr „Du sollst!“, jetzt heißt es: „Du mußt!“

„Du mußt!“ Der Wille des Höchsten ist Gesetz geworden und dieser Wille wird Dich in die Knie zwingen, wird Dich herabwerfen von dem Baume der Erkenntnis, denn Du bist überreif geworden.

Im dunklen Schatten dieses Baumes, auf dem Du wuchsest, auf dem Du als Blüte einst duftetest und als reifes Obst Freude bringen konntest, tief drunten im Schatten dieses Baumes mußt Du verfaulen, denn Dein Same ist taub.

Aber die Früchte, die guten Samen hervorbrachten, werden sich freudig dem Lichte öffnen und ihren Samen in die Weite tragen lassen, um im Gesetz des Herrn neue Früchte zu bringen. - - --

Es ist ein Singen in der Natur, ein Klingen, ein Jubeln, ein helles Jauchzen, denn der Herr hat seinen Engeln Befehl gegeben, daß sie nunmehr die Ernte des guten

Samens einbringen sollen, daß sie nunmehr die Spreu von dem Weizen scheiden sollen.

Siehe auch Du zu, daß Du zum Weizen gehörest und nicht zur Spreu, die der Wind verwehet, und deren Stätte man nicht mehr findet! - - -







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Die höchste Not.


Von Hildegard Hagel.


Groß ist die Not, die die ganze Erde erfüllt!. Viel größer noch als die meisten Menschen ahnen. Diese Not schreit zum Himmel! Wann kommt aber ein Widerhall?

Sich selbst beruhigend sagen viele:

„Wenn die Not am allergrößten, wenn sie ganz unerträglich ist, dann wird die Hilfe nahe sein. Durchschlagend wird sie sein, denn Er, der Allmächtige wird eingreifend der Not gebieten. Darum wollen wir abwarten in Geduld und ausharren in der Trübsal, wir wollen beweisen, daß wir wahre Christen sind.“

Andere aber sprechen:

„Leset doch in der Weltgeschichte!. Ist nicht schon seit Jahrhunderten ein Auf und Ab zu verzeichnen, ein Niedergang und Wiederaufstieg bei allen Völkern und in allen Ländern? Es liegt kein Grund vor, sich unnötig trübe Gedanken zu machen, weil wir schlimme Zustände haben. Nach dem Niedergang kommt der Aufstieg, das ist ein Naturgesetz. Nur durchhalten müssen wir, arbeiten und nicht verzweifeln. Wir können Herr werden der Not, wenn jeder Einzelne seine ganze Kraft einsetzt zum neuen Aufbau.“

„Ja, aber die Erdbeben, die Katastrophen, die Seuchen?“ wagen tieferdenkende Menschen einzuwenden. „Redet da nicht Gottes Stimme? Sind das nicht Warnungen für uns Menschen? Warnungen zur Umkehr, weil wir vielleicht doch nicht auf dem rechten Wege sind?“

Aber die Stimme des Versuchers erwidert:

„Warum wollt ihr ein Gottesgericht darin erkenne Erdbeben und Katastrophen gab es zu allen Zeiten und bei allen Völkern. Dennoch durftet Ihr immer wieder aufblühen. Jedes Jahrhundert schuf neue Werte, neues Wissen, neues Können. Sind Katastrophen nicht auch dazu um die Technik immer mehr auszubauen zu vervollkommnen? Der Mensch soll und muß doch seine Verstandeskräfte steigern bis zum Äußersten, er soll schadenbringende Elemente durch technische Errungenschaften unterbinden. Er, der Herr der Erde!“

„Wenn uns aber die Politik zerreißt, wenn Hundertausende nach Arbeit und Brot schreien?“

„Dann werdet Ihr Führer finden, die ein sicheres Staatsgebäude errichten, die Euch Arbeit und Brot geben die dem Bürger seine Rechte wahren und den Arbeiter fördern werden. Raum für alle hat die Erde!“

Eiserner Wille, eiserner Fleiß, eiserne Zielbewußtigkeit errichten nun ein neues Staatsgebäude, schaffen auch Arbeit und Brot.

Warum aber pocht die Not noch immer? Wir haben Arbeit und Brot!

Ach, die Erde hebt und auch die Flut steigt weiter. Das Schlimmste aber ist: Tief drinnen im Herzen ist ein Rest jener Not zurückgeblieben, die nicht zur Ruhe kommen will, die trotz Arbeit und Brot zum Himmel schreit. Es ist die höchste Not! Sie drängt plötzlich aus unserem Innersten mit Macht heraus, sucht tastend den Weg hinauf zu lichten Höhen, von dort oben einen Widerhall, eine Antwort erflehend!

Hört Ihr jetzt den Widerhall? Ein Wehe erfüllt ihn:

Wehe, Ihr blinden, tauben Menschenkinder! Eins ist not!

Lernt es erkennen, dies Eine!“

Diese Warnung aus himmlischer Höhe können wir nicht mehr vergessen, obwohl wir sie noch nicht ganz erfassen. Sie ergreift aber Besitz von unserem ganzen Sein und ist auch eine Bestätigung für alles das, was wir selbst schon seit langem in dumpfer Ahnung empfunden haben:

Daß vieles, ja fast alles nicht stimmt in der Welt und auch im Leben der Menschen untereinander, unser eigenes Leben inbegriffen.

Wer von den Menschen hat aber ein Recht, die Schuld der unglücklichen Zustände, aller Mißverhältnisse und Not in einer verkehrten Politik zu suchen? Führer dafür verantwortlich zu machen wenn jeder einzelne nicht auf dem rechten Wege ist? Wer darf das Schicksal anklagen, wenn er selbst sein eigenes Geschick herausgefordert hat? Wir haben unser Schicksal ja heraufbeschworen durch eine falsche Lebensrichtung, durch ein falsches Lebensziel, durch Mißachtung und Nichtachtung göttlicher Gesetze, die den Menschen zur Erfüllung gegeben sind und von ihnen nicht erfüllt wurden.

Im stärksten Druck der Verhältnisse blieb uns stets die eigene innere Entscheidung vorbehalten, unser freier Wille blieb ungebunden, unabhängig von allen äußeren und inneren Einflüssen und politischen Bestimmungen. Diese freie Entscheidung jedes Einzelnen: Das höchste Ziel, das uns von Gott gesetzte Ziel über alles zu stellen, mag die Welt sich drehen und wenden wie sie will. Unserer eigenen inneren Entscheidung, unserem eigenen inneren Glück stand also nichts im Weg!

Wir aber vergaßen ganz und gar das Eine, Einzige was not tut:

Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes!!“

So irdisch und menschlich gebunden sind wir aber fast alle, daß unser Sinn nicht mehr die Wahrheit dieser Worte fassen kann, geschweige denn eine Forderung bis jetzt darin erkannte.

Blind und taub sind wir Menschen der Wahrheit, dem geistigen Leben und Geschehen gegenüber und halten uns doch für aufgeklärte, geistig fortgeschrittene Menschen.

Haben wir denn nicht schon viel erreicht? Schreiten wir doch von einer Entdeckung, von einer Errungenschaft zur anderen, Herren der Luft, Herren der Erde! Und Ätherwellen tragen unsere Erfolge In den entlegensten Erdenwinkel hinaus

Aber trotz aller äußeren Erfolge und äußeren Fortschritte fühlen wir dunkel im Innersten, daß unsere Rechnung doch nicht ganz stimmt, daß ein Zwiespalt da ist der wie ein klaffender Riß durch alles hindurchgeht.



Darum ist tief in der Seele ein Rest von jener Not zurückgeblieben, die uns oft quälend überfällt und mehr Qual bereitet als alles bisherige Übel. Es ist die höchste Not! Diese Not aber ist die innere Stimme. Und die Stimme wird immer dringlicher und feiner, sie erfaßt das „Wehe“ aus himmlischer Höhe, dem wir uns bisher verschlossen haben. Sie vermag es jetzt zu deuten In strenger Klarheit und weiß:

„Ja, es ist so, unsere Rechnung stimmt nicht, denn wir haben sie ohne Gott gemacht!“

Wenn man aber falsch kalkuliert hat und Rechenfehler entdeckt, dann bleibt einem ehrlichen Menschen nichts anderes übrig, als wieder von vorne anzufangen und jeden Posten neu aufzuführen, um hinter die Fehler zu kommen. Unter allen Umständen muß man nun diese Fehler suchen und finden, um endlich von einer drückenden Not befreit zu werden.

Lebendig, unerbittlich wird jetzt die Forderung: von grundauf neu beginnen, sein ganzes Leben neu aufbauen, mit Gott, für Gott! Damit die höchste Not sich wende, damit Ruhe und Frieden, Gesundheit und Freude einkehre In unser aller Leben und alle Verworrenheit sich löse!

Damit ist der erste entscheidende Schritt getan, wir haben die Not und ihr Wehe erkannt und diese Erkenntnis löst eine starke Kraftwelle aus, die uns emporhebt und weiterträgt, mitten hinein in den Lebensstrom. Mitten hinein denn gerade im Daseinskampfe des Alltags sollen wir erstarken und reifen.

Es geschieht dann ganz gesetzmäßig, daß wir in dieser täglichen ernsten Arbeit an uns selbst einem reineren Leben zustreben, unseren Gedanken eine neue Richtung geben, deren Ziel nur noch auf Höheres gerichtet ist. Langsam und allmählich vollzieht sich so eine Reinigung in unserem Inneren, die befreiend uns von einem schweren Drucke löst und ein neues, starkes Lebensgefühl in uns lebendig macht. Es ist, als ob unserer Seele Schwingen wachsen, freier und weiter wird der Kreis, den sie um sich zieht.

So erhoben wächst sie allmählich hinein in das Verstehen und Weben des geistigen Lebens, in die einfache Gesetzmäßigkeit allen Geschehens. Denn der lang verschüttete geistige Sinn ist im Erwachen begriffen, langsam wird er wieder freigelegt durch die völlige Umstellung unseres altgewohnten Denkens, unserer sonstigen Gewohnheiten und verkehrten Wünsche. Mit diesem Freiwerden, das bedingt Ist durch die unablässige Sehnsucht nach dem Licht, beginnt unser innerer und allmählich auch äußerer Aufstieg. Lebendig ist nun das Trachten nach dem Reiche Gottes!

Welche Güte waltet über uns!. Wir sind durch diese neue, uns beschwingende Lebenseinstellung einer ungeheuren Gefahr entronnen, die allen Menschen das sichere Verderben bringt und bis jetzt auch gebracht hat: Die Herrschaft des Verstandes! Der Verstand ist es, der zum alleinigen Herrscher erhoben wurde von den Menschen, alles irdische Leben und Streben galt ihm und seinem eigenmächtigen Gesetz, das seit Jahrtausenden regiert und zersetzend alles durchzieht. Seine Herrschaft übertönt das „Wehe“ aus himmlischer Höhe, das für ihn bereitet ist.

Wer von den Menschen kann noch im Innersten erfassen, daß es der erdgebundene, an Raum und Zeit gekettete Verstand Ist, der den Weg zum Paradies versperrt? Wer von ihnen will begreifen, daß seine Herrschaft die Wurzel allen Übels ist? Wohl ahnen vielleicht viele, daß der Materialismus mit seinen Begleiterscheinungen die Menschheit in den Abgrund führt. Wer aber glaubt von diesen, daß dies alles nur Folgen jenes furchtbaren Übels sind?

Es gibt bis jetzt erst Wenige, die sich dem „Wehe“ aus himmlischer Höhe geöffnet haben. Und diese werden es im tiefsten Inneren erleben und sehen, woran die Welt zugrunde gehen muß. Je dunkler aber die Erde wird, desto stärker wird diese Wenigen das Gebot erfüllen: „Mach Dich auf und werde licht!“ Arbeite unablässig an Dir, mühe Dich in heißem Ringen, auf daß Deiner Seele wieder Schwingen wachsen, geistige Schwingen, denn es ist hohe Zeit! Laß Dein ganzes Sein durchfluten mit der Sehnsucht nach dem Licht!

Nur wenn wir unseren geistigen Sinn wieder zum Leben erwecken und ihm allein die Treue halten, ist uns die höchste Lebenserfüllung möglich. Denn er allein vermittelt uns das lebendige Leben aus lichten Höhen. Er allein ist die Brücke zu der lebendigen Kraft, die die ganze Schöpfung durchpulst, erhält, erhebt und segnet.

Darum ist der geistige Sinn der Feind des erdgebundenen, begrenzten, materialistischen Verstandessinnes, der Verwirrung, Unglück und Not in unser aller Leben hineinbringt.

Selbstverständlich soll der Verstand nicht ausgeschaltet werden, er ist sogar durchaus notwendig für unser irdisches Leben und nicht umsonst vom Schöpfer gegeben.

Aber nach dem Willen Gottes soll er nur Werkzeug sein und hat sich dem geistigen Sinne unterzuordnen. Er ist der Diener des Herrschers. Er soll im Irdischen ausführen, was der Herrscher, der geistige Sinn, befiehlt.

Wehe aber, wenn der Diener auf den Thron erhoben und zum Herrscher wird, wie es seit Jahrtausenden der Fall ist. Wenn der erdgebundene Verstand regiert, der die Tore verschließt zum Paradies!

Dann ist trotz Arbeit und Brot die höchste Not nicht abzuwenden, die Sünde wider den Geist, der Antichrist!

Wenn aber der wahre Herrscher, der geistige Sinn wieder den Thron behauptet, dann kann ein Reich erstehen in höherer Kraft und Reinheit.

Erst dann werden wir Herren der Schöpfung sein im gottgewollten Sinne und neue, größere Werke können aufblühen zur Ehre des Schöpfers.

Alles Leben strebt dann der Reinheit und Liebe zu und somit Ist die stärkste Kraftentfaltung freigelegt. Jeder Einzelne wird in Erfüllung der geistigen Gesetze sein Höchstes leisten je nach seiner Veranlagung und seinen Gaben.











KULT. Von Abd-ru-shin.

Kult soll das formgewordene Bestreben sein, etwas irdisch Unerfaßbares dem Erdensinnen irgendwie aufnehmbar werden zu lassen.

Das formgewordene Bestreben soll es sein, aber es ist leider noch nicht so; denn sonst würde vieles ganz andere Formen haben müssen, wenn diese aus dem Bestreben selbst hervorgegangen wären. Der rechte Weg dazu bedingt gerade das aus dem Innersten herausbrechende Hervorgehen der äußeren Formen. Alles aber, was wir heute sehen, ist ein verstandesmäßiger Aufbau, in den dann erst die Empfindungen hineingepreßt werden sollen. Es wird dabei also der umgekehrte Weg eingeschlagen, den man natürlich ebensogut den verkehrten oder falschen Weg nennen kann, der niemals wirklich lebendig in sich zu sein vermag.

Dadurch gestaltet sich so manches plump oder aufdringlich, was in anderer Form dem eigentlichen Wollen viel näher kommen würde, womit sich dann auch erst die überzeugende Wirkung verbinden kann.

So manches Gutgemeinte muß abstoßen anstatt zu überzeugen, weil die rechte Form dafür noch nicht gefunden wurde, die der Verstand für irdisch Unerfaßbares nie geben kann!

So ist es auch in den Kirchen. Zu deutlich drängt sich der Verstandesaufbau dabei hervor, der auf irdischen Einfluß gerichtet ist, und so manches Gute verliert dabei an Eindruck, weil es unnatürlich wirkt.

Unnatürlich kann wiederum nur wirken, was den Schöpfungsgesetzen nicht entspricht. Gerade solche Dinge gibt es aber in den jetzigen Kulten sehr viel, wo einfach alles, was den natürlichen Schöpfungsgesetzen entgegensteht, in geheimnisvolles Dunkel gehüllt wird.

Gerade damit aber, daß die Menschen unbewußt in solchen Dingen nie von einem geheimnisvollen Lichte reden, sondern immer nur von einem Dunkel, treffen sie das Rechte; denn das Licht kennt keine Verschleierung, also auch keine Mystik, die in der Schöpfung, welche aus dem vollkommenen Willen Gottes erstand und nach unverrückbarem Rhythmus selbsttätig arbeitet, auch keinen Raum haben dürfte. Nichts ist klarer in seinem Weben als gerade die Schöpfung, die das Werk Gottes ist!

Darin ruht das Geheimnis des Erfolges und Bestandes oder des Zusammenbruches. Was auf diese lebendigen Schöpfungsgesetze gebaut ist, dort helfen sie, bringen Erfolg und auch Bestand. Wo diese Gesetze aber nicht beachtet werden, sei es aus Nichtwissen oder Eigenwillen heraus, dort muß unfehlbar nach kürzerer oder längerer Zeit der Zusammenbruch erfolgen; denn es vermag sich nicht für die Dauer zu halten, weil es auf keinem festen, unverrückbaren Grunde steht.

Deshalb ist auch so vieles Menschenwerk vergänglich, was es nicht zu sein brauchte. Dazu gehören Kulte mancherlei Arten, die immer wieder Veränderungen unterworfen werden müssen, wenn sie nicht ganz in sich zusammenbrechen sollen.

Der Gottessohn gab in einfachster und klarster Weise den Erdenmenschen in seinem Worte den rechten Weg, auf dem sie diesem Schöpfungsweben entsprechend ihr Erdenleben führen sollen, um von den Gesetzen Gottes, die in dem Weben der Schöpfung sich auswirken, helfend getragen und emporgehoben zu werden in lichte Höhen, um Frieden und Freude auf der Erde zu erhalten.

Leider hielten sich aber die Kirchen nicht an den vom Gottessohne selbst ganz genau erklärten und gegebenen Weg zur Erlösung und Hebung der Menschen, sondern sie fügten seiner Lehre noch manches aus eigenem Denken hinzu und richteten damit naturgemäß Verwirrung an, die Spaltungen nach sich ziehen mußten, weil es den Schöpfungsgesetzen nicht entsprach und deshalb auch, so sonderbar es klingen mag, gegen die klare Lehre des Gottessohnes ist, nach dem sie sich doch als Christen bezeichnen.

So ist es zum Beispiel mit dem Marien-Kult der päpstlichen Christen. Hat Jesus, der den Menschen al1es lehrte, wie sie denken und handeln, ja sogar auch reden und beten sollten, um das Richtige, im Gotteswillen Liegende zu tun, jemals auch nur mit einem Worte etwas von Derartigem gesagt? Nein, das hat er nicht! Und das ist ein Beweis dafür, daß er es auch nicht wollte, daß es nicht sein sollte!

Es gibt sogar Aussprüche von ihm, die das Gegenteil beweisen von dem, was der Marien-Kult bedingt.

Und Christen wollen sich doch in ehrlichem Tun nur nach Christus richten, sonst würden sie ja keine Christen sein.

Wenn von den Menschen nun noch mehr hinzugesetzt wurde und die päpstlichen Kirchen anders handeln, als es Christus lehrte, so ist damit der Beweis gegeben, daß sich diese Kirche in Vermessenheit über den Gottessohn stellt; denn sie sucht seine Worte zu verbessern, indem sie Handlungen einsetzt, die der Gottessohn nicht wollte, da er sie sonst nach alledem, was er den Menschen gab, auch unbedingt gelehrt haben würde.

Gewiß, es gibt eine Himmelskönigin, die nach irdischen Begriffen auch Urmutter genannt werden könnte und doch reinste Jungfräulichkeit hat. Diese aber ist von Ewigkeit her in den höchsten Höhen und war niemals in irdischer Verkörperung!

Diese ist es auch, deren Strahlungsbild, aber nicht sie selbst in Wirklichkeit, hier und da einmal von tieferschütterten Menschen „gesehen“ oder „empfunden“ werden kann. Durch sie kommen auch oft beschleunigte Hilfen, Wunder genannt.

Ein wirkliches, persönliches Erschauen dieser Urkönigen ist selbst dem gereiftesten Menschengeiste aber niemals möglich, da jede Art nur immer die gleiche Art zu schauen fähig ist nach den unverbiegbaren Schöpfungsgesetzen. So kann das irdische Auge nur Irdisches schauen, das feinstoffliche Auge nur Feinstoffliches, das geistige Auge nur Geistiges, und so fort.

Und da der Menschengeist nur das Geistige erschauen kann, aus dem er selbst hervorgegangen ist, so vermag er auch nicht in Wirklichkeit die Urkönigin wirklich zu erschauen, die viel höherer Art ist, sondern, wenn er einmal dazu begnadet ist, nur deren geistiges Strahlungsbild, das aber wie lebendig erscheint und in der Strahlung schon so stark sein kann, daß es Wunder bewirkt dort, wo es einen dazu bereiteten Boden findet, der durch unerschütterlichen Glauben oder tiefgebende Bewegung in Leid oder Freude gegeben ist.

Das liegt in dein Schöpfungswirken, das von dem vollkommenen Gotteswillen ausgeht und getragen wird. In diesem Wirken liegen auch alle Hilfen für die Menschen von Anfang an und in alle Ewigkeit, wenn diese sich nicht selbst davon abwenden im Besserwissen-wollen.

In der Schöpfung wirkt Gott; denn sie ist sein vollkommenes Werk.

Und gerade aus dieser Vollkommenheit heraus mußte bei der irdischen Geburt des Gottessohnes auch eine irdische Zeugung vorausgegangen sein. Wer das Gegenteil behauptet, zweifelt an der Vollkommenheit der Werke Gottes, somit auch an der Vollkommenheit Gottes selbst, aus dessem Willen die Schöpfung hervorging.

Unbefleckte Empfängnis ist eine Empfängnis in reinster Liebe, die im Gegensatz steht zu einer Empfängnis in sündiger Lust! Aber keine irdische Geburt ohne Zeugung.

Wenn eine irdische Empfängnis, also eine irdische Zeugung an sich nicht unbefleckt sein könnte, dann müßte ja jede Mutterschaft als Beschmutzung angesehen werden!

Durch die Schöpfung spricht Gott auch, zeigt deutlich seinen Willen.

Diesen Willen zu erkennen ist des Menschen Pflicht. Und der Gottessohn wies in seinem Heiligen Worte den rechten Weg dazu, weil sich die Menschen nicht darum bemühten und sich deshalb in die selbsttätigen Gesetze der Schöpfung immer mehr verstrickten.

Dieses unverbiegbare Schöpfungsweben mußte die Menschen bei Unkenntnis und falscher Anwendung mit der Zeit vernichten, während es die Menschheit hoch emporhebt, wenn sie richtig nach dem Gotteswillen lebt.

Lohn und Strafe für den Menschen liegen in dem Schöpfungsweben, das durch Gottes Willen selbst andauernd gleichbleibend geleitet wird. Darin liegt auch Verwerfung oder die Erlösung! Es ist unerbittlich und gerecht, stets sachlich, ohne Willkür.

Darin liegt die unsagbare Größe Gottes, seine Liebe und Gerechtigkeit. Also in seinem Werke , das er dem Menschen neben vielen anderen von Wesenheiten mit als Wohnung und als Heimat überließ.

Es ist die Zeit, daß nun die Menschen zu dem Wissen davon kommen müssen, um mit voller Überzeugung zur Erkenntnis von dein Wirken Gottes zu gelangen, das in seinem Werk zum Ausdruck kommt!

Dann steht jeder Erdenmensch ganz unerschütterlich mit dem freudigsten Schaffenswollen hier auf Erden, in dem dankbarsten Aufblicke zu Gott, weil das Erkennen ihn für alle Zeit verbindet durch das Wissen!

Um den Menschen solches Wissen zu vermitteln, das ihnen übersichtliche und verständliche Überzeugung von dem Wirken Gottes in seiner Gerechtigkeit und Liebe gibt, schrieb ich das Werk „Im Lichte der Wahrheit“, das keine Lücke läßt, auf jede Frage Antwort in sich birgt, den Menschen Klarheit bringt, wie wunderbar die Wege in der Schöpfung sind, die viele Diener seines Willens tragen.

Heilig aber ist nur Gott!











Einsendungen aus dem Leserkreise:


Mutig voran, Gott wohlgetan.



Von Fritz Großmann.


„Mutig voran, Gott wohlgetan!“

Abd-ru-shin hat uns diese Worte gegeben als Hilfe auf unserem Erdenweg; sie sollen für uns das sein, was der Mensch auszudrücken sucht in dem anderen Satz:

„Dem Mutigen gehört die Welt.“

Der Mensch aber hat diesem Wort eine üble Bedeutung gegeben, dadurch, daß er es so auffaßt, daß nur der, der rücksichtslos sein meist materielles Ziel zu erreichen sucht als mutig gilt. Es stehen sich hier zwei Weltanschauungen gegenüber, die ebenso weit voneinander entfernt sind wie Himmel und Hölle.

Der sichtbare Unterschied in den beiden Sätzen liegt schon darin, daß in ersterem das mutige Voranstürmen zur Ehre und Freude Gottes geschehen soll, in letzterem dagegen dem Mutigen die Welt versprochen wird. Obwohl letzteres auch für den mutigen Gotteskämpfer wechselwirkend eintritt, nämlich das Besitzen oder Beherrschen der Welt, so wird doch im allgemeinen zur heutigen Stunde dieses Beherrschen der Welt noch von den „Mutigen“ ausgeübt“ die sich außerhalb der Schöpfungsgesetze dieses Recht anmaßen.

Diese Anmaßung des Dunkels, welches durch sein Werkzeuge allen nach Licht und Reinheit strebenden Menschen nur Schwierigkeiten zu bereiten sucht, legt sich oft hemmend und störend auf aufwärtsstrebende Seelen, sei es, daß sie in sich noch nicht gekräftigt genug sind, um sich gegen solche Angriffe in rechter Weise zu wehren, oder sei es, daß die Schwierigkeiten oft in einer Form an sie herantreten, die ungewöhnlich und unüberbrückbar erscheinen. Solchen zagenden Seelen sei es gleich vorweg gesagt, daß es nichts gibt auf der ganzen Welt, was vom Licht und dem ihm dienenden Menschengeist nicht könnte überwunden oder abgewehrt werden, sei es Angriff, Spott oder üble Nachrede, nur um einige der geläufigsten Mittel zu nennen, mit denen die Trabanten des Dunkels arbeiten.

Vor solchem Gebaren, das allenthalben sogar von im irdischen Leben hochstehenden Menschen geübt wird, wendet sich der nach geistiger Freiheit strebende Mensch mit Abscheu weg . . . und sucht zu begreifen:

Warum eigentlich schämt sich oft der Mensch oder fühlt sich gehemmt, der in Treue und Reinheit zu seinem Gotte strebt?

Warum sieht er sich Angriffen ausgesetzt von Menschen, die oft sogar als Gottesdiener zu wirken vorgeben oder als Leuchten der Wissenschaft gelten?

Warum tastet er erst vorsichtig links und rechts, bei Verwandten, Bekannten und allen möglichen mit ihm auf irgend eine Weise verbundenen Menschen, ob alle diese keinen Anstoß an seinem doch aus freiem Willen heraus gewählten geistigen Auftieg nehmen?

Dies sind Fragen, die sich jeder Mensch, der sich frei gerungen hat von hemmenden Bindungen, von Kirchendogmen und anderen Fäden, höchst verwundert vorlegt, da er es nicht mehr zu fassen vermag, daß es noch Menschen gibt, die sich das Recht anmaßen, Kritik an den geistigen Ansichten anderer Menschen zu üben.

Vergegenwärtigen wir uns doch nochmals die Menschwerdung in kurzen Zügen, so wie wir in innerem Erleben es auf Grund der Botschaft Abd-ru-shins erkennen durften.

Aus dem geistigen Reiche als unterster Niederschlag ausgehend, bewegen sich die Geistkeime aus innerem Drang zu Bewußtwerden nach abwärts, den Stofflichkeiten zu und inkarnieren schließlich in einen werdenden Kindeskörper. Diese aus dem geistigen Reiche kommenden Geistkeime vermischen sich nicht mit anderen und können sich nicht teilen. Jeder Geist ist also nur einmal und demnach auch vollkommen gleichberechtigt mit jedem anderen Geist vor Gott.

nun der eine Geist einen Erdenkörper trägt, der als Landmann, ein anderer als Gelehrter sich irdische Nahrung erarbeiten muß, bedingt noch keine Überlegenheit des Landmannes über den Gelehrten. Ebensowenig kann der Gelehrte sich über den Landmann erheben, weil er durch seine Studien moralische oder ethische, vielleicht auch einmal geistige Werte schafft, die dem Landmann einen höheren Begriff vom Leben und seinem Zweck zu vermitteln vermögen.

Hieraus folgert, daß nur aus dem gemeinsamen Streben, Arbeiten und Leben aller Menschengeister sich die für den Bestand und die Weiterentwickelung der Schöpfung notwendige Harmonie ergibt.

Auch in der Musik beginnt die Harmonie erst bei drei Tönen und steigert sich beim Hinzutreten weiterer Töne zu immer schönerem Wohlklang.

Es ergibt sich ferner, daß ein Mensch auf den anderen angewiesen ist, und weiter, daß die Arbeit eines jeden Menschen für die Gemeinschaft in irgend einer Weise nutzbringend und fördernd ist, gleichviel welchem Beruf die einzelnen Menschen nachgehen.

Gesellschaftliche oder Rangunterschiede in übelsten Auswirkungen zur Anwendung zu bringen, war dem menschlichen Verstand vorbehalten, der sich von Luzifer zu dem schlimmsten Werkzeug gegen den Menschen selbst verbiegen ließ.

Dieser verbogene Verstand ist es auch, der die Einteilung der Artgenossen in hoch und niedrig, vornehm und gering erfand. Ist aber nicht ein einfacher, schlichter Mensch, der seinen Gott in allen Dingen erkennt und ehrt, viel höher zu bewerten als der größte Gelehrte, der Gott zu zergliedern sucht wie der Botaniker die Blume, der Ihn mit a und b zu beweisen oder aber zu leugnen sucht, je nach seiner Auffassung oder Einstellung?

Das Erkennen nun, daß jeder Menschengeist in dieser Nachschöpfung durch gleiche Pflichten gleiche Rechte hat, ist nach dem Gesagten wohl nicht schwer. Daraus wiederum folgert, daß kein Mensch einem anderen geistiger Vormund zu sein vermag, oder etwa gar geistiger Vorgesetzter, wie es sich oft Priester anmaßen.

Ein Mensch kann seinem Nebenmenschen nur Vorbild sein und ihn durch seine eigene hohe Auffassung von edlem Menschentume und Gottesdienst in jeder Arbeit zur Erkenntnis eines gottgewollten, reinen und glücklichen Lebens führen.

Ist nun solches Beginnen noch Fanatismus zu nennen, wie er oft nach Höherem, Edlerem. strebenden Menschen vorgeworfen wird? - Nein! - froh und glücklich ist der Mensch, der reinen Gottesdienst verrichtet in jedem Augenblicke seines Lebens, der im Worte schwingt und lebt, das Christus Jesus uns lehrte: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!“

Freundlich und hilfsbereit für den Nebenmenschen, frohen Gemütes die herrlichen Gaben der Schöpfung genießend, in immerwährender dankender Freude zum Schöpfer für die große Gnade des bewußten Seindürfens schwingend, das ist der rechte Mensch, so wie er Gott gefällt. Wo Wahrheit und Reinheit den Lebensinhalt des Menschen ausmachen, kann nicht Fanatismus erstehen.

Fanatiker ist der, vor dem nur seine eigene kleinliche und selbst zurechtgezimmerte Auffassung oder aber ein starres Dogma bestehen kann, und der diese Ansicht allen anderen Menschen glaubt aufzwingen zu können und sogar zu dürfen, und zwar auf Grund „wissenschaftlicher“ Untersuchungen, angelernter Thesen oder eines ihm von Menschen - nicht von Gott - verliehenen Amtes. Der Fanatiker hat sich in eine Sackgasse verrannt und ist dort erstarrt. In dieser selbstgewählten Starrheit eines Dogmas kann er dem obersten Gesetz der Schöpfung, der Bewegung, nicht mehr folgen, und wird sich demgemäß auch niemals geistig so regen können, daß er ehrlich zu suchen und zu prüfen vermag, sondern er wird alles an ihn her-antretende Geschehen mit dem Maßstab seiner starren Ansichten messen und sich dadurch ganz gesetzmäßig der frischen, gesunden Bewegung verschließen, durch die allein auch anderes zu erkennen möglich ist.

Abd-ru-shin gibt uns im Geleitwort zur Botschaft die einfache und doch so sichere Regel:

„Nur wer sich selbst bewegt, kann geistig vorwärtskommen. Der Tor, der sich dazu in Form fertiger Anschauungen fremder Hilfsmittel bedient, geht seinen Pfad nur wie auf Krücken, während die gesunden, eigenen Glieder dafür ausgeschaltet sind.“

Und an anderer Stelle:

„Nur in der Ueberzeugung ruht der rechte Glaube, und Ueberzeugung kommt allein durch rücksichtsloses Abwägen und Prüfen.“

Und eben dieses Abwägen und Prüfen will der Mensch nicht mehr unternehmen, da er seinen Geist unter eine dicke Schicht bequemer Anschauungen weich gebettet hat, und nun fürchtet, falls er diesen Schutt hinwegräumt, in Unruhe zu verfallen oder gar Sünden zu begehen.

Unterstützt wird diese Bequemlichkeit leider von der Mehrzahl der Kirchendiener, die sich so gegen den Gotteswillen stellen. Sie wollen nicht, daß der Mensch suche oder prüfe, da sonst sehr bald ihr oft künstlich errichtetes Bauwerk zusammenstürzen müßte.

In den Reihen der sogenannten Gottesdiener waren schon immer die größten und für die Wahrheit gefährlichsten Pharisäer zu finden. Waren es doch die Pharisäer und Schriftgelehrten, also damalige Gottesdiener, die den Wahrheitsbringer und Gottessohn Christus Jesus gegen jedes Gesetz und Recht verurteilen und schmählich morden ließen? Und wie wußten ebenfalls wieder Gottesdiener der späteren Zeiten alsdann diesen Mord für sich und die Macht ihrer Kirche auszuwerten? Der Heiland sollte durch seinen Tode die Sünden aller Menschen auf sich nehmen, so daß sie ja nicht zu denken oder sich zu grämen brauchten über ihre täglich begangenen Sünden und Gesetzwidrigkeiten.

Leider sind dies Tatsachen, die wirklich ehrliche Priester der verschiedenen Religionen nicht zu leugnen wagen.

Ist es daher erstaunlich, daß edle Bestrebungen, insbesondere die Gralsbotschaft, die auch der einfache, nicht gelehrte Mensch verstehen und befolgen kann, besonders von Gelehrten und Priestern der irdischen Kirchengemeinschaften verworfen werden?

Merkt denn die Menschheit noch nicht, warum diese Gegnerschaft ersteht, die sich sogar oft zu Feindschaft steigert mit dem offensichtlichen Ziel, die nach Reinheit und Wahrheit strebenden Menschen irdisch zu schädigen, sie zu verleumden oder unmöglich zu machen?

Diese Gegner handeln dauernd gegen das siebente Gebot, das Gott den Menschen einstmals gab: “Du sollst nicht stehlen!”

In der Erläuterung, die Abd-ru-shin zu diesem Gebote gab, sagt er: “Aber in dem Gebote stehet nicht, daß es nur grobstoffliches Erdengut betrifft! Es gibt ja Werte, die weit kostbarer noch sind!. Zu eines Menschen Eigentum gehört auch noch sein Ruf, das öffentliche Ansehen, seine Gedanken, seine Eigenart, auch das Vertrauen, welches er von anderen genießt, wenn nicht von allen, so doch wenigstens von diesen oder jenen!”

Um Einfaches und aus dem Licht Gegebenes zu erfassen, braucht der Mensch keine Gelehrten und Priester, die gern um alles, was mit Gott zusammenhängt, eine undurchdringliche Hecke von Geboten und Verboten, von Dogmen und eigenen Anschauungen errichten, um sich dadurch als notwendige Vermittler zwischen Gott und seine Geschöpfe drängen zu wollen, zu denen sie doch selbst gehören. Letzten Endes geht es vielen diesen Erdenmenschen nur um Irdisches.

Der Mensch, der durch seine geistigen Eigenschaften bei guter Einstellung Verbindung mit dem lichten Reich Gottvaters haben kann, und auf diesem Wege auch Gott selbst zu erahnen vermag, hat es für seinen Geist viel einfacher.

Abd-ru-shin kündet hierzu:

“Der Weg zum Höchsten liegt bereit vor jedem Menschen! Gelehrsamkeit ist nicht das Tor dazu”

An anderer Stelle:

“Wer in sich festes Wollen zu dem Guten trägt und sich bemüht, seinen Gedanken Reinheit zu verleihen, der hat den Weg zum Höchsten schon gefunden, ihm wird dann alles andere zuteil. Dazu bedarf es weder Bücher noch geistiger Anstrengung, weder einer Bußübung noch Vereinsamung. Er wird gesund an Körper und an Seele, befreit von allem Druck krankhafter Grübelei!”


Der Mensch bemühe sich deshalb in heißem, inneren Ringen, die wahre Demut vor Gott zu erlangen und in dieser Demut Kraft zu finden, aufrecht und stolz, mutig und dankbar, hilfsbereit und arbeitsfreudig in Gottes wundervoller Schöpfung zu wirken, seinen Nebenmenschen stets als Vorbild dienend.

Abd-ru-shin selbst ist dazu bestes Vorbild durch seine einfache Größe, die Achtung auch dem Nichtwissenden abzwingt. Und doch gibt es überall dunkle Geister, die ihn, welcher den Menschen Erkenntnisse übermittelte, die keiner der Gelehrten und Priester auch nur zu erahnen vermochten, immer wieder beschmutzen wollen.

Sachlich eine Lehre zu beurteilen, und sei sie auch noch so hehr und rein, ist ihrem verbogenen Verstande nicht mehr möglich! Der beste Beweis von geistiger Unbeweglichkeit und Hohlheit. Es wirkt geradezu erschütternd auf jeden Wissenden, zum Teil allerdings auch lächerlich. Gold ist und bleibt doch Gold, ob es ein Bettler oder König anbietet.

Abd-ru-shin will keine neue Kirche gründen, keine neue Religion oder Sekte verbreiten, er bringt uns Menschen in aller Einfachheit und für den Schlichtesten unter uns verständlich die Erklärung der Schöpfungs - oder Gottgesetze, auf daß ein jeder, der guten Willens ist, den Weg in die geistige Heimat zurückfinden kann.

Dies edle Bestreben und unsere mutige und frohe Nachfolge kann nicht durch Spott der Angriffe aus dem Dunkel beschmutzt werden.

Deshalb gedenke ich mit vielen Wahrheitssuchern dankbar stets des Wahlspruches:

“Mutig voran, Gott wohlgetan!”





Etwas für

kleine und große Kindern


Oisin, der Fahrende.


Von Susanne Schwarzkopff


Die gütigen Feen hatten ihn mit einer solchen Fülle ihrer Gaben ausgestattet, wie keinen anderen der Jünglinge seines Stammes. Keinem wehten so dicht die goldbraunen Locken um die freie Stirn, keiner wußte so um die Wette zu singen mit Sturm und Meer, keiner war so schön wie Oisin, der Königssohn.

Keinem aber sah auch die Sehnsucht so aus den großen, fragenden Augen. Wer diese Augen sah, der sprach zu sich:

“Was sucht Oisin? Hat er nicht alles, was sein Herz sich wünschen kann? Ist er nicht jung und schön, eines Königs Sohn? Gewinnt er nicht jedes Menschen Herz?”

Aber obwohl sich das Lachen Oisins zuweilen hoch über alle hinschwang wie eine helle Glocke, die fragende Sehnsucht blieb in seinem Herzen und fand keine Antwort.

Wie oft hatte er als Kind am Strande des rauschenden Meeres gesessen und stundenlang auf sein Brausen gelauscht! Tag und Stunde vergaß er über dem Erleben der gewaltigen Stimme des Meeres.

Dann sprang er plötzlich auf und lief mit dem Sturm um die Wette, bis ihm der Atem ausging, oder er warf sich in die schäumenden Wogen, in denen er zu Hause war Wie die Wasserwesen, deren Spiel seine geöffneten Augen wahrnehmen konnten. Ihre jauchzende Daseinslust, ihr Wiegen und Wogen mit dem ewig bewegten Wasser weckten in ihm Töne, die er vor sich hinsang. Töne waren es ohne Worte und sie schufen sein Kindheitsglück.

Da gab es dunkle Grotten, in die die Wasser hineinschossen und sich verfingen. Oisins schmales Boot konnte hineinfahren in diese dunklen Gewölbe, die von außen unheimliches Licht in sich zu tragen schienen.

War er geneigten Kopfes hineingeflogen mit seinem Boot, das wie ein Stück von ihm selbst war, so hielt er sich an den schlüpfrigen Vorsprüngen der Felsen, bis das Boot an die Seite gedrängt wurde und ganz still lag. Dann sah er aus dem Schatten der Grotte hinaus ins glänzende Meer, sah blaue, grüne und silberne Lichter durcheinanderfließen. Ruhiger plätscherte das Wasser um ihn, und von den niedrigen Steinwänden hallten die Töne des Meeres so ganz anders wieder als draußen in der unendlichen Weite.

“Anders singst Du hier, o Meer!” sang er dann vor sich hin. Träumerisch blickten die Augen hinaus. “Still bist Du geworden, denn hier bist Du ein Gefangener. Sing mir das Lied Deiner Sehnsucht, Meer, daß ich es mit Dir singen kann!”

Niemand beobachtete das Treiben des Knaben in solchen Stunden. Aber wenn er heimkehrte, dann blickten seine Augen noch fragender, noch sehnsüchtiger als sonst.

Zuweilen trieb es ihn auch in die einsame Heide. Im sonnigen Kraut, hinter einem der großen silbergrauen Felsen lag er ganz still. Auch hier lauschte er auf die Stimmen ringsum. Bienen und Schmetterlinge kannten den einsamen Knaben, sie umspielten ihn, kreischend flogen Möwen am nahen Strande auf und schossen in flinken Wendungen hin und her auf ihrer Nahrungssuche. Blüten dufteten um ihn, die Sonne durchglühte seine Adern und immer lauschte der Knabe auf das Lied des Lebens. Soviel er davon auffangen konnte, bewahrte er in seinem herzen und vergaß es nie wieder.

Als er etwas größer war, schenkte ihm seine Mutter eine Harfe! Nie war Oisin so glücklich gewesen! Nun hatte er einen tönenden Freund bei sich, einen Freund, dem er anvertrauen konnte, was in ihm lebte und drängte, was in ihm bebte und schluchzte und sich freute ohne Worte!

Bald spielte Oisin so schön auf seiner Harfe, daß auch die Alten sich freuten, wenn sie ihn hörten. Aber er war scheu mit seinem Spielen. Es war, als verstünde niemand, was er damit sagen wollte, als hörte niemand das, was doch in ihm lebte. In der Einsamkeit sang er seine schönen Lieder ohne Worte.

Er war zum Jüngling herangewachsen, seine Gefährten hatten längst ihre Blicke auf ein Mädchen gerichtet, das sie zu freien hofften. Oisin blieb einsam. Seine Freunde fand er noch immer draußen im Meer, auf der Heide, in den Klippen. Versonnen war Oisin in dieser Zeit.

“Oisin sieht, was uns verborgen ist”, raunten die anderen, und sie sahen fast scheu zu ihm auf.

Immer stiller ward der Jüngling, immer häufiger führte ihn sein Weg in die Einsamkeit. Nur seine Harfe war immer bei ihm.

Noch wußte er nicht, was er suchte, noch kannte er nicht das beste Geschenk, das ihm in die Wiege gelegt worden.

Da trat er eines Tages vor seinen Vater und bat:

“Laß mich hinausziehen in die Welt!”

“Warum willst Du von uns gehen, mein Sohn?” fragte der König verwundert. “Es ist nicht Sitte bei uns, daß die Königssöhne als Heimatlose in der Welt umherziehen!”

“Vater, noch einmal bitte ich Dich: laß mich ziehen! Es ist etwas in mir, das Tag und Nacht zu mir spricht: zieh hinaus, dort draußen findest Du Dich selbst!”

Noch verwunderter schüttelte der König den Kopf. Da legte sich Oisins Mutter ins Mittel. Sie war die einzige, die in des Jünglings Seele zu lesen verstand. Sie sah, wie ernst es ihm war, sie sah aber auch, daß er den rechten Weg für sich wählte.

“Laß ihn ziehen, mein Gemahl”, bat sie. “Oisin muß andere Wege gehen als unsere anderen Kinder.”

Dankbar sah Oisin die Mutter an, und als der Vater nachgab, schied er nach kurzem Abschied von der Heimat Die Fremde tat sich auf. Sein einziger Gefährte war die kleine Harfe, von der er sich nicht trennen konnte. Wie hätte er sonst ausdrücken können, was ihn bewegte? Er brauchte sie nötiger als das tägliche Brot.

Lange wanderte er am Strande des Meeres dahin, blickte in die dunklen Grotten seiner Kindheit und kletterte auf die höchsten Klippen hinauf um noch einmal alles tief in sich aufzunehmen. Denn er wußte nicht, ob er die Heimat wiedersehen würde.

Still lag das Meer vor ihm, unbewegt, schwer. Aber sein Herz klopfte leicht in seiner Brust, hoch und hell sang er ein Abschiedslied, winkte allen den kleinen und großen Wesen zu, die er oft belauscht, die ihm Funken ihrer Daseinslust ins Herz gesprüht.

“Lebt wohl, lebt wohl”, sang er, “ich muß fort, muß ein Fahrender werden, bis ich gefunden, was ich suche!”

Und von überall grüßte und winkte es, lachende Gesichter lugten hinter den Steinen hervor, eine große Welle kam plötzlich herangeflogen und legte sich wie abschiednehmend ihm zu Füßen.

Die erste Nacht verbrachte er mit offenen Augen und klopfendem Herzen unter einem funkelnden Sternenhimmel.

“Ihr Sterne dort oben in den unermeßlichen Höhen” sang er vor sich hin, “singt mir Euer Lied! Das Lied des Meeres kann ich Euch vorspielen, das Lied des Sturms, das Lied der Sonne über duftender, warmer Heide. Nun lehrt mich Euer Lied, Ihr Schönen, Fernen!”

Und nachdem er lange gelauscht und gebetet, da rauschte es heran aus unendlichen Welten, groß, erhaben, rein und klar, Töne, wie er sie noch nie gehört. Er meinte, ihm müsse das Herz zerspringen vor Freude und Seligkeit ob dieses Geschenkes. Immer wieder breitete er die Arme aus, als könnte er die Töne auffangen. Wie ein ewiger Reigen klang es von oben zu ihm herab in wundervoller Harmonie. Ganz neues Erleben brachten ihm die Klänge aus dem Sternenall.

Und als der Morgen graute, der Sternenglanz verblaßte, da griff er nach seiner Harfe und versuchte das Gehörte auf ihr nachzutönen. Wieder stieg heißes Flehen in ihm auf:

“Helft mir, meine Freunde daß ich die rechten Töne finde!”

Da fühlte er, wie andere Hände als die seinen mit hineingriffen in die klingenden Saiten, die Töne schwollen an und erklangen gewaltig, und seine reine Seele schwang mit.

Die Sonne fand einen reich Beschenkten, der sich, gestärkt wie noch nie, auf neue Wanderschaft begab. Und während er wanderte, erklangen immer wieder in seinem Inneren die neuen Töne, er verflocht sie mit den Stimmen des Meeres und des Windes, mit dem Gesang der Sonne und dem Summen der Bienen in eine einzige, große Melodie.

Wer Oisin jetzt gesehen hätte, der hätte ihn nicht leicht wiedererkannt. Gewachsen schien er, in seinen Augen stand das Leben seiner Seele als ein frohes Leuchten.

Aber nun erwachte ein neuer Drang in ihm, einer den er noch nie gekannt, so lange er auf Erden weilte:

“Zu den Menschen!”

Es war wie ein Gebot in ihm, er mußte diesem Gebote folgen. Jetzt hatte er ihnen etwas zu bringen, das fühlte er, aber immer noch fehlten ihm die Worte. Seine Harfe sang und tönte wie kein von Menschenhand gefertigtes Instrument, er konnte auf ihr leben lassen, was die Menschen kannten, und er konnte seine große Sehnsucht hineinweben, daß es einem jeden ans Herz griff, aber - es waren nur Töne.

Bald gelangte Oisin zu menschlichen Ansiedlungen. Die Menschen staunten ihn an, er sah so anders aus als sie alle. Aber als er ihnen vorspielte, ließen sie alle Arbeit liegen. Alles eilte in seine Nähe zu kommen, um den fahrenden Spielmann zu hören.

Oisin spielte ihnen alles, was er in sich trug. Er ließ sie hinausfahren aufs offene Meer er ließ den Sturm toben, daß die Männer die Faust ballten und ließ die Sonne ihren Sang jauchzen, daß den Alten die Tränen in die Augen kamen und die Liebenden sich voll Sehnsucht ansahen.

Er ließ die Menschen aber auch einen Blick tun in die dunklen Grotten, in die es so reißend hineinstrudelte und in denen man doch ruhiges Wasser finden konnte und die tobende See ungefährdet betrachten.

Dann stieg als Letztes der Sternensang in die Höhe, und wieder griffen andere Hände mit hinein in die Saiten

wie hätte sie sonst so gewaltig erklingen können, die kleine Harfe?

Stumm war es ringsum geworden, stumm und versunken blieb Oisin inmitten der gebannten Zuhörer stehen. Dann zupfte ihn eine kleine Hand am Wams und rief ihn wieder zu sich.

Er wandte sich und sah einen Knaben neben sich stehen, der ihn sehnsüchtig anblickte

“Wer gab Dir das?” fragte die helle Kinderstimme.

Schon wollte Oisin antworten:

“Meine Mutter gab mir die Harfe”, da fiel ihm ein, daß mehr lag in des Knaben Frage, und er sagte ohne zu wissen, was er tat:

“Gott gab es mir!”

Mit diesem Wort schlug die Erkenntnis wie ein Blitz in ihn ein. Woher kam alles Große als von Ihm, dem Einen, der alles geschaffen, aus dessen Hand er lebte?

Liebevoll strich er dem Knaben über das lichte Haar.

“Gott? Wer ist Gott?” fragte der Mund des Kindes weiter.

Oisin erschrak. Wußten diese Menschen nichts von Gott, dein Schöpfer, dem Allmächtigen?

Sinnend blickte er auf das Kind. Hatte er deshalb unter die Menschen gehen müssen, um ihnen Kunde von Gott zu bringen? Fragend blickte er seine Zuhörer an. Noch standen sie alle schweigend um ihn. Diese Menschen waren karg mit Worten. Meer und Sturm hatten zu gewaltige Stimmen, sie ließen die Menschen verstummen, Einsamkeit der Heide und der Wälder weckte die inneren Stimmen in der Brust.

Flammend stieg eine große Freude in Oisin empor. Jetzt war ihm geschenkt, was er immer ersehnt: er durfte singen und sagen, durfte künden und weisen verlangenden Menschenseelen.

“Bleibe ein wenig bei uns, Fremdling”, baten sie nun, als sie die Freude in seinem Angesicht hochsteigen sahen. Und er nickte. Noch fand er keine Worte.

Dann aber brach es aus ihm:

“Soll ich Euch singen von Gott?”

Alle schauten erwartungsvoll auf ihn, er bedurfte keiner weiteren Zustimmung. Oisin griff in die Saiten. Seine Seele aber flehte zu Gott:

“Hilf mir, daß ich künde und singe von Dir, Du Höchster!”

Da erklang eine ganz neue Weise. Oisins Finger schienen kaum die Saiten zu berühren, sie erklang wie aus sich selbst. Oisin aber war, als sähe er lichte, schöne Finger über die Saiten gleiten, denen er nur zu folgen brauchte.

Und. ehe er wußte, was er tat, flossen ihm Worte zu den Tönen, Worte, die die Töne in sich aufnahmen, die mit ihnen zusammenklangen und die Töne formten zu herrlichen Bildern.

Die Töne erschufen neue Worte, es war den Menschen, als hätten sie diese Worte noch nie gehört, und doch war es ihre Sprache und war es wieder nicht. Gehoben, gereinigt, veredelt waren die Worte zur Ehre Gottes, des allmächtigen Schöpfers. Jetzt jauchzte die Sonne ihr freudiges Lied zu seinem Preise, schrie der Sturm über dem tauschenden Meere:

“Höret Gottes Stimme! Gewaltig ist sie, noch gewaltiger als Sturmeswehen und Meeresbranden!”

Jetzt blühte die Erde zum Dank für den Höchsten, der die Sonne seiner Liebe auf sie herabstrahlte, und die Sterne schritten ihren erhabenen Reigen, um Gott damit lobzusingen.

Immer mächtiger griffen Oisins Hände in die Harte, aber noch mächtiger war das, was die Worte seiner Lieder in den Herzen der Zuhörer weckten. Es überkam sie eine

Ahnung von der Größe und Majestät Gottes, es drängte sie, ihn anzubeten. Ohne daß sie dessen gewahr wurden, sank einer nach dem anderen der andächtig Zuhörenden, über sich selbst hinausgehoben Menschen in die Knie und faltete die Hände.

Nur Oisin stand wie ein Verklärter in ihrer Mitte, sang und sang. Wenn seine Mutter ihn in dieser gesehen hätte, so hätte sie gewußt:

“Nun ist meines Kindes Sehnen gestillt”.

Und auch sie hätte still die Hände gefaltet in Dank und

Lob.

Endlich sank Oisin die Hand herab. Es war genug gewesen. Überreich waren sie alle beschenkt worden, er selber am allerreichsten, denn heute hatte er sein schönstes Geschenk, das ihm Gott auf seine Erdenwanderung mitgegeben hatte, gefunden. Er wußte, daß ihm ein Schlüssel zu den Menschenherzen gegeben worden, ein deren Schlüssel, mit dem er sie erschließen und mit dem Köstlichsten füllen konnte was es in der ganzen Schöpfung gibt: dem Wissen von Gott!

Er hatte seine Bestimmung gefunden.

Von jetzt an wanderte Oisin von einem Stamm zum anderen, singend und kündend, lobpreisend den allmächtigen, einzigen Gott, die Herzen der Menschen im Sturm gewinnend und einen Schatz hinterlassend, an dem sie sich für immer erquicken konnten.

Überall freuten sich die Menschen wenn er zu ihnen kam. Und wenn er von ihnen ging so weinten sie. Überall sollte er bleiben und verweilen, aber es zog ihn immer weiter.

“Es ist Oisin, der Königssohn”, so raunte man bald im ganzen Lande.

Seine Schönheit ward immer lichter, seine Harfe klang immer freudiger und gewaltiger, aber seine Augen hatten den sehnsüchtigen Blick verloren. Dafür lebte für immer in ihnen ein Glanz aus lichteren Welten. Niemand konnte Oisin vergessen, der ihn einmal gesehen. Seine Lieder gingen von Mund zu Mund.

Auch in seine Heimat kehrte Oisin wieder zurück. Er sah die Stätten seiner Kindheit und wußte, wie sie ihn bereitet hatten für sein Wirken. Er grüßte Eltern und Geschwister und blieb doch bei aller Liebe ein Fremdling unter ihnen. Er war Oisin, der Fahrende, die klingende Harfe, der Künder des Höchsten. - -

Gehet hin in das Land Oisins, noch heute werdet Ihr seinen Namen unter den Menschen hören. Noch ist er nicht vergessen, noch weiß man von seinen Liedern.

Es wird ein Tag kommen, da werden sie wieder aufleben, dann werden die Menschen aufhorchen und hören, daß der Königssohn, der vor langer Zeiten in ihrem Lande lebte, ihnen schon kündete das große Geschehen unserer Zeit! Denn Gott, den er so unermüdlich verkündete, in dessen Dienst er lebte unter den Menschen, er öffnete sein inneres Auge, so wie er ihm das Ohr geöffnet für die Klänge von oben, und ließ ihn schauen den Kommenden und seine große Zeit auf Erden!








In den Wäldern Afrikas.

(5. Fortsetzung)

„Du bist eine Frau, eine gute Frau“, erklärte der Äelteste. „Du kennst unseren Fürsten nicht. Was gilt ihm ein Menschenleben? Er ist grausam und hochmütig. Es liegt ihm sicher nichts daran, uns wiederzusehen, zumal wir ihm nichts von dem berichten können, was er hören wollte.“

„Wenn Ihr dies wußtet, warum ließet Ihr mich erst Boten zu ihm senden?“ fragte Bu-anan erstaunt. „Wir hätten uns vielleicht anders verständigen können. Nun ist es zu spät. Nun müssen wir warten, welchen Bescheid Ur-wu zurückbringen wird.“

Es half den Männern nichts, sie wurden wieder in die Höhlen zurückgeführt, wo sie sich mit ihren unerfreulichen Gedanken beschäftigen konnten.

Bu-anan aber überlegte. Was sollte sie mit den Männern beginnen, wenn der fremde Fürst tatsächlich Ur-wu ohne Bescheid zurück schickte? Hätte sie ihn lieber nicht entsenden sollen?

Aber im gleichen Augenblick stand es klar vor ihren inneren Augen, daß sie auf Befehl Anus gehandelt. Er selber hatte die Männlein als Begleiter bestimmt. Hätte er das getan, wenn ihm die Wanderung der Leute nicht recht gewesen wäre? So würde er auch weiter anordnen, was zu geschehen hätte.

Man mußte abwarten.

Zweimal hatte der Mond sich gefüllt, ohne daß die Männer zurückgekehrt waren. Bu-anan tröstete sich und die Frauen damit, daß es unterwegs irgendwie Aufenthalt gegeben haben könne.

Aber es mußten noch viele volle Mondscheiben am nächtlichen Himmel emporsteigen, ehe Kunde von den Abgesandten kam. Diese Kunde aber brachten die Kleinen.

Ur-ana kam eines Morgens eilfertig zu Bu-anan gelaufen, um ihr mitzuteilen:

„Höre, was mir die Männlein gesagt haben: der Großvater ist unterwegs. Bald wird er kommen!“

„Weißt Du, Kind, ob die anderen mit ihm sind?“ erkundigte sich Bu-anan.

Aber davon wußte die Kleine nichts.

Dann dauerte es noch geraume Zeit. Endlich trafen die Erwarteten ein. Die Freude der Angehörigen war groß. Die aber, die da zurückgekehrt waren, hatten soviel erlebt, daß sie nicht wußten, wo sie mit ihrem Bericht beginnen sollten.

Bu-anan hatte gefragt:

„Läßt der Fürst die Fremden auslösen?“

Auf diese Frage hatte sie verneinende Antwort erhalten. Das legte ihr eine Last auf: was sollte sie nun mit den Gefangenen beginnen? Aber gewaltsam schob sie diese sie bedrängende Frage von sich. Bisher hatte Anu stets rechtzeitig alles angeordnet. Er würde auch diesmal helfen.

Sie hoffte nur, daß die Freude über die Rückkehr der Männer nicht irgendwie früher zu den Gefangenen tönen werde, ehe sie über ihr ferneres Geschick schlüssig geworden war. Sie schärfte den Wärtern vorsichtiges Schweigen ein, mehr konnte sie nicht tun.

Und nun kamen Abende, an denen bei loderndem Feuer berichtet und gefragt wurde. Sie konnten sich alle nicht genug tun.

Ur-wu erzählte, wie gut und sicher die Kleinen sie geführt. Lang und beschwerlich sei der Weg trotzdem gewesen. Endlich seien sie an den riesigen, breiten Strom gekommen.

Aber nicht dort hätten sie bleiben können, so sehr es sie danach verlangt habe. Der Fürst hätte ein Sommerschloß bewohnt, das höher gelegen und frischeren Winden ausgesetzt sei. Sobald sie in bewohnte Gegenden gekommen seien, hätten sie gemerkt, daß sie Aufsehen erregten.

„Wir sind doch nicht dunkel“, sagte einer der Männer, „aber gegen das Volk, aus dem die Fremden stammen, sehen wir braun aus. Sie sind rötlicher als wir

„Nein, gelblicher“, meinte ein anderer.

Sie konnten sich nicht einigen und vergaßen ganz, daß die Fremden die Hautfarbe trugen, die sie zu beschreiben sich mühten.

„Prächtig gekleidet sind sie“, berichtete nun wieder Ur-wu, wurde jedoch abermals unterbrochen durch den Zwischenruf:

„Ja, wie Frauen. In langen Gewändern schreiten sie langsam und voll Würde einher. Alles was sie sagen, soll ebenfalls diese Würde zeigen, aber es ist nicht echt. Buanan, Dir würde grauen unter diesen Menschen!“

„So bin ich froh, daß ich sie nicht zu sehen brauche“, bestätigte die weiße Mutter, bat dann aber: „erzählet weiter und lasset die Nebendinge für später!“

„Zum Fürst durften wir nicht kommen, er will nichts von solchen, wie wir sind“, sprudelte Ur-wu empört heraus. „Daß wir seine Späher gefangen halten, war ihm gleichgiltig. Er ließ uns sagen: er könne sich keine Schuld beimessen, wenn die Männer ungeschickt gewesen seien. n

Er werde eben das nächste Mal bessere senden.“

„Die Kleinen hatten uns durch Ur-wu befohlen, keine Ringe anzulegen, überhaupt keinerlei Schmuck. Wir wußten nicht, warum“, berichtete einer der anderen, „aber wir erfuhren es bald. Ganz genau beschauten uns die häßlichen Diener des Fürsten und fragten, ob wir kunstvolle Sachen zu schmieden verstünden“

Ur-wu nahm seinen Bericht wieder auf:

„Die Kleinen aber hatten mich auf diese Frage vorbereitet, und ich sagte, wie mir der kleine Alte befohlen: „Wir sind arme Leute, die nicht mit der Pracht an diesem Fürstenhof wetteifern können.“

Und weiter fragten die Diener, häßlich grinsend: ,,Sagt, sind Eure Mädchen und Frauen so schön, wie wir gehört haben?“

„Darauf wußte ich die rechte Antwort, die der kleine Alte mir hatte sagen lassen“, rief ein anderer stolz. „Ich stellte mich breit vor den Frager und sagte: „Ja, sie sind sehr schön. Schaue mich an. Sie gleichen mir alle!“

Schallendes Gelächter folgte diesen schelmisch vorgetragenen Worten. Mur-a war der häßlichste Mann des ganzen Stammes. Sie stellten sich vor, wie entsetzt die Diener über diese Antwort gewesen sein mußten. Nur einer fragte bedächtig:

„Warum hast Du Falsches gesagt, Mur-a? Es ist wenig Ehre für unsere Frauen, zu sagen, daß sie Dir gleichen.“

„Hättest Du es für besser gehalten, wenn ich die Fremden lüstern gemacht hätte nach unsern Frauen?“ war die rasche Entgegnung.

Nun hatten sie alle verstanden, warum die Männlein ihnen diese Antworten eingelernt hatten.

„Was sagten die Diener zu Deiner Antwort, Mur-a?“ fragten sie.

„Sie taten wie Ihr eben: sie lachten unbändig. Danach aber meinte der Oberste von ihnen: „So hat man uns belogen. Es lohnt nicht, diese armseligen Schwarzen zu überfallen. Sie haben keine Kostbarkeiten und ihre Weiber gleichen Nachtvögeln!“

„Fragtest Du nicht, Ur-wu, was mit den Gefangenen geschehen soll, wenn der Fürst sie nicht auslösen will?“ erkundigte sich Bu-anan.

„Freilich tat ich das, aber der Herrscher ließ mir sagen, wenn ich nicht hören könne, werde er mir beide Ohren abschneiden lassen. Er wolle nichts mehr mit den ungeschickten Leuten zu tun haben. Wir könnten sie braten und verzehren. Ja, so sagte er“, fügte Ur-wu mit Nachdruck hinzu, als sich Entsetzensschreie erhoben.

Nun war das Wichtigste berichtet, man konnte zur Ruhe gehen und alles übrige für die nächsten Abende lassen.

Die. Männer erzählten dann, daß sie herrliche Gebäude gesehen hatten, in denen viele Götter angebetet würden.

„Das werden die kleinen Götter sein, von denen Du uns erzählt hast, Bu-anan“, meinten sie.

„Sie nennen diese steinernen Gebäude Tempel“, nahm Ur-wu wieder das Wort. „Die mit den Göttern sprechen, heißen Priester. Ein solcher Priester fragte mich, ob wir auch Götter anbeteten. Ich sagte: „Ja, den, der über allen diesen steht!“

„Wie nennt Ihr ihn?“ fragte der Priester weiter.

„Er heißt Anu!“ war meine Antwort, worauf der Kahlköpfige, die Priester sind kahlköpfig, erwiderte:

„Wir nennen ihn Re.“

„Darauf führte er uns in einen Tempel des Re, in dem ein glänzendes Bild des Gottes auf einem Tische stand.

„Das ist nicht Anu“, sagte ich zu dem Priester.

Er wollte wissen, woher mir diese Gewißheit komme, da kündete ich ihm, daß Anu unsichtbar sei, daß man sich also auch kein Bild von ihm machen könne.

„Unsichtbar ist Re auch, nur einzelnen, die er besonders liebt, zeigt er sich. Wahrscheinlich seid Ihr so gering, daß er Euch nicht lieben und sich Euch nicht zeigen kann“, meinte der Priester.

Darauf sagte ich nichts, denn die kleinen Wesen warnten mich, von Bu-anan zu sprechen.“

Bu-anan wollte gern von den Frauen hören. Die Männer versicherten, die meisten, die sie gesehen hätten, seien häßlich gewesen.

„Sie haben sehr lange, gerade Nasen, und über der Nase läuft der Kopf rückwärts bis zu den Haaren.“

Darunter konnte die weiße Mutter sich nichts vorstellen, aber das war ihr auch nicht wichtig. Sie wollte von dem Leben der Frauen wissen, und ob sie Wert legten auf Reinheit. Das aber wußten die Männer nicht.

Allerhand seltsame Tiere hatten sie gesehen, deren Namen sie nicht kannten. Dann sei die Sehnsucht in ihnen erwacht und sie seien auf die Heimwanderung gegangen.

Im Laufe der Zeit wurde noch mancherlei beschrieben, was die Männer auf ihrer großen Reise und besonders in dem fremden Lande gesehen und erlebt hatten.

Bu-anan aber trug ihre Ungewißheit wegen der Gefangenen zu Anu. Viele Male mußte sie flehen, ohne Antwort zu erlangen. Bei jedem innigen Zusammenfassen ihrer Bitte aber wurde ihr selber immer klarer, was mit diesen Menschen zusammenhing.

Wenn sie sie frei ließ, wie sie am liebsten tun wollte, so wäre es möglich, daß die Männer ihrem Fürsten allerhand Lügen erzählten, nur um sich von dem Vorwurf der Unbrauchbarkeit zu erretten. Es war nicht nur möglich, es war sogar ganz gewiß. Das durfte nicht geschehen; denn dann waren die Tuimah nicht mehr sicher vor dem fremden, klugen Volke.

Wenn man den Männern die Gleichgiltigkeit ihres Fürsten vor Augen stellte und ihnen anbot, hier zu bleiben? Das wäre möglich, aber Bu-anan hatte zuviel von der Zweizüngigkeit dieser Leute gesehen, um ihnen zu trauen.

Alles in ihr rief: „Töte sie!“ und alles in ihr wehrte sich dagegen.

„Anu hilf !“

Unzählige Male stieg die Bitte aus Bu-anans gequälter Seele. Er half, aber völlig anders, als ein Mensch es sich hätte denken können.



Den Gefangenen war die Zeit zu lang geworden. Sie hatten ebenfalls ausgerechnet, wann die Boten zurück sein konnten. Als dann keine Kunde von ihrer Rückkehr zu ihnen drang, beschlossen sie, zu handeln. Gerade in diesen Tagen führten sie ihren Plan aus.

Dem Wärter, der ihnen Speise brachte, entrissen sie die Waffe, indem sie sich alle auf ihn stürzten und ihn erwürgten, ehe er einen Ton hatte hervorbringen können.

Dann zerschnitten sie ihre Bande, lehnten mit unsäglicher Mühe den Verschlußstein lose in die Öffnung und harrten des Weiteren. Drei von ihnen hatten sich außerhalb der Höhle verborgen, die drei anderen warteten innen.

Die beiden anderen Wächter kamen und riefen nach dem Ermordeten. Schritte nahten sich dem Eingang. Es war ausgemacht, daß, wenn diese Wächter den Stein fortnehmen wollten, der schwere Block von innen auf sie gestürzt werden sollte.

Die drei in der Höhle lauerten gespannt. Jetzt, jetzt wurde der Stein von außen berührt! Die drei strengten alle Kraft an und stießen den Block um.

Ein vielstimmiges Geschrei antwortete. Die beiden Wärter und zahlreiche Schwarze stürmten in die Höhle. In wenigen Augenblicken waren die drei Gefangenen getötet.

Sie hatten aber vorher noch sehen können, daß die Erschlagenen nicht die Wärter, sondern ihre eigenen Gefährten gewesen waren, die sich aus irgend einem Grund zu dem Stein begeben hatten.

Zwei der Tuimah-Leute und ein Schwarzer waren verwundet worden. Man ließ die Leichen der Gefangenen liegen und beschloß, zuerst Bu-anan Bericht zu geben.

Sie erschrak über das, was die Männer ihr zu melden hatten, aber gleichzeitig zog ein Gefühl großer Erleichterung in ihre Seele. Die Fremden hatten ihren Tod selbst herbeigeführt. Ihr war jede Entscheidung abgenommen.

„Mußtet Ihr die Gefangenen töten?“ fragte sie, erhielt aber die Antwort, daß es nicht anders möglich gewesen wäre, hätten nicht noch mehr Tuimah verwundet werden sollen.

Ur-wu ordnete an, daß die Erschlagenen und Getöteten in der Höhle vergraben werden sollten. Danach verschloß man diese.





Nun war lange Zeit Ruhe. Friede- und freudevoll entwickelte sich der Stamm. Ur-ana blühte herrlich auf zur Wonne ihres Großvaters, zur großen Beruhigung Bu-anans. Dann kam ein Tag, an dem Ur-wu, der immer Rege, die Augen schloß für dieses Leben. Seine letzten Worte galten der Geburt des Gottessohnes, den er so gern gesehen hätte.

„Du wirst droben von ihm hören dürfen“, verhieß Bu-anan tröstend.

Ur-wu lächelte glücklich, als wisse er bereits mehr als sie. Ur-an übernahm die Leitung des Stammes und war dankbar, daß Bu-anan ihm noch zur Seite stand. Mehr denn je drehten sich die Gedanken der Tuimah um den verheißenen Gottessohn.

Sie wagten nicht mehr zu bitten, Anu wolle ihn zu ihnen senden. Sie baten nur noch, Anu möge in Gnaden geben, daß sie ihn schauen dürften.

Eines Tages entzog sich Bu-anan von morgens an den sie Aufsuchenden. Ur-ana mußte an ihrer Stelle mit den Leuten reden und ihnen helfen, so gut sie es vermochte. Sie wußte nicht, weshalb Bu-anan in die Stille gegangen, aber sie ahnte, daß etwas Wichtiges ihr gekündet werde.

Abends trat die weiße Mutter unerwartet ans Feuer. Sie sah so feierlich aus, daß alle sofort wußten, sie habe eine Kunde vom Gottessohn erhalten.

Eine Weile ließ die Frau ihren Blick über die Menge schweifen. Sie kannte sie alle, sie wußte, welch tiefen Eindruck das auf sie machen werde, was sie zu sagen gekommen. Endlich begann sie:

„Adana war heute bei mir.“

„Adana!“ flüsterten die Leute und schauten noch erwartungsvoller auf Bu-anan. Es war lange her, daß Adana zum letzten Mal Kunde gebracht hatte.

„Sie kündete, daß der Gottessohn bereits auf Erden weile!“

Ein Stöhnen der Enttäuschung, ein unterdrückter Jubel durchliefen die Reihen. Wie herrlich! Wie traurig! Sie alle empfanden beides und konnten nicht unterscheiden, welches Empfinden das stärkere war.

Bu-anan ließ sie gewähren. Sie wußte, nun mußte sich erst alles in ihnen klären, ehe sie imstande waren, Weiteres aufzunehmen. Still sinnend stand die weiße Mutter im Rund.

Auch in ihr wogte ja ein Sturm von Empfindungen. Nun war zur Wahrheit geworden, was gekündet war: Gott, der unsichtbare Herrscher, Erschaffer und Erhalter aller Welten hatte um dieser Welten willen einen Teil von sich selbst dahingegeben, daß er eine Spanne Zeit unter und mit den Menschen lebte, die im Grunde Anus Erbarmen gar nicht mehr verdienten.

Schlecht waren die Menschen geworden. Bu-anan hatte es damals empfunden, als Ur-wu und die anderen die Kunde von dem fremden Fürsten und seiner Hofhaltung gebracht hatten. Adana hatte es ihr jetzt in vertrautem Gespräch bestätigt.

Wie ehrlich mühten sich die Tuimahs, Anus treue Diener zu sein!

Bu-anan mußte es anerkennen: sie alle strebten aufwärts. Da war nicht einer, von dem man anderes hätte sagen können. Aber die Leute lebten abgeschlossen in ihrem Stachelwall. Mit keiner Versuchung, mit keinem Irrglauben kamen sie in Berührung.

Würden sie so kindlich rein bleiben, wenn andere Einflüsse ihnen nahten? Dann dachte Bu-anan an Ur-wu und seine Begleiter. Sie waren in der Fremde gewesen, die ihren Seelen nichts hatte anhaben können. Nun freute sie sich wieder. Sie blickte auf.

Mittlerweile waren die widerstreitenden Empfindungen in den andern zur Ruhe gekommen. Gespannt schauten sie auf ihre weiße Mutter, die ihnen sicher noch Weiteres künden würde.

Sie hatten sich nicht geirrt. Langsam begann Bu-anan wieder zu sprechen:

„Ja, Adana hat mir berichtet, daß das Ereignis, das Himmel und Erde bewegt, sich vor längerer Zeit vollzogen hat. Es muß sehr bald geschehen sein nach dem sie uns davon gekündet hat. Der Sohn Anus, ein Teil von ihm selbst, wurde in Menschengestalt geboren, wuchs und wurde unterwiesen von ganz reinen Menschenwesen. Herrlich müssen sie sein, diese Wesen, die einem Gottessohn als Helfer und Lehrer dienen dürfen!“

Da Bu-anan schwieg, wagten sich Fragen hervor:

„Wo wurde Anus Sohn geboren? Hast Du gehört, in welchem Volke?“

„Weit liegt das Land von uns entfernt, anders ist es dort als bei uns. Hohe Berge streben zum Himmel“.

Wie es ihre Art war, unterbrach sie ihre feierliche Verkündung wieder mit schlichten Worten:

„Ich denke mir, das mußte so sein, damit der Gottessohn über den andern Menschen wohnen konnte. Höher mußte seine Hütte stehen als die der anderen. Lichte Wesen werden ihn oftmals aufgesucht haben. Sie nicht so tief herabsteigen.

Die Leute nickten. Das erschien ihnen richtig. Sie sahen auch plötzlich, daß es unmöglich gewesen wäre, wenn Anu den Sohn hätte zu ihnen senden wollen. Ein Alter lieh diesem Gedanken, der sie alle bewegte, Worte:



„Wir waren vermessen, daß wir Anu baten, seinen heiligen Sohn zu uns zu senden. Wir sind ja nichts! Wie hätten wir den Gottessohn aufziehen und lehren können?“

Ein anderer bat:

„Weißt Du etwas über das Volk, in dem der Gottessohn aufwachsen durfte? Erzähle uns davon!

(Fortsetzung folgt.)








vvv

Öffnet Auge und Ohr, damit Tropfen

des Lichtes guten Boden finden:


Ein in falschem oder gedankenlos, als eigen angenommenen Glauben Hinübergegangener bleibt gebunden und gehemmt, bis er in sich selbst durch andere Überzeugung lebendig und frei wird und damit das Hindernis sprengt, das ihn durch sein eigenes Glauben davon zurückhält, den rechten und wahren Weg zu beschreiten und dort vorwärts zu gehen.

* * *


Der ärgste Feind des Menschen rein irdisch ist die Bequemlichkeit. Bequemlichkeit aber im Glauben wird sein geistiger Tod!

* * *


Als Christus zur Erde kam, um die Gottesbotschaft 'der Wahrheit zu verkünden, mußte er sich deshalb auch wie jeder Mensch eines grobstofflichen Körpers bedienen, also des Fleisches. Darin müßte schließlich schon jeder denkende Mensch die Unabänderlichkeit der Naturgesetze erkennen, wie auch in dem durch die Kreuzigung erfolgten körperlichen Tode.

* * *


„Ich bin gekommen, die Gesetze Gottes zu erfüllen!“

Die Gesetze Gottes aber liegen klar in der Natur, die sich allerdings weiter erstreckt als nur auf die Grobstofflichkeit, aber doch auch in der feinstofflichen, wie in der wesenhaften und geistigen Welt überall „natürlich" bleibt. Ein Denkender vermag in diesen bedeutungsvollen Worten des Erlösers sicherlich etwas zu finden, das über die verwirrenden Religionslehren hinausgeht und einen Weg zeigt denen, die wirklich ernsthaft suchen!


* * *

Der Mensch kann sich nur sehr schwer in den Gedanken finden, daß Göttliches auf Erden äußerlich nicht anders sein kann als die Menschen selbst, gehorchend dem Gesetze Gottes. Er will das Göttliche durchaus nur überirdisch sehen, und hat sich doch leider schon so gekettet, daß er nicht fähig wäre, Überirdisches noch richtig zu erschauen, viel weniger es zu ertragen. Das ist aber auch gar ,nicht nötig!

* * *


Der Mensch, der in den natürlichen Gesetzen aller Schöpfung seines Gottes Willen sucht, wird ihn auch bald darin erkennen, und zuletzt wissen, daß ihm Göttliches nur in den Wegen dieser ehernen Gesetze kommen kann, nicht anders. Er wird als Folge davon wachsam werden und alles ihm darin Begegnende sorgfältig prüfen, aber nur im Hinblick auf die göttlichen Gesetze, nicht nach der Menschen Anschauung. So wird er auch zu rechter Stunde den erkennen, der ihm Befreiung in dem Worte bringt. Durch eigenes Prüfen des Gebrachten, nicht durch das Geschrei der Massen.


* * *


Nicht Menschenwille wird den gottgesandten Menschensohn einst wählen können, sondern Gotteskraft soll ihn emporheben zur Stunde, wenn die Menschheit hilflos wimmernd um Erlösung fleht. Dann werden Schmähungen verstummen, da das Grauen solche Münder schließt, und willig wird man alle Gaben nehmen, die der Schöpfer den Geschöpfen durch ihn bietet.

Abd-ru-shin.












Inhalt:


Seite

1. Spruch. Von Susanne Schwartzkopff. 4

2. Der Mensch am Wendepunkte seines Seins. 5

  1. Von Herbert Vollmann.

  1. Heilung durch Strahlung. Von Dr. F. K. Noack 11

  2. Vom ungehobenen Schatz des Menschen.

  1. Von André Fischer. 16

5. Die drei Blitzstrahlen. Von Walther Schoppan. 19

  1. 6. Die höchste Not. Von Hildegard Hagel. 26 7. Kult. Von Abd-ru-shin. 32

  1. 8. Einsendungen aus dem Leserkreise: Mutig voran,

    Gott wohlgetan. 37

9. Oisin, der Fahrende. Von Susanne Schwartzkopff. 44

10. In den Wäldern Afrikas. (5. Fortsetzung) 52

11. Tropfen des Lichtes. Von Abd-ru-shin. 61




Herausgeber: Verlags A.-G. „Die Stimme”, Zürich, Drusbergstraße 17.

Verantwortlich: Für die einzelnen Artikel und Mitteilungen die

Verfasser. Für den übrigen Teil: Herr Arthur Giese, Zürich.


*)„Verwehte Zeit erwacht“ Band II.

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