Jahrgang 1937 Heft 3

DIE STIMME




Schrift

für Erstarkung im Wissen

und Können.






VERLAGS A. - G. „DIE STIMME“, ZÜRICH








































Copyright by Verlag A - G „Die Stimme“, Zürich

Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung. Vorbehalten

Druck:Buchdruckerei Thurtal, Mühlheim ( Schweiz )



Kinderfragen.


Von Charlotte von Troeltsch.



„Kinder sind lebendige Fragezeichen!“ hört man manchmal sagen, und der Ausspruch hat seine Berechtigung.

Wie manche Mutter fragt, wenn sie ihr Kindlein lächelnd und rosig im Bettchen liegen sieht: „Was will denn aus dem Kinde werden?“

Keiner der Eltern und Erzieher weiß, welche Fehler und Anlagen der kleine Mensch mitgebracht hat in dies Erdenleben, niemand vermag zu sagen, ob er zur Wonne oder zur Strafe der Seinen heranwachsen wird. Das aber sind Fragen, die ein sorgendes Mutterherz wohl bedrängen können.

Indessen, von diesen Fragen soll heute nicht die Rede sein. Nicht von den Gedanken, die als Rätsel in uns aufsteigen beim Anblick unserer Kinder, sondern den tausenderlei Fragen wollen wir uns zuwenden, die unaufhörlich dem Kindermund entsprudeln.

Wieviel weiß ein lebhaftes Kind zu fragen! Meist soll der Grund, die Ursache aller Erscheinungen erforscht werden. Das „Warum?“ nimmt kein Ende. „Warum ist es nachts dunkel?“ - „Warum blüht die Blume“ - „Warum ist Sonntag?“

Wohl dem Kinde, das eine Mutter hat, die aus dem reichen Schatz eines wahrhaft liebenden, verständnisvollen Herzens zu antworten weiß, die nicht belehrend und erdrückend Weisheit austeilt, mit der der Kindersinn noch nichts anfangen kann, sondern die zum Kinde hinabsteigt und mit ihm ,dieses Warum?“ sucht.

Ein Kind merkt sehr rasch, ob die Mutter, die Tante, oder irgend ein anderer Erwachsener, an den es sich vertrauensvoll mit seiner Frage wandte, nur antwortet, um den kleinen lästigen Frager los zu werden. Es empfindet, ob der Gefragte an seine eigene Antwort glaubt, oder ob er mit halbem Lächeln, vielleicht auch mit schlauem Blinzeln zu anderen hin, irgend etwas sagt. Bis ins Innerste getroffen, zieht sich das kindliche Vertrauen zurück, wo ihm solches begegnet. Geschieht es öfter, so wird das Kind „verschlossen“ und die Erzieher fragen sich dann bestürzt oder ungehalten, wie das geschehen konnte.

Freilich, es ist nicht immer leicht, auf Kinderfragen zu antworten. Und kaum ein Erwachsener will zugeben, daß er um eine Antwort verlegen ist. Da macht mancher es lieber wie die Vorsteherin einer ganz bekannten Schule, die auf unbequeme Fragen der Schülerinnen regelmäßig auffuhr: „Setze Dich, vorlautes Mädchen!“

Merkten die Kinder daran nicht, wie es um die Lehrerin stand? Wäre es nicht viel ehrlicher und darum auch klüger gewesen, sie hätte ruhig einmal zugegeben: „Das weiß ich nicht, ich will aber darüber nachdenken.“


Die Kinder werden älter. Schon mit dem Eintritt in die Schule ändern sich die Fragen ihrem Inhalte, ihrer Art nach. Während die Einen sich fast ausschließlich mit materiellen Dingen beschäftigen, wissen möchten, warum das Radio anders ist als der Fernsprecher wie eine Schiffsmaschine aussieht, was in der Orgel tönt, wenden Andere ihr Interesse der Natur zu. Die Erzieher sollen wissen, warum ein Käfer sechs Beine hat, warum die Ohren des Esels lang sind, ob es wirklich Elfen und Gnomen gibt.

Diese Fragen kann man nicht mit ein paar nichtssagenden Antworten abtun, höchstens kann die Mutter an den Vater verweisen, der „so Etwas“ besser versteht.


Aber, liebe Mutter, lerne mit Deinem Kinde! Höre zu, wenn der Vater erklärt, damit Du bei nächster Gelegenheit mitzudenken imstande bist. Und nun beginnt die junge Seele zu erwachen, reckt sich und streckt sich und schaut sich um in der Welt. „Woher komme ich?“- „Wohin gehe ich?“

„Mutter, ist Gott wirklich?“- „Was war, ehe Gott war?“ Kaum einer ist unter uns, der diese Frage nicht in irgend einer Form vernommen hat und sich mit ihr beschäftigen mußte.

Ja, beschäftigen mußte! Ihr Eltern, Ihr Erzieher, nehmt die Antwort auf solches Forschen des Kindes nicht leicht. Lasset Euch von ihm hineinführen in die Tiefen Eurer eigenen Seele, in der vielleicht noch ein Wissen um Gott, um höchste Dinge, lebt. Lasset den kleinen Funken in Euch anfachen zur lichten Flamme, die Euch erhellt und wärmt. Sie ganz allein wird Eurem Leben Inhalt verleihen der es lebenswert macht.

Aber hütet Euch, Euren Kindern Steine statt Brot zu geben! Die großen fragenden Augen der Jugend betteln um Wahrheit!

Wahrheit? Wo ist die zu finden? Wer weiß heute noch, wo wirklich Wahrheit ist? Wir haben so viele Bekenntnisse, Sekten, „Geisteswissenschaften“ jedes erhebt den Anspruch, das allein Richtige zu sein. Wer hat im drängenden Alltagsleben noch Zeit, nach Wahrheit zu forschen? Wer will entscheiden, was echt ist von allem, was man zu hören bekommt?

Schiebt mit diesen Worten nicht das Wichtigste für Euch selbst und Eure Kinder beiseite! Es ist so leicht, die Wahrheit zu erkennen, denn Wahrheit lebt! Sie pulsiert, schafft und erschafft und ist von Ewigkeit her immer ganz gleich geblieben, das Einzige in diesem wechselvollen Leben, das sich nie und nimmer gewandelt hat. Was heute so lautet und morgen anders, was man einmal so und ein anderes Mal in anderem Sinne deuten kann, das ist nimmermehr Wahrheit.

Eure Kinder haben ein Recht auf Wahrheit!

In dieser Zeit, wo Werte zu versinken drohen, an die Menschen sich seither klammerten, wo Anschauungen und Begriffe zu schwanken beginnen, In dieser Zelt können Eure Kinder fordern, daß Ihr ihnen den festen Stab in die Hand gebt, der sie sicher stützen wird bei ihrem Erdengange: die Wahrheit.

Suchet, ringet danach, daß Ihr selber sie findet, diese köstliche Perle. Lasset Euch nicht mit hohlen, leeren Worten abfinden. Je tiefer Ihr eintaucht in die Fragen Eurer Kinder, desto besser würde es für Euch selber sein.

Saget nicht: „Es gibt eben Dinge, auf die der Erdenmensch keine Antwort weiß. Vielleicht soll er sie nicht finden. Wahrheit tötet. Denket an das verschleierte Bild zu Sais.“

Wenn Wahrheit tötet, dann ist es nicht die echte Wahrheit, sondern nur ein Trugbild. Wahrheit belebt, erhebt und beseligt. Sie tötet nur das Falsche, wo es ihr entgegentritt, aber niemals den Geist, die Seele des Menschen.

Und es gibt keine einzige Frage, die dem Menschen nicht gelöst werden könnte, wenn er nur ernstlich will. Klar und offen liegen Gottes Wege, Gottes Gesetze in der Schöpfung vor uns. Aus dem Kleinsten wie aus dem Größten treten sie uns entgegen. „Wer suchet, der findet“ sagte der Gottessohn. Sein Heilandswort gilt heute noch.

Suchet, Ihr Eltern, Ihr Erzieher, mit ernstem Mühen, mit redlichen Herzen, auf daß Ihr zu geben habt, wenn Eure Kinder fragend die Hände ausstrecken! Und Ihr werdet empfinden, daß Geben selig ist!

Das verschleierte Bild


zu Sais. Von Hermann Lohr


Im „verschleierten Bild zu Sais“ schildert uns Schiller das Schicksal eines ungeduldig nach der Wahrheit suchenden Jünglings. Der Oberpriester führt ihn vor ein verschleiertes Bild und verrät ihm, daß hinter dem Schleier die Wahrheit verborgen sei. Er verrät ihm auch das Orakel der Gottheit:

„Kein Sterblicher, sagt sie,

Rückt diesen Schleier, bis ich selbst ihn hebe.

Und wer mit ungeweihter, schuld’ger Hand

Den heiligen, verbotnen früher hebt,

Der, spricht die Gottheit - „Nun?“ „Der sieht

die Wahrheit!“


Den Jüngling schreckt das Orakel nicht. Sein ungestümer Forscherwille läßt ihn des Nachts alle Hemmungen vergessen, er hebt mit frevlerischer Hand den Schleier - und sieht die Wahrheit. Doch diese vernichtet ihn. Langsam siecht er dem Tode entgegen. Wird er gefragt, was er gesehen, ist seine Antwort:

„Weh dem, der zu der Wahrheit geht durch Schuld, sie wird ihm nimmermehr erfreulich sein!“

Es ist nicht Aufgabe der Dichtungen, zu lehren oder zu erklären. Sie schildert die Konflikte in welche der Mensch hineingeraten kann und das Schicksal, das sich daraus formt. Wollte sie mehr, wäre der Boden der Dichtungen verlassen.

Aufgabe des Lesers aber ist es, über die Dichtung nachzudenken, eine Lösung zu suchen. Wo liegt sie hier?

Abd-ru-shin sagt:

Ihr sucht die Wahrheit! Was ist Wahrheit? Was Ihr heute noch als Wahrheit fühlt, werdet Ihr morgen schon als Irrtümer erkennen, um in den Irrtümern dann später wieder Wahrheitskörner zu entdecken, denn auch die Offenbarungen ändern ihre Formen. So geht es für Euch fort in unentwegtem Suchen, doch in dem Wechsel werdet Ihr gereift!

Die Wahrheit aber bleibt sich immer gleich, sie wechselt nicht; denn sie ist ewig! Und da sie ewig ist, wird sie mit irdischen Sinnen, die nur Formenwechsel kennen, nie rein und wirklich zu erfassen sein!

Deshalb werdet „geistig“


Die dem Menschen erfaßbare Wahrheit ändert sich also mit seiner Reife: Der Mensch sieht alles entsprechend seinem eigenen Innenzustande. Je mehr er sich vom Lichte abwendet, desto schwärzer, abgründiger und dämonischer erscheint ihm die Natur, die ihm auch als einzige Wahrheit erscheint. Er sieht überall nur ein Fressen und Gefressenwerden!

Wollte er in diesem Zustande den Schleier lüften, was könnte er da anderes sehen als ein Inferno, gegen das die Ungeheuer der Tiefsee harmlos erscheinen. Und da der einzige Weg, der uns wirkliche Erkenntnis bringt, das Erleben ist, muß er von diesem Drachengewürm verschlungen werden in dem Augenblicke, da er den Schleier lüftet - wie der Jüngling.

Will aber ein Mensch sich entwickeln, strebt er - und nur so verdient er den Namen Mensch - stehen ihm zwei Wege offen: Der eine führt auf Erden über den Verstand zur „Selbstvollendung“, der andere über Demut und Empfinden zur „Vollendung im Gotteswillen“.

Geht er den ersten Weg, meidet er alles, was seine sogenannte ruhige Entwickelung stört. Er glaubt nur mathematisch Bewiesenes. Was darüber hinaus geht, wird nachsichtig lächelnd bezweifelt. Was elementar aus ihm herausbrechen könnte[ (gegen sich selbst, nicht gegen andere), ihn zum großen Kampfe und zur Überwindung, zum Siege führen könnte, dem geht er in seinem „Streben nach Kultur“ feige aus dem Wege. Worte wie „Nur der Irrtum ist das Leben, und das Wissen ist der Tod“ sind die Grundpfeiler seines Strebens. Er wird wie Schillers Kassandra gar nicht erleben, gar nicht schauen!

Am Schlusse seines Lebens aber hofft er noch auf unverdiente Erlösung, so wie Faust durch Gretchen.

Wer jedoch weiß, daß irdisches Wissen überhaupt kein Maßstab für den inneren Wert eines Menschen ist, im Gegenteil sehr oft zu geistigem Hochmut führt, wer weiß, daß es auf Herzensbildung ankommt, nicht auf Verstand, der geht den zweiten Weg, der wird demütig. Der Demütige weiß, daß er ein Nichts ist vor Gott. Und wer nie tief im Staube gelegen hat vor Gott, ist eines Aufstieges auch nie fähig.

Gott aber können wir nur finden auf dem Wege über seine Gesetze, über die Naturgesetze, eins mit der Natur!

Was wir von diesen bis heute gefunden haben, bejahen wir durch „Wissen“, unabhängig von unserm menschlichen Ich. Das heißt, es wurde ein Beweis geführt, der jedem Verstande einleuchtet, unser Inneres aber nicht bewegt. Alles andere Forschen wird überhaupt als unwissenschaftlich abgelehnt.

Dabei wurde aber jede große Erkenntnis von ihrem Entdecker zunächst geglaubt, mit seinem innersten Wesen bejaht, bebenden Herzens erlebt, und dann erst für die anderen Menschen verständlich so unterbaut, daß das Persönliche ausgeschaltet werden konnte.

Damit aber ist der lebendige Kontakt mit der Natur, das, was den Menschen mit ihr verbindet, unterbunden; deshalb stehen wir noch heute in den meisten Dingen als Fremde in der uns umgebenden Natur.

Der Mensch kann aber von ihr in Wirklichkeit nur soviel empfangen und aufnehmen, als er ihr selbst wieder spendet. Geben und Nehmen müssen im ganzen Weltall sich ausgleichen.

Wir aber haben Jahrhunderte und Jahrtausende nur genommen. Die Natur war uns ein Ausbeutungsobjekt. Ist es da zu verwundern, daß die Wesenhaften, die Formenden und Erbauenden in der Natur, uns zürnen? Kann uns da die Natur überhaupt anders erscheinen als dämonisch? Wir können sie doch immer nur so sehen, wie wir selbst sind!

Also haben wir uns selbst zu ändern, von Grund auf:

„Deshalb werdet geistig!“ Was heißt das?

Wer nicht verstehen kann, daß es dasselbe ist wie „Werdet wie die Kinder“, der lege diese Zeitschrift beiseite

Das Kind unterhält sich mit jeder Pflanze, spricht mit ihr, wie mit seinesgleichen. Es betrachtet sich als ein Teil seiner Welt, stellt sich ihr nicht als Ich gegenüber, sondern benennt sich selbst mit seinem Namen, genau wie es die Dinge seiner Umgebung mit ihrem Namen benennt.

Daß sich der Mensch als Ich der Natur entgegenstellte, das ist seine große Schuld! Nur der Schöpfer hat das Recht, sein göttliches Ich der Schöpfung gegenüber zu stellen.

Der Mensch hat durch diese Anmaßung nur die Wurzeln abgeschlagen, die ihm Kräfte aus der Natur hätten zuführen sollen. Jetzt kann er nicht mehr zusammenschwingen mit seiner Umwelt, sich nicht mehr als einen Teil der Natur empfinden.

Wohl soll er sein Ich entwickeln, doch nur, um bewußt zu tun, was die ihn umgebende Natur unbewußt tut, nämlich in Sehnsucht nach dem Lichte ganz aufgehen, sein Ich hingeben dem Du seines Schöpfers, sich selbst opfern und nicht sich selbst wollen!

Dann lüftet die Gottheit den Schleier durch Gnade. Aber erst, wenn der Mensch nicht mehr „wissen“ will, erst, wenn selbst der „Glaube“ ihm nur Stufe war, dann darf er „schauen“ Einblick nehmen ins geistige Reich.

Dann aber erfaßt ihn erst recht ein gewaltiges Sehnen, ein unendliches Heimweh, denn er empfindet die ganze Anziehungskraft der geistigen Welt. Ihre Größe macht ihn klein, ihre über allem Irdischen hoch erhabene Würde läßt ihn sich unwert erscheinen.

Hier fühlt er das falsche Schwingen des Verstandes in seiner ganzen Schwere, da er ihn weit hinter sich gelassen hat. Alles menschlich-irdische Wollen erscheint ihm nichtig, denn er ist im „Sein“! Sein Sprechen ist verstummt, da hier das Schweigen die beredteste Sprache ist. Sein Denken ist verdrängt durch das Schwingen im Gotteswillen.

Er befindet sich dauernd in wortlosem Gebet, da er sich anders hier nicht halten kann. Er ist geöffnet wie eine Blüte, und die Gnade erfüllt ihn ganz. Alles um ihn und er selbst in allem wogt in unbeschreiblicher Harmonie, in reinster Hingabe an Gott!

Will er, zurückgekehrt in den Alltag, anderen Menschen von geistigem Erleben erzählen, um ihnen zu helfen, da merkt er, daß seine Worte mehr verhüllen als erklären! -

Nur eines kann er von dort herüberretten, aber nur für sich ganz allein: Ein wortloses, empfindungsvollstes Dankgebet, daß er die Botschaft Abd-ru-shins auf Erden finden konnte und durch sie - die Wahrheit!





______

Zu dem Aufsatz

„Das Blut-Geheimnis

von Abd-ru-shin.


Von Hofrat Med. Dr. Leopold Ceipek.


Der Aufsatz über das Blutgeheimnis im ersten Heft der Zeitschrift „Die Stimme“ hat mich nicht nur als Mensch, sondern ganz besonders als Arzt tief erschüttert und bewegt. Wie ist es denn möglich gewesen, daß die medizinische Wissenschaft, die auf dem Gebiet der Blutforschung durch Jahrzehnte hindurch besonders eifrig tätig war, doch nur verhältnismäßig so geringe Ergebnisse gezeitigt hat, und die grundlegende Erkenntnis, daß das Blut „die Brücke bilde für die Tätigkeit des Geistes (der Seele) auf Erden“ und „der Geist das Menschenblut bildet“ erst von Abd-ru-shin so eindeutig und klar ausgesprochen und schon jetzt so einleuchtend begründet wurde.

Gewiß, wir wollen nicht ungerecht sein und die bisherigen Erfolge der rein verstandesmäßig betriebenen wissenschaftlichen Blutforschung nicht verkleinern. Sie hat die Beschaffenheit der zelligen Elemente des Blutes (rote und weiße Blutkörperchen, Blutplättchen) und ihre Veränderungen bei verschiedenen Krankheiten aufgedeckt, sie hat die chemische Zusammensetzung des Blutes und ihre Änderungen bei verschiedenen Erkrankungen erforscht, sie hat die Änderung der Gerinnbarkeit des Blutes bei verschiedenen Krankheltszuständen erkannt und Schlüsse zu ziehen gelehrt, sie hat die verschiedenen Blutgruppen zu unterscheiden gelernt, die Lehre von den allergischen Erkrankungen aufgestellt und so fort, aber trotzdem eröffnet sich erst jetzt durch Abd-ru-shins Lehre vom Blutgeheimnis eine ganz neue, grundlegende und in ihrer Tragweite noch gar nicht zu überblickende Erkenntnis, die uns wie durch ein plötzlich eröffnetes Tor dem Lichte zuführt. Allerdings ist seine These keine nur rein verstandesmäßig durch Denken allein zu erfassende, sondern sie verlangt auch Gefühl und Glauben für sich, also ein rein geistiges Erfassen.


Es ist daher anzunehmen, daß die rein verstandesmäßig betriebene Wissenschaft sich zu seiner neuen These wenigstens in der Mehrheit ablehnend verhalten wird, weil sie nur das anzuerkennen willens ist, was durch Wägung, Messung, Gesicht, Gehör, Geschmack etc., also mit den Sinnesorganen, erkannt und bewiesen werden kann, und damit ist wohl auch erklärt, daß erst ein sogenannter Außenseiter das große Tor zum Blutgeheimnis öffnen konnte.

Ich will nun im Folgenden versuchen, eine Brücke zu bauen und der verstandesmäßig betriebenen Forschung, indem ich mich möglichst auf ihren Standpunkt stelle, den Weg zur Einsicht zu erleichtern. Ich möchte das Blutgeheimnis sozusagen zur Debatte stellen und gleichzeitig zu erklären versuchen.

Es steht doch heute außer Zweifel, daß jeder menschliche Körper eine Eigenstrahlung hat. Diese Eigenstrahlung wurde bereits von verschiedenen Forschern erkannt und auch mit verschiedenen Apparaten gemessen, also physikalisch objektiv bewiesen. Es erhebt sich nur die große Frage, was ist der Träger dieser Eigenstrahlung, die bei jedem Einzelnen verschieden ist? Sind es die Organe und ihre Zellen, oder ist es das Blut? Ist es da nicht naheliegender, daß das Blut der Träger dieser Eigenstrahlung ist, welches durch die Pumpkraft des Herzens überallhin zu allen Zellen des Körpers gefördert wird, und das schon vermöge seiner flüssigen Beschaffenheit, also seines molekular leichteren Baues dazu wie geschaffen ist, als Träger für die schon an die feinstoffliche Lebensbetätigung gemahnende Eigenstrahlung zu dienen?

Es dürfte heute wohl niemand so rückständig sein, die Existenz der Seele, oder wie Abd-ru-shin sagt, des Geistes, des Geistigen im Menschen zu leugnen. Wenn wir nun den Geist, (die Seele) als die Triebfeder unseres Lebens annehmen, wir sprechen ja auch davon, daß man beim Sterben „seinen Geist aushaucht“ dann muß zwischen der Geistwelt und dem Körper, welcher der Grobstofflichkeit angehört, ein Bindeglied vorhanden sein, denn es ist unmöglich anzunehmen, daß die Welt des Geistes mit ihrer ganz anderen Artung direkt auf den der Grobstofflichkeit angehörenden Körper einwirken kann. Ist es da nicht sehr einleuchtend, das Blut als diese Brücke für die Tätigkeit des Geistes auf der Erde anzunehmen?

Abd-ru-shin führt als Begründung für den Zusammenhang zwischen Blut und Geist den Umstand an, daß das Blut nur in der Zeit zwischen Eintritt und Austritt des Geistes vorhanden ist, also während der Geist sich im Körper befindet. Eindeutig und nicht zu bezweifeln liegt die Sache hinsichtlich des Zeitpunktes des Austrittes des Geistes aus dem Körper. Mit dem eingetretenen Tod sind alle Schlagadern blutleer und nur in den Blutadern sind unbrauchbare und geronnene Blutreste vorhanden. Die Eröffnung einer Schlagader wird sogar, um deren Blutleere sicherzustellen, an der Leiche als untrügliches Mittel zur Unterscheidung des Scheintodes vom wirklichen Tod angewendet.

Schwieriger ist die Frage bezüglich des Eintrittes des Geistes in den Körper. Den wirklich vollkommen selbständigen, vom mütterlichen Kreislauf ganz getrennten Blutkreislauf bekommt das Kind erst mit dem Zeitpunkt der Abnabelung. Aber das schließt durchaus nicht aus, daß schon vorher, noch während des Zusammenhanges der Frucht mit dem mütterlichen Blutkreislauf im Mutterleib, im Zeitpunkt der Inkarnierung des Geistes inmitten der Schwangerschaft, außer dem mütterlichen Blut auch bereits das eigene Blut des neuen werdenden Menschenkörpers zu kreisen beginnt, nur läßt es sich nicht so strikt beweisen wie für den Zeitpunkt des Austrittes des Geistes beim Tod. Es war mir aber seit jeher widersinnig erschienen, daß der Zeitpunkt der Inkarnierung des neuen Geistes der Hebamme, oder der Person überlassen sein sollte, welche die Abnabelung des Kindes besorgt. Nein, die Inkarnierung des neuen Geistes erfolgt nach den wunderbaren und unverrückbaren Schöpfungsgesetzen inmitten der Schwangerschaft, wenn bei einem ganz bestimmten Entwicklungsstadium der Frucht auch das Geschlecht sich differenziert und die ersten Bewegungen einsetzen. Es ist durchaus möglich, daß in diesem Zeitpunkt auch das erstemal das eigene Blut in der Frucht zu kreisen beginnt. Mit der Abnabelung, da das Kind den ersten Atemzug macht und den ersten Schrei, wird es nur sichtbar von der Mutter selbständig.

Wenn wir nun annehmen, daß das Blut die Brücke zur Betätigung des Geistes in das Irdische darstellt, muß es natürlich fallweise für jeden Menschen eine ganz bestimmte und für die betreffende Seele geeignete Zusammensetzung haben und müssen diese Unterschiede sehr feine und ungeheuer vielfältige sein, so daß es sehr viel mehr Blutgruppen und Blutarten geben muß, als die vier bisher wissenschaftlich anerkannten. Uns Ärzten liegt nun begreiflicher Weise die Frage nahe, auf welche Weise und mit welchen Hilfsmitteln die so fein differenzierten Unterschiede und fehlerhaften Zusammensetzungen des Blutes erkannt werden können, um Abhilfe zu schaffen. Wir freuen uns und erwarten gespannt die von Abd-ru-shin für später noch in Aussicht gestellten ausführlichen Einzelheiten über das Blutgeheimnis.

Zur Tatsache, daß mit dem Erwachen der Sexualkraft auch das Blut eine ganz andere Zusammensetzung bekommen muß, möchte ich nur darauf hinweisen, daß um die Zeit der Pubertät häufig allerlei Unreinheiten der Haut (Wimmerln, Pickeln, Akne genannt) auftreten, die offenbar mit einem Reinigungs- oder Umänderungs-Prozeß im Blute zusammenhängen und dann von selbst wieder verschwinden.

Daß die verschiedenen Temperamente durch die verschiedenartige Blutzusammensetzung bedingt sind, darauf weist schon die Redensart hin von „schwerblütigen“ Menschen, die man für die Melancholiker gebraucht, also ein ganz klarer Hinweis auf die Blutbeschaffenheit.

Wenn die richtige Ausstrahlung des Blutes dem Geist erst die Möglichkeit zur richtigen Betätigung auf dem Wege des Körpers in das irdische Dasein gibt, dann müssen wir zunächst erst erkennen lernen, welche Ausstrahlungen diesem und jenem Menschen fehlen, und durch welche Speise und welchen Trank, allenfalls durch welche Heilmittel und seine Strahlung die fehlenden Ausstrahlungen ersetzt oder ergänzt werden können, um die beste Wirksamkeit des betreffenden Geistes auf den ihm zugewiesenen Körper zu erreichen. Sollte dies unmöglich sein? Denken wir dabei an die in alten Sagen immer wieder auftauchenden Berichte von Liebestränken. Durch den Trank wurde eine ganz bestimmte geistige (gefühlsmäßige) Einstellung erzielt. in den alten Sagen ruht uraltes, unverdorbenes Wissen aus den Kindheitstagen der Menschheit, das gewiß zu beachten ist.

Wenn es aber möglich ist, die Ausstrahlung des Blutes, nicht nur seine chemische und materielle Beschaffenheit durch geeignete Speise und Trank und allfällige Heilmittel zu beeinflussen, dann eröffnen sich uns Ärzten ungeahnte neue Wege zur Erlösung der Menschen von vielen Übeln, denen wir bisher vielfach ratlos gegenüberstanden. Vielleicht kommt da auch der neue, heißersehnte Weg zur Befreiung der Menschen von der schweren Geißel der Krebserkrankung. Es sind schon verschiedene ärztliche Stimmen laut geworden, welche allerdings noch in grob materieller Auffassung eine Übersäuerung des Blutes als Disposition (Anfälligkeit) zur Krebserkrankung annehmen.


Abd-ru-shin deutet in seinem Aufsatz in interessanter und klar einleuchtender Weise nur an, daß uns in Hinkunft die Verhinderung von spukhaften Begebenheiten, die Heilung von sogenannten „Besessenen“ und „geistig zurückgebliebenen“ Kindern gelingen müßte.


Die Volks-Hygiene der Zukunft würde sich auch ganz anders gestalten, wenn wir die Möglichkeit gewinnen, durch die richtige Handhabung der Gesetze des neuen, von Abd-ru-shin aufgestellten Blutgeheimnisses den Völkern in Harmonie mit dem göttlichen Walten das Aufblühen zu herrlichstem Wollen und Können in friedvollem Lichtzustreben zu schenken. Welcher Arzt wollte da abseits stehen und nicht mit allen seinen Kräften mithelfen wollen an dieser „unblutigen“ Erneuerung der Menschheit durch das Geheimnis des Blutes.





Emanuel Swedenborg

als ein Wegbereiter Abd-ru-shins.


Von Karl Linkelmann..



I.


Der erste Minister Schwedens (z. Zt. Swedenborgs Graf Hoepken) an General Tuxen:

„Wenn der Fall vorkäme, einen neuen Staat zu gründen, so wäre keine Religion geeigneter, ihm Kraft und Beständigkeit zu sichern, als die von Swedenborg bekanntgemachte. Und zwar aus zwei Gründen: Erstens, weil diese Religion, mehr als jede andere, ehrliche und fleißige Bürger heranzubilden strebt, denn sie lehrt, daß die Gottesverehrung im Leben und in den guten Werken besteht Dann aber schwächt sie die Angst vor dem Tod.

Die Lehre der neuen (swedenborgischen) Kirche ist klarer und für die Vernunft befriedigender als jede andere. Sie ist unvereinbar mit Fanatismus und Aberglauben jeder Art, diesen bösen Geißeln der Welt. Endlich finde ich in seinem System eine Einfachheit, einen Zusammenhang, eine Logik, wie sie ganz dem gleichen, was ich überall in der Natur, das heißt in den Werken Gottes, finde.“

Der heutige Mensch hat im allgemeinen keine lebendige Beziehung zum „Jenseits“ zum Fortleben nach dem Tode und - wenn er ehrlich ist - auch meist nicht zu Gott. Denn trotz aller intellektuellen Bemühungen läßt sich eines nicht vom anderen trennen. Die große Mehrheit läßt diese Fragen „dahingestellt“. Wenn sie guten Sinnes sind, tun sie irdisch ihre Pflicht und wundern sich dann sehr, wenn sie am Ende sehen - und fast alle müssen es sehen -, daß diese ihre Auffassung weder für ihr eigenes, noch das Familien- und das Volks- und Völkerleben zureichend ist.


Durch Eigenwünschen und Mißtrauen zersetzt - das bleibt schließlich für die meisten menschlichen Beziehungen festzustellen. Das kennzeichnet ganz besonders das Verhältnis der Völker zueinander, das heute dem Einzelnen nicht fern ist und gleichgültig sein kann, sondern von dem unser aller Dasein unmittelbar abhängt.


In Zeiten, in denen viele diese Fragen „dahingestellt“- sein lassen, gibt es auch besonders viele, die auf materiell - sinnliche Weise sich eine Gewähr über das Jenseits beschaffen wollen: Spiritisten und die große Zahl ihrer Anhänger und Mitläufer! Ihre meist niedrige Sinnesart ergibt sich aus ihrer mehr oder weniger bewußten Einstellung, die Frage nach dem Jenseits, dem Fortleben nach dem Tode und schließlich nach Gott von dem Gelingen oder Nichtgelingen spiritistischer Experimente abhängig zu machen.


Wen diese Lage wenigstens beunruhigt, wer die letzten Fragen nicht einfach „dahinstellen“ kann, für den aber auch der Spiritismus keine Lösung bietet, der wird dankbar sein, daß kürzlich auch in deutscher Sprache ein deutsches Buch über den vielleicht größten »Seher« unserer Zeit Emanuel Swedenborg erschienen ist.

Emanuel Swedenborg, geboren 1688 in Stockholm, hat über fünfzig Jahre ein ausschließlich wissenschaftliches Leben geführt und zwar nicht nur als Biologe (er war im Hauptberuf Bergrat), sondern auch als Mathematiker, Astronom, Kosmolog, Physiker, Mechaniker, Anatom, Physiologe ( dazu auch Biolog und Psychologe.

Auf fast allen dieser Gebiete hat er wissenschaftliche Werke veröffentlicht und Anregungen gegeben. Er hatte sich zunächst auf rein wissenschaftlicher Grundlage bereits einen bedeutenden Namen verschafft.

Erst um das Jahr 1743 wurden ihm seine geistigen Augen geöffnet. Er fing an übernormale seelische Zustände an sich zu beobachten und auf übernormale Weise zu „sehen“. Das, was er erlebte und „sah“, stellte er auf die gleiche objektive und wissenschaftliche Art und Weise dar, wie er es in seinen früheren materiell wissenschaftlichen Werken getan hatte.

Seine übernormalen Fähigkeiten sind unbestreitbar erwiesen. Einer der erstaunlichsten und nachgewiesenen Vorgänge ist seine zutreffende Schau des großen Brandes in Stockholm, während er sich in Gotenburg befand (1759). Dieser Vorgang ist auch von Kant zweimal berichtet worden, einmal in den „Träumen eines Geistersehers“.

„Ich sehe voraus“, sagt Swedenborg, „daß viele die das Folgende lesen, besonders die Berichte nach den Kapiteln dieses Buches, solches für Erfindungen der Einbildungskraft halten werden. Ich versichere jedoch wahrheitsgemäß, daß das nicht erfundene Dinge sind, sondern solche, die wirklich stattgefunden haben und gesehen worden sind, nicht etwa in einem gewissen geistigen Schlummerzustand, sondern bei vollem Wachbewußtsein.“

Geymüller setzt hinzu: „Swedenborg erklärt seine Visionen ganz logisch: Durch die Öffnung der Sinne seines Geistes kam er in Beziehung zu der übersinnlichen Welt; mit andern Worten, er kam in Berührung mit einer Wirklichkeit eigener Art durch Vermittlung von Organen, die für diesen Zweck bestimmt sind. Diese Organe besitzen wir alle, aber wir können uns normalerweise ihrer nicht bedienen.“

Swedenborg gelangte auf Grund der Öffnung seiner geistigen Sinne in eine völlig bewußte Beziehung zu den abgeschiedenen Geistern. Er hat umfangreiche, exakt wissenschaftliche Berichte darüber veröffentlicht.

Seine Lehre vom Jenseits faßt Geymüller mit folgenden Worten Swedenborgs zusammen:

1. „Der Mensch ist ein mit einem Leib bekleideter Geist“,

2. „Jeder Mensch ist ein Geist seinem Inneren nach“,

3. „Um das Innere des Menschen zu erkennen, muß man wissen, daß es einen inneren und äußeren Menschen gibt Der innere Mensch befindet sich in der geistigen Welt, und der äußere Mensch in der natürlichen Welt. Somit ist auch jener im Licht des Himmels, dieser im Licht der Welt.

Ferner muß man auch wissen, daß der innere Mensch in der Weise verschieden ist vom äußeren Menschen, daß jener, da er früher und innerlich ist, ohne diesen bestehen kann, während dieser (oder der äußere), da er später und äußerlich ist, ohne jenen nicht bestehen kann.“

4. „Der Mensch, dem Äußeren nach, kann nur bestehen gemäß dem Inneren und mittels des Inneren. Der innere Mensch seinerseits kann nur bestehen gemäß dem Himmel und mittels des Himmels, wie auch der Himmel seinerseits nicht sich selbst gemäß besteht, sondern nur gemäß dem Herrn, der allein sich selbst gemäß besteht Nach dem Dasein und nach dem Bestehen findet der Einfluß statt; denn alle Dinge bestehen durch ein Einfließen . ., das ausgeht vom Herrn . . . Mittelbar durch die geistige Welt hindurch“.

5. „Sie (die Engel und die Geister) sind zugleich beim Menschen, verbunden mit den Gemütsregungen und dem Denken seines Geistes, denn der Mensch ist ein Geist; nach dem Geist denkt und will er. Die geistige Welt ist also da, wo der Mensch ist und durchaus nicht entfernt von ihm. Kurz, jeder Mensch ist hinsichtlich des Inneren seines Geisteswesens in jener Welt inmitten der Geister und der Engel, die dort sind, und er denkt nach dem Licht dieser Welt und liebt nach der Wärme dieser Welt.“

Gleichzeitig ist Swedenborg sich über die Gefahr des Spiritismus und den religiösen Unwert der Geisterbeschwörung völlig im klaren.

Über den üblichen Begriff der geistigen Welt und ihre tatsächliche Wirklichkeit sagt er:

„Ehe mir der (geistige) Blick geöffnet war, konnte ich von den unzähligen Dingen, die im anderen Leben erscheinen, kaum eine Vorstellung hegen, die verschieden von der der anderen Menschen gewesen wäre.

So dachte ich, das Licht und alles, was sein Dasein aus dem Licht zieht, mit Ausnahme der empfindenden Wesen, könne in keiner Weise im anderen Leben vorhanden sein, und zwar dies infolge der vorgefaßten Wahnvorstellung, die die Gelehrten über das Immaterielle ausgeheckt haben und die sie mit so großer Entschiedenheit auf die Geister und alles, was ihr Leben angeht, anwenden, daß nie ein anderer Begriff herauskommen konnte, als daß eben der Geist, weil er immateriell sei, etwas dermaßen Dunkles sei, daß er durch keine Vorstellung gefaßt werden könne, oder daß er eine Art Nichts sei.

Denn darauf kommt dieses „Immaterielle“ hinaus, während es doch gerade das Gegenteil ist. Denn wirklich, wenn die Geister keine Organe hätten, und die Engel nicht organische Substanzen wären, so könnten sie ja weder sprechen, noch sehen, noch denken.“

„In der geistigen Welt, oder der Welt, in der die Geister und Engel sind, erscheinen Dinge, ganz ähnlich denen, die in der natürlichen Welt sind, oder

in der Welt, in der die Menschen sind, ja so ähnlich, daß kein Unterschied besteht in Bezug auf ihren äußeren Anblick. Es erscheinen daselbst Ebenen, Berge, Hügel und Felsen und zwischen ihnen Täler. So auch Gewässer und viele andere Dinge, die auf Erden sind.

Dennoch sind diese Dinge geistigen Ursprungs. Daher erscheinen sie auch vor den Augen der Geister und Engel, und nicht vor den Augen der Menschen, weil diese in der natürlichen Welt sind. Nun sehen aber die geistigen Wesen die Dinge, die geistigen Ursprungs sind, und die natürlichen die, die natürlichen Ursprungs sind.

Der Mensch kann also mit seinen Augen durchaus nicht die Dinge sehen, die in der geistigen Welt sind, wofern es ihm nicht gegeben ist, im Geist

zu sein, oder es sei nach seinem Tod, wenn er ein Geist wird. Umgekehrt können auch der Engel und der Geist nichts in der natürlichen Welt sehen, es sei denn, daß sie bei einem Menschen seien, dem es gegeben ist, mit ihnen zu sprechen.

In der Tat sind die Augen der Menschen eingerichtet zur Aufnahme des Lichtes der natürlichen Welt und die Augen der Geister und Engel eingerichtet zur Aufnahme des Lichts der geistigen Welt, und doch haben beide dem Anschein nach ganz ähnliche Augen. Daß die geistige Welt so ist, kann der natürliche Mensch nicht verstehen, geschweige denn der sinnliche Mensch, das heißt der, der nur glaubt, was er mit seinen körperlichen Augen sieht und mit seinen Händen tastet, somit was er mit dem Gesichtssinn und dem Tastsinn gefaßt hat. Denn danach denkt der sinnliche Mensch, und das macht, daß sein Denken materiell und nicht geistig ist.

Da nun die Ähnlichkeit der übersinnlichen und der natürlichen Welt derart ist, so weiß der Mensch nach seinem Tod es kaum anders, als daß er in der Welt ist, in der er geboren wurde und aus der er geschieden ist. Aus diesem Grund heißt auch der Tod einfach Übergang aus einer Welt in eine andere Welt.“


Nach Swedenborg ist, wie Geymüller ausführt, die Geisterwelt ein Mittelglied zwischen Gott und der materiellen Welt Sie ist die zugleich „formale“ und „wirkende“ Ursache der physischen Welt, die „Welt der Ursache“ , während die natürliche Welt der „Schauplatz der Wirkungen“ ist.

Es kann nach Swedenborg nur eine Ursache des Lebens und der Energie geben: das Göttliche!

Leben und Energie können nicht geschaffen, sondern nur übertragen werden. Die Richtung der Strömung geht immer nach abwärts, gleichsam vom höheren Potential zum schwächeren. Darum vollzieht sich das Einfließen vom Göttlichen ins Geistige und von da ins Natürliche und nicht umgekehrt.

Die geistige Welt ist eine Art Konduktor und Transformator für die vom Göttlichen ausgehende Energie. Ohne sie könnte es keine physische Schöpfung irgendwelcher Art geben, und wenn sie verschwinden sollte, so würde die materielle Welt spurlos vergehen.

Die Geister stehen nach Swedenborg in Gemeinschaft „nicht nach gleichsam geographischen Verhältnissen, sondern nach den Gesetzen einer gewissen Wahlverwandtschaft Es sind die inneren seelischen Zustände, die im anderen Leben den „Ort“ bestimmen, und daher kommt es, daß diejenigen, die in demselben geistigen Zustand sind, auch den gleichen Ort bewohnen.“

„Nun ist jeder Mensch dem Geiste nach in der geistigen Welt. Daraus folgt, daß er dort irgendeine Stelle einnehmen muß. So lehrt Swedenborg, daß unser Geist schon vor dem Tod des materiellen Körpers denselben übersinnlichen Gesetzen unterworfen ist wie nachher. In dieser Hinsicht ist kein eigentlicher Unterschied zwischen Menschen und Geistern. Daraus folgt, daß unsere Seelen unter der Herrschaft des Gesetzes einer seelischen Wahlverwandtschaft - das man auch das Gesetz der geistigen Anziehungskraft nennen könnte - mit Gesellschaften von Geistern verbunden sind, die im selben seelischen Zustand sind wie wir.“

„Dem Menschen sind Geister zugeordnet, die so sind wie er selbst in Hinsicht auf Gefühl und Liebe, . . . immerhin wechseln die Geister beim Menschen nach seinen wechselnden Gemütsbewegungen.. . . Wenn die Menschen sich selbst lieben oder den Gewinn, die Rache, den Ehebruch, so sind bei ihnen gleichgeartete Geister, die gleichsam in ihren schlechten Neigungen wohnen.“

„Um den Menschen herum gibt es gewisse Sphären, die aus der geistigen Welt kommen und die seinem Leben entsprechen; durch diese Sphären ist der Mensch in Gemeinschaft mit Geistern von ähnlicher Gemütshaltung. Daher gibt es viele Dinge, die ein Mensch, der alles der Natur zuschreibt, entweder leugnet oder einer verborgeneren Natur zuweist.“

„Die geistige Sphäre beim Menschen oder beim Geist ist die Ausstrahlung aus dem Leben seiner Liebe, an der man schon von ferne merkt, wie er beschaffen ist. Im anderen Leben sind alle verbunden nach den Sphären, selbst die Gesellschaften unter sich, und alle sind auch getrennt nach den Sphären; denn die entgegengesetzten Sphären stoßen sich gegenseitig ab. Daher sind die Sphären der Liebe zum Bösen alle in der Hölle und die Sphären der Liebe zum Guten alle im Himmel, somit auch diejenigen, die sich in diesen befinden.“

„Jeder Geist und noch mehr jede Gesellschaft hat die Sphäre ihres Glaubens und Lebens um sich. Diese Sphäre ist geistiger Art. Aus ihr wird die Art des Geistes, und noch mehr die der Gesellschaft, erkannt, denn sie wird von denen, die die Fähigkeit haben, manchmal auf ziemlich große Entfernungen wahrgenommen, auch wenn diese im Verborgenen sind und sich nicht mitteilen durch Denken oder Sprechen. Diese geistige Sphäre kann mit der materiellen verglichen werden, die den Leib des Menschen in der Welt umgibt, und die die Sphäre der von ihm ausgehenden Ausdünstungen ist und vom feinen Geruchsinn gewisser Tiere gerochen wird.

Nach dem Gesagten kann man auch sehen, daß rein nichts von dem, was der Mensch in dieser Welt gedacht, gesprochen oder getan hat, verborgen bleibt, daß alles offen daliegt; denn das macht eben diese Sphäre aus. Eine solche Sphäre geht vom Geist des Menschen auch aus, wenn er im Leib in der Welt ist. Aus ihr wird auch erkannt, wie er ist. Man glaube also ja nicht, daß die Dinge, die der Mensch im geheimen denkt und tut, geheim seien“ . . .

Wenn auch das Geistesleben nach Swedenborg die Ursache des irdischen Lebens ist, Ursache des Geisteslebens aber Gott, so ist doch deshalb nicht etwa die ganze Schöpfung göttlich.

„Das Weltall, das ein Bild Gottes ist, und darum Gottes voll, konnte nur in Gott durch Gott erschaffen werden.

Denn Gott ist das Sein selbst, und vom Sein kommt, was ist. Aus dem Nichts, das nicht ist, das schaffen was ist, ist ein vollständiger Widerspruch. Trotzdem aber ist, was in Gott durch Gott erschaffen worden ist, nicht eine stetige Entwicklung Gottes, denn Gott ist das Sein an sich, und in den geschaffenen Dingen ist nichts vom Sein an sich. Gäbe es in den geschaffenen Dingen etwas vom Sein an sich, so wäre das eine Entwicklung Gottes, eine Entwicklung Gottes aber ist Gott“

Geymüller sagt dazu: ,,Gott ist also in Bezug auf die Schöpfung zugleich immanent und transzendent. Sagt man statt Gott Ursache und statt Schöpfung Wirkung, so versteht man das leichter. Der Pantheismus bejaht die Immanenz Gottes und verneint seine Transzendenz. Swedenborg widerlegt den Pantheismus folgendermaßen:


„Obwohl das Göttliche in allen Dingen und in jedem einzelnen Ding der geschaffenen Welt ist, so ist doch in ihrem Sein nichts Göttliches an sich, denn die geschaffene Welt ist nicht Gott: aber sie ist durch Gott; und weil sie durch Gott ist, so hat sie das Bild Gottes in sich, wie das Bild des Menschen in einem Spiegel ist, in dem zwar der Mensch erscheint, in dem aber nichts vom Menschen ist.“

II.


Wir sind heute gewohnt, unser eigenes Denken und Wollen, überhaupt unser geistiges Leben, als ein Geschehen im abgeschlossenen Raum zu betrachten. Zwar räumen die Psychologen dem „Unbewußten“ einen erheblichen Platz ein; in diesem „Unbewußten“ sollen auch die ererbten Erfahrungen der Vergangenheit ruhen und hin und wieder in das Bewußtsein übertreten, fremd ist ihnen aber die Vorstellung, daß auf unser ganzes Denken und Wollen fortwährend außer uns bestehende geistige Kräfte einwirken.

Die meisten Leser Swedenborgs werden daher, wie er selbst voraussieht, geneigt sein, seine „Visionen“ für Phantasien zu halten. Einige werden aber vielleicht, beeindruckt von der Exaktheit und nüchternen Bewußtheit seines Wesens, Zweifel an der Richtigkeit ihrer Vorstellung über das geistige Leben verspüren.

Wenn diese nunmehr greifen zu der Lehre des heute lebenden Oskar Ernst Bernhardt (Schriftstellername Abd-ru-shin), so mag für manche die Darstellung Emanuel Swedenborgs als eine Einführung dienen.



Die Lehre Abd-ru-shins ist zwar so einfach und klar, daß sie von allen Menschen, die weder an Dogmen der Kirche, noch aber auch an die noch verderblicheren Dogmen des Verstandes gebunden sind, ohne jede Einführung erfaßt werden kann. Da jedoch die meisten Menschen, ohne es zu wissen, sich durch Verstandesdogmen ihren Gesichtskreis verengt haben, so wird die Zahl derer nicht gering sein, deren Gesichtskreis durch Emanuel Swedenborg erst erweitert werden muß, ehe sie die Schöpfungsgesetze Abd-ru-shins erfassen können.

„Darstellung der Schöpfungsgesetze“ - so wird die Lehre Abd-ru-shins am besten kurz bezeichnet - der Gesetze über die gesamte Schöpfung, nicht nur den grobstofflichen, sondern auch den für Erdenmenschen unsichtbaren Teil.

Die mit unseren körperlichen Augen auch mittels der schärfsten Instrumente - nicht sichtbaren und ganz anders gearteten Teile der Schöpfung können von uns „gesehen“ werden, wenn unsere geistigen Sinne dafür geöffnet sind. Diese Sinne haben wir alle, wenn auch nur wenigen es gegeben wird, sie lebendig gebrauchen zu können. Gerade diese Lehre Swedenborgs läßt seine Feststellungen auch mit der Kant'schen Erkenntnistheorie vereinbar erscheinen.

Es ist nun wunderbar zu sehen, wie weitgehend Swedenborg mit Abd-ru-shin übereinstimmt, ja, daß vieles von ihm „Gesehene“ erst durch die Lehre Abd-ru-shins seinen rechten Platz erhält. Einige Auszüge aus Abd-ru-shins Vorträgen mögen dies zeigen:

„Es gibt keine Trennung zwischen dem Diesseits und dem sogenannten Jenseits, sondern alles ist nur ein einziges großes Sein. Die ganze gewaltige den Menschen sichtbare und unsichtbare Schöpfung greift wie ein erstaunlich geschickter, nie versagender Mechanismus ineinander, geht nicht nebeneinander. Einheitliche Gesetze tragen das Ganze, die Nervensträngen gleich alles durchdringen, zusammenhalten, und sich gegenseitig in steter Wechselwirkung auswirken!

Wenn die Schulen und Kirchen nun dabei von Himmel und Hölle sprechen, von Gott und dem Teufel, so ist das richtig. Falsch aber ist eine Erklärung von guten und bösen Kräften. Das muß jeden ernsthaft Suchenden sofort in Irrtümer und Zweifel stürzen; denn wo zwei Kräfte sind, müßten logisch auch zwei Herrscher, in diesem Falle also zwei Götter sein, ein guter und ein böser.

Und das ist nicht der Fall!

Es gibt nur einen Schöpfer, einen Gott, und deshalb auch nur eine Kraft, die alles Seiende durchströmt, belebt und fördert!

Diese reine, schöpferische Gotteskraft durchfließt fortwährend die ganze Schöpfung, liegt in ihr, ist untrennbar von ihr. Überall ist sie zu finden: in der Luft, in jedem Wassertropfen, in dem wachsenden Gestein, der strebenden Pflanze, dem Tier und natürlich auch dem Menschen. Es gibt nichts, wo sie nicht wäre.

Und wie sie alles durchflutet, so durchströmt sie auch ohne Unterlaß den Menschen. Dieser ist nun derart konstruiert, daß er einer Linse gleicht. Wie eine Linse die sie durchströmenden Sonnenstrahlen sammelt und konzentriert weiterleitet, so daß die wärmenden Strahlen auf einen Punkt sich vereinigend sengen und zündend Feuer entflammen, so sammelt der Mensch durch seine besondere Beschaffenheit die durch ihn strömende Schöpfungskraft durch seine Empfindung und leitet sie konzentriert weiter durch seine Gedanken.

Je nach der Art dieses Empfindens und der damit zusammenhängenden Gedanken lenkt er also die selbsttätig wirkende schöpferische Gotteskraft zu guter oder zu böser Auswirkung!

Und das ist die Verantwortung, die der Mensch tragen muß!

Ihr, die Ihr oft so krampfhaft sucht, den rechten Weg zu finden, warum macht Ihr es Euch so schwer? Stellt Euch in aller Einfachheit das Bild vor, wie die reine Kraft des Schöpfers durch Euch fließt und Ihr sie lenkt mit Eueren Gedanken nach der guten oder nach der schlechten Richtung. Damit habt Ihr ohne Mühe und ohne Kopfzerbrechen alles! Überlegt, daß es an Euerem einfachen Empfinden und Denken liegt, ob diese gewaltige Kraft nun Gutes oder Übles hervorrufen wird. Welche fördernde oder verderbenbringende Macht ist Euch damit gegeben!“

Über das Gesetz der Wechselwirkung sagt er:

„Die Menschen reden von verdientem und unverdientem Schicksal, von Lohn und Strafe, Vergeltung und Karma.

Das alles sind nur Teilbezeichnungen eines in der Schöpfung ruhenden Gesetzes: Das Gesetz der Wechselwirkung!

Ein Gesetz, das in der ganzen Schöpfung von Urbeginn an liegt, das in das große, nimmer endende Werden unlösbar hineingewoben wurde, als ein notwendiger Teil des Schaffens selbst und der Entwickelung. Wie ein Riesensystem feinster Nervenfäden hält und belebt es das gewaltige All und fördert dauernde Bewegung, ein ewiges Geben und Nehmen!

Einfach und schlicht, und doch so treffend hat es der große Wahrheitsbringer Christus Jesus schon gesagt:

Was der Mensch säet, das wird er ernten!“

Die wenigen Worte geben das Bild des Wirkens und Lebens in der ganzen Schöpfung so glänzend wieder, wie es kaum anders gesagt werden kann. Ehern eingewebt ist der Sinn der Worte in dem Sein, unverrückbar, unantastbar, unbestechlich in der fortwährenden Auswirkung.

Ihr könnt es sehen, wenn Ihr sehen wollt! Beginnt damit bei der Beobachtung der Euch jetzt sichtbaren Umgebung. Was Ihr Naturgesetze nennt, sind ja die göttlichen Gesetze, sind des Schöpfers Wille. Ihr werdet schnell erkennen, wie unentwegt sie sich in dauernder Betätigung befinden; denn so Ihr

Weizen säet, werdet Ihr nicht Roggen ernten, und so Ihr Roggen streut, kann Euch nicht Reis erstehen!

Das ist jedem Menschen so selbstverständlich, daß er über das eigentliche Geschehen dabei gar nicht nachdenkt. Er wird sich deshalb des darin ruhenden strengen und großen Gesetzes gar nicht bewußt. Und doch steht er dabei vor der Lösung eines Rätsels, das ihm kein Rätsel zu sein braucht.

Das gleiche Gesetz nun, das Ihr hierbei zu beobachten vermögt, wirkt sich mit derselben Sicherheit und Stärke auch in den zartesten Dingen aus, die Ihr nur durch Vergrößerungsgläser zu erkennen fähig seid, und noch weitergehend in dem feinstofflichen Teile der ganzen Schöpfung, der der weitaus größere ist. In jedem Geschehen liegt es unabänderlich, auch in der zartesten Entwicklung Euerer Gedanken, die ja auch eine gewisse Stofflichkeit haben, da sie sonst keine Wirkung hervorzubringen vermöchten.

Wie konntet Ihr wähnen, daß es gerade dort anders sein soll, wo Ihr es anders haben möchtet? Euere Zweifel sind in Wirklichkeit weiter nichts als ausgesprochene innere Wünsche!

Es ist in dem ganzen Euch sichtbaren und unsichtbaren Sein nicht anders, als daß jede Art die ihr gleiche Art bringt, gleichviel von welchem Stoffe. Ebenso fortdauernd ist das Wachsen und Werden, Früchte bringen und die gleiche Art gebären. Dieses Geschehen geht einheitlich durch alles, macht keine Unterschiede, läßt keine Lücke, hält nicht vor einem anderen Teile der Schöpfung an, sondern trägt die Wirkungen hindurch wie einen unzerreißbaren Faden, ohne abzusetzen oder abzubrechen.

Wenn sich auch der größte Teil der Menschheit in ihrer Beschränkung und Einbildung von dem Weltall isolierte, die göttlichen oder Naturgesetze haben deshalb nicht aufgehört, sie als dazu gehörig zu betrachten, und in unveränderter Art ruhig und gleichmäßig weiter zu arbeiten.“

Über die Stellung des Menschen in der Schöpfung sagt er genauer:

„Der Mensch soll in Wirklichkeit nicht nach den bisherigen Begriffen leben, sondern mehr Empfindungsmensch sein. Dadurch würde er ein zur Fortentwicklung der ganzen Schöpfung notwendiges Bindeglied bilden.

Weil er das Feinstoffliche des Jenseits und das Grobstoffliche des Diesseits in sich vereinigte, war es ihm möglich, beides zu überschauen, beides gleichzeitig zu erleben. Dazu stand ihm noch ein Werkzeug zur Verfügung, das ihn an die Spitze der gesamten grobstofflichen Schöpfung stellte: Der Verstand. Mit diesem Werkzeuge vermochte er zu lenken, also zu führen.

Verstand ist das höchste Irdische und soll das Steuer sein durch das Erdenleben, während die treibende Kraft die Empfindung ist, die der geistigen Welt entstammt. Der Boden des Verstandes ist also der Körper, der Boden der Empfindung aber ist der Geist.

Der Verstand ist an Raum und Zeit gebunden, wie alles Irdische, demnach nur ein Produkt des Gehirnes, das zum grobstofflichen Körper gehört. Der Verstand wird sich niemals raum - und zeitlos betätigen können, trotzdem er an sich feinstofflicher als der Körper ist, aber doch noch zu dicht und schwer, um sich über Raum und Zeit zu erheben. Er ist also vollkommen erdgebunden.

Die Empfindung aber (nicht das Gefühl) ist raum - und zeitlos, kommt deshalb aus dem Geistigen.

So ausgerüstet, konnte der Mensch innig verbunden sein mit dem Feinstofflichsten, ja sogar Fühlung haben mit dem Reingeistigen selbst, und doch inmitten alles Irdischen, Grobstofflichen leben und wirken. Der Mensch allein ist in dieser Weise ausgestattet.

Er allein sollte und konnte die gesunde, frische Verbindung geben als die einzige Brücke zwischen den feinstofflichen und lichten Höhen, und dem grobstofflichen Irdischen! Durch ihn allein in seiner Eigenart konnte das reine Leben vom Lichtquell herab in das tiefste Grobstoffliche und von diesem wieder hinauf in herrlichster, harmonischer Wechselwirkung pulsieren! Er steht verbindend zwischen beiden Welten, so daß durch ihn diese zu einer Welt geschmiedet sind.

Er erfüllte jedoch diese Aufgabe nicht. Er trennte diese beiden Welten, anstatt sie fest vereinigt zu erhalten. Und das war nun der Sündenfall ! -“



Swedenborg stellt die feinen stofflichen Teile der Schöpfung als die Ebenen der Ursachen dem grobstofflichen Teil als die Ebene der Wirkung gegenüber. Abd-ru-shin geht in diesem Punkte weiter. Zwar können auch nach seiner Lehre wohl die feiner stofflichen Teile der Schöpfung als Ebene der Ursachen gegenüber dem grobstofflichen Teil bezeichnet werden, es findet aber außerdem eine Wechselwirkung, ein Rückströmen von dem grobstofflichen Teil auf die anderen Teile zurück, statt.

Ich glaube, daß viele die einfache Schilderung dieses Verhältnisses durch Abd-ru-shin als einleuchtender und lebendiger nachempfinden werden und diese werden dann auch seiner Lehre folgen können, daß das „Unterbinden dieses Wechselstromes Verwirrung und Erkrankung bringen muß, die sich zuletzt in Katastrophen löst.“



Wer einmal mit Swedenborg den Schritt getan hat, daß er das Vorhandensein anders stofflicher Ebenen der Schöpfung wenigstens nicht für ausgeschlossen hält, der wird es auch hinnehmen können, daß beide, Swedenborg und Abd-ru-shin, von andersstofflichen Landschaften und Gegenden sprechen, ja, daß Abd-ru-shin sogar das Bestehen einer geistigen, trotzdem aber „wirklichen“ Burg, einer Gralsburg, lehrt.

Völlig einig ist Abd-ru-shin mit Swedenborg darüber, daß das Sehen der anders-stofflichen Ebene abhängig ist von der Öffnung der anders-artigen Sinne, sowie auch darüber, daß diese Öffnung nicht gewaltsam erfolgen darf. Auch Abd-ru-shin betont in deutlichster Weise die Gefahr der okkulten Schulung.

„Wie nun hier“ ( auf Erden) „unser grobstofflicher Körper empfindsam ist gegen seine Umgebung gleicher Art, die er dadurch sehen, hören und fühlen kann, genau so ist es in den Schöpfungsteilen, deren Beschaffenheit der unseren nicht ähnlich ist. Der feinstoffliche Mensch in dem sogenannten Jenseits fühlt, hört und sieht nur seine gleichartig feinstoffliche Umgebung, der höhere geistige Mensch kann wiederum nur seine geistige Umgebung fühlen.

So kommt es vor, daß mancher Erdenbürger hier und da auch schon mit seinem feinstofflichen Körper, den er ja in sich trägt, die Feinstofflichkeit sieht und hört, bevor die Trennung von dem grobstofflichen Erdenkörper durch dessen Absterben erfolgt. Es ist darin durchaus nichts Unnatürliches.“

Abd-ru-shin erklärt aber noch eingehender mit den Worten:

„Aber die Frage, ob okkulte Schulung anzuraten ist, muß mit einem absoluten „Nein“ beantwortet werden. Okkulte Schulung, zu der im allgemeinen die Übungen zur Erlangung vom Hellsehen, Hellhören usw. zählen, ist ein Hemmnis zur inneren freien Entwicklung und zum wirklichen geistigen Aufschwunge. Was damit großgezogen werden kann, darunter verstand man in der Vorzeit die sogenannte Magie, sobald die Schulung einigermaßen günstig verlaufen war.

Es ist ein einseitiges Vorwärtstasten von unten nach oben, wobei der sogenannte Erdenbann nie überschritten werden kann. Es wird sich bei allen diesen eventuell zu erreichenden Vorkommnissen immer nur um Dinge niederer und niederster Art handeln, die die Menschen an sich innerlich nicht höher zu bringen vermögen, wohl aber irreführen können.

Der Mensch vermag damit nur in die ihm zunächst liegende feinstofflichere Umgebung zu dringen, deren Intelligenzen oft noch unwissender sind als die Erdenmenschen selbst. Alles, was er damit erreicht, ist, daß er sich ihm unbekannten Gefahren öffnet, vor denen er gerade durch Nichtöffnen geschützt bleibt.

Ein durch Schulung hellsehend oder hellhörend Gewordener wird in dieser niederen Umgebung oft auch Dinge sehen oder hören, die den Anschein des Hohen und Reinen haben, und doch weit davon entfernt sind. Dazu kommt noch die eigene, durch Übungen noch mehr gereizte Phantasie, die ebenfalls eine Umgebung erzeugt, die der Schüler dann tatsächlich sieht und hört, und die Verwirrung ist da.

So ein durch künstliche Schulung auf unsicheren Füßen stehender Mensch kann nicht unterscheiden, kann mit dem besten Willen keine scharfe Grenze ziehen zwischen Wahrheit und Täuschung, sowie der tausendfältigen Gestaltungskraft im feinstofflichen Leben. Zuletzt kommen noch die niederen, für ihn unbedingt schädlichen Einflüsse dazu, denen er sich selbst freiwillig mit vieler Mühe geöffnet hat, denen er nicht eine höhere Kraft entgegenstellen kann, und so wird er bald ein steuerloses Wrack auf unbekannter See, das für alles, was mit ihm zusammentrifft, gefährlich werden kann.

Es ist genau so, als wenn ein Mensch nicht schwimmen kann. Er ist vollkommen fähig, in einem Kahne ganz geborgen durch das ihm nicht vertraute Element zu fahren, dem irdischen Leben vergleichbar. Zieht er aber während der Fahrt aus dem ihn schützenden Kahne eine Planke fort, so reißt er in den Schutz eine Lücke, durch die das Wasser eindringt, ihn seines Schutzes beraubt und hinabzieht. Dieser Mensch, des Schwimmens unkundig, wird dadurch nur ein Opfer des ihm unvertrauten Elementes.

So ist der Vorgang der okkulten Schulung. Der Mensch zieht damit nur eine Planke seines ihn schützenden Schiffes fort, lernt aber nicht schwimmen!

Es gibt aber auch Schwimmer, die sich Meister nennen. Schwimmer auf

diesem Gebiete sind solche, die eine schon fertige Veranlagung in sich tragen und dieser durch einige Schulung die Hand reichten, um sie zur Geltung zu bringen, sie auch immer mehr zu erweitern suchen. In solchen Fällen wird sich also eine mehr oder weniger fertige Veranlagung mit künstlicher Schulung verbinden.

Doch auch dem besten Schwimmer sind stets ziemlich enge Grenzen gesetzt. Wagt er sich zu weit hinaus, so erlahmen ihm die Kräfte und er ist zuletzt ebenso verloren wie ein Nichtschwimmer, wenn ... ihm, wie auch dem Nichtschwimmer, nicht Hilfe kommt.

Solche Hilfe kann aber in der feinstofflichen Welt nur aus der lichten Höhe kommen, aus dem reinen Geistigen. Und diese Hilfe wiederum kann nur dann heran, wenn der in Gefahr Befindliche in seiner seelischen Entwicklung eine bestimmte Stufe der Reinheit erreicht hat, mit der sie sich zu einem Halt verbinden kann. Und solche Reinheit wird nicht durch okkulte Schulung für Experimente erreicht, sondern kann nur kommen durch Hebung der inneren echten Moral in dauerndem Aufblick zu der Reinheit des Lichtes.“

Wer mit Swedenborg einige Schritte zu gehen gewagt und dann die einfachen Gesetze Abd-ru-shins kennen gelernt hat, mag vielleicht auch geneigt sein, nun mit Abd-ru-shin noch einige Schritte weiter zu gehen, Schritte, die Swedenborg entweder gar nicht oder in anderer Richtung ging.

Wenn Swedenborg das ganze Jenseits offenbar als eine im Wesen gleichartige Wirklichkeit darstellt, während Abd-ru-shin es noch weiter in die ganz verschiedenen Bereiche der Feinstofflichkeit, das Wesenhafte und Geistige auseinanderlegt, so wird der eine oder der andere vielleicht geneigt sein, das aus einer unbegreiflichen Sicherheit kommende Mehrwissen Abd-ru-shins empfindungsgemäß anzuerkennen.

Aus der gleichen Erkenntnis heraus wird er auch die Lehre Abd-ru-shins von der Wiederverkörperung, die Swedenborg nicht kennt, hinnehmen. Swedenborg konnte sich offenbar nicht vorstellen, daß der gleiche Menschengeist mehrere Male verschiedene physische Körper zu beleben und zu formen in der Lage sei. Er sah den Menschengeist vielmehr als starr festgelegt in Entsprechung zu seiner einmaligen irdischen Form an.

In der Tat aber ändert sich nach der Lehre Abd-ru-shins der Menschengeist fortwährend, wenn sich auch diese Änderungen wegen der Schwerbeweglichkeit der irdischen Grobstofflichkeit nicht zeigen können, solange der Mensch das einmal gewählte Erdenkleid trägt.

„Ein Hauptfehler so vieler Menschen ist aber der, daß sie nur nach dem Grobstofflichen urteilen und sich darin als Mittelpunkt sehen, sowie mit einem Erdenleben rechnen, während sie in Wirklichkeit schon mehrere Erdendaseins hinter sich haben. Diese, sowie auch die Zwischenzeiten in der feinstofflichen Welt, gelten als ein einheitliches Sein, durch das die Fäden ohne abzubrechen straff gezogen sind, so daß also in den Auswirkungen eines jeweiligen irdischen Daseins nur ein kleiner Teil dieser Fäden sichtbar wird.

Ein großer Irrtum ist demnach, zu glauben, daß mit dem Geborenwerden ein vollkommen neues Leben einsetzt, daß ein Kind also „unschuldig“ ist, und daß alle Geschehnisse nur auf das kurze Erdendasein berechnet werden dürfen. Wäre dies wirklich, so müßten selbstverständlich bei bestehender Gerechtigkeit Ursachen, Wirkungen und Rückwirkungen geschlossen auf die Spanne eines Erdendaseins fallen.

Wendet Euch ab von diesem Irrtum. Ihr werdet dann schnell die jetzt so oft vermißte Logik und Gerechtigkeit in allen Geschehnissen entdecken!“

Ist es ein Vorwurf, den man Abd-ru-shin machen muß, daß diese Lehre der Wiederverkörperung weitgehend übereinstimmt mit theosophischen und altindischen Überzeugungen? Wer Abd-ru-shin nur ein wenig gefolgt ist, wird empfinden, daß er alles aus Eigenem schöpft, daß er also auch diese Lehre nicht etwa übernommen hat.

Aber steht die strenge Karmalehre, die Lehre von der unbedingten Verantwortung des Menschen für jeden seiner Wünsche und jeden seiner Gedanken, die, wenn sie noch so verborgen gehalten werden, ihre Auswirkungen für ihren Erzeuger haben, nicht im Widerspruch mit der christlichen Gnadenlehre, mit der Überzeugung von dem alliebenden Gott Vater?

„Viele erschrecken dabei und fürchten sich vor dem, was sie nach diesen Gesetzen in der Rückwirkung von früher her noch zu erwarten haben.

Doch das sind unnötige Sorgen für die, denen es ernst ist mit dem guten Wollen; denn in den selbsttätigen Gesetzen liegt auch gleichzeitig die sichere Gewähr für Gnade und Vergebung!

Ganz abgesehen davon, daß mit dem festen Einsetzen des guten Wollens sofort eine Grenze gesetzt wird für den Punkt, wo die Kette der üblen Rückwirkungen ein Ende erreichen muß, tritt noch ein anderer Vorgang in Kraft, der von ungeheurem Werte ist: Durch das dauernd gute Wollen in allem Denken und Tun fließt ebenfalls rückwirkend aus der gleichartigen Kraftquelle beständige Verstärkung, so daß das Gute fester und fester in dem Menschen selbst wird, aus ihm heraustritt und zunächst die feinstoffliche Umgebung darnach formt, die ihn wie eine Schutzhülle umgibt, so ähnlich, wie die Luftschicht um die Erde dieser Schutz gewährt.

Kommen nun üble Rückwirkungen von früher her zur Auslösung auf diesen Menschen zurück, so gleiten sie an der Reinheit von dessen Umgebung oder Hülle ab und werden so von ihm abgelenkt.

Dringen sie aber trotzdem in diese Hülle ein, so werden die üblen Strahlungen entweder sofort zersetzt, oder doch bedeutend abgeschwächt, wodurch die schädliche Auswirkung gar nicht oder nur in ganz geringem Maße stattfinden kann.

Außerdem ist durch die erfolgte Wandlung auch der eigentliche innere Mensch, auf den die Rückstrahlungen eingestellt sind, mit dem andauernden Bestreben zum guten Wollen viel verfeinerter und leichter geworden, so daß er der größeren Dichtheit übler oder niederer Strömungen nicht mehr gleichartig gegenübersteht. Ähnlich wie bei der drahtlosen Telegraphie, wenn der Empfangsapparat nicht auf die Stärke des Sendapparates eingestellt ist.

Die natürliche Folge davon ist, daß die dichteren Strömungen, weil andersartig, nicht festhaken können und ohne Auswirkung schadlos hindurchgehen.

Deshalb ungesäumt ans Werk! Der Schöpfer hat Euch in der Schöpfung alles in die Hand gelegt. Nützet die Zeit. Jeder Augenblick birgt für Euch das Verderben oder den Gewinn!“

Wem Swedenborg es erleichtert hat, die Wahrheit der Lehre Abd-ru-shins zu erkennen, der wird jenem gewiß dankbar bleiben, auch wenn er die weiteren Schritte mit Abd-ru-shin geht. Er wird aber auch erkennen, daß die Worte des Ministers Hoepken auf Abd-ru-shins Lehre mit noch größerem Rechte zutreffen als auf die „Religion“ Swedenborgs.

Denn was würde aus einem Volke, dessen Mitglieder völlig überzeugt sind von der unbedingten Verantwortung des Einzelmenschen für sein Schicksal, daß der Mensch selbst mit jedem Wunsche und jedem Gedanken die ,,Fäden liefert, aus denen im unermüdlichen Webstuhle des Seins der Mantel gefertigt wird, den er zu tragen hat?" Dessen Mitglieder andererseits wissen, daß in den Gesetzen Gottes auch die Gnade und Vergebung enthalten sind, die sie früher gerne einem willkürlich handelnden Gotte zuschoben? Das ganze Sein muß Gottesverehrung werden! Wie kann es Furcht vor dem Tode geben, wenn der Mensch als Weltenwanderer nur von einem Zustand in einen anderen geführt wird?

Wenn der Sinn des irdischen Daseins erfaßt wird als eine Erziehung zum bewußten Sein, wenn es erkannt wird als ein besonders großer Wendepunkt im Sein des Menschen, für dessen Gewährung er nur zu danken hat?

Nun ist nicht mehr von Religionen oder einer Religion die Rede, denn es wird erkannt, daß es nur eine einzige Wahrheit gibt und geben kann, eine mit dem undogmatischen Christentum übereinstimmende.

Die verschiedenen Völker oder verschieden großen Rassen stellen sich dar als die Gemeinschaft relativ gleichartiger Menschengeister, die zur Erfüllung verschiedener Aufgaben herangezogen werden. Aufgaben, die sämtlich von der einen lebendigen Wahrheit umfaßt, getragen werden, die also in keinem Widerstreit zueinander stehen können, sondern nur sich gegenseitig ergänzen können.

Das Verhältnis der Völker zueinander gewinnt dadurch einen geistigen Sinn, allein dadurch kann eine wirkliche Befriedigung an Stelle einer künstlich gewaltsamen, lediglich auf Verstandeserwägung aufgebauten, erreicht werden.

Aber halt - wie unendlich weit entfernt sind wir von diesem Bilde, diesem Bilde, das - diese Worte mögen einem überzeugten Anhänger Abd-ru-shins gestattet sein - doch wirklich sein könnte, da der Bringer des vollkommenen Schöpfungswissens, der lebendigen Wahrheit, der aus der gleichen Quelle schöpft wie Jesus, unter uns ist und ein irdisches Kleid trägt.

Müssen wir nicht fragen: welche Bedeutung hat es, daß er gegenwärtig unter uns ist? Er, der uns gleichzeitig lehrt, daß nicht noch einmal diese lebendige Wahrheit gebracht wird!

Es kann nur die Bedeutung haben, daß Gott durch ihn eine Forderung an uns stellt, eine Forderung des Wachwerdens und Erkennens, eine Forderung, die er noch nie mit so furchtbarem Ernst an den bewußtgewordenen Menschen gestellt hat, eine Forderung, deren Nichterfüllung schwere endgültige Folgen nach sich zieht.

















Etwas für

kleine und große Kinder!


_________


Der Stufenweg

der Menschengeister.


Von Susanne Schwartzkopff.



Ein weltengroßer Berg erhob sich mitten im All. Von allen Seiten führten Stufen zu seinem Gipfel empor. Gekrönt war er von einem weithin leuchtenden Altar aus weißen Steinen, der eine offene Schale trug, aus der Lichtflammen unausgesetzt in die Höhen hinaufschlugen, die sich in ungemessenen Fernen darüber wölbten.

Den Altar umgaben lichte Engelsgestalten, die mit flammenden Schwertern seine Heiligkeit unangetastet erhielten. Nichts konnte sich nahen, das nicht von ihnen zugelassen wurde.

Weit reichte der Blick der Wächter in die Tiefe. Dort unten wimmelte es von kleinen Wesen, die gerade die erste Stufe zu ersteigen sich bemühten. Sie kamen alle aus der Ebene zu Füßen des Berges, die sich endlos nach allen Himmelsrichtungen ausbreitete.

Alle die kleinen Menschen - denn das waren die vielen Gestalten da unten - sahen den riesengroßen Berg vor sich. Was er auf seinem Gipfel trug, konnten sie aus ihrer Tiefe nicht erkennen, aber sie sahen einen hellen Schein dort oben leuchten, der sie mit aller Macht anzog.

Wieder und wieder richteten sie ihre Blicke nach oben und versuchten zu erforschen, welche Geheimnisse sich dort oben verbargen, aber die Entfernung war zu gewaltig.

Doch aus der Höhe stiegen, angezogen von den suchenden, forschenden, bittenden Blicken der Menschen, lichte Gestalten die Treppe hinab.

Es war ein sanftes, schnelles Schweben, das sie hinab trug, in einem Augenblick konnten diese leichten Wesen bis zur ersten Stufe hinabgelangen, und vor Erstaunen weiteten sich die Augen der Menschen, wenn sie die Fremdlinge plötzlich vor sich sahen. Die Lichten deuteten den Menschen nach oben und sagten freundlich zu ihnen:

„Dort hinauf führt Euer Weg!“

Es schwindelte den Menschen fast, aber sie sahen doch vertrauensvoll ins Auge der Lichten, nickten ihnen zu, griffen wohl auch nach ihrer Hand und begannen, den Stufenweg zu erklimmen.

Es war gar nicht so schwer, die erste Stufe zu erreichen. Aber sonderbar, als sie hier angelangt waren, sahen sie die nächste Stufe nicht mehr vor sich. Und doch hatten sie von weitem viele Stufen hinaufführen sehen und sich vorgenommen, sie alle zu ersteigen.

Auf einmal dehnten sich ungeheure Wälder rings um die ersten Menschen aus, die den Aufstieg begonnen hatten. Wie war das alles neu, fesselnd und zum näheren Besehen verlockend! Kein Ende nahmen die grünen Meere, und so verlor sich Strom auf Strom der einziehenden Menschen darin und vergaß bald, daß es viele Züge von Menschen gewesen, die hier eingedrungen waren. Jede Schar glaubte sich allein und fing an, ihre Umwelt zu erforschen und zu erobern.

Wald, Getier, üppiger Pflanzenwuchs, die vielen, vielen Stimmen, die überall flüsterten, riefen, schrien, warnten und lockten, ließen ihnen keine Ruhe.

Überall mußten die Waldmenschen hin, alles mußten sie sehen, betasten, schmecken, riechen, in die Hände nehmen. Sie ahmten die Rufe der Tiere nach, sie sangen mit dem Rauschen des Windes in den Baumwipfeln um die Wette, sie schliefen, selig wie die Kinder in der Mutter Arm, auf dem weichen Moos ein und träumten von neuen Sonnentagen.

Jeder Morgen war wie der erste, jeder Abend vereinte sie beim Austausch der Erlebnisse. Gemeinsam gingen sie auf die Jagd, die Männer kehrten mit der Beute zurück, die Frauen rüsteten das Mahl. Dann gab es einen, der erzählte von dem großen Berg, auf dem der lichte Schein sei, zu dem sie emporsteigen wollten und sehen, was für ein Wunder dort sich verberge.


„Aber jetzt ist es noch nicht so weit“, meinten dann einige. „Später wollen wir weiter wandern. Wir kennen noch nicht alle Wälder, wir haben. noch viel zu lernen.“


Bedächtig nickten die Zuhörer. Aus Busch und Gestrüpp, aus Gestein und Wurzeln lugten kleine Äuglein hervor, flinke Wesen huschten um die Menschen herum und lauschten ihren Erzählungen von dem großen Licht. Besonders den Frauen hörten sie aufmerksam zu, denn diese hatten die Erinnerung an das Licht auf dem Berge am besten in sich bewahrt und mußten es immer wieder schildern, wie es ausgesehen, wie hoch es sich über ihnen befände, wieviele Stufen zu ihm empor führten.

Lange lebten die Waldmenschen glücklich in ihren Wäldern. Sie kannten jeden Ton ihrer Heimat, sie konnten sich ernähren und bekleiden, wie sie es brauchten. Und wenn sie des großen Lichtes auf dem Berge gedachten, dann geschah es oft, daß eine lichte Gestalt mitten unter ihnen stand und ihnen mehr davon erzählte.


„Ich will Euch zu ihm hinaufführen, folget mir nur“, sprachen die Lichten immer, und wer sich entschloß, die Wälder zu verlassen, der konnte mit ihnen wandern.

Von diesen Wanderern hörten die Zurückgebliebenen nicht wieder, gerade das aber zog viele ihnen nach.

Und geführt von lichten Helfern durchquerten die Waldmenschen ihre Wälder, die sie für grenzenlos gehalten. Sie kamen an einen schmalen Pfad und mußten langsam anfangen zu steigen. Felsen und Wurzeln bildeten kleine Stufen und gaben dem Fuße Halt, aber zurücksehen durften sie nicht. Schließlich standen sie vor einer hohen Stufe, die sich so steil und unzugänglich vor ihnen erhob, daß manche davor zurückschreckten. Doch streckten sich kräftige Hände unerwartet den Zögernden entgegen und hoben sie sanft hinauf.

Hinter ihnen versanken die grünen Wäldermeere, vor ihnen breiteten sich herrliche weite Ebenen aus, durch die sich silberne Wasserbänder schlängelten, die alle einem breiten blauen Bande zustrebten, das sich in der Ferne mit dem Himmelsgewölbe vermählte. Wie weitete sich da die Brust, wie tief atmete der Mensch die köstliche freie Luft ein, wie jauchzten sie auf über das klare Licht nach der Dämmerung der wilden Wälder.

Unendlich viel Neues gab es hier wieder zu sehen:

Herden gehörnter Tiere, die in der Nähe der Wasserläufe grasten, Vögel, die über den Flüssen schwebten, niederstießen, um sich ein Fischlein zu holen aus der schimmernden Flut. Das Sausen des Windes sang ihnen neue Weisen zu, er strich so ganz anders über die weiten Flächen und durch Gras und Kraut als in dem Gewirr der Äste und Wipfel der Wälder.

Zutraulich nahten sich ihnen die Herden, unschuldsvoll blickte sie das Auge der Tiere an, als bäten sie den Menschen, ihnen Freund zu sein. Und freundlich legten die Menschen ihnen die Hand auf den Nacken, streichelten sie und die Tiere folgten ihnen.

Hier wollten die Menschen bleiben. Vergessen war die erste Heimat. Doch jetzt genügte es ihnen nicht mehr, sich auf einem Baumwipfel einen Schlupfplatz zum Ruhen und Schlafen zu suchen, eine Höhle zu finden oder sich auf der Erde auszustrecken, wenn der Schlaf sie überkam.


Sie schauten sich um: da sahen sie manche Tiere sich Behausungen bauen, sahen, wie die Vögel Schilf und Stroh zusammenflochten, die Ameisen sich kunstvoll ihre Bauten verfertigten und sie ahmten den Tieren nach. Das wilde Umherwandern und Jagen hörte auf, die Menschen blieben, wo es ihnen gefiel und behielten Tiere in ihrer Nähe, um nicht einsam zu sein. Die Tiere halfen ihnen mit ihren Kräften, arbeiteten mit den Menschen und diese sorgten dafür, daß die Tiere immer Nahrung hatten.

Regstes Leben entwickelte sich an den Flüssen, kleine Schiffe durften die Menschen bauen, ihre lichten Helfer zeigten ihnen, wie sie es machen mußten und die kleinen Wesen im Busch und Feld halfen ihnen dabei. Sie unterwiesen sie auch im Herstellen von Geräten und Werkzeugen und das Leben blühte auf in den kleinen Menschengemeinschaften.

Wieder war die Zeit gekommen, eine neue Stufe zu erklimmen. Andere Helfer zeigten sich den Menschen und erzählten ihnen Neues von dem hellen Licht auf dem Berge. Wieder sagten sie:


„Wir wollen Euch zu dem hellen Licht führen, folget uns!“

Aber sie fügten nun hinzu:

„Dort oben findet Ihr Euer Glück!“

„Kommt Ihr von dort?“ fragten die Menschen. Und die Antwort war:

„Das helle Licht hat uns zu Euch geschickt, wir sollen Euch helfen und Euch den Weg zeigen.“

Wieder machte sich ein langer Zug von Menschen auf und folgte den Führern. Diesmal ging es bis zu dem breiten blauen Band, in das alle Flüsse hineinflossen und die Menschen sahen das große Meer. Die Sonne glänzte auf seinen Wellen und die weißen Schaumkronen fluteten bis an den Strand. Unendlich groß, ohne Ende schien die blaue Lichtflut zu sein und ein Sehnen und ein Ahnen erhob sich in den Herzen der Menschen. Aber sie wußten noch nicht, was es war, wonach sie sich sehnten.

Schiffe mit weißen Segeln schaukelten auf dem Wasser und die Wanderer ließen sich von ihnen hinaustragen. Lange fuhren sie, bis ein fremdes, blühendes Gestade sie empfing und die Führer sagten:

„Sehet hier, Eure neue Heimat!“

Wieder versank hinter ihnen das Alte und eine neue Welt breitete sich vor den beglückten Menschen aus. Schöner, fruchtbarer und heller war die neue Heimat. Strahlender schien die Sonne, frischer bliesen die Winde und neue Aufgaben harrten der Wanderer.

„Das helle Licht auf dem Berge sieht Euch und freut sich an Euch“, sagten die Helfer.

„Wir müssen ihm danken!“ riefen die Menschen. „Es hat uns in dies schöne Land geführt, wo wir so glücklich sind.“

„Ja danket ihm mit Eurer Freude und danket mit der Tat“, sagten die Lichten. „Es hat Euch geschaffen, es gibt Euch Kraft und Freude zum Leben."

„Was ist das helle Licht oben auf dem Berge?“ fragten nun die Menschen zum ersten Male.

„Es ist der Eine, Allmächtige, der alles schuf und wir sind seine Diener.“

Feierlich und heilig klang diese Kunde und sie drang tief in die Menschenherzen ein. Es zog sie auf die Knie, sie kamen sich winzig klein vor dem Einen, Unbegreiflichen und Erhabenen, der auf der Höhe des weltengroßen Berges wohnte.

„Weiß er denn von uns kleinen Menschen?“

Zaghaft klang diese Frage.

„Eure frohen Lieder klingen bis zu ihm hinauf und Euer Dank wird von uns hinaufgetragen und zu seinen Füßen niedergelegt.“

Wie freuten sich die Menschen, als sie dies vernahmen und sie beschlossen, es nie zu vergessen. Seiner wollten sie gedenken an jedem Tage, wollten ihn bitten um Kraft, ihm danken für ihr Leben.

Die neue Heimat, zu der die Schiffe sie getragen, war das Land der Gärten. Um die Heimstätten der Menschen begannen sie zu erblühen, reiche Frucht und Ernte lohnten den Fleiß und die Liebe der Menschen zu Boden, Pflanze und Getier. Garten schloß sich an Garten, einer schöner und blütenreicher als der andere, denn die Helfer hatten gesagt:


„Der Allmächtige hat seine Freude an Gärten. Droben im hellen Licht ist auch Garten an Garten in prangender Schönheit. Hier unten könnt Ihr schon damit beginnen Gärten zu pflegen.“

Und es erwuchs in den Herzen der Menschen der Wunsch, dem Höchsten ein Haus zu erbauen, das seine Stätte unter ihnen sei. Wieder halfen ihnen die Lichten bei dieser Aufgabe. Sie zeigten ihnen Bilder von der Höhe des Berges, auf dem ein wunderherrlicher Tempel sich erhob, und sagten:

„Sehet hier die Stätte Gottes Im Licht!“

Wer dies Bild sehen durfte mit Augen die ihm dafür geöffnet wurden der war selig und er konnte den anderen nicht genug erzählen von seiner Schönheit.


So gut es die Menschen vermochten, ahmten sie diese Lichtstätte des Allmächtigen nach und schmückten sie mit den schönsten Blüten, die ihre Gärten hervorbrachten und der kostbarsten Zier, die sie schaffen konnten.

Zwischen Arbeit und Gebet, Dank und Freude floß das Leben der Menschen aufblühend dahin und diese Stufe auf ihrem weiten Wege zur Höhe des großen Berges schien ihnen so schön, daß sie sich nicht davon trennen wollten. Leise mahnten und drängten die Lichten, die sie oft aufsuchten, des Zieles nicht zu vergessen. Noch sei der Weg weit und der Stufen viele.

„Verweilet nicht zu lange im schönen Lande!“ sagten sie, „noch Schöneres harret Euer.“

Einige machten sich auf und folgten den neuen Führern und sie hörten, wie diese ihnen versprachen:

„Wenn Ihr höher gestiegen seid, wird Euch ein helleres Licht scheinen, und wir können Euch mehr erzählen von dem Einen, der allmächtig ist und der Euch schuf aus Liebe.“

Da geschah das Unerwartete, daß manche zurückblieben und meinten:

„Wir haben genug an dem, was wir besitzen. Was brauchen wir den Einen, der so unerreichbar hoch über uns wohnt? Wir haben Euch und wollen Euch danken und zu Euch beten, die Ihr uns bis hierher geführt habt!“


Und sie fielen auf die Knie und beteten die lichten Helfer an. Erschrocken wehrten diese die Gebete der Menschen ab, aber es fruchtete nichts, keine Abwehr und kein Tadel. Die Menschen fingen an, bequem zu werden und neue Mühen zu scheuen.

„Wir bleiben für immer hier!“ riefen sie aus. „Wir wollen nicht höher hinauf. Es gefällt uns hier so gut, daß wir uns nichts Schöneres wünschen können. Der Eine, Unerreichbare kann es nicht verlangen, daß wir uns dauernd abmühen und plagen sollen für ihn. Kann er uns nicht entgegenkommen, so können wir auch ohne ihn sein.“

Sie merkten es nicht, die Unseligen, daß die Sonne in ihrem Lande erblaßte und daß es kälter ward um sie. Auch die Lichten zogen sich zurück und kamen nicht mehr zu den Trägen.

Bald gab es kaum noch einen unter ihnen, der von sich sagen konnte, er habe einmal einen Lichten gesehen, und dann spannen sich Sagen und Erdichtungen um die Zeiten, in denen die Lichten noch zu den Menschen kamen, um ihnen zu helfen.

„Wir sind vergessen worden“, klagten die Menschen. „Warum kommt niemand mehr zu uns? Unsere Gärten wollen keine Frucht mehr tragen!“

Kein Gedanke kam ihnen, daß es anders hätte sein können, wenn sie gewollt hätten. Da die Gärten weniger Ernte brachten, geschah es auch, daß einer dem anderen von seiner Nahrung wegnahm, was er erlangen konnte, um seinen Hunger zu stillen und bald waren die Stärksten auch die Reichsten und die Schwachen mußten umkommen.

Da machte sich noch der eine oder andere auf, um einen Weg in ein besseres Land zu suchen, von dem ein leises, unbestimmtes Erinnern noch in ihren Seelen haftete. Aber es war ein tausendfaches Ringen und Mühen, wo früher die Lichten sie sicher und schnell geführt hatten. Viele Irrwege mußten die Sucher gehen und sobald sie ein klein wenig höher gestiegen waren, strauchelten sie über ein Hindernis und fielen wieder herunter, oder Menschenhände rissen sie herab, damit sie es nicht besser hätten als die, die unten blieben.

Nur in wem noch unbezwingliche Sehnsucht nach dem hellen Lichte lebte, der riß sich los von allen Umklammerungen und, ob auch blutend aus tiefen Wunden, trieb es ihn höher und höher hinauf, bis er wieder zu einem Lichten fand, der ihm weiter half. -

Oben auf der Höhe des Berges konnte man alles überblicken, was unten geschah. Und Gott sandte Boten aus, um nach den Menschen zu sehen. Sie kamen herab bis zu den großen Wäldern, in denen immer noch Waldmenschen lebten. Aber jetzt waren die Wälder voller Schrecken. Die einst so vertrauten Stimmen aus Baum und Fels, aus Blüte und Stein waren ihnen fremd und unheimlich geworden. Die Menschen fürchteten sich und verkrochen sich vor ihnen.

Niemand wußte mehr von dem großen Berg mit dem hellen Licht und dem Stufenwege, der zu ihm emporführte. Scheu hielten sich die Menschen die Augen zu vor der Helle, die die Boten Gottes um sich verbreiteten und verstopften sich die Ohren vor ihren Worten. Einer war dem anderen Feind geworden und die Welt war voller Schrecken für alle.

Da stiegen die Boten eine Stufe weiter hinauf. Dort breiteten sich nicht mehr die saftigen Weiden und die welligen fruchtbaren Felder aus. Wüstensand hatte alles zugedeckt und von den zahlreichen Herden war nichts zu sehen, ebenso wie von den alten Heimstätten der Menschen. Öde und verlassen dehnten sich die Ebenen bis zum grauen Meere.

Und als die Boten in die einst so blühenden Gärten kamen, in denen Tempel des Lichtes sich erhoben hatten, sahen sie wohl viele Menschen und große Steinhaufen, in denen sie wohnten; aber die Gärten waren verschwunden, die Sonne schien matt und die Luft war eisig. Keine Freude leuchtete auf den Gesichtern der Menschen und sie vermochten die Boten Gottes nicht zu erkennen, denn ihr inneres Auge war erloschen.

Was war da zu tun? Weder Worte noch Bilder aus der Höhe konnten die Menschen aufnehmen, vergessen war das alte Wissen, eingeschlafen die Sehnsucht nach der Höhe.

„Es gibt nichts anderes als unser Land,“ sagten die einen.


„Laßt uns genießen, was wir haben,“ meinten andere. Da bebte der große Berg in seinen Tiefen und die Menschen erschraken. Eine Warnung war es aus der Höhe, aber bald war sie wieder vergessen.


Noch standen die Tempel da, aber es war nicht mehr hell in ihnen. Schwer drückte es von oben auf die Menschenseelen. Es war ihre versäumte Aufgabe, das verlassene Ziel, das sie bedrückte, ohne daß sie es wußten.


Und die Boten Gottes gingen von Stadt zu Stadt. Sie kündeten:

„Bleibt nicht stehen, wandert weiter! Steigt höher hinauf, es warten Eurer herrliche Schönheiten, die der Allmächtige für Euch geschaffen hat. Bis zur Höhe des Berges können wir Euch führen und Ihr könnet seinen lichten Tempel erblicken und in seinem Wundergarten leben In Ewigkeit. Ihr müßt Euch nur aufmachen und den Stufenweg weiter hinaufklimmen. Was ist Euer Land gegen die Schönheit der Lichtgärten?“

Aber sie fanden nur taube Ohren. Immer waren es nur wenige, die hören wollten. Die große Menge war nicht gesonnen, ihre Bequemlichkeit aufzugeben.


Da erbebte der Weltenberg aufs neue in seinen Grundfesten!


Über ihm zog sich ein schweres Wetter zusammen. Schon zuckten die Blitze herab und warfen ein grelles Licht auf alle Stufen, die auf seine Höhe führten. Aus seinen Seiten rieselten plötzlich Quellen hervor. Sie flossen in die Tiefe, vereinigten sich dort zu Strömen, stürzten als Wasserfälle mit schaumigen Massen tobend zu Tal, alles mit sich reißend, was ihnen im Wege stand.


Es wankte den Menschen der Boden unter den Füßen, wohin sie traten, und vor den Wassern gab es keine Rettung. Da sandten die, die noch von dem Licht auf der Höhe des Berges etwas wußten, ihre Hilfeschreie hinauf. Die anderen aber lachten und tanzten auf dem bebenden Grunde, bis der Tod sie traf in Gelächter und Leichtsinn.

Als Antwort auf die Hilferufe aber senkte sich aus der Höhe ein Seil herab, gesponnen aus reinstem Golde, unzerreißbar fest und bis zu den untersten Stufen des Berges reichend. Wer es sah, konnte sich an ihm festhalten, konnte an ihm emporklimmen und sich retten aus den Wasserfluten, die die untersten Teile des Berges überschwemmten.

Wohl stieg manchem auch dabei noch das Wasser bis an die Kehle, aber das Seil hielt fest. Ließ der Mensch nicht los, so war es seine Rettung. Es zog ihn in eine Höhe, wo er sicheren Grund für seine Füße fand. Unter ihm aber breitete sich die wilde Wasserwüste aus. Das Wetter brach los mit Ungestüm.

Lange dauerte es, bis der Sturm sich legte, lange, bis die Wasser sich wieder verliefen. Schlamm bedeckte den Grund, wo sie gewesen. Langsam fingen Gras und Kräuter wieder an zu wachsen. Von den Menschen aber, die hier einst gewohnt, war keine Spur mehr zu finden. - Ein neues Leben blühte auf, um neue Menschen zu erwarten.


Is-ma-el als Wegbereiter

für den Geist der Wahrheit durch

die sieben Weltenteile der Schöpfung

(2. Fortsetzung)

Nun bereitet sich zu den Füßen des Geschaffenen das lichte Feld seiner Saaten. Nun schauet er hinab in die wogenden Gärten der Kinder seines Namens und streuet die Liebe in die Fäden seines dienenden Schaffens, auf daß sie dieselbe erleben in seiner Weise, in der Liebe zum Herrn.

Balsamisch atmen die Lüfte des Paradieses empor, wie Weihrauch um die Insel der ewigen Stammväter des Menschengeistes. Urlichtskraft strahlt durch die kristallenen Stufen von oben hinab zu ihnen, die wieder anbetend den Duft ihres Webens, Wollens und Gebens in die höheren Sphären senden, in Anbetung des Herrn.

Wirksam als ihr Vater, leitend und führend, schreitet Is-ma-el durch die Pforten der ewigen Gärten in die erste Stufe der Paradiese, um seinen Stamm zu segnen.

Weit, wie ein mächtiger Baum, breitet er Äste und Wurzeln aus, hinab in die Sphären der Nachschöpfung, und unzählbar ist die Schar der Geistflammen, die an ihnen hangen.

Menschengeister, rüttelt die Verantwortung nicht an Euren Seelen?

Entwickelnd, fordernd und aussendend wirkte das große Urvaterprinzip nach dem Stoffe. Das war Is-ma-els Tat nach abwärts in die Schöpfung!

Sein Leben aber und sein Dienen galt immerdar dem Herrn, und er legte an die Stufen des Altares zu Patmos den leuchtend geschmiedeten Geistring seiner Treue mit dem lichtklaren Kristall, den er zu Smyrna dem Herrn errungen.

Dieses war das erste Vollenden seiner Aufgabe im Stoffe! -


Es ist ein Silberlicht von reiner Kühle, das aus ,den heiligen Quellen Gottes fließet. Irmingard spendet sie, die Reine Lilie, und die Kraft ihrer Gottesreinheit verankert sich im Heiligen Gral in Irmingard. Irmingard, die ganz in dem Sein Parzivals lebet, dienend in Treue dem Heiligen Gral !

Silberweiß leuchtet der Strahl, der aus dem Heiligen Gral ihr Form gegeben durch Urmutters Liebe. Und kühl und weiß und silberrein leuchtend ist und bleibet alles aus ihr und um sie her.

Sie hebt sich fern und rein über alles Urgeschaffene empor, strahlt aus all seiner leuchtenden, kraftvollen, unbeschreiblich vielgestaltigen Fülle. Und die Kraft ihrer Reinheit pulst in lebendigem, leuchtendem Willensstrom auf die blühenden Gärten der Lilie nieder durch den Tempel der Reinheit. Hier sammelt sich nochmals in der Urschöpfung das kristallklare Licht Irmingards im Urzustande, in die kristallklare Schale aus der Urwesenheit Stoff.

Hier strömt sie aus in das Paradies der Nachschöpfung und wird von den aufflammenden Geistern zu Patmos empfangen, die sich die Mütter heißen dürfen nach dem heiligen Gesetz des Willens. Sie stehen im Strahl des Erkennens und an dem Rande des Stromes, der Gottesreinheit birgt. Sie vermögen sie aufzunehmen.

Sie dienen ihr im Sein; denn in all ihrem Weben liegt absolute Reinheit.

So rauscht und fließt das Wort herab, das aufgenommen werde von dem Geist im Stoff. Das Wort des Geschaffenen aus der Weisheit des Urewigen Reiches. Lichtkreise um Lichtkreise bewegen sich aus ihm nach außen, nach abwärts, und was Lichtes Willen formend schuf, sinket nieder in die Stofflichkeit der Nachschöpfung. So auch jene geheiligte kristallklare Kraft der Reinheit. -




In singendem, wie Windesrauschen wehendem Atem kreiset eine lichte Weltensphäre in der Stofflichkeit der Nachschöpfung.


Es ist dem Menschen nicht ermöglicht, mit der verstandlichen Orientierungsgabe sich einen Weg durch jenes große, gewaltige Schöpfungskreisen zu denken. Hier vermag nur die Anziehung der gleichgearteten Kräfte hin zu lenken, und weil dies lichte Reich, das ein unermeßliches Sonnenreich zu nennen ist, so rein und leicht ist, vermögen nur solche Geister hin zu gelangen, die sich mit seiner reinen Stofflichkeit zu umkleiden vermögen.

Durch das Bewegen in dem lichten Strahlungsreiche Thyatira, dessen wundersame kosmische Kräfte eine einzige feine Art der Elemente erzeugen, entstehen jene Strahlenchöre des kosmischen Orgelspieles, das nirgends so paradiesvollendet klingt, als in dem Weltenteile Thyatira.


Er birgt in sich eine Zahlenfülle herrlicher Lichtsonnen, um deren Körper feinerer, feuriggasiger Substanzen Planeten kreisen, die von ihren Strahlen festgehalten sind und sich im bewegenden heiligen Werden der Schöpfung mit Wundern an Schönheit schmücken.

Wundersam warme, sprudelnde Quellen fließen auf diesen Weltenkörpern, die auch zum Teil aus Wasser, aber auch aus festeren Stoffen bestehen, aus welchen sich das Leben entwickeln kann, und eine große Anzahl luftigwässeriger Wesenheiten schwingen durch diese Welten und deren Umhüllungen. Die Umhüllungen dieser Weltenkörper sind jeweils das, was auf Erden als Atmosphäre bekannt ist. Sie sind die Ausatmung der Körper, mit denen sie um sich selbst und um die Sonne kreisen. Die Sonne aber beschreibt wieder eine ungeheuer große Bahn, obwohl sie dem Irdischen als feststehend erscheint.

Mit irdischem Verstande und Aufnahmevermögen ist dies Getriebe der strahlenden Weltenbahnen kaum zu erfassen; nie aber wäre es im Gesamteindruck zu ertragen.

Unausdenkbar aber ist es, sich von oben gesehen in ein Kleines dort zu versenken, sich ein Einzeldasein vorzustellen, und dennoch ist es auch hier der Fall.

Wie jene Wesenhaften in der Atmosphäre schon wirksam erkenntlich sind, so sind sie es in allem, und wieder und wieder andersartig, je nach ihrer Aufgabe auch in Wasser und Feste.

Die Feste ist das, was den Erdenmenschen als „Erde“ bekannt ist. Sie setzt sich, wie zu Ephesus und auf dem Planeten Erde; auch zu Thyatira in ganz verschiedenartige Bestandteile um. Aber ihre Strahlungskraft und Dichte, ihre Farbe und Masse ist völlig davon unterschieden und der irdische Begriff davon kann nur umschrieben, aber nicht mehr genannt werden. -

Während die Dichten zu Smyrna feinen, seidigen Stoffen gleichen, sind sie zu Thyatira Kristallen gleich; von einer Weichheit wie Gelatine. Dieser Zartheit, Feinheit und Leichtigkeit entsprechend sind natürlich auch alle Wesen, die sich dort entwickeln und bewegen können. Schweres, Dichteres ertrüge nicht die durchdringenden Strahlungsspannungen und die Bewegung der Lüfte.

Es ist darum schwer für Erdenmenschen, mitzudenken, mitzugehen in den Verhältnissen, die dort entstanden sind, weil ihre derzeitige Art nicht den Begriff zu erfassen vermag und keine Worte dafür hat. So stellt sich der Mensch immer wieder alles irdisch, im Sinne des „Erdigen“ vor.

Es gibt nicht viele Gestirne dort, auf denen sich Menschenarten befinden und Tierarten, die der jeweiligen Art entsprechend zu dem Menschen passen. Man kann nur wenige Sterne als kühl genug und als dicht genug betrachten und zu den bevölkerten zählen. Dafür aber sind sie reich umwoben von wesenhaftem Leben, und darum auch so überirdisch rein und schön.

Es sind da keine grellen, harten Farben. Alles Licht und alle Dichte ist auf zartes Blau, auf Grün, auf Silberlicht gestimmt. Die Blumen, die zur Hauptsache schönen Kristallformen und Sternen gleichen, sind sehr groß. Die Bäume wie Verästelungen großer Seenelken anzusehen, sie wiegen und schmiegen sich in den bewegten Lüften.

Es ist immer Bewegung, fließende, leuchtende, sprudelklare Bewegung zu Thyatira.

Auch hier sind die wesenhaften Führer der Elemente und die Scharen ihrer Luft- und Wasserrosse so zart, wie fließend, schäumend und wild. Auch hier thront der Höchste davon auf seinem Walberg, wohin er sie alle versammelt, um Gotteskraft empfangend die Welten ihrer Art entsprechend zu hegen.

Es webt und lebt und erfüllt, und würde es auch tun ohne den Menschengeist, der gleich ihm vom Vater des Lichtes aus Gnade wandern darf in diesem Teil der Schöpfung. -


Um ihn, den Menschengeist, dort zu erkennen, zu leiten und an ihm zu lernen, ward Is-ma-el hinabgesenkt und zog, die Hülle wählend, über diese Welten hin, besah all die lichte Schönheit in der Schöpfung Thyatira und wanderte von Stern zu Stern, aufnehmend und erlebend das Weben dieses Weltenteiles.

In wundersame Lichtstrudel der Feinstofflichkeit geriet er da, mit seinem feinstumhüllten Geist, der strahlend aus der Hülle sah. Er durfte es auch; denn rein war dieses Reich, wie ein sprudelnder Quell aus den Gärten der Reinen Lilie.

Die Geister hatten sich längst entfaltet zu Thyatira. Is-ma-el konnte ihre Flammen sehen, die mühelos die lichten Hüllen durchstrahlten. Es war. wie ein zauberhaftes Bild von bunten Ampeln, die durch tanzende Wogen weben, wenn er von oben auf die bevölkerten Sterne sah.

Die Strahlen werdender Mütter flammten hoch empor, anders als es in den Welten der dichteren Stofflichkeit geschieht, und mancher Geistgeschaffene und manches Lichtweib ward aus jener Ebene, darin sich Is-ma-el befand, herangezogen in den Strahlungskreis eines gleichgearteten Geistes in der Stofflichkeit.

Is-ma-el sah da die Begebenheiten der Inkarnierung, die bei den reinen Frauen zu Thyatira gleich einem Einweihungsdienste, einer hohen Andacht vor sich gingen. Die Reinheit des Empfangens dieser Frauen zog ihn in die Nähe ihres höchsten lichtgeweihten Tempels. Sie alle waren Dienerinnen Irmingards.

Mit hellschauendem Geist begabt empfingen sie das Licht der Lilie, die sie als Blume auf dem Altar der Reinheit ehrten.

Oben aber über dem Tempel sahen sie das ewige Kreuz erstrahlen. Dieses war für sie der Begriff des Vollendeten.

„ER“ nannten sie den Herrn.

Die Sternengruppen und Planetensonnen zu Thyatira zogen ihre wundersam brausenden Kreise durch den Kosmos. Sie bewirkten Lichtphasen von märchenhafter Wirksamkeit auf die benachbarten Gestirne, sandten rhythmische Strahlungsbündel durch den Kosmos und beeinflußten durch ihre ausstrahlenden Kräfte alles Lebendige auf den Gestirnen.

Sie bewirkten ein Leben solcher Kraft, Frische und Reinheit, daß den Geistern, die in den feinstofflichen Ebenen alles Werden übersahen und die Entwickelung in den Stoff und seine Dichte erschauten, freudiges Erinnern an die seligen Gärten der Lichtheimat erwuchs.

Sie gewahrten wie unter des Herrn ewigem Gesetz sich das Leben immer herrlicher gestaltete, rein und voll Freude war für alle Kreatur. Und sie lobten den Herrn und sein heiliges Gesetz.

In einen solchen Strahlungsring seliger Geister ward auch Is-ma-el angezogen,. da sie durch ihr leuchtendes Sein Boden gaben, dem auch er sich zu nahen vermochte.

Es war ein besonderes Leben. dort, wie ein Sammelpunkt der Wesenhaften, die alle ihre lebendig gewobenen Fäden zu wundervollem Wirken brachten.

Da bauten sich die lieblichen Gärten und Gegenden, vorauswirkend in die Feinstofflichkeit, da gedieh Same auf Same des Werdens und breitete sich fruchttragend in Schönheit aus. Aus der Stofflichkeit des Erschaffenen aber griffen flammende Fäden einer feinen, stofflichen Ausstrahlung, die sich mit der höhergearteten Kraft zu vermählen schienen und in sich aufnahmen, was sie an Fülle gaben.

Es war ein Lichtfarbenspiel im feinen Stoffe, das dem sich herabsenkenden Geiste die Augen labte. Und immer mehr befähigten sie ihn, diese zarten Umhüllungen hinabzutauchen und wie von einem Strome feiner Strahlen angezogen zu werden.

In diesem Stadium gewahrte sich Is-ma-el über einem schönen Lande, über der Kuppe eines goldgrünen Hügels, auf dem sich weite, weiße Bauten erhoben.

Es lebte dort stofflich Lieblichstes in Reinheit und Freude und diente anbetend in dem Tempel des Höchsten. Er ragte noch mit seinem goldflammenden Kreuze weit in die luftigen Wolken hinein, die milde, aber bewegte Winde wie Schleier um ihn jagten.

Ihm zur Seite schmiegte sich die wundersam grünlich schimmernde, durchsichtige Tempelhalle der Lilie, die der Reinheit Tempel war. In ihr dienten die lieblichen, sonnenleuchtenden Frauen mit den tiefsilberblauen unergründlichen Augen, den weichen, schwebenden Bewegungen und der kindlich reinen Hingabe ihres ganzen anmutvollen Seins.

Sie waren die Priesterinnen, die um die höchste Priesterin der Reinheit: „Thaisis“, lebten. Diese war zugleich die Führerin der Frauen und eine schauende, weise Magd des Lichtes.

Is-ma-el nahte ihr; denn sie war seines Wesens zweites Sein. Seine Ergänzung im Geiste. Und ihre flammende Hülle zog den Geist Is-ma-el machtvoll an den Stoff.

Lieblich klangen die Stimmen der wohlgeübten Sängerinnen, die das Lied dem Bewegen lichter Kosmosstrahlen abzulauschen schienen. Reich und voll klangen auch die Saiten ihrer Instrumente, die wie kleine Leiern aus weichem Holze waren. Der Dienst der Priesterinnen bestand nicht nur in den anbetenden Feiern, sondern er erfüllte ihr ganzes Sein im Stoffe.

Sie wurden auf ihre eigene Bitte hin von Thaisis geweiht, nachdem sie aus den heiligen Lichtworten, die nur die Priesterin empfing, zum Tempeldienst aus dem Lichte gerufen waren.

Zuvor waren sie nur Schülerinnen, Mägdlein von auserlesener Schönheit und Vollkommenheit der Veranlagung. die hierzu zugelassen wurden. Die Tempelschule der Reinheit war der Hauptstützpunkt der Weiblichkeit zu Thyatira, und jener große Lichtkörper, der sie trug, und der denselben Namen hatte wie der ganze Weltenteil, war die Krone dieses Schöpfungsteiles für die dort inkarnierten Geister.

Sie wußten, sobald sie im Stoffe waren, auch nicht mehr von dem Wandel ihres früheren Seins. Hierzu wurden sie erst in dem Erleben ihres Weltdurchwanderns langsam fähig, um als bewußte Geister wieder das Fleisch zu verlassen und in lichteren Reichen zu erwachen.

Die Priesterinnen verblieben in dem Tempel, während die anderen, nicht geweihten Jungfrauen, in die Gärten der weltlichen Helferinnen eingeordnet wurden. Sie verblieben dort, bis sie einem Manne gegeben wurden, dessen Heim sie dann bezogen. Dennoch behielten sie aber einen Teil ihrer dienenden Arbeit bei, die für sie immer der schönste Zweck ihres Daseins blieb.

Die Fähigkeiten des Verdichtens der Töne durch Gesang und Saitenspiel oder durch Wort und Flechtarbeit wurden hier geübt. Es gab gar viele Zweige der Kunst und Weisheit in der Tempelschule, die Thaisis aus reinem Urquell schöpfte und reinen, lehrenden Schwestern übermitteln durfte.

Groß und umfassend war die Weisheit von allen organischen Gebilden und die Anleitung, sie zu nützen. Thaisis durfte in das heilige Buch der Schöpfung schauen und lauschen, und die Ströme des ewig Lebendigen gaben ihr Nahrung für Körper und Geist. Sie ersetzten ihr Speise und Schlaf, und ihr Leben war wie verwachsen und eingeflochten in die urallmächtigen Weisheiten und Gesetze des Herrn.

Thaisis hatte, wie alle Frauen zu Thyatira, das lichtdurchlässige Gefäß des beweglichen, sonnenhellen Körpers, das lichte, lange Haar, das beinahe weiß war und in der Sonne oder im Schimmer der heiligen Flamme wie weißes Gold strahlte.

Sehr schlicht, aber weiß waren die priesterlichen Frauen gekleidet. Ein leuchtender Reif mit einem lichtschimmernden Kristall war es allein, der das Haupt der Oberpriesterin von den anderen Frauen äußerlich kennzeichnen sollte. Die anderen trugen Blumenkränze. Die Blumen wurden als eine besondere Gabe des Schöpfers sorgfältig gehegt.

Ausgewählt aber waren einige Arten, die hauptsächlich nur für den Tempeldienst der Frauen dienten, namentlich weiße Blumen und Blüten, die von den Gartenschwestern zu auffallender Erlesenheit und Kraft gebracht wurden. Die Gärten der Tempelblumen reihten sich den Gärten der aufbauenden Pflanzen im Ring um den Lilientempel an. An dessen vordersten Ausgangstoren, die von glashellem, feinen Stoffe waren und wie Gitterwerk kunstvoll gefügt, führten lichtgrüne, glasklare Treppen in den Garten, den ein breiter Pfad und ein Querpfad durchzog.

In der Mitte des Kreuzpunktes war ein weites Becken, aus dessen Tiefe ein Quell hoch empor sprühte. Die Felder aber waren nur von lilienartigen, herb und klar duftenden, weißschimmernden Blumen erfüllt, die hoch und rank im weichen Winde rauschten und sich wogend wie ein Silbermeer vor den Stufen des Tempels neigten.

Es mußte viel gearbeitet werden in den Gefilden des Tempels, um die Schönheit dieser Gärten immer auf gleicher Höhe zu halten. Die Natur verhalf dazu den fleißigen Dienerinnen; denn Sonne und warmer gelinder Regen, feuchte Nebel und trocknende Winde wechselten in äußerst harmonischem Gleichmaß. Nie war zu große Dürre oder zu viel Regen über Thyatira, alles Wesenhafte schien dem Menschen zu helfen.

Während die Gärten der Weiblichkeit nur von weißen Tauben und Falkenarten, auch von großen reiherähnlichen Vögeln reich geschmückt und belebt wurden, waren auf der entgegengesetzten Seite des Haupttempels ausgedehnte Ländereien, mit Seen und Wäldern, die wunderschönes, ganz seltenes Getier bargen.

Selbstverständlich war auch das Tierreich der Stoffart des ganzen Weltenteiles angepaßt, genau wie alles pflanzliche oder mineralische Leben. Eines mußte dem andern angepaßt sein, nach dem gesetzmäßigen Aufbau alles Organischen und Unorganischen.


Wenn der Geist so hinabblickte in all die Schönheit dieser Welt, dann glaubte er erinnernd das Singen aus den seligen Gärten der Lichtheimat zu vernehmen. Wenn er aber das Gebaren jener Frauen schaute, so freute er sich, wie diese empfänglichen Geister sich allem Einfluß der Reinheit geöffnet hatten.

Is-ma-el sollte erst das höchste Fest erleben, von dem er noch nichts vorausempfing. Er war, so nah dem Stoffe, als im Gesetz schwingender Geist zuförderst der Gegenwart geöffnet. Das Weben und Geschehen im Geiste ist auch so reich in jedem Augenblick, daß es völliges Auskosten desselben gründlich fordert.

Das Leben hält keinen Augenblick inne, es zeigt sich dem Geöffneten und damit Verbundenen in so mannigfacher Art, daß er stumm und überwältigt mitempfinden muß in diesem urgewaltigen Strom, ohne sich viel bewußt zu werden.

Die verschiedenen Arten der Stofflichkeit mit ihren unzähligen, farbenströmenden Ausatmungen erschienen ihm wohl dicht und schwer, doch waren sie für ihn keine Grenzen mehr.

Alles Grobstoffliche wie alles Feinstoffliche war schön und genährt mit Licht, war im pulsenden Atmen der Reinheit und des Gesunden und es war wie in den ewigen Gärten: es gab da kein Trübes.

Und dennoch war der Geist Is-ma-el mit einem Wissen beladen, das wie ein schwerer Stein zuweilen drückte. Es war das Wissen von Luzifer, dessen Wirken er geschaut, der frei war, im Geiste bis in den Stoff wirkend. Und es empfand der Geist Is-ma-el sogleich die Kraft aus dem Herrn, die ihn durchströmte, der ausgesandt war, auf Thyatira zu lernen.


In nächster Nähe der ausgedehnten Tempelstadt war eine Wohnstätte. Die Tempelgärten gaben die Verbindung dorthin und schmückten in ihrer üppigen Schönheit die ganze Umgegend. Es strömten die warmen Lüfte den Duft der großen Blüten über die Gärten hin, und die palmenähnlichen Bäume rauschten mit einem hellen, silbernen Rascheln und Klingeln wie feinstes Glas.

Der feine Stoff ihrer zarten Arten gab diese Geräusche, die nur den Menschen begreiflich sein können, die mit dem feinstofflichen Ohr schon ähnliches vernommen haben.

Die Tierarten, die sich da tummelten, frei und gar nicht wild umherliefen, waren das Spiegelbild für die Reinheit des hier lebenden Menschengeistes. Sie waren dem Menschen zu Dienst und Freude da, aber dennoch frei, sprangen froh und zutraulich umher und setzten sich nicht in Wehr oder Angriff; denn sie waren den Menschen gewohnt und liebten ihn als einen starken, überlegenen Freund.

Es gab keine Schädlinge zu Thyatira, auch nicht an den Pflanzen. Alles war rein und einfach in der Schönheit dieses Weltenteiles, erfüllt vom Geiste des Erkennens.

(Fortsetzung folgt)



Fragen-Beantwortungen


durch Abd-ru-shin



Frage: Ich habe oft darüber nachgedacht, worin bei dem Erleben des Gottessohnes Jesus in der Wüste die eigentliche Versuchung des Widersachers liegt. Ich bin dabei zu keinem rechten Begreifen gekommen. Kann mir Abd-ru-shin darin einen Lichtblick geben?

Antwort: Es ist gut, daß diese Frage einmal gestellt wird; denn es ist noch nie ausführlich darüber gesprochen worden. Wahrscheinlich wurde auch der richtige Sinn der damaligen Versuchung noch nie gefunden, weil der Mensch auch darin wie in allen geistigen Dingen viel zu oberflächlich blieb. Allerdings setzt das richtige Verstehenkönnen die Kenntnis meiner Botschaft voraus. Ich will versuchen, nun einen tieferen Einblick zu gewähren:

Jesus ging in die Wüste, um in deren Einsamkeit den notwendigen Durchbruch seiner Erkenntnis der eigenen Gottabstammung zu fördern und zu erleichtern, was für die Erfüllung seines Wirkens unerläßlich war.

Das Ahnen der damit verbundenen Kraft erfüllte ihn nach und nach mit großem Drängen und wollte sich auswirken, ohne daß er sich dessen schon voll bewußt werden konnte. Nur wenige Tage hätten noch gefehlt, und auch das Wissen seines Könnens in grobstofflicher Auswirkung hätte in voller Klarheit vor ihm gelegen.

Dann würde es aber für den Versucher zu spät gewesen sein, Jesus zu etwas veranlassen zu wollen, was dessen Wirken von vornherein einen Schaden bringen mußte.

Wie immer, so erfaßte der Versucher auch hierbei geschickt einen Zeitpunkt, der für seine Absichten günstig war. Das konnte in diesem Falle nur die Zeit des Überganges sein zwischen dem Empfinden der hervordringenden Gotteskraft und deren bewußten Anwendung im Lichte der Gottweisheit, die gleichzeitig zum Durchbruch drängte.

Die Weisheit kennt die unverbiegbaren Gesetze, die der Gotteswille in die Schöpfung legte, aus denen heraus die Schöpfung erst erstand und auch erhalten wird.

Der Widersacher kannte die Gesetze und baute darauf seinen Plan. Er wählte ganz geschickt den Augenblick, da Jesus sich seiner Aufgabe und seiner Herkunft immer stärker bewußt wurde, aber noch kein ganz klares Erkennen hatte, während es also noch in ihm gärend wogte. Das war die einzige Gelegenheit und Möglichkeit, Fallstricke zu legen, die ihn zu einer seine zukünftige Aufgabe schädigenden Unbesonnenheit hätten verleiten können, die sein Auftreten vor den Menschen von vornherein für eine lange Zeit wirkungslos machten, mindestens aber stark abschwächten.

So fand er auch schnell den für diesen Angriff empfänglichsten Punkt, der in der unsagbaren Liebe des Gottessohnes zu den Menschen lag. Jesus wollte ja der Menschheit mit offenen Armen freudig helfend entgegengehen, da er die Verkörperung der Gottesliebe auf Erden war. So schmeichelte der Versucher: „Bist Du Gottes Sohn, so mach, daß diese Steine Brot werden!“ Daran schloß sich der tiefere Sinn, daß die Menschen ihm dann zujubeln würden, um sich willig seinem Worte zu öffnen, das er ihnen bringen wollte zur Erlösung in dem Wissen. Jesus hätte damit gleich bei seinem Auftreten die Menschen für sich gewonnen und leichteres Wirken gehabt.

Darin lag die Lockung! Es war in der Tat ein lockendes Ziel für die im Wort helfenwollende Liebe, die natürlich das Bestreben in sich trug, so schnell und auch so durchgreifend wie möglich wirken zu können.

Würde es nun in dieser Art ausführbar gewesen sein, so wäre von einer Versuchung keine Rede, sondern das Ganze hätte sich als eine Hilfe zu schnellerer Durchführung des Wirkens des Gottessohnes gezeigt, was durchaus nicht im Sinne des Widersachers lag.

Die Versuchung wurzelte darin, Jesus zu etwas zu veranlassen, was ihm nicht möglich war und wodurch er die Menschen enttäuscht hätte! Das konnte aber nur zu einer Zeit geschehen, da Jesus noch nicht „fertig zu seinem irdischen Wirken“ war, da er in sich wohl die übermächtige Kraft zur Wunderwirkung bereits empfand, auch seine Gottabstammung ahnte, aber sich noch nicht zu den für bewußtes Wirken notwendigen Erkenntnissen durchgerungen hatte. Dadurch vermochte er auch noch nicht die durch den Gotteswillen in die Schöpfung festgelegten, selbstarbeitenden Gesetze zu überschauen, in die er seine Macht legen konnte und . . . mußte, weil diese aus Gottvater durch den Willen fließen und vollkommen sind, deshalb nicht verbogen werden können.

Jesus hätte aus dem Grunde niemals aus den Steinen Brot werden lassen können, weil diese Möglichkeit in den Schöpfungsgesetzen nicht vorhanden ist, ebensowenig konnte er sich nicht von der höchsten Zinne des Tempels herabfallen lassen, ohne daß sein Erdenkörper dabei beschädigt worden wäre.

Die Versuchung lag also darin, daß der Widersacher Jesus zu etwas reizen wollte, was ihm mißlingen mußte, damit er damit von vornherein den Glauben an seine Sendung bei den Menschen untergrub.

Der Versucher kannte die Schöpfungsgesetze, kannte das begrenzte Denken der Erdenmenschen, was ja heute noch weit verbreitet ist in dem Wahne, daß der vollkommene Gott in seiner Allmacht Willkürsakte ausführen würde, die seinen eigenen vollkommenen Gesetzen in der Schöpfung entgegenstehen!

Dies alles ausnützend zu einer Zeit, da das Selbsterkennen in Jesus bereits bis zum Durchbruch gereift war und drängend in ihm wogte, aber noch nicht in Klarheit vor ihm lag, wollte er mit seinen Einflüsterungen dem Wirken des Gottessohnes schon im voraus einen schweren Schlag versetzen oder es ganz unmöglich machen, wobei er die damals noch ungestüme Liebe und den Helferdrang zum geeigneten Boden wählte und noch mehr anspornte. Darin lag für Jesus in seinem Werden die Versuchung, die darauf angelegt war, das ganze Hilfswerk schon vor Beginn schwer zu erschüttern.

Gerade dadurch aber angeregt, brach in dem gleichen Augenblicke auch das Wissen bei dem Gottessohne durch und er wies den Versucher ab.

Nun ist es eigentlich sonderbar, daß verschiedene christlichreligiöse Verbindungen als höchsten Glauben betrachten, die Vollkommenheit Gottes wie auch seine Allmacht darin zu sehen, einfach alles tun zu können, ohne sich an seine eigenen Schöpfungsgesetze zu halten, in denen seine Allmacht liegt. So auch ohne weiteres anzunehmen, daß Jesus als Gottessohn aus Steinen hätte Brot werden lassen können.

Gerade damit aber, daß sie diese Zumutung des Widersachers als eine „Versuchung“ berichten und auch anerkennen, beweisen sie eigentlich selbst die Richtigkeit meiner Erklärung der Schöpfungsgesetze in meiner Botschaft! Denn wäre ihr Glaube, daß Jesus als Gottessohn dies hätte tun können, richtig, so würde der Vorschlag des Widersachers keine „Versuchung“ gewesen sein, sondern eine tatsächliche große Hilfe.

Eine Versuchung aber soll immer Schaden bringen, wie es ja auch tatsächlich von dem Widersacher beabsichtigt war. Diesen Vorgang also als eine Versuchung gelten lassen zu wollen und gleichzeitig den bedingungslosen Wunderglauben zu lehren, darin liegt ein Widerspruch, der nicht zu überbrücken ist und deutlich zeigt, daß diesen Lehren wirkliches Wissen vollkommen fehlt, und daß sie mit einer grenzenlosen Oberflächlichkeit behandelt werden.

So zeigen sich die Lücken bisheriger Belehrungen religiöser Institutionen in tausenderlei Dingen und bringen schon bei flüchtiger Beleuchtung selbsttätig vieles haltlose Nichtwissen an den Tag.



Frage: Gibt es eine „Vorsehung“ oder wurde die Lehre von einer solchen nur aus dem Bestreben geboren, zagenden Menschen den Gang durch das Erdenleben zu erleichtern?

Antwort: Vorsehung ist nichts anderes als Wechselwirkung, auf deren scharf vorgezeichneten Bahnen Helfer stehen, die den Menschen Hilfen geben, welche ihre Bahnen richtig gehen. Darin liegt auch Vorherbestimmung eines Erdenweges. Vorsehung ist eigentlich Nachwirkung früherer Entschlüsse im Erleben! Der Mensch aber, der kurzsichtig nur an ein Erdenleben glauben will, nennt diese schöpfungsgesetzmäßigen Nachwirkungen aus diesem Grunde Vorsehung, meint damit aber eigentlich nur die Einwirkungen der auf diesen Wegen für gutwollende Menschen bereitstehenden Helfer, weshalb sehr oft von einer „gütigen Vorsehung“ gesprochen wird.

Es ist also durchaus nicht falsch, wenn das Wort „Vorsehung“ gebraucht wird, solange die Menschen sich kein falsches Bild davon machen. In Wirklichkeit ist aber die sogenannte Vorsehung nur ein Teil des Eigentlichen.





Frage: Wie erfolgte eigentlich die Ausweisung aus dem Paradiese?

Antwort: Vor dieser Beantwortung muß ich eine Gegenfrage stellen: Betrifft die Frage den Gang der natürlichen Schöpfungsentwickelung oder den Vorgang in Verbindung mit dem „Sündenfall“? Denn das sind zweierlei ganz verschiedene Dinge, die in keinerlei Zusammenhang stehen.

Der Einfachheit halber will ich beides beantworten. Nehmen wir dabei zuerst den Gang der Schöpfungsentwickelung. Dabei handelt es sich um den Ausgang der unbewußten Menschengeistkeime von der Grenze des sogenannten Paradieses, um vollbewußt wieder dahin zurückkehren zu können.

Das ist ein ganz natürlicher Vorgang, der eigentlich besser mit dem Ausdrucke „Ausstoßung“ bezeichnet wird. Noch deutlicher gibt es das Wort „Abstoßung“ wieder.

Beim Schöpfungswerden in deren dauernder Entwickelung ist es das Abgehen der unbewußten Geistkeim das Sichselbstloslösen aus dem an das Paradies anstoßenden Gebiet des geistigen Niederschlages durch den Drang zum Bewußtwerden, also der Antritt der Wanderung durch die Stofflichkeiten zum Zwecke der Bewußtseins-Entwickelung.

Aber das ist keine Strafe, sondern eine Gnade. Und diese habe ich als zum Schöpfungswissen gehörend in meiner Botschaft bereits ausführlicher erwähnt.

Die Strafe aber, die auf den Sündenfall folgte, war ein Vorgang für sich, der aber auch wieder wie alles ganz natürlich sich vollzog und schon entwickelte Menschengeister betraf.

Der Sündenfall geschah auf Erden und ist verbunden mit dem Erwachen des Verstandes, das durch Luzifer dem Menschen zu dessen Hebung in der Stofflichkeit gegeben werden sollte. Aber nicht dazu, daß der Mensch sich diesem Verstande beugen sollte, indem er ihn als das Höchste erhob. Er wollte durch ihn herrschen und versklavte sich ihm dadurch, anstatt ihn zu einem feingeschliffenen Werkzeuge für seinen Gang durch die Stofflichkeiten zu machen, um im Danke zu dem Schöpfer damit alles Grobstoffliche hebend zu veredeln und emporzuheben.

Da der Verstand erdgebunden ist und immer bleiben wird, band sich der Menschengeist durch ihn, und unterband jede Verbindung mit den lichten Höhen, seiner eigentlichen Heimat.

Er enteignete sich der für ihn so notwendigen Lichtverbindung, schnitt sich damit eine Rückkehr in die Heimat ab. Sobald der Erdenmensch selbst den Verstand als Höchstes setzte, erschien er wie ein oben zugeschnürter Sack, weil er die Sicht nach oben sich damit verschloß.

Denn der Verstand als ein Produkt des irdischen Gehirnes kann nur alles das verstehen, was gleich ihm zu der Grobstofflichkeit gehört, aus ihr hervorgeht oder eng mit ihr verbunden ist.


Deshalb lehnt er natürlich ab, was nicht zu dieser Stofflichkeit zu zählen ist oder steht diesen Dingen „verständnislos“ gegenüber, was gleichbedeutend mit Nichtanerkennenkönnen ist.

Dieses Abdrosseln von allem Höheren, Nichtstofflichen ist gleichbedeutend mit dem Abschneiden vom Paradiese, was wohl ohne weiteres jedem denkenden Menschen verständlich sein wird. Der Mensch war dabei auf Erden, doch nicht das Paradies, von dem er sich abschnitt.

Auch der Spruch: „Im Schweiße Deines Angesicht es sollst Du Dein Brot nun essen“ ist nicht schwer dabei zu verstehen. In Wirklichkeit sind diese Worte nicht gesagt worden; denn das war nicht nötig, weil die natürliche Folge sich selbsttätig so ergab.

Sobald der Mensch sich durch die Herrschaft des Verstandes von dem im geistigen Reiche befindlichen Paradiese und allem Höheren, Außerstofflichen abgeschnitten hatte, weil er es nicht mehr verstehen und deshalb auch nicht mehr davon wissen konnte; mußte sich dem Verstande entsprechend sein ganzes Denken und Tun nur auf alles Erdgebundene richten. Dadurch erstand das Streben nur nach diesen an sich niederen Dingen! Des Erdenmenschen Blick wandte sich also von oben ab der Erde zu und allen irdischen Bedürfnissen, für die er seine ganze Kraft erschöpfte und deshalb zuletzt nicht anders konnte, als im Schweiße seines Angesichtes und im Kampf mit seinen Nebenmenschen um das tägliche Brot zu ringen.

Darin lag die Strafe, die sich aber von selbst ergab aus der Abwendung von Gott und seinen lichten Höhen zur groben Stofflichkeit, der er mühsam abringen mußte, wonach sein Sinnen stand.

Das an sich selbsttätige und selbstverständliche Geschehen wurde bildhaft in dem Sündenfalle und der Ausstoßung wiedergegeben, die nichts anderes als eine Selbstabschnürung von dem Paradies des Geistigen war.

Die Verlockung erfolgte nicht im Paradiese, sondern auf der Erde; denn in das Paradies hätte die Schlange nie kommen können, ganz abgesehen davon, daß die im Paradies lebenden Geister gar nicht in solcher Weise hätten verlockt werden können, weil diese nur in der Empfindung schwingen und wirken. Dort benötigen sie den nur zur Stofflichkeit gehörenden Verstand nicht, dem die Lockung galt.


Mitteilungen an die Leser


Wir freuen uns immer, von den Lesern Anfragen zu erhalten, auch wenn einige darunter sind, die uns Unmögliches zumuten. Aber sobald die Möglichkeit einer Erfüllung gegeben ist, wird es geschehen. Verständlich sind uns Anfragen nach seelischen Hilfen, da wir so ausführlich auf die Vermittlung zu körperlichen Hilfen eingegangen sind.

Den stetig dafür an Zahl wachsenden Interessenten wünschen wir reichsten Segen!

Natürlich ist es uns auch möglich gewesen, für unsere Leser eine Verbindung zu Beratungen in seelischen Nöten herzustellen, die sich nicht aufbauen auf lange und kostspielige psychisch-analytische Behandlungen, sondern von ganz neuer Art sind. Dabei werden nicht die schwachen Stellen und Fehler einer Seele hervorgezerrt, sondern die guten, zum Teil oft noch schlummernden Eigenschaften und Fähigkeiten erforscht und gestärkt, welche dann im Erstarken alle schwachen und drückenden Stellen selbsttätig abstoßen.

Die Freude über die Erfolge solcher Art des Vorgehens zeigt sich durch viele Dankschreiben, in die wir Einblick erhalten konnten. Der Einfachheit halber geben wir auch hiervon nur einige kurze Auszüge, damit die anfragenden Leser selbst erkennen, ob es das ist, was sie suchen; denn wir wollen zu nichts veranlassen und freuen uns nur, wenn wir unsern Lesern gefällig sein können.

Deshalb geben wir auch nicht anpreisend die Adresse bekannt, sondern vermitteln alle bei uns eintreffenden Anfragen. Die Antwort erhält aber dann ein jeder Anfragende unmittelbar von der betreffenden Beratungsstelle. Dabei bleibt jede Zwischenstelle ausgeschaltet.

Hier die erwähnten Auszüge:


E.B. in München: Vielen Dank für die Studie betr. Frl. G.! Da die Arbeit von Ihnen kommt, können Sie - mehr als aus meinen Worten - ermessen, was sie uns wert ist . . . Das Bewußtsein, mit Ihnen Verbindung zu haben, gehört zu den hohen Glücksempfindungen, an denen das Leben immer reicher wird ....


F.A. in Trofaiach: . . . danke Ihnen für Ihre gute Arbeit. Vieles darin brachte mich wegen des Zutreffens in Erstaunen

H.S. in Berlin: . . An Hand Ihrer Erklärungen glaube ich den richtigen Weg erkannt zu haben und werde versuchen, ihn zu gehen.....

C.S. in Königsfeld: . . . Die Arbeit, sowie auch Ihr vorheriger Brief, strömen etwas eigenartig Beruhigendes und Wohltuendes aus. Sie ist für mich ein guter seelischer Halt und gibt mir nützliche Hinweise für Gegenwart und Zukunft.....

O. G. in Rio de Janeiro: . . . Wir haben die Charakterskizzen erhalten und geben Ihnen durch diese Zeilen unsere Dankesfreude zum Ausdruck......

O. D. in Zürich: . . . Von Herzen danke ich Ihnen für Ihre Seelenhilfe, die Sie mir gegeben haben . . . Sie sind der Seelenarzt im wahrsten Sinne des Wortes. Seit ich bei Ihnen war, ist mir nie mehr so schwer gewesen........

C.W. in Stuttgart: . . . Ihre Arbeit hilft mir gerade in den wesentlichsten Dingen sehr viel . . . Es ist ja so unbegreiflich schön dieses Leben des Erwachens, des Erkennens von Zusammenhängen, die bisher verschlossen vor uns lagen....

R.N. in Melbach i. Hessen: . . . diese Art von Geschenken haben und behalten den größten Wert für einen Menschen.......

E.S. in Schwörstadt: . . . Es ist in der Tat so, wie Sie es in der ganzen Arbeit so wunderbar und treffend zum Ausdruck bringen. Ich mußte mich nur wundern, wie Sie dazu in der Lage sind, die geheimsten Gedanken eines Menschen zu ergründen. Auch bin ich Ihnen von Herzen dankbar für die guten Ratschläge, die Sie mir in Bezug auf mein geistiges Weiterkommen erteilten ........

D.F. in St. Gallen: . . . Mir ist nun manches klar geworden, was mir vorher innerlich sehr zu schaffen machte

J. G. in Amsterdam: . . . besten Dank für Ihren Brief, es hat mir unendlich viel geholfen.... .

O.P. in Brandis, Elbe C.S.R.: . . - die Arbeit bedeutet eine Beschleunigung für meine Entwickelung. Was ich bisher als unbewußten Drang und unklare Empfindungen fühlte, wurde bewußt und ich fühle jetzt auch die Verantwortung für den erweiterten Gesichtskreis......

A.L. in Goslar: . . . Ich bin überzeugt, daß dies nun der rechte Weg zu einer möglichen Heilung für Frl. R. ist! . . .

E.N. in Remscheid: . . . Mein Leben haben Sie so klar umrissen, wie ich es aus Schwäche mir selbst kaum eingestanden habe, alles ist mir nun eindeutig klar . . . .

C.W. in Schw. Gmünd: . . Lassen Sie mich Ihnen von ganzem Herzen Dank sagen für all die Weisheit, die Sie mir mit meiner Charakteristik gegeben haben! Gern hätte ich schon früher geschrieben aber ich wollte mir erst noch bis ins Kleinste über alles klar sein, was ich Ihnen antworten möchte. . . . .

E.S. in Basel: . . . Ich war wirklich erstaunt, wie Sie mir wieder in aller Kürze die Anweisungen gaben, die mir am besten zu meinem Vorhaben dienlich sind und ich habe aus Ihren Zeilen auch den nötigen Mut und die Sicherheit empfangen . . . .

M. S. in Bremen: . . Ich danke Ihnen herzlichst für Ihre Ausarbeitung, die mir in meiner jetzigen kritischen Lage viel Stärkung bringt. Stehe ich doch den Schwierigkeiten schon ganz anders gegenüber, empfinde eine frohe Sicherheit . . . .

H. P. in Schwerin: . . Sie haben mir wieder einen Leitfaden zum Guten in die Hand gegeben und ich werde mich bemühen, daß Ihre Arbeit nicht vergebens gewesen ist.


Anfragen sind an den Verlag zu richten mit der Sonderbezeichnung: „Betrifft Seelenberatung.“

Weiteren Anregungen aus dem Leserkreise sehen wir gern entgegen.


VERLAGS-A.-G. „DIE STIMME“

Zürich 7, Drusbergstraße 17

Telephon 46.575 - Postscheckkonto VIII 5345



Es sei besonders hervorgehoben, daß „Die Stimme“ durch jede Buchhandlung zu beziehen ist.



Inhalt:



Seite


1. Kinderfragen. Von Charlotte von Troeltsch. 4

2. Das verschleierte Bild zu Sais. Von Hermann Lohr 7

3. Zu dem Aufsatz „Das Blut-Geheimnis“ von Abd-ru-shin.

Von Hofrat Med. Dr. Leopold Ceipek 11

4. Emanuel Swedenborg als ein Wegbereiter Abd-ru-shins.

Von Karl Linkelman 16

5. Der Stufenweg der Menschengeister.

Von Susanne Schwartzkopff 37

6. ls-ma-el als Wegbereiter für den Geist der Wahrheit durch die

sieben Weltenteile der Schöpfung. 2. Fortsetzung 46

7. Fragenbeantwortungen. Von abd-ru-shin.


1.Die Versuchung des Gottessohnes Jesus in der Wüste 54


2.Gibt es eine „Vorsehung“? 58


3.Die Ausweisung aus dem Paradiese. 58


8. Mitteilungen an die Leser 61








__________

















Herausgeber Verlags A.-G. „Die Stimme“, Zürich, Drusbergstraße 17

Verantwortlich: Für die einzelten Artikel und Mitteilungen die

Verfasser. Für den übrigen Teil: Herr Arthur Giese, Zürich

in Wirklichkeit war Kassandra anders!

H. DE GEYMÜLLER, Swedenborg und die übersinnliche Welt. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart - Berlin..

Geymüller S.18.

Geymüller S. 67

Geymüller S. 68

Geymüller S. 69

Geymüller S. 69.

Geymüller S. 72/73

Geymüller S. 73.

Geymüller S 76/77

Geymüller S. 108.

Geymüller S. 109/110

IM LICHTE DER WAHRHEIT. Gralsbotschaft von Abd-ru-shin. Große Ausgabe. S. 30131.

Abd-ru-shin S. 34/35.

Abd-ru-shin S 47/48.

Abd-ru-shin S. 48.

Abd-ru-shin S. 409

Abd-ru-shin S. 89/91.

Abd-ru-shin S. 38/39.

Abd-ru-shin S. 39/40.

Abd-ru-shin S. 38.

Es sind damit Sonnen bezeichnet, die um eine große Sonne kreisen wie Planeten

1

← Alle Vorträge · Startseite