Jahrgang 1937 Heft 4
DIE STIMME
Schrift
für Erstarkung im Wissen
und Können.
VERLAGS A. - G. ,,DIE STIMME“, ZÜRICH
Copyright by Verlag A - G „Die Stimme“, Zürich
Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung. Vorbehalten
Druck:Buchdruckerei Thurtal, Mühlheim ( Schweiz )
Nur wem die Flamme im Innersten glüht
Wer immer vorwärts, nie rückwärts sieht
Darf Streiter des Lichtes auf Erden sein
Im Tempel Gottes ein fester Stein.
Mitreißend und helfend, geführt und wahr,
Im Sturm nicht erschüttert, sicher und klar,
So willst Du die Deinen, so sollen sie sein,
Im Dunkel der Menschheit ein heller Schein.
O hilf uns zur Reinheit, Herr, schenke uns Kraft,
Daß jeder rings um sich den Boden erschafft,
Bereit für die Saat aus dem Lichte gesät,
Aus der einst Dein Reich des Friedens ersteht!
Grober Unfug.
Eine Plauderei mit ernstem Einschlag
.
Von Hermann Wenng.
Eswar im Sommer des Jahres 1936, da war in den Zeitungen durch Tage hindurch zu lesen von einem „Drama", das sich in der Nordwand des Schweizer Berges „Eiger", eines Teiles des Jungfrau-Massives, abgespielt hatte.
Drei junge Leute hatten den Versuch unternommen, eine Erstbesteigung dieser als unbesteigbar bekannten Wand durchzuführen und waren bei diesem von vornherein aussichtslosen Versuch, vor dem bergkundige Menschen eindringlichst gewarnt hatten, umgekommen.
Sie hatten alle drei unter besonders schweren Umständen ihren Tod gefunden durch Erfrieren, teils aus Erschöpfung - einer derselben hatte sogar zwei oder drei Tage und Nächte wie ein Lumpenbündel am Seil gehangen, frei in der Luft schwebend, ehe er starb und das Seil riß.
Die Zeitungen hatten daran ihre Bemerkungen von einer besonderen Tragik geknüpft, daß drei junge Menschenleben auf eine so erschütternde Weise zu Grunde gehen mußten bei einem Wagnis, vor dem man sie freilich fruchtlos gewarnt hatte, denn sie hatten auf diese Warnung geantwortet: „Entweder gehört der Berg uns oder wir gehören dem Berg!"
Es dürfte nun kaum einen Menschen gegeben haben, bei dem sich in das Bedauern über den schlimmen Tod dieser drei Bergsteiger, die man im Allgemeinen als die Opfer eines an sich ganz gesunden und berechtigten Ehrgeizes ansieht, als Opfer eines notwendigen und richtigen menschlichen Strebens, nicht doch ein sonderbares Gefühl, eine Empfindung von Schuld mit einschlich, das keinem so recht klar geworden sein mag, das aber doch unleugbar vorhanden war.
Alles Reden und Schreiben über ein leider vergebliches Heldentum, alles Mitleid mit den Anverwandten, den Müttern dieser drei und alles Bedauern über das Mißgeschick vermag es nicht zu verscheuchen. Aus Äußerungen über die sehr zahlreichen ähnlichen Vorkommnisse klingt es wie ein uneingestandenes Geständnis von Mitschuld, die Worte über die Tragik solchen Geschehens wollen nicht recht über die Lippen und nicht recht aus der Feder, es sieht erzwungen und falsch aus und allen ist es zu Mute, als ob sie auf einer Lüge ertappt würden.
Bei diesem besonders krassen Fall zwar, bei dem das Unrichtige der Handlungsweise so ganz unzweifelhaft zu Tage tritt, half man sich vielfach durch Schelten über die Unbesonnenheit und zu großen jugendlichen Wagemut über eben diese Empfindung von Mitschuld hinweg. Ebenso klar ist es aber auch, daß man im Falle des Gelingens das Tun dieser drei jungen Menschen als eine bemerkens- und lobenswerte Heldentat würde in allen Tonarten besungen haben und die meisten von denen, die bei Mißlingen sich über dies sonderbare Gefühl von Schuld hinweggescholten haben, würden im Gelingensfalle ebenso stolz auf sie gewesen sein, stolz, daß wieder einmal der Geist, der Mut und die Tatkraft des Menschen über die Natur triumphiert habe. Viele wären dadurch angeeifert worden, ebensolches und womöglich noch „Größeres" zu versuchen, die hervorragende Tat durch eine noch hervorragendere zu übertrumpfen.
Dies ist jedenfalls nicht zu bestreiten, wie doch auch gewiß niemand bestreiten wird, daß unzählige analoge Fälle geschehen, bei denen immer ein Mensch es dem andern nachmacht, einer durch den andern angeregt wird, nach aller Möglichkeit den Vorhergehenden und das Vorhergehende zu überbieten, daß also lediglich der Ehrgeiz die treibende Rolle spielt bei all diesen Geschehnissen. Lediglich der Ausgang, der nicht immer dem Menschen das Risiko dieses Beginnens so deutlich vor Augen führt, unterscheidet sie voneinander.
Nicht immer ist das Unsinnige und Zwecklose dieser und ähnlicher Wagnisse so in die Augen springend, wie hier bei diesem Bergklettern, bei dem doch auch bei bestem Gelingen irgend ein Nutzen für irgend wen noch für irgend was nicht zu ersehen ist, wenn man die Gelegenheit, Zeitungsartikel und Notizen zu schreiben, nicht für einen solchen ansehen will. Es werden also hier alle Stimmen, bis auf die wenigen direkt oder indirekt Beteiligten sich darin einig sein, solches Beginnen mindestens für unnötig zu erklären; einige Wenige werden sich dazu aufschwingen können, dieses Beginnen als das zu erklären, was es ist: Grober Unfug!
Wenige auch werden sich bei solcher Erfahrung die Frage vorgelegt haben: Haben die Menschen wirklich nichts anderes mehr zu tun, als daß sie solches unternehmen? Wissen die Menschen nichts Besseres mehr mit ihrem Leben anzufangen, als es für solche Albernheiten hinzuwerfen? Und einige Wenige sind vielleicht durch solche Lektüre dazu angeregt worden, sich es flüchtig durch den Kopf gehen zu lassen:
„Wenn dies ein Menschenleben ist, wie ist es dann die Mühe wert, daß es gelebt wird?"
Diese und ähnliche Fragen drängen sich dem aufmerksameren Beobachter und denkenden Menschen auf Schritt und Tritt auf, man muß sich wundern, daß es nicht mehr geschieht und daß diese Dinge alle einfach als ein unabänderliches Fatum hingenommen werden. ,,Es ist eben so und wird immer wieder vorkommen", damit beschwichtigt man alle auftauchenden Fragen. -
Wenn es sich um den tödlichen Unfall eines Rennfahrers handelt, der mit seiner Maschine bei 400 oder 500 km Geschwindigkeit einen Sturz tut, und mit dem Wagen verbrennt, so meint man, ,,daß alle großen Bestrebungen des Menschen eben ihre Opfer fordern", und die Überreste des Verunglückten werden mit großen Ehren begraben.
Wenn man aber jemanden fragen würde, wo denn das Ganze einmal enden wird, und welches Ziel dem Menschen dabei wohl vorschweben mag, so wird man keine klare oder irgend eine befriedigende Antwort bekommen können, sondern auf jeden Fall eine ausweichende, eine solche, die das auch hier auftauchende Mitschuldgefühl an der Opferung so vieler Leben für eine im letzten Grunde zwecklose und gleichgültige Angelegenheit zu beschwichtigen unternehmen will.
Dem wirklich Ehrlichen aber drängt sich leise das Wort auf: ,,Grober Unfug! ”
Niemand weiß anzugeben, für welches edle Ziel diese unendlichen Opfer gebracht werden, wenn es nicht auch hier zuletzt einzig und allein der ,,Ehrgeiz" ist. Bei der Entschuldigung dieser Opferung so vieler für den ,,Fortschritt" der Technik, Belebung des Geschäftes, Konkurrenzierung u. s. w. ist bestimmt niemand wohl! Und auch hier wird man sich immer fragen müssen: „Gibt es wirklich kein anderes Ziel für die Menschen? Wissen sie mit ihrem Leben wirklich nichts anderes anzufangen? Ist es ein Ziel, das den Einsatz so vieler Leben wert ist? ”
Und so kann man alle menschlichen Tätigkeiten, Unternehmungen, sogenannten Bestrebungen, betrachten immer wird sich dem feiner Gesinnten die bange Frage aufdrängen: Wozu? Wohin? Freilich, klar bewußt wird diese Frage den Wenigsten kommen, ist man doch durchaus gewohnt, alle diese Dinge als „naturgegeben” zu betrachten, insofern man sie überhaupt „betrachtet” und nicht einfach alles laufen lassen will, wie es läuft, in der Hoffnung, daß ,,man selbst“ vielleicht doch von diesem tollen Wirbel möchte verschont bleiben.
Tatsache ist indessen - und der Versuch, dies zu leugnen, dürfte wegen seiner Aussichtslosigkeit wohl auch gar nicht erst gemacht werden - daß kein Mensch auf Erden lebt, der das Treiben der Menschen auf Erden zu verstehen vermöchte!
Viele leben nun in der sonderbaren Hoffnung, daß vielleicht doch irgendwo einer sein würde, der es versteht. Einer verläßt sich dabei auf den anderen: der Geschäftsmann auf den Politiker, der Politiker auf den Wirtschaftler, dieser wieder auf den Gelehrten, auf den Spezialwissenschaftler und dieser zuletzt wieder auf den Philosophen, und alle zusammen auf irgend wen, den sie nicht kennen.
Ein jeder weiß, wenn er ehrlich sein will, aber nur das eine: daß er es nicht versteht, was selbstredend nicht ausschließt, daß es viele gibt, die sich so anstellen, als ob sie es verstünden, als ob sie Auskunft über das Ende und die Ziele menschlicher Bestrebungen, die auch ihnen in einem versteckten Winkel ihres Denkens manchmal die Bezeichnung „Grober Unfug“ zu verdienen scheinen mögen, zu geben vermöchten.
Wer freilich genau hinsieht, wird unschwer gewahr, daß alles sich über das Nichtwissen durch tönende Redensarten hinweghelfen möchte, daß alles Schreiben und Reden letzten Endes nur Verlogenheit ist. Gewiß ist und sicher nur das eine, und dies ist, daß niemand etwas weiß! Daß sich ein jeder auf den anderen verläßt, daß dieser es schon wissen müsse, was er tut und warum er es tut.
Wer vermag es aber zu leugnen, daß der Menschheit ganzes Denken, Streben und Tun zum Ende immer in eine Art groben Unfugs ausartet? Das „harmlose“ Bergsteigen, das Klettern, die Rekordsucht im Sport sind alles nur Ausfluß eines Grundübels. Viele erkennen aber nur die Folgen und meinen, wenn man solche Auswüchse beschneiden könnte, würde der ganze Baum schönere Früchte tragen. Dem Grundübel aber, dem Nichtwissen, der völligen Blindheit gegenüber dem Ende solchen Weges will niemand zu Leibe gehen.
Wenige sind, die einmal sinnend stehen und ihr eigenes Leben und Treiben empfinden als einen „Groben Unfug“ - vor - ja, vor welchem Gesetz? Vor der Menschen Gesetz? Vor dem, das sie sich selbst gaben? Vor der Kirchen Gesetz?
Vor der Menschen Gesetz ist dies alles gerecht; die Kirchen weihen die Waffen und beten um den Sieg der gerechten Sache - und dennoch empfinden es Unzählige, daß sie trotzdem ein Gesetz verletzen. Sie empfinden es, wollen es nur nicht wahr haben, denn sie haben keine Erklärung dafür und ihre Eitelkeit läßt es nicht zu, einzugestehen, daß sie keine haben. Wenige nur sind; die es nicht leugnen und ehrlichen Herzens einen Weg suchen, der sie zum Wissen führt, zum Erkennen führen könnte.
Recht haben - recht handeln.
Von Lucien Siffrid.
Derheutige Zusammenbruch der Menschheitsgeschichte ist die Frucht des menschlichen Denkens! Da aber Entwickelung und Aufbau im Willen Gottes liegen, muß dem Ausgangspunkt menschlichen Denkens ein verhängnisvoller Irrtum zu Grunde liegen. Denn sonst könnte die Frucht nicht der vollständige Zusammenbruch sein.
Dieser grundlegende Irrtum ist die Verbiegung der Grundlage alles Denkens der Menschen. Sie sind nicht mehr fähig, sich in Demut empfangend in das große Werden einzustellen, sich freudig schaffend dem Ausgangspunkt alles Seins zu beugen! Der Mensch allein will erringen, will die Natur bezwingen! Er betrachtet sich als den Ausgangspunkt aller Erkenntnis!
Aus diesem Grunde tragen alle Gedanken, Worte und Handlungen des Menschen, die nicht im Willen Gottes schwingen, die nicht die überzeugende Kraft des alleinigen Ursprungs in Gott ausstrahlen, den Stempel des Falschen und führen zum Niedergang.
In den folgenden Beispielen kann der Leser erkennen, wie der Verstand, der nur sich selbst anerkennt, aus ,,Recht haben - recht handeln” Begriffe formt, die nicht gewollt sind und deshalb den wahren Sinn entstellen.
Mehrere Bekannte sitzen gemütlich zusammen und unterhalten sich über das beliebte Thema des Autowesens. Jeder bringt etwas Neues, weiß von einer einschneidenden Verbesserung auf diesem interessanten Gebiete. Jeder übertrumpft seinen Nachbarn, schlägt ihn mit größeren Fachkenntnissen aus dem Feld, bis dieser wieder aus seinen Erfahrungen die neuesten Schlager auspackt. So geht es weiter.
Einen Laien würde solches Wissen in helle Verwunderung versetzen. Der Schauplatz dieser angeregten Unterhaltung ist ein Großstadtlokal in welchem unter anderem auch die internationalen Sportgrößen verkehren.
An einem Nebentische sitzt unerkannt ein ganz bedeutender Autofachmann. Er verfolgt mit gespanntem Interesse die anscheinend fachmännischen Gespräche der Autoliebhaber. Er hätte gern eingegriffen, als die Ausführungen zu weit in das Reich des Unwahrscheinlichen übertraten, Unkenntnis verratend. Doch er hielt sich zurück, da er sich entschlossen hatte, seine Studien zu machen, zu beobachten, wieweit sich das Besserwissenwollen solcher unerfahrenen Leute versteigen kann.
Ein einziger Satz hätte genügt, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, damit wäre dem gegenseitigen Übertrumpfenwollen ein Ende gesetzt.
Er überlegte hin und her. Belehrte er sie, würde er ja auch der Wahrheit dienen. Der Ausgleich von Geben und Nehmen läge dann im persönlichen Erfolg. Es wäre schließlich nichts dabei, da er ja nicht versucht, einen Nebenmenschen zu übertrumpfen, weil sein Wissen sein anerkanntes Spezialfach ist.
Schweigt er aber weiter, bedeutet es für ihn eine Selbstüberwindung, die ihn geistig weiter bringen muß. Doch dann bleibt er unerkannt!
Dieser letzte Gedanke bringt ihm plötzlich das Erkennen seiner Neigung zur Eitelkeit. Diese Erkenntnis ist der Lohn für seine Selbstüberwindung, der ihm sofort zu Teil wurde, als er sich zum Schweigen entschloß.
Nun konnte er sich in der Selbstbespiegelung betrachten. Er sagt sich, daß er niemandem die Decke wegzieht, wenn er die Gesellschaft im Fachwissen aufgeklärt haben würde. Aber es wäre Eitelkeit gewesen; denn in der ihm verfügbaren kurzen Zeit hätte er kaum ein einigermaßen klares Bild über Fachtechnisches geben können. Es würde nur ein Sich - anerkanntwissen dabei herausgekommen sein. Also ein persönlicher Erfolg. Unter dem Deckmantel, der Wahrheit zu dienen, hätte er der Eitelkeit gedient.
Also war die Selbstüberwindung zum Schweigen das Recht-handeln, eine Tat, die rein im Schöpfungsgesetz schwingt. Deshalb kann sich sofort das Gesetz der Wechselwirkung auslösen und bringt allen ein Erleben.
Es tritt zu dem Autofachmann ein Herr heran, der ihn freudig begrüßt und dabei laut seinen Namen nennt. Die Anwesenden sind nicht wenig erstaunt, in dem Unbekannten den großen Autofachmann zu sehen.
Mit Schrecken erkennen sie, wie jämmerlich sie sich durch ihr Gerede blamiert haben. Dadurch stehen sie jetzt vor derselben Entscheidung zwischen Empfindung und Verstand, die der Fachmann, auf geistiger Ebene stehend, zu Gunsten der Empfindung vollzog. Auch sie müssen jetzt wählen zwischen Recht-haben und Recht-handeln und zwischen Recht-haben- und Recht-handeln-wollen.
Der eine nähert sich dem Fachmann schmeichlerisch und selbstentschuldigend. Der andere mit unverhüllter Neugier, während der geistig Suchende in ruhigem Ernst strenger Sachlichkeit sein Erleben als einen kostbaren Schatz hütet.
Läßt sich der Autofachmann trotzdem von einem seiner Bewunderer feiern, läßt er die eigene strenge Kontrolle fortfallen, so wird dadurch sein vorheriger geistiger Sieg zu einer geistigen Niederlage.
Aber es war ihm durch seine Selbstüberwindung als Lohn Kraft genug gegeben, den Erfolg zu ertragen. Deshalb wäre ein Umfallen für ihn jetzt viel schlimmer.
Die Angewohnheit des Übertrumpfens ist so tief in Fleisch und Blut übergegangen, hat das ganze Denken, Reden und Tun des Menschen so erfaßt, daß er es gar nicht mehr anders weiß! Alle Volksschichten sind ihr Opfer. Politik, Wirtschaft, Kunst, Wissenschaft, Religion, Gesellschaftswesen, Freundschaften, Familienleben, die Ehe, überall dasselbe! Es kann ruhig gesagt sein, das heutige Dasein des Menschen dreht sich nur noch in diesem Kreise!
Wem unter uns begegnet nicht täglich mehrere Mal ein Gegenstück zu dem folgenden:
Bei Tisch wird von Speisen und deren Zubereitungsarten gesprochen. Es kommt die Rede auf die Feststellung der Bezeichnung eines Salates. Der eine nennt ihn rote Rüben, der andere behauptet, der richtige Name könne nur rote Rahnen sein und der dritte vertritt mit Bestimmtheit die Ansicht, die einzige Bezeichnung sei rote Beete. Es bilden sich aus den Zuhörern verschiedene Gruppen, die je nach Temperament, aus Rechthaberei oder auch aus Laune und aus Freude am Widersprechen sich teils zu der, teils zu jener Ansicht entscheiden.
Mit dem einfachen Hinweise darauf, daß jeder Landstrich seine eigenen Benennungen hat, die deshalb auch für die jeweiligen Bewohner die richtigen sind, wäre die ganze Frage gelöst gewesen. Doch ein jeder wollte recht haben.
Oder: Es berichtet jemand, daß er sich bei seiner kürzlichen Erkältung eines Mittels bedient habe, das ihm vor Jahren als ganz besonders wirksam anempfohlen wurde. Gerade wollte er mit der Erzählung der Krankheitsstadien und seiner Wiedergenesung beginnen, als ihm sein Gegenüber mit dem weit interessanteren Bericht über seine noch viel schwerere Krankheit und deren Einzelheiten den Faden abschneidet. Auch diesem ergeht es nicht besser durch einen Dritten, der die beiden Vorgänger mit dem Bekanntgeben seines eigenen Krankheitsfalles förmlich in den Schatten stellt.
Alle drei sprechen aus Hang zum Recht-haben-wollen. Würden sich zwei davon überwinden können, würde der dritte bald stutzig werden, da er sich allein sprechen hörte und könnte zu einem Erleben kommen, in dem er seinen Hang erkennt, sich überwindet und dadurch geistig eine Stufe höher steigt.
In den geschilderten Fällen handelt es sich um Menschen, die in einem unabhängigen Verhältnis zueinander stehen. Sie können sich jederzeit aus ihrer Umgebung lösen, wenn sie ihnen nicht mehr zusagt.
Anders ist es mit Menschen, die in einem Verhältnis von Untergebenen zu Vorgesetzten stehen, auch im Verhältnis vom Kind zu den Eltern. Viele Ungerechtigkeiten und Widerwärtigkeiten können sich daraus ergeben, wenn der Verantwortliche weder recht hat noch recht handelt.
So rollt sich für die meisten Menschen das tägliche Leben ab, inhaltlos an geistigen Werten, hin- und hergeworfen von Schicksalsschlägen. Sie wollen darin nicht die einzige Möglichkeit erkennen, in der Selbstüberwindung Herr des Schicksals zu werden!
Viel hat der ernsthaft Suchende schon gewonnen, wenn er in seinen Reden das Anwenden der häufigen ,,Ichs” vermeidet, sobald diese zum Hervorheben eigener Taten dienen könnten. Sollte der Satz nach dem Ausscheiden der ,,Ichs” nicht mehr lebensfähig sein, kann er ruhig unterbleiben.
Schwerer wird es jedoch fallen, die verdeckten ,,Ichs” zu entdecken, die in unseren Gesprächen nur so wuchern. Mancher Leser wird sich an dieser Stelle sagen „es können doch nicht alle Menschen so denken und leben”, „man ist doch manchmal so schwach gegen sich selbst”, „wir haben noch alle viele Fehler”.
Sehr geschickt hat der Verstand hier, um Selbstlosigkeit vorzutäuschen, das ,,Ich” in ,,es, man, wir” so untergetaucht, daß, erst durch die reine Empfindung geprüft, die Tatsache der Selbstentschuldigung und einer sehr vorsichtigen Selbstbeschuldigung daraus hervorschaut.
Hat die Empfindung so weit durchgegriffen, daß ich gegen mich selbst ehrlich vorgehe, dann werden auch die Gedanken nach und nach reiner werden. Der Mensch braucht dann nicht mehr zu sagen, wie und was er ist, um dadurch andere überzeugen zu wollen, er ist so von dem Augenblicke an, wo er es nicht mehr sagt, daß er so ist.
Die selbstherbeigeführte Unterbindung durch das Wollen des erdgebundenen Verstandes mußte notgedrungen mit zu dem heutigen Wirrwarr führen. Nicht einer unter uns Menschen ist von den verheerenden Folgen des falschen Denkens verschont geblieben. Alle zeigen deutlich das Malzeichen an sich, das uns Unglück, Unzufriedenheit, Unausgeglichenheit und Unglaube aufbrennt.
Würden wir uns ernsthaft darum bemühen, Gott zu erkennen, anstatt Ihn anzuerkennen, so könnte es nur jubelnden Dank geben. Dank dafür, daß wir sein dürfen!
Solange das nicht möglich ist, muß die Grundlage alles Denkens verbogen sein. Die Logik dieses Gedankens liegt in der Tatsache, daß Gedanken ,,Gott danken” ist!
Der Mensch verbog ,,Das Ego ist”, das ,,Ich bin”, willkürlich in ,,Der Egoist”. Er wurde dadurch zu dem vom Verstandesdünkel umstrickten besserwissenwollenden Schädling, der, anmaßend und hilflos zugleich, als Trauergestalt vor der Wirklichkeit steht. Er ließ die reine Sache, das sächliche ,,Ego ist”, in dem persönlichen Begriff ,,Egoist” erstarren.
Warum musizieren wir?
Von Clär Weglein.
Wirstehen alle in schwerem Lebenskampf. Das gemeinsame Schicksal hat uns vor große Aufgaben gestellt. Viele äußere Dinge und Güter haben im Lauf der letzten Jahre an Wert und Bedeutung verloren - wir sind gelehrt worden, unsern Blick nach innen zu richten, nach den Gütern, die uns nicht genommen werden können.
Sehnsucht nach Wahrheit und Klarheit, nach Schönheit, Frieden und Harmonie erwacht wieder in diesen Zeiten schriller Disharmonie.
Vielleicht ist es gerade der Sinn solcher Zeiten: uns mehr aufzuschließen für alles Gute, Wahre, Schöne, für alles, das uns Verbindung schafft mit höheren, geistigen Sphären, über welchen wir den Schöpfer wissen.
Was aber trägt mehr die Fähigkeit in sich, uns über uns selbst hinauszuheben, uns den Alltag mit all seinen Mühen vergessen zu lassen, als jede echte Kunst? Und keine wiederum spricht so zum Herzen des Menschen, daß sie Nöte und Verzweiflung in ihm lösen, ihm sein seelisches Gleichgewicht wiedergeben, und ihn von allem Druck befreien kann, wie die Musik, die Sprache der Töne, die auszudrücken vermag, was in Worten nie gesagt werden könnte.
Musizieren heißt doch letzten Endes: In Tönen sagen, wie und was man empfindet. Man braucht dazu nicht Komponist, nicht selbstschaffender Musiker zu sein. Auch wenn der Stoff gegeben ist, wird er durch den Spieler belebt und gestaltet, erlebt, und die Art, wie wir gestalten, wie wir auffassen und wiedergeben, spiegelt uns selbst als Mensch in unserer persönlichen Prägung wider.
Weil wir das wissen, scheuen wir uns oft, ausübend an die Musik heranzutreten. Eng begrenzt sind unsere Fähigkeiten!
Es kommt aber gar nicht darauf an, daß wir Virtuoses leisten. Ein einfaches Kinderstück, in seiner Art vollendet gespielt, kann uns vielleicht mehr ans Herz rühren und uns zu innerem Aufschwung bringen, als manche brillantäußerlich wirkende Komposition. Bedingung ist nur, daß der Inhalt des Stückes unserm Empfinden entspricht, damit wir immer ehrlich, natürlich und vor allem überzeugt musizieren können.
Wir spielen ja, um Freude zu machen, uns und anderen Menschen.
Diese Freude müssen wir nicht nur im tiefschürfenden Inhalt eines Stückes suchen; perlende Läufe, die wie das muntere Plätschern eines Baches wirken, humoristische Sprünge, originelle Rhythmen, die vielleicht das Bild des Tänzerischen in unserer Vorstellung hervorrufen und uns an Gnomen und Zwerge erinnern, oder ganz volkstümlich gehaltene Melodienfülle, all dies kann uns erfreuen durch seine Lebendigkeit und Frische, durch seine Ursprünglichkeit.
Die Freude an der Musik kann so verschieden sein, aber Musik treiben sollte nur der, der soviel Freude daran hat, daß er auch gern das notwendige Üben und Überwinden von Schwierigkeiten auf sich nimmt.
Sicher ist gerade dies nicht immer zur Freude der Mitmenschen, denn Wilhelm Busch hat recht: ,,Musik wird oft nicht schön gefunden, weil meist sie mit Geräusch verbunden ”.
Aber gerade im Sieg über Schwierigkeiten liegt eine Freude, die wir sicherlich alle in irgend einer Form schon selbst erlebt haben: das jubelnde ,,ich hab's doch geschafft ”!, das uns den Ansporn gibt zu immer weiterem Überwinden.
Dies ist auch der tiefste Grund, warum man die Kinder trotz manchem, was sich dem entgegenstellen möchte, irgend ein Instrument erlernen lassen sollte.
Es liegt ein erzieherischer Wert im Musikunterricht, der vielleicht nur selten richtig erfaßt wird.
Dieser Einzelunterricht ermöglicht, im Gegensatz zur Schule, in weitestgehendem Maße an der seelischen Entwicklung des werdenden Menschen mitzuarbeiten. Zeigt dieser doch durch die Art, wie er spielt, und auch durch das, was er spielen möchte, wie es in ihm aussieht, was zu seiner harmonischen Entwickelung fehlt, oder was vielleicht im Übermaß vorhanden ist.
Für den Musikerzieher ist dies ein unerschöpflich reiches, lebendiges und vielseitiges Erleben und Beobachten, das ihm hilft, die Seele seines Schülers zu erfassen, wenn es ihm in feinfühligem Helfenwollen darum zu tun ist.
Lehren heißt doch:
Die Gaben und Fähigkeiten eines Menschen erlauschen, sie wecken und fördern, und mit klarem Blick dem Ziele zustreben, das diesen Gaben entspricht. Den Weg zu diesem Ziele in mitreißendem Siegesmut, mit größter Arbeits - und Kampfesfreude gemeinsam gehen, der eine am andern lernend, und beide, Lehrer wie Schüler, wachsend durch siegreiches Überwinden aller Hemmungen, so wird Lehren und Lernen zur reinen Freude.
Gerade im Musikunterricht eignet sich der Schüler Selbstbeobachtung, Selbstüberwindung, Ausdauer, Geduld und Ordnungssinn an, Eigenschaften, die jeder Mensch braucht, wenn er den Lebenskampf erfolgreich bestehen will. Er wird dazu erzogen, in sich selbst hineinzuhören.
Und welche Befreiung, welche Entlastung bedeutet es, wenn wir unser Erleben: Leid, Freude, Kampf, Sieg und Frieden den Tönen anvertrauen können. So manches läßt sich in Worten auch dem besten Freunde nicht sagen, und die menschliche Seele ist mitteilsam.
Für unsere Kinder ist eine solche Äußerungsmöglichkeit jetzt oft notwendiger denn je; sie erleben und leiden vielleicht mehr, als wir ahnen, und können im Musizieren Hilfe finden.
Das Hören von Musik allein, in Konzerten, durch Radio oder Grammophon kann nie mit dem sich selbst darin Betätigen verglichen werden. Es kann eine sehr schöne und wertvolle Ergänzung zum eigenen Musizieren sein, es kann auch einen Ansporn geben, aber es ist nie eigener Betätigung gleichzustellen.
Nur durch das eigene Beschäftigen mit der Musik lernen wir sie richtig erfassen und verstehen. Es ist klar, daß wir das richtige Verständnis für eine Sache, ganz gleich auf welchem Gebiet, nur dann haben, wenn wir uns selbst damit beschäftigen.
Das soll natürlich nicht heißen, daß alle nicht-musizierenden Menschen nichts von Musik verstehen, oder nichts in ihr haben! Indessen weckt die eigene Musikausübung das Verständnis, vertieft und erweitert es. Und unsere schaffenden Künstler brauchen ein solches Verstehen, denn wenn dieses Echo, diese Resonanz, fehlt, hört das Musikschaffen auf. Es verflacht und wird entweder Gefühlsduselei oder Akrobatentum. Beides hat mit wirklicher Musik, mit echter Kunst, nichts zu tun.
Freilich sind unsere Konzertmöglichkeiten sehr begrenzt. Aber eben aus diesem Grunde müssen wir wieder mehr selbst musizieren, sei es auch nur im Chor, Orchester oder aber in der Einzelausübung, die heute unter der Bezeichnung ,,Hausmusik ” eine Quelle reinster Freude bedeutet.
Seit es Menschen gibt, ward gesungen und musiziert. Jedes Land, jedes Volk hat Musik getrieben seit urdenklichen Zeiten. Vielgestaltig sind die Arten, in die das Klingen und Singen in und um uns gefaßt wurde.
Mögen die Gelehrten sich darum streiten, ob Volkslied oder Kunstmusik den größeren Wert hat. Es wird auch da, wie überall, auf den Einzelfall ankommen.
Als Wertmesser für die ,klingende Kunst muß immer und allezeit unser innerstes Empfinden sprechen.
Fühlen wir uns durch Musik im tiefsten Herzen berührt, gibt sie uns einen Aufschwung zum Guten und Wahren, dann haben wir es immer mit reiner Musik zu tun, mit wahrer, echter und tiefer Kunst. Sie kann uns ein Ahnen des Paradieses vermitteln, wenn sie uns auch noch über unser Einzel-ich hinaushebt und im Gemeinschaftsmusizieren und Jubilieren ihren Gipfelpunkt findet.
Dann ist die Voraussetzung geschaffen dafür, daß die hohe Kunst in den Dienst des religiösen Empfindens tritt, denn dann strahlt sie in ehrfürchtigem, dank-, lob-und preis-erfülltem Klingen ihr „Halleluja ” dorthin zurück, von wo sie uns geschenkt wurde, und damit erfüllt sie erst den wahren Sinn allen Lebens.
Und alles werde neu!
Von Margarete Fritsch.
Wie von einem Sturmwind gepeitscht, der einem reinigenden Gewitter vorausgeht, so jagt über die Erde ein Weltenbrand und reißt alles Faule und Morsche mit sich.
Wohl beruhigt sich der weitaus größte Teil der Menschen bei dem Gedanken, es sei immer so gewesen und mit der Begründung, daß nur die neuzeitlichen Erfindungen in der schnelleren Nachrichtenvermittlung uns Kenntnis von allem geben, was in früheren Zeitepochen sich in gleicher Weise abgespielt hat.
Dieser Selbstbetrug kommt einem Sicheinschläfernwollen gleich. Eine gründliche Geschichtsforschung wird immer nachweisen, daß alles Umwälzende, seien es nun Erdkatastrophen, Kriege, umstürzlerische Reformen, Verbrechen, niemals zeitlich so zusammengedrängt eintrafen und verliefen wie in der Jetztzeit.
Doch immer beschleunigter ist das Zeitmaß, in welchem Völkerschicksale sich jetzt vollziehen. Heute noch festgefügte, vermeintlich nicht ins Wanken zu bringende Weltreiche, werden von den Herrschenden wie Beherrschten nicht mehr als sicher empfunden. Eine Unsicherheit macht sich überall bemerkbar, sei es im Staatswesen, dem Wirtschaftsleben, der Wissenschaft, den Gebieten der Kunst und nicht zuletzt in der Familie. Nichts bleibt davon unberührt.
Es müßte naturgemäß alles in Friede und Freude schwingen, wenn alles in den Gottgesetzen sich betätigte. Doch wer kennt diese Gottgesetze und kümmert sich überhaupt um diese!
Sich selbst in den Vordergrund stellend, das eigene Wollen als Richtschnur nehmend, ohne überhaupt nach dem Gotteswillen zu fragen, so zeigt sich einem gewissenhaft Prüfenden fast jedes Menschenleben.
Dieses falsche Menschenwollen zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Menschheitsentwickelung und hat sich mit der Zeit zur höchsten Blüte entfaltet. Es mußte sich im Laufe der Jahrtausende immer mehr die falsche Richtung zeigen, die der Mensch einschlug, der sich selbst als Mittelpunkt alles Geschehens betrachtete. Es rächt sich nun bitter, daß er sich störend und hemmend einer gottgewollten Entwickelung entgegenstellte.
Die wenigen, vom besten Wollen beseelten, vermögen nicht mehr gegen dieses Chaos anzugehen, da alles Falsche sich gleich Mauern vor ihnen auftürmt, die durch Mahnungen und Belehrungen allein nicht mehr niederzureißen sind.
Wie unendlich traurig ist es, daß nun stärker und wuchtiger als ein Mahnruf die Schläge auf den Menschen herniederprasseln müssen, um ihn nicht ganz untergehen zu lassen. Nicht Willkür und Ungerechtigkeit ist es, was nun auf unserm Erdball sich abspielt und an jeden Menschen herantritt, sondern ein jeder erntet, was er gesät hat.
Ganz richtig sagt der Volksmund schon von den irdischen Gesetzen: „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. ” Wieviel mehr bezieht sich diese Wahrheit auf die Gottgesetze! Sie nicht zu kennen ist Schuld der Menschen ganz allein.
So mancher sich ernstlich Prüfende wird einwenden: leben nicht alle, die den Gottesglauben in sich erhalten haben, nach den Vorschriften ihrer Kirche, die auf die Lehren des Gottessohnes Jesus aufbaut?
Die so sprechen, haben nie eigenes Denken und Prüfen der ihnen überlieferten Lehren für nötig gehalten, denn sonst hätten sie auf viele Widersprüche stoßen müssen, die ein lückenloser Glaube nicht zuläßt. Und lückenlos muß alles sein, wenn ein Glaube zur Überzeugung werden soll. Nicht umsonst sagte der Wahrheitsbringer Jesus zur Menschheit: „Suchet, so werdet ihr finden! ”
In diesem Suchen liegt das Lebendige des Glaubens. Ein lebendiger Glaube wird sich niemals fremde Anschauungen ohne Überprüfung zu eigen machen, noch aus Bequemlichkeit sich in Dogmen fügen, die blinden Gehorsam verlangen. Regsamkeit des Geistes ist erste Bedingung für jeden Menschen. Sie wird in erhöhtem Maße von der heutigen Menschheit verlangt, die in den Geschehen der Gegenwart den Zusammenbruch alles Falschen erleben muß.
Ein regsamer Geist wird sich unbedingt die Frage vorlegen, warum alles ins Wanken gerät. Nicht ohne Absicht sei vom „regsamen Geist ” gesprochen, denn nur dieser vermag noch das Außergewöhnliche der Geschehen zu erkennen, wofür der Verstandesmensch Augen und Ohren verschlossen hält.
Daraus ergibt sich, daß der Verstand sich Mauern aufgerichtet hat, die erst durchbrochen werden müssen, um zum klaren Erkennen kommen zu können.
Erkennen muß der Mensch, daß er nicht ungestraft die Schöpfungsgesetze verletzen darf. Seine heiligste Pflicht muß es deshalb sein, sich mit diesen Schöpfungsgesetzen vertraut zu machen.
Wie ein Kapitän, der erkennt, daß er einen falschen Kurs eingeschlagen hat und sein Schiff wenden muß, wenn es nicht an den Klippen zerschellen soll, so muß die Menschheit eine Wendung machen und den gottgewollten Weg einschlagen, um nicht dem Untergang geweiht zu sein.
Neu muß dazu alles werden, wenn ein Mensch die Schicksals- und Weltenwende erleben will, die auch seinen geistigen Aufstieg mit sich bringt. Neu muß in erster Linie sein Denken werden, sein Wollen und sein Tun, denn mit diesen webte er sich alle Schicksalsfäden, die rückwirkend ihm das bringen, was ihn entweder emporhebt oder in schweren Schicksalsschlägen zu Boden wirft.
Strahlend muß der Gedanke durchbrechen und den Menschen ganz beherrschen, daß nicht er Mittelpunkt und Zweck der Schöpfung ist, sondern daß er Gott in seiner Schöpfung erkennen und dienen soll. Seine Größe und Erhabenheit wird dem Menschen klar im einfachen Erfassen der Schöpfungsgesetze, denen er sich einfügen muß. Das heißt: die Kraft, die er in Gnaden aufnehmen darf, Segen spendend weiterzugeben und damit veredelnd. in der Schöpfung zu wirken.
In falscher Durchführung des hohen Gebotes der Liebe liegt eigentlich alles, worin die Menschheit am schwersten gefehlt hat. Hier in Beispielen ein Spiegelbild vorzuhalten, wäre verlorene Mühe. Es genügt, das Weltbild der Gegenwart ohne Beschönigung auf sich wirken zu lassen, um zu sehen, daß nur noch Neid, Haß und Mißtrauen mit allen daraus erwachsenden Leidenschaften die Welt regieren.
Nun steht die Menschheit im Gericht!
Ob Spötter oder Zweifler es verleugnen wollen, es hilft ihnen nichts, das Rad des Schicksals rollt in seiner strengen und gerechten Wechselwirkung.
Menschheit öffne Dich, schau wachend um Dich und erkenne!
Die Stunde der Verkündung.
Von Susanne Schwartzkopff.
Eswar in den alten, nun längst dahingeschwundenen und vergessenen Zeiten, als es noch Tempel des Lichtes auf Erden gab - die Erinnerungen der Menschheit sprechen noch von ihnen als dem goldenen Zeitalter - als lichte Boten Gottes mit herrlichen Gnadengaben zur Erde hernieder kamen und sie in diesen Tempeln in die Hände der reinen Diener Gottes legten.
,,Hütet sie als Euer Heiligtum”, sprachen sie zu ihnen. ,,Einmal nur werden sie Euch Menschen gegeben und das Volk, das sie rein und leuchtend schön erhält, wird als erstes den schauen dürfen, der als Euer König und Herr in Glanz und Herrlichkeit zu Euch kommen wird. ”
Kein Volk gibt es auf Erden, das nicht eine solche Gnadenstunde erlebt hätte, das nicht das Geschenk des Höchsten empfangen durfte, solange es noch auf den Wegen des Lichtes wandelte. Ob es weiß oder braun, rot oder schwarz war, ob es in heißen oder kalten Landstrichen lebte, ob es diese oder jene Sprache sprach, die lichten Boten Gottes fanden ihren Weg überall hin, denn zu jedem Volk hatte die weise Führung des Lichtes Menschengeister geschickt, die fähig waren, sie bei sich aufzunehmen.
Von Mund zu Mund wurden die gnadenvollen Verheißungen des Höchsten weitergegeben, von Geschlecht zu Geschlecht. Sie kündeten alle von dem Gleichen: von einer Erdenstunde, die der Menschheit einstens die Krönung all ihres Lebens, ihres Wandels und Seins im Stoffe bringen sollte.
„Es kommt der Tag” so hieß es in den alten Weissagungen, da Gott der Herr einen Teil aus sich selbst, seinen lichten Sohn, zur Erde senden wird. Er wird ihr König und Herr sein in Macht und Herrlichkeit. Unzerreißbar wird er den Menschengeist verbinden mit den lichten Höhen ewigen Lebens und er wird alles regieren mit den weisen Händen der Gerechtigkeit”.
So war der Erde ein hohes Ziel gesetzt, dem sie entgegenleben, zu dem sie sich entwickeln sollte. Niemand wußte, wann die Stunde schlagen würde, niemand konnte sagen, wann der König der Könige seinen Fuß auf die Erde setzen wollte. Und weil es niemand wußte, auch die Priester und Weisen nicht, darum hieß es, immer bereit und wach zu sein, um ihn nicht zu verfehlen, um würdig sein zu können für seinen Empfang.
Eine Freude, die aus goldenen Höhen niedertropfte, floß in die Herzen der Menschen und feuerte sie an, sich bereit zu machen für diese hohe Stunde. In den kostbarsten Schrein ihrer Tempel verschlossen sie das Geschenk des Höchsten und nur an weihevollen Feierstunden des Volkes wurden diese Schreine geöffnet und das Kleinod herausgenommen. Aber sein strahlender Glanz erhellte alle Wege, die die Menschen gingen, er gab ihnen täglich Kraft und Mut zum Aufwärtsstreben.
Solange die Tempel des Lichtes auf Erden standen, lebten die Verheißungen in den Herzen der Menschen. Sie wiesen ihnen die Richtung für das, was sie sannen und taten. Es mußte doch alles so werden, daß der Gottessohn seine Freude daran haben konnte, wenn er kam. Offen und klar wollten die Menschen ihm ins Auge sehen können und ihm dienen, so gut sie es vermochten. Dafür lebten sie ja auf Erden. Alles Leben war nur dafür gegeben, alles Leben strömte diesem Ziele zu.
Die lichten Helfer wiesen die Menschen immer wieder darauf hin, wie jedes Geschehen nur der Vorbereitung auf die hohe Lichtstunde diente, und die Menschen kannten nur eine Sehnsucht: auf Erden leben zu dürfen, wenn der Gottessohn käme. Wer die heilige Offenbarung geschaut und erlebt hatte in sich, der bat in der Stunde seines irdischen Todes um die Gnade, wiederkehren zu dürfen, um dem Gottessohn auf Erden zu dienen. Und die Liebe des Herrn gewährte diese Bitten.
Die Erwartung seligster Freude, heißesten Dankes für so viel Gottesliebe wob sich um die Weissagungen auf Erden, im Lichte aber spannen sich bereits die Fäden stillen, eifrigen Wirkens, in denen das Kommende sich vorbereitete, unsichtbar für Menschenaugen, aber unaufhaltsam, gesetzmäßig sich entwickelnd.
Es rannen die Jahrhunderte, die Jahrtausende über die Erde hin. Alle Führung der Menschheitsgeschicke kannte nur das eine hohe Ziel: die Stunde der Erfüllung. Wie Schiffe auf dem weiten Meere dem Licht des Hafens zustreben, aus der Ferne, so lenkten die Hände der Lichtdiener und Lichthelfer die Menschenleben diesem Ziele entgegen. Es gab kein Zögern, kein Abweichen, kein Versagen, die ganze Schöpfung ward mitergriffen von dem kommenden großen Geschehen, das seine Strahlen weit voraus warf.
Aber während das Licht unermüdlich wirkte und schaffte, die Wege bahnte und baute, auf denen der König einziehen wollte bei seinem Volk, während seine vorauseilenden Kraftstrahlen die Brücken schlugen von Welt zu Welt, jede hebend und stärkend, jede beglückend und beschenkend, sanken die Tempel des Lichtes auf Erden in den Staub. Anstürme dunkler Mächte brachten sie zu Fall.
Die kostbaren Schreine, die die Lichtverheißungen hüteten, wurden erbrochen, die Kleinode von schmutzigen Händen ergriffen und in finsteren Gewölben vermauert, in die Tiefen der Erde begraben und in die Meere der Vergessenheit versenkt. Die Menschen sollten kein freudiges Ziel mehr vor Augen haben, jede Erinnerung an die lichten Höhen sollte verwischt werden, damit sie willige Opfer würden für die Herrschbegierden des Dunkels.
Schwerer und schwerer wurde die Erde unter der Last ihrer Schuld. Sie sank in lichtlose Tiefen. Nur einige wenige Lichtfäden verbanden sie noch mit der Höhe und auf dem Wege dieser letzten Lichtfäden konnten noch Botschaften von oben zu den Menschen gelangen. Doch jetzt gab es im Lauf der Jahrtausende nur noch selten einen Geist, der sie empfangen konnte.
Nur solche, die selbst aus lichten Reichen stammten und vorübergehend Menschenkleid angelegt und Menschenleben auf sich genommen hatten, waren dazu imstande. In ihnen erstand ein neues Geschlecht: das Geschlecht der Warner.
Drohend erhoben sie ihre Stimme inmitten des Erdendunkels, sie suchten die Erinnerung an frühere Lichtverbundenheit wieder in den Seelen zu erwecken, sie zeigten ihnen Bilder kommenden Geschehens, das unabwendbar war.
Nicht mehr hieß es: ,,Freuet Euch, es kommt die Stunde, da Gott seinen lichten Sohn zur Erde senden wird als ihren König und Herrn in Glanz und Herrlichkeit” nein, anders klang es jetzt aus ihrem Munde.
Sie riefen „Wehe! ” über das gesunkene Menschengeschlecht, sie kündeten, daß der Richter kommen werde, um zu richten über Gut und Böse, über Lebendige und Tote. Sie sprachen von seinem flammenden, gewaltigen Richterschwert, mit dem er unerbittlich dahinmähen werde, was dem Dunkel angehöre. Sie mahnten und warnten, dies nie zu vergessen. „Denn”, so sagten sie, ,,einmal kommt die Stunde, die in Gottes heiligem Willen liegt! Sehet zu, daß Ihr dann zu denen gehört, die bestehen können vor dem Schwert des Richters! ”
Ungern nur hörten die Menschen diese Warnungen. Lieber wollten sie die verführerischen Schmeicheleien des Dunkels hören, die ihnen von der Größe des Menschengeschlechtes erzählten. Abwehrend schoben sie die lästigen Mahner beiseite, sie waren ihnen unbequem.
Es sanken die Warnungen in die Gräber zu den alten Verheißungen, sie wurden eingemauert in die finsteren Gewölbe und die Meere der Vergessenheit verschlangen auch sie.
Wieder rannen die Jahrhunderte dahin. Selbst die Stimme des gewaltigsten Warners, der verkörperten Gottesliebe auf Erden, verhallte unverstanden und ungehört.
Doch unaufhaltsam vollendete sich im Lichte das Geschehen, das schon vor Jahrtausenden seinen Anfang genommen hatte. Lebendige Fäden strafften sich beim Nahen des Gotteslichtes, eine Flut von Strahlen erfüllte das Weltenall, alle Sphären jubelten dem großen unfaßbar heiligen und wunderbaren Lichtgeschehen entgegen. Scharen reihten sich zu Scharen lichter Streiter und Kämpfer, die den Gottessohn auf seiner Erdenfahrt begleiten sollten, um ihm zu dienen.
In seinen Händen trug er das blitzende Schwert, das Gottvater ihm selbst übergeben hatte, auf dem Haupte funkelte die Lichtkrone mit den Edelsteinen, die aus den Strahlen seiner Göttlichkeit sich geformt. Unabsehbar war der Zug, der durch die Ringe der Schöpfung und der Nachschöpfung sich herabschwang in die Tiefe der groben Stofflichkeit.
Und die Erde? Wie sah es auf ihr aus? Zum Schlachtfeld war sie geworden, zum Kampfplatz, auf dem Schlachten ohne Ende geschlagen wurden, das Blut in Strömen floß und die Leichen sich bergehoch auftürmten. Erdrückend lag die Faust Luzifers auf ihr, er drückte sie mit allem, was auf ihr atmete, herab in die Tiefen seines dunklen Reiches und sein Hohngelächter dröhnte hinauf in die Höhen des Lichtes.
In dieser Stunde kamen zur Erde alle, die einst gebeten hatten, dem Gottessohne hier unten dienen zu dürfen. Sie trugen in sich das Wissen um den Gottessohn und seine göttliche Sendung. Sie trugen in sich das Wissen um ihr Gelübde, nur ihm zu dienen, und die Erinnerung an die lichten Gärten, in denen sie weilen durften bis zu der Stunde der Erdgeburt, schenkte ihnen die unvergängliche Sehnsucht, die sie unzerreißbar verband mit den Reichen des Lichtes.
Der Fuß des Gottessohnes betrat die Erde in der Stunde ihrer höchsten Not. Ratlos sahen die Menschen, daß sie am Ende ihrer Weisheit angelangt waren, daß sie nicht mehr herausfanden aus den Netzen der Verwirrung. Nirgends Frieden, nirgends Ruhe, nirgends eine wahre Freude. Not, Kampf bis aufs Messer, Haß, Neid, Lüge, das war das Leben auf der Erde geworden.
Ist es nicht so, Ihr Menschen? Ein unauslöschliches Sehnen nach Frieden, nach Freiheit, nach dem wahren Glück zersprengt fast unsere Seelen. Schon erhebt sich hier und dort ein Fragen, das zu heißem Flehen wird:
,,Wo ist der Retter aus der Menschheitsnot? Wo ist der Erlöser von dem Fluch des Bösen? ”
Das flehende Bitten steigt empor zu Gottes Thron. Es wächst und schwillt an zu dem Rufe:
,,Herr, zeige uns den Weg zu ihm! ”
Denn immer gewisser wird es in den Seelen, daß nun die Stunde nicht mehr fern sein kann, in der eine höhere Macht eingreift in das hoffnungslose, verstrickte, dunkle Menschentum.
Leise haben sich die Gräber geöffnet, in denen die alten Verheißungen geruht haben durch die Jahrtausende, leise sprangen die Tore der finsteren Gewölbe auf und gaben heraus, was in ihnen verborgen blieb bis zu dieser Stunde. Und es erhebt sich ein Raunen und ein Flüstern, das von Mund zu Mund geht. Die Lüfte nehmen es auf und tragen es weiter, die Wasser rauschen es und die Bäume neigen sich davor.
Es hält den Atem an, was an Leben webt und schwingt in der Natur, damit die raunenden Stimmen gehört werden über das Erdenrund. Unsichtbare Gestalten eilen durch die Menschenreihen und lüften die Schleier, die Vergessenheit über ihr Erinnern gelegt, und aus den Tiefen der Seelen steigt es herauf, was einst ihr köstlichstes Eigentum gewesen: das Wissen um die Verheißungen von dem Kommen des Sohnes aus Gott, des Richters und Königs aller Könige!.
Noch ist es erst das leise Erwachen und Ahnen, das Aufdämmern des neuen Morgens, aber hier und da reißt der Schleier ganz entzwei und ein blendend heller Strahl des Erkennens darf in die Seele eines begnadeten Menschengeistes fallen und ihm die Augen auftun. Dann löst sich seine Zunge und er muß künden, muß zeugen von dem, was sich vollzieht. Ihm strömen die Menschen zu von allen Seiten. Denn es ist, als berührten lichte Hände die Saiten der Seelen und brächten sie zum Klingen, wenn die Zunge des Erkennenden sich löst und er bekennt:
,,Der Retter ist gekommen! Er ist da, er weilt auf Erden!”
Was das für Tränen der Erlösung sind, welche Lasten der Erdenschwere von zerbrochenen Herzen fallen bei diesen Worten, das weiß der, der mitgelitten hat, den die Sehnsucht nach Befreiung fast erstickte. Es ist eine heilige Freude und ein heiliges Glück, zu wissen, daß Gottes Barmherzigkeit erfüllte, was sie einst versprach, trotzdem das Menschengeschlecht es nicht verdient.
Noch weiß einer nicht vom anderen von denen, die anfangen zu künden. Sie sehen ein helles Licht über der Erde aufgehen und die Worte, die über ihre Lippen strömen, werden ihnen geschenkt aus heiliger Höhe. Wer sie hört, der weiß, daß sie die Wahrheit sagen.
Noch kennt einer nicht den anderen, noch sind es erst wenige, denen die Augen geöffnet wurden, aber bald werden es viele sein und des Kündens und Zeugens wird kein Ende sein. Es wird alles übertönen, was der Mensch an Erdenworten spricht, es wird verstummen machen die Künste der Lüge, es wird sich siegreich erheben über alle Erdenmacht. Um jeden Künder und Zeugen für das Licht steht ein Kreis heller Gestalten, die ihn schützen und bewahren vor den Angriffen des Dunkels.
Erde, hörst Du, was Dir die alten Verheißungen zuraunen? Menschheit, erwacht in Dir das alte Wissen? Erinnerst Du Dich jetzt der Zeit, da Du vernahmest von dem, der da kommen soll, da Dein Herz ihm zujauchzte und Du kein anderes Sinnen und Trachten kanntest, als Dich bereit zu machen für die Stunde des Lichtes auf Erden? Begrabe nun in die offenen Gräber die Jahrtausende des Verirrtseins, senke in das Meer der Vergessenheit Dein falsches Tun und eile dem entgegen, der als Dein Retter zu Dir kommt.
Menschheit, hörst Du schon das Klingen des heiligen Namens Dir nahen? Hörst Du es wieder, wie er das All erfüllt? Weißt Du wieder, was die Gnade Dir verheißen hat?
Bereite Dich, Menschheit, die Stunde naht, in der unzählige Stimmen sich erheben werden, den heiligen Namen laut zu verkünden, sein Morgenrot ist schon angebrochen, es ist der Tag der Befreiung! Er wird Deine Ketten zerbrechen! Ein Jubel ohne gleichen wird Dich beseligen, wenn Du Ihn erblicken darfst, den heiligen Gottessohn im Gewande eines Menschen auf Erden! Wahrheit ist das Unfaßbare geworden: er ist mitten unter uns!
Mache Dich auf, Mensch, der Du nach Errettung dürstest aus Dunkel und Verzweiflung, der Du Dich sehnest nach dem Frieden und der Seligkeit des Lichtes! Bist Du vielleicht auch einer von denen, die dem Gottessohne einst Treue gelobten? Nun gilt es, Dein Gelübde zu halten, es einzulösen, wie Gott seine heiligen Verheißungen eingehalten hat. Mache Dich auf, gehe ihm entgegen, Du wirst zu ihm geführt, wenn Du ihn suchest mit ganzer Seele und aus allen Deinen Kräften. Helfende Hände werden Dir aufs wunderbarste alle Hindernisse aus dem Wege räumen, ein helles Licht wird Dir voranstrahlen und Dich zum Ziele führen!
Schon nehmen die Stimmen zu, schon erwachen die Geister in allen Ländern. Die große Stunde steht vor unserer Tür: die Stunde der Verkündung des Gottessohnes auf Erden! Willst Du sie versäumen? Willst Du beiseite stehen, wenn die anderen Ihn finden? Höre auf die Stimme der Erinnerung in Deinem Herzen, die Dir zuruft:
„Es kommt der Tag des Lichtes einst auf Erden, wenn sie auch noch so verdüstert, noch so sündig und gefallen ist! ”
Kindlichkeit.
Von Abd-ru-shin.
Das Wort „kindlich” ist ein Ausdruck, der von den Menschen in ihrer leichtfertigen und unüberlegten Art des Redens in den meisten Fällen falsch angewendet wird.
Durch Trägheit des Geistes gehemmt, wird der Ausdruck nicht genügend durchempfunden, um ihn auch richtig erfassen zu können. Wer ihn aber nicht in seinem ganzen Umfange erfaßt hat, wird ihn auch nie richtig anwenden können.
Und doch ist es gerade Kindlichkeit, welche den Menschen eine starke Brücke bietet zu dem Aufstiege in lichte Höhen, zu dem Reifenkönnen eines jeden Menschengeistes und zur Vervollkommnung für ein ewiges Seinkönnen in dieser Schöpfung, die das Haus Gottvaters ist, das er den Menschen zur Verfügung stellt, wenn... sie darin ihm angenehme Gäste bleiben. Gäste, die nicht Schaden anrichten in Räumen, die ihnen gnadenvoll nur zur Benutzung überlassen wurden bei immer reichgedecktem Tische.
Wie weit entfernt ist aber jetzt der Mensch von der für ihn so notwendigen Kindlichkeit!
Doch ohne diese kann er nichts für seinen Geist erreichen. Der Geist muß Kindlichkeit besitzen; denn er ist und bleibt ein Kind der Schöpfung, auch wenn er volle Reife sich erwarb.
Ein Kind der Schöpfung! Darin liegt der tiefe Sinn; denn zu einem Kinde Gottes muß er sich entwickeln. Ob er es je erreicht, das hängt allein vom Grade der Erkenntnis ab, die er sich anzueignen willig ist auf seiner Wanderung durch alle Stofflichkeiten.
Mit diesem Willigsein muß aber auch die Tat sich zeigen. In geistigen Ebenen ist Wille gleichzeitig auch Tat. Wille und Tat sind dort stets eins. Dies ist jedoch nur so auf den geistigen Ebenen, nicht in den Stofflichkeiten. Je dichter, schwerer eine Ebene der Stofflichkeit ist, desto entfernter ist die Tat vom Willen.
Daß Dichte hemmend wirkt, sieht man schon an dem Schall, der sich in der Bewegung durch die Stofflichkeit durchringen muß, welche ihn hemmt je nach der Art der Dichte. Es ist deutlich zu erkennen schon bei kürzeren Entfernungen.
Wenn ein Mensch Holz zerkleinert oder auch bei irgend einem Baue Nägel in die Balken schlägt, so kann man wohl den Aufschlag seines Handwerkzeuges deutlich sehen, doch der Schall davon trifft erst in einigen Sekunden ein. Das ist so auffällig, daß es wohl jeder Mensch schon hier und da einmal erlebte.
Ähnlich, aber noch viel schwerer ist es bei dem Menschen auf der Erde zwischen Wille und der Tat. Der Wille zuckt im Geiste auf, er ist im Geiste sofort Tat. Doch um den Willen in der Grobstofflichkeit sichtbar zu gestalten, bedarf er noch des grobstofflichen Körpers. Nur im Impulse handelt jeder Körper schon in wenigen Sekunden nach dem Aufzucken des Willens. Dabei wird die langwierigere Arbeit eines Vorderhirnes ausgeschaltet, welches sonst den Weg des Willens bis zum Eindruck auf die Tätigkeit des Körpers zu vermitteln hat.
Der eigentliche Weg währt eine etwas längere Spanne. Manchmal kommt es auch nur schwach oder gar nicht zur Tat, weil das Wollen auf dem längeren Wege abgeschwächt oder durch den grübelnden Verstand ganz abgeriegelt wird.
Bei dieser Betrachtung möchte ich einen eigentlich nicht hierher gehörenden Hinweis auf unbeachtete und doch auch im menschlichen Handeln deutlich sichtbare Wirkungen des Schöpfungsgesetzes der Anziehung gleicher Arten bringen:
Die menschlich-irdischen Gesetze sind von dem irdischen Verstande ausgearbeitet und werden auch mit diesem durchgeführt. Deshalb werden mit dem Verstand erwogene Pläne, also überlegte Handlungen als solche strenger bestraft und übler beurteilt als Handlungen, die im Affekt geschahen, also unüberlegt. Diese letzteren erhalten in den meisten Fällen Linderungen zugebilligt.
Das hat in Wirklichkeit einen den Menschen unbemerkbaren Zusammenhang in Gleichart des Verstandeswirkens unter dem Zwange des Schöpfungsgesetzes für alle die, welche sich dem Verstande bedingungslos beugen. Denen ist dies ganz verständlich.
Ohne darum zu wissen wird damit bei einer Handlung im Affekt der größere Teil der Schuldabtragung der geistigen Ebene zugewiesen. Gesetzgeber und Richter ahnen nichts davon, da sie von ganz anderen, rein verstandlichen Grundsätzen ausgehen. Bei tieferem Nachdenken jedoch und Kenntnis der wirkenden Schöpfungsgesetze steht das alles in ganz anderer Beleuchtung.
Trotzdem wirken auch in anderen irdischen Urteilen und Beurteilungen die lebenden Gottgesetze in der Schöpfung völlig selbständig für sich, unbeeinflußt von den irdisch-menschlichen Gesetzen und Begriffen. Es wird wohl keinem ernsten Menschen einfallen zu denken, daß wirkliche Schuld, nicht etwa nur eine von Menschen erst dazu gestempelte, mit der von irdischem Verstande diktierten und verbüßten Strafe auch gleichzeitig vor den Gesetzen Gottes abgetan sein könnte!
Das sind schon seit Jahrtausenden so gut wie zwei getrennte Welten, getrennt durch der Menschen Tun und Denken, trotzdem sie nur eine Welt sein sollte, in der allein die Gesetze Gottes wirken.
Durch eine derartige irdische Strafe kann eine Ablösung nur erfolgen, solange die Gesetze und Strafen vollständig mit den Schöpfungsgesetzen Gottes übereinstimmen. Nun gibt es zweierlei Affekte. Zuerst die schon geschilderten, die eigentlich Impuls genannt werden sollten, und außerdem Affekte, die im Vorderhirn aufblitzen, also nicht im Geiste, und zur Abteilung Verstand gehören. Sie sind unüberlegt und dürften nicht die gleichen Milderungen haben wie Impuls-Handlungen.
Doch darin den gerechten Unterschied genau herauszufinden, wird nur jenen Menschen möglich werden, die alle Gesetze Gottes in der Schöpfung kennen und von deren Auswirkungen unterrichtet sind. Das muß erst einer kommenden Zeit vorbehalten bleiben, in der es auch bei Menschen keine Willkürshandlungen mehr gibt, weil diese eine Geistesreife haben werden, die sie nur noch in den Gottgesetzen schwingen läßt bei allem ihrem Tun und Denken.
Die Abschweifung soll nur zum Nachdenken anregen, sie gehörte nicht zum eigentlichen Zweck des Vortrages.
Gemerkt sei dabei nur, daß Wille und Tat in den geistigen Ebenen eins ist, daß sie in den stofflichen Ebenen durch die Art des Stoffes aber getrennt werden. Deshalb sagte Jesus einst schon zu den Menschen: Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach!
Das Fleisch, hier also die Grobstofflichkeit des Körpers gemeint, bringt nicht alles zur Tat, was im Geiste bereits Wille und Tat war.
Doch könnte es der Geist auch auf der Erde in dem grobstofflichen Kleide zwingen, daß sein Wollen stets zur grobstofflichen Tat ersteht, wenn er nicht zu träge dazu wäre. Er kann den Körper nicht verantwortlich für diese Trägheit machen; denn der Körper wurde jedem Geiste nur zum Werkzeuge gegeben, welches er beherrschen lernen muß, um damit richtig umzugehen.
Der Geist ist also Kind der Schöpfung. Und er muß kindlich darin sein, wenn er den Zweck erfüllen will, für den er in der Schöpfung steht. Die Überhebung des Verstandes ließ ihn sich entfernen von der Kindlichkeit, weil er sie nicht als das ,,verstehen” konnte, was sie wirklich ist. Damit hat er jedoch den Halt verloren in der Schöpfung, die ihn nun als Fremdling, Störenfried und Schädling ausstoßen muß, um selbst gesund bleiben zu können.
Und so wird es geschehen, daß die Menschen sich ihr Grab selbst schaufeln durch ihr falsches Denken und ihr Tun.
Ich sprach zum Weihnachtsfest bereits davon, wie sonderbar es ist, daß jeder Mensch, welcher das Weihnachtsfest einmal so richtig auf sich wirken lassen will, versuchen muß, sich dabei zuerst in die Kindheit zu versetzen!
Das ist doch deutlich genug als ein Zeichen dafür anzusehen, daß er gar nicht fähig ist, als ein Erwachsener das Weihnachtsfest mit der Empfindung zu erleben. Es ist ganz deutlich der Beweis dafür, daß er etwas verloren hat, was er als Kind besaß! Warum gibt das den Menschen nicht zu denken!
Wieder ist es Geistesträgheit, die sie daran hindert, sich mit Dingen ernstlich zu befassen. „Das ist für Kinder”, denken sie, und die Erwachsenen haben dazu gar keine Zeit! Sie müssen Ernsteres durchdenken.
Ernsteres! Mit diesem Ernsteren meinen sie nur die Jagd nach Erdendingen, also Arbeit des Verstandes! Der Verstand drängt schnell Erinnerungen weit zurück, um nicht den Vorrang zu verlieren, wenn der Empfindung einmal Raum gegeben wird!
In allen diesen anscheinend so kleinen Tatsachen würden die größten Dinge zu erkennen sein, wenn der Verstand nur Zeit dazu gewährt. Aber er hat die Oberhand und kämpft darum mit aller List und Tücke. Das heißt, nicht er, sondern in Wirklichkeit kämpft das, was ihn als Werkzeug nützt und hinter ihm sich birgt: das Dunkel!
Es will das Licht nicht finden lassen in Erinnerungen. Und wie der Geist darnach verlangt, das Licht zu finden, neue Kraft aus ihm zu schöpfen, erkennt Ihr daran, daß mit den Erinnerungen an des Kindes Weihenacht auch eine unbestimmte, fast wehe Sehnsucht erwacht, die viele Menschen vorübergehend weich zu stimmen fähig ist.
Dieses Weichstimmen könnte der beste Boden zum Erwachen werden, wenn er genützt wird, sofort und auch mit aller Kraft! Aber leider kommen die Erwachsenen dabei nur noch in Träumereien, wobei die aufsteigende Kraft vergeudet wird, verspielt. Und in den Träumereien geht auch die Gelegenheit vorüber, ohne Nutzen bringen zu können oder verwendet worden zu sein.
Selbst wenn so mancher Mensch dabei einige Tränen fließen läßt, er schämt sich deren, sucht sie zu verbergen, rafft sich auf mit einem körperlichen Ruck, in dem so oft ein unbewußter Trotz erkennbar wird.
Wie vieles könnten Menschen bei dem allen lernen. Nicht umsonst webt sich in die Erinnerungen an die Kindheit eine leise Wehmut mit hinein. Es ist das unbewußte Nachempfinden, daß etwas verloren ist, was eine Leere hinterlassen hat, Unfähigkeit, noch kindlich zu empfinden.
Ihr aber habt doch sicher oft bemerkt, wie herrlich und erfrischend jeder Mensch allein durch seine Gegenwart im Stillen wirkt, dem aus den Augen hier und da ein kindlich Leuchten springt.
Der Erwachsene darf nicht vergessen, daß das Kindliche nicht kindisch ist. Nun wißt ihr aber nicht, woher das Kindliche so wirken kann, was es überhaupt ist! Und warum Jesus sagte: Werdet wie die Kinder!
Um zu ergründen, was kindlich ist, müßt Ihr erst klar darüber sein, daß das Kindliche durchaus nicht an das Kind an sich gebunden ist. Ihr kennt doch sicherlich selbst Kinder, denen das eigentlich schöne Kindliche fehlt! Es gibt also Kinder ohne Kindlichkeit! Ein boshaftes Kind wird nie kindlich wirken, ebensowenig ein ungezogenes, eigentlich unerzogenes!
Daraus ergibt sich klar, daß Kindlichkeit und Kind zwei für sich selbständige Dinge sind.
Das, was auf Erden kindlich heißt, ist ein Zweig der Wirkung aus der Reinheit! Reinheit in höherem, nicht nur irdisch-menschlichem Sinne. Der Mensch, welcher im Strahl göttlicher Reinheit lebt, welcher dem Strahl der Reinheit in sich Raum gewährt, hat damit auch das Kindliche erworben, sei es nun noch im Kindesalter oder schon als ein Erwachsener.
Kindlichkeit ist Ergebnis der inneren Reinheit, oder das Zeichen, daß sich ein solcher Mensch der Reinheit ergeben hat, ihr dient. Das sind ja alles nur verschiedene Ausdrucksarten, in Wirklichkeit aber immer dasselbe.
Also nur ein in sich reines Kind kann kindlich wirken, und ein Erwachsener, der Reinheit in sich hegt. Deshalb wirkt er erfrischend und belebend, erweckt auch Vertrauen!
Und wo die wahre Reinheit ist, kann auch die echte Liebe Einzug halten; denn die Gottesliebe wirkt im Strahl der Reinheit. Der Strahl der Reinheit ist ihr Weg, auf dem sie schreitet. Sie wäre nicht imstande, einen anderen zu gehen.
Wer nicht den Strahl der Reinheit in sich aufgenommen hat, zu dem kann sich niemals der Strahl der Gottesliebe finden!
Die Kindlichkeit nahm sich der Mensch jedoch mit seiner Abwendung vom Licht durch sein einseitiges Verstandesdenken, dem er alles opferte, was ihn erheben konnte, und so schmiedete er sich mit tausend Ketten fest an diese Erde, also an die grobe Stofflichkeit, die ihn in ihrem Banne hält, bis er sich selbst davon befreit, was ihm jedoch durch Erdentod nicht werden kann, sondern allein im geistigen Erwachen.
Einsendung aus dem Leserkreise:
Betrachtungen eines Forschers.
Werin ruhiger Gelassenheit geistig scharf beobachtend die heutige Menschheit auf sich wirken läßt, der muß notgedrungen zu der Einsicht gelangen, daß hier von einem natürlichen Dasein, von einem rechten Erdenleben im Sinne des Schöpfers nicht im entferntesten die Rede sein kann.
Die Zeitgenossen, die das Grauen eines Weltkrieges durchmachten und erlebten, müssen erkennen und zugeben, daß die ganzen blutigen Opfer in dem geradezu ungeheuerlichen Ausmaß umsonst gewesen sind. Der ersehnte Friede wurde der weißen Rasse in Europa nicht beschert.
Doch nicht allein in Europa, auch in den anderen Erdteilen herrscht alles andere, nur nicht der Friede, den die Menschen herbeisehnen und den sie brauchen, um als bewußt lebende Geschöpfe ihres Gottes herrliche Schöpfung zu veredeln im gleichzeitig eigenen Entwickelungsgange den großen Urgesetzen gemäß. Gewiß, Kampf und Bewegung müssen sein, aber niemals in dieser einseitigen, Werte zerstörenden Art.
Jedermann sieht und erfaßt den Umbruch der Zeit, ahnt das Werden eines neuen Tages, der jedoch zunächst trotz aller Vervollkommnung in der Technik und auf den verschiedensten Gebieten nichts Gutes zu bringen scheint. Und dem muß so sein, da die Gedankenrichtung der menschlichen Zielstrebigkeit überall auf Erdenmacht und Erdengeltung aber nicht auf ein Erreichen von wahrem und echtem Menschentum, das uns lichtwärts und aufwärts führen sollte, gerichtet ist.
Verzweifelte Rufe der Wenigen, die als einsichtsvoll zu nennen wären und die wachen Auges das Abgleiten der Menschheit deutlich sichtbar beobachten und erkennen, verhallen ungehört, gleichsam wie eine Stimme in der Wüste.
Wer bei regstem Empfinden die Zeitströmungen, durch die ganze Völker sich willenlos treiben lassen, richtig erfaßt, der erkennt, wie alles Geschehen hier auf Erden einem Klärungs- und Reinigungsprozeß zueilt, wie es die Menschen seit Anbeginn der Weltgeschichte noch nicht erlebt haben. So wird gesetzmäßig und zwangsläufig jeder Einzelmensch der jetzt lebenden Generationen veranlaßt, sich mit dem Woher und Wohin, mit dem eigentlichen Sinn und Zweck des Erdendaseins zu befassen, sei es nun, weil ahnungsvoll so manche Frage in ihm auftaucht, die nach Lösung drängt, deren Beantwortung er jedoch nirgends finden kann, oder sei es im persönlich durchzukostenden Erleiden und Erdulden von dem, was die Menschheit in unserer Gegenwart durchzukosten hat.
Man kann noch so viele geistig sich strebend nennende Bewegungen aufsuchen, deren Ziele im genauesten Befolgen sich zu eigen machen, nirgends findet der Mensch die Seelenruhe, das wahre Sichgeborgenfühlen, das doch zu erreichen ihm unentwegt vorschwebt, was ihn eben nicht zur Ruhe kommen läßt.
Und doch deutet alles darauf hin, daß der Retter aus höchster und verzweifeltster Menschheitsnot schon seit vielen Jahren hier auf Erden weilt, unter uns, wenn auch vom Strom der Alltagsmenschen unerkannt!
Das Grundgesetz, demzufolge in den Formen der Geist lebt, dürfte allgemein und zur Genüge bekannt sein, und da der Lichtbringer von dem Wort, das er den Menschen kündet und schenkt, nicht zu trennen ist, muß also die irdische Hülle, in die eine solch unfaßbar große und zugleich auch gnadenvolle Inkarnation erfolgte, Merkmale und Kennzeichen aufweisen, die mit als Ausweis der Sendung bewertet werden können, von der Lichtkraft des Wortes selbst zunächst ganz abgesehen.
Künstler haben fast immer einem karmisch bedingten Drang zufolge der Menschheit besondere Werte zu vermitteln. In den wenigsten Fällen deckt sich das Privatleben des Künstlers mit dem, wie er in seinem Kunstschaffen zu uns spricht, sich zeigt und gibt. Anders ist es bei Lichtverkündern, da gibt es nur völlige Übereinstimmung und Harmonie, das Gotteswort wird gelebt. Wenn die sogenannte Allgemeinheit noch nicht auf den Wahrheits- und Lichtbringer aufmerksam wurde, so liegt darin eine gewisse Art von Schutz, der wiederum erklärlich wird, weil in dieser Lichtbotschaft strengste und herbste Forderungen an den Einzelmenschen gestellt werden und gestellt werden müssen, wie es - seit es Menschen auf dem Erdenplan gibt - alle Wahrheitsbringer aus lichten Höhen in allererster Linie gefordert und verlangt haben, ganz gleich, ob es sich um Sendboten für das Licht handelt, die im Orient oder Asien gewirkt haben oder um den Gottsohn Christus Jesus, der ja die Gottesliebe in reinster Art verkörperte.
Ist die vorhin erwähnte Voraussetzung zutreffend, daß in den Formen der Geist lebt, sich in den Formen erkennbar zeigt, dann muß bei dem, der uns erneut Kunde aus dem Licht bringt, auch in dieser Beziehung sich Außerordentliches feststellen lassen. Und in der Tat zeigt sich die Beweisführung bei einem mir vorliegenden Bilde so durchschlagend und so einfach, daß darob auch der größte Verstandesheld nicht umhin kann, die leicht feststellbaren und durchzuführenden Prüfungen und Vergleiche zuzugeben und anzuerkennen, ein sachliches und ernstes Nachforschen und Erproben selbstverständlich vorausgesetzt.
Es soll nun nicht etwa in weitausholenden Erläuterungen die Beweisführung gemacht, sondern lediglich in knappster und kürzester Form einzelne Vergleiche und Hinweise gezogen und gegeben werden. Für diejenigen Menschen, die da glauben, in der Handlesekunst Erfahrungen gesammelt zu haben, im intuitiven Erfassen bereits Leistungen erbrachten, denen steht es frei, sich Lichtbilder von den Händen des Wahrheitsbringers zu beschaffen zwecks Nachprüfens durch ein unvoreingenommenes Beeindrucktwerden. Die Form der Hand zeigt dem Beobachter, wie der Mensch handelt und welche Fähigkeiten er zur Entfaltung zu bringen veranlagt ist. Den wirklich Fachkundigen ist somit eine Gelegenheit geboten, persönlich gerade diese Handform auf sich wirken zu lassen.
Als weiterer Punkt sei angeführt: Die Menschenkunde lehrt die Bedeutung und Wichtigkeit der Ohrmuschel. Die Kriminalistik weiß erfahrungsgemäß von den Kennzeichen der verbildeten unschönen Ohren der ausgesprochenen Verbrechernaturen, die das Böse bewußt wollen und allem Lichtstreben feindlich gegenüberstehen. (Henkersknechte im Mittelalter.)
Der Menschen Erdenhülle ist einem Instrument vergleichbar, das er zwecks Entwickelung seines Geistes in rechter Weise verwenden soll. Die Geistesgrößen und schöpferischen Menschen haben die Kennzeichen, die für ihr Wirken geradezu charakteristisch sind. So hat der Meister der Töne (Beethoven) ein durchaus wohlgeformtes äußeres Ohr und dasselbe trifft bei dem Meister des Wortes (Goethe) zu. An Hand solcher lebendigen Vergleiche findet der gute Beobachter schnell wesentliche Charaktermerkmale heraus.
Die Widerspiegelung des Empfindungs- und Seelenlebens kommt am menschlichen Haupt gerade an dieser Stelle des seitlichen Kopfes, dem Ohr, zum Ausdruck. Man vergleiche jetzt die vorhandenen Bilder der Genannten in dieser Beziehung mit dem Lichtbild des Wahrheitsbringers und eine solch ernsthaft durchgeführte Beobachtung und tatsächliche Feststellung spricht alsdann genügend für sich, vorausgesetzt, der Prüfende besitzt den Schönheitssinn im Unterscheiden guter Formen stark genug entwickelt.
Im ganzen Profilbild kann auch derselbe Vergleich nur zugunsten des Helfers aus dem Licht ausfallen. Wer da einen scharfen Blick besitzt und in der Menschenkenntnis und -kunde Bescheid weiß, der wird hier phrenologisch an den Kopfformen im Vergleich zueinander eine Übereinstimmung von Körper, Seele und Geist feststellen, wie er es selbst bei bekannten Größen in der Menschheitsgeschichte nicht erlebt hat, deren Bilder ihm als Studienmaterial sicherlich durchaus geläufig und bekannt sind.
Schließlich sei auch noch auf astrologischem Gebiet ein Hinweis gebracht: Hier weiß jeder Fachkundige, wie ungemein wichtig der Ostpunkt im Zodiak für die Entwickelung der jeweiligen Persönlichkeit ist, deren Lebensuhr als Studienanreiz genommen wird. Es zeigt sich nun bei dem Sternbild, das im Mittelpunkt dieser Betrachtung steht und hier in Frage kommt, genau am Aszendent im östlichen Aufgangszeichen ein Fixstern aller erster Bedeutung, der als Kennwort die Bezeichnung führt: Die dreifache Gottheit!
Dieser so wichtige Lebenspunkt steht jetzt obendrein noch im exakten Trigon zum Mars und gleichzeitig zur Sonne, welche eine Konjunktion mit Neptun im führenden Widderzeichen hat, das hier ausschlaggebend ist für die Gestaltung des Weltanschauungsbildes, dessen Kraftfeld IX noch außerdem den für den geistigen Aufstieg so wichtigen aufsteigenden Mondknoten an der Spitze hat. Diese Einzelheiten dürften für ernsthafte Astrologen eine genügende Anregung sein, sich selbst einmal mit diesem Sternbild zu befassen.
Diese überraschende Übereinstimmung aller für derartige Beurteilung in Betracht kommender Dinge bei einer Person vereinigt zu finden, erscheint als ein Wunder und kann gar keine andere Überzeugung erwecken als: er muß es sein! Die Zeit wird es auch solche Menschen lehren, die nichts von diesen Spezialforschungen verstehen.
Deshalb kann auch ruhig noch darüber geschwiegen werden und nur ernsthaft Interessierte aus den Kreisen derer, die als besonderes Steckenpferd ähnliche Forschungen betreiben, können zum Zwecke fachmännischen Wissensaustausches an den Verlag schreiben mit dem Vermerk: „Studie”¶ Diese Briefe werden weitergeleitet.
Is-ma-el als Wegbereiter
für den Geist der Wahrheit durch
die sieben Weltenteile der Schöpfung.
(3. Fortsetzung)
Immer stärker führte die Lichtstunde zu einem Geschehen im Stoffe, das zu Thyatira mit stiller Weihe und Andacht begangen wurde.
Es war die Feier der Inkarnierung bei den Tempelfrauen, die hierzu auserwählt, einige Monate in der Stille des Tempels in Arbeit und geistiger Regsamkeit, nur mit dem schönsten Denken und Tun beschäftigt, dem Geiste sich verbanden, der einen Kindeskörper beleben sollte.
So war es zu Thyatira Gesetz, daß eine Anzahl der reinsten Frauen dem Dienst des Tempels geweiht waren, auf daß hohe Geister in gleicher Zahl zu inkarnieren vermöchten.
Darum zog gerade dieser lichte Tempel zu Thyatira die Fülle leuchtendster, hoher Geister an, zu dem Zeitpunkt einer ganz bestimmten Sonnenstellung im Kosmos. So rein, so übereinstimmend mit den wunderbaren Gesetzen Gottes schwang damals noch die stoffliche Schöpfung zum Teile.
Lichtfäden um Lichtfäden durchzogen die Höhen und feine reine lichtstrahlende Fäden reckten sich ihnen aus dem Stoff entgegen. Ein wunderbar aufglühendes Lichterleben war dieses Eintreten der Geister, dies strahlende Bauen der feinstofflichen Hülle, und das wunderbare naturgesetzliche Weben der wesenhaften Brücken.
Auch Is-ma-el ward von flammenden Strahlen umgeben, die glühend aus ihm brachen in starker Betätigung des Lebensdranges, sobald er in einer bestimmten Strahlungsnähe einer im selben Zustand begriffenen wesenhaften Brücke war.
Es geschah ein Eintauchen, ein Aufflammen und dennoch Bestehen, ein Sichumhüllenlassen und sanft Entschlummern.
So ging der bewußte Geist hinüber in das stoffliche Dasein in dem ähnlichen Zustand, in dem er es nur in umgekehrter Folge einst schon verlassen hatte.
Jahre sollte der Geist im wesenhaften Strahlungsbereiche schlummern, erwachen und Mensch werden, bis dereinst der Geist in einem ihm würdigen Gefäße zum bewußten Diener Gottes erwachen würde.
Die Frau, die ihm das stoffliche Dasein ermöglichen sollte, war Lidia, die Sängerin des Tempels, die Gemahlin des großen Theddeus!
Es war keine Ausnahme zu Thyatira, schön zu sein, es war auch für die Tempelfrauen eine Selbstverständlichkeit, tugendhaft und anmutsvoll zu sein, und darum machten sie sich niemals darüber einen Gedanken.
Sie waren eben Dienerin der Reinheit. Ihr Wesen war von großer Ausgeglichenheit, und ihre natürliche Anmut wurde davon nur unterstützt und gefördert.
Sie hatten keine wechselnden Wirkungen abzutragen; denn sie waren noch niemals verstrickt gewesen in die Wechselwirkung der Trübnis. Sie waren wie die Blumen, die dem Schöpfer zu Ehren blühten und Samen trugen, und die einst wieder in die dichte Stofflichkeit sanken, sie noch nährend mit dem Überrest ihrer Schönheit, die feinstofflich weiter lebte und neue Kraft anzog.
Viele von diesen reinen Frauen gingen, nachdem sie den Willen ihres Geschickes erfüllt, wieder empor im freudigen Wissen, nur darum gelebt zu haben, um einem hohen Geiste den Weg durch das Stoffliche zu bereiten.
Thaisis beriet und führte alle diese Frauen selbst. Sie kannte ihre Geister, wie sie die Geister jener kannte, die erst geboren werden sollten.
Ein starker, leuchtender Segen des Lichtes ruhte in rosiggoldenem Glanze über dem Tempel der Reinheit und dem Hause, das die gesegneten Mütter barg.
Es gab keine Armen zu Thyatira; denn sie hatten alle Arbeit und Nahrung und waren genügsam. Sie kannten kein Anhäufen von Besitz. Alles, das sie besaßen, hatten sie nur, es zu nützen, aber es war immer genug.
Pracht und Reichtum zeigten nur die Tempel, die zu schmücken und auszustatten allen Bedürfnis war.
Auch die Häuser jener Männer, die den Früchte- und Erdschätze- Tausch mit den verzweigten Menschensiedelungen pflogen und die große Umsicht, Wissen und eine wichtige Stimme im Rate hatten, auch diese Häuser waren schlicht und einfach, aber gediegen und immer schön.
Die Wohnhäuser bestanden in dieser Kaste aus vielerlei Räumen, waren einstöckig, mit flacher, von Säulen getragener Deckung.
Der Eingang vereinte sich mit einer offenen Halle, an deren Seiten Bäder lagen. Treppen führten zu den schimmernden Vertiefungen, die mit klarem Wasser angefüllt waren. Bunte Vorhänge aus den wunderschönen Webereien der Frauen schlossen sie nach der Halle ab.
In der Halle selbst wurde gespeist, wobei man auf weichen, niederen Polstern ruhte. Der Tisch war eine Platte, die, wenig erhaben, die hellen, schimmernden Schüsseln trug. Die Hauptmahlzeit bestand aus Früchten von besonderem Aroma und von großer Schönheit. Herrlich leuchteten die goldroten Weine, die dazu in weiten, durchsichtigen Schalen gereicht wurden.
Hinter dieser Halle lagen die Schlafräume des Hauses, je einer für die Söhne, die Töchter, die Frauen und die Männer, die noch zum Hause gehörten. Dienende waren in einem anderen Wohnhaus untergebracht; denn sie gehörten einer anderen Kaste an.
Das Haus des Theddeus war eines der schönstgelegenen, nahe dem Meere. Ein Garten umgab es und daran grenzte nach rückwärts, landein, ein großer Hof, der die Waren beherbergte, die von anderen Inseln und Ländereien zum Tausch eingeliefert waren. Sie wurden auf rollenden Brücken von den Schiffen auf einem besonderen Wege in die Lager gebracht.
Auf diesem Wege war ein lebendiges Treiben, aber es lag keine Gier und keine Hast in den tätigen Menschen. Es wurden nur Männer dort beschäftigt. Diese waren ernst und eifrig und dennoch wie Kinder sonnigen Gemütes.
Sie waren schön anzusehen, groß gewachsen, breit und kräftig. Ihre ovalen, schmalen Angesichter mit den hohen Stirnen trugen das Gepräge edler Reife, auch in der Jugend. Die Kleider waren zum Teil rauh und naturfarben, zum Teil von Schärpen und Borden der kunstreichen Frauen verziert. Auf der Brust trug jeder seinen Namen, in einem Bilde seiner Eigenart, das nur die Menschen zu Thyatira verstanden.
Es wurde ihnen in dem Tempel gegeben von dem Hohenpriester O-man, der auch Königswürde trug und aus Thaisis Rat mit ihr die Weisheit des Lichtes besaß.
Viele solche Lagerplätze reihten sich an der Rückseite der Gärten, welche die Kaufleute zu Thyatira bewohnten.
Sie gaben ein Bild von der Fülle des Überflusses mancher Ernten, von dem Fleiß und der Rührigkeit dieser Menschen. Die grauweißen Lasttiere trabten von früh bis spät zum Hafen, das aufmunternde Rufen ihrer Treiber mit lautem Gewieher erwidernd.
Riesige andere Tiere trugen Massen in Ballen auf den Rücken. Sie sahen aus wie weiße Elefanten.
Ungeheuer war der Lärm der Tausende an den Handelsplätzen, die links und rechts des Weges gegen das Meer zu immer wieder große Kolonnen aufhielten. Trotz aller Schärfe des Verstandes im Handel geschah aber niemals ein Falsches, ein Mißtrauen oder eine Übervorteilung, es gab deshalb auch keinen Streit, sondern es ruhte über dem ganzen Tun und Denken dieser Beschäftigten der Atem der Reinheit.
Am Hafen aber schaukelten die großen Schiffe. Treppen und Stege mit hurtig hin und her rennenden Trägern führten zu ihnen empor. Es waren vielgestaltete Schiffe, meist von einer starken, dunklen Holzart, die Segel bunt und groß. Große Steuer befanden sich am Hinterdeck.
Unten waren große, ausgebauchte Räume, die die Ladung bargen. Vielartige Düfte breiteten sich hier aus, von den unzählbaren Waren, die darin lagen.
Eines der größten Fahrzeuge trug auf rotem Segel eine goldene Sonne!
Es war soeben zur Abfahrt gerüstet. Der Besitzer stieg als letzter über die Stufen des Steges wieder an Land zurück. Er war wie alle seine Stammesgefährten groß und schön, und sein Angesicht, von einem dunkelgoldblonden Barte eingerahmt, war leicht von südlicher Sonne gebräunt.
Seine Augen leuchteten goldenbraun und drückten frohe, stille Güte aus. Sicher, stolz und klug erschien das entschlossene Gesicht, schweigsam der Mund, um den ein gewinnendes Lächeln schwebte wie um die Augen, auch wenn er schwieg. Die schmale, längliche Nase zeigte wie auch die dunklen Augen und die Haut, daß dieser Mann nicht aus Thyatira selbst stammte, sondern von einer der fernen, südlichen Inseln hergezogen war.
Als er sich dem Hafenplatz nahte und mitten durch das Menschengewirr zu dringen plante, öffnete sich wie von selbst ein Weg, an dem alle achtungsvoll geneigt ihn grüßten.
Er erwiderte mit einer Handbewegung und schritt direkt auf ein Häuflein Menschen zu, das ihn zu erwarten schien.
Ein hübscher, ungefähr zwölfjähriger Knabe sprang auf ihn zu und griff nach seinen Händen. Mit sonnigen, tiefblauen Augen lachte er zu ihm empor und in der stürmischen Bewegung seines schlanken Körpers, in dem schmiegsamen, unbändig wünschenden Aufspringen lag feurige Energie und freudiger Tatendrang. Die Wunschkraft war heiß' und rein und die Bitte sprudelte von den Lippen:
„Vater Theddeus, darf ich heute mit Dir in den Tempel gehen?”
„El-misa, ich weiß, wie es Dich dahin zieht und will Dir Deinen Wunsch erfüllen! Die Arbeit mag für heute ruhen, da mein Schiff den Weg nach Lissa angetreten hat. Schöne Gewebe und herrliche Flechtarbeiten und eine Fülle der goldenen Kristalle wird es mitbringen, mein Sohn, und Du sollst dann die schönsten wählen, daß Du sie O-man bringst zur Wahl.”
„Vater, ich denke noch immer an jenes Geschmeide, das der Engel mir neulich im Traume wies. Leuchtend war es wie Licht, ein prachtvoller Reif und ein köstlicher Stein, und ich vergesse nicht seine Stimme, mit der er sprach:
„El-misa Du wirst diesen Ring dem Höchsten schmieden im Feuer Deiner Treue, und einen zweiten Stein dem ersten gesellen!” Nun läßt mich der lichte Ring nicht ruhen, mir ist, als sei ich kein Kind mehr. Ich muß nun den Ring beginnen.
Seine Augen glühten, es flammte wie Gold im Haar. Theddeus wußte nicht warum, aber er zog den Knaben an sich und küßte ihm die Stirne.
El-misa schob die kleine; feingegliederte Hand in die des Vaters. Er ließ sich äußerlich führen. Tatsächlich aber war er es, dessen flammender, sehnsuchtsvoll erwachter Wille die Richtung gab.
Eine stille innige Freude war in Theddeus, da er des Kindes kraftvolles Wollen empfand. Lächelnd ließ er sich in die Richtung nach dem Tempel ziehen.
Schnell waren sie aus dem Gewirr des Handelstreibens; denn die Entfernungen waren nicht sehr groß. Sie wählten den Weg durch einen der unzähligen Laubengänge, die in smaragden gewölbter Zartheit strahlengleich auf die Tempelgärten hinführten.
Silbergrünleuchtendes Sonnenlicht tanzte auf und durch die Blätter und warf Flammenkringel auf den Weg. Der Wind bewegte die Lauben leise, die ein weiches, seidiges Rauschen vernehmen ließen, das zu dem Summen der sonnentrunkenen Insekten paßte.
„Höre, Vater, die schöne Musik! ” sprach hinlauschend El-misa.
Er ging leiser, als wollte er nicht durch seine Eile ein wilderes Bewegen verschulden.
„Hier geht schon die Andacht an, hier ist es die Stille der Natur und das Lobsingen der Bäume, die uns hereinzieht in die immer schöner werdenden Gärten des Lichtes.”
Theddeus nickte nur. Er vermochte nicht die Worte zu setzen wie sein Knabe, wenn er sie aber aus dem kindlichen Munde vernahm, dann lebten sie in ihm, als hätte er sie ebenso gesprochen.
„Wir wollen heute nur an dem Teiche der weißen Blume verweilen, ich habe solche Eile”, sprach El-misa weiter.
An dem Teiche der weißen Blume, wie er die Lilien nannte, vermochte er nicht vorüberzugehen.
„Hier muß ich seit kurzem immer lauschen. Ich höre Töne von solch klarer Harmonie, daß ich kein Wort mehr denken kann und dennoch, Vater, ist darin ein Wort, ein Name dünkt mich, den ich schon gewußt und nur vergessen habe! Glaubst Du, Vater, daß solche Namen wieder erwachen? Glaubst Du, daß sie sind?”
„Sie sind gewiß, mein Sohn, wenn Du von ihnen weißt. Sie werden Dir sicherlich bewußt, wenn Deine Zeit dazu gekommen ist.”
El-misa sprach davon nicht mehr. Hatte er verstanden, oder beschäftigte ihn schon wieder der Ton, dem er nachsann? Eine Weile blickte er in die silberklar rieselnden Wogen des ewig bewegten reinen Wassers, bis tief in den Grund. Die Lilien um das Becken des Teiches neigten sich klingend, und ihr herbsüßer Duft umschmeichelte den Knaben.
„Wie lind sie sind und doch so kühl”, sprach er leise. „Sie duften so rein und kühl. So muß es in den Gärten Gottes duften, von denen Thaisis singt.”
„Verstehst Du denn, wovon Thaisis singt?”
„Natürlich, Vater, sie nimmt es doch aus denselben Lichtstrahlen, die zu mir die Düfte und die Töne sagen.”
Das war Theddeus fast zu hoch, obwohl er aus dem Weltenteile Thyatira stammte, wo ja die Töne der Strahlen der Menschheit offenbar waren.
„El-misa, Du bist noch so jung! Freue Dich der Blumen und Tiere und spiele, lausche noch nicht so tief in die Gesänge der begnadeten Priester.”
„Du möchtest leicht fürchten, Vater, daß ich Dir zu bald in die ewigen Gärten empor strebe und Dich verlasse? Ach nein, fürchte das nicht! Ich weiß, ich habe hier zu tun. Ich gehe nicht fort, bevor ich das Meine erfüllt habe.”
Theddeus wurde still und bleich, seine goldbraunen Augen dunkler. Ein Sinnen trat in die sonst so lachenden Züge, ein tiefer Ernst. Er fühlte: da hatte ihm das Licht eine Aufgabe gegeben! Er wollte El-misa für das Licht hegen wie seinen höchsten Schatz.
Dennoch mühte er sich, den Gedanken des Knaben möglichst kindliche und natürlich stoffliche Richtung zu geben. Er mußte das Schwergewicht seines Kindes sein, der Anker in die Dichte.
So hatten sie sich dem innersten der Gärten genaht. Hier zogen sie ihre Schuhe aus und schritten durch die seichten, rieselnden Wasser. Dann standen sie vor dem ersten goldschimmernden Tempeltor an den Stufen.
Schweigen lag in ihnen, über ihnen, um sie, und ihre Geister beteten.
Als sie den ersten Hof betraten, an den sich unabsehbar weite Säulenhallen schlossen, umgab El-misas Geist eine lichte Wolke. Es war, als dürfte er noch nicht erkennen, was in seinem drängenden Wollen bereits vorbereitet war. Einfach und voll Demut, ein Kind wie andere auch stand der kleine Sohn des Theddeus unter den gewaltigen Säulen, die in ihrer überragenden Höhe und Weite und scheinbaren Unabsehbarkeit beinahe bedrückten. Blau war das Licht, das von oben zu fließen schien, und wieder umrauschte es das Kind wie Sphärenharmonie. Anbetung erfüllte seine Seele ganz..
Als sich die Säulenreihen endlich lichteten und sie vor dem zweiten Tore standen, ergriff den Knaben eine gewaltige Freude: ,,Nun gehen wir zu O-man! ”
Es war der oberste Priester, den er gleich seinem Vater liebte. Eine breite Tempeltreppe führte nach oben. Linker und rechter Hand erhoben sich wieder schimmernd weiße, lichte Mauern. Dieser Ring der Tempelbauten barg die Wohnräume der Priester. An linker Seite führte eine Säulenhalle in die Gemächer des O-man. Kaum hatten Vater und Sohn diesen Gang betreten, als ihnen weißgekleidete Schüler entgegen kamen. Mit tiefer Neigung der schmalen Häupter und gekreuzten Armen blieben sie stehen und ließen schweigend die Besucher durch ihre Reihen gehen, dann folgten sie ihnen in die große Halle, deren Boden war wie ein schimmernder Smaragd. Die Säulen, welche sie in der Runde umgaben, leuchteten im selben Grün. Bewegliches Licht verbreitete sich von oben durch die Decke.
El-misa staunte. Noch nie hatte er den Tempel betreten dürfen, noch nie gedacht, so Prächtiges darin zu schauen. Einfach und groß war diese Schönheit und El-misa dachte:
Wie herrlich ist der Erhabene, der seine Geschöpfe beschenkt, solches zu erbauen!
Er war schweigsam. Mit großen Kinderaugen blickte er um sich, lauschte in sich hinein, und es rauschte in ihm ein neues Glücksgefühl empor.
Im Hintergrund stand der feingeschnittene, goldsteinerne Stuhl, durchsichtig wie Topas, auf den sich O-man zu den Ratsitzungen und königlichen Ämtern niederließ.
Dahinter war ein seidenschimmernder Teppich gespannt, von den reinsten und begnadetsten Frauenfingern gewoben. Er stellte die Schöpfung des Reiches Thyatira dar und war von einer Farbenfülle und Geschmeidigkeit der Fäden, die in dichteren Schöpfungsarten nicht zu erreichen wäre, die aber auch hier an Erlesenheit das Höchste bot.
Naëmis hatte ihn gewoben, die erste Dienerin und Freundin der Thaisis, die im Tempeldienst der Priesterin zur Seite stand.
Auch sie gehörte zu den auserwählten Frauen und war begnadet, die Bilder, welche Thaisis schaute und beschrieb, in lichten, leichten Gespinsten festzuhalten. So wie Chrisotis, die erste Tempelsängerin, sie in Tönen wiederzugeben verstand, in Tönen, die ihre Seele schwingend fand und die sie mit der Kehle eines Vogels wiedergab.
Lichtklar und hell klangen sie wie eine Silberglocke, und dabei leise schwingend, und schwangen sich doch in Weiten, die wundersames Wirken heiliger Strömungen heranzutragen vermochten.
Der Teppich glühte in so lichtem Leuchten, daß El-misa ganz geblendet war. Lange stand er schweigend, mit weitgeöffneten Augen, und in den Augen spiegelte sich das Licht jenes leuchtenden Erlebnisses seiner kleinen Seele. Er kam in ein Bewegen, das ihn erbleichen ließ, die Augen wurden dunkler, die Lippen beinahe fahl.
„El-misa”, rief ihn der Vater leise, mahnend und schonend, wohl merkend, was in dem Kinde vor sich ging. „Du mußt nicht zu sehr in die Stimmen dieser Farben lauschen. Achte all des anderen, das da an Schönheit um Dich ist und harre auf O-man.”
El-misa verschwieg aus Höflichkeit, die ihm angeboren war, dem Vater zu sagen, daß er nun schon genug erlebt hatte, seit er den Teppich gesehen. Er wollte allein sein. Es stürmte in ihm. Sein Empfinden war so wach geworden, da El-misa die Schöpfungsbewegung dieses Bildes von Thyatira sah.
Er wollte sagen:
„Ich weiß es! So war es! Ich bin dabei gewesen!”
Gleichzeitig aber erschrak er:
„Ich, ich, El-misa, der Sohn des Theddeus? Ich bin doch noch ein Knabe! Wo war ich denn, als das Licht Thyatira schuf?”
Ein Suchen, ein Lauschen, ein Drängen war in dem Kinde.
„Ich, El-misa, der Sohn des Kaufherrn Theddeus?”
Mit den kleinen, zitternden Händen griff er an seinem Kleid hinab. Weich war es und seidig und die feinen Borden blitzten wie Tautropfen an einer langen Schnur. Sonnengelb und silberklar waren seine Farben, die er trug, wenn er in die Tempelgärten ging.
,,Das ist die Farbe des Lichtes! Sie klingt am reinsten in den Chören der göttlichen Harmonie im Stoffe.”
So hatte er dem Vater erklärt, warum er gelb so gerne trüge.
„Warum nicht weiß? ”
„Weiß darf ich noch nicht tragen, sonst werde ich zu leicht!”
Solch wunderbar einfache Antworten gab El-misa und darinnen lag ein Wissen, das wohl nur O-man und Thaisis verstanden.
Leise war während des stummen Erlebens der Priester eingetreten. Er stand an seinem Hochsitz. Erst da hatte ihn der Knabe wahrgenommen. Nun beugte er sich, und über das schmale Kinderantlitz huschte ein Zug von ernster Ehrfurcht. O-man aber nahm nicht den Stuhl seiner Würde ein, er schritt vielmehr mit leisem, festem Gange auf den Knaben zu und nahm seinen schmalen Kopf in beide Hände.
Er bog das kleine, schüchtern gesenkte Haupt zurück, so, daß das Kind die großen Augen auf zu ihm richten mußte.
„Nun wohl, da bist Du ja, El-misa, Du leuchtendes Reis aus Patmos, ich grüße Dich! ”
Und El-misa, das Kind, sprach aus der Stimme seines Geistes: „Ich grüße Dich, Johannes!” *)
Es war wie eine leuchtende Erfüllung des Lichtes, da diese beiden Geschaffenen zueinander traten. Der reife Mann, der sich dem Greisenalter nahte, und das Kind, der Knabe El-misa, der zu lichtem Wirken in der Stofflichkeit erzogen werden mußte.
Theddeus hatte still der eigenartigen Begrüßung beigewohnt. Ihm war die wundersame Art des Knaben gar nicht fremd, doch empfand er des Priesters Herzlichkeit, die so natürlich war wie ein Gebet.
„Du hast El-misa schon gesegnet durch Deinen Gruß, o Herr”, war alles, was er sagen konnte.
„El-misa wird bald in unseren Hallen weilen, Theddeus, er gehört hierher”, sprach O-man gütig. ,,Ich hoffe, daß Du ihn meinem persönlichen Schutz anvertraust. Er darf Dich stets besuchen, soll auch in Deinem Hause lernen, daß er das Amt des Vaters wohl versteht.
Doch seinen Geistesweg will ich allein ihn führen; denn er ist mir geistig anvertraut. Er ist im rechten Augenblick gekommen, da sich unser Weg getroffen hat. ”
Es war, wie das Zusammenstreben zweier Lichtkerne, da diese beiden hohen Geister sich im Stoffe trafen. Das Kind und der Alte.
Beide waren von diesem Geschehen seltsam berührt. Es war ein Erleben, dessen Stärke ,keinem Geschehen der Stofflichkeit sonst gleichgekommen war. Das empfanden sie Beide, der Mann bewußt als der Weise und Priester, der wissend und diese Stunde kennend erfüllt hatte, und jenes Kind noch unbewußt, aber nicht weniger stark, daß mit ihm etwas geschehen war, was tief in die Zusammenhänge seines Ursprungs griff. Und seine nächsten Worte waren:
„Mir ist, als sei ich nicht mehr einsam auf der Welt! ”
Theddeus blickte sinnend auf sein Kind hinab. Ihm .war, als hätte er es zu dieser Stunde dem Herrn zurückgegeben, der es ihm zur Freude und aus Gnade gespendet hatte, und er gedachte seines Weibes, das er verloren, als ihm dies Kind von Thaisis selbst in den Arm gelegt ward.
Thaisis hatte ihm dabei gesagt:
„Nach dem Willen des Herrn hast Du ihn gezeuget, nach dem Heiligen Willen Gottes ward er empfangen und getragen. Nach dem Gesetze der Reinheit hat ihn Lydia geboren, und damit ihre Bestimmung erfüllt. Hüte Du seinen irdischen Leib und schütze die Entwickelung seiner Seele bis zur Erweckung seines Geistes! Dann hast auch Du erfüllt nach dem Willen der ewigen Weisheit.”
Theddeus wußte, daß in seinem Sohne ein hoher Geist lebte und gab ihm alles, was er zu seiner körperlichen und seelischen Entfaltung bedurfte. Die eifrige und kluge Art des Knaben kam ihm bei allem sehr entgegen, er hatte nur Freude, niemals Mühe.
Von seiner Mutter sprach El-misa später nie. Er ehrte sie als das Gefäß, das ihm das Leben gegeben, wie es in der Erziehung der Kinder begründet war, aber er empfand nicht die wesenhafte Neigung.
Er sehnte sich auch nicht nach Zärtlichkeit. Schmiegte er sich manchmal an den Vater, so war das mehr der Ausdruck eines geistigen Empfindens, übergroßer Freude oder Dankbarkeit zu dem Herrn. Auch wenn er einen Wunsch nach geistigem Erleben trug, dann kam die weiche Regung über ihn und er begann zu schmeicheln, aber in einer reinen, spendenden Weise, ohne ein Gefühl hineinzumischen.
„Das Kind ist wie eine Blume oder wie ein schöner, edler Stein”, dachte Theddeus, und es war ein Glück für El-misa, daß ihn der Vater so verstand.
Darum verstand er auch jetzt seine Freude, vermochte ohne persönlichen Schmerz des Kindes Glück zu erfassen. Es hatte ihm der Herr die Gnade des Miterlebendürfens gegeben, weil er so ganz sich selbst aufzugeben vermochte. Ohne die ganze Größe des Geschehens zu wissen, erlebte Theddeus die Verbindung dieser hohen Geister im Stoffe als eine Freude überirdischer Art und wurde darin emporgehoben im Geiste.
„O-man, Du bist schön“, sprach El-misa und schaute den Oberpriester bewundernd an. „Du hast das Angesicht eines Engels!”
„Hast Du denn schon einen Engel gesehen, El-misa?”
„Gewiß, er hat mir ja einen Auftrag gegeben.”
„Du hast es vernommen, mein Sohn, und Thaisis wird Dir den Weg weisen. Du wirst in die Schule der Eingeweihten gehen und dereinst gesetzt sein über viele. Gib uns, Theddeus, das Kind in unsere Obhut!”
Und Theddeus sprach:
„Er ist des Herrn! Mit ihm geschehe nach seinem Heiligen Willen.”
In El-misa brannte das Feuer der Freude, er küßte im Glück des Vaters Hand.
„Nun gehe heim für heute und bereite Dich für den Eintritt in die Schule. Bald werde ich Dich zu Thaisis führen.”
Der Oberpriester zog sich zurück. Es war, als wäre er unsichtbar aus dem Raume getaucht. Klar und licht aber stand die Erscheinung seines Geistes noch vor dem Geist des Knaben El-misa, und die Flammen ihrer Gleichart loderten in Freude. -
Diese Begegnung mit O-man war für El-misa ein geistiges Geschehen von großer Bedeutung. Er wurde dadurch auf seinen eigentlichen Boden gestellt, von dem aus er erst seine Entwickelung fortzusetzen vermochte.
Der Mensch seiner Umgebung verstand von diesem großen Erleben so gut wie nichts. Äußerlich blieb auch das Kind vorerst noch ziemlich unverändert, auch sein stilles besinnliches Wesen war seine Umgebung zu sehr ;gewöhnt, als daß es ihr aufgefallen wäre.
Mit Eifer gab er sich nun den Studien hin, die weise Lehrer unter O-mans Leitung begannen. Sie waren Vorstufen nur zu späterem Wissen, und ganz anderer Art, als die Schulen aus den Zeiten der Verstandesherrschaft in den dichteren Schöpfungsteilen.
Sie waren in erster Linie eingestellt auf menschliche Entwickelung des stofflichen Gefäßes, das wie ein Instrument sein mußte, darauf die feineren, höheren Kräfte der Schöpfung zu spielen vermochten.
Da der innerste Wesenskern des Menschen noch unverbogen war, mußten die Fähigkeiten, welche in ihm lagen, nur geweckt und gestärkt werden. Dazu gehörte als erster Grundbau die Lockerung und Ertüchtigung des Körpers.
Es galten diese Übungen als gottesdienstliche Handlung, wie jede Art von Tätigkeit überhaupt, und von diesem Bewußtsein aus wurden sie getragen. Auch die Schulung der Atmung, welche an die Körperertüchtigung angefügt wurde, war gleichzeitig das Öffnen zum Gebet.
Diese Stunden wurden früh morgens und abends gehalten und durften nur im Zustande völliger innerer Ruhe erfüllt werden. War ein Schüler durch Fehler oder irgend einen Schmerz der Seele bedrückt, so durfte er an diesem Tage nicht teilnehmen.
Da es bald die Höhepunkte des Tages waren, die dem Schüler die Zeit der Ertüchtigung brachten, hütete er sich vor aller unnötigen Erregung seiner Seele und gewann so in natürlicher Weise an innerer bewußter Beherrschung seiner Selbst. Darum ward seine Ausstrahlung klar und licht, die allen höheren Schwingungen leicht Anknüpfung verschaffte.
Viel Bewegung in der Natur war zu dieser Entwicklungszeit Vorschrift für die Schüler. Bald verband ein harmonisches Schwingen die Jugend mit den Lehrern. Nach kurzer Zeit schon durften sie dem Dienste des Tempels angehören und alle Handlungen in ihm waren erfüllt von Andacht und Verehrung.
Sie wurden auch zur Schweigsamkeit erzogen, obwohl sie heiter in den Stunden der Spiele mit Singen, Lachen und Gesprächen sich unterhielten. in den ersten Monden durften die Schüler die Tempelgärten nicht verlassen, um gelöst zu werden aus ihrer ursprünglich kindlichen Sphäre, und das Erwachen neuer Kräfte wurde in ihnen zu bewußtem Leiten geschult.
Die fein organisierten, ätherischen Körper, welche sich zu jener Zeit um sie bildeten, bewirkten die Brücken zum Einlaß und Durchstrom höherer Kräfte, die diesen Menschengeistern vom Lichte noch nicht vorenthalten waren.
Alle Übungen waren die Vorstufen zur Weisheit, die erst dem erschlossen wurden, der sich zu fügen und dem höheren Willen völlig zu öffnen vermochte durch Reinheit im Denken, Reden und Tun. Es war keine Schule der Ekstase, sondern eine Lebensschule und Ertüchtigung.
El-misa durchschritt diese Stufen der Vorbereitung schnell, schneller wie seine Altersgenossen. Und es war im Tempel zu Thyatira nicht üblich, die Zeit abzusitzen, sondern wer fortschreiten konnte, durfte weiter schreiten, oft Ältere weit überflügelnd.
So war bald die Zeit für El-misa gekommen, daß er im Zustand der Reife war, der Priesterin Thaisis zu nahen.
O-man war zu dieser Zeit ihm Führer und Freund geworden, und es war wie ein fließender, ewig ausgleichender Strom, wenn der Alte mit dem Knaben Gespräche über Gott führte. Es war auch wie Gebet in seligem Erinnern, in Geben und Nehmen eines Wissens von Macht, Liebe und Kraft, aus dem lebendige, bleibende Werte erstanden.
Darauf baute O-man die Schule für El-misa! Im Erkennen die Geister zu Thyatira dem Gegenpol Gottes entgegenzustellen; denn sie wußten von Luzifer und von dem Wollen seines lichtabgewandten Geistes.
Weise bereitete O-man, der einst der Menschheit das Wissen von ihrem Geistkeim gespendet, der sie auf Höhen der Erfüllung leitete, den Knaben auf den Kampf mit dem Widersacher. Und in El-misa erwachte das Erinnern an den Sturz des Engels und an sein grausiges Wirken in der Dichte.
Flammende Bilder erstiegen seinem Geist aus diesem Erinnern, und er prägte sich die mahnenden Worte des Lehrers ein:
„Sei wach, denn seine List erscheint im Kleide der Schönheit!”
So waren viele Monde dahingegangen. In dem Geiste des jungen El-misa erblühte eine lichte Knospe nach der anderen. Wie ein leuchtender, lichter Hain, voll Sonnenschein, Blumenpracht und Vogellied, war für El-misa der Weg in sein zukünftiges Wirken.
Unermeßliche Möglichkeiten des Wissens und Erkennens zeigten sich dem regen Geiste. Ihm war, als ruhe all dieses in ihm und bedürfte nur der Gabe des Erwecktwerdens. Was er als Kind intuitiv empfunden, das Strahlen der Farben und Töne, war für ihn längst Wissen geworden. Und es in Form zu gießen durch allerlei Fertigkeit seines beweglichen Verstandes, war nun sein Arbeitsteil.
Gleichzeitig aber führte ihn die Leichtigkeit und Reinheit seines Schwingens auch immer mehr in die Wahrnehmungen der ihn umgebenden feineren Welten.
Und da es zu Thyatira vorerst nur Reines gab, besonders aber in den geheiligten Stätten der Anbetung des Herrn nur Lichtes lebte, war für die junge erwachende Seele das Schauen eine neue Seligkeit.
El-misa war nicht mehr verträumt. Das ließ die stramme Schulung seines Körpers und seines Geistes gar nicht zu; aber er war oft tief in Gedanken. Nur Weisheiten und Erfahrungen waren es, die seine Gedanken so stark beschäftigten. Erfahrungen aus eigener Beobachtung.
Zuerst erlebte er, wie er in dem Zustande des Gebetes im Stofflichen zu stehen hatte. Daran schloß sich die Beobachtung seiner Umgebung, sowie die Beobachtung der Erfüllung seiner Bitte oder der Rückwirkung seines Dankes in Form von unbeschreiblicher Kraftfülle, die er sofort zu nützen hatte, wenn er sie ganz aufnehmen wollte.
Er kam in eine Bewegung seines „Ich”, die plötzlich ein Erinnern an das Leben des Lichtes auf seligen Inseln in ihm erstehen ließ. Aber dies Erinnern streifte ihn nur, so, als ob es mahne, dann wurde ein lichter Schleier lind darum gelegt.
„Wir müssen El-misa bewahren, daß er nicht zu früh erwacht! Er nimmt die Schritte seines Fortgangs fast zu weit und zu schnell. Sorge, daß er jede Stufe genau und gründlich nehme. Halte ihn auf durch Ablenkung stofflicher Art! ”
So sprach Thaisis zu dem Oberpriester O-man.
„Bedenke, wie sehr er gehärtet sein muß für die Zeit des Kampfes, wie er Schritt vor Schritt die Dichte erfassen muß, in die sein ganzes Wissen tauchen soll.”
Sie wandelten in den weiten Lauben des Tempelhofes, der den Tempel des Herrn umgab. Abgeschlossen durch die lichten Tore nach außen gaben sie sich dort den Beratungen alles Notwendigen mit Eifer hin. Thaisis entrollte vor dem weisen Lenker der geistig-stofflichen Macht zu Thyatira alles Wissen aus dem lichten Quell ihrer Erkenntnis.
Was in reiner Schale empfangen, aus reinster Quelle ihr gespendet war, das gab sie in Reinheit weiter an die Weisen der Reiche.
Ewig jung schien sie zu sein nach Gestalt und Angesicht, von einer Schönheit, die mehr noch geistig als irdisch war. Das, was zuerst an ihrer Erscheinung auffiel, war die Haltung ihres Körpers und der schwebende, dennoch kraftvolle Gang. Ein vollendetes leises Bewegen ihres königlichen Hauptes, in dem die höchste Würde des Weibes mit der Demut der rein Empfangenden und dem Willen der Herrscherin zum Ausdruck kam.
Ein Bewegen ihrer Hände, die stets leise nach oben geöffnet alle Kraft der Himmel sammelten, wenn sie gebend halfen oder rieten aus der Führung weisen Verstandes, ein Bewegen ihres Gewandes, wenn sie sich vor den Stufen des Altars neigte und ihre Schleier, die fast immer das weiße Angesicht umgaben, zurück streifte, das Neigen ihres Körpers, das Beugen ihrer Kniee vor dem Herrn . . . alles war formgewordene Anmut und Anbetung in der Demut vor Gott!
Trotz all der unbeschreiblich großen Anmut trug dieses Weib ein klares, fast männlich starkes Wollen in dem Geiste, das aus all diesem Liebreiz hervorzustrahlen schien und sie unbesiegbar machte. Macht war das Wort, das in ihrem Geiste schwang wie Liebe und Licht.
„Und dennoch, Thaisis, meine ich, es wäre nun die Zeit gekommen, El-misa vor Dein Angesicht zu führen. Er ist nun kein Knabe mehr. Sehnsuchtsvoll drängt das Reifen seines Geistes in dem stofflich erwachenden Gefäß.
Das Mütterliche, ewig Weibliche, vermag in diesem Zustand einer Knospe höchste Veredelung und Ruhe im Empordrängen des Geistes zu erreichen. Die Mutter hat er nie gekannt, die Deinem Herzen so nahe war. Du warst es, deren gesegnete Hände ihn in das Leben des Stofflichen trugen, dem Vater zu. Was Du ihm sein wirst, weiß ich, was Du ihm warst, weiß er dereinst, woher Ihr kamet, das wird ihm Lichtes Kraft vorerst verhüllen!”
„Du weißt, sein Geist ist allzu wach, er hat auch Dich erkannt.”
„Und hat es ihm geschadet? ich sage nein! Er ist aus unserer starken Art der Stärkste, dies bedenke, Thaisis.”
Leise lächelnd, voll Liebe und dennoch kühler Strenge schüttelte die Priesterin das Haupt.
„Du wirst den Bescheid meiner Zustimmung empfangen, wenn sie von oben kam!”
Dies war ihr Abschiedswort. Mit leisem Neigen entließ sie den Priester aus dem Gespräch. Ruhig und gemessen schritt er geneigten Hauptes nach dem Tempel. Um Thaisis aber schloß sich der Kreis ihrer Frauen, die ferne in den Lauben ihrer Herrin gewacht hatten.
Die linde Hand der Liebe hielt El-misa noch von der Erfüllung seines heißen Wunsches zurück. Sein flammender Geist mußte noch gehärtet sein, bevor Thaisis ihn empfangen wollte.
(Fortsetzung folgt)
Fragen-Beantwortungen
durch Abd-ru-shin
Frage: Es kommt doch oft vor, daß ein Mensch durch äußere Verhältnisse aus seiner Bahn geschleudert wird, die er sich vorgenommen hat zu gehen. Er muß entweder eine Stellung oder Arbeiten annehmen, die mit seinem eigentlichen Ziele nicht im Einklang stehen und verliert dadurch viel Zeit, die er als für ihn nutzlos ansehen muß. Wenn ihm dazu die Ausführung der Arbeiten noch Überwindung kostet und nicht Freude macht, so kann sie sicher seinem Geistesreifen keinen Nutzen bringen.
Antwort: Treue Pflichterfüllung bringt immer geistigen Gewinn. Natürlich wird dieser Gewinn belebt und erhöht, wenn auch Lust und Liebe zu der Arbeit mit vorhanden ist. Oft aber sind derartige Arbeiten notwendige Brücken, die der betreffende Mensch noch braucht, um ein höheres Ziel erreichen zu können, das ihn dann voll erfüllt und damit auch zur Freude wird.
Da ist es selbstverständlich, daß bei derartigen Übergangsarbeiten, die manchmal viele Jahre dauern können, nicht immer Befriedigung und Freude vorhanden sein kann, am wenigsten dann, wenn der Mensch diese Arbeiten zu seiner eigenen Entwickelung und zu seinem geistigen Fortschritte notwendig hat!
Viel später sieht er dann sehr oft, daß gerade die Jahre, die er für vergeudet hielt und wo er abseits von seinem eigentlich vorgefaßten Wege zu stehen wähnte, die wichtigsten für ihn waren, die er um keinen Preis auf seinem Erdenwege vermissen möchte, da er die Erfahrungen daraus dringend brauchte zur Erreichung eines höheren Zieles.
Dann dankt er mit ganzer Seele für die weise Führung, die ihn anscheinend zur Seite drückte.
Frage: Was versteht man unter Gruppenseele? Diese Bezeichnung habe ich in mancherlei Büchern oft gelesen, doch nie eine eigentliche Erklärung dafür gefunden, die ein rechtes Bild der Vorstellung geben konnte.
Antwort: Mit dieser Frage ist allerdings ein Punkt berührt, den zu klären eine ganze Serie von Vorträgen gehören würde, was natürlich nicht im Rahmen einer einfachen Fragenbeantwortung unterzubringen ist.
Trotzdem will ich wenigstens in einem großen Zuge diese Angelegenheit umgrenzen. Das beste ist, wenn ich gleich eine andere vorliegende Frage mit darein verwebe, welche also lautet:
„Haben außer den Menschen auch die Tiere, Pflanzen usw. Seelen, die einen Entwickelungsgang durchlaufen und wie ist es bei deren Abscheiden?”
Darauf ist zu sagen, daß es nichts in der Schöpfung gibt, das ohne Entwickelung verbleiben kann; denn das läßt das Gesetz der Bewegung nicht zu. So entwickeln sich auch die Seelen der Tiere, die aus einer besonderen Art des wesenhaften Ringes stammen, der als erster die Stofflichkeiten umgibt.
Hierbei kann ich einmal nicht anders, als auf meine Vorträge über die verschiedenen Schöpfungsringe oder Ebenen hinzuweisen, da deren Kenntnis zu einem Verstehenkönnen dieser Antwort unbedingt gehört und ein enger begrenztes Bild nicht gegeben werden kann, weil in diesen Ebenen alles in Bewegung ist und bleibt.
So entwickeln sich also die Seelen der Tiere auf der Erde, die aus dem untersten Ring des Wesenhaften hervorgehen und nicht geistiger Natur sind, immer mehr und mehr. Sie sind deshalb auch entsprechenden Veränderungen unterworfen.
In den Anfangsstufen kehren diese Seelen bei dem Erdabscheiden zu einer Gruppenzentrale zurück, oder besser gesagt, sie werden von dieser angezogen, wobei sie ihre Form wieder verlieren und in diese eingehen. Es ist davon nicht nur eine Gruppenzentrale vorhanden, sondern es bestehen Zentralen für jeden Reifegrad. Auch hier schließt sich alles dem Gesetz der Gleichart gehorchend zusammen, in Abstufungen der jeweiligen Reife.
Bei höherer Entwickelung der Tierseelen aber verbleibt nach einem irdischen Ableben die Form der Seele eine immer länger andauernde Zeit bestehen, und kann sich dann auch wieder inkarnieren, ohne in einer Gruppenzentrale aufgegangen zu sein.
Hierbei ist Anhänglichkeit, Treue oder Liebe die bindende Kraft, welche in der Sehnsucht die Form zusammenhält.
Der Begriff „Gruppenseele” umfaßt Arten niederer Wesenhaftigkeit, aus denen heraus die Tierseelen sich lösen, um nach grobstofflichem Absterben wieder dahin zurückzukehren, da sie von den Sammelpunkten angezogen werden. Es ist nach menschlichen Erdbegriffen eine formlose Masse, aus der Teile formannehmend als Seelen sich lösen und zurückkehrend formverlierend wieder darin aufgehen.
In Wirklichkeit bestehen diese Gruppenseelen aber aus vielen in- und durcheinanderwogenden, sich andauernd verändernden unklaren Gestaltungen.
Ich erkläre dies nur in dieser Weise, um einen ungefähren Begriff davon zu geben, da näheres Eingehen das Lesen meiner Vorträge bedingt.
Nur eins sei hierbei noch erwähnt: Die soeben genannten Seelen besitzen nur Kreaturen, welche sich von der Stelle bewegen können, wie die Tiere, wodurch sie die Möglichkeit des Sichschützenkönnens haben.
Pflanzen und Gesteine aber besitzen keine eigene Seele, sondern sie bilden nur Behausungen für wesenhafte Kreaturen wie Elfen usw., die sich beliebig daraus entfernen können, ohne unmittelbare Schmerzen zu empfinden, wenn ihre Behausungen verletzt werden.
Diese wesenhaften Kreaturen betreuen und pflegen die ihnen überlassenen Behausungen, welche sich nicht selbständig von der Stelle bewegen können, bauen daran und nähren sie durch Strahlungen, was dann den Menschenaugen wie selbständiges Leben dieser Pflanzen erscheint.
Wenn ich bis in Einzelheiten gehen will, müßte ich ein Buch darüber schreiben, was ja auch geschehen wird, sobald die Zeit dafür gekommen ist. So müssen Sie sich vorläufig mit dieser kurzen Übersicht begnügen.
Öffnet Auge und Ohr, damit Tropfen
des Lichtes guten Boden finden:
Der Weg zum Höchsten liegt bereit vor jedem Menschen! Gelehrsamkeit ist nicht das Tor dazu!
*
Der Mensch, der innerlich gebunden bleibt, wird ewig Sklave sein, auch wenn er König wäre.
*
Das Leid und auch die Freude pochen dauernd an, um zu ermuntern, aufzurütteln zu einem geistigen Erwachen.
*
Es gibt kein Dies- und Jenseits, sondern nur ein einheitliches Sein! Den Begriff der Trennung hat allein der Mensch erfunden, weil er nicht alles sehen kann und sich als Mittelpunkt und Hauptpunkt der ihm sichtbaren Umgebung dünkt.
*
Glauben, ohne zu begreifen, ist nur Trägheit, Denkfaulheit! Das führt den Geist nicht aufwärts, sondern drückt ihn nieder. Deshalb empor den Blick, wir sollen prüfen, forschen. Der Drang dazu liegt nicht umsonst in uns.
Der Mensch hat die Entscheidung, gut zu denken oder böse, und kann somit göttliche Kraft zum Guten wie zum Bösen lenken!
*
Versuche niemals außer acht zu lassen, daß alle Folgen Deines Denkens stets auf Dich zurückfallen, je nach der Kraft, der Größe und der Ausdehnung der Wirkung der Gedanken, im Guten wie im Bösen.
*
Wenn die Schulen und Kirchen von Himmel und Hölle sprechen, von Gott und dem Teufel, so ist das richtig. Falsch aber ist eine Erklärung von guten und bösen Kräften. Das muß jeden ernsthaft Suchenden sofort in Irrtümer und Zweifel stürzen; denn wo zwei Kräfte sind, müßten logisch auch zwei Herrscher, in diesem Falle also zwei Götter sein, ein guter und ein böser.
Und das ist nicht der Fall!
Es gibt nur einen Schöpfer, einen Gott, und deshalb auch nur eine Kraft, die alles Seiende durchströmt, belebt und fördert!
*
Mit reiner Freude denkt daran, daß Ihr mühelos durch Euer einfaches, gutwollende Empfinden und Denken die einzige und gewaltige Schöpfungskraft zu lenken vermögt. Genau in der Art Eueres Empfindens und Euerer Gedanken wirkt sich die Kraft dann aus. Sie arbeitet allein, Ihr braucht sie nur zu lenken. Und das geschieht in aller Einfachheit und Schlichtheit! Dazu bedarf es keiner Gelehrsamkeit, nicht einmal des Lesens und des Schreibens. Es ist jedem von Euch in gleichem Maße gegeben!
Abd-ru-shin.
Mitteilungen an die Leser:
Die Monatsschrift „Die Stimme” erscheint jetzt auch in tschechischer Sprache unter dem Titel: „Hlas”. Adresse für die Tschechoslowakei zur Einsendung von Aufsätzen und Inseraten, sowie Bestellungen:Josef Kovár, Prag 54. Bilá Hora 189.
Die Abonnenten werden gebeten, etwaige Adressen-Änderungen möglichst sofort dem Verlag bekannt zu geben, damit in der Zustellung der „Stimme” keine unnötige Verzögerung eintritt.
VERLAGS - A. - G. ,,DIE STIMME”
Zürich 7, Drusbergstraße 17
Telephon 46.575 - Postscheckkonto VIII 5345
Inhalt:
Seite
1. Spruch. Von Susanne Schwartzkopff . . . . . . 4
2. Grober Unfug. Von Hermann Wenng . . . . . . 5
3. Recht haben - recht handeln. Von Lucien Siffrid . 10
4. Warum musizieren wir? Von Clär Weglein . . . 14
Und alles werde neu! Von Margarete Fritsch . . 19
Die Stunde der Verkündung. Von Susanne
Schwartzkopff . . . . . 22
7. Kindlichkeit. Von Abd-ru-shin . . . . . . 29
8. Einsendung aus dem Leserkreise
Betrachtungen eines Forschers. . . . . . . 34 9. Is-ma-el als Wegbereiter für den Geist der
Wahrheit durch die sieben Weltenteile der Schöpfung. (3. Fortsetzung) . . 39
10. Fragen-Beantwortungen. Von Abd-ru-shin
1. Arbeit ohne Freude. . . . . . . . . . . 55
2. Gruppenseele . . . . . . . . . . . 56
11. Tropfen des Lichtes. Von Abd-ru-shin . . . . . 58
12. Mitteilungen an die Leser . . . . . . . . 60
Herausgeber: Verlags A.-G. „Die Stimme”, Zürich, Drusbergstraße 17.
Verantwortlich: Für die einzelnen Artikel und Mitteilungen die
Verfasser. Für den übrigen Teil: Herr Arthur Giese, Zürich.
*)Es ist Johannes, der spätere Lieblingsjünger Jesus.