Jahrgang 1937 Heft 1
DIE STIMME
Schrift
für Erstarkung im Wissen
und Können.
VERLAGS A. G. ,,DIE STIMME”, ZÜRICH
Copyright by Verlag A - G „Die Stimme“, Zürich
Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung. vorbehalten
Druck: Gebrüder Scheran, Innsbruck, Fallmeraystraße 4 - 6
Es schwinget eine Stimme
durch das All!
Wird deren Klang vom Strahl der Sonne in die Welt getragen? Wächst er in dem Flimmern der Gestirne? Nimmt ihn der Sturmwind auf und führt ihn zu den Menschen oder kommt er in dem Brausen der Gewässer?
Die Stimme ist, von Ewigkeit zu Ewigkeiten! Jeder Menschengeist kann sie vernehmen, so er will!
Und diesen Klang der ewigen Gesetze in der Schöpfung zu verstehen, darin zu erstarken und sich aller Menschenwege voll bewußt zu werden, dazu soll die Zeitschrift dienen, die mit diesem Hefte in das Dasein tritt.
Es werde Licht auf Erden!
Von August Manz
Wir leben in einer Zeit der härtesten Kämpfe aller Meinungen und Anschauungen auf allen Gebieten des menschlichen Wissens, Könnens und Glaubens. Scharf prallen überall die Gegensätze aufeinander; hin und her tobt eine wortreiche Schlacht über die Begriffe von Gut und Böse, von Recht und Unrecht, von Wahr und Unwahr - bis zum Extrem vertreten und verfochten von den einzelnen Menschen, von ganzen Gruppen, von Völkern.
Was wirklich echt und was unecht ist, wird nicht mehr richtig und klar unterschieden, sondern zu einem unlösbaren Durcheinander der Begriffe vermischt. Die Wahrheit, die doch nur eine sein kann, wird nicht mehr erkannt. Der Blick für das Einfache und Natürliche, der allein zur Wahrheit vordringen könnte, ist getrübt durch die Einseitigkeit, mit der eine einmal eingeschlagene Richtung, eine bestimmte Auffassung verfolgt wird, unbekümmert um die wirklichen Gesetze alles Seins, um die Naturgesetze, die in einfacher, aber ewig unveränderlicher Weise alles in der Schöpfung lenken, also auch auf Erden - mag es sich nun um weltanschauliche, wissenschaftliche oder allgemeinmenschliche Fragen irgend welcher Art handeln.
So ist ein Chaos entstanden auf Erden, das verwirrt. Dunkel ist es geworden überall, da das Licht der wahren, naturverbundenen Erkenntnis erloschen ist.
Nur wenige sind da, die um dieses Licht noch kämpfen und ringen. Denen das Erkennen mehr wert ist als das Rechthaben. Und die gewillt sind, demütig nach Wahrheit zu streben, nach einer Wahrheit, die in harmonischem Einklang steht mit der reinen Lichtsehnsucht ihres innersten Wesenskernes, mit ihrem Gewissen.
Zu allen diesen aber, die von ernstem Streben nach Erkenntnis der Wahrheit erfüllt sind, soll „Die Stimme“ dringen. Und soll das Echo wecken der eigenen inneren Stimme!
Klarheit will „Die Stimme“ bringen, Klarheit und Wahrheit, geschöpft aus dem wahren Wissen von den Naturgesetzen, von den Weltgesetzen.
Und weit soll „Die Stimme“ hinausdringen in alle Lande damit alle sie vernehmen, die noch auf ihre eigene innere Stimme hören wollen - weit hinaus über alle Lande und Meere zu allen Ländern der Erde.
Denn Licht muß es werden, überall auf Erden!
Licht muß es werden, in uns, um uns und über uns.
Und Licht kann es werden überall auf Erden, wenn jeder einzelne Mensch sich durchringt zum Erkennen der Wahrheit, die erstehen muß aus richtigem Schöpfungswissen, aus dem Wissen, das sich überall erringen läßt, wenn der Mensch nur erst gelernt hat, das Leben in all seinen Erscheinungsformen richtig, einfach und klar zu beobachten und zu erfassen.
Nur wer aus dem Leben für das Leben lernt, kann es auch meistern, und dieses Ziel will doch wohl jeder Mensch erreichen.
Der nur materiell eingestellte Mensch aber wird das Leben nie wirklich meistern. Sondern er wird auch irdisch betrachtet, scheitern, sobald ihm die materielle Grundlage fehlt. Und geistig kann er es von vornherein nicht meistern.
Wirklich meistern kann nur der geistige Mensch das Leben - mag er nun eine sogenannte höhere Bildung haben oder nicht. Denn geistig kann auch der einfachste und schlichteste Mensch sein.
Und zu diesen geistigen Menschen will Die„Stimme“sprechen.
Die Kraft.
Von Ernst Laute.
Wir leben! Infolge des uns möglichen Denkens wissen wir, daß wir leben. Wir sterben! Wir wissen, daß wir sterben.
Läuft die Erdenlebensuhr eines Menschen normalerweise ab, wobei hier das Sterben durch Krankheiten einbegriffen sein soll, so sagt man ganz richtig: seine Kräfte verlassen ihn oder haben ihn verlassen; tritt der Tod durch Unglücksfall oder dergleichen ein, so waren Kraftauswirkungen der Anlaß dazu. Scheidet der Mensch durch eigenen Entschluß aus dem Erdenleben, so tat er es, weil Kraft ihm fehlte, Widerständen, Leiden, Schmerzen Kraft zur Überwindung entgegensetzen zu können. Machte er unter Ausschaltung seines Denkens in Umnachtung seinem Erdenleben ein Ende, dann war es wiederum irgendwelche Kraft, die ihn dazu trieb.
Das überdacht, angewendet und beleuchtet, wo und wie man will, besagt, daß zu allem, als erstes aber zum Leben Kraft gehört!
Aber nicht so leicht dahin geworfen, wenn bei richtigem Verstehen auch nicht in allen Teilen unbedingt falsch, darf nun gesagt werden: zum Leben als Ganzes ist Kraft erforderlich, das ganze Leben ist Kraft. Es darf nicht angenommen sein, daß Kraft nun einfach da wäre und ohne eigenes Mühen und Trachten, ohne eigene Verantwortung fertiges Leben brächte - nein, etwas anders ist es: um leben zu können, wird Kraft benötigt, muß Kraft bewußt benutzt werden!
Wir verwenden Kraft zum Atmen, zum Denken, zum Handeln, zum Bewegen, unser Wollen und Wissen benötigt Kraft, und selbst das Sterben geht nicht ohne Kraft, wenn das auch allgemein noch nicht verstanden wird.
Alles und überall ist Kraft! Das ist schon richtig und sollte dem Menschen Anlaß genügend sein, durch nüchternes Denken sich klar werden zu lassen, daß dem, was in solchem Sinne unter Kraft zu verstehen ist, eine alles überragende Bedeutung beigemessen werden muß; denn in der Verwendung und richtigen Anwendung der Kraft liegt Wert oder Unwert, liegt Vorwärts- und Aufwärtsentwickelung, oder Verfallen in Minderwertigkeit mit dem Endziel des Nichtmehrseins für alles Leben, auch für das Leben des Menschen.
Wert oder Unwert, Aufwärts oder Abwärts, Sein oder Nichtsein ist dieser bestehenden Kraft zu entnehmen, je nach der Einstellung und dem Wollen des Einzelmenschen.
Nun liegt als erstes wohl die Frage nahe: was ist denn solche Kraft und wo ist solche Kraft, wie zeigt sie sich, wie kann ich sie erlangen und wie muß ich sie nützen?
Gehen wir bei der Beantwortung von uns selbst aus, vergegenwärtigen wir uns nur eine kleine Spanne Zeit einer unserer Tagesstunden, indem wir uns und unsere Umgebung dabei genau beobachten und prüfen, dann wird uns vieles klar.
Nehmen wir einmal den Augenblick, wenn wir des Morgens erwachen. Sofort geht uns irgend etwas durch den Kopf, wie man sich auszudrücken pflegt. Es kommt uns beispielsweise der Gedanke nach der Tageszeit, wir müssen aufstehen, denken wir, die vor uns liegende Tagesbeschäftigung fällt uns ein, Gedanken über etwas, das wir tagszuvor erlebten, über Arbeit, die wir nicht zu Ende führten, stellen sich ein, und so setzt es sich laufend fort. In uns ist etwas in Bewegung geraten.
Wir haben uns von unserem Ruhelager erhoben, uns erfrischt und angekleidet, unseren Morgenimbiß eingenommen und während dieser Handlungen auch schon die Umgebung auf uns wirken lassen, indem wir Wahrnehmungen machten durch die Augen, die Ohren, das Gefühl. An uns und durch uns ist etwas in Bewegung gesetzt!
Wie ging das zu?
Wenn wir auch während des Schlafens nicht vollständig abgeschnitten waren, mit dem Erwachen schalteten wir uns gewissermaßen ein, schlossen uns an eine Zentrale und der erste Gedanke, der wohl in den meisten Fällen ein sich stets wiederholender Gewohnheitsgedanke ist, aber auch in zurückliegenden Eindrücken Ursprung haben und auch noch anderer Art sein kann - die erste Regung ist schon eine verstärkte Verbindung mit dieser Zentrale und gleichzeitig eine Kraftzufuhr aus ihr.
Kraft ist also da! Das muß der Mensch zunächst einmal als eine feststehende Tatsache hinnehmen. Bleibt er wach im Beobachten seiner selbst und seiner Umgebung, so wird er auch und immer wieder die Bestätigung des Vorhandenseins erhalten durch Wahrnehmungen an und in sich selbst, sowie um sich her.
Ist ein Mensch aber schon soweit, daß er ein Gebet nicht nur dem Namen nach kennt und verwendet, so kann er sich ohne Zweifel auch daran erinnern, durch ein Gebet mehr als einmal Aufrichtung erfahren, Erhebung seiner Seele erlebt zu haben. Damit hat er schon empfunden, daß Kraft wirklich vorhanden ist und besitzt außerdem den Schlüssel, sie zu erlangen.
Solche Erinnerung mag er sich nur wach erhalten, mag sich darnach sehnen, von gleichem Empfinden öfter beseelt zu werden. Immer deutlicher und stärker wird ihm dann bewußt werden, daß er mit Kraftströmungen eng verbunden ist, die eine Wirkung auf ihn auszuüben vermögen. Erklärung und Verstehen der natürlichen Vorgänge kann ihm später werden, wenn es sein Wunsch ist.
Beschäftigt man sich nun eingehender mit dem soeben kurz Ausgeführten, was durchaus nichts Neues, sondern jedem Selbstverständlichkeit ist, so muß dem, der etwas darin finden will, auffallen, daß von dem Menschen dabei etwas ausgeht, das Verbindung mit der erwähnten Kraftzentrale nimmt, daß er den Hebel in Bewegung setzt, Kraftzufuhr zu erhalten durch sein Denken und sein Wollen.
Denken und Wollen sind es, die alles auslösen, durch Denken und Wollen wird die so geheimnisvoll erscheinende Kraft in Bewegung gesetzt.
Was gedacht wird, alles Wollen, wird von dieser Kraft genährt. Diese Kraft ist ein Geschenk Gottes, sie benützen zu dürfen eine große Gnade für den Menschen.
Das vor Augen sich zu halten, sollte jedes Menschen eherner Grundsatz sein, damit ein solches Gottgeschenk, das in seinem tiefsten Sinne Leben ist, auch nur zur Ehre Gottes angewendet wird. Er sollte auch daran denken, daß allem, was der Mensch schafft, ob in Wort oder Tat, in Großem wie in Kleinem, immer
entsprechendes Denken und Wollen vorausgegangen ist!
Dabei muß er zu der Erkenntnis kommen, daß allen aufbauenden Taten, fördernden Werken, Großem, Erhabenem nur gute Gedanken und gutes Wollen zugrunde liegen, während Schlechtes, Böses ebenso nur Gleichartiges zur Voraussetzung haben kann. Das ist eine logische Folgerung und eigentlich überflüssig, hier besonders erwähnt zu werden, da durch das bereits Gesagte schon jedem Leser zum Bewußtsein gekommen sein muß, was der Mensch mit dieser Kraft in Händenhat, was er damit schaffen kann, was er geschaffen hat und welche Verantwortung auf ihm ruht.
Es erfordert keinerlei Mühe, Produkte guten oder schlechten Wollens festzustellen und auseinander zu halten, ebensowenig zu finden, welche Art dabei vorherrscht.
Der Feind des Guten hatte bisher darin die Übermacht. Fast alle Menschen sind mehr oder weniger in seiner Gewalt, meistens ohne selbst etwas davon zu ahnen. Jeder davon aber ist in Gefahr, ihm ganz zu verfallen, weil fast alles Denken und Wollen heute ohne geistiges Wachsein erfolgt und deshalb nichts erstehen und erblühen lassen kann, wie es sein könnte und sein müßte, so, wie es in der Bestimmung des Höchsten liegt. Deshalb bewegt sich ganz naturgemäß auch der Mensch selbst und seine Lebensführung heute auf einer Stufe, auf der er vor seinem Schöpfer nicht bestehen kann.
Er öffnet sich der Kraft, die er wohl an sich zieht und in Bewegung setzt, die dann auch wirksam wird, mit der er walten kann und die ihn Höchstes auch erreichen ließe, in falscher Weise. Eigenwillig, dünkelhaft sucht er sie zu verwenden anstatt in dem frohen Wollen zu dem Guten und in Dankbarkeit gegen den Schenker dieser großen Hilfe.
Ist sie jedoch in der Bescheidenheit vom Menschen aufgenommen und verwendet, wie es von einer Kreatur dem Schöpfer gegenüber zu erwarten ist, so kann die Kraft auch Gutes nur erzeugen und der Mensch, welcher unter den Kreaturen als der Hauptvermittler dieser Kraft in Gottes Schöpfung steht und sie zu leiten fähig ist, zu dem werden, was er sein kann und soll, bereits sein müßte: zu dem Erhalter und zum Förderer der Schöpfung!
Kraft von Gott gegeben! Das ganze Weltall ist davon gespeist. Überall ist sie zu finden, von jeder Stelle aus auch zu erreichen, um aus ihr zu schöpfen für das Leben, weil sie Leben ist.
Doch nur aus rechtem Lenken dieser Kraft durch Menschen kann in dieser schweren Stofflichkeit der Erde werden, was bestehen soll, was gottgewollt ist! Alles andere Bemühen ist vergeblich und verderblich. Daran hängt das Erdenwohl und Erdenwehe aller Völker wie des Einzelnen.
Schaffende Kraft, so aufgenommen und erfaßt, läßt alle Allmacht, Weisheit und die Güte Gottes schnell gewahr werden, löset den Menschen von den Hängen und den Banden, gibt ihm die Urteilsfähigkeit und das befreiende Bewußtsein, mit seinem Einzelleben dienend einen Zweck an dem Gesamtleben treu zu erfüllen, so daß im Glanze goldener Freiheit sich bewegend der Geist aufnahmefähig wird für Dinge, die ihn bisher nicht erreichen konnten.
In Demut kann er sogar noch weit mehr empfangen. Es kann ihm werden: Wissen von dem Lauf der Welt, wie sie erstand, warum sie ist mit allem, was darinnen lebt.
Er selbst wird dann erst seinen ganzen Wert und Zweck begreifen; denn der sinnvolle Inhalt eines Menschenseins läßt sich erst dann erkennen, wenn Ursprung und Ziel, sowie der zwischen diesen beiden Polen liegende und zu durchwandernde Weg gezeigt und gefunden sind.
Wissend kann der Mensch sein Leben dann gestalten, uralte Weissagungen zeigen sich ihm lückenlos erfüllt.
Heiliger Friede und beseligende Freude zieht in seinen Geist, der aufjubelnd in frohem Schaffen Dank dem Schöpfer bringt, die Kraft dazu stets neu empfangend aus der Quelle, die ihm gnadenvoll geöffnet bleibt in alle Ewigkeit.
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Die »Stunden« des Menschenlebens.
Von Hermann Wenng.
Seit der Mensch den rechten Weg verlor, die Verbindung mit der Führung aus dem Licht und seine früheren wesenhaften Helfer einbüßte, seit ihm das Wissen um die ewigen Dinge unter der Herrschaft des alles verdeckenden, alles anzweifelnden Verstandes gänzlich verloren ging, sind auch die Begriffe Zeit und Raum - untrennbar verbunden und eigentlich ein und dasselbe - für ihn aus dem Wirklichen zu Schemen geworden. „Zeit“ ist etwas für ihn „das er nicht hat“, das er nicht mehr begreift. Viele Menschenköpfe haben sich damit abgeplagt, die „Zeit“ verstandlich zu erfassen, viele Philosophen haben sich damit beschäftigt, zu ergründen, was es eigentlich damit auf sich hat.
Es ist ihnen dann auch klar geworden, besser gesagt: eine Ahnung davon gekommen, daß die Zeit entsteht durch das „Nacheinander von Bewegungsvorgängen“, daß die Zeit etwas sei, das von vornherein vorhanden ist und durch Bewegung gleichsam gemessen wird, durch Bewegung erst wirksam in Erscheinung tritt.
Es spricht der Sprachgebrauch, das Menschenwort aber von „der eilenden „Zeit“, die man personifizierte durch die Gestalt „Chronos“ mit der rinnenden Sanduhr. Man glaubt also annehmen zu können, daß die Zeit selbst in Bewegung, oder vielleicht eine Bewegung sei, die an uns vorübergeht und bringt sie in Beziehung zu dem Ablauf der Bewegungen der uns sichtbaren Gestirne.
Es ist also so, daß der Erdenmensch annimmt, die Zeit bewege sich an ihm vorüber. Nun aber wurde durch Abd-ru-shin bekannt, daß die Zeit sich nicht bewegt, sondern stille steht, daß sie nicht an uns vorübereilt, wie man glaubt, sondern daß wir in sie hineingehen!
Sie ist also vorhanden von Ewigkeit her und wir bewegen uns in ihr, nicht sie bewegt sich! Sie bewegt sich nicht, sondern wir bewegen uns!
Damit sind mit einem Schlage alle die Probleme gelöst, die dieses Wort, dieser Begriff dem Menschen aufgegeben hat und wir wissen nun plötzlich, daß die Zeit uns so erscheinen muß, wie wir uns bewegen, daß wir selbst das Maß dafür abgeben, in welchem Tempo sie uns zu vergehen scheint. Unser Bewegungsrhythmus, unser Herzschlag etwa, unsere Aufnahme und unsere Erlebensfähigkeit, Erfassensfähigkeit gibt das Maß für den Ablauf unserer Zeit an, wie sie allem Geschaffenen von ihrer Erlebens- und Erfassensfähigkeit gegeben wird.
Diese Erfassens - und Erlebensfähigkeit ist also das eigentliche Zeitmaß! Die Eindrucks- und Erlebensfähigkeit aber ist nach Abd-ru-shin wiederum abhängig von der Entfernung der Ebene oder Sphäre vom Urlicht.
Die Kraft, die aus dem Willen des Herrn, dem Urlicht, strömt, fließt mit der Entfernung von ihm weniger stark, weniger kraftvoll, damit auch weniger rasch und diese Bewegung, dieses Strömen des Lichtes ist es also, das den Geschöpfen die Möglichkeit einer großen oder geringen Aufnahmefähigkeit erteilt. Am geringsten ist sie somit logischerweise in der Grobstofflichkeit als der vom Urlicht am weitesten entfernten Ebene.
Im Zentrum aller Schöpfungen, der göttlichen Sphäre, die dem Urlichte am nächsten liegt, ist alles gleichzeitig, alles von Ewigkeit her und bleibend in Ewigkeit Die Aufnahmefähigkeit, das Wissen und Erleben in diesen dem Urlicht nahestehenden Sphären ist eine unbegrenzte, wenigstens nach unseren Begriffsmöglichkeiten. Je weiter sich die Ebenen aber von da entfernen, desto geringer müssen sie mit der Abnahme der Bewegung werden.
So möchte es scheinen, als ob es dennoch so sei, als ob die Zeit sich bewege; denn sie ist ja der Strom der Kraft, seine Bewegung, der Druck des ewigen Willens. Dem ist aber nicht so, sondern wir werden ja von diesem Strome mit fort getragen, schwimmen in ihm und vernehmen ihn ebenso wenig, als ein Freiballon die Luftströmung, in der er schwimmt.
Auch den stärksten Orkan werden wir nicht gewahr, wenn wir von ihm mit eben der gleichen Schnelligkeit fortbewegt werden; wir empfinden ihn erst, wenn wir ihm Widerstand entgegensetzen!
So auch setzen die Geschöpfe dem Lichtstrom, dem Leben einen in jeder Sphäre oder Entfernung vom Zentrum anders gearteten Widerstand entgegen. Dadurch nehmen sie nur einen ganz bestimmten Bruchteil des Lebens auf, erleben in jeder Sphäre verschieden stark, und das vermittelt ihnen den Zeitbegriff, der demnach in allen Sphären ein verschiedener sein muß.
Am stärksten muß dieser Zeitbegriff in der Grobstofflichkeit sich ausgeprägt finden, die dem Licht den größten Widerstand entgegenstellt, in welcher aus diesem Grunde auch am langsamsten erlebt wird, in der also nach unseren Begriffen die größte Zeitdauer benötigt wird, um eine bestimmte Summe von Eindrücken aufzunehmen und zu Erkenntnissen zu verarbeiten.
Am wenigsten wird dieser Begriff vorhanden sein in den lichtnahen Gefilden, gänzlich fehlen muß er im Lichte selbst - denn: Tausend Jahre sind ihm wie ein Tag und ein Tag wie tausend Jahre!
Es wird also unser Erdenleben, so lange es uns auch erscheinen mag, von der höchsten Höhe gesehen in ein Nichts zusammenschrumpfen und nur, von je weiter unten es gesehen ist, an Ausdehnung, also an Bedeutung, gewinnen.
Dem vollendeten Geiste wird unsere Aufnahme- und Erlebensfähigkeit als gleich Null erscheinen. Gar oft mag dem in lichten Höhen weilenden Betrachter - als solcher kommt am ersten wohl die oberste Spitze der um uns bemühten Kette der Führung in Betracht, die sich, um einen irdischen Vergleich zu gebrauchen, berufsmäßig mit unserer Unzulänglichkeit zu befassen hat - ein gelindes Grauen kommen über unsere Langsamkeit, über unser geringes Begriffsvermögen, über die eingeschränkte Aufnahmefähigkeit, vorausgesetzt, daß eine solche überhaupt vorhanden ist und nicht durch das Wirken des Verstandes gänzlich unterbunden bleibt.
Es wird nun jedem, der diesen Ausführungen gefolgt ist, klar sein, daß wir dem gereiften Geiste erscheinen wie Eintagsfliegen! Unser Erdenleben erreicht selbst für den erst nahe der Vollendung Weilenden noch nicht einmal die Ausdehnung eines einzigen seiner Tage! Was wir in unserem ganzen Erdenleben an Wahrheit aufzunehmen fähig sind, dazu braucht eben der etwa an der oberen Spitze unserer Führung Stehende nicht einmal einen Tag. Unser ganzes Leben spielt sich innerhalb eines einzigen seiner Tage ab; Jahre, die uns schwer zu schaffen machen, erscheinen ihm als Minuten.
In geistigen Stunden schwingt aber auch unser Leben in dem Rhythmus, in dem Pulsschlag der strömenden Kraft!
Eines jeden Menschen Leben spielt sich in denselben ewig gleichen Schwingungen der Kraft ab, den ewigen Zeitintervallen. Wir gehen alle, auf dem Tiefpunkt der Stofflichkeit weilend, diesem Strom entgegen, werden von dem Rückstrom ihm entgegengetragen, und für jeden Erdgeborenen sind die Stunden die gleichen. Von der ersten bis zur letzten Minute seines Erdenseins wirkt auf jeden die gleiche Kraft, die gleiche Zeit ist für einen jeden, in die er hineingeht, für jeden ist das gleiche Gesetz, das er als „Zeit“ empfindet, und diese Zeit hat für einen jeden den gleichen Einfluß, den gleichen Rhythmus.
Die gleiche Welle empfindet er in seinem Werden und Wachsen im Erdenleben und gleich nennen sich diese Stunden seines Lebens nach dem Gesetz der Zahl, geteilt nach dem Gesetz der Liebe durch den Pulsschlag der Liebe, des Gesetzes der Schöpfung! So ist nach ihrer Zahl das Erdenleben des Menschen in Stunden geteilt, in Stunden, die einem jeglichen in gleicher Art als Jahre erscheinen müssen, die die Gestirne regeln durch ihren Strahl und ihre Bewegung.
Fünf ist der Liebe Zahl! Ist nicht jedem Erdenmenschen der Monat Mai, der fünfte des Erdenjahres, als ihr Monat bekannt und besungen? Fünf unserer Jahre haben immer einer Stunde Namen, sie sind eine Stunde dem Geist, der uns führt aus der Höhe durch viele Helfer hindurch, und sie trägt einen Namen, den das Gesetz ihr gegeben, der uns zeigt, wie der Pulsschlag der Kraft wirkt auf den werdenden Menschen, der zeigt, zeigen kann unseres Lebens Sinn und Zweck.
Sie können uns aber auch zeigen, daß dem Menschen das Erdenleben nicht gegeben ist um der Dinge willen, die er zu seinen Götzen erhoben, die ihm wichtig sind über alles, sondern daß es gegeben ist um des Erkennens wegen, um zu reifen und zu wachsen, um bewußt und gereift heimzukehren in die Sphäre, von der er ausging, um einst bewußt zu dienen der ewigen Liebe, dem ewigen Gesetze des Lebens. -
Wenig Erdenmenschen leben so einen Tag! Wer von uns mag vierundzwanzig solcher Stunden leben? Nicht viele erleben mehr als die Hälfte. Wie viele aber mögen die Stunden wirklich so nützen, wie sie es sollten? Die erste Stunde freilich nutzt wohl ein jeder, obwohl es auch hier Unterschiede gibt durch die Hemmungen, die er sich auferlegt durch ein früheres Sein. Nicht ein jeder nützt sie jedoch gleichermaßen, kann sie gleich benützen, diese Stunde der Kraft!
Wohl beginnt in ihr der Mensch nichts anderes, als daß er die Kraft auf sich wirken läßt, passiv, einfach wachsend als Kind, aber es wirken die Hemmungen, die er sich bisher schuf, die Fehler des Geistes verweben sich mit dem Stoff, als Krankheit oft bereiten sie sich vor, die Wendung des Geistes durch Schmerzen in späteren Stunden erzwingend, sein Erwachen fördernd!
So geht die Stunde der Kraft, des reinen Werdens und Wachsens, hinüber in die' zweite Stunde, die zweite Fünf unserer Jahre: die Stunde der Schöpfung!
Es zeigt sich die Form nun gefügt, ein ganz bestimmter Mensch kündet sich nun an, die Form vollendet sich nach der Anlage, die der Geist ihm gegeben, auf daß er nun wirke in ihr und in der dritten Stunde, der dritten Fünf der Jahre, beginne, hervorzutreten, durchstrahlen, alles zu beleben. Es wird nun Licht in dem Menschen! Es erwachen die Kräfte, die als Licht wirken in ihm, als Verstand, als Empfindung, und so beginnt die Stunde der Reife, die vierte Fünf, genannt die Stunde der Natur!
Der Geist soll nun den Körper beherrschen. Es geht dem Menschen der Sinn auf für alles, was Natur genannt ist. Auch er selbst unterliegt ihr, seine Natur, sein Charakter, seine' Art des Erlebens zeigt sich und vollendet sich. So geht er hinein in die fünfte Stunde, die Stunde der Liebe, die fünfte Fünf seiner Erdenjahre!
Jetzt soll der Geist die Natur beherrschen und wissen um die Liebe des Geistes. Und es werden dem Menschen in dieser Stunde die Erlebnisse werden, die ihn reifen und prüfen, entgegengeführt wird ihm, was er sich schuf in der Vorzeit, und alles, was die Liebe angeht, wird das Mächtigste sein in diesen Jahren,
daß der erwachte Geist nun in der sechsten Fünf der Jahre, der Stunde der Macht, Macht ausübe über sich selbst und also über sein Schicksal auf Erden, daß er, der Mensch, das Leben der Erde meistere nach dem Gesetz! Macht soll ihm dabei werden als ein Geschenk, auf daß er mächtig sei über allen Hang an Unwert; denn es kommt dann die siebente Stunde, die Stunde des Willens!
Die siebente Fünf. Sie prüft den Willen, ob er fest sei, der Versuchung zu widerstehen, die ihn auf Abwege drängen will. Opfer werden von ihm verlangt in dieser Stunde, die zeigen sollen, ob er die wahren Werte des Seins erkannt hat, ob er vermag, sich selbst zu überwinden; denn es wird die achte Stunde, die Stunde des Geistes ihm zum Schicksal werden, wenn er bis dahin den Geist unterdrückt, dem Verstande und seinem Begehr gelebt hat. Sie bringt ihm ein Schicksal, ein Erleben, das ihn bereitet für die neunte Stunde, die sich nennt die Stunde des Glaubens!
Die neun mal Fünf der Jahre des Menschenlebens vollenden einen Teil. Der Mensch soll fertig sein, daß sein Geist die Brücke finde zum Leben in Wahrheit. Er wird, wenn er recht gelebt hat, zu höheren Dingen sich wenden. Was Glaube ist, wird ihm nun offenbar und bewußt mit der Höhe, dem Scheitelpunkt seines Lebens, dem Scheitelpunkt der wirkenden Kraft im Stoffe. Es muß das bis dahin übergeordnete irdische Streben dem Streben nach den höchsten Werten nun nachstehen; denn nun kommt die Wende über ihn, der irdische Abstieg der Kraft in der zehnten Stunde, der zehnten Fünf, ,die wiederum den Namen trägt der Stunde der Kraft, aber der Kraftverwandlung, die als Abnahme sich kund gibt der irdischen Körperkräfte!
Dies alles erlebt ein jeder an sich selbst, der eine deutlicher als der andere, je nach seinem eigenen Pulsschlag, je nachdem der Geist in ihm lebt oder schläft, je nach der Kraft des Erlebens, die er entwickelt Diese zehnte Stunde, die Wende der Kraft, muß ein jeglicher deutlich fühlen, ob er will oder nicht. Eine Mahnung kommt in ihr an den Menschen, nun „neu“ zu werden, alles noch einmal zu erleben in den folgenden Lebensstunden, doch „anders“, auf höherer Stufe, um ein Geistmensch zu sein!
Und wiederum formt sich dies nun in der elften Fünf der Jahre, der Stunde der Neuschöpfung!
Es soll in ihr der Mensch sich bereiten, sich zu erneuern, umzuformen alles, was er gelebt hat, damit er es, dem noch die Gnade des Erdenlebens gelassen wird, nun nütze zum Wohle der anderen, zum Nutzen sich selbst. Und wenn er also sich bereitet, so werden ihm in der zwölften Stunde Lichterlebnisse werden. Wie Offenbarungen wird es in dieser Stunde der zwölften Fünf der Jahre über ihn kommen!
Er wird das Leben erschauen in seiner wahren Gestalt in dieser Zwölf, die ihn zur dreizehnten Stunde führt, da darin nun wiederum die Natur zu ihm spricht, doch in neuer Gestalt! Sie spricht die „Sprache der Treue undnicht der Triebe, denn nun kommt wiederum der Liebe Stunde!
Die vierzehnte Fünf, in der die Liebe reines Gesetz geworden ist, Liebe des Geistes, die da will, daß der Geist lebe. Empfindet und handelt er .derart, so wird ihm als ein Geschenk in der fünfzehnten Stunde, der fünfzehnten Fünf, die „Macht“ gegeben, die in dem gewachsenen Geiste ruht. Ein Geschenk, das der Reife zufällt nach dem Gesetz, der nicht mehr sich selbst sucht, den nicht die Selbstsucht leitet. So wird die sechzehnte Stunde die Stunde des „neuen Willens“, der nun von der Erde sich wendet und nur noch den einen Willen kennt, der über ihm ist: den ewigen Willen des Ewigen!
Der aber in der siebzehnten Fünf der Erdenjahre noch nicht eingeht in das Reich des Geistes, muß den Glauben erleben in reinster Art in der achtzehnten Stunde, die wiederum die Stunde des Glaubens sich nennt, des reinen, geläuterten Glaubens, die Stunde der Wahrheit!
Immer müssen sich erfüllen im Gesetz Zeichen und Zahl. Wohl dem, der seine Stunden des Lebens recht benützt, an dem sie sich also erfüllen müssen als ein Gnadengeschenk des Lichtes!
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Kunst im Rhythmus
der Weltordnung.
Von Dr. Alfred Fischer
I.
Der verlorene Weg
Kunst ist Ausdruck des Lebens. Der schmückende Trieb ist von Urbeginn an in den Menschen hineingelegt. Wir wissen von großen Kulturepochen (der vorchristlichen Zeit), daß die künstlerische Äußerung eines Volkes oder eines Landes sich mit dem staatlichen und mit dem religiösen Leben gedeckt haben muß.
Seit Beginn der christlichen Zeitrechnung können wir im jeweiligen Wechsel von etwa 500 Jahren - also einem halben Jahrtausend - eine grundlegende Änderung kunstgeschichtlicher Stilepochen feststellen. Das Zeitalter der frühchristlichen Kunst (noch auf der Antike fußend) wird abgelöst von der Kunstäußerung des frühen Mittelalters (romanische Zeit). Darnach entwickelt sich die Kunst des hohen Mittelalters (Gotik), welche wieder abgelöst wird durch die Renaissance, deren Ausläufer mit unwesentlichen Spielarten des Barock und des Neuklassizismus bis in unsere heutige Zeit reichen.
Man hat diese Entwicklungstufen technisch, sozialpolitisch und nach stilkritischen Gesichtspunkten zu erklären versucht und ist dabei immer auf den Fehler verfallen, den manchmal die Medizin macht, daß man äußerliche Symptome als Ursachen einer tiefer liegenden Umwälzung darzustellen suchte.
II.
Jetztzeit.
Man fühlt und weiß, daß auf allen Gebieten künstlerischer Äußerung der feste Boden völlig verloren gegangen ist; seit Jahrzehnten oder vielleicht seit einem Jahrhundert prägt sich diese Fundamentlosigkeit besonders stark aus. Der Mangel an einem einheitlichen Leben, an innerer und äußerer Harmonie zeigt sich am sinnfälligsten in all den Stilexperimenten, in welchen die Kunst sich auszutoben suchte. Man hat für diese Lage auf künstlerischen. Gebieten ein durchaus richtiges Gefühl. Hilflosigkeit auf der einen Seite beim Künstler, Entfremdung der Kunst vom Menschen auf der anderen Seite.
Wie in politischen Dingen, so fängt man auch auf dem Gebiet von Kunst und Kultur an, mit neuen Rezepten eine rasche Lösung zu suchen.
In Rußland soll die Kunst zur propagandistischen Dienerin reklamemäßig aufgemachter staatlicher oder sozialistischer Ideen und Versuche gemacht werden. Damit wird sie zur Dirne erniedrigt.
In den nationalistisch regierten Ländern versucht man durch sich steigernde Reglementierung parallel den staatspolitischen Maximen die Kunst zum organisierten Volksgut zu machen. Eine allgemeine Verflachung muß die Folge sein.
In den demokratisch und liberal regierten Ländern glaubt man der Kunst das sogenannte freie Eigenleben lassen zu müssen. Sie möchte dabei Selbstzweck werden (l'art pour l'art), entfernt sich vom Strome des allerdings nur noch träge und trüb ,dahinfließenden geistigen Lebens immer mehr, bis sie aus Mangel an innerer Lebenskraft zu Grunde geht.
Die notwendige Folge ist allgemein: Völlige Verödung auf allen kulturellen Gebieten.
III.
Die ahnende Stimme eines Künstlers.
Auguste Rodin sagt in seinen Gedanken über die Kathedralen Frankreichs: 1)
,,Wie sehr Meisterwerke wirklich Meisterwerke sind, weiß ich wohl, und ich freue mich, es zu wissen! Es ist genau ebenso, wie große Seelen große Seelen sind. Nur indem sie sich zum zwingend Notwendigen im Ausdruck ihrer Gedanken und Gefühle erheben, gelangen Mensch und Künstler zu würdiger Vollkommenheit. Das Meisterwerk ist notwendigerweise eine sehr einfache Sache, die jedoch, wiederholen wir es, nur das Wesentliche enthält Alle Meisterwerke wären auf ganz natürlichem Wege dem Volke verständlich, wenn dieses nicht den Sinn für Einfachheit verloren hätte. Aber selbst dann, wenn die Menge unfähig geworden ist, zu verstehen, muß der Künstler gleichwohl ein volkhaftes Gefühl, gleichsam eine „Massenseele“ besitzen, um Meisterwerke auffassen und schaffen zu können. Was er mit den Meistern verstehen muß, muß er mit dem Volke fühlen, auch wenn dieses nur ideell gegenwärtig ist. Und so werden auch die Meister wieder „Volk“, um mit dem Herzen, mit der Liebe nachzuschaffen, was sie verstandesmäßig entdeckt haben."
In diesen Gedanken des großen französischen Bildhauers drückt sich rein materiell der richtig erahnte Zwiespalt aus, den jeder begnadete Künstler empfinden muß, ohne daß Rodin allerdings zu richtigen Erkenntnissen und Folgerungen käme.
IV.
Die Lösung.
Die Lösung finden wir schlicht und einfach in der Botschaft. *)
Jede künstlerische Äußerung ist die begnadete Wiedergabe eines im Geistigen schwingenden Vorbildes. Da die Verbindung mit dem Geistigen für die heutigen Menschen so gut wie verschüttet ist, kann auch das künstlerische Gestalten nur mehr ein materielles Experimentieren und Dilettieren sein. Erst wenn die Menschen mit einer grundlegenden Änderung und Erneuerung der gesamten inneren geistigen Haltung wieder Verbindung mit dem schwingendem Rhythmus der göttlichen Gesetzmäßigkeit, das heißt den Urkräften alles Seins in der Schöpfung haben, werden auch die zur Kunstleistung Befähigten wieder das wahre Künstlertum aus dem Empfinden schöpfen können. Dann aber wird die Kunst wieder in Demut dienende Helferin in der göttlichen Weltordnung sein.
Der Zwiespalt zwischen der schöpferischen Kunst und dem allgemeinen Verständnis durch die Menschen ist dann behoben. Denn, wenn alle Menschen wieder im Geiste der Wahrheit nach den Gesetzen der Schöpfung leben, werden sie die aus diesen Schöpfungsgesetzen herauswachsenden Kunstäußerungen verstehen und zur Freude des Lebens in sich aufnehmen. Damit aber ist die den Menschen verloren gegangene Reinheit und Harmonie des irdischen Lebens wieder hergestellt.
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Der ewige Brunnen.
Dichtung von Susanne Schwartzkopff.
Einen Brunnen gibt es in ewiger Höhe, dort oben, wohin nur ahnendes Empfinden sich hinschwingen kann auf den Flügeln der Sehnsucht. Ewig rauscht und strömt es in ihm von Fluten, die nie sich erschöpfen, nie ein Ende finden. Sein klares Wasser ergießt sich in einer leuchtenden Schale durchsichtiges Rund. In ihr sprudelt der reine Quell, wallt und wogt, ohne je überzufließen.
Auf weißen Stufen erhöht, die sie weithin sichtbar machen, steht die Schale. Strahlenglanz von einer Reinheit und Leuchtkraft ohnegleichen umhüllt sie schützend. Gehütet wird sie von wachsamen Hütern. Knieend umgeben sie die Heiligkeit des ewigen Quells, in dem das Leben sich ständig erneuert.
Ströme des Lichtes aus Gottes urheiliger Vaterhand sind es, die der ewig fließende Brunnen auffangen darf, Ströme der Liebe, Ströme der Kraft. Gewaltig wie Meeresrauschen, pulsend wie der Strom des Lebens in allen Adern der Schöpfung, klingend wie Lobpreisen und Jauchzen der Anbetung, strahlend in Gold und Weißglanz, so flutet das Leben aus Gottes Hand in die Schale, die er erwählt hat, Kelch zu sein für sein Liebesgeschenk an alle Kreatur. Sie formte sich, wie eine Knospe aufspringt, wenn der warme Strahl des Lichtes sie trifft, und wird gehalten von dem anbetenden Danke der Geschaffenen, die die Flut der Gottesliebe in sich aufnehmen dürfen. Bestehen bleibt sie in alle Ewigkeit; denn nie wird die Anbetung und heilige Andacht im Hinnehmen der Gottesgabe, aus der alles lebt, aufhören in den ewigen Höhen.
„Der Hüter Reinste“ hüten das heilige Gefäß! Rings im weiten Rund stehen sie, Gestalt an Gestalt, und Stufen über Stufen führen hinaus in die Schöpfung. Kniend nur vermag der innerste Ring, den Blick auf das flutende Leben des ewigen Brunnens gerichtet, Anbetung und wache Hingabe darzubringen. Den Blick nach außen gerichtet aber stehen andere, das Schwert in der Hand, den Schild am Arm.
Die Lichtströme fließen über alle Hüter hin, fließen durch sie hindurch, beleben, stärken zu treuer Wacht, öffnen ihr Auge weiter und weiter und machen lebendig die Zungen, daß sie singen und lobpreisen können den Höchsten als Lebenspender und Erhalter. Von Mund zu Mund weben sich Chöre der Freude ineinander, schwingen hinauf zu den goldenen Thronesstufen, hinauf zu ihm, der unerreichbar ist, dessen Liebe aber allgegenwärtig, allerlebbar bleibt.
Aus dieses Brunnens Tiefe lebt die Schöpfung. Er ist der Heilige Gral!
Von ihm aus schwingen die Ströme lebendigen Lichtes hinaus ins All. Sie tragen Bewegung und Entfaltung überall hin, wo etwas Geschaffenes atmet. Auf einer jeden Stufe stehen andere Hüter bereit, die wieder ein Gefäß formten aus ihrer Anbetung, ihrem jauchzenden Dank, in dem sie die heranwogenden Fluten auffangen.
Auch sie knien vor der Heiligkeit des Gotteslichtes, auch sie durchfließt der Strom aus dem ewigen Brunnen und durch sie hindurch geht er weiter hinab, in andere Welten, zur nächsten Stufe.
Immer ist es einer geweihten Schale leuchtendes Rund, das den Strom in sich sammelt, hoch erhoben auf hellen Stufen, weithin sichtbar den dort Lebenden, ihnen das Leben spendend aus Gottes Hand. Farbiger werden die Lichtströme beim Hinabfluten, sie teilen sich in eine Unendlichkeit von Zweigen, ihre Kraft fließt bis in alle Spitzen, in jedes Blättchen, jeden Ast.
Von einem Brunnenrand zum nächsten schwingt sich der Lichtstrom herab, überschüttet die Hüter und Wächter, daß sie wie in einem feurigen Lichtregen stehen. Sie halten fest, was sie brauchen und geben weiter, was die nächste Welt haben muß zu ihrem Wachstum, ihrem Gedeihen.
Seht Ihr die heiligen Schalen in allen Welten erglühen im Strom der Kraft aus dem Gral? Herrliche Tempel sind für sie erbaut, nur Reinstes darf sich ihnen nahen, in ihnen ist Gott dem Geschaffenen nahe.
Wenn sich der Himmel öffnet, wenn der Sohn aus Gott an den ewigen Brunnen in der unvergänglichen Lichthöhe tritt, um die Liebe des Vaters der Schöpfung darzubringen in Dank und in Gebet, wenn er den Kelch des heiligen Grales emporhebt in göttlichen Händen, dann liegt die Schöpfung mit verhülltem Angesicht auf den Knien vor der Heiligkeit des Herrn.
Niemand vermag den Glanz zu ertragen, der dann ausstrahlt in der ewigen Schale im göttlichen Licht.
Und mit ihr erglühen in allen Welten die Gefäße in den Gott geweihten Tempeln. Es trifft sie der Ewigkeitsstrahl aus der Höhe, ein reiner Gottesdiener darf sie emporheben, der Höhe entgegen, aus der der Segen naht. Er darf sein Gebet hinaufsenden und es vereinen mit den bittenden Strahlen aller Sphären, die sich als ein Blütenkranz der Anbetung Gott zu Füßen legen.
Das größte Heiligtum in allen Kreisen der Schöpfung und Nachschöpfung ist der Tempel der heiligen Schale, treu behütet in nimmermüder Wacht. Nur wenn der Gral sich öffnet, wenn die Stunde da ist, in der sein Segen sich ergießt, werden diese Tempel der Anbetung aufgetan, dürfen sich die Beter ihnen nahen.
In jedem Weltenteile sind, solange sie bestehen, solche Tempel zu finden. Die Feiern, die in ihnen begangen werden, binden die Geschaffenen fester an das Licht, sie tun ihnen neue Wege auf in die Höhen der Ewigkeit.
Auch auf der Erde gab es einst Tempel des Lichtes, die die Menschen vorbereiten sollten für den einen, heiligen Tempel der geweihten Schale. Sie sind zerfallen, seit sich die Erde von Gott entfernte.
Aus der unvergänglichen Höhe des Lebens sah der Höchste das Erlöschen der Lichtflammen auf Erden. Und es ward ein Gefäß bereitet, das die heilige Schale werden sollte auf Erden. Größte Gnade wurde damit den Menschengeistern zuteil, nur die göttliche Liebe konnte ein solches Gefäß formen und es zur Hilfe senden in die gesunkene Tiefe.
Rein war das Gefäß, durchsichtig zart und licht und doch stärker als alles Irdische. Engelshände trugen es in Händen, die die Liebe gesegnet, hinab in die Tiefe ohne Licht. Leuchtend hob es sich ab von der Schwärze der irdischen Umgebung. Noch strahlte es im Verborgenen. Gott hatte sich die Stunde vorbehalten, in der es aufleuchten durfte und als weithin sichtbares Lichtzeichen fern und nah zu sich heranrufen sollte.
Rosig und weiß, golden und glühend lebte das ewige Licht in der heiligen Schale. Zuerst war sie wie eine Blütenknospe. Nur nach oben geöffnet, die schützenden Hüllblätter dicht um den herrlichen Kern gelegt, nahm sie auf, was aus der Höhe in sie flutete. Langsam schloß sich Blatt um Blatt auf, langsam fiel eine Hülle nach der anderen ab. Weiter und weiter bogen sich die inneren, schneeweißen Blätter auseinander, bis die goldene Mitte zum Vorschein kam.
Da begann ihr Licht unaufhaltsam auszustrahlen. Ein alabasterner Kelch, eine glühende goldene Mitte, Himmelsduft und Himmelsschönheit! Mußte das Gefäß nicht aller Augen auf sich lenken?
Auf Erden kannte man keine Schönheit mehr. Vor langen Zeiten schon war sie von den Menschen vertrieben worden und hatte Freude und Glück mit sich genommen. So nahm sich die Schönheit des himmlischen Gefäßes seltsam aus inmitten der Häßlichkeit der Erdenmenschen. Befremdend wirkte sie auf viele, beängstigend sogar.
In ihr ruhte die Kraft des Anziehens, aber auch des Abstoßens. Ein jeder bekam dies zu fühlen, je nach dem, was er selber in sich trug. Hatte er noch ein Körnchen Lichtsehnsucht in sich bewahrt, so zog es ihn unwiderstehlich zu dem Gefäß, das einsam, fremd, unverstanden ins Dunkel der Erde seine Strahlen aussandte. Wer sich dem Dunkel aber angepaßt hatte, der floh es, fortgetrieben von seiner Reinheit Kraft.
Und es begann zu wallen und zu wogen in dem himmlischen Gefäß auf Erden. Die Kraft seiner gewaltigen Lichtfülle konnte nicht ruhen, sie drängte nach Betätigung. Immer heller ließen die durchsichtigen Wände der reinen Schale das Licht im Innern durchschimmern. Noch schöner, noch strahlender stand sie nun unter den Menschen da. Sie war das, was die Menschen schon lange, lange nicht mehr kannten: sie war heilig.
Ein Ahnen der Göttlichkeit überkam den, der ihr ehrfurchtsvoll nahte. Die Dunklen aber stachelte diese Heiligkeit an zu bösen Taten.
Ein Tempel mußte nun gebaut werden, der das heilige Gefäß schützend umgeben sollte auf Erden, wie es in den Himmeln und in allen Welten ist. Ein Tempel, den nur Reine betreten, nur Andächtige aufsuchen durften. Die Gebete der Menschen sollten sich in ihm vereinen mit den Lichtströmen aus der Höhe, die wie goldene Wogen in die geöffnete Schale hineinfluteten.
Die ersten Steine wurden gelegt. Sie fügten sich aneinander nach dem Klange der Worte, die aus der Höhe des ewigen Brunnens herabgerufen wurden in die Dichtheit der Erde. Hände schoben und paßten sie, zusammen, feilten und meißelten, wo Ecken und Vorsprünge dies erschwerten, und bald schloß sich ein Ring von Grundsteinen um das heilige Gefäß in der Mitte. Lichte Hände hatten ihm einen Altar errichtet, auf dem es unnahbar thronte.
Suchend kamen die ersten Menschen, angezogen von der Leuchtkraft der göttlichen Schale. Anbetend knieten sie nieder und beugten sich vor der Gnade Gottes, der ihnen den Lichtquell aus der Ewigkeit herabgesandt hatte in ihre Dunkelheit.
Schwarz stand die Erdennacht um den einzigen Lichtpunkt in dieser Welt. Sie erhöhte den Glanz des Lichtes, den die Schale um sich verbreitete, hob sie heraus aus allem Irdischen, bannte die Herzen der Beter und ließ sie höher schlagen in Wellen unbeschreiblichen Dankes und wortloser Freude.
Es weitete sich das kleine Rund, das einstens einen Tempel bilden sollte um das Heiligtum auf Erden. Unsichtbare Hände schoben den Ring so weit auseinander, daß Scharen glänzender Gestalten mit hereintreten und den Wall verstärken konnten, der den Altar umgab.
Die Menschen nahmen die Lichtgestalten nicht wahr, aber sie fühlten ein Wehen himmlischer Nähe, und Seligkeit zog ein in ihr Herz. Lichte Hände stützten sie, lichte Augen ruhten auf ihnen, leise Worte wurden ihnen ins Ohr geflüstert, die sie erwecken sollten für die Gaben des Lichtes.
Über alle hinaus aber wanderten die Strahlen des Lichtes aus der heiligen Schale. Sie suchten, wo noch Geister warteten auf den Tag der Befreiung. Drängend nahten sie sich ihnen, bestürmten sie, rissen sie heraus aus ihrer irdischen Enge und schenkten ihnen ein Ahnen großen, göttlichen Geschehens, göttlicher Nähe auf Erden. Neue Steine konnten eingefügt werden in den Unterbau des Tempels.
Aber nun ruhte das Dunkel nicht länger. Schmutz und Steine wurden gegen das reine Gefäß geworfen, giftige Pfeile abgesandt, die es durchbohren sollten.
Lichte Hände wehrten alles ab. Aber aus dem Steinring wühlten schmutzige Hände einige heraus mit unterirdischer Wühlarbeit. Die Steine zerbröckelten und zerfielen zu Staub. Frohlockend rissen die dunklen Hände die Lücken weiter auf und versuchten, tiefer hineinzudringen in den Tempelbau. Sie sammelten die Steinbrocken als ihre besten Waffen auf und Wurf auf Wurf schlug gegen die Schale, die unzerbrechlich, immer durchsichtiger, immer schimmernder sich erhob über allem Graus.
Ein herzzerreißendes Weh ergriff die Schöpfung, die es mitansehen mußte, wie Gottes Liebesgabe an die Menschheit beschmutzt wurde, ihr schützender Tempel erbrochen.
Und es geschah etwas, das alle Welten erschütterte bis in die letzten Tiefen: In die Flut des reinen Himmelslichtes, die unverändert stark und mächtig in dem Gefäß wallte und wogte, mischten sich Tränen. Heiße, blutige Tränen fielen herab aus der Höhe und flossen aus den Wänden der lichten Schale hinein in ihr Licht. Bis zum Überfließen füllten sie das Gefäß. Schon rieselten die ersten Tropfen herab über den Rand. Die goldenen Lichtfluten in der Schale verwandelten sich, sie wurden zornrot und wogten stürmisch, als wollten sie das Gefäß zersprengen.
Da griff eine urmächtige Hand aus der Höhe der Ewigkeit herab, nahm das Gefäß, hob es hoch empor und eine Stimme rief:
„Genommen wird das Heiligtum des Herren der sündigen Kreatur !“
Zugleich wuchsen die Stufen, auf denen das Gefäß gestanden, hinauf in steile Höhen, unerreichbar für jeden Zugriff des Dunkels. Hoch über dem zerbrochenen Ring thronte es nun. Der Menschen Hände konnten es nicht mehr berühren. Sie blieben zurück in der Tiefe.
Abermals aber rief eine Stimme, und diesmal rief sie aus der heiligen Schale:
„Wer zu mir heraufklimmen kann, der darf sich einfügen in den neuen Ring, der nicht zerbrochen wird! Aber steil ist der Weg und es wird Euch diesmal keine Hilfe zuteil! Nehmt alle Kraft zusammen! Ich bin und Ich bleibe in alle Ewigkeit! Wer mich finden will, der setze sein Leben dafür ein!“
Tief unten vergingen die zerbrochenen Steine. Abseits standen die lichten Helfer.
Da nahmen sich einige der Menschen bei der Hand und erklommen mühsam den steilen Pfad, der in die Höhe der göttlichen Schale führte. Zoll um Zoll, Fußbreit um Fußbreit des Weges mußte erkämpft, errungen, erlitten werden. Steine rollten den Wanderern entgegen, oft drohten die letzten Kräfte sie zu verlassen. Dann hoben sie die Augen empor zu dem goldenen Lichtgefäß und neue Kraft belebte sie.
Es war ein Kampf um Leben und Tod, das sahen sie. Das dunkle Gewürm versuchte ihnen nachzukriechen und zog noch manch einen in die Tiefe. Doch die sich festhielten an den Strahlen des Lichtes, die waren gefeit gegen solche Gefahr und ihre Kraft wuchs mit jedem Schritt in die Höhe
Die goldenen Lichtstrahlen aber legten Brücken hinaus in die Ferne für neue Menschenseelen. Suchend und angezogen kamen sie heran, sie reihten sich ein in den Ring der lichten Hüter und langsam formte sich ein neuer Schutzring, der zum unangreifbaren Tempel für das heilige Gefäß ward.
Unnahbar, unerreichbar für Menschengeister thront es auf seiner steilen, einsamen Höhe. Fluten lebendigen Lichtes ergießen sich aus Gottes Hand in die Schale, die aus ewigen Höhen herabgetragen wurde, um die Dunkelheit der lichtabgetrennten Welt wieder zu erhellen. Aus der Tiefe des ewigen Brunnens schöpft diese Schale, ewig unversiegbar, ewig flutend.
Mag die Erde vergehen, die heilige Schale bleibt, beschützt von Treue und Liebe. Sie gibt Kraft zum Leben denen, die den Weg zu ihr finden, der weiter, steiler und schwerer geworden ist durch der Menschen Schuld. Sie ist und sie bleibt, bis Gottvater sie wieder zu sich nimmt und sie wieder eins wird mit dem Brunnen der Ewigkeit.
Menschheit, schöpfe aus diesem Gefäß die Flut des Lebens! Es ist kein anderer Quell als allein dieser eine! Mache Dich auf, ruhe nicht, kämpfe Dich durch zu ihm, wenn Du Dich retten willst vor den Wassern des Unterganges.
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Das Blut - Geheimnis.
Von Abd-ru-shin.
Das Blut! Was schwingt alles aus diesem Wort, wie reichhaltig und stark sind alle Eindrücke, die es hervorzurufen fähig ist, und welche nie versiegende Entstehungs-Quelle von Vermutungen umschließt das eine so bedeutungsvolle Wort.
Und aus diesen Vermutungen hat sich so manches Wissen schon geformt, das segensreich für Erdenmenschenkörper sich erwies. In mühevollem Suchen und aufopfernder Betätigung fanden Begnadete in ihrem reinen Wollen zur selbstlosen Menschheitshilfe in scharfer Beobachtung so manchen Weg, der zu dem eigentlichen Zweck des Blutes führt, doch dieser Zweck selbst noch nicht ist.
Es sollen nun hiermit noch weiter Hinweise darauf gegeben sein, aus denen die, welche Berufung dazu in sich tragen, aufzubauen fähig sind im Wissen der schwingenden Gottgesetze. Als Helfer werden sie den Menschen hier auf Erden dann im wahrsten Sinn erstehen, Helfer, denen als kostbarste Belohnung Dankgebete aller derer ihre Wege sonnig werden lassen, welchen sie in ihrem neuen Wissen über die Geheimnisse des Blutes Hilfen bringen konnten ungeahnter Art, wie es bisher solche noch nicht gegeben hat.
Ich nenne gleich den Hauptzweck alles Menschenblutes: Es soll die Brücke bilden für die Tätigkeit des Geistes auf der Erde, also in der groben Stofflichkeit!1)
Das klingt so einfach und trägt doch in sich den Schlüssel alles Wissens über Menschenblut.
Das Blut soll also eine Brücke bilden für die Tätigkeit des Geistes, oder sagen wir in diesem Falle einmal „Seele“, damit mich die Leser besser verstehen, weil ihnen der Ausdruck „Seele“ geläufiger ist.
Damit die Tätigkeit des Geistes aus dem Menschen auch in richtiger Weise vor sich gehen kann, bildet derGeist das Menschenblut.
Daß das Blut mit dem Geiste zusammenhängt, läßt sich leicht begründen. Es braucht nur bedacht zu werden, daß erst mit Eintritt des Geistes in den werdenden Kindeskörper, also bei der Inkarnierung, welche bei einem ganz bestimmten Entwicklungsstadium inmitten der Schwangerschaft erfolgt und die ersten Bewegungen hervorruft, auch das eigene Blut des Körperchens zu kreisen beginnt, während bei dem Erdentode, wenn der Geist den Körper verlassen hat, das Blut aufhört zu pulsieren und überhaupt aufhört zu ein.
Das Blut selbst ist also nur zwischen der Zeit des Eintrittes und des Austrittes des Geistes vorhanden, während der Geist sich in dem Körper befindet. Ja, man kann durch das Fehlen des Blutes feststellen, daß der Geist endgiltig seine Verbindung mit dem Erdenkörper gelöst hat, also der Tod eingetreten ist
In Wirklichkeit ist es so: nur mit Eintritt des Geistes in den Körper vermag sich das Menschenblut zu bilden und mit Austritt des Geistes kann es nicht weiter bestehen in seiner tatsächlichen Art.
Mit diesem Wissen wollen wir uns aber nicht begnügen, sondern ich gehe weiter. Der Geist, oder die „Seele“, trägt zur Blutbildung bei, aber er oder sie vermag nicht unmittelbar durch das Blut nach außen irdisch zu wirken. Dazu ist der Unterschied zwischen den beiden Arten zu verschieden. Die Seele, die den Geist als Kern enthält, ist in ihrer gröbsten Schicht noch viel zu fein dazu, und vermag sich nur durch die Ausstrahlungdes Blutes nach außen zu betätigen.
Die Ausstrahlung des Blutes ist also in Wirklichkeit die eigentliche Brücke zur Betätigung der Seele, und auch nur dann, wenn dieses Blut jeweils eine ganz bestimmte, für die betreffende Seele geeignete Zusammensetzunghat.
Hierbei kann nun jeder gewissenhafte Arzt in Zukunft bewußt helfend eingreifen, sobald er das Wissen davon aufgenommen und richtig erfaßt hat. Es wird gerade dies zu einer der größten und einschneidendsten Hilfen der Ärzte für die ganze Menschheit werden; denn die Wirkungen darin sind so vielfältig, daß die Völker bei richtiger Handhabung in sich aufblühen müssen zu herrlichstem Wollen und Können, da sie ihre ganze Kraft zu entfalten fähig werden, die nicht zur Vernichtung drängt, sondern zum Frieden und dankerfüllten Lichtwärtsstreben.
Ich wies schon oft auf die Bedeutung der Blutzusammensetzung hin, die natürlich mit Verschiebung der Zusammensetzung auch immer wieder die Ausstrahlung verändert, welche dann entsprechend wechselnde Wirkungen erzielt für den betreffenden Menschen selbst wie für seine irdische Umgebung.
Bei meinem Vortrage über die Bedeutung der Sexualkraft sagte ich, daß erst bei einer ganz bestimmten Reife des Körpers die Sexualkraft einsetzt und damit eine Zugbrücke für die bisher von der Außenwelt schützend abgetrennte Seele nach außen hin herabgelassen wird, die natürlich nicht nur die Seele nach außen wirken läßt, sondern Wirkungen von außen her auf dem gleichen Wege auch zu der Seele gelangen können.
Damit wird der Einzelmensch den göttlichen Schöpfungs-gesetzen gegenüber erst voll verantwortlich, wie es auch ungefähr bei den irdischen Gesetzen eingeführt ist.
Das Herablassen der Zugbrücke aber erfolgt selbsttätig durch nichts anderes als durch eine mit dem Heranreifen des Erdenkörpers und dem Drängen der Seele hervorgerufene Umbildung der Zusammensetzung des Blutes, die dann durch ihre damit veränderte Ausstrahlung der Seele die Möglichkeit zur Betätigung auf Erden bietet.
Hierbei meine ich natürlich nicht die mechanischen Handlungen und Arbeiten des Erdenkörpers, sondern das eigentlich „Führende“ dabei, das Gewollte, welches Gehirn und Körper als Werkzeuge dann irdisch zur Tat werden lassen.
Auch bei meinem Vortrage über die Temperamente wies ich auf das Blut hin, das durch seine verschiedenartigen Ausstrahlungen die Grundlage zu den Temperamenten bildet, weil die Seele in ihren Wirkungen an die Arten der Ausstrahlungen des Blutes bis zu einer gewissen Grenze gebunden ist.
Da aber nun Reife und Gesundheitszustand, sowie Alter eines Körpers mit beitragen zur Veränderung der Blutzusammensetzung, so würde in einer derartigen Gebundenheit Ungerechtigkeit liegen können, welche aufgehoben ist durch die Tatsache, daß der Geist diese Zusammensetzung verändern kann, worin gleichzeitig das Geheimnis des Wortes liegt, daß der „Geist den Körper bildet“.
Wo aber nun ein Geist zu schwach dazu ist, oder durch irgend etwas von außen Kommende daran gehindert wird, wie zum Beispiel durch Unfall oder Körperkrankheit, dort vermag der Arzt bald helfend einzugreifen durch sein Wissen!
Und was alles von der jeweiligen rechten Blutzusam-mensetzung für den Erdenmenschen abhängt, wird er staunend erkennen. Doch darf hierbei kein festes Schema gebaut werden, sondern der Vorgang ist bei jedem Menschen ganz verschieden. Bis jetzt sind davon nur die gröbsten Unterschiede gefunden worden. Es gibt noch unerkannt zahllose Feinheiten darin, die von durchdringenden Bedeutungen und Wirkungen sind.
Die Blutgruppen - Feststellungen genügen noch nicht, welche jetzt bereits gefunden wurden und nur das bestätigen können, worauf ich hinweise.
Diese Feststellungen zeigen wohl einen Weg zum Eigentlichen und sind bereits sehr segensreich in ihrer Anwendung, aber sie bleiben doch nur ein Weg von vielen und sind nicht das Ziel selbst, das den Menschen in jeder Beziehung zu heben vermag, nicht aber nur in körperlicher Gesundung und Kräftigung besteht.
In meinem Vortrage „Besessen“ weise ich nach, daß auch bei Vorkommen von spukhaften Begebenheiten, wie Klopfen, Lärmen, Werfen von Gegenständen usw., nur die Zusammen-setzung des Blutes irgend eines bestimmten Menschen die Möglichkeiten dazu gibt, der bei derartigen Vorkommnissen immer in der Nähe sein muß, aus dessen Ausstrahlung die Kraft dazu gezogen wird.
Auch Derartiges ließe sich sofort durch kluges Eingreifen eines wissenden Arztes ändern, der helfend die Blutzusam-mensetzung umstellt, was auch die Ausstrahlung verändert und damit lästige Möglichkeiten nimmt.
Nicht anders ist es bei sogenannten Besessenen, deren es trotz mancher Zweifel viele gibt. Der Vorgang ist an sich ganz einfach, wenn auch furchtbar einschneidend für den davon Betroffenen und dessen Umgebung, schmerzlich für die Angehörigen.
Bei solchen Menschen hat sich eine Zusammensetzung seines Blutes gebildet, die der innewohnenden Seele nur eine schwache oder gar keine Möglichkeit bietet, sich in voller Kraft nach außen zu betätigen, wohl aber gibt die Ausstrahlung des Blutes einer anderen, vielleicht schon körperfreien Seele mit weniger guten oder gar bösartigen Eigenschaften Gelegenheit, von außen her einzuwirken und Gehirn und Körper sogar zu beherrschen, entweder zeitweise oder dauernd.
Auch hier kann ein Arzt dann ohne weiteres wirksame Abhilfe bringen durch Veränderung der Blutzusammensetzung, die auch die Ausstrahlung umstellt, damit fremde Einflüsse abschneidet und dem innewohnenden Wollen seine eigene Kraftentfaltung gewährt.
Wie ich schon sagte, sind die Forscher durch Feststellung der Blutgruppen auf einem sehr guten und segensreichen Wege, und gerade in Ausübung dieses Wissens müssen Beobachtungen meine Hinweise bestätigen.
Würde man bei Blutübertragungen eine andere Blutgruppe verwenden, so sieht sich die einem solchen Körper innewohnende Seele an der vollen Entfaltung ihres Wollens gehindert, vielleicht ganz abgeschnitten, da mit dem Blute anderer Zusammensetzung auch die Ausstrahlung sich verändert, die der Seele nicht mehr angepaßt ist Sie vermag die Ausstrahlung anderer Art nicht ganz oder gar nicht zu verwenden.
Ein solcher Mensch würde dann äußerlich in seinem Denken und Handeln gehindert erscheinen, weil sich seine Seele nicht richtig betätigen kann. Es kann sogar so weit gehen, daß die Seele, von ihrem Wirkenkönnen abgeschnitten, sich von dem Körper langsam löst und diesen verläßt, was gleichbedeutend mit dem irdischen Tode. ist.
Mit Staunen werden die Ärzte erkennen, wie weitverzweigt und umfassend die Auswirkungen richtiger Blutzusammenset-zungen jedes einzelnen Körpers im Hinblicke auf die Wirkungsfähigkeit seiner Seele sich irdisch zeigen, welche Krankheiten und sonstige Übelstände mit dem rechten Wissen beseitigt werden können, und wie damit das bisherige „Blutgeheimnis“ gelöst ist als Schlüssel zu freudigem Wirken in der herrlichen Schöpfung Gottes!
Nicht durch Einspritzungen aber ist darin dauernd Änderung zu schaffen, sondern auf dem natürlichen Wege durch entsprechende Speise und Trank, die für eine kurze Zeit bei jedem Einzelnen verschieden sein wird, aber immer ohne einseitige Einschränkungen.
Diese Betrachtungen ergeben, daß damit auch einer großen Zahl der sogenannten „geistig zurückgebliebenen“ Kindern grundlegend geholfen werden kann. Gebt ihren Seelen nur die rechte Brücke zur Entfaltung ihrer Kräfte, und Ihr werdet sehen, wie sie aufblühen und freudig wirken auf der Erde; denn kranke Seelen gibt es nicht in Wirklichkeit!
Das Hemmnis für die Seele oder besser gesagt für den Geist wird immer nur die mangelhafte oder falsche Ausstrahlung des Blutes sein, wenn es nicht eine Krankheit des Gehirnes zwangsweise bedingt.
Es ist ja alles in dem Weben der Schöpfung so wunderbar ineinandergefügt, daß es wohl keinen meiner Leser überraschen wird, wenn ich ihm noch erkläre, wie sogar die Art der Blutausstrahlung einer werdenden Mutter für die Art des bei ihr inkarnierenden Geistes mit ausschlaggebend werden kann, der dem Gesetz der Anziehung der Gleichart folgen muß; denn jede der verschiedenen Arten der Blutausstrahlungen wird nur einer ganz ihr entsprechenden Seelenart Annäherung und Eintritt vorbereiten, ebenso wie es verständlich ist, daß gleiche Seelenarten auch gleiche Blutzusammensetzungen hervorzurufen bemüht sein müssen, weil sie sich immer nur durch eine ganz ,bestimmte Art der Ausstrahlungen wirklich erfolgreich betätigen können, die wiederum in den verschiedenen Lebensaltern wechseln.
Wer diesen Hinweis auch auf die Geburt richtig erfassen will, müßte sich allerdings gleichzeitig mit meinen Ausführungen in dem Vortrage „Geheimnis der Geburt“ vertraut machen, da ich, den Schöpfungsgesetzen in ihrem selbsttätigen Wirken folgend, einmal dieses und das andere mal jenes beleuchten muß, trotzdem alles zusammen ein untrennbares Ganzes bildet und nichts davon als einzeln Dastehen des geschildert werden kann, sondern nur als dazu Gehörendes und innig mit dem Ganzen Verbundenes, das immer wieder an verschiedenen Orten mitwirkend sichtbar wird und wie ein farbiger Faden gesetzmäßig gefügt auftaucht.
Ich werde später noch von allen Einzelheiten ganz ausführlich sprechen, welche nötig sind, das Bild vollständig zu ergänzen, was ich heute nur in großen Zügen gab. Ich hoffe, daß es einst zu großem Segen für die Menschheit werden kann.
Ein Hinweis ist vielleicht noch angebracht: Daß das Blut nicht allein mit dem Körper im Zusammenhange stehen kann, ist leicht erkennbar an dem sofort festzustellenden Unterschiede zwischen Menschenblut und Tierblut!
Die Grundzusammensetzungen der beiden Blutarten sind so verschieden, daß es auffallen muß. Würde der Körper allein das Blut bilden, so müßte die Ähnlichkeit weit größer sein. So aber spricht etwas anderes dabei mit: Bei dem Menschenblute der Geist! Die Seele des Tieres dagegen, die sich durch den Körper betätigt, besteht aus einer anderen Wesensart und nicht aus Geistigem, das den Menschen zum Menschen macht. Deshalb muß auch das Blut ganz anders sein!
Etwas für kleine und große Kinder!
Die Nachbarskinder.
Von Maria Halseband.
Sie waren Nachbarskinder und gingen jeden Tag zusammen in den Kindergarten, der nur wenige Minuten von ihrem Heim entfernt lag. Obwohl Peter älter war als Lieschen, war das kleine Mädchen doch der Anführer bei all ihren Unternehmungen, denn Peter war ängstlich und das Lachen und Weinen steckten bei ihm in ein und derselben Tasche.
Peters Vater war darüber oft ungehalten und meinte, Peter würde nie ein richtiger Junge werden, wenn er so verheult bliebe, aber Lieschen war diese ängstliche Gemütsart des Freundes recht, denn sie konnte sie benutzen, um Peter gefügig zu machen für alle ihre Wünsche. Und Lieschen hatte viel Wünsche, und was schlimmer war, alles war ihr recht, um zum Ziele zu gelangen. Darum log das Lieschen, ohne sich nur einmal zu bedenken oder zu schämen.
Immer wußte sie eine neue Geschichte, um Peter ängstlich zu machen. Wenn dann die großen Leute sie zur Rede stellten, dann tat Lieschen sehr verwundert und sagte mit unschuldigem Gesichtchen, sie habe bestimmt dem Peter keine Angst gemacht.
Um drei Häuserecken ging der Weg zum Kindergarten. Trotzdem die Kinder nun schon jahrelang den gleichen Weg gingen und Peter ja sogar schon bald zur Schule kommen würde, der Weg blieb immer gleichmäßig geheimnisvoll unheimlich durch Lieschens Erzählungen.
,,Hui!“ schrie sie jedesmal leise, wenn sie um die erste Ecke bogen, und zog den Freund zurück: ,,Der Fuchs!“
Der Fuchs war das große Pferd des Händlers und Lieschen hatte eigentlich genau so viel Angst vor dem Tier wie ihr Gefährte, aber sie zeigte dies nicht so offen. Gleich verzog sich Peters Gesicht und die Unterlippe schob sich bedenklich vor.
,,Nicht hinschauen, wir laufen rasch vorbei!“ rief Lieschen und sie eilten um die Ecke.
Peter hielt sein Gesicht furchtsam abgewendet und so war dies der Kleinen recht, denn im Hofe stand ja gar nicht der Fuchs. Das brauchte Peter aber nicht zu wissen.
,,Leise!“ sagte Lieschen, als sie nun der zweiten Häuserecke nahe kamen. ,,Der schwarze Mann darf uns nicht hören.“
Auf Zehenspitzen schlichen sie an der tiefen Kellereinfahrt vorbei, vor der Kohlensäcke gestapelt lagen und aus dem rauhe Stimmen klangen. Peter seufzte tief, als nun auch dies Hindernis glücklich überstanden war.
Jetzt kam ein großer, unbebauter Platz. Niederes Buschwerk und einige kleine Bäume verschönten ihn. Peter kam dies Stück Weg immer besonders weit vor. Lieschen ließ ihre flinken Äuglein umhergleiten und erfand neue Geschichten.
„Gestern hat Großmutter mir so - o ein Stück Schokolade mitgebracht!“ sagte sie, mit den Armen eine unwahrscheinliche Größe angebend.
„Gibt es ja gar nicht!“ sagte Peter entrüstet, fügte dann aber überlegend hinzu: „Hast Du mir davon mitgebracht?“
Das war nun nicht in Lieschen's Sinn, sie sagte rasch ablenkend:
„Hinter dem Stein krabbelt was. Sicher eine Schlange!“
„Schlange“ war der Inbegriff des Schrecklichen für die Kinder. Sie hatten zwar noch nie eine gesehen außer in ihrem Bilderbuch, aber solch Riesenwurm mußte das Schlimmste sein, das es gab. Peter weigerte sich weiterzugehen und begann zu schluchzen.
„Wenn Du nicht still bist,“ rief Lieschen, „beißt sie Dich!“
Sie faßte den Knaben bei der Hand und zog ihn weiter. Hastig lief Peter, die Kleine mit sich reißend, an dem Stein vorbei. Dabei aber stolperte Lieschen und fiel.
Jetzt wurde das Weinen zweistimmig; denn wie sah das Mädchen aus. Das Kleidchen verschmutzt, blutig die kleine, vorwitzige Nase. Heulend schlichen sie um die letzte Ecke, vor der sonst das dritte Hindernis ihres Weges lauerte, ein großer Hund und landeten endlich in dem freundlichen Vorgarten des Hauses, in dem sich der Kindergarten befand.
„Wie siehst Du denn aus?“ begrüßte Schwester Hilda die Kleine.
„Peter hat mich hingeworfen!“ war die schnelle Antwort Lieschens.
Peter war empört. Große Tränen liefen ihm über die roten Backen.
„Aber das ist doch gar nicht wahr!“ schluchzte er.
Schwester Hilda hatte es eilig.
„Kleiner Heulpeter!“ meinte sie und faßte seine Hand. ,,Ich weiß schon, daß Du es nicht gern getan hast.“
Ehe Peter noch sagen konnte, daß er es ja gar nicht gewesen war, stellte ihn die Schwester schon neben Hans, seinen Kameraden, mit dem er jeden Tag gemeinsam den Spaziergang machte.
Lieschens Unternehmungsgeist war aber noch lange nicht gestillt. Sie stieß und zwickte die kleineren Kinder und brachte so dauernde Unruhe in die Reihen. Endlich griff die Schwester ein und nahm mit energischer Hand das Mädchen neben sich. Da war Lieschen plötzlich das artigste, kleinste Mädchen, das man sich denken konnte.
So war das Lügenlieschen!
Bald aber sollte ein großer Tag in Peters Leben eine einschneidende Änderung bringen. Frieder, sein kleiner Bruder, mußte zum erstenmal mit in den Kindergarten gehen. Ganz allein sollte er den Kleinen führen, denn Lieschen war krank geworden.
„Paß gut auf, mein großer Junge!“ sagte Mutter zum Abschied und gab jedem einen Apfel mit auf die Reise.
Peter war stolz, daß er den kleinen Bruder betreuen sollte, das gab ihm einen ganz neuen Mut.
Alles ging gut. Kein Fuchs stand im Hof, aus dem offenen Kohlenkeller tönte vergnügtes Pfeifen und auch die dritte Ecke wurde gut überstanden; denn der alte Hund lag wedelnd im Sonnenschein und rührte sich nicht. Von der Wiese brauchen wir gar nicht zu reden, die war schön, wie nur solch kahle Fläche im Frühling sein kann, wenn überall die Gänseblümchen hervorgucken.
Noch nie war der Weg so kurz, so angenehm und froh gewesen für Peter wie an diesem Tage und lachenden Gesichtes langten die kleinen Brüder im Kindergarten an.
„Sieh da! Endlich einmal kein Heulpeter!“ lobte Schwester Hilda und nahm den Neuling an ihre Seite. „So ist es recht! Wenn man auf einen Bruder aufpassen muß, dann muß man auch zeigen, daß man ein Mann ist. Und Männer heulen nicht!“ schloß die Schwester.
„Das sagt Vater auch!“ meinte Peter und strahlte über sein ganzes Gesichtchen.
Währenddem lag Lieschen krank. An ihrem Bett saß ein häßliches, graues Weib wie ein Schatten und schaute mit eiskalten Augen auf das fiebernde Kind.
„Morgen ist Dein Geburtstag!“ sagte die Alte. „Sechs Jahre wirst Du alt, Lügenlieschen!“
„So heiße ich nicht!“ rief Lieschen empört, aber die Alte zuckte nur spöttisch mit den Schultern.
„Du bist das Lügenlieschen!“ wiederholte sie. „Da sieh! Das schwarze Teufelchen, das ich hier im Arm halte, das ist aus Deinen Lügen entstanden.“
Ein kleines, scheußliches Ungeheuer grinste Lieschen an und zeigte ihm seine blutrote Zunge.
„Ja!“ nickte das Weib vor sich hin. ,,So geht das nun mit den bösen Kindern! Jetzt kommst Du mit uns in das dunkle Haus, in dem die Lügen herumspazieren und sich gegenseitig auffressen.“
Das Weib reckte seine dürre Hand nach Lieschen aus und auch das kleine Scheusal griff mit seinen Spinnenfingern nach dem Kind. Schaudernd wollte Lieschen ausweichen, aber eiserne Hände hielten sie fest. Dann stand sie in einem dunklen Hause. Kalt und furchtbar war es hier. Unzählige Ecken und Winkel hatte dieses Haus und aus jedem sprang eine Lüge hervor. Sie lachten, wenn sie sahen, daß Lieschen sich erschreckte, sie zwickten sie im Vorbeieilen schmerzhaft in Arm und Gesicht.
„So hast Du die Kleinen gezwickt,“ meinte die Alte gleichmütig, die neben Lieschen ging.
Was gab es doch hier für schreckliche Lügenformen. Da sprangen riesige Pferde mit glühenden Augen und Nüstern aus einer Ecke heraus, rannten Lieschen um und traten auf ihr herum. Aus schwarzen Kellern streckten schwarze Männer unzählige schwarze Hände nach ihr aus und krächzten mit heiseren Stimmen:
„Her mit dem Lügenkind!“
Über den Weg lagen dicke, grüne Schlangen und sperrten den Pfad. Als Lieschen entsetzt rasch über sie hinwegeilen wollte, fiel sie über die schleimigen Knäuel. Und die Schlangen zischten:
„So stolpern die Lügenkinder über ihre eigenen Lügen!“
Wild bellende Hunde bissen nach Lieschen. Schreiend klammerte sie sich an das alte Weib und rief: „Nimm mich wieder mit! Ich will auch ganz gewiß nie wieder lügen!“
Als Antwort kam von allen Seiten dröhnendes Gelächter, die Lügen krümmten sich vor Vergnügen.
„Wir lassen Dich nicht fort, Lügenlieschen!“ brüllten sie.
„Durch Deinesgleichen leben wir doch!“
„Bitte, alte Frau!“ rief das Mädchen wieder. „Ich will auch gut mit Peter sein!“
„Was gibst Du mir,“ fragte da die Alte, „wenn ich Dich wieder heimbringe?“
„Alle meine Geburtstagssachen, die ich morgen bekomme!“ rief die Kleine.
„Will ich nicht! Was gibst Du mir?“ fragte die Alte weiter. „Mein neues Kleid und die Pelzkapuze!“ sagte Lieschen.
„Will ich nicht!“
Lieschen bot ihr alle Herrlichkeiten, die sie besaß. Nichts war der Alten recht, johlend umdrängten sie die Lügen und das Gelächter wurde immer toller. „Was willst Du denn?“ fragte endlich Lieschen weinend.
„Dein Herz!“ rief die Alte rasch.
„Das kann ich Dir nicht geben,“ sagte Lieschen, „Mutter sagt, mein Herz gehört dem lieben Gott!“
„Das Herz eines Lügenkindes nicht!“ schrie die Alte und griff nach der linken Seite des Kindes.
„Mutter!“ rief das Mädchen mit letzter Kraft.
„Lieschen, ich bin bei Dir!“ sagte in diesem Augenblick Mutters ruhige Stimme.
Ach, war das schön! Da war Mutters gute Hand, da war das liebe, helle Zimmer und Lieschen stammelte mit fieberheißen Wangen:
„Die Lügenfrau wollte mein Herz nehmen, aber das gehört doch dem lieben Gott!“
„Die Lügenfrau kann nur dann Dein Herz nehmen, wenn Du gelogen hast,“ sagte Mutter und Lieschen begann bitterlich zu schluchzen.
„Mutter, ich will nie mehr lügen! Wenn ich nur mein Herz behalten darf für den lieben Gott!“
Wenige Tage später durfte Peter die Freundin besuchen. So froh und sicher kam er an, daß Lieschen sich doch wieder ärgern mußte über diese ihr ungewohnte Selbständigkeit.
„Was macht der Fuchs?“ fragte sie ein wenig hinterhältig.
„Dem haben wir gestern Brot gebracht!“ lautete die überraschende Antwort.
„Und der schwarze Mann?“
„Der singt, pfeift und lacht, wenn wir vorbeigehen!“
„Und die Schlange?“
„Ach, die gibt es hier gar nicht, hat Schwester Hilda gesagt,“ rief Peter. „Und der große Hund ist auch lieb, er spielt mit uns, Frieder darf sogar auf ihm reiten.“
Das war zu viel auf einmal. Lieschen war vernichtet. Aber nochmals versuchte sie den alten Einfluß auf den Kameraden zu gewinnen.
„Nächste Woche komme ich in die Schule!“ sagte sie.
„Aber bloß in die Mädchenschule“ rief Peter. „Ich aber gehe in die Schule, wo man ein Mann wird wie mein Vater!“
Heftig rumorte es in Lieschens kleinem Kopf.
„Also bist Du kein Heulpeter mehr!“ platzte sie endlich heraus.
„Ach wo!“ meinte Peter mit männlich überlegener Miene.
„Ich bin aber auch kein Lügenlieschen mehr!“ rief sie heftig. „Das mußt Du erst zeigen, Lieschen!“ sagte die Mutter, die gerade eintrat. „Aber wir wollen Dir alle helfen, Deinem guten Vorsatz treu zu bleiben und Dich jedesmal daran erinnern, wenn Du wieder etwas Unwahres sagen solltest.“
Lieschen versteckte den Kopf an der Mutter Arm. „Du bist doch die Beste!“ sagte sie leise. Dann flüsterte sie, das nur die Mutter es hören konnte:
„Glaubst Du, daß der liebe Gott jetzt zufrieden sein wird mit meinem Herzen?“
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Die Leser dieser Zeitschrift sollen auf nachfolgenden Seiten mit etwas Neuem vertraut gemacht werden, das vom Verlage schon lange aufmerksam beobachtet wird, weil es überraschende Ausblicke vermittelt in Dinge, welche die ganze Menschheit schon seit Jahrtausenden immer und immer wieder beschäftigt haben und sie darin nie zur Ruhe kommen ließen.
Ohne daß der Verlag selbst Stellung dazu nimmt, gibt er in Fortsetzungen die eigenartige Niederschrift eines in reinstem und unbefangenstem Sinne, aber ganz neuartig medial - begabten Menschen wieder, welche noch nicht zur Veröffentlichung gelangte.
Diese Niederschrift soll zu keiner Sensation gemacht werden, aber sie wird ohne Zweifel mit ihren seltsamen Schauungen und erdfremden Erleben manchen Leser zu tiefem Nachdenken bringen.
Einen großen Teil wundervoller Schöpfungsschilderungen überspringend, setzt die Wiedergabe erst an einer Stelle der Niederschrift ein, wo Handlungen beginnen.
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Is-ma-el als Wegbereiter
für den Geist der Wahrheit durch
die sieben Weltenteile der Schöpfung.
Ein anwachsendes Brausen dringt zu meinen Ohren. Licht zuckt auf. Blendende Helle füllt den Raum, und eine mir vertraute Stimme spricht:
„Ich führe Dich auf einen Stern im Schöpfungsteile Smyrna. Mein Geist umhüllet Dich mit ganzer Liebe und der Kraft, die Dir die Möglichkeiten gibt, so Andersartiges nun zu erleben!“
Darauf wird mein Geist emporgehoben und ich schaue
und erlebe:
Fließende Schönheit im Lichte rosig silberiger Monde umhüllet die Stätte des Werdens einer jungen Menschheitsblüte. Die silberschimmernden Wellen eines weiten Sees lecken an silberschimmernde Stufen eines wundervollen Tempelbaues.
Breit und weit recken sich die glitzernden Mauern porösen Materials, das Ähnlichkeit mit Glimmer zeigt. Die Bogen der luftigen Säulengänge sind von einer Zartheit der Form, die an die reiche Formenpracht der Roseninsel gemahnt, während die strenge Kühle der weiten Vorhallen den Eindruck erweckt, als schreite der Wanderer über Tempelfließen eines ernsten feierlichen Isistempels in Ägypten.
Rund um die Säulenhallen erwachsen aus reichem Blattwerk Blumen von strenger Schlichtheit und schneeiger Weiße. Trotz aller Zartheit der höheren Stofflichkeit, deren Bewegung natürlich leichter, deren Formen lichtdurchlässiger sind, ist hier doch eine Dichte, die den Geist überraschen könnte; denn diese völlig andere Art des Stoffes ist wie eine schwere hüllende, das Strömen anscheinend hemmende Masse, überall, wohin er sich wendet.
Dennoch vermag er sie zu durchdringen mit seiner Strahlungskraft und zu durchschauen mit seinem Wissen und dem Auge des Geistes. Alles erkennt er als Stoff, das dem Menschenauge noch unsichtbare feinste Feinstofflichkeit und feinste Grobstofflichkeit ist.
Und dennoch freut er sich dieser fremden Schönheit der Gestirne. Eine funkelnde, glitzernde Welt reinsten Lichtnebeldaseins auf zartem, silberglänzenden Schaumgebirge, so erscheint jene zauberhafte Insel Servantes auf dem Sterne Atlanta.
Lichtmonde kreisen um ihn und eine Sonne von leuchtender Geiststrahlungskraft spendet Wärme und Wachstum. Schimmernde Dünste der Wasser wogen um den Stern und vollbringen wunderbare Licht- und Schattenzauber auf den wogenden Silberbäumen und den schimmernden Feldern und Auen, die sich landeinwärts dehnen.
Ein großer Stern, der Meere und Wälder und weite Ebenen birgt, ist Atlanta, und auf diesem Riesenmeere des Atlantos thront eine geheiligte, dem Licht geweihte Insel der dienenden Liebe: Servantes!
Auf silberschimmernden Wogen eines großen Sees wiegte sich ein prächtiger Kahn, der die Form einer Gondel mit hohem, geschmückten Bogenbug hatte. Mit seinem Schnitzwerk verziert, war er wie von silbernem Wogenschaum kristallisiert in seiner Form. Ruderer mußten unten in ihm sitzen. Diese selbst waren nicht zu sehen, sondern nur die Bewegung der roten Ruder und der schäumende Wogenwall. Auf und nieder schaukelte das Schiff auf den großen Wellen, die seitwärts heran brandeten und mit Mühe durchkämpft werden mußten.
In dem Schiff stand eine hohe, schöne, männliche Gestalt, mit langem blendendem Bart und weißblondem Lockenhaar. Er trug ein weißes Gewand und einen Königsmantel aus blauem weichem Stoff mit silbernem Lilienmuster. Auf dem Haupte trug er eine Krone von silberleuchtendem Blattwerk, als einzigen Schmuck, der auch seine Würde verriet.
Er spielte auf einer kleinen Harfe, der er Töne wie das Rauschen des Windes und des Wassers entlockte. Die Richtung des Bootes änderte sich. Es hielt mit Stetigkeit den Wogen stand, die es nun schnitt. Stampfend brandeten und brachen sie an dem Bug. Das Boot hatte keinen Kiel, es war flach.
Um den Sänger regte es sich. Zwei priesterlich gekleidete Jünglinge erhoben sich von ihren Fellen, auf denen sie lagen. Sie wiesen nach dem fernen, im rosigen Licht der Frühnebel verschwimmenden Strand, aus dessen Dunst das Wogen der Bäume und das Blitzen und Leuchten hoher Türme langsam hervorschimmerte.
Immer klarer erschien das Bild einer wunderschönen Inselstadt, die gekrönt schien von einem prächtigen Tempelschloß am Meer. Atlanta trug das schöne Servantes mit Stolz auf den Fluten des Atlantos!
Immer durchsichtiger, golddurchfluteter wurden die feinen Nebel, die von der Feuchte des Meeres aus der Sonne Kraft emporgezogen waren und wundervolle Farbenwirkungen auf die Insel und die Wasser zauberten. Unzählige Scharen silberweißer, kranichartiger Vögel zogen singend über die buschigen, weidenbewucherten Ufer, die zu herrlichen Gärten führten, in das Innere des Landes. Bis an den Strand reichten die breiten, weißen Terrassenstufen, die, mit Säulen gekrönt, prächtige Wandelgänge den Buchten entlang schufen.
An den Gittern ihrer Überdachung wucherten saftigleuchtende, hellgrüne Schlingpflanzen, die wundervolle Blütenkelche dem Licht der Sonne entgegenstreckten. Wie Perlmutter in Silber getaucht, schimmerten diese großen Kelche und empfingen in der Form von großen Winden den Tau in ihren Kelchen.
Ihr Duft war süß und erfrischend zugleich, erfreuend, doch nicht berauschend. Wie die ganze, reine Kühle dieser Insel, so war auch der Duft ihrer Gewächse.
Auf weite Stunden zogen sich die schimmernden Gänge und Hallen den Gestaden entlang, immer wieder Treppen und Stege ins Meer reckend zum Empfang der Gäste von anderen Inseln oder der schaumgekrönten Wesenhaften, die lieblich singend aus den Wassern stiegen und sich im Abendlicht und dem Leuchten der Gestirne dort spielend vergnügten.
Während diese Hallen nach rückwärts zu tiefen, breiten Wegen führten, die von mächtigen Blattpflanzen umsäumt Schatten und Ruhe boten, luden sie nach außen den Fremdling ein, sich an ihrem Gestade auszuruhen.
Wie Sonnenstrahlen führten die Wege auf einen Mittelpunkt des schönen Haines, der erhöht und durch Stufen erreichbar von dem Palaste des Herrschers, Simael, gekrönt war.
Breit und niedrig dehnte er sich, gleichfalls von Hallen und Säulen umgeben und glänzend wie ein weißes Juwel. Feine, leuchtende Gitter verbanden zur Zierde die unteren Säulen, während die hohen, blattschmuckgekrönten die Träger eines flachen lichtdurchlässigen Daches bildeten.
Sprühende, perlende Brunnen schmückten vor dem Palaste die Plätze, um welche im Kreis niedere Steinbänke zur Ruhe luden. Üppig wuchsen die reichen hochstieligen Blumen in den leuchtendsten Farben. Helles, feuriges Rot, tiefflammendes Orange, und sattes Gelb mischten sich zu einem Feuersee, der wiegend seine duftenden Kronen der blendenden Mittagssonne weit geöffnet bot.
So reich war diese Fülle an Farbe und so rein, daß ein leiser Lichthauch der feinstofflichen Strahlung schimmernd über den Beeten wob, und man glaubte, in ein Meer von Edelgestein zu blicken.
Nach allen Seiten des Palastes führten die silbersandigen Wege, über Blumenplätze die von sprühenden Brunnen befeuchtet waren. Immer wieder bot sich ein neues, glühendes Farbenmeer in reichem Wechsel der Tönung.
Dieser Palast des Priesterkönigs Simael stand in dem heiligen Hain, der nur den Eingeweihten zugänglich war. Ihn überschatteten die mächtigen Bäume, die schon von ehrwürdigem Alter ihres Stammes raunten.
Dennoch waren die üppigen Gärten so meisterhaft angelegt, daß ihre Fülle den Anblick auf den Tempel nicht verbarg, der in einiger Entfernung über all der Gartenpracht zu schweben schien. Er erschien in dem Glanz der aufsteigenden Sonne wie eine Märchenschöpfung aus weißem Silberbrokat, so duftig, reich und voll bauschten sich seine mächtigen, nach oben gewölbten Kuppeln.
Sonnenbilder von wundervoller Form und Farbe leuchteten auf ihnen, als wären alle sieben Weltengemeinden hier in den heiligen Hallen versammelt, um die Weihe des Höchsten darin zu erlangen und freudig ihm den Dienst zu geloben.
In ihrer Farbe strahlten diese Sonnenbilder zum Zeichen ihrer Schwingung, und zogen aus den lichten Geistsphären die Helfer, die Töne, die Ströme des Lichtes mächtig an, die sie zu ihrer Stärkung am meisten erforderten in der stofflichen Schöpfung.
Wie eine Krone hob sich der Bau mit dem weit überragenden Mittelpunkt des Tempels, der ein leuchtendes Kreuz trug, über die wogenden Gärten.
Simael nahte auf brausendem Schiff dem Strande und freute sich der Schönheit seines Landes, der anbetenden Herrlichkeit der Natur. Sein Weihelied an den König der Könige war verklungen, die Ruderknaben unten im Schiff hatten mit dem Morgengebet der Dienenden geantwortet. Anbetende Ruhe war um ihn.
Seine Begleiter ließen die Leiter hinab, die ihn sicher den Steg erreichen ließ. Dienende Knaben sprangen in Eile aus den Gärten dem Stege zu, an dessen Breitseite das Schiff anlegte. Es war in ruhiges, wenn auch noch tiefes Wasser gekommen, und lag still am Strande. Während der König die Hallen betrat, die ihn im Schatten ihrer Laubengänge empfingen, klang der Chor der Glocken aus den sieben flammenden Silberkuppeln, als Ruf zum Weihedienst.
Simael, von seinen Begleitern gefolgt, ging schweigend durch die Gärten, um schweigend sich dem Dienst des Höchsten zu nahen, in dem heiligen Tempel zu Servantes.
Simael war als Sohn des Königs von Atlante, zu Servantes geboren. Seine Mutter hatte er nicht gekannt; denn bei seiner Geburt war sie in die ewigen Gärten ihres geistigen Ursprungs wieder emporgehoben worden. Sie war nur Werkzeug gewesen, ihn auf die heiligen Inseln des Atlantos zu inkarnieren, und Sima, der König, der sein Vater war, wußte dieses. Denn er war ein weiser Priester und ein treuer Diener Gottes.
Er war der mächtigsten Herrscher einer, die zu Smyrna die bevölkerten Sterne führten und Gott dienten, und sie wußten alle von der Sendung des Geistes, der die Menschengeister bis in die Tiefen der Stofflichkeiten erleuchten sollte.
Auf der Insel der dienenden Anbetung Gottes war ihnen durch Sima, den weisen König, die Verheißung zugegangen, die Is-ma-el aus Patmos ihnen gab.
„Ich werde Euch, allen Gemeinden, meinen Geist senden, und zur Bereitung meinen Getreuen vorher!“
Darauf hatten sie gewartet, und siehe, er war gekommen!
Was Is-ma-el von Patmos aus dereinst im Namen des Herrn den Weisen zu Smyrna gekündet, das sollte sich erfüllen. Er war dadurch in lebendigem Geschehen in die Schicksalsfäden der Weltenteile verwoben worden, er durfte als der Knecht Gottes treu und wahrhaftig seinen Geist ausstreuen, um vorzubereiten auf das Kommen des Herrn.
Sima, der König, wußte, daß sein Sohn hohe Bestimmung erfüllte. Theiresia, sein Weib, war der tugendsamsten Geister Höchste, rein und licht wie ein klingender Kristall Gottes.
Ihre Treue zum Herrn war ihres Lebens Licht, ihre Liebe zu Gott strahlte ewig empfangend geistige Liebe über alle Geschöpfe der stofflichen Heimat. Ihre Schönheit war von einer hohen Art, fraulich reif in dem Zauber ewiger Jugend und makelloser Reinheit des Empfindens.
Die Weisheit ihres Geistes war die natürliche, weibliche Ergänzung zu der Weisheit Simas, des Königs. Diesen liebte sie, da ihr, der gottgeweihten Jungfrau, einst Kunde ward durch einen hohen Geist.
„Du bist vor allen Frauen Smyrnas ausersehen; denn Dein Gefäß des Geistes und Dein stofflicher Teil soll dem Geiste der Wahrheit Werkzeug sein. Zur Entwickelung seiner Sendung wird Is-ma-el eintreten in die Frucht, die Du dem König Sima zu Servantes gebären sollst!“
Als Theiresia, die Edelste und Schönste der Jungfrauen, vom Lichte bestimmt war, Königin zu sein, ward sie in festlichem Zuge in das Haus Simas geleitet und blieb dort, als sein Weib.
Wunderschöne lichte Geistgestalten wirken helfend in dieser Umgebung, die wie weiße, feine Schalen matt leuchten. Sie erscheinen in der Art ähnlich wie die Gottesmütter aus der reingeistigen Ebene, aber nur wie Ausstrahlungen von diesen, also um eine Stufe tiefer. Darum auch in der Leuchtkraft matter und im Wesensbestandteil dichter.
Diese Geistgestalten sind wie Lampen, haben ein stilles, reines Leuchten, strahlen Frieden aus, Freude und Kraft. Aufbauende, mütterlich sorgende Werte schenken sie den Menschengeistern, die sie führen. Sie sind noch nicht Menschheitsführende, sondern noch besondere Gefäße des Lichtes.
Sie sind umwoben von lichttragenden Helfern geistig-wesenhafter Sphären und teilen sich fördernd den höheren Ebenen der Stofflichkeit mit.
Simael war noch nicht alt, als er schon auf eine reiche Erfahrung seines Lebens zurückblicken konnte. Weiseste Fürsorge leitete die Kindheitstage des zukünftigen Königs, der inmitten der höchsten Diener seines Landes in der weihevollen Stille des Tempels und seines Vaterschlosses aufwuchs.
Trotzdem er vorerst nur die höchste Kaste kannte, wurde er dennoch in weiser Natürlichkeit und Strenge in allem unterwiesen, und mußte sich tüchtig regen. Jede Art von Arbeit, dem Alter angepaßt, mußte er vollbringen in einer Schar von Knaben, die ihm äußerlich völlig gleichgestellt waren.
Bald entwickelte sich in dem Sohn des Königs starker Tatendrang und der Wille zu führen, zu leiten und zu befehlen. In allem, was die wechselnde Lebensführung in dem großen Staat bot, wurde das Kind im Kleinen mit unterrichtet.
Die weiten Fahrten über das Meer zu den anderen Inselgruppen durfte er mit dem Vater teilen. Ruhmvolle Fahrten waren es, die der königliche Priester und reine Held zum Vorteil seines Reiches unternahm. Sima wußte von der Macht, die Gottes Kraft in seine Diener senkte. Und er trug als Abgesandter des Herrn diese Kraft und Macht durch seine heilige Überzeugung von Land zu Land.
Alles, das zu Smyrna geschah, geschah zur Ehre Gottes. Auf dem Sterne Atlanta ereignete sich manch großes, gewaltiges Geschehen durch Botschaften, die die Geister und die Wesenhaften aus höheren Sphären und von anderen Gestirnen überbrachten. Wundervolle Erscheinungen erstrahlten oftmals über dem Himmel, der sich in einer sonnendurchfluteten Ätherschicht um die jeweiligen Weltenkörper spannte.
Klar und rein wie reinstes Wasser floß er dahin, um die sich drehenden Sterne. Die Strahlen der Gestirne brachen sich in diesen Himmelsräumen in wunderbar zauberhaften Lichterscheinungen über den Wassern.
Trunken von der Schönheit dieser Heimat blickte das Kind Simael in die Weiten dieser Wunderwelt. War es nicht wie leises Ahnen eines vergessenen, in tiefem Schlafe ausgelöschten schönen Traumes, wenn er so sinnend auf dem hohen Steuerstuhle stand und der Wind in seinen goldenen Locken wehte?
Weit und tiefdunkelblau wurden die großen Augen, die in dem kindlich einfachen Angesicht wie Sterne alt und weise strahlten. Um den kleinen roten Kindermund grub sich eine Falte, die von schweigendem Sinnen erzählte, und die weisen, zarten Hände klammerten sich um einen Griff des großen Rades, aller Bewegung des Steuermannes kraftvoll sich anpassend.
Wo hat Simael dies Leuchten des Himmels gesehen, und noch viel schöner denn hier auf der Fahrt über den goldschimmernden Atlantos? Wo war er schon gewesen, woher war er?
In solchen Augenblicken war Simael, der Königssohn, nicht Kind. Tiefes Heimweh nagte leise bohrend an dem alten Geiste. Einsamkeit bemächtigte sich seiner Seele und in ihm formte sich schluchzend das Wort: „Mutter!“
Eine Mutter zu haben, das dünkte Simael das Schönste, was es gab. Es war das Einzige, das er nicht besaß. Ganz auf sich selbst gestellt, entwurzelt von dem Baume seines Ursprungs, sollte er sein, damit er dies im Stofflichen erlebe.
Seine Gespielen waren wie scharfe, kleine Waffen, die sich an ihm und aneinander rieben. Er liebte sie zum Kampf, aber sie wurden ihm immer ferner, innerlich fremder von Tag zu Tag. Seine Lehrer bildeten ihn in allen Handhabungen der Künste und der Lebensnotwendigkeit aus und gaben ihm Wissen und Weisheit, so weit sie es vermochten.
Den Vater aber verehrte er, mit Liebe und Bewunderung sah er in ihm den König, den Priester, der sein Liebstes ehrte, was Simael in seiner kindlichen Seele wie einen Edelstein verschlossen trug: Seinen Gott und Herrn!
Simael, das Kind, liebte Gott! Er liebte ihn, ohne von ihm viel zu wissen, von Beginn seines Erwachens an. Er suchte, woher ihm diese Liebe kam, aber er konnte den Schlüssel nicht finden. Die Mutter! Wenn er die Mutter gehabt hätte, sie hätte es sicher gewußt.
Niemand sonst vermochte er zu fragen, nicht einmal Sima, den Vater, dem er so sehr vertraute. Ein drängendes Suchen begann in dem Kinde, das ihn in Gedanken einspann. Er vermochte es nicht mehr, stundenlang auf dem Schiffe mit seinen Freunden zu spielen. Immerzu stand er am Steuer, neben dem schweigenden Führer, der ernsten, leuchtenden Auges übers Meer schaute dem Ziele zu.
So wie dieser auf das Ziel zuhielt, mit eisernem Gesicht, mit eiserner Willenskraft der Faust, mit aller Schärfe und Wachsamkeit des Gedankens, so hielt sich das Kind Simael nach jenem fernen, heißersehnten Ziele: „Gott der Herr!“ -
Die Landung an den prächtigen Inseln des Reiches war dann wieder Ablenkung und Unterhaltung, die unendliche Abwechslung bot. Simael fiel es auf, daß jene Stämme der anderen Länder anders geartet, ja, manchmal sogar von fremdem Aussehen waren.
Leicht, zart, licht und warm war es in allen Ländern, die Simaels Fuß betrat. Auch die Sterne waren dieselben, die des Nachts leuchteten, aber die Natur war zuweilen andrer Art, meist herber, einfacher, nicht so üppig und schön. Seine Heimat schien das schönste Land der Welt zu sein.
„Simael, Du würdest staunen, könntest Du die Fülle der Gestirne und Sonnen und Welten sehen, die des Herrn Wille geschaffen!“ so sprach der König zu ihm. ,, Ein Kleines nur ist dieses Reich, das uns Gott zu Lehen gegeben.“
Simael staunte:
„Wie ist Gott doch so reich und mächtig, Vater, und wie sind die Könige des Weltreiches so klein!“
„Weißt Du, Simael, von der Größe Gottes?“
„Nein, Vater, denn allein von Euren Liedern. Was ich weiß, das brennt schmerzhaft in mir wie ein Feuer und hat keine Worte.“
„Simael, mein Sohn, Deine Stunde wird kommen. Da wird das Feuer in Dir reden und Du wirst im Gotterkennen selig sein!“
Noch ernster, schmaler, reifer war das Angesicht des Knaben von der Stunde an. Der Vater hatte ihm den ersten Fingerzeig gegeben. -
Simael liebte das Schöne. Es gab eigentlich nur Schönes auf der Welt. Er freute sich und sah und staunte und fühlte in allem das große Wirken der Kraft des Lebens. Er wußte von allen Wesen, die das Sein belebten, er fühlte ihr Wirken als Selbstverständlichkeit, und fühlte es im Dank. Aber er sah sie nicht. Sein Auge war zu dieser Zeit nur Stofflichem geöffnet.
Auf den wundervollen Blumeninseln der Königin Kirlioje fühlte er sich wie neu beschwingt. Dort wob die Schönheit und die anmutige Kraft „Bewegung“ ihre wundersamen Formen. Frauen von großem Liebreiz verschönten den Hofstaat der Königin. Alle Ritter und Großen des Sternes Atlanta verehrten die Schönheit und Tugend der Frauen wie eine Gottesgabe..
Sie huldigten ihr auf den Blumeninseln und brachten auf ihnen lange Zeitspannen in Ausübung von edlen Künsten und ruhmvollen Festen zu. Die vielgestaltigen Blumen, Tiere und Früchte, die wunderbaren, leichten, kunstreichen Bauten empfand Simael wie die Bilder aus einem Traum.
Die Farben waren von berauschender Leuchtkraft, die Düfte von einer süßen Reinheit. Licht und trillernd waren die Stimmen der Vögel, frisch und sprudelnd die Quellen, die die Wunder der Blumenwelt erquickten. Der Reichtum der Schönheit, die Fülle und Steigerung der Formenpracht war berückend für des Kindes stark erlebendes Gemüt.
„Gott hat dies alles geschaffen aus der Kraft seines Lebens.“ Und wieder ruhte all sein Erleben in dem einen Namen: ,,Gott!“ -
Is-ma-el erlebte die Sendung in den Stoff als Knabe Simael, im Geiste. Was er in der reichen, überschäumenden und doch so heilig zart und reinen Stofflichkeit des Weltenteiles Smyrna erhielt, das brachte ihm in einem Augenblick Entwickelungsmöglichkeit und Reife von größtem Ausmaße.
Durch die Reinheit dieses paradiesischen Weltenteiles konnte sein Geist sich verankern für die Stofflichkeit, sonst hätte er nie Fuß zu fassen vermocht, sonst hätte er nie den Weg für Parzival bereiten können.
Es war zu dieser Zeit um ihn eine lichte, leuchtende Frau, groß, weiß, mit einem feinen, strengen, mütterlichen Gesicht und großen, gütigen Augen. Auf ihrer Stirne strahlte ein Stern. Licht war der Schleier und alabasterweiß, der Haupt und Gestalt umhüllt.
Es war die Zeit gekommen, da des Knaben Simael Geist leise erwachte, und es nahte sich auf den Strahlenströmen der Mutter Theiresia, um ihn zu führen in seinen ersten, zaghaften Schritten, in der Erinnerung an seine ewige Heimat
Unendlicher Seelenfriede neigte sich dem Knaben zu, der hoch und rank und kraftvoll aufgewachsen war unter der weisen Leitung der Lehrer und des edlen Vaters.
Die hüllenden Schleier der Vergessenheit, die wesenhaftes Weben um ihn spannen, öffneten sich leise da und dort. Mit dem großen Eindruck stofflicher Kraft und Muterlebnisse zeigte sich das Licht des Geistes, verheißend, erweckend, erhellend.
Auf Sehnsucht und Leid, auf Hunger und Schmerz der erwachenden Reife folgte überströmende Kraft und Freude an der Fülle jugendlicher Erleben. Es begann die Zeit, da des sehnsuchtsvoll sinnenden Knaben Wunsch sich nach Betätigung und Messen seiner Kräfte sehnte. Er bestieg die springenden, weißen
Tiere, die kräftigen Fohlen ähnlich, mit langen Schweifen und langen Mähnen die schönen Matten bevölkerten.
Ihn freute es, sie sich zu zähmen, wie es die edlen Reiter taten, die zu des Vaters Ehren schöne Festspiele und Kämpfe unternahmen, die Geschicktesten wurden seine Leiter. In der Übung von Geschicklichkeit und Mutkünsten maß er sich, er warf die Waffe durch die pfeifenden Lüfte und traf damit manch schnellen Vogel im Flug. Er sprang um die Wette mit seinen Kameraden, kämpfte mit Kraft und Gewandtheit und war oft Sieger.
Sitte lehrten die Ritter den Jünglingen, Weisheit die Priester, die hohen Künste aber die Sänger, den Dienst an der Schönheit in allem die Frauen durch Anmut und Reinheit ihres Wesens.
„So wird Dich die Welt lehren, was Du der Welt schuldest, Simael,“ sagte der Vater, „auf daß Du ein weiser, gerechter und mächtiger König werdest.“
In des Jünglings Brust aber schwoll eine große Innigkeit. Ein Wissen glomm in seinem Geiste auf:
„Es ist nicht um das Königtum der Atlante, daß Du lernst, Simael, es ist, um ein wahrer Knecht Gottes zu werden!“
Und in seinem Geiste läuteten die Glocken des Heiligen Grales schwingend Erinnerung an Parzival.
Es war eine Zeit vergangen und aus dem Jüngling Simael war der König der Atlante geworden.
Rauschend und brausend wie die ewigen Meere des Landes war die Zeit dahingezogen, ewig wechselnd und dennoch ewig gleich im heiligen Rhythmus des gewaltigen Schöpferwillens.
Aus dem lebefreudigen, kraft- und jugendfrohen Jüngling war der vollendete König, der weise Priester, der Führer und Herrscher Simael geworden, dessen Macht und Ansehen nicht nur bis zu den Grenzen seiner zauberhaften Inseln reichten, die sich vielmehr weithin erstreckten über die Meere und alle Könige der anderen Reiche unter seiner weisen führenden Liebe vereinten.
Die Gotteskraft hatte sich führend und schützend über den Herrscher ergossen, und in ihr stehend, gelenkt von ihren weisen allzeit gerechten Gesetzen, war Simael zu dem geworden, was sein Land in ihm ehrte. Er hatte alle Gaben des Höchsten voll genützt und weise verwendet, richtig verteilt die Arbeit und den Gewinn aus ihr unter den hochanstrebenden Geschlechtern, die sich in den Landen ausbreiteten.
Simael war wohl der Tätigste unter des Reiches Männern, er ruhte nicht. Sein flammender Geist trieb in ihm, die Gaben Gottes, seines Herrn zu nützen zu jeder Zeit, und zu wirken in dem lebendigen Strome, den er dauernd fühlte.
Eine dauernd sich steigernde Erneuerung dieser Kraft war es, in der er stand, so lange er sich erinnerte, daß er zu dem Bewußtwerden erwacht war.
Die schöne, goldhaarige Frau, die in den lichten Gärten des Paradieses weilte und einst den Erdenleib Theiresias zu seiner Inkarnierung bereitet und geführt hatte, war viel in seiner Nähe. Sie lehrte den Sohn, die Gesetze Gottes erlauschen, sie lehrte ihn erkennen, wer jener war, dessen leuchtend lichte Flammenaugen über ihm standen, dessen blendend weiße Stirn umhüllt von dem Lichtflügelpaar der Heiligen Taube war, und der sprach:
„Simael, ich bin Dir nah; denn Dein Wandel in den Schöpfungen ist die Vorbereitung zu meiner Mission im Stoffe!“
Und Simael erfuhr und verstand, daß jener lichte Geist der Heilige Geist Gottes war.
Was Simael in der Geburt in die Zeit vergessen hatte, war aufbewahrt in dem Wissen seines Geistes. Und mit diesem Wissen ausgerüstet, ging der Geist die Bahn, welche der stoffliche Leib mitzugehen gewillt war.
Stark war die Führung dieses Geistes, der das heilige Gesetz, den Geist der Wahrheit, über sich fühlte gleich einer ewig erleuchtenden Flamme. Was sein reiches, erweitertes Begreifen noch nicht aufgenommen hatte, das nahte Simael durch weise, gesetzmäßige Fügung. Und er wurde immer dahin gestellt, wo er erfüllend lernen mußte.
Rein und für alle Erschaffenen ohne Makel und Trübnis war das Dasein in dem lichten, der Sünde unbekannten Weltenteile auf dem leichten strahlenden Sternenkörper Atlanta.
Wie ein rosig schimmerndes, von kühlen Silberlichtern durchflutetes Strahlungsgefüge erschien nicht nur dieser Himmelskörper, sondern all die wundervollen Sternenkörper, die in dem Untertauchen der großen Sonne das Himmelsgewölbe durchglühten und aus unermessenen Weiten strahlten, als käme das Licht Gottes durch starke Prismen, die da kristallen und rein in den sieben Himmeln schwammen.
Was soll Dir gekündet werden, Menschenkind, von Licht und Luft und der Dichte dieser Reiche? Alles ist! Ist aber anders in dem großen geheiligten Werden und Vergehen, als es sich Menschenverstand jetziger Zeit in der Dichte zu Ephesus vorstellen kann. Willst Du weiterschreiten durch jene geheiligten Urgefüge irdischen Werdens, durch jene höheren Sphären der feinen Stofflichkeiten, dann muß Dein Empfangen sein wie eine leise, zarte Lichtsträhne, die in den Sphären sich gesetzgewollt die gleiche, wenn auch höher geartete Schwingung sucht.
So muß Dein ganzes Lauschen sein, Menschenkind, das jenes Geistes eingefangene Wortschätze aufnehmen darf im Willen Gottes. So muß der sein, der sie empfängt und der sie liest!
Geheimnisvoll wird dem im Stoff so dicht Umhüllten das Urweben sein und bleiben immerdar, und er wird es nie mit der Unbeweglichkeit seiner derzeitigen Gehirnmasse in aller Wahrheit begreifen! Aber das neue Menschengeschlecht, das der Herr für die große Weltenwende vorbereitet, wird sich öffnen und lernend weiterschreiten, der heiligen Weisheit wieder näher kommend, die ihm zu Anfang seines Wandels beschieden war.
Worte der Ewigkeit haben die wundersam strahlenden Hüllen geformt, die sich in diesen feinen Sphären bildeten, Worte der Ewigkeit hatten die Welten begründet, die in brausenden Strahlenströmen ihre ewig singenden Kreise ziehen, perlmutterschimmernd um die Sterne und Sonnen, gleich Atlanta.
Erste Heimat im Schöpfungsteile Smyrna, dem Geiste Is-ma-el gegeben, zur Erfüllung seiner Mission! Wie warst du schön, rein, beweglich, leicht und licht und frei von Trübnis. So vermochte alle Kraft einzuströmen ungehemmt und die Zeit seiner Reife sollte Simael auch die Erkenntnis bringen.
Noch gab es kein Leid!
Alles, das geschah, stand in dem Sein, in dem Gesetz. Was die Pflanze tat, das tat Mensch und Tier: lebendig nützen das Gesetzgegebene!
Eine Strahlungserfüllung war alles Leben, alles formannehmende Verdichten, und selbstverständlich rein und klar war das Erstehen, Reifen und Vergehen in ewiger Freude und Dankbarkeit, ohne Schmerz.
Was einst das Kind Simael mit Sehnen füllte, einem Sehnen, das dennoch fern vom Schmerz der Trübnis war, es wandelte sich im Jüngling zu starker Kraftentfaltung, im königlichen Herrscher zur sieghaften Stärke des Mannes.
Es reifte aus dem sehnenden Ahnen das Wissen von Gott und der Geist öffnete sich vollbewußt dem Born des Lebens, der von oben kam. Wie Simael, der längst des weisen Vaters königliche Hülle dem Stoff zurückgegeben hatte, im Dasein stand, so war er frei. Und ebenso frei von allem, das die Stofflichkeit an Bindung brachte, war jeder Mensch zu Smyrna. Darin waren sie alle gleich und darum waren sie auch glücklich.
Sie fanden sich im Fügen des Schicksalswebens, wanderten eine Zeit miteinander, indem sie zuvörderst bedacht waren, einander zu lieben. Unverbiegbar war das Gesetz der Liebe für sie, denn es floß rein in sie, durch sie. Darum gab es keine Übertreibung und keine Schwäche.
Jeder liebte den andern so, wie er sich liebte, nämlich klar, streng und sachlich, um das Leben zu erfüllen. In diesem Gesetz taten sie, was das Leben im Dienst für den Nächsten erfordert, und es fügte keiner dem anderen Leid zu. Darum gab es nicht Leid.
Wie die Pflanzen und Tiere, so taten auch die Menschen. Der natürliche Kampf des Lebens war nicht Leid, sondern Erfüllung, war Geben und Nehmen, Wandel und Umformung in dem kraftströmenden Gesetz Entwicklung.
Wie es der Heilige Geist schäumend in das Werden gab, so strömte es wieder schäumend empor in seinen Ursprung im anbetenden Danke zu des Schöpfers Liebe.
So gedieh alle Liebe, alle Schönheit, und ward zu reicher Fülle! Wundersam klingende Welten waren es zu Smyrna, die so harmonisch in dem Willen des Schöpfers schwangen, wundersam helle leuchtende Töne wie von gläsernen Glocken läuteten durch die Weiten von Stern zu Stern. Simael liebte nicht nur die Gründe, auf denen sein Reich stand, alle Natur, alles Weben der Lüfte und Düfte, alles Glühen der Lichter faßte er zusammen in die große Alliebe, die immer stärker in ihm pulste von Jahr zu Jahr.
Wenn die Kreise mächtiger Gestirne sich immer wieder zum Anfang rundeten, dann sah Simael, der in der kosmischen Weisheit sich übte, eines Jahres Ende gekommen, und er schrieb sich die Stellung seiner ihm bekannten Sterne auf eine Tafel.
Er verband sie jeweils mit Strichen, von Bild zu Bild, und daraus entstand eine fortlaufende Himmelszeichnung für ein ganzes Jahr.
Durch die Striche und Zeichen aber, die sich ihm wie heimliche Offenbarungen unter den Händen fügten, empfing er viele geheime, kraftvolle Bilder, die auszustrahlen schienen, wie die Gestirne Art und Einfluß zu charakterisieren vermochten.
Simael stand an dem Tor zur Weisheit. Er ließ große Bauten errichten, um die Messungen der Strahlen und Schatten vorzunehmen, er beobachtete durch tüchtige Helfer alle seine großen Schöpfungen, die er zum Wissen von der Natur gegründet hatte.
Die weiten Gärten, welche seine Inseln immer mehr verschönten, waren erfüllt von aller Auserlesenheit des Sternes Atlanta. Die Blumen und Samen, die dort gewonnen waren, trugen die reichsten Wunderkräfte in sich. Glühend gaben sie das Licht des Tages in den hellen Nächten wieder und sandten ihre weiche, duftende Ausstrahlung empor, reinem Empfangen zu. Sie nahmen auf aus wesenhafter Kraft, um neu und reich zu strahlen an dem neuen Tag.
Wie in einem Erinnern an ein Gebot aus ferner, lang verstrichener Zeit klang in Simaels Geist die Stimme des Herrn. Wie sie erklang, so gab er diesem leisen, aber unüberhörbaren Mahnen nach, das ewig voll Liebe und Stete die Wahrheit wollte.
War es nicht, als fragte es immer:
„Gedenke des Schwertes der Gerechtigkeit!“
Reinheit, Liebe und Wahrheit bauten um Simael das Reich im Stoffe, das er aus des Herrn Gnade der Welt übermitteln durfte. Sie sandten in seine Reiche die Geister nieder, die dereinst wiederkehren sollten in selbstgewähltem Wunsche.
Eine starke Verbindung fühlte Simael mit allen Geistern, die zu Servantes in dem heiligen Tempel seines Gottes von seiner Hand geweiht wurden:
„Ich taufe Dich mit dem Wasser, der aber nach mir kommt, der tauft Dich mit dem Feuer Gottes!“
Eine weite runde Halle, umgeben von hohen unzählbaren Säulengängen, barg in ihrer Mitte die Schale, darein der Täufling tauchte.
„Ich taufe Dich zur Wiedergeburt in die Schöpfung, nach Deinem Willen!“ sprach Simael, wenn er dem Getauften den Segen gab.
Es waren niemals Kinder unter den Gesegneten. Immer waren es reife, vollbewußte Menschen, männlich und weiblich. Aber während sie vor der Taufe ein Leben der jugendlichen Ungebundenheit führen konnten, wurden sie ,durch den Segen in den Pflichtenkreis des bewußten Gottesdieners einbezogen und mußten sich selbst in dem Dienste Gottes aufgeben.
Zu hoher Blüte wuchsen sie empor, zu reiner leuchtender Menschheitswürde. Sie waren alle Priester, Männer wie Frauen.
Sie lebten in Anbetung durch die Tat. Sei es nun, daß ihr Dienst dem Tempel Gottes oder irgend einer irdischen Aufgabe galt, sei es, daß es hoher und höchster geistiger Dienst oder hoher stofflicher Dienst war. Jeder kleine stoffliche Dienst wurde mit gleicher Andacht getan. Der Gottesdienst war Lebensatem zu Smyrna.
Die vielen Abstufungen der Dienstbarkeit bildeten Kasten, die ganz für sich lebten und dennoch im ergänzenden Nebeneinander ein wundervolles Ganzes bildeten, in geistiger und stofflicher Harmonie und Reife.
Zu Simael, dem König, blickten sie alle liebend auf. Sie ließen sich von ihm leiten mit bewußter Treue und Hingabe Es kamen keine Spaltungen, keine Mißverständnisse und keine Reibungen vor. Sie dienten in Liebe gemeinsamem Ziel.
Ein ewiges Ringen und Schaffen nach Vollendung war dieses Ziel. Es war, als strebten sie nur in dem Gedanken an das Licht zu ihm zurück. Empor! Empor!
Wie ein goldener Schrein, angefüllt mit leuchtendstem Edelgestein, erstrahlte Smyrna in der Schöpfung. Alle Geschöpfe seiner Ebene waren von reiner Zartheit, Leichtigkeit und Größe.
Es gab der wunderbaren Formen unsagbar viele, sei es in Tier-, in Pflanzen-, in Mineralreichen. Die Minerale! Welch anderes Wort sollte gebraucht werden, das den Begriff dieser kristallisierenden Strahlungskräfte sammeln könnte? Es gibt nichts märchenhaft Schöneres denn die glasig durchsichtigen Gebirgsgruppen, die aus dem Entwickeln des Kosmos heraus Wunderkräfte zu kristallisieren verstanden.
Es gibt nichts Herrlicheres als die zauberhaften Wasserbrunnen, die in hohen Strahlen ihre heißen, mineralischen Substanzen weit über die flachen, mit seinen Kräutern und hohen Farnenarten besäten Fluren streuen.
Welch zauberhaften Anblick bieten die kristallisierten Gewächse im Monden- und Sonnenlicht, wenn die rosigen Strahlen der aufsteigenden Riesensonne die silbernen Dünste der hellen Nächte zerteilen.
So wunderbare Farbenspiele hauchen die vielfältig ausstrahlenden Sternenkörper über diese Flächen, daß sie wie märchenhafte Feen- und Elfenbauten erscheinen.
Menschengeist, der Du all des Wissens über Gottes Schöpfung Dich freuen sollst, sei Dir bewußt, daß Dein derzeitiger Zustand der Aufnahme nur zum Teil fähig ist, die Form und Art anderer, Dir wesensähnlicher Schöpfungsteile zu erfassen!
Auch jene, das Wesenhafte wirkenden Helfer sind der Art dieser Stofflichkeit entsprechend und damit völlig anders als die, welche Ephesus mit ihrer Hilfe füllen. Noch mehr aber arbeiten sie ineinander mit dem Menschengeiste, der in zarterer Hülle wohnt; denn keine Hemmungen bereitet dieser den Helfern.
Ein Gottbejahen ist die ganze kristallklare, rosigsilberne Schöpfung des lichten Weltenteiles Smyrna.
Menschengeist, Du wirst emporgeführt in die Leichtigkeit und strahlende Reinheit jener Welt, da die Liebe des Herrn seinem Auserwählten die erste Stätte zur Reife bereitete. Mitten hinein in jenes Singen und Klingen der Sphären, die erfüllt waren von den Kosmosstrahlen überirdisch schöner, reiner Gestirne.
Hochgehoben in Verfeinerung sind alle Arten des Stoffes, zart, durchsichtig, leuchtend, und so durchlässig für die stärkeren, reineren Strahlen, daß sie wie große Siebe wirken, durch welche all das Licht von oben fließt.
Daher die große Beweglichkeit, die Fähigkeit der Aufnahme und der Anpassung eines jeden Empfindens, sofortige Ausführung und ein Sicheinfügen ineinander, das nur durch Reinheit, Freiheit von niederem Schwingen und die große Liebe möglich ist!
Alles, das der Menschengeist jetzt noch bei Namen nennt, ist ja entstellt, verbogen und beschwert; oben aber, in den lichteren Weltenteilen des Herrn, die gehalten, was sie hatten von Anbeginn, da ist es anders.
Wie die Körper der Stofflichkeit leicht durchlässig und schmiegsam geblieben sind, so sind es auch die Geister, die im ewigen Dienen lebend nur den Willen des Herrn leben als oberstes Gesetz. Das ist Seligkeit! Das ist die Wonne des stofflichen Paradieses! Die Reinheit selbst hat ihre Hände segnend ausgebreitet über der Frau der Nachschöpfung, die dort die Geschlechter geboren.
Simael selbst blieb unvermählt, aber seine obersten Diener hatten Frauen und Kinder und ihre eigenen, selbsterworbenen Heimstätten. Sie lagen alle im Halbkreise hinter den hohen Tempelgärten zu Servantes, und ihnen schlossen sich, immer im Halbkreis dem Aufgang der Sonne zugekehrt, die weiteren Heimstätten aller Kasten an, die zu Servantes wohnten.
Sie war ja die Stadt und Insel des Königs, und ferner in der Weite bauten sich die Stätten der Arbeit und der Künste auf, der Handfertigkeiten und der ausübenden Schulen.
Wieder war dieses kleine Inselreich geordnet wie ein Sonnensystem, um dessen ewig nährende, spendende Mutter sich lichte Gestirne im Rhythmus des Gesetzes bauen. Lebendig blieb das Schaffen, Wandeln und Erfüllen in diesen Kreisen der Arbeit, des Fleißes; des Aufbaues.
Überall strahlte Freude, Friede und Erfolg, überall strömte der Segen Gottes sichtbar. Und Simael war da und dort mit seinen Getreuen, die ihm dienten.
Von jeder Art des stofflichen Vermögens hatte er einen Wissenden zur Seite, aus dessen Kraft und Willensbewegung das jeweilige Arbeitsfeld beherrscht wurde.
Jeder schwang in seinem Dienen rein und einsam; denn keiner war, der ihm an Weisheit, Willen und Kraft in seiner Eigenart gleich gekommen wäre. Er aber durfte sich unter der Schar seiner gleichschwingenden, in Gleichart Begabten den zum Schüler wählen, den er bereiten mußte zu seiner Nachfolge.
Simael aber hielt alle Fäden in seiner Hand und sein klares, vom Heiligen Geist erhelltes Wissen übersah alles und durchdrang alles.
Wie ein großes Netz von starken Willensfäden war das gewaltige geistige Regierungsgefüge dieser reinen Inselgruppen in dem großen Reich des Atlante. Alles, was die Menschengeister zu Smyrna entwickeln und vollenden durften, empfingen sie aus dem Tempel, in dem die Templer des Königs um ihn geschart die Weisheit schöpfen durften.
Simael holte sie für die Menschen aus dem Urquell seines Geistes, aus Patmos, da er von dort aus Kunde erhielt durch hohe Gnade. Der Strom des Lebens labte ihn.
So arbeitete er an der Spitze seiner Diener im Willen Gottes. Er baute das Wissen von dem Aufbau eines Gottesreiches im Stoffe in die Menschengeister des Stammes Isma, die zu Servantes den Namen „die Simaeliter“ trugen. Sie wurden groß im Stoffe, wie sie groß waren im Geist. -
Fortsetzung folgt.
Fragen-Beantwortungen
durch Abd-ru-shin.
Frage: Ich habe eine vielleicht etwas sonderbare Frage, hoffe aber, eine Antwort zu erhalten, da so viele Menschen davon sprechen und, wie ich beobachten konnte, sich sehr oft damit abquälen und davon bedrückt werden: Was sind eigentlich Minderwertigkeitsgefühle?
Antwort: Weil diese Frage Allgemeininteresse hat, soll sie an dieser Stelle beantwortet werden. Minderwertigkeits-Komplexe, wie es so schön heißt, kommen dort vor, wo sich der Geist nicht frei entfalten kann. Es ist sogar in vielen Fällen ein Beweis dafür, daß ein solcher Mensch geistig stärker ist, als er sich zeigen kann, deshalb leidet er unter dem Drucke einer ihm unbekannten Hemmung. Lesen Sie meinen Aufsatz: „Das Blut-Geheimnis“, der in diesem Hefte erscheint. Daraus können Sie manches ersehen, was gerade diese Frage betrifft.
Aber es gibt auch noch eine andere Ursache dafür, bei der wenig zu helfen ist: das ist die Trägheit des Geistes! Dieser könnte sich bei manchen Menschen schon selbst dazu überwinden, den Druck abzuwerfen, wenn er nur wollte. Aber er ist zu bequem dazu und möchte, daß es andere tun. Außerdem fühlt er sich mit der Zeit in seiner Schaustellung im Grunde genommen ganz wohl und es würde ihm etwas fehlen, wenn der Druck von ihm weichen wollte. Er will bedauert werden, heischt zwar vielerorten um Rat und Hilfe, würde dem aber wenig danken, der ihn wirklich von dem gewohnten Drucke befreien könnte.
Der ersten Art ist unbedingt zu helfen, der zweiten aber nicht, weil sie es selbst in Wirklichkeit nicht wollen.
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Frage: So oft ich auch schon die Oper „Parsifal“ gesehen und gehört habe, so bleibt in mir doch immer eine Unsicherheit zurück über den Begriff „Der reine Tor“. Wenn ich darüber einmal volle Klarheit hätte, würde wohl der Eindruck noch weit stärker sein.
Antwort: In meinen Vorträgen über die geistigen Ebenen habe ich auch darüber schon gesprochen. Diese Vorträge sind noch nicht gedruckt erschienen, da sie später wieder in ein Sammelbuch kommen, aber sie wurden vorläufig bereits vervielfältigt.
Bei jedem gründlich denkenden Menschen muß die gezeigte Figur „der reine Tor“ eine Unsicherheit hervorrufen; denn diese Unsicherheit liegt auch darin, weil der Ausdruck wie die ganze Zeichnung der Figur ein Irrtum ist, den ich in meinen Vorträgen begründe.
Es würde in dieser Beantwortung zu weit führen, deshalb begnüge ich mich mit dem Hinweis, daß Parzival „das reine Tor ist“, aber nicht „der“ reine Tor. Darin liegt alles, und das Wissen davon wird Ihnen auch mit einem anderen Begriffe die Ruhe geben. Parzival ist in Wirklichkeit der Mittler zur Schöpfung, also auch zu den Menschen und ist das Tor der Wahrheit und des Lebens für alle Schöpfungen nach unten zu.
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Bücherbesprechungen:
Im Verlag „Der Ruf“, München, ist eine Reihe von Büchern erschienen, die sich mit der geschichtlichen Darstellung der großen Religionsstifter befassen. (Bis jetzt find erschienen Zoroaster, Lao-Tse, Buddha, Mohammed.)
Die Werke können als sinnvolle Ergänzung der Botschaft Abd-ru-shins gelten, da sie in lebensnaher Darstellung das irdische Leben und Werden der genannten Wahrheitsbringer im Raume ihrer zeitgenössischen und völkischen Kultur darstellen.
Wenn zuvor von „Religionsstiftern“ die Rede war, so ist diese Bezeichnung allerdings mit Vorsicht zu gebrauchen.
Das aus dem Lateinischen stammende Wort „religio“ ist in der Wesenhaftigkeit seines Begriffes noch kaum je richtig umrissen worden. In der deutschen Übersetzung bedeutet „religio“ vielleicht am besten ausgedrückt. das Verhältnis des Menschen zu Gott, übertragen die Lehre von Gott und seiner Schöpfung. Allen Menschen, welche Gott und das Göttliche und die daraus entstandene Schöpfung erkennen oder bejahen muß es einleuchten, daß Religion nur die Lehre sein kann von der tatsächlichen Wirkung Gottes, von den unverrückbaren Gesetzen der Schöpfung als etwas unwandelbar Feststehendem.
Somit müssen Religionsstifter immer wieder die Verkünder einer Lehre werden, welche sich mit der einen göttlichen Wahrheit und der daraus entstehenden Schöpfung befassen. Es müssen demnach alle Religionen, so sie von wirklich erleuchteten Wahrheitssuchern und Wahrheitsbringern verkündet sind, die selbe große, gesetzmäßige Lehre darstellen über Schöpfer und Schöpfung und die Gesetze, innerhalb welcher der Mensch zu leben hat, die Erde beherrscht, sein Staatswesen ausbaut usw.
Unterscheiden können sich die Lehren. nur durch die Verschiedenartigkeit ihrer Darstellung und Bindung an Zeiten, Kulturen und Rassen. Der innere Wesenskern muß jeweils derselbe bleiben.
Diese auch für den wahren Geschichtsforscher beglückende Erkenntnis festigt sich beim Lesen der genannten Bücher tatsächlich und gibt eine begriffliche Ahnung von der Größe des immer wieder abgewandelten Themas.
Es mag hinzugefügt werden, daß alle bisherige Geschichts-forschung oder jede religions-philosophische Darstellung überschattet wird durch die Unvollkommenheit aller Über-lieferung, durch die immer wieder auftretende Lückenhaftigkeit jeder sogenannten wissenschaftlichen Forschung und durch manchmal völlige Verkehrungen des Sinnes auf Grund sprachlich falscher Auslegung oder falscher Übersetzung
Die genannten Bücher sind aufgenommen und dargestellt durch besondere Begabung dazu berufener Menschen, das heißt vielleicht anders ausgedrückt aus der intuitiven Schöpfung besonders begnadeter und hierfür auserlesener Darsteller. Es ist den Menschen ein daraus geläufiges Bewußtsein, daß alle ganz großen Schöpfungen menschlicher Betätigung - man mag etwa auch an Goethe denken - der Begnadung innerer Bindung an die kosmischen Urkräfte ihr Entstehen verdanken
Der Leser der Bücher wird bei ernsthafter Voraussetzung mit immer größerem Staunen verstehen und erfühlen, wie all die dargestellten Begebenheiten und Tatsachen sich im Grunde genommen mit unserer bisherigen geschichtlichen Erkenntnis decken und nur da und dort, manchmal allerdings auch an entscheidenden Stellen, Mißverständnisse aufhellen und Aufklärungen geben, welche die großen Zusammenhänge viel lückenloser und folgerichtiger erscheinen lassen, als bisher
Jeder Leser wird jedes der Bücher mit steigender Freude lesen und mit innerer Bereicherung aus der Hand legen.
Die Sprache erinnert an die dichterische Schönheit unserer besten Literatur.
Es sollen im einzelnen nun in dieser Zeitschrift fortlaufend die verschiedenen Bücher besprochen werden.
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»Ephesus.«
Das Buch behandelt die Frühgeschichte der Menschheit, welche geschichtlich heute in ein fast noch undurchdringliches Dunkel gehüllt ist. Wir werden in die Periode zurückgeführt, in welcher die Menschen noch völlig verbunden mit den Urgesetzen von Natur und Kosmos den Sinn des Lebens im Erkennen und Dienen der Schöpfung sehen.
Es ist jene Periode damit gemeint, welche wir in der Sage als das paradiesische Zeitalter bezeichnen, in welchem eine Begriffstrennung von Gut und Schlecht noch nicht vorhanden war. Die Beziehung zwischen Mensch und Erde war eine innige, vom Wesenhaften durchpulste.
Die Erde gab dem Menschen willig das, wessen er bedurfte, der Mensch aber nahm sich auch nur das, was er für das Leben zu fordern hatte. Der Ausgleich zwischen der tragenden Erde und dem über sie schreitenden Menschen war völlig gegeben, auch in der Beziehung, daß der Mensch nur die Teile der Erde bewohnte und bewohnen konnte, die nach den Gesetzen der Natur für ihn vorbehalten waren.
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»Zoroaster.«
(Zaratushtra)
„Erdenlauf des Propheten aus Iran, wie er unverändert vor dem Geistesauge aufersteht und sich als recht erweisen wird.“-
Zeitgeschichtlich kommt das Buch an zweiter Stelle, geschrieben ist es als letztes der Reihe. In Sprache und Darstellung ist es wohl eines der schönsten.
Das Buch greift in eine Periode, die wir wissenschaftlich heute etwa als die vorgeschichtliche bezeichnen, das heißt das Jahrtausend vor Christus, das wir aus spärlichen Quellen wohl etwas kennen, aber nicht in der Klarheit einer lückenlosen Erfassung.
Zoroaster ist der Verkünder des einen, lichten Gottes, welcher der ganzen Schöpfung Urquell ist und aus dessen Willen jene Schöpfungsurgesetze entstanden sind, nach denen Schöpfung und Nachschöpfung geformt sind und leben. Im Sinne unseres heutigen Religionsbegriffes war Zoroaster ein Prophet, anders ausgedrückt: ein Licht- und Wahrheitsbringer welcher der Menschheit seiner Zeit den Weg des Lichtes wies.
Das Leben und Wirken Zoroasters ist literaturgeschichtlich schon ein Begriff, aber verschwommen und teilweise auch verfälscht; in dem Buche erleben wir lebendig das Werden und Wirken einer der großen Lichtgestalten der Menschheit in schöpferischer Klarheit, seinen irdischen Werdegang, die Beziehungen zu seinem Volk und der Menschheit und die Auswirkung seiner Lehre auf seine Zeit und die Zeitenfolgen. -
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»Lao-Tse.« - »Buddha.«
Zwei getrennte Darstellungen in Büchern etwa gleichen Umfanges haben verschiedenes Gemeinsame, welches eine vergleichende Besprechung nahe legt. Die Zeit des Erdenwirkens der beiden Lichtbringer fällt etwa in denselben geschichtlichen Zeitraum (vermutlich das 6. vorchristliche Jahrhundert). Der Lebens- und Wirkungskreis des Lao-Tse ist China, derjenige Buddhas Indien und das Hochland von Tibet.
Beiden gemeinsam ist eine hohe Geistesschulung, die sie in Klöstern empfingen als Vorbereitung für ihr Wirken unter den Menschen.
Hierbei darf man den Begriff Geistesschulung und Kloster nicht mit der heutigen Bewertung und Vorstellung messen, vielmehr sind gerade diese beiden Worte (Geistesschulung und Kloster) auf ihre ursprüngliche reine Wesensart zurückgeführt.
Geist und Geisteswissenschaft wird heute mit Verstand und Verstandeswissenschaft verwechselt. Unter Kloster (claustrum) versteht man das sich Abgeschlossenhalten einer bestimmten Gemeinschaft von dem Leben zu irgendwelchen religiösen Übungen.
In der genannten vorchristlichen Zeit war für die beiden Wahrheitsbringer Lao-Tse und Buddha die Geistesschulung ein Verbindung-Suchen mit den göttlichen Urkräften des Seins und damit die Erkenntnis der großen Gesetzmäßigkeit jedes Geschehens. Das Kloster aber war eine Art heiliger Schule, in welcher von den reinsten und befähigsten Lehrern diese Kenntnisse und Erkenntnisse der Schöpfung an besonders begabte Schüler weitergegeben wurden. Der Begriff einer gewissen Abgeschlossenheit des Klosters war mehr beiläufiger Art und sollte der besseren Möglichkeit innerer Sammlung dienen.
Während Lao-Tse aus der breiten Schicht des Volkes stammte - wenn auch aus einer offenbar gehobenen Kaste - war Buddha aus fürstlichem Geschlecht und selbst Herrscher eines kleinen Reiches am Himalaya. Lao-Tse wird Berater am Hofe des großen chinesischen Reiches, Buddha der Hohepriester eines weiten Landes, nachdem er zur eigenen Läuterung seinen irdischen Fürstensitz verloren hatte.
Die vergleichende Wissenschaft steht heute auf dem Standpunkt, daß die Wiege aller weißen Rassen auf dem Hochplateau Innerasiens stand. Diese weißen Rassen müssen als höchstkultivierte Menschenrassen in der Zeit ihrer Kindheitsgeschichte der wahren Gotterkenntnis am nächsten gestanden haben. Man liest daher die Bücher, vor allem Buddha, mit der eigenartigen Empfindung, die seelische Entwicklung seiner eigenen völkischen Vorfahrenreihen zu erleben.
Hierbei soll in keiner Weise der Versuch gemacht werden, dem westlichen Menschen östliche Kulturmerkmale zu unterlegen, vielmehr handelt es sich um sehr viel ursprünglichere Dinge und Lebensmerkmale, die universell für alle Menschen einer gleichen Geistesstufe gelten.
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»Mohammed.«
Der Erdenwandel Mohammeds, des Propheten, liegt rund ein Jahrtausend später, wie das Leben der zuvorgenannten Lichtbringer. Fast in der Mitte des Zeitabschnittes lag die Erscheinung und das Wirken von Christus. Die Entwicklung der Zeiten war immer eiliger und drängender geworden und hatte die Menschen von der Bahn der richtigen Erkenntnis und Lebensführung immer weiter abgebracht.
So wurde den Menschen in dem Volke der Araber ein Verkünder gesandt, der, um mit einem heutigen Worte zu sprechen, ganz autoritär von oben herab seine göttliche Lehre durch Errichtung eines hohepriesterlichen Staatsgefüges durchzusetzen wußte. Mohammed und der Mohammedanismus baut - was den wenigsten Menschen klar ist - völlig auf der Wahrheit, die Christus Jesus der Welt gebracht bat, auf. Nur war nicht mehr Zeit und Möglichkeit, diese Wahrheit zu erleben oder zu erarbeiten, sie mußte in die Wirklichkeit durch äußere Machtorganisation umgesetzt werden.
Wenn man so will, suchte Mohammed den wahrhaftigen Gottesstaat auf Erden zu errichten als Niederschlag des Spiegelbildes der jenseitigen Schöpfungsordnung. Damit steht Mohammed mit seiner Lehre der Wirrnis unserer heutigen Zeit recht nahe.
Es ist eine Tragik in der Menschheitsgeschichte, daß mit dem Tode ihrer großen Propheten und Wahrheitsbringer jedesmal ein Wendepunkt zum Abstieg eintrat. Daraus entsteht immer wieder die große Schuld der Völker und Menschen, welche ihrer Ablösung harrt.
Eine sprach - und stilkritische Bemerkung erübrigt sich, der Satzbau und die dichterische Kraft der Worte entsprechen dem hohen geistigen Inhalt.
Das Lesen der Bücher kann vielen suchenden Menschen die Augen öffnen..
Dr. A. F.
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Weitere Buchbesprechungen folgen im nächsten Heft.
Die Bücher sind auch durch die Verlags -A. - G. „Die Stimme“ zu beziehen.
Mitteilungen an die Leser:
Es ist notwendig, zu sagen, daß in diesen Monatsheften die Fragen-Beantwortungen Abd-ru-shins nur in solchen Fällen veröffentlicht werden, wenn die Frage allgemeines Interesse beanspruchen kann. Bei Fragen, die persönlicher Natur sind, gehen die Antworten dem Fragesteller zu, sobald dieser seiner Frage das Porto für die Antwort beigefügt hat.
Belanglose Fragen werden nicht beantwortet. Es muß schon ernstes Suchen daraus hervorgehen. Die Antworten werden kostenlos gegeben. Die Briefe sind an den Verlag zu richten.
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Bestellungen für die Hefte sind an den Verlag selbst zu richten oder für die Tschechoslowakei, Druck in deutscher und tschechischer Sprache, an: Josef Kovar Prag 1., Celetná 17.
für Südamerika, Druck in deutscher und portugiesischer Sprache, an: Carlos Frischkorn, Caixa postal 2907, Sao Paulo, Brasilien.
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für Österreich an: Leopold Smola, Mödling - Wien, Dr. Seipelgasse 6.
Weitere Bestellmöglichkeiten werden im nächsten Heft bekannt gegeben.
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Das nächste Heft bringt eine Fortsetzung der eigenartigen Niederschrift über Is-ma-el, die in ihrem weiteren Laufe so viel Überraschendes, ja Verblüffendes birgt und derartige Ausblicke in bisher völlig Unbekanntes gewährt, daß wir uns entschlossen, das nicht eigener Phantasie des Schreibenden entsprungene Neue den Lesern, die nach Erweiterung ihres Wissens streben, nicht vorzuenthalten.
Ein jeder kann sich dann selbst seine eigenen Gedanken darüber bilden und Folgerungen daran knüpfen; denn diese staunenswerte Gabe taucht jetzt auffallend in vielen Ländern plötzlich auf und die dort erscheinenden Bücher werden von allen Leserkreisen mit freudigem Wissensdurste und mit Begeisterung aufgenommen.
VERLAGS -A.-G. „DIE STIMME“
Zürich -7, Drusbergstraße 17
Telephon: 46575 Postscheckkonto: V111.5345
Inhalt:
Seite
1 “Es werde Licht auf Erden” Bild von Hermann Wenng 5
2. Einführungsworte. Von Abd-ru-shin 6
3. Es werde Licht auf Erden. Von August Manz 7
4. Die Kraft. Von Ernst Laute 9
5. “Stunden” des Menschenlebens. Von Hermann Wenng 14
6. Kunst im Rhythmus der Weltordnung. Von Alfred Fischer 21
7. Der ewige Brunnen. Dichtung von Susanne Schwartzkopff 25
8. Das Blut-Geheimnis. Von Abd-ru-shin 33
9. Die Nachbarskinder. Von Maria Halseband 40
10. ls-ma-el als Wegbereiter für den Geist
der Wahrheit durch die sieben Weltenteile der Schöpfung 48
11. Fragenbeantwortungen. Von Abd-ru-shin 66
12. Bücherbesprechungen 69
13. Mitteilungen an die Leser 75
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Herausgeber:Verlags A.- G „Die Stimme”, Zürich Drusbergstraße 17
Verantwortlich für die einzelnen Artikel und Mitteilungen die
Verfasser. Für den übrigen Teil: Herr Arthur Giese, Zürich.
1) Die Kathedralen Frankreichs, Kurt Wolff-Verlag, Leipzig.
*) Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit.
1)Die Leser, welche tiefer in die - Ausdrücke Abd-ru-shins eindringen wollen, wie: Geist, Stofflichkeit usw., können dies in seinen Werken finden, die auf Wunsch durch den Verlag »Die Stimme« vermittelt werden.