Jahrgang 1937 Heft 5

DIE STIMME




Schrift

für Erstarkung im Wissen

und Können.







VERLAGS A. - G. ,,DIE STIMME“, ZÜRICH








































Copyright by Verlag A - G „Die Stimme“, Zürich

Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung. Vorbehalten

Druck:Buchdruckerei Thurtal, Mühlheim ( Schweiz )





Der Nebenmensch.


Von Herbert Vollmann.


Wie lebenswichtig das harmonische Verhältnis von Mensch zu Mensch ist, geht allein schon aus den Ermahnungen und Geboten hervor, die stets von den auf Erden weilenden Gottgesandten den Menschen zum besseren gegenseitigen Verstehen gegeben wurden.

So wurde vor dreitausendfünfhundert Jahren schon dem Volke der Isra von dessen Fürsten Abd-ru-shin gekündet:

,,Geht nicht an Euren Nächsten vorüber, so sie häßlich sind und denkt: Von Dir kann ich nichts lernen.

Seht sie ruhig einmal an, ohne über ihre Schwächen zu spotten, und Ihr werdet erkennen, daß sie gerade das zur Entstellung gebracht haben, was dazu bestimmt gewesen wäre, sie schön zu machen. ”

Und viele Jahrhunderte später wurden wieder Worte auf Erden gesprochen, die zum Ziel hatten, das Verhältnis von Mensch zu Mensch einfach und natürlich zu gestalten und ihnen so den Weg in lichte Höhen zu weisen.

,,Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst! ” lautete das Gebot des Gottessohnes Jesus an die Menschen, als er sah, wie Neid und Selbstsucht den Garten der seelischen Liebe bis zur Unkenntlichkeit überwuchert hatten.

Dann nahte sich die Zeit des großen Weltgerichtes. Zum letzten Male erfolgte vom Lichte aus an die Menschheit die Aufforderung zur Ausübung wahrer Nächstenliebe.

Schlicht und einfach und doch so inhaltsreich, so bedeutungsvoll für den Menschengeist stehen die Worte in der Gralsbotschaft:

,,Füget den Nebenmenschen nun kein Leid mehr zu, um eigenes Begehren damit zu erfüllen!

Was alles darin liegt, habt Ihr noch nicht erfaßt. Es ist der beste Stab für eines Menschen Wandern durch die Schöpfungsteile bis zum Paradies! ”

Aber so sehr sich das Licht bisher Mühe gab, den Weg des Menschen in der Nachschöpfung durch Achtung und verstehende Liebe seinen Mitgeschöpfen gegenüber zu einem Weg dauernden, ungetrübten Glückes zu gestalten, der nur durch blumenreiche Auen, durch lieblich blühende Gärten voll herrlicher Schönheit führt, ebenso sehr, ja noch um ein Vielfaches mehr hat sich der Mensch diesen Mahnungen und Ratschlägen göttlicher Gnade und Barmherzigkeit verschlossen und sie einfach nicht beachtet.

Trotzdem kommt der Mensch nicht daran vorüber, sich über das Verhältnis zu seinen Nebenmenschen vollständige Klarheit verschaffen zu müssen.

Anders wird nie himmlischer Friede auch auf Erden erblühen, anders wird das Schicksal der Einzelmenschen wie auch der Völker nie einen Aufstieg des Geistes von der Erde in lichte Höhen zur Folge haben, um schließlich das eigentliche Ziel, das Paradies, das ewige Reich der erlösten und von aller Schuld befreiten Geister zu erreichen, wo er in seligem Schaffen weiter dienen darf voll jauchzenden Dankes für die große Herrlichkeit und unfaßbare Liebe des Schöpfers.

Der Mensch kann also das Gesetz des Zusammenschlusses nicht umgehen, möge er sich nun während seines Entwickelungsganges durch die weite Nachschöpfung auf Erden befinden oder in außerirdischen Ebenen, deren es viele gibt und die der Mensch in seiner Unwissenheit und Bequemlichkeit einfach mit dem Sammelbegriff ,,Jenseits” abgetan hat.

Überall in den großen Reichen des Schöpfers schließen sich die Teile zusammen, die zu einer gleichen Art gehören; sie müssen miteinander in Berührung kommen nach dem Gesetz des Anschlußverlangens von Teilen gleicher Arten, das in alle Schöpfungen mit hineingewoben ist und keine Ausnahmen zuläßt.

So ist auch der Menschengeist als winziges Teilchen einer Schöpfungsart auf die anderen Teile der gleichen Art, also auf seine Nebenmenschen angewiesen.

Er muß sich außerhalb seines Ursprunges mit anderen Menschengeistern treffen und mit ihnen zusammen leben nach dem eben genannten Gesetz, daß alle Teile von einer Art sich wieder zusammenschließen in gemeinsamem Wirken, auch wenn sie sich außerhalb dieser Art befinden.

Die Menschen gehören zu der Schöpfungsart des Menschengeistigen, das seinen Platz an der untersten Stelle des Paradieses hat und dort eine Art für sich bildet, die unbewußte Teile, Geistkeime genannt, aus sich heraus zum Bewußtwerden in die Nachschöpfung entläßt, man könnte auch ruhig sagen abstößt.

Dieses Abtrennen unbewußter Geistkeime kommt in den Worten von der ,,Ausstoßung aus dem Paradiese” zum Ausdruck.

Den losgelösten in der Nachschöpfung sich befindenden Geistkeimen wohnt der Drang inne, sich einander anzuschließen in verbindendem Wirken, ebenso wie sie den Drang in sich haben, sich mit der Art des Geistigen, die in ihrer Ganzheit nur im Paradiese zu finden ist, so schnell wie möglich wieder als bewußt gewordene Geister zu vereinen, vorausgesetzt, daß ihr Wollen rein verbleibt und nicht durch Besserwissenwollen eine Trübung erfährt.

Es ist dieser Drang nichts anderes als die Lichtsehnsucht, die Sehnsucht nach der geistigen Heimat, die jedem sichselbstbewußtwerdenden Menschengeiste innewohnt, es sei denn, daß er sie durch falsche Tätigkeit des erdgebundenen Verstandes verschüttet hat.

Das Sichselbstbewußtwerden eines unbewußten Geistkeimes hat bei anhaltendem guten Wollen ein Wiedereingehen in das Paradies zur Folge, wodurch die geistige Art jedes Mal gehoben und bereichert wird.

Wie sich nun im Paradiese die schon bewußt gewordenen Menschengeister in seligem Wirken zusammenschließen, so sollte es auch außerhalb des geistigen Reiches sein.

Von oben nach unten bis in die dichteste Stofflichkeit und wieder aufwärts von unten nach oben sollte es eine ununterbrochene Kette sich entwickelnder, reiner Menschengeister geben, die zusammenwirkend die Aufgabe gehabt hätten, die ihrer Art eigenen Strahlungen durch alle Schöpfungsebenen belebend, erquickend und aufbauend weiterzuleiten.

So sollte es sein, aber schon vor langer Zeit ist diese Kette durch die Menschen selbst zerrissen worden, was ein gewaltsames Unterbrechen des Kreislaufes der geistigen Strahlungen nach sich zog.

Dort, wo die Stofflichkeiten beginnen, hängt die Kette geöffnet herab und vergeblich entströmen ihr all die segenspendenden Kräfte.

Bis zur Unkenntlichkeit verbogen, auseinander gerissen, überwuchert von giftigen Schlinggewächsen, ist der einst so leuchtende Teil der Kette, der die Strahlen in die Stofflichkeit leiten sollte.

Kein Erdenmensch steht mehr neben dem anderen. Mißtrauen, Neid und Selbstsucht haben Abgründe geschaffen, die sich kaum noch von Mensch zu Mensch überbrücken lassen und der Begriff ,,Nebenmensch” so wie er im gottgewollten Schöpfungswirken schwingt, ist wie alle anderen geistigen Begriffe zu einem inhaltsleeren, abgenutzten Worte geworden, das oberflächlich und gedankenlos in der Rede gebraucht wird, ohne den wahren Wert und die wahre Bedeutung noch zu kennen.

Vor Zeiten waren die Menschen noch das, was wir ausgeglichen nennen. Sie kannten noch das Gesetz des Ausgleiches, waren lebendige Zeugen davon, daß sie stets vom Tische des Herrn, von den Gaben, die Gott den Menschen durch seine Schöpfung gnadenvoll bieten läßt, nur soviel nehmen durften, wie sie selbst zu geben vermochten.

Dadurch wurde keiner der Mitmenschen durch eigenes Begehren geschädigt und übervorteilt, keinem wurde ein Leid zugefügt.

Es war überall ein gleichmäßig leuchtendes Strömen menschlichen Wirkens, das von dem Gesetz des Ausgleiches im Geben und Nehmen in regelmäßigem Pulsschlag bewegt wurde.

Heute ist der Mensch seinem Schöpfer gegenüber nur ein Nehmender oder besser gesagt Fordernder, der alles an sich reißt, dessen er in seiner Eigensucht nur habhaft werden kann, ohne auch nur den kleinsten Dank als winzige Gegengabe dafür aufzuwenden.

Dazu kommt noch, daß die meisten Menschen die Hebel umgestellt haben. Sie öffnen sich nicht mehr den belebenden Strömen von oben, sondern sie nehmen willig die Einflüsse des Dunkels auf und geben sie vielfach weiter.

Und über all dem Schmutz menschlicher Ichsucht stehen golden leuchtend hoch oben im All die Worte:

,,Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst! ”

Rein und klar schweben diese Worte über der lichtabgewendeten Menschheit. Doch selten nur irrt tastend aus der Tiefe ein lichter, zarter Strahl zu ihnen, Verbindung suchend und Kraft erbittend für die Überwindung des eignen Ichs, für ein gerechtes Verstehen der Nebenmenschen.

Wenn die Menschen in all ihren Erdenleben nur einen winzigen Teil der Liebe, die sie für sich aufgewendet haben, ihren Mitmenschen geschenkt hätten, so sähe es heute harmonischer und friedevoller in ihren Herzen aus.

Nun aber kostet es allen Menschen, die noch nicht ganz in sich verhärtet sind, schmerzhafteste Mühe, bis sie erleben und erkennen, wie sehr sie sich selbst immer geliebt haben, wie sehr sie so ganz eingesponnen sind in dem Denken und Tun für ihre eigene Person, wie sich ihr Trachten und Streben immer um den einen Mittelpunkt bewegt, um ihr eigenes Ich, weit entfernt von einem Verständnis für die Sorgen und Nöte, Fehler und Schwächen der Nebenmenschen.

Und doch muß sich, wie schon erklärt, der Mensch mit seinem Nächsten befassen, muß ihn lieben und achten lernen als ein Teil der gleichen Art, als ein Mitgeschöpf, das den gleichen Weg, dasselbe Ziel hat wie er.

Das Beobachten der Nebenmenschen ist aber heute schon deshalb sehr wichtig, weil man nur an ihnen alle die Fehler finden und erkennend betrachten kann, die Menschenart aus freiem Wollen, also aus eigener Schuld außerhalb des Paradieses in der Stofflichkeit großgezogen hat.

Die neutrale Beobachtung eines Menschen, die in seinem Tun und Lassen die Auswirkungen der Schöpfungsgesetze finden will, kostet bei der heute herrschenden Ichsucht eine große Selbstüberwindung, die nur noch in seltenen Fällen zu finden ist.

Denn es liegt bei der ichbetonten Veranlagung der Menschen immer die Gefahr nahe, daß das sachliche Beobachten in ein persönliches Vergleichen übergeht, das meistens mit dem Ergebnis endet, daß sich der Vergleichende über die entdeckten Schwächen des anderen erhaben dünkt, die er vielleicht bei richtigem Zusehen und mutigem Eingeständnis in noch viel stärkerem Maße selbst besitzt.

Das objektive Betrachten ist nichts anderes, als den eigenen Bannkreis einmal zu verlassen, dabei versuchend, sich in die Lage des Objektes, in diesem Falle des Nebenmenschen zu versetzen, sein Denken und Tun nachzuempfinden mit der Seele, und nicht grübelnd und kritisierend mit dem irdischen Verstande zu untersuchen oder zu zergliedern.

Das dürfte nicht allzu schwer sein, da Subjekt und Objekt den gleichen Ursprung haben, von der gleichen Art sind und daher trotz seelischer Verschiedenheiten durch die bei allen Menschen gleichen Artmerkmale des Geistigen auch eine Brücke zum gegenseitigen Verstehen gegeben ist.

Oder wird ein wacher Menschengeist nicht verstehen, daß auch sein Nebenmensch die der geistigen Art eigentümliche Lichtsehnsucht, den Drang zur Weiterentwickelung oder die der ganzen geistigen Art innewohnende Eigenschaft des friedevollen Hegens und Aufbauens in sich trägt und sie zum vollen Erblühen und zur Vollendung bringen möchte?

Das allein sind doch schon genug Brücken zur Einsicht und liebevollen gegenseitigen Hilfe und Unterstützung, das allein läßt die Menschen auch einander erfreuen und anspornen zu immer höherem und edlerem Wirken in den prachtvollen Gärten des Schöpfers, die überall zu finden sind, wo sein Wille befolgt wird.

Ein wichtiger Hinweis für das Erkennen und Verstehen der Fehler und Vorzüge des Nebenmenschen wie auch für die Selbsterkenntnis liegt in den eingangs erwähnten Worten:

,,Geht nicht an Euren Nächsten vorüber, so sie häßlich sind und denkt: Von Dir kann ich nichts lernen.

Seht sie ruhig einmal an, ohne über ihre Schwächen zu spotten, und Ihr werdet erkennen, daß sie gerade das zur Entstellung gebracht haben, was dazu bestimmt gewesen wäre, sie schön zu machen. ”

Fällt uns demnach an einem Menschen auf, daß er Gedanken und Empfindungen des Hasses großzieht, so dürfen wir annehmen, daß diesem Menschen vom Schöpfer die Gabe zuteil wurde, durch Liebe, Güte und Wohlwollen seine Mitmenschen zu erfreuen. Weiter können wir folgern, daß ein eitler, hochmütiger Mensch durch Demut und Bescheidenheit ein Vorbild sein sollte, Oberflächlichkeit aber zum Ausdruck bringt, daß der Träger dieses Fehlers durch die Tiefe seines Empfindens hervorragen sollte.

Um die Erklärungen noch verständlicher zu machen, können wir umgekehrt folgern, daß bei einem fehlerlosen Menschen, dessen Haupteigenschaft Mut ist, beim Entstehen von Mängeln in erster Linie dieser Mut, der ihn schön macht, entstellt wird; er kann umschlagen in Mutlosigkeit und sogar Feigheit.

So wird beim Einsetzen eines falschen Wollens der Freigebige geizig, der Beherrschte aufbrausend, der in sich Gefestigte schwankend und wankelmütig.

Immer wird zuerst die gute Eigenschaft beim Auftreten von Fehlern entstellt, die den Menschen besonders zieren sollte.

Und stets wird eine gute Eigenschaft durch eine ganz bestimmte schlechte abgelöst.

So schlägt Liebe in Haß um und nicht in Feigheit, die wiederum als Gegenpol des Mutes in Erscheinung tritt.

Durch Erfahrungen haben wir die Gegensätze menschlicher guter Eigenschaften herausgefunden. Es wurden aber die Erfahrungen in diesem Falle durch der Menschen Schuld herbeigezwungen; sie hätten nie gemacht zu werden brauchen, wenn die Menschen den Weg zum Licht nicht verlassen hätten.

Hätten sie stets den Willen ihres Herrn und Gottes erfüllt, so würden heute in ihrem Sprachschatze eine ganze Reihe von Worten mit übler Bedeutung fehlen.

Wie sollte der Begriff und das Wort ,,Haß” entstanden sein, wenn stets die echte, strenge und gerechte Liebe den Menschen erfüllt hätte?

Wie hätten die Worte ,,Krieg” und ,,Streit” geformt werden können, wenn immer wahre Friedensliebe in den Menschenherzen gewohnt haben würde?

Das üble Wollen der Menschen schuf so die Gegensätze, die das gesamte in dem Gotteswillen schwingende Schöpfungswirken nicht kennt!

Wasser und Feuer, Erde und Luft sind beispielsweise nur anscheinend Gegensätze, in Wirklichkeit ergänzen sie sich auf das vortrefflichste. Sie können schon deshalb keine Gegensätze sein, weil sie einen gemeinsamen Ursprung haben: Die Ausstrahlung Gottes!

Und innerhalb dieser göttlichen Ausstrahlung sind Gegensätze unmöglich!

Ein Gegensatz kann nur dort sein, wo falsches, lichtabgewandtes Wollen entsteht, wie bei den Fehlern und Schwächen der Menschengeister.

Das Gegensätzliche ist also immer gegen das Licht, gegen Gott gerichtet!

Eitelkeit ist ein Gegensatz zu der von Gott gewollten Anmut, Dünkel ein Gegensatz zu der im Gotteswillen schwingenden echten Demut, wie schließlich überhaupt das ganze durch Menschenwollen entwickelte Dunkel, das alle menschlichen Fehler und Schwächen einschließt, der Gegensatz des Lichtes Ist!

Daher berühren sich auch alle Gegensätze, weil sie einen gemeinsamen Ursprung haben: Das Dunkel!

Gleich und gleich gesellt sich gern! Das gilt auch für die aus gleicher Art, dem Dunkel, entstandenen Gegensätze!

Schon im Menschen selbst berühren sich die Gegensätze, Wenn er zwei oder mehrere üble Eigenschaften als Gegensätze zu guten im Lichte schwingenden Eigenschaften hat.

Es ist also falsch zu sagen, der Mut ist der Gegensatz zur Feigheit, weil Gegensätzliches immer nur lichtfeindlich sein kann und Mut eine edle, lichte Eigenschaft ist.

Richtig ist, daß Feigheit der Gegensatz des Mutes ist. -

Wenn nun bei diesen Betrachtungen plötzlich in unserer Seele die Frage auftaucht, welche Eigenschaften habe ich zur Entstellung gebracht, die dazu bestimmt gewesen wären, mich zum brauchbaren, nützlichen Baustein in dem gewaltigen Weltenbau zu machen, dann ist der beste Weg zur Selbsterkenntnis und damit auch zum richtigen Verstehen des Nebenmenschen gefunden, aus dem die wahre Nächstenliebe, die nur gerechte Strenge und nichts Weichliches kennt, still emporblüht wie eine schlichte, reine Blume, die zum Himmel weist als ein Geschöpf der ewigen allumfassenden Liebe Gottes.

Nur wenn der Mensch für seinen Nebenmenschen und alle anderen Geschöpfe die Liebe aufbringt, die eine Gleichart hat mit der Schöpferliebe, kann er höher steigen, dieser einen großen Alliebe entgegen, die in lichten Höhen für jede Art von Kreaturen ein Paradies geschaffen hat, in dem diese andauernd die unerfaßbare Gottesliebe in jauchzender Freude und seligem Wirken erleben dürfen.

So gehet hin und handelt! Nehmt Eure ganze Liebe, die Ihr so gern und willig für Euch selbst aufwendet und schenkt sie Eurem Nebenmenschen, so noch ein Fünkchen Sehnsucht in ihm glüht, dann könnt Ihr Hunderte, ja Tausende mit Leichtigkeit beglücken!

Und sie beglücken Euch im ewigen Wechselspiel der Weltgesetze.

Von einem anderen erhaltet Ihr dann Eure Liebe vielfach wieder, und diese Liebe segnet Gott mit tausend blanken Tropfen aus dem Himmelsborn!




Die „Stunden“

des Menschenlebens.


Von Hermann Wenng.


II.

Wir wissen, daß fünf Jahre eines Menschenlebens auf Erden eine Stunde sind im Leben des Menschengeistes, der seine Wohnstätte hat in einer Sphäre, die der Vollendung nahe gerückt ist, zwar immer weltenweit von ihr entfernt, aber auch weltenweit entfernt von uns, die wir weilen im groben Stoff, um durch Erleben zu reifen und zu wachsen in ihm entgegen der Vollendung.

Wir haben erfahren, wie diese Stunden aufeinander folgen und miteinander verbunden sind, wie die Ringe einer Kette, also ineinandergreifend und wirkend, so daß der erste Ring sich berührt nicht nur mit dem zweiten, sondern auch mit dem dritten und der dritte nicht nur mit dem vierten in inniger Berührung steht, sondern auch mit dem fünften.

Und nicht eine leblose Kette ist es, aus irgend einem Metall, sondern eine lebendige Kette. Durch sie hindurch strömt eine lebendige Kraft, zuletzt fügend das Ende dem Anfang zum Ringe, zum lebendigen Ganzen. Keiner der Ringe ist von irgend einem getrennt, ein jeder muß wirken in allen anderen. Was der Mensch sich erwarb in einer seiner ,Stunden, muß bleiben und der nächsten dienen; keine kann ausfallen und keine darf umsonst gelebt sein. Lösen kann er die Aufgabe der fünften Stunde nur, wenn er die ersten vier erlebt hat im Geiste, wenn ihm zu eigen geworden ist, was sie ihm geben sollen zu seiner Reife. Die sechste Stunde kann er nicht leben, ohne die erste und auch die neunte, Glaube, ist nicht von der ersten getrennt, sondern vielmehr: hier schließt sich der Ring, das Ende fügend dem Anfang: Glaube ist Kraft - die größte, die es gibt - und Glaube kann nicht sein ohne die Kraft!

Kann auch jemand eine Leiter hinaufklimmen, ohne jede Sprosse, jede Stufe zu betreten, in unserem Sinne also jede Stunde zu erleben? Er kann es nicht! Ersteigen aber muß er sie alle, durchleben, wenn er die Höhe erreichen will, die er erreichen soll, zu der diese Leiter ihn führen kann und führen will.

So ist es aber nicht, daß der Mensch in einem Leben, und wenn es noch so viele Male fünf Jahre dauert, und seien es auch 24 also 120 irdische Jahre - nun auch alle die Stunden im Geiste erlebt hätte, daß er auch eine Leiter erstiegen, die zweimal hätte erleben lassen den Glauben in einer Steigerung, daß sein Geist die Lebendigkeit erreicht haben müßte, die ihm das dreifache Erleben der Stunde des Geistes zu geben imstande ist.

Dies ist nicht so. Es ist auch nicht so, daß ein Kind, das nun seine erste Stunde erlebt, seine ersten fünf Jahre, sie so lebte, als ob nun auch nichts anderes auf ihn wirkte als eben die Kraft des Wachstums - auch alle anderen Stunden zeigen sich in Spuren schon in ihm, wenn dieser Geist, wiederum weilend im Fleische, die anderen, höheren ,,Stunden” sich schon zu eigen gemacht hat, sich schon erlebte und also dies, das sie ihm geben sollten, bereits besitzt.

Nicht jeder Menschengeist, der nun auf Erden weilt, hat sie erlebt, nicht jeder, sogar die wenigsten von ihnen, sind imstande, sie alle neun, oder in Steigerung alle achtzehn, oder alle vierundzwanzig, zu erleben! Im Gegenteil, wohl kaum einer ist, der auch nur die erste Neun in sich lebendig trüge, denn der sie in sich trüge, wäre des Stoffes entbunden!

Wenige nur erleben in Wahrheit mehrere Stunden, wenige nur haben etwas von dem behalten, was ihnen die Stunden früherer Wege hätten im Erleben vermitteln sollen. Wenige haben aufgenommen, in sich hineingesogen die Bilder, die sich ihnen boten auf ihrer Wanderung, wenige haben erlebt in Wahrheit, haben die Wahrheit sich erlebt!

Wir brauchen ja nur um uns zu sehen, um dies gewahr zu werden. Wer hat denn Glauben? Wie sprach das fleischgewordene Wort zu den Menschen, die mit ihm gingen, die er gerufen hatte?

„Wenn Ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn, so konntet Ihr Berge versetzen! ”

Das sollte heißen: dann würden sie eine gewaltige Kraft haben, eine gewaltige Kraft würde von ihnen ausgehen!

Wer kann von sich sagen, er habe Glauben in sich! Er kann es nicht sagen, daß er je die Stunde des Glaubens erlebt hat, geschweige denn die Stunde der Wahrheit; denn wenn er Glauben hätte, würde er wirklich sein und er müßte strahlen gleich einer Sonne, erwärmen und erleuchten alles, das um ihn ist.

Aber wir brauchen unsere Ansprüche gar nicht so hoch zu stellen. Bleiben wir bei der ersten Stunde, der Stunde der Kraft. Wo ist Kraft? Wenn wir absehen von den Muskelkräften, den Kräften des Körpers, die sich nur in roher Betätigung äußern, in Faustkampf etwa, welche Art von Kraft ja wohl vertreten ist darum, weil der Mensch dazu nichts zu tun braucht, weil er sich, abgesehen von der körperlichen Übung eben dieser Kraft, nicht wirklich um sie zu „bemühen” braucht, so finden wir auf Erden kaum, was in Wahrheit Kraft zu nennen gestattet wäre, Kraft im Sinne der Schöpfung.

Und wo ist Schöpfung, wirklich Schöpferisches? Wer kann von sich sagen, daß er wirklich schöpfe und geschöpft habe aus dem ewigen Brunnen? Wohl kaum einer; denn Schöpfung ist nicht ohne Geist, Geist nicht ohne Glauben zu denken.

So ist es in Wahrheit: es erleben die Menschen die Stunden, die ihnen Gnade schenkt auf Erden, nicht! Wie viele haben auch nur die erste erlebt, die ja gar nicht wirklich erlebt werden kann, ohne daß die neunte schon erlebt ist!

Leicht läßt es sich sehen: der eine steckt sein Leben lang in der zweiten, der andere in der dritten. In der vierten Stunde die meisten, kaum einer hat die Fähigkeit, die fünfte zu fassen!

Auf den unteren Sprossen der Leiter, die ihn hinaufführen soll auf die Höhe des Lebens, bleiben die Menschen stehen und nicht wenige, die schon höher standen, sind herabgestiegen, statt nach oben zu gehen.

Ein jeder braucht nur in sich selbst zu sehen, um zu wissen, wo er steht, was ihn beherrscht - und ein jeder braucht nur die Augen aufzutun, mit offenen Sinnen in seine Umgebung zu sehen, um zu wissen, wie es mit der ganzen Menschheit steht; mit jedem Einzelnen, wie auch mit allen Völkern!

Die meisten sind stehen geblieben, während vieler Leben schon, die ihnen die Gnade göttlichen Gesetzes gewährte. Wohl stellte auch an sie das Leben im Stoffe in einem geringen Grade die Anforderungen, die an höhere Entwickelungsstufen gestellt werden; wäre dies nicht, so wüßten sie nichts, aber auch gar nichts von dem, was noch über ihnen lebt, von den höheren Stufen des Seins. Wohl wirkte auch bei ihnen der Strom des lebendigen Lebens, der durch die Kette geht, aber darinnen standen sie nicht! Sie standen nicht in der Stunde des Geistes, deren Erleben ihnen öffnen sollte den Blick, das Empfinden für geistiges Sein, sondern daneben! Oder standen sie etwa in der Stunde der Liebe, da ihnen aufgehen sollte der Liebe Wesen und ihre Reinheit, welches Erleben vorbereitet ist in der vierten Stunde durch die Sprache des Blutes?

Es führen die ersten Stunden den Menschen in das Leben der Erde hinein, die letzten aber sollen ihn wieder heraus führen. Es ist nun leicht zu beobachten, daß der Mensch wohl in das Leben sehr leicht hinein findet, sehr schlecht aber wieder heraus. Er hängt am Leben und an der Erde, so zwar, daß für ihn kein Weg wieder herausführt. Selbst in den Fällen, in denen er das Leben wegwirft, ist es Hang an der Erde, der ihn dazu bringt.

Er hat seine Zeit nicht dazu benützt, sich den ,Weg aus dem Leben wieder zu suchen, er hat die letzten Stunden nicht erlebt - kaum die ersten - ob er irdisch, äußerlich, noch so viele dieser Stunden auf Erden weilt. Er hat ihre Sprache nicht verstanden, ja, in vielen Fällen ist er derartig unempfindlich, derartig umpanzert von Stofflichem, daß er nicht nur nicht weiß, welchen Sinn dies oder jenes Vorkommnis, das an ihn herantritt, haben soll, warum es gerade ihm und in eben dieser Zeit so geschehen muß, wie es geschieht, sondern daß ihn die Auswirkungen der Strömungen kaum oder gar nicht berühren, weil er sich nicht bewegt, sondern nur treiben läßt.

Es nützt ihm nichts, wenn er noch so viele „Stunden” in seine Alterszahl geschrieben erhält - er bleibt in den ersten Stunden stecken. Es nützt ihm nichts, wenn er noch so viele Leben auf Erden durchläuft und in jedem hoch an Jahren erst die Erde wieder verläßt, wenn er sich nicht bemüht, die Leiter zu ersteigen, sondern auf den untersten Stufen stehen bleibt. Was nützten ihm zuletzt 18 x 5 der Jahre, wenn er sich nicht bereitet hat, die reine Wahrheit in sich zu erleben, die göttliche Weisheit zu erschauen?

Es ist die achtzehnte Stunde die Stunde der göttlichen Weisheit. Sie ist das höchste Erleben, dessen der Mensch auf Erden fähig ist! Wer diese Stunde wirklich und wahrhaftig zu erleben fähig wäre, würde keiner Wiederholung bedürfen, für ihn wäre kein Erdenleben mehr nötig - er würde weiter arbeiten und reifen können in anderen Sphären, die dem Lichte näher sind. Was aber ein Mensch an Jahren über diese Zahl zugelegt bekommt, ist eine Zeit, um auf Erden zu wirken im Geiste der Weisheit - oder, und dies wird fast immer zutreffen, es ist eine Gnadenfrist.

Eine Zeit zu wirken, war es den Erzvätern, von denen uns berichtet wird in der Bibel, von denen gesagt wird, daß Abraham z. B. 175 irdische Jahre alt ward. Auch er konnte nicht mehr erleben im Geiste als die achtzehnte Stunde. Mehr als aufnehmen die göttliche Weisheit mit reinem Willen und Wirken im lebendigen Gesetz kann kein Menschengeist; mehr als die neun Stunden erleben in ihrer Reinheit, die neun Begriffe erfassen, nicht theoretisch mit dem Verstande nur, sondern wirklich in der Empfindung, ist keinem möglich.

Niemals aber wird er dies Erleben, diese Entwickelung in einem Leben erreichen, sondern viele wird er durchlaufen müssen in ernstem Bemühen, ehe er die achtzehnte Stunde wirklich erlebt, und nicht nur als leere Zahl grobstofflicher Jahre. Der sie aber erlebte in Wahrheit, dem wäre, würde er wiederkommen, schon die erste Stunde des Erdenlebens Weisheit und Kraft zugleich, wie dies von der menschgewordenen göttlichen Liebe angenommen werden muß, und wie es auch von Johannes, ihrem Vorläufer, gesagt wird mit Recht; denn er war ein Geist, der die göttliche Weisheit erlebt hatte, das Wissen um sie lebendig in sich trug!

Das Leben der Urmenschen, das heißt das der Erstinkarnierungen auf Erden, war indessen ein noch viel längeres, als das der auch nicht gerade kurzlebigen Erzväter Dies war nötig und ist auch ganz erklärlich: sie erlebten langsamer und blieben sehr lange auf einem gleichen Stand der Entwickelung stehen. Es ist klar, daß auch hier aller Anfang schwer gewesen sein muß.

Sie blieben dafür auch sehr lange im Zustande der reinen Kindheit, nahmen mehr durch die Empfindung auf, als der heutige Mensch, der durch den Verstand lebt, und verbrauchten sich drum auch weit weniger, waren weit weniger der Ermüdung unterworfen, als dies nun der Fall ist. Sie verschlossen sich der Kraft, die ihnen wie heute zuströmte aus dem All, nicht, oder doch weit weniger und die Lebenskraft war infolgedessen weit größer. Sie erlebten die „Kraft” sehr lange und mit der Kraft auch des Glaubens einen Teil, nahmen alles ganz naiv und kindlich und erlebten den Glauben in sich ohne das rechte Bewußtsein.

Später aber erlebten sie auch den ,,Geist” im dienenden Willen ebenso selbstverständlich. - Denn ,,Geist”, dessen Ausdruck Empfindung ist, mußten sie erleben, sonst konnte die Stunde der Gestaltungskraft des Kreuzes nicht hinübergehen in die Lichtstunde, mit der sie auch das Bewußtsein des freien Willens erhielten. Sonst konnten sie auch das Wissen um die Kräfte und die Gesetze in sich selbst nicht erleben, das Aufnehmen aus der Natur, das Begreifen, Schauen und Erfassen der Wesenhaften, die sie bald als Götter, wissend um ihr Wirken und um die Vorbilder, die von ihnen ausgingen, verehrten.

In diese Zeit, da die vierte Stunde, das reine Naturleben gepaart war mit dem Erleben der „Macht” des Machtstrebens, des Wissens eigentlich, gehört auch noch die uns bekannte griechische Sagenzeit der ,,Heroen” da um eines Weibes willen was sehr bezeichnend ist, mehr als ein Jahrzehnt gekämpft wurde, um Troja. Doch war diese Zeit schon eine Zeit des Verfalls, da längst wieder der Rückschritt eingesetzt hatte.

Die Stunde der Liebe, in welcher alle anderen Schwingungen, vor allem Glaube und seine Kraft gleich stark erlebt werden sollten, hat die Menschheit als Ganzes gar nicht erlebt. Als Christus Jesus kam, die göttliche Liebe, die Mensch ward, begriff sie ihn nicht. Sie kannten die tatsächliche Liebe nicht, wußten nichts von ihr, sondern waren fast ganz gefangen in dem Licht, das sie sich selbst großgezogen im kleinen Licht des Verstandes, in dem ihr Wille völlig aufging.

Die Liebe kannten sie nicht, nicht Menschentum, nicht Gerechtigkeit, sondern in der Masse nur Verstand und Trieb, wenige ausgenommen.

Die Stunde der Liebe, das Schicksalszentrum jedes Menschen, hat die Menschheit nur erlebt als Eigenliebe, die Stunde der Macht als Eigenwissen und die Stunde des Willens als Eigenwillen{ Geist aber und Glaube kennt sie überhaupt nicht. Was sie' für ,,Geist” erklärt, ist Verstand und wenn sie Glauben hat, ist es Glaube an sich selbst und Aberglaube.

Und es steht geschrieben: ,,Wenn aber der kommen wird, der Geist, der aus der Wahrheit ist, der wird Euch in alle Wahrheit führen. ” Dies sprach der, welcher gewesen ist aus des Ewigen ewiger Liebe. Der, von dem er aber sprach, das ist der, welcher ist aus dem Willen des Herrn, der ewige Wille des Ewigen selbst, das ewige Gesetz, das die Wahrheit ist!

Licht und Wille schwingen in Einem. Die Menschheit verbog das Licht, verzerrte es in den Schimmer des Verstandes, eng, klein, dunkel und erdgebunden, und Wille ward damit Eigenwille, Eigensinn. Als solchen erlebt der Mensch die Stunde des Willens.

In dieser Stunde solchen Schimmerns und solchen verbogenen Willens hängt die Menschheit seit undenklichen Zeiten. Nun aber ist nach dem Gesetz die Stunde des reinen Willens gekommen und ein Wille ist über ihr, dem sie nicht mehr entrinnt.


Gnade und Erlösung.


Von Hermann Lohr.



Wie viele Menschen haben schon das Los des Baumes gepriesen. Das Ziel seines Daseins ist ganz klar: Wo er als Samen liegen blieb, dort hat er zu keimen, zu wachsen und auszuharren, Blüten und Früchte zu zeitigen bis er morsch zusammenbricht oder seinem Leben früher ein Ende gesetzt wird.

Was hat der Mensch für eine Aufgabe? Er kennt sie nicht mehr! Er weiß nur, daß er das zwiespältigste Wesen ist auf dieser Erde. Schon seiner eigenen Zeugung schämt er sich, und doch kann die ganze Menschheit nur durch sie bestehen; er ist dauernd heimatlos auf dieser Erde, obwohl er sich durch Heimatlieder zu betäuben sucht. Er ist während seines ganzen Lebens niemals so, wie er sich selbst wünscht.

Strebt er nach Verinnerlichung, findet er noch weniger Ruhe und Glück, da ihm klar wird, wie sehr der Mensch sich selbst liebt und es trotzdem haßt, allein zu sein. Ist er aber gezwungen, in der Einsamkeit Zwiesprache mit sich selbst zu halten, fühlt er seine ganze Leere; ja noch mehr, es wird ihm klar, daß er das einzige Wesen auf dieser Erde ist, das wirklich Luziferisches, Satanisches in sich trägt! Nur er allein kann bewußt in den Schmutz ziehen, nur er allein kann Gott lästern, nur er allein kann sich noch unter das Tier stellen, dessen Triebe zeitlich gebändigt sind!

Meist aber hat der Mensch nicht den Mut zu dieser Zwiesprache: er will den Abgrund in sich selbst gar nicht sehen, er geht der Scham darüber aus dem Wege und überdeckt ihn mit Eitelkeit, das heißt: er begibt sich in Gesellschaft.

Da braucht der Eitle nicht zu ,,Sein”, da kann er ,,Scheinen”! Statt der inneren Zwiesprache huldigt er hier dem Klatsch, und die Einstellung zum Klatsch ist der beste Maßstab für den Wert eines Menschen. Eine Sphäre des Scheins, der Lüge und des Irrtums ist ihm lieber als die Wahrheit!

Woher kommt diese Verworfenheit des Menschen?

Er hat die in der Welt dauernd strömende Gotteskraft mißbraucht! Er hat ihr Fließen nur auf sich selbst gerichtet, nur sein Eigenwollen damit gefördert, und die Kreatur, mit der er so eng verbunden ist, ist seinem Beispiele gefolgt. Das ist der Schopenhauersche „Wille zum Dasein”, der nichts will als sich selbst, als die Erhaltung der dauernd vergehenden und wieder erstehenden Arten. Darum sehnt sich die Kreatur zusammen mit dem Menschen nach Erlösung.

Im Römerbrief heißt es: „Sintemal die Kreatur unterworfen ist der Eitelkeit ohne ihren Willen, sondern um deswillen, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung. - Denn auch die Kreatur frei werden wird von dem Dienst des vergänglichen Wesens zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. - Denn wir wissen, daß alle Kreatur sehnet sich mit uns und ängstigt sich noch immerdar. ”

Mit Eitelkeit ist auch hier eine Welt des Scheins gemeint, in die der Mensch die Kreatur mit hineingerissen hat in seiner Eigenschaft als oberste Kreatur. Nur ist mit dieser Welt des Scheins etwas anderes gemeint als in der menschlichen Sphäre: Wir werden in einer späteren Abhandlung noch hören, daß unsere irdische Welt nur die Abbilder enthält von Urbildern einer anderen, nach denen sich alles in ewigem Werden und Vergehen formt. „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis” jener Welt der Urbilder. Darum spricht Abd-ru-shin von der Schöpfung, die vorausging, und der Nachschöpfung, in der wir leben:

,,Gott kann aus seiner Vollkommenheit heraus nur Vollkommenes schaffen: die Schöpfung. Um aber auch dem Niederen Entwickelungsmöglichkeit zu geben, ließ Gott es zu, daß von seinen Helfern die Nachschöpfung geschaffen wurde, die er auch liebevoll mit seiner Kraft durchströmt. Sie gibt dem Menschengeiste die Möglichkeit, sich zu entwickeln auf seinem Wege von oben durch die grobe Stofflichkeit zurück nach oben. ”

Nun wird uns die Zwiespältigkeit des Menschen klar. Er fühlt, daß er zwischen einer nichtirdischen Welt steht, von der er ausgegangen ist, und der irdischen Natur, in der er erzeugt wurde. Das irdisch Triebhafte, das nur ,,Sich selbst wollen”, der Mißbrauch der Gotteskraft, sucht ihn fortwährend in den Abgrund zu zerren, ein Gesetz in ihm aber fordert ohne Unterlaß die Überwindung dieser Hemmungen. So hat er einen fortgesetzten Kampf zu kämpfen, der ihn reifen lassen soll zur Rückkehr in seine geistige Heimat.

Den Weg dorthin zu finden, das ist seine Aufgabe. Er führt über die Erlösung!

Der Mythus vom verlorenen Paradies findet sich so ziemlich bei allen Völkern: Einst erfüllte den Menschen noch keine innere Zerrissenheit. Sein Wirken stand ganz im Willen Gottes. Er war eins mit der ihn umgebenden Natur, er brauchte das Auge Gottes nicht zu fürchten.

Da sprach die Schlange zum Weibe: ,,Ihr werdet mitnichten des Todes sterben (wenn ihr von dem Baume esset), sondern Gott weiß, daß, welches Tages ihr davon esset, so werden eure Augen aufgetan, und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist. ”

Sie aßen, und die Frucht des Baumes machte die Menschen ,,klug” und ,,ihrer beider Augen wurden aufgetan, und wurden gewahr, daß sie nackt waren. ” Es erwachte der Verstand und die Scham über ihre Blöße und Minderwertigkeit. Sie sahen, daß sie vorher gut waren> jetzt aber böse, und ,,Adam versteckte sich mit seinem Weibe vor dem Angesicht Gottes des Herrn unter den Bäumen im Garten. ”

Der Mensch wollte Gott nicht mehr Rede und Antwort stehen. Das Paradies war ihm verschlossen, er mußte den Weg in die Tiefe antreten, um zu erleben, nicht nur einmal, sondern wieder und wieder. Wie das Urbild der Pflanze hinter deren dauerndem Werden und Vergehen steht, so stehen die Urbilder der Menschen hinter diesen, ihre dauernde Wiederverkörperung lenkend, daß der Mensch endlich zurückfinde zum Paradiese.

Doch dieser taumelt blind durchs Leben. Er klammert sich an den Schein, an die Nachschöpfung, ans irdische Leben und sieht das andere, das geistige, gar nicht. Das ganze Weltall ist für ihn nur ein Mechanismus, kein lebensvoller Organismus.

Statt Gott zu suchen, strebt er nach dem Fortschritt, statt den wahren Glauben zu erringen, bleibt er im Aberglauben stecken, der immer nur mit Furcht gepaart ist, also flügellahm macht. Sein Aufblick zum Jenseits wächst aus Müdigkeit und Entsagung heraus. Kein Mensch hat mehr Glauben, trotz aller Einbildung noch nicht einmal den an sich selbst: Man lege ihm ein Brett auf den Boden, und er geht ohne jede Hemmung darauf entlang. Man hebe es nur wenige Meter, und er versagt!

Richtiger Glaube ist höchste Bejahung, höchster Mut! Ja, wenn der Mensch ,,Glaube hätte als ein Senfkörnlein”, aber es ist überhaupt nichts mehr da.

So sehen wir die Notwendigkeit der Gnade, ohne die kein Mensch zurückkehren könnte in seine geistige Heimat.

In ruhiger Beschaulichkeit auf sie zu warten, hat keinen Zweck. Sie kann den Menschen erst erreichen, wenn er ihr mit aller Kraft zustrebt. Sein ganzes Leben muß ein Ringen und Kämpfen sein, den irdischen Urwald mit allen seinen Gefahren zu durchbrechen, alle seine Kämpfe zu bestehen. Erst am jenseitigen Rande harret sie seiner.

Dann weitet sich sein Blick, dann erfüllt ihn das Gefühl wirklicher Freiheit, denn göttliche Gnade ist keine Begnadigung, kein Erlassen einer zu recht verdienten Strafe, sondern ein göttliches Geschenk, das den Menschen nur erreichen kann in seiner höchsten, gläubigen, sittlichen Reife.

Die Demut, die ihn dann erfüllt, hat nichts zu tun mit der sklavischen Schwäche, die man heute mit ihrem Begriffe verbindet. Diese echte Demut beugt sich nur einem, aber diesem in tiefster, restloser Hingabe: dem Willen Gottes. Sie muß aus diesem Grunde dem heutigen Menschenwollen den schärfsten Kampf ansagen.

So wird der Gottbegnadete zum Helden in einem höheren Sinne, zu einem Kämpfer, der sich dauernd im Dienste Gottes fühlt. Seine Gnade aber trifft ihn wechselwirkend nur in dem Maße als er sich opfert, unbedenklich, in restlosem Vertrauen: Er steht Gott voll und ganz Rede und Antwort!

Er fühlt sich nicht nur verantwortlich für sich selbst, sondern für die gesamte Kreatur, die mit ihm der Erlösung harrt. Er weiß - nicht nur aus dem Verstande, sondern aus seinem innersten Wesen heraus - daß der Mensch die Erbsünde begangen hat, daß er sie also auch lösen muß für sich und alle Kreatur. Statt die Kreatur aber zu erlösen, hat der Mensch sie nur geknechtet.

Was ist mit Zentaur, Faun oder manchen Sphinxdarstellungen gewollt?

Immer ist das Antlitz menschlich und der Körper tierisch: Der menschliche Geist wünschte sich das Tier dienstbar. Das stellte ihm die Kunst symbolisch vor Augen, so versenkte er sich, fand Verbindung mit dem Wesenhaften, erbat dessen Hilfe und hatte hierdurch Erfolge in seiner Zähmung und Züchtung, die dem heutigen Menschen schon aus dem Grunde unmöglich sein müssen, weil er nicht nur keinerlei Verbindung mehr mit den Wesenhaften hat, sondern sie sogar als Phantasiegebilde restlos ablehnt! Der heutige Mensch muß froh sein, wenn es ihm nur glückt, die bestehenden Arten zu erhalten. Von der Fähigkeit der Züchtung einer Milchkuh aus einem wilden Rinde ist z.B. keine Rede mehr.

Aber auch hier mußte der Mensch, wie beim früher schon erwähnten Bannen, etwas von seinem ureigensten Ich dazugeben. Das wollte und konnte der spätere Verstandesmensch nicht mehr, da wurde ihm die Sphinx zur „Würgenden”, zu dem Ungeheuer, das ,ihm Rätsel aufgab, die er nicht lösen konnte und das ihn deshalb verschlang.

Früher war es dem Menschen aber noch klar, daß die Erlösung der Kreatur Hand in Hand gehen mußte mit dem Dienste, welche der Mensch von ihr forderte, und diese Pflicht zur Erhöhung der Kreatur durch den Menschen ist gleichzeitig enthalten in der Darstellung des Tierkörpers mit Menschenantlitz.

Diese ist aber nicht nur Symbol: Menschen, denen das Auge für wesenhaftes Schauen geöffnet ist, sehen an dem Tode entgegengehenden Tieren Erscheinungen, die den eben geschilderten entsprechen: über dem normalen Kopfe eines Hundes z.B. erscheint ein menschenähnlicher, der aber noch die hängenden Ohren des Hundes hat.

Die eigentliche Gottheit wurde von der Kunst der gleichen Zeit ganz anders dargestellt. Die ältesten ägyptischen Darstellungen zeigen den Sonnengott Ra unter dem Bilde des Sperbers. Man denkt dabei sofort an die Darstellung der Taube über dem Gottessohne, oder an Schilderungen noch älterer Zeiten, die uns aus dem Buche ,,Verwehte Zeit erwacht” (Verlag „Der Ruf”, München) auferstehen.

Erst spätere Zeiten, welche die ursprüngliche Darstellung nicht mehr verstehen konnten, zeigen Ra als Menschen mit dem Sperberkopf. Die Symbolik ist hier zum Gegenteil dessen geworden, was ursprünglich erfaßt war. Man war zu Kulten herabgestiegen, welche das Tier als Stammvater des Menschenkörpers zur Gottheit erhoben.

Der Mensch formte sich schon in jener späteren Zeit Gott nur nach seiner eigenen Meinung. Um den wahren Gotteswillen bemühte man sich so wenig wie heute. Das Tier als Gottheit war die damalige Darstellungsweise der heutigen Deszendenztheorie: Stammbaumartige Entwickelung bis zum Menschen nur von unten her.

Der wahre Gotteswillen aber verlangt, daß Geben und Nehmen in der ganzen Natur immer in vollem Einklang stehen. Nur nach restloser Erfüllung dieser Bedingung in jeder Hinsicht werden wir rückkehrend eingelassen in unserer wirklichen, geistigen Heimat, im Paradiese.

Soweit, was mit irdischen Worten hierzu zu sagen ist. In Wirklichkeit bleiben vor so unendlich Großem, wie vor der „Erlösung” Worte - eben nur Worte, Gestammel.

Ein Ahnen der darin enthaltenen göttlichen Wahrheit kann uns am besten zusammengefaßte höchste Kunst vermitteln.

Malerei, Musik, Gesang, szenischer Aufbau, körperliche Darstellung miterlebender Künstler, geeint durch den Geist eines Richard Wagner in der Schlußszene von Parsifal, können uns bei richtigem Mitschwingen empfinden lassen, wie Erlösung zu finden ist: Die Wunde des Amfortas muß vorher geschlossen sein, das Symbol der dauernd in Eigenwollen mißbrauchten Gotteskraft, die nicht zurückströmt zum Schöpfer, die das Schöpfungsgesetz vom Geben und Nehmen unterband.

Das Symbol der Zwiespältigkeit des Menschen aber, seiner Erdgebundenheit und Zerrissenheit, das Weib, das den Rittern größte Hilfe und schlimmste Verführung gleichzeitig ist, Kundry, sinkt entseelt vor den Stufen des Altars nieder, im Aufblick zu - Parsifal!



Die Krone.


Von Susanne Schwartzkopff.


Als der Mensch seine grobstoffliche Form, die ihm der Schöpfer zur Behausung übergeben hatte, mit seinem Geistes-Ich in Besitz genommen und veredelt hatte, als er sich aufrichtete, um nach dem Licht emporzuschauen, das die Fackel auf seinem Wege durch die Schöpfung sein sollte, begann er sich nach neuen Taten umzusehen. Glühend brannte in ihm der Wunsch, die Welt zu erforschen, kennen zu lernen, sich zu eigen zu machen.

So machte er sich auf, durchwanderte die Erde und sah, daß sie voller Wunder und Schönheiten war. Auf den Bergen lag das Morgenlicht traumhafter Verheißungen, der funkelnde Sternenhimmel hob sein Sehnen nach reinem Leben zu Gott hinauf. Tage und Nächte wechselten in buntem, glückvollen Spiele miteinander ab und luden ihn zur Tat oder zu sinnender Betrachtung ein.

Nach langer Wanderschaft erblickte der Mensch eines Tages beim Erwachen ein weites, knospendes Land vor sich. Verhalten lag eine Hoffnung über dem zarten Grün, kaum ertönten einige fragende Vogelstimmen im Gebüsch. Quellen sprudelten aus moosigen Felsen und begannen sich durch das flache Land zu schlängeln.

Weit, weit in die Ferne konnte der Mensch mit geöffneten Augen schauen, er sah, wie die Bäche sich zu Flüssen vereinigten, wie die Flüsse sich ihren Weg zum Meere suchten, in das sie jauchzend hinein flossen. Und aus dem Meere sah er die feinen Wassernebel wieder in die Höhe steigen, die, von führenden Luftgeistern getragen, trocknen Ländern das Lebensnaß zurückbrachten. Er sah all die Knospen an Strauch und Baum, die dem Aufspringen entgegendrängten, mit geöffnetem Ohr hörte er die leisen Töne junger Wesen, die zum ersten Male die Augen aufschlugen und sich erstaunt umblickten, und das Herz ging ihm auf vor Freude.

Ihm selber war ja auch so morgendlich zumute, er fühlte selbst die Sehnsucht in sich, ins Weite zu eilen wie die Wasser, wie sie in die Höhe zu steigen und befruchtend niederzufallen auf dürstendes Land. Und in seinem Blute spürte er das Drängen der Knospen und die Stimmen der Tiere.

Aber eins war noch außerdem da, das er in seiner Umgebung nicht sah, das er als sein Lebendigstes in sich wahrnahm mit einer Deutlichkeit, die ihn fast erschreckte: eine kleine Flamme war in ihm, die ihm keine Ruhe ließ, die brennen wollte, die leuchten mußte, die ihn führen würde, wie er auf einmal wußte.

Schon wollte er mit einem Sprunge davoneilen, um das Brennen in der eigenen Brust zu dämpfen durch die Schnelligkeit seiner Bewegungen, als er sich angehalten fühlte. Eine Hand legte sich auf seinen Arm, und als er sich wandte, stand eine Lichtgestalt vor ihm, die ihm tief ins Auge sah. Ihr Blick entfachte das Feuer in seinem Herzen noch stärker, aber doch kam es wie Ruhe und Klarheit erlösend über ihn.

Eine klingende Stimme sprach zu ihm:

,,Siehe, Mensch, das Land, das auf Dich wartet! Es soll Dein eigen sein! Du sollst es hüten und pflegen, unter Deiner Hand soll es zu voller Schönheit erblühen. Und wenn es ein Garten der reinen Schönheit geworden ist, dann wirst Du der König dieses Erdenparadieses sein dürfen. Die Krone wartet Dein, ich bringe sie Dir an dem Tage, an dem Du ihrer würdig geworden bist! ”

„Dies soll mein sein? ” Ein Jubelruf brach sich Bahn aus der beglückten Seele. „Dies weite, herrliche Land mein mit allem, was darinnen ist? ”

„Mit allem, was darinnen ist! ” wiederholte die Stimme bedeutungsvoll.

,,Und ich ein König?"

Der Mensch breitete seine Arme aus, als wollte er fliegen und im Fluge alles ergreifen, was da auf ihn wartete.

„Vergiß niemals, daß es Dir anvertraut ist! ” war das letzte mahnende Wort, das an sein Ohr klang.

Aber er nahm es kaum in sich auf, das Neue griff mit tausend lockenden Armen schon nach ihm. Da lag es vor ihm! Unendlich dünkte ihm sein Zukunftsreich, bereit schien es, in seine jubelnde Freude miteinzustimmen. Er warf den Kopf in den Nacken blendend schossen helle Strahlen, die ihn mit ungestümer Kraft erfüllten, auf ihn nieder, und schon stürmte er davon, um das Glück auszukosten, das eben in ihm erweckt worden war.

Dann hielt er inne im Lauf. Liebkosend strich seine Hand über ein Knospenbüschel, dessen Drängen er tief in seinem Blute fühlte, und es brach auf! Brach auf mit einem kaum hörbaren Laut der Freude!

Heißer entbrannte die Liebe in seinem Herzen, aber er konnte nicht jede Knospe berühren, nicht jeden Baum mit seinem Blicke umfassen. So reckte er sich auf, hob die offenen Hände wie Schalen nach oben und betete:

,,Ihr Unsichtbaren, Mächtigen, die Ihr mich hierher gesandt habt, gebt mir von Eurer Kraft, was ich in diesen Händen halten kann, damit ich es der Erde, meiner Erde weitergebe! ”

Jauchzend griffen seine Hände hinein in das flutende Strahlenmeer, das die Liebe des Höchsten täglich seiner Schöpfung schenkt, hoch nach oben streckten sich seine Arme, dann breitete er sie segnend aus über das Land vor seinen Augen.

Ein Lächeln sonnigen Glücks lag auf seinen Lippen, als er so weiterschritt über die erwachende Erde. Überall, wo er hinkam, sprangen die Blüten auf, rieselten die Quellen stärker, aus den Sträuchern und Gebüschen erklangen schmetternde Vogelrufe. Er war nicht länger allein. Tiere aller Art umspielten ihn, begleiteten ihn, wollten in seiner Nähe bleiben.

Aus dem All nahm sein Ohr ferne Klänge auf, und eine leise Melodie vor sich hin singend, ging er mit schwingenden Schritten immer weiter. In seinem Liede kehrten die Töne des Alls wieder, verbanden sich neu, flogen auseinander, um sich wieder zu suchen und zu finden. Vogelflüge schwangen sich in sein Lied hinein, Bienen trugen es summend von Kelch zu Kelch, und die Tiere des Waldes blieben stehen und horchten.

Jetzt bemerkte der Mensch, wie aus den Blüten Früchte reiften, wie die überreifen sich öffneten und den Samen herabfallen ließen und ihn der Erde anvertrauten, er sah das junge Leben heranwachsen aus dem Mutterschoß der Erde.

„Mein, mein, mein eigen! ” das waren die Worte zu der Melodie, die er vor sich hin sang.

Immer wieder umschloß sein Blick mit Liebe das Land bis zu den fernsten Höhen, das Meer rauschte ihm seine ewige Weise ins Ohr, die großen Wesenhaften türmten Berge und Felsen, sie bahnten den Wassern ihren Weg. Und der Mensch schenkte allem, was er sah, allem, was er erlebte, von der Kraft seiner Flamme.

Zum Danke bot ihm die Erde von ihren Früchten, und er stillte seinen Durst und seinen Hunger mit ihren Gaben.

Freudiger schmückte sie sich, seit das Licht des Menschen auf sie schien, reichere Ernte trug sie, ihre Früchte wurden sättigender und duftiger. Die Liebeskraft des Menschen erkaltete nicht, er trug ja die Flamme in sich, die ihn durchglühte!

Und immer wieder sah er die lichte Gestalt in seiner Nähe, die ihm ermunternd zuwinkte. Oft fühlte er ihre führende Hand über sich. Dann schickte er ein Dankeswort zu ihr hin.

Er schaute um sich - wo konnte er helfen? Wo gab es ein Wachstum, das seines Lichtes bedurfte? Wie in die Weite. drang sein Blick allmählich auch in die Tiefe, und er begann die Gesetze des Lebens in seinen Mitgeschöpfen zu erkennen. Es offenbarte sich ihm das heilige Gesetz des Kreislaufs, er erlebte die Verknüpfung aller Dinge und aller Geschehen.

Im Tode lag die neue Geburt vor ihm, in der Knospe schon der Same zur jungen Pflanze. Geführt von dem Lichte seines Innern und der Hand seines Führers, dienten ihm die Wesenhaften, halfen ihm die Tiere. Gemeinsam mit allen Geschöpfen Gottes öffnete er in anbetendem Danke seine Seele dem einflutenden Lichte. Wie die reinen Blütenkelche sich entfalteten zu ihrer höchsten Schönheit, wenn die Strahlengewalt sie traf, so wuchs der Mensch froh, stark und schön heran, hinein in sein gottgewolltes Menschentum.

Eines Nachts trat sein Führer an sein Lager und sprach zu ihm:

„Siehe, was ich Dir jetzt zeigen darf: die Lichtkette, die von der Erde bis zum Himmel reicht! ”

Und der Mensch sah Lichtstrahlen aus einer Höhe, in der sein Blick sich verlor, herabrieseln durch viele, viele Hände. Eine Hand reichte sie der anderen weiter, bis sie in die Hand des Führers glitten und von ihm in seine, des Menschen Hand hinein. Und in jeder Hand war schwingende Liebe.

,,Siehst Du die lange, lange Kette? Siehst Du, wie jeder hilft, sie ganz rein und schwingend weiterzugeben? ” fragte der Führer. „Auch Du gibst weiter und mußt weitergeben, darfst die Kraft nicht behalten, allen ist sie nur geliehen! ”

,,Woher kommt das Licht? ” fragte der Mensch begierig. ,,Wo ist der Quell, aus dem es strömt?”

„Wenn Du König sein wirst, dann werde ich es Dir sagen”, antwortete der Führer freundlich.

,,Bin ich denn nicht schon ein König? Herrsche ich nicht über die Erde und ihre Geschöpfe? Dienen sie mir nicht als ihrem Herrn? Ich trage die Flamme in mir, der sie gehorchen müssen! ”

Stolz klang die Frage aus dem Mund des Menschen, fast ein wenig herausfordernd.

„Du herrschst mit der Lichtkraft, die Dir geliehen ist. Ohne sie bist Du ohnmächtig und vermöchtest nichts! ”

Streng war die Stimme des Führers, als er dieses sagte, dann fuhr er fort:

„Einen weiten Weg bist Du nun schon gewandert, aber ein ebenso weiter liegt noch vor ,Dir. Noch gibt es große Gebiete, die Deine Strahlen nicht erhellt und befruchtet haben. Denke daran, daß wir sie Dir von oben reichen, damit sie arbeiten auf der Erde, die zum Gottesgarten werden soll! Denke an die Krone, die goldene Königskrone, die auf Dich wartet! ”

„Immer noch wandern? ” war die etwas mißmutige Antwort des Menschen. „Darf ich mich denn nie ausruhen, nie verweilen? ”

„Im Schaffen liegt die Erfrischung, in der unermüdlichen Bewegung bleiben Deine Kräfte lebendig. Ein Verweilen würde Dich einschläfern, hüte Dich davor! Deine Flamme will ständig genährt sein. Nimm, was ich Dir reiche und ermatte nie! ”

Der Mensch fuhr aus seinem Schlafe auf, ihm war, als habe ihn jemand gepackt und gerüttelt, aber es mußte wohl ein Traum gewesen sein, denn er war allein. Dann fiel ihm sein Traum ein. Er rieb sich die Augen - wo war die Lichtkette? Wie schön war sie gewesen! Die lebendige Bewegung all der vielen Hände, das Reichen und Geben, das Aufleuchten in jeder Hand, das Hinabfluten zur Erde.

Der Mensch sah um sich. Eben ging die .Sonne auf, und aus dem ersten Dämmerlicht blühten die Farben des Tages wieder auf, die Stimmen der Natur erwachten.

„Erde, wie bist Du so schön! ” jauchzte der Mensch. ,,Ich liebe Dich, Du mein Reich, und ich will mir Deine Krone verdienen. Auf, ihr trägen Glieder, weiter geht es heute, die Strahlen des Lichts, die ich in mir trage, sollen die Erde anspornen, daß sie noch schöner, noch reicher sich entfalte, wie mein Führer es mich geheißen hat”.

Er ging mit weit ausholenden Schritten davon, warf die Strahlen in großen Kreisen über alles Wachstum auf seinem Wege und freute sich über das dankbare Aufglänzen der Farben.

Da kam er nach langer Wanderung in ein liebliches Tal, das dicht bestanden war mit reich beladenen Fruchtbäumen. Sie schienen den Hungrigen zum Mahle einzuladen. Jetzt merkte er erst, wie groß sein Hunger war. Vor einem mit Früchten überschütteten Baume blieb er einen Augenblick stehen und freute sich seiner Fülle. Da hörte er eine Stimme neben sich:

,,Warum verweilst Du hier nicht? Ladet Dich nicht alles zum Genusse ein? Bleibe doch ein wenig! Erfreue Dich an dem, was Dir die Erde bietet, sie trägt es nur für Dich, ihren Herrn! ”

Verwundert blickte er um sich, er sah einen dunklen Schatten, dessen Umrisse er nur undeutlich erkennen konnte. Zweifelnd zögerte er.

,,Nimm und iß! ” flüsterte da die lockende Stimme weiter, ,,Du hast die Ruhe verdient! Genug hast Du geschaffen, ruhe Dich aus von Deiner Arbeit. In der Ruhe sammelst Du doppelte Kräfte in Dir auf! ”

,,Mein Führer sprach anders zu mir”, sagte der Mensch, noch immer zögernd und zweifelnd.

„Dein Führer meinte es gewiß gut mit Dir, aber er war doch ein wenig zu streng, meinst Du nicht auch? Was ist dabei, wenn Du nach fleißiger Arbeit Dich an der Schönheit Deines Königreiches erfreust? ”

,,Noch gehört es mir nicht, erst muß ich es mir verdienen! ” rief lebhaft der Mensch. ,,Ich trage noch keine Krone! ”

,,Die Krone macht den König nicht! ” klang es an sein Ohr. „Du siehst doch, wie alles Dir dient, Dir gehorcht, wie Du tun kannst, was Dir beliebt! Dein, Führer wollte Dich nur prüfen, er wollte sehen, ob Du auch ohne ihn herrschen kannst, deshalb gab er Dir die Krone noch nicht. Wenn er sieht, daß Du herrschen kannst ohne seine Hilfe, dann weiß er Dich stark genug, dann wird er von selbst kommen und Dir die Krone bringen! ”

„Glaubst Du das wirklich? ” fragte der Mensch zurück. Er sah noch einmal genauer hin. Jetzt erkannte er eine Gestalt, die ihm Ähnlichkeit mit seinem Führer zu haben schien. Schön war auch dieser, und trug nicht auch er ein Lichtbündel in der Hand? Freilich - das Licht sah anders aus, so trüb, flackernd, oder täuschte er sich?

Da rollte eine süße Frucht vom schwerbeladenen Aste herab und fiel ihm vor die Füße.

,,Siehst Du, der Baum lädt Dich zum Genusse ein”, lockte die Stimme des Verführers. ,,Nimm und labe Dich und freue Dich Deiner Herrschaft! Später schaffst Du wieder weiter! ”

,,Ach ja, später! ” tröstete sich der Mensch.

Er streckte sich bequem in das weiche Gras, aß von den duftenden Früchten und trank aus der murmelnden Quelle, die so recht für ihn zu sprudeln schien.

„Warum soll ich eigentlich ohne Ruhe immer weiter wandern? ” überlegte er. ,,Es nimmt ja kein Ende! Gibt es überhaupt eine Krone, die auf mich wartet, oder will mich mein Führer nur damit locken? Ich bin doch schon ein König, damit hat der andere recht, was brauche ich noch eine' Krone! Ich herrsche, wie es mir beliebt, und jetzt beliebt es mir, hier zu bleiben und alle Schönheit zu genießen. ”

Warm spielten die Lüfte um seine erhitzten Wangen, die Tiere kamen zutraulich in seine Nähe, Speise und Trank gab es hier in Hülle und Fülle. Was wollte er mehr?

„Hier wäre es gut zu bleiben, für immer zu bleiben”, dachte er. ,,Ich begehre nicht mehr, als ein kleines Reich, das ich überschauen kann, dessen Grenzen vor meinen Augen stehen. Das Grenzenlose erschreckt mich. ”

Unter seinen Träumen verging die Zeit. Die Sonne ging unter und wieder auf, die Früchte reiften und fielen herab, die Bäume blühten von neuem - der Mensch weilte noch immer in dem kleinen Tale. Das ferne Meer und die hohen Berge konnte er von dem Tal aus nicht mehr sehen, die nahen Hügel versperrten ihm die Sicht. Aber er wollte es auch gar nicht anders.

Und dann vergaß er, daß es Leben jenseits seines Tales gab, daß noch ein Weg vor ihm lag, ein weiter Weg. Er wollte gar nicht mehr daran denken, deshalb häufte er hohe Erdhügel am Eingang wie am Ausgang des Tales auf. Nun war er eingeschlossen, und das gefiel ihm.

Manchmal tröstete er sich:

„Später, später, wenn ich mich ganz ausgeruht habe, kann ich immer noch wieder aufbrechen und den Weg fortsetzen, wie mein Führer forderte. Aber er kommt ja überhaupt nicht mehr zu mir! Ich warte, bis er sich wieder zeigt. “

Statt des Führers kam der Dunkle öfter und ermunterte den Menschen fortzufahren. Er wies ihn auf die Schönheit seines jetzigen Lebens hin, die Behaglichkeit und Ruhe:

„Du brauchst Dich nicht mehr anzustrengen, kannst ruhen und träumen, genießen ganz wie Du willst. Gefällt Dir das nicht besser als Dein früheres Leben? Siehst Du, daß ich es besser mit Dir meine als der andere? “

Der Mensch stimmte ihm zu, aber er bemerkte noch nicht, daß seine Glieder erschlafften, weil er sie ,nicht übte, und daß seine Flamme klein geworden war und hin und her flackerte im Erlöschen.

Eines Tages sah er zu seinem höchsten Schrecken, daß nur noch wenige Früchte an den Bäumen hingen. Wenn er sie alle aufgegessen hatte - was dann? Sollte er sich aufmachen und weiterziehen? Aber er war zu bequem geworden, der Gedanke an eine lange, anstrengende Wanderung ängstigte ihn schon.

„Sammle alle Samenkörner und lege sie in die Erde, pflege sie, und bald wirst Du neue reiche Ernte halten! “ flüsterte ihm der Dunkle zu.

Das war der erlösende Ausweg. Sein kleines Tal war ihm doch zu lieb geworden, ihm grauste vor der grenzenlosen Weite.

„Mein Reich soll nur so groß sein, daß ich es ganz überschauen kann, dann ist mir wohl zumute”, sagte er wieder und wieder zu sich selbst. Seltsam aber war es, daß seine Augen immer kurzsichtiger wurden, die Ausgänge des Tales verschwammen ihm schon zu unklaren Bildern.

Mit vieler Mühe lockerte er den Boden, legte den gesammelten Samen hinein, tränkte die kleinen Schößlinge beschattete sie vor zu greller Sonne und bog die Schattenzweige auseinander, wenn es zu kalt wurde. Die Tiere mußten ihm helfen, denn noch hatte er einen kleinen Rest seiner Flamme in sich, der stärker war als der Wille der Tiere und dem sie sich beugen mußten.

Aber es ging viel langsamer als er gedacht mit dem Ernten. Die Bäume trugen nicht mehr Blüten und Früchte zugleich wie früher, die alten Bäume starben, und die jungen wuchsen nur langsam heran. Da lernte der Mensch zum ersten Male die Not kennen.

Er wollte die Tiere zwingen, mehr für ihn zu arbeiten, aber die meisten entliefen ihm und kamen nicht wieder, nur die schwächsten blieben gezwungen bei ihm und lernten ihn fürchten. Denn die Not machte ihn hart und grausam. Er fühlte den Schmerz seiner Mitgeschöpfe nicht mehr mit, wie er einst ihre Freude und Andacht mitempfunden hatte. Er wollte der Erde mit Gewalt mehr Früchte abzwingen - da wurden sie krank und faul.

Ganz verändert sah das liebliche Tal aus - nicht mehr fruchtbar, üppig, froh, sondern arm, düster, rauh. Gern wäre der Mensch jetzt ausgewandert, fort ins Weite, in eine neue Welt, aber nun wußte er den Weg nicht mehr und er hatte keine Kräfte mehr in sich, da sein Führer ihn lange verlassen hatte.

Vergessen war die Lichtkette, die Flamme in seinem Innern lag in den letzten Zügen, vergessen war der helfende Führer, vergessen war das Wissen, warum und wozu er lebte. Nur von der Krone träumte er noch zuweilen, von der strahlenden Krone seines Königreiches - aber sie war ihm nur ein Traum.

Noch heute wohnt der Mensch in seinem engen, kleinen Tal, dessen Eingänge verschüttet sind durch ihn selbst. Täglich ringt er mit der Erde um ihre kärglichen Früchte, er zwingt in Härte seine Mitgeschöpfe, bei ihm auszuharren in Not und Unfreiheit, und er kann nur gerade seinen Hunger stillen. Dazwischen liegt er im Grase und träumt und spielt mit dem Gedanken, daß er ein König ist. Er wirft seine Gedanken wie Bälle in die Höhe und fängt sie wieder auf. Alles hat er vergessen: sein großes Königreich, die Lichtkette, die er unterbrochen hat, seinen Führer - er erinnert sich nicht einmal mehr daran, daß er einstmals anders gelebt hat, daß er einmal glücklich war.

Und die Krone harrt noch immer des Königs, der sie tragen soll.


Der Mensch und die Erde.


Von Abd-ru-shin


Was hat der Mensch zu der Erstehung dieser Erde mit getan, das ihm ein Anrecht geben könnte, frei darüber zu verfügen! Sie streiten sich andauernd um Verteilung des Besitzes, ohne sich darum zu kümmern, was der wirkliche Besitzer dazu sagt.

Ihr Menschen wollt Euch gar nicht darum kümmern, weil Ihr genau empfindet, daß solches neid- und haßerfüllte Tun gegen den Willen des Besitzers ist, der Euch die Erde gnadenvoll als Wohnung in der groben Stofflichkeit gewährt.

Dies Tun kennzeichnet scharf die Einstellung der Erdenmenschen ihrem Gott und Schöpfer gegenüber! Darüber täuschen leere Worte, oder heuchlerisches, in sich leeres Tun nicht mehr hinweg. Vandalen gleich hausen die Erdenmenschen mit den ihnen anvertrauten Gütern. Anvertraut sind diese Güter nur, für richtige Verwendung in dem Sinne Gottes, und nicht anders!

Es darf Euch deshalb auch nicht in Erstaunen setzen, wenn die böswilligen, rohen Gäste nun hinausgeworfen werden aus der Wohnung, die sie dauernd schänden, des Besitzers damit spottend.

Des Besitzers! Das ist kein leeres Wort, nicht ein hohler Begriff, und ich will es kurz erklären, will in großen Zügen zeigen, daß es tatsächlich so ist; denn auch in diesen Dingen sollt Ihr von dem Glauben zu der Überzeugung kommen. Nur von Eurer Wohnung will ich dabei sprechen, also von der Erde! Von deren Erbauung.

Ihr wißt, daß alles, was sich in den Welten formen kann, in der Ausstrahlung des Allheiligen Lichtes liegt. Die Ausstrahlung des Lichtes enthält alles, was zu der Erschaffung aller Welten nötig war, was zu deren Erhaltung nicht entbehrt werden kann. Wenn Ihr mir richtig folgen wollt, so macht von vornherein einen scharfen Unterschied zwischen Gott, dem allheiligen Lichte selbst, und zwischen der Gottausstrahlung.

Ihr dürft nicht den Fehler machen, zu denken, Licht und dessen Ausstrahlung sind eins, weil die Strahlung aus dem Lichte kommt. Eine solche Begründung würde menschlichem Denken entspringen, das bis in diese Höhen nicht zu reichen vermag und deshalb auch keinen Begriff dafür finden kann.

Begnügt Euch deshalb damit, wenn ich sage, daß die unmittelbare Ausstrahlung Gottes zwar göttlich ist, aber nicht Gott selbst. Also ist es zweierlei, nicht als eins anzusehen.

Die unmittelbare Ausstrahlung Gottes aber hat nun wiederum ihre Grenze in der Gralsburg. Darüber hinaus ist sie gewandelt und deshalb nicht mehr als göttlich zu bezeichnen.

Je weiter sie sich abwärts senkt, desto mehr Wandlungen macht sie durch bei Abkühlungen und damit verbundenen Veränderungen in sich selbst. Trotzdem muß man sie immer Ausstrahlung des Lichtes nennen, die sie auch in Veränderungen noch verbleibt, nur ist ein Unterschied darin.

Ich habe das in meiner Botschaft alles schon erklärt, so weit, um ein genaues Bild davon zu geben. Heute will ich nur vom Bau der Erde sprechen. Deshalb übergehe ich die Wandlungen der Lichtausstrahlung bis zur Stofflichkeit und deren Auswirkungen und beginne ohne weiteres gleich mit der Erde selbst.

Es ist nicht leicht, so aus dem Weltenraum heraus gegriffen einen Anfangspunkt dafür zu formen, wo doch alles in Bewegung sich befindend unzertrennlich ist. Sucht Euch deshalb den einen Satz zuerst ganz klar zu machen:

Alles Grundlegende, Treibende, Aufbauende, Haltende und Erhaltende ist Strahlung!

Darin muß sich Euer Wissenwollen fest verankern. Der Druck oder die Kraft des Lichtes selbst erzwingt dazu die stoßende und kreisende Bewegung, so daß nichts zum Stillstand kommen kann.

Und in dieser andauernden Bewegung, verbunden mit Erwärmungen und Abkühlungen formt sich alles, jeweilig in einer ganz bestimmten Art, wie sie sich dem Gesetz der Strahlungen entsprechend gar nicht anders formen kann.

Das mag als Grundlage genommen werden zu dem Bilde, was ich geben will.

Auf dem Wege bis herab zu den Stellen, wo sich Stofflichkeiten verdichten und formen können, hat sich aus den Strahlungen vieles bereits zur Formung gelöst, wie die verschiedenen Stufen des Reingeistigen, des Geistigen und Nurwesenhaften. Damit konnten sich Ebenen und Welten bilden, die in sich selbst kreisend bestimmte Grenzen nicht überschreiten.

In entsprechender Abkühlung der Strahlungen vermochten sich auch die grobstofflichen Gesteine der Erde zusammenzufügen, wobei dieser Gesteinsart genau entsprechende wesenhafte Helfer bewußt am Werke sind, die durch ihr sich dabei steigerndes Bewußtsein auch entsprechende menschliche Formen erhalten.

Wasser, Luft und Erde hatten sich dabei schon ebenfalls gesondert.

Also nehmen wir an, wir finden zuerst bei unserer Betrachtung auf diesem Erdenteil nur Luft, Wasser, Erde und Gestein. Alles dies war mit in der Ausstrahlung Gottes enthalten, konnte sich aber erst in der ganz bestimmten Abkühlung durch Bewegung zusammenschließen und damit stofflich fühlbar und sichtbar werden.

Trotz dieses Sichtbarwerdens in der Abkühlung bleibt noch eine gewisse Strahlung jeder dieser Arten zu eigen, ,so daß also auch das Gestein eine Eigenstrahlung hat, die es gleichzeitig zusammenhält.

Nun wird das Gestein den Einwirkungen der Luft und ,der Feuchtigkeit, sowie auch den sich verändernden Temperaturen unterworfen, namentlich an seiner Oberfläche. Mit der Zeit bringen diese Einwirkungen auf der äußersten Schicht Veränderungen hervor, die man mit Verwitterung bezeichnet.

Da die Eigenstrahlung des Gesteines nach außen hin durch die verwitterte Schicht dringt, diese bildlich gesprochen durchglüht, wird sie in diesem Durchglühen verändert, bevor sie nach außen wirken kann, weil die Verwitterung eine Veränderung der äußersten Schicht des Gesteines herbeiführte.

Diese dadurch ganz naturgemäße Veränderung der Strahlung gibt ihr aber auch veränderte Eigenschaften. Sobald diese Veränderung der Ausstrahlung des Gesteines nun einen ganz bestimmten Grad erreicht hat, bietet sie die Möglichkeit des Zusammenschließens des in der unsichtbaren Allgemeinstrahlung noch lose ruhenden Samens für Flechten und Moose.

Diese werden von der Strahlungsart verwitterten Gesteines angezogen und entsprechende wesenhafte Helfer schließen sie sorgsam zusammen, fördern sie zur Reife und pflegen das Wachstum der daraus entstehenden Pflanzen, die wiederum eine Eigenstrahlung entfalten in dem Zusammenschluß.

Wenn sie dann welken und verwesen, tritt in deren Ausstrahlung wiederum eine Veränderung ein, die bei einem ganz bestimmten Zustande den Weg zum Zusammenschluß der Samen für andere Pflanzen bietet. Überall sind wesenhafte Helfer hebend und fördernd am Werke, die sich noch vor dem gröberen Zusammenschluß der Samenteile unter der Einwirkung der veränderten Strahlungen bilden können, wie die schon oft von verschiedenen Menschen geschauten Gnomen, Elfen usw.

So geht es weiter in dem Aufbau oder der Entwickelung, wie man es nennen will. Die Strahlungen geben in den Veränderungen immer neuen Arten zum Zusammenschluß und zur Entwickelung Gelegenheit.

Es erstehen so die verschiedenartigsten Pflanzen, immer ganz dem gesetzmäßigen Aufbau folgend, der in der Veränderung der Strahlungen getragen wird und zur Auswirkung kommt.

Durch Zusammenschluß von Strahlungen der Gesteine, verwesender Pflanzen, des Wassers, wie der Luft und Erde, erstehen dann bei ganz gesetzmäßig bestimmter Art und Menge auch die ersten Tiere, deren grobstofflicher Samen ebenfalls in der Allgemeinstrahlung ruhend unsichtbar vorhanden ist.

Das betreffende, dafür geeignete Strahlungsgemisch zieht die vorhandenen Teile magnetisch aus der Hauptstrahlung an, die ja immer alles umschließt, und so formt sich zuerst der Same als Niederschlag, nicht etwa das Tier, das erst aus dem zusammengezogenen Samen sich entwickelt.

Damit wird auch das geflügelte Wort kein Rätsel mehr bleiben: War als erstes auf der Erde das Huhn oder das Ei?

Die Entwickelung nahm dann auf dieser in den Strahlungsveränderungen ruhenden gesetzmäßigen Art der Erschaffungen ihren Fortgang, von Stufe zu Stufe ansteigend, bis zuletzt das höchstentwickeltste Tier , in einem ganz bestimmten Reifezustand eine derartige Blutausstrahlung erhielt, die dem Menschengeistkeime die Möglichkeit gab, ihn durch die Art der damaligen Blutausstrahlung anziehend sogar zwang, sich zu inkarnieren und langsam in dem Tierkörper erwachend, diesen umzugestalten, um den heutigen Menschen auch äußerlich zu formen mit den steigenden Graden des Sichselbstbewußtwerdens.

Ich will heute nur in groben Zügen einen Hinweis der Erstehung geben, um ein Bild zu formen, das Euch zeigt, wie alles Gottes Eigentum sein muß, weil es aus seiner Ausstrahlung erstand und ohne diese nicht sein könnte.

Der Mensch jedoch hat keinen Anteil an der Erde, sondern darf sie nur bewohnen. Sie war bereits erbaut, als er auf ihr erwachen durfte zur Entwickelung eines bewußten Seins.

Hättet Ihr die Gottgesetze in der Schöpfung im demütigen Empfangen aller Gaben sorgfältig erlauscht und dann sich diesen eingefügt, was gleichbedeutend ist mit darnach handeln, so würdet Ihr schon heute auf der Erde wie im Paradiese leben, ohne Sorgen, ohne Streit, Ihr würdet Neid und Haß, Habsucht und Machtgier gar nicht kennen, kurz, Ihr würdet Menschen sein!

Glückliche Menschen, die in Harmonie im Strahl des Lichtes schwingend weiter bauen an dem Reiche, welches Gott gehört.






Etwas für

kleine und große Kinder!



Die drei Schwestern.


Von Maria Halseband.


Feder war das jüngste Kind der großen Familie. Mit ihren Schwestern Flocke und Wolke spielte sie in lauter Licht und Sonnenschein. Sie tollten durch den Äther, trieben die Lämmerwolken mit lustigen Worten zusammen und schwebten leicht und fein über sie hin, denn sie waren die zartesten von allen Sylphen und sahen zu schleierfein und zerbrechlich aus, daß man dächte, jeder Windhauch müsse sie schon umwerfen.

Aber das ist ja gerade die Eigenart der Sylphen, die in der Kraft der Winde sich bewegen, die sich jubelnd tragen lassen von der wilden Brüder brausenden Flügelschlägen und die jauchzend um die Wette fliegen in dem gewaltigen Atem von Vater Sturm, der sie an ihre Arbeit weist.

Ewig beweglich, ewig sich biegend, schmiegend, helfend und wirkend schweben die Sylphen dahin. Ewig sich haschend und neckend und um die Wette eifernd in ihrem Dienen, das ihnen ein frohes glückseliges Spiel zu sein scheint voller Lichtlust und Dankbarkeit.

So verbrachten die drei Schwestern unbekümmerte Jugendtage in herrlichen Ätherwellen. Sie lauschten dem Klingen des Lichtes in stillen Stunden der Andacht und sandten ihre kleinen, helfenden Bewegungen mit aus in dem großen schwingenden Lichtdienen ihrer unzähligen Schwestern, die in weiten Kreisen sich tragen ließen von des Sturmes Machtgebot in alle Weltenteile.

Doch auch für die drei jüngsten Schwestern sollte die Zeit des Wirkens beginnen. Eines Tages, sie hatten sich gerade schimmernde Kränze gewunden von lichtsprühenden Kristallen, hatten sich die kleinen Hände gereicht, um einen neuen Tanz zu proben, da faßte sie plötzlich ein gewaltiger Flügelschlag des Sturmes und wehte sie der Erde zu.

Hui! Wie wirbelten da die Schwestern durcheinander, lachend und atemlos wurden sie hin und her geworfen und endlich doch auseinandergeweht.

„Vater Sturm, laß uns wieder zusammenfinden! ” rief Feder noch in einer Atempause, da hatte sie auch schon ein neuer Sturmesstoß weit hinweggetrieben von den Schwestern. Sie purzelte in eine Grasmulde, in der sie nun einen Augenblick aufatmen konnte. Wundervoll sonnenwarm war es hier, ein großer Falter tanzte um Feder herum und rief mit hauchzartem Stimmchen:

„Willkommen, kleine Schwester! ”

Über Feder aber blühte und leuchtete der Apfelbaum von tausend rosenzarten Blüten und der frohe Arbeitssang unzähliger Insekten klang summend zu ihr nieder. Feder sprang auf. Hier wartete ja auch auf sie frohe Arbeit und sie schwang sich durch die Zweige in seliger Freude, die feinen Hände ausstreckend und die Blüten berührend.

,,Dank Dir, kleine Schwester der Luft! ” sagte mit knorriger Stimme der Elf des Apfelbaumes. ,,Du hast uns den fruchttreibenden Lichthauch gebracht. Reiche Ernte will ich geben zu des Herren Ehre! Vergiß auch die andern nicht, sie warten des Segens! ”

Feder wußte das wohl, trotzdem sie noch nie auf der Erde gewesen war, aber die Schwestern, die von ihr heimgekehrt, hatten davon berichtet. So glitt sie denn weiter durch Baum und Strauch, über Busch und Hecke ging ihr leichter Tanz, über Wald und Wiese, Feld und Garten. Überall strichen ihre kleinen Hände leicht und lichtöffnend über die blühende Fülle wesenhaften Dienens, überall gab ihre zarte Bewegung, ihr linder Atemzug den befruchtenden Keim, die geheimnisvollen Kräfte des Wesenhaften weiter im Segen des Lichtes, in dem ihr feiner Körper schwang.

Sie kniete am Hang bei dem blühenden Schlehdorn, plauderte mit der Hasenmutter und kraulte ihre fünf Jungen hinter den weichen Ohren. Sie schwang sich durch den Wald und lachte in das Versteck des Rehs hinein, wo das gefleckte Kitz auf unsicheren Beinchen stand, eng an die Mutter gepreßt. Sie tanzte im Morgenwind über die Kornfelder und die blühenden Ähren neigten sich dankbar dem Segenslied ewiger Fruchtbarkeit, das Feder ihnen mit süßer Stimme sang.

„Wie schön ist es, dem Herrn zu dienen! Ob groß, ob klein, alles schwinget im Licht seligen Dankes! Alles empfängt und gibt weiter, alles trinket am ewigen Born des Herren Gnade und darf in Seinem Namen sein kleines Teil helfend geben in das große Heilige Werk, damit es blühe und gedeihe zu des Herren Ehre! Heilig ist der Herr! Selig, wer Ihm dienen darf! ”

So sang ,Feder, ihrem jubelnden Stimmchen lauschte alles Wesenhafte in heller Freude und der Dank der Kreatur einte sich ihrem froh bewegten Dankesschwingen.

,,So singt die Jugend, die zum erstenmal auf Erden ist”, meinte die Amsel. „Lerne erst die Menschen kennen! ”

Ja, die Menschen! Die waren das einzige, was Feder scheute, denn aus ihren Behausungen stieg nicht der frohe, leuchtende Schwung des Lichtes, den doch das Wesenhafte so selbstverständlich in sich trug. Feder war glücklich, daß in dem ihr zugeteilten Wirkungsfeld nur wenig Wohnstätten lagen, weit verstreut und fern dem lauten Getriebe der Städte, von denen sie sich keine rechte Vorstellung machen konnte. Nur bei den Kindern saß sie gern und lachte in ihre Spiele.

Da zupfte sie eines Tages ein Erdmännlein am Schleierkleidchen und sagte:

,,Dort oben am Wiesenhang sitzt eine der Deinen, sie weint, kleine Schwester”!

Sogleich flog Feder den Hang entlang, geleitet von dem schmerzvollen Schluchzen, das ihr entgegenklang. Das war Wolke, die kleine, niedliche Schwester, die hier verweint, mit verschwollenen Blauaugen auf einem Sonnenstrahl saß und doch noch vor Kälte und Erregung schauerte.

,,Schwester, was ist geschehen? Hast Du Heimweh? Es ist doch schön, dem Herrn zu dienen auf Erden”, rief Feder sie an.

„Schön! ” meinte Wolke bitter. ,,Bei den Menschen! ”

Und dann fing sie an zu erzählen:

,,Über wüsten Steinhaufen, die sie ihre Wohnungen nennen, wurde ich abgesetzt. Ohne Leben und Licht hausen sie dort in einem Nebelmeer wüster Gedankenformen und häßlichster Gebilde des Dunkels. Bäume und Blumen haben sie nach ihrem Willen verbogen und umgezwungen, sie klagten mir ihr Leid. Wo der Mensch hingreift, arbeitet er gegen des Herren Willen, findet er alles Eigene besser und sucht seine Umgebung danach zu formen.

Ich kam in einen Garten, da hatten sie unter Glas Blüten stehen mit artfremder Befruchtung. Die Wesenhaften zeigten es mir empört, denn die Menschen hatten es sich nur mit dem Verstand ausgeklügelt und nicht der Strahlung geachtet, die doch ein jedes Gottesgeschöpf in sich trägt und weitergibt. So hatten sie fast nur Mißklänge und damit Unfruchtbarkeit erzeugt, statt Förderung.

Wohin ich auch kam, überall war dasselbe. Da ließ ich die häßlichen Städte und suchte nach Land, nach wesenhaftem Leben. Aber auch das Land hatten die Menschen verdorben mit ihrem Eigennutz. Da rauchten häßliche Bauwerke hoch in den Himmel hinein und verdarben die Luft, da erstickte das Grün in Bergen von Schutt, den die Menschen aus der Erde herausscharrten. Die Menschen selbst hatten erloschene Augen, waren ohne Liebe und Freude und Gottesdenken, das doch jede Arbeit verschönt und erst zu einem rechten Gottesdienst macht.

Da graute es mir vor all dem Trüben, Häßlichen, ich flog hierher und wollte mich im Grünen, inmitten eines freundlicheren Lebens ausweinen. ”

,,Hier sind die Menschen still in ihrer Arbeit”, sagte nun Feder, ,,und sie sind auch nicht böse. Aber es fehlt auch ihnen das Licht, das sie haben sollten und das sie zu wahren Geschöpfen des Herrn macht. Doch es ist wenigstens kein großer Mißklang unter ihnen, der wehe tut. Wald und Feld aber sind erfüllt vom frohen Gottesdienen aller Kreatur, daß man nur immerzu sich freuen muß. Bleibe bei mir, Schwester, denn meine Arbeit ist noch nicht vollendet! ”

Heiße Sommerluft stand über der reifen Frucht, als der Südwind Flocke, die dritte Schwester zu den beiden Sylphen hinwehte. Jubelnd begrüßten sich die Schwestern, lächelnd freuten sich ihre wesenhaften Freunde mit ihnen. Flocke war ganz durchdrungen von Bergesfrische sie kam aus der Einsamkeit hoher Schneefirnen, wo sie mit zartem Hauch dem kleinsten Wuchs und Moos den Lichtsegen fruchtbaren Werdens geschenkt.

,,So schön war es dort auf den einsamen Höhen”, sagte sie. ,,Ich hatte nur Sehnsucht nach der Heimat und nach Euch. ”

„Unsere Arbeit ist doch nun getan”, rief Feder, ,,sollen wir den Westwind bitten daß er uns nach Hause bläst? ”

,,Fort von den Menschen, wie gern! ” sagte Wolke. ,,Aber Feder, Du bist doch unsere Jüngste, sonst wüßtest Du, daß wir nur durch die Winde das Zeichen erhalten können, wohin wir zu gehen haben, um unsere Arbeit zu vollbringen. ”

„Heim wollt Ihr? ” fragte Flocke und schüttelte ihr blaßblaues Kleidchen. „Jetzt, wo das Gotteslicht auf Erden ist, Ihr törichten kleinen Schwestern? ”

,,Was, wie? ”

Überall tauchten plötzlich kleine Köpfe auf, alles wesenhafte Leben regte sich und lauschte, um ja kein Wort zu verlieren.

„Ich sah Es über den Bergen strahlen in Heiliger Ferne! ” sagte Flocke. ,,Es glühte so schön, daß ich mit einemmal alles Heimweh verlor. Den ganzen Tag hab' ich dann nur gelacht und gesungen, bis der Südwind kam und mich zu Euch mitnahm. Er hat mir auch neue Weisung für uns Drei gegeben. Er sagte, daß jeder von uns Wesenhaften, der jetzt auf Erden ist, mithelfen darf bei der großen Umwandlung. Denn der Herr hat gesagt, es soll wieder Licht werden auf Erden! ”

Da freute sich Groß und Klein, es freute sich alles, was luftig, erdig, feurig und wäßrig war, und was in ihnen lebte und gedieh. Die Freude aber wurde zum Dank und der Dank ward zum Gebet, das wie ein leises, feierliches Wehen über das Land zog und allem Lebendigen, das in des Herren Willen schwang, mitteilte, daß die heilige Zeit gekommen, auf die sie alle gewartet seit langen Jahrhunderten seit die Menschen die große Trübsal ihres falschen Denkens ausgesäet.

Feder saß ganz still, mit großen strahlenden Augen, und Wolke mußte wieder weinen, aber diesmal vor Freude, denn es war ja gar nicht auszudenken, wie schön die Erde nun werden mußte, wenn die Menschen es endlich auch lernten, im Gotteswillen zu leben.

Plötzlich erhob sich Feder, reichte den Schwestern die Hände und gemeinsam schritten sie ihren schönsten, feierlichsten Reigen zu des Herren Ehre. Feder, die kleine, zarte Feder aber sang dazu wie Harfenklang:

,,Wir dienen dem Licht! Heilig gebietet uns des Allewigen Wille! Jetzt kommt die Erlösung! Jetzt strahlt das neue Leben! Gerechtigkeit, Liebe und Reinheit richten die Welt! ”

Leise verklang der jubelnde Sang. Die Schwestern glitten durch die Luft mit immer zunehmender Bewegung, geschmeidig und froh. Mit blitzschnellen Wendungen stiegen sie empor und strebten dem neuen Wirkungsfeld entgegen, das ihnen der Westwind der soeben herangeflogen kam, zeigen würde.

„Wohin? ” riefen die kleinen zurückbleibenden Freunde ihnen nach.

„Dem Glück entgegen! ” lautete die selige Antwort, die schon aus großer Höhe zu ihnen niederklang.

Dann verschwanden die drei Schwestern im blauen Himmel, sie vergingen wie kleine blaße Wölkchen, nur ihr jubelnder Lichtsang erfüllte noch die sich freuende Natur, die auch dem Glück entgegenblühte, das nun mit dem Gotteslicht wieder seinen Einzug auf Erden gehalten hatte.



Is-ma-el als Wegbereiter

für den Geist der Wahrheit durch

die sieben Weltenteile der Schöpfung.


(4.Fortsetzung)


Silbernes Licht eines großen, bleichen Mondes floß auf Thyatira hinab, das in wundersamer Stille lag. Kaum regten sich die silbergrauen weiten Fächer der Palmen, und nur vereinzelt zog das im Glanz der Sonne oft so bewegte Fluten des Windes über die Buchten, in die sich hängende Weiden wiegend neigten.

Perlend flossen kleine, flache Wellen über die muschelartigen Steinchen und den silbernen Ufersand, und die großen, wilden Schwäne glitzerten in dem zarten, betauten Rosa ihres weichen Gefieders von den Wassern, durch die sie soeben aufgetaucht.

In den Buchten waren Kähne verankert, sie schaukelten träumend in ewigem Rhythmus auf den gelinden Wellen.

Es war eine Stille, die eine gar beredte Sprache führte, denn in ihr wirkten die Wesenhaften ihre anbetenden Gesetzesfäden. Sie umspannen die geheiligten Gärten des Herrn und wirkten Reinstes im Vereine mit den reinen Menschengeistern, die da ihre stofflichen Hüllen trugen wie anbetende Schalen, um in ihnen dem Herrn zu dienen. Still waren auch die weiten Tempelgärten und Hallen sowie die langhingestreckten Wohnstätten der vielen Priester.

Still auch und wie in sich versunken schritten die Beiden dahin, der Lehrer und oberste Priester O-man mit seinem Schüler El-misa:

,,Alle die Kräfte, die Dir nun werden in der Fülle Deines Empfangens, leite sie weise, nütze sie und lasse sie ruhen im heiligen Gesetz des Ausgleiches, verwerte mir vor allem auch jene Kräfte Deines stofflichen Körpers, die sich nun in strahlendem Wollen allem Reinen und Hohen entgegenschwingen!

Sie zu lenken mit der Weisheit des Geistes obliegt nun dem Lehrer, der Dich führt. Vertraue mir ganz, El-misa, und lasse Deine Wünsche dem Wege meines Wissens anheimgegeben sein, dann wird sich Deine Entwickelung nach dem strengen und reinen Willen des Höchsten in Klarheit vollenden.

Du weißt Deinen Weg noch nicht, ich aber weiß ihn wohl. Mir sind aus ,der Weisheit Born manche Wege für Dich gezeigt. Wir sind Wanderer durch Zeit und Ewigkeit, El-misa, und was wir heute erringen und lernen, das vermögen wir morgen zu nützen, und brauchen es nicht in den großen schicksalwebenden Gezeiten mitzuschleppen als eine Last. Dieses bedenke. Übe Dich in der Geduld und lebe dem Augenblick, haste nicht vorwärts, Deiner Entwickelung voran; denn Stück um Stück wirst gerade Du erleben.

Wenn Du auch all den stofflichen Geschäften nun nicht so freudig nachkommst, sie müssen doch geschehen. Du wirst in den Stunden der stofflichen Arbeit so viel gewinnen, daß Dir die Quellen des Geistes darnach nur noch herrlicher, klarer fließen.

Du sollst auch den Blick für die Tiere und Pflanzen bekommen und Dein Wissen wird wachsen, wie Du es jetzt nicht ahnest; siehst Du doch nicht, wie alles zusammenwirkt und strebt in der Natur. Du fühlst und erlebst die Schwingungen und Strahlen, Du erkennst oben und erlebst unten, nun öffnet sich der Geist dem Verbindenden. ”

Während O-man dem jungen Freunde von dem Sein und Weben mancher Wesenheiten sprach, die dieser bereits wahrgenommen und erkannt, schritt El-misa sinnend, still und ernst neben ihm. Er hatte sich schon sehr verändert in der Zeit, die O-man ihm gewidmet. Das Kind hatte er äußerlich abgestreift, doch der Jüngling war noch nicht voll erstanden.

Über dem engelreinen herben Schweigen seines Wesens lag es wie leise Schwermut, und dennoch glühte jener Geist in einem glimmenden Feuer nur noch unter leiser, feiner Decke. Starke, reine Liebe zu allen Geschöpfen regte sich in ihm.

Manchmal stieg sie heiß wie eine Welle in ihm empor und all sein Sinnen ging dahin, sie wohl zu nützen. Als Einzige, die sich ihm hierzu boten, waren die Blumen, die Tiere da, auch jene stillen priesterlichen Schüler, die jedoch immer eine leise Scheu und Zurückhaltung in ihm in Abstand hielt. Sie waren alle noch Kinder, während in ihm bereits der Geist durchbrach und manch gewaltiges Erleben schon auf El-misa harrte.

Sein Leben war anders zu Thyatira wie das der Menschengeister der Erde, es ist mit einer dortigen Entwickelung überhaupt nicht zu vergleichen.

Es spielte sich in höheren Weltensphären der dementsprechenden Dichte des Stoffes auch in anderer Art ab und wirkte sich anders, wenn auch auf natürlich angepaßter Ebene aus. El-misa entwickelte sich in dem Wandel höherer Begriffsformen zur Aufnahme aller Fähigkeiten für seine Mission.

Während er gerade in der Zeit jenes abstrakten Wirkens mehr denn bisher mit stofflicher Arbeit beschäftigt wurde, bildete sich auch seine stoffliche Hülle und deren Ausstrahlung zur festen Burg für all die zu empfangenden Einflüsse. Rein und unverbogen, wie er war, konnte Reinstes in ihn strömen, durch ihn wirken.


Es war die Jahreszeit der Überreife in dem Weltenteile Thyatira eingetreten. Auch hier kreisten ja die Sonnen in ewig sich wiederholenden Bahnen um ihre Muttergestirne, und es mußte sich das Leben auf den stofflichen Gestirnen den ewig und überall selben Gesetzen fügen.

Die Grotten lagen in hellblaugrünem Lichte, das durch die schrägen Sonnenstrahlungen scharf und kühler hervortrat. Der Dunst der zitternden, schwimmenden Feuchte war einer schärferen Klarheit der Farben und der Form gewichen, und nur des Nachts strichen dichtere Nebelströme über die Grotten hin.

Die Wärme und Lichtkraft der Höchstsonnenzeit hatte gereift und hervorgebracht, was das Wunderreich Thyatira an Schönheit der Früchte trug. Überfülle, Überreife und sprudelnde, schäumende Lebenskraft.

Voll Klarheit und Reinheit klangen die Sängerchöre, die über die Weiten schwebten, und die singenden Brandungen der mächtigen Grotten gaben die Orgelbegleitung dazu.

Sausend und völlig anders wie in der Hochsommerzeit brausten die Winde um die Meeresbuchten und über die goldgelben Weiten. An den Bäumen trieb schon wieder frisches, maienzartes Grün und schob die glühenden Blätter hinweg, die in das Blau der Seen flogen.

An den Hängen der Hügelwelten prangten die Riesenfrüchte, die wie goldene Pfirsiche glühten und die Hauptnahrung dieser stofflich zarteren Menschen waren. Seidengraue, weiße und rosige Reiherscharen zogen über die blauen Himmel, in weiten Bogen der Sonne nach.

In den großen Städten, wo Tausch und Handel das Leben der Menschen durchpulste, war reges Treiben, reger denn sonst; denn der Zeit der Ernte folgte eine Hochflut der Arbeit.

Die Meere waren von Schiffen und die weiten Landesstrecken von Karawanen durchzogen. Es war gesteigerte Bewegung in der Natur, die auf die Geschöpfe übergriff.

Alles kam in den Rhythmus dieser Zeit, die jedes Jahr wiederkehrend Fülle und Arbeit, Anregung und Geschäftigkeit brachte. Das aber war nur die äußerste stoffliche Seite der Spätsonnenzeit, die der Sonnenwende voran ging.

Nun kam das Ernteweihefest, das Dankgebet der Völker in Thyatira. Es war ein hohes Fest der Reinheit, der alles Aufstrebende und Gedeihende der Natur geweiht war. Und der heilige Tempel bereitete sich, das Fest der Reinheit zu begehen.

Es war das Erste, das El-misa im Tempel erlebte. Die vorbereitenden Wochen, die ihn mit dem Wesen der Feier vertraut machen sollten in Schule und stofflicher Vorbereitung, übten starken Einfluß auf El-misa.

Er hatte eine rasche Entwickelung genommen, indem er sich vertrauend dem Oberpriester O-man beugte. In ihm war Demut echter Art, die er nützte zu schnellem Fortschritt; denn was O-man ihm sagte, das ging auf den Fäden der Empfindung in ihn hinein, gerade, schlicht und voll Kraft.

,,Nun bist Du in Deinen Übungen des Wissens wie des Wollens so weit gediehen, daß Du weiterem Erleben bereitet bist. Nun wirst Du Thaisis schauen, sie wird Dir den Ort Deiner Geburt zeigen und Dich geistig in die Obliegenheiten Deines Dienstes führen, so weit Du vorzudringen vermagst. ”

O-man wußte die Zeit erfüllt, die El-misa vorgeschrieben war. Sein Geist drängte machtvoll nach dem Dienste. War er von Thaisis gesegnet, so war ihm das Tor zur höheren Weisheit erschlossen.

In den stofflichen Jubel des Volkes mischte sich der geistige Jubel des Knaben, der in ungeduldiger Freude die Festtage erharrte.

Sein Angesicht glühte, seine Augen flammten, aber sein Mund war schweigsam geworden in der Stille der Weisheit des O-man. So voll Güte, voll reiner Demut, von Fülle des Wissens wie O-man war sicher keiner im Reiche. Dennoch fehlte dem jungen Schüler aus all der strahlenden Größe des Führers manches Mal die Ergänzung.

El-misa suchte!. Sein Geist forschte, sein Verstand ging diesem Forschen nach, und daraus ward ihm eine Sehnsucht, eine Sehnsucht, die er nicht zu nennen wußte, die O-man nicht stillen konnte. Und wieder gedachte er seines dereinst so innigen Wunsches, Thaisis zu schauen.

Da war es auch geschehen. Gerade, als er sich wieder einmal bescheiden wollte und ringend nach seiner Demut den Wunsch von sich schob, stand O-man vor ihm. Leuchtend froh, voll Liebe war sein Angesicht, tiefblaustrahlend die treuen Augen:

,,Ich bringe Dir Bescheid von Thaisis. Du sollst sie morgen im Vorhof der sieben Quellen erwarten!. ”

Heiße Freude stieg in des Jünglings Angesicht, er vermochte nicht zu sprechen.

Thaisis, die Priesterin der Reinheit! Die reinste Frau, das Gefäß der heiligen Offenbarungen, die Hüterin seines Daseins, hatte gerufen.

Eine heiße, flammende Welle der Freude stieg in El-misa auf. Hohe Röte trieb sie in die noch kindlichen Wangen bis unter die Schläfen. Die großen Augen weiteten sich und dann schlossen sich die Lider, damit O-man die Tränen der Freude nicht schauen sollte, die sie fast überfließen machten.

O-man wandte sich, lächelnd ließ er den kleinen Freund an seiner Seite die gewaltige Regung seines großen Geistes verarbeiten. Verstehend und still in der Kraft der Weisheit, die auch des andern Wesen durchlebt, aus Liebe.

O-man gab Kraft und Hilfe mit solch bewußtem Verstehen; denn ihn durchbrauste die lebendige Kraft aus dem Geiste, die von seines Schöpfers Kraft getrieben war.

Sein liebevoll helfend weises Wollen, das in dem Willen Gottes schwang, wirkte Geschehen und Erfüllen mit einem Gedanken, einem gesprochenen Wort. Und er unterhielt seine Gedanken, stützend für den Knaben, indem er sich abwandte.

Bald hatte El-misa die hohe Freude zu beherrschen gewußt, kostete sie nun in Gleichmut und Weisheit und gab ihr in innigen Worten Ausdruck.

Beherrschung des Fühlens und Denkens und aller daraus entspringenden Äußerungen wurde die jungen Menschen in der Schule der Weisheit gelehrt. Aber die rechte natürliche Beherrschung, die nichts mit unterdrücktem Fühlen oder Denken, nichts mit Verkrampfung der Seele zu tun hatte; denn es gab noch keine Lüge zu Thyatira.

Das Ausströmen der schnell aufgenommenen Regung, sei es Leid oder Freude, hatte noch den dem Menschengeist angepaßten Schwingungsablauf und konnte sich noch unverbogen Luft machen. Des Knaben Art in der Äußerung seines Glückes war von großem Liebreiz. Es lag darin die Freude des Kindes vermischt mit der Freude des reifen, alten Geistes, der vor der Stunde seines Schicksals stand und dies ahnend wußte.

El-misa ging in sein kleines, für ihn besonders eingerichtetes Kämmerlein. Er wollte die Nacht im Gebet verbringen, ganz seine Seele bereiten für jenen hohen, lang ersehnten Augenblick.

Er wußte, was ihm O-man von Gott gesagt, was er erfahren aus der Weisheit der Schöpfungsbücher, Thaisis würde es noch krönen mit jenem lebendigen Wissen, das sie von oben empfing. Ihm wurde der Weg zur Vollendung geöffnet durch das Eintreten in der Reinheit heiligen Dienst.

Weil El-misa sich dessen wert wußte durch die Botschaft der Priesterin, darum freute er sich so sehr.

Auf den lichten Bahnen seines reinen Wollens versenkte er sich in ein tiefempfundenes Gebet; in ihm empfing sein Geist, ihm unbewußt, die Vorbereitung für den kommenden Tag.

El-misa war in jener Nacht zum Jüngling geworden. Ein anderer als bisher, trat er am nächsten Morgen in die Halle vor O-man zum Morgengebet. In der offenen Halle strömte das Licht der eben erstandenen Sonne, es überstrahlte die weiße Säulenpracht und die Fülle der leuchtenden Blumen.

Wie das Klingen der Strahlen, so hell und vielartig war auch das Singen der erwachten Vögel, das Summen der Insekten. Leuchtend und blitzend durchflatterten sie die Blumengärten und die offenen Bogen der Halle.

Junge, dienende Knaben kamen und schmückten El-misa mit dem blauen Gewand, das er an Festtagen trug. Sein weiches, glänzendes Haar ward von silberweißem Reif gehalten, die langen kristallschimmernden Gehänge fielen fast bis an die Schulter zu beiden Seiten des Kopfes. Eine silberhelle Kette aus ebendemselben Edelmaterial der Grotten, feingeschliffen, schmückte Hals und Brust. Die leichten, leise schreitenden Füße waren in hellen Stoff gekleidet, der ebenfalls diesen feinen Glitzerstein als Schmuck trug.

Eine hohe, weiße Blume, die El-misa im eigenen Garten gezogen, eine jener paradiesischen Wunderblüten Thyatiras, die nur zwei Stunden zu bestimmter Stellung der Gestirne ihre lichten Kelche öffneten, so ein ganz reiner Jüngling sie erzogen, die Blume ,,Edelweiß”, trug er in seiner Hand.

Er hatte sie mit dem Willen, sie Thaisis zu schenken, eingepflanzt und wohlgehegt. Keiner als er durfte sie besprengen, und kein anderer ihren Standort bestimmen. Er trug sie in einem schimmernden Gefäß an jene Stellen der Halle, die das beste, geeignetste Licht für ihr Gedeihen spendeten. Er pflegte sie mit Hingabe und Geduld, und aus seinen Händen waren die Strahlen helfend und fördernd auf jenes weiße Wunder geflossen, die es zur rechten Stunde gereift.

O-man sagte ihm ein lobendes Wort, als er ihn so stattlich und voll Demut vor sich sah. Dann nahm er seine Hand und führte ihn schweigsam die langen Wege durch die blühenden Lauben nach dem Vorhof der sieben Quellen.

Es tat sich damit für El-misa eine neue Zeit und ein neues Tor des Lebens auf.

Silberhell war das Tor, das in das Innere des Vorhofes führte. Außen standen silberweiß gekleidete Wächter, innen säumten lieblich geschmückte Jungfrauen den Weg. Leise neigten sie sich, wie das Wogen der Gräser im Winde, so anmutig und biegsam.

Ihre Gewänder waren wie zarte Schleier, von heller, lichter Farbe, ganz einheitlich. Die lieblichen Angesichter waren von Schleiern leicht verhüllt und ließen nur die großen, hellen Augen, die reinen, leuchtenden Stirnen frei.

Vor den erstaunten Augen El-misas taten sich wundervolle Gärten auf, deren rauschendes Murmeln die Quellen im tieferen Innern verriet. Ganz neu waren ihm manche Pflanzen und Blumen, die auf üppigen Wiesen in Fülle prangten.

Dieser Garten atmete natürliche Lieblichkeit und Schönheit. Die silbergrauen Weiden wogten in wunderbarem, rhythmischem Bewegen an den klaren Wassern, die sprudelnd und rein über die silbernen Kristalle rieselten.

In der Tiefe der Gärten ließen sich Grotten sehen, die so blauschimmernde Schönheit ausstrahlten, daß El-misa unwillkürlich dorthin strebte.

,,Wir müssen den Ort der Bestimmung erreichen, mein Sohn. Die Grotten werden wir später besuchen. ”

El-misa sah in der Ferne das Sprühen hoch aufgischtender Quellen. Umgeben waren diese von weitem Becken, das die Wasser auffing und in Bächen gleichmäßig verteilte, nach der Form einer Strahlensonne:

„Dies also sind die sieben heiligen Quellen!” -

Von einer Ruhestätte erhob sich eine Frau. Schlicht und ganz weiß war ihr Gewand, verhüllt das Angesicht. Das weiße Schleiertuch verdeckte sogar Stirn und Augen.

Allein stand sie vor den Quellen, allein schritt sie den Besuchern entgegen.

Hell war das Licht der Sonne, das ein Strahlen dieser Gestalt jedoch nicht zu tilgen vermochte. Es schimmerte weiß um sie nur der Saum ihres Gewandes war wie von blauem Leuchten umflammt.

„Sei gegrüßet, Thaisis flammende Dienerin des Herrn! ” sprach O-man. ,,Hier bringe ich den Sohn des Theddeus, der seinen Geist erwachend dem Licht gelobet”.

El-misa” erhebe Dich! Nicht knien sollst Du vor einer Dienerin des Herrn, der Du selbst der „Erkorene Gottes” heißest. Darin liegt für Dich Kraft, Weg und Ziel! Ich rufe Dich zum Dienst der Reinheit, aus seines heiligen Willens Gebot! ”

Die weißen Frauenhände hoben ihn empor. El-misa wußte nicht, wie ihm geschah. Er stand da in seinem Schmuck als ein junger Schüler des Tempels der Weisheit zu Thyatira, und er war ein weiser und gerechter, ein gewaltiger Geist des Herrn. Er stand im Geiste auf einem goldenen Berge in einer leuchtenden Schar gleicher, alter Geister, wie er selbst.

Und er sprach und hörte dabei seine Stimme brausen, sie war wie ein Sturm. Und es kam eine Stimme vom Himmel, der da über dem leuchtenden Berge glühte wie ein goldener Mantel, durch den die Strahlen aller Regenbogen Thyatiras flossen. Diese aber war wie ein Donner und es teilte sich der Himmel. Er sah da einen Stuhl aus Licht und darauf saß ein weißes Lamm mit einem Menschenangesicht. Es sprach:

„Is-ma-el! ”

Und der Jüngling neigte sich im Stoffe zu Thyatira vor der Priesterin und sprach:

,,Ja, Herr, ich bin bereit! Ich höre Dich, ich diene Dir in Ewigkeit! ”

Die Kraft aus Gott war durch den Geist der Thaisis gedrungen, wie ein Strom hatte er in dem gleichartigen Geiste gemündet. Is-ma-el hatte seinen Namen aus des Herrn Munde vernommen und es war ein gewaltiges, geistiges Entwickeln im Stoffe in einem Augenblick vollzogen.

Wieder wie damals, als El-misa vor O-man getreten, geschah ihm heute, als er die Priesterin sah. Wieder war es, als tauche er in ein Flammenmeer, als springe ein Funke aus dieser Kraft des Geistes der Thaisis über in den seinen.

Aber dieses Mal vermochte ihn die Kraftwelle mit Höherem zu verbinden und er schaute in das Licht Gottes, vergaß darüber ganz sich selbst.

„Als ich Dich dereinst aus dem Arm Deiner Mutter empfing, die meine Vertraute war, und Dich Deinem Vater übergab, da spendete ich Dir den Erdennamen ,,El-misa”. Es sollte geschehen nach des Lichtes Willen, daß Du ihn trügest auf dieser Wanderung im Stoffe. Alles trägt er in sich nach dem Gesetz, das Du nun zu erfüllen hast, und bestimmt Dich zu schwerem, hohem Dienst auf Thyatira!

Nicht immer wandelt Dein Fuß so leicht über die silbernen Wege heiliger Tempel, El-misa, er wird sich an manch scharfen Kanten am Wege blutig stoßen müssen und die brennenden Feuer des Schmerzes werden Dir diesmal nicht erspart; denn Du sollst alles erleben, was dereinst im Stoffe Erleben des Herrn werden muß. Oft noch, wenn ich schon in die ewige Klarheit der Heimat zurücktauche, wird Deiner Stimme Schmerzenslaut ertönen, und Du wirst es erleben müssen, daß man Dich nicht kennt und nicht versteht und Deine Liebe verspottet.

Ich muß Dir dieses jetzt sagen; denn Du sollst wissen, was auf dem Wege dieses Daseins droht. Du sollst bewußt Dich dem Dienste Gottes weihen, auch im Stoffe!

Noch war bisher der Wandel Deiner Tage voll Glück. Du durftest sammeln, aber schon naht sich unter dem leuchtenden Grün der Bäume und Blätter verborgenes Gift; denn siehe, es hat sich das ,,Gift gegen Gott” schon emporgezogen, die Feinstofflichkeit zu berühren mit dem boshaften Schein der trügerischen Schönheit und dem Wissen Luzifers.

Für diesen Kampf wirst Du bereitet; denn er kommt bald über Thyatira!

Du wirst nun morgen meinen Segen empfangen im Namen des Herrn. Bereite Dich; denn Deine Stunde kommet bald! ”

Thaisis hatte ihm die Hand gereicht. Ein Zeichen, daß sie ihn nun verabschieden wollte. Aber El-misa verstand es nicht. Still ließ er seine kleine, noch kindliche Hand in der der Priesterin. Seine Augen sahen leuchtend zu ihr empor, um seinen kindlichen Mund aber zuckte ein Ausdruck, der neu war in diesem Angesicht.

,,Ich habe keine Mutter gekannt und habe nie darnach verlangt, aber ich wußte, daß hohe Weiblichkeit mich emporhebt in mein Sein. Ich danke Dir, Thaisis, Du bist für mich das Höchste in der Welt! ”

Schweigsam wandte sich El-misa und schritt dem Priester nach, ohne sich noch einmal umzuschauen. Er hörte nur noch ihre Schritte, das Bewegen ihrer Schleier auf dem Sande des Bodens, dann tauchte das Erleben dieser Stunde aus dem äußeren Eindruck in das Innerste hinein. Dort erst konnte es sich vertiefen.


Und wieder war es eine Nacht. Eine jener herrlich silbernen Mondesnächte zu Thyatira, die beinahe Tageshelle des Silberlichtes boten.

El-misa konnte nicht schlafen. Er lehnte an der Säule seines offenen Gemaches und schaute nach dem Himmel. Dieser war gerade in jenem Stadium der Dämmerung, das noch die Sterne sehen ließ, die Sterne, die wie große, silberlichte Brillanten alle Farben niederblitzten in die perlenmatten Strahlen des Mondes.

Er war einmal wieder so wach wie am Tage, und die Gedanken ruhten wie unter der heiligen Decke der Stille, die des Nachts ausgebreitet wird, damit die wachen Geister nicht von schlafenden Geistern gestört werden.

El-misa war nur mit den beiden Priestern verbunden, alle anderen Menschengeister erschienen ihm Fremde, selbst sein Vater.

Dies wurde ihm klar zu dieser Stunde. Noch fühlte er den Druck der Hand, den Thaisis ihm gegeben, noch empfand er um sich das Wogen ihres Gewandes und den Duft, der wie aus einer Blume ihrem ganzen Sein entströmte. Woran gemahnte ihn dieser Duft?

Wieder tauchte vor seinem inneren Auge der goldene Berg empor, von dem Rauschen und Singen lichter Strahlen umgeben. Und im Erinnern hörte er die Stimme klingen, die ihn gerufen hatte.. Die Stimme des Lammes.

„War ich denn einst so nahe vor Gott? Was ist das für ein Berg, was ist es für ein Licht? Thaisis weiß es, sie wird es mir erklären!. ”

Und nochmals war ihm, als höre er diese Stimme. Er wußte von ,,Gesichten”, sollte es das gewesen sein? Was wollte ihm Gott damit sagen? Er hatte gerufen!

So bewegte El-misa Empfindung und Gedanken in sich hin und her und es ward immer mehr Bewegung um ihn, die ihn öffnete für die hohen Eindrücke der heiligen Feier.

Es nahte sich ihm in dieser Nacht eine Fülle helfender Wesenheiten, die erst langsam dem sich bewußtwerdenden Geiste auf Strahlungsbrücken näher kamen, welche bisher dem Kinde fremd sein mußten. Es strömte aus ihnen eine neue Kraft, eine Kraft des geistigen Lebens.

Des Jünglings heiße Sehnsucht nach dem Lichte wurde von ihnen durchglüht, sie stützten und hoben den erwachenden Geist, den bisher wesenhafte Hüllen mit Liebe und Sorgfalt vor all zu frühem Erwecken bewahrt. Wie recht hatte doch Thaisis, die Stunde seines Reifens verzögert zu haben!

O-man erkannte des Herrn Willen in ihrer weisen Bestimmung, als er am Morgen nach dieser Nacht EI-misa sah.

Noch war der Jüngling sich nicht bewußt, welch raschen Fortgang seine geistige und stoffliche Entwickelung genommen, in ihm lebte nur eines: der Wille, Gottes Diener zu sein!

*) Siehe Fußnote

































Fragen-Beantwortungen


durch Abd-ru-shin


Frage: Ich bemühe mich schon seit langer Zeit, immer nur das Beste zu wollen und muß doch dabei immer und immer wieder erleben, daß ich Fehler über Fehler mache. Da kann man fast verzweifeln und muß annehmen, daß ein geistiges Reifen hier auf der Erde gar nicht möglich ist?


Antwort: Es ist besser, es werden bei gutem Wollen Fehler gemacht, als daß gar nichts getan wird aus Furcht, daß Fehler gemacht werden könnten! Ein Mensch, der Fehler macht, kommt in den meisten Fällen trotzdem voran, wenn er aus diesen Fehlern für die Zukunft Lehren zieht, um nicht immer wieder dieselben zu begehen. Sein Geist reift ganz gewiß dabei, sobald sein Wollen gut ist und er nicht mit Vorbedacht Übles will.




Frage: Woran liegt es, daß so viele Menschen das Wirken Gottes in der Schöpfung nicht zu erkennen vermögen, sondern so leben, als wenn Gott nicht vorhanden wäre?


Antwort: Weil sich derartige Menschen nicht öffnen! Es gehört aber schon eine ziemlich große Ansammlung von Stumpfheit dazu, wenn ein Mensch in der Schöpfung nicht höheres Wirken sehen kann. Doch ist ein derartiger Zustand nicht Unvermögen des Menschengeistes, sondern lediglich Oberflächlichkeit oder Trägheit! Sie essen und trinken wohl und denken an Erwerb irdischer Vorteile, aber fragen sich nicht einen Augenblick, woher der Ursprung der schönen Schöpfung und deren Erhaltung kommt, zu der sie selbst gehören. Sie nehmen und genießen, ohne den Spender erforschen zu wollen.

Solche Menschen gelten vor dem Schöpfer noch weniger wie Tiere, weil sie den Tieren voraus die Möglichkeit des Erkennens in sich tragen und nur zu bequem sind, die Sonderfähigkeit zu nützen. Das mag scharf und hart erscheinen, aber es entspricht den Tatsachen. Es sind in Wirklichkeit Nichtstuer, die Drohnen in der Schöpfung, auch wenn sie unter Erdenmenschen als fleißig und bedeutend gelten.




Frage: Welchen Unterschied zeigt eine Menschenseele beim Ausscheiden aus dem Körper bei einem natürlichen Tode oder einem gewaltsamen?


Antwort: Die durch plötzlichen Tod hinübergehende Seele ist wie eine Frucht, die vor der Reife vom Baume fällt und dann erst noch nachreifen muß. Diese zu früh hinübergekommene Seele muß das auf Erden Versäumte in irgend einer Weise ihrer Art entsprechend nachholen.

Es kann aber auch ein Tod, den die Menschen natürlich nennen, für die Seele verfrüht sein, wenn der Erdenmensch seinen grobstofflichen Körper vernachlässigt hat oder zu unachtsam gewesen ist, wenn er ihn also als anvertrautes Gut nicht genug hütete oder gar schädigte, was sehr leicht durch zu vieles Trinken oder Rauchen und auch sonstige den gesunden Bedürfnissen des Körpers nicht entsprechende Hänge oder Angewohnheiten geschehen kann.

Wer von den Menschen weiß denn, um wie viele Jahre oft ein Erdensein durch irgend eine dumme und harmlos erscheinende Angewohnheit verkürzt wird, gar nicht zu sprechen von den Leidenschaften oder ehrgeizigen Sportübertreibungen.

Es ist wohl die Hälfte der ,,kultivierten” Erdenmenschen von heute, deren Seelen durch all diese Sitten und Unsitten zu früh für das sogenannte Jenseits den Körper verlassen müssen und damit ihre Zeit nicht erfüllen konnten, wenn sie überhaupt an eine Erfüllung und einen höheren Zweck des Erdenseins in rechtem Sinne gedacht haben.




Frage: Was ist Gnade und wie verhält sie sich zur Gerechtigkeit?


Antwort: In menschlichem Sinne ist Gnade ein Willkürsakt, in göttlichem Sinne nicht. Gottes Gnade liegt in den selbsttätigen Gesetzen der Schöpfung, die den Willen Gottes tragen, der gleichzeitig auch die Gerechtigkeit ist. Sie geben in ihrer Gerechtigkeit den gefallenen Menschengeistern die Möglichkeit, durch Ablösung wieder zum Aufstieg zu gelangen.

Diese Wirkungen der selbsttätigen Gottesgesetze in der Schöpfung tragen Gerechtigkeit und Liebe in sich und sind gleichzeitig auch die Gnade, welche Gott den Menschen bietet.









Öffnet Auge und Ohr, damit Tropfendes Lichtes guten Boden finden:


Der Mensch liefert die Fäden, aus denen im unermüdlichen Webstuhle des Seins der Mantel gefertigt wird, den er zu tragen hat.


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Verstand ist das höchste Irdische und soll das Steuer sein durch das Erdenleben, während die treibende Kraft die Empfindung ist, die der geistigen Welt entstammt. Der Boden des Verstandes ist also der Körper, der Boden der Empfindung aber ist der Geist.


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Der Mensch, der sich seinem Verstande völlig unterwirft, unterwirft sich damit auch vollkommen den Beschränkungen des Verstandes, der als Produkt des grobstofflichen Gehirnes fest an Raum und Zeit gebunden ist. Somit kettet sich der Mensch dann ganz nur an das Grobstoffliche.


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Wahrhafte Liebe wird nicht darauf sehen, was dem anderen gefällt, was diesem angenehm ist und Freude bereitet, sondern sie wird sich nur darnach richten, was dem anderen nützt Gleichviel, ob es dem anderen Freude bereitet oder nicht. Das ist wahres Lieben und Dienen.


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Von Millionen Menschen sind nur wenige, die sich die Wahrheit sagen lassen wollen. Die meisten sind in einem Riesenkranze kleiner Irrtümer verstrickt, die sie den Weg daraus zu schlichter Wahrheit nicht mehr finden lassen.


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Jeder innerlich freie Mensch wird eine Sache oder Lehre immer darnach bewerten, was sie bringt, nicht wer sie bringt. Das Letztere ist ein Armutszeugnis für den Prüfenden, wie es nicht größer sein kann. Gold ist Gold, ob es ein Fürst in der Hand hat oder ein Bettler.


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Ihr vermögt das Dies- und Jenseits der Erde zu vergiften durch Euer Wünschen, Denken und Wollen, oder auch reinigend emporzuheben, dem Lichte zu. Deshalb werdet Lenker des Geschickes, das nach oben führt, durch Reinheit Euerer Gedanken!.



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Abd-ru-shin.

Buchbesprechung.


In Heft 2 der „Stimme” wurde an gleicher Stelle ein ,Bekenntnis zur Grals - Botschaft gebracht, wie es bei vielen Lesern spontan durchbricht. Wir wollen hier von gleicher Seite eine Äußerung zu Abd-ru-shins zweitem Buch zum Abdruck bringen, wobei dieselbe Bemerkung am Platze ist, wie bei der Botschaft: daß eine eigentliche Buchbesprechung kein Mittel wäre, um' für den Inhalt des Werkes zu zeugen.


Wer die Botschaft gelesen hat, liest sie wieder und abermals - es wird ihm gehen, wie dem Wanderer, welcher eine schöne Landschaft durchstreift. Mit jedem neuen Tag, in jeder besonderen Tageszeit wird er völlig neue Bilder sehen, die Umgebung in immer andersartiger Beleuchtung, anderem Erschauen aufnehmen zu stetiger innerer Bereicherung.

Und wenn so der Leser alle Gedanken und Bilder der Botschaft von den verschiedensten Seiten her in sich aufgenommen hat, so daß sie fester Besitz seiner Seele geworden sind, sicherer Wegweiser einer Schöpfungserkenntnis, dann drängt es ihn wohl manchmal, da und dort mehr zu erfahren, den gewonnenen Horizont zu erweitern, noch klarere Bilder vor sich zu stellen. Auch möchte der Leser in einigen Fällen über das große, zusammenhängende Gerüst der Botschaft hinaus, einzelne Teile in näherer Beleuchtung sehen.


Dies alles gibt ihm das 2. Buch Abd-ru-shins:


Nachklänge zur Gralsbotschaft

Band 1.


Der Titel des Buches spricht für sich.


Es klingen die großen Wahrheiten der Botschaft nach, wie die webenden Töne einer schönen Melodie, sie klingen und tönen fortzeugend im Innern, so der Mensch den Willen zur richtigen Aufnahme und Verarbeitung hat.

In diesem Nachklingen aber mischt sich dann eine neue Weise, ein eigener Ton, welcher das Thema der Botschaft aufnimmt und die eindeutige Melodie erweitert, manchmal wiederholt, immer aber eindrücklich zu stärkerer Form ausprägt.

Neue Gedanken reifen, neue erweiterte Bilder entstehen, immer im Rahmen aller schon erkannten Gesetze, das Bild der Schöpfung rundet sich zu einem noch leuchtenderen, freudigeren und schöneren Gemälde. Wer wollte dies nicht in sich erleben und das schon Gehörte vertiefen?


Die „Nachklänge” bieten hierzu sichere Anleitung.

Dr. A. F.



Mitteilungen an die Leser.


Allen Interessenten unserer Monatsschrift ,,Die Stimme” kann mitgeteilt werden, daß Bestellungen auf unsere Zeitschrift für Einzelhefte, wie auch für Abonnements in allen Ländern, welche dem Weltpostverein angeschlossen sind, bei jeder Postanstalt erfolgen können.

Da die Post jedoch nicht verschiedene Preise zuläßt, so ist der Preis eines jeden Heftes auf 1.60 s. fs. gestellt. Der Abonnent hat aber den Vorzug, daß er die Hefte regelmäßig zugestellt erhält, ohne immer wieder neu bestellen zu müssen, und damit die Gebühren der Einzelbestellungen erspart.



VERLAGS -A.- G. ,,DIE STIMME”

Zürich 7, Drusbergstraße 17

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1.60 3.20 4.80 9.60 19.20


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Inhalt:

                                                                                                                    Seite

1. Der Nebenmensch. Von Herbert Vollmann                             4

2. Die Stunden des Menschenlebens II. Von Hermann Wenng   12

3. Gnade und Erlösung. Von Hermann Lohr                             18

4. Die Krone. Von Susanne Schwartzkopff                            24

5. Der Mensch und die Erde. Von Abd-ru-shin                       33

6. Die drei Schwestern. Von Maria Halseband                          38

7. Is-ma-el als Wegbereiter für den Geist der Wahrheit durch

     die sieben Weltenteile der Schöpfung. (4. Fortsetzung)   43

8. Fragen-Beantwortungen. Von Abd-ru-shin                          54

9. Tropfen des Lichtes. Von Abd-ru-shin                                 57

10. Buchbesprechung                                                             59

11. Mitteilungen an die Leser                                                  61

 ____________















Herausgeber: Verlags A.-G. „Die Stimme”, Zürich, Drusbergstraße 17.

Verantwortlich: Für die einzelnen Artikel und Mitteilungen die

Verfasser. Für den übrigen Teil: Herr Arthur Giese, Zürich.



*)Die Wiedergabe wird nicht weitergeführt, da die ganze Niederschrift in einem Buch erscheint.

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