Jahrgang 1937 Heft 8
DIE STIMME
Schrift
für Erstarkung im Wissen
und Können.
VERLAGS A. - G. ,,DIE STIMME“, ZÜRICH
Copyright by Verlag A - G „Die Stimme“, Zürich
Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung vorbehalten
Druck: Buchdruckerei Thurtal, Müllheim (Schweiz)
Geh in die Stille, Mensch, und lausche,
Bis Du des Gottesgeistes Wehen hörst,
Bis tönend in Dich dringt des Lebens alte
Und ewig junge Schöpfungsmelodie.
Geh, lausche in Dich, bis die Steine reden
Und Sehnen aufwärts drängt zu lichten Sternen.
Lausche und schweige,
Denn vor dem Menschenworte flieht der Geist.
Gewitter.
Von Susanne Schwarzkopff.
Mittsommer.
Selig schwimmen weiße Wolken im tiefen Blau.
Getürmt zu hohen Wolkenburgen, auseinandergeweht zu zarten, fliehenden Sehleiern malen sie Sommerpracht an den weitgespannten Himmel.
Da plötzlich - was ist das? In all das selige Glück, in alle beschwingte Heiterkeit fährt ein scharfer Ton! Ist es der Wind. der pfeift? Ist es eine Stimme, die über die Erde ruft?
Wie aus dem Nichts entstanden sind dunkle Wolken da und eine drückende Schwüle legt sich beklemmend auf Körper und Seele. Als hätte sie eine riesige Hand mit einer einzigen Bewegung herangeschoben, so wachsen die dunklen Wolken drohend aus dem Westen herauf.
Stille. Atemlose Stille für einen kurzen Augenblick..
Dann schreit die Natur auf: Vögel flattern kreischend umher, sie umkreisen ihre Nester, das kleine Getier verkriecht sich.
Jetzt fährt gellend eine Sturmfanfahre durch alles Geäst. Blätter, dürre Äste fliegen in die Höhe, Sand wirbelt auf, Steinchen erfüllen schneidend die Luft
Eilig sucht der Mensch seine Behausung auf. Wohl dem, der ein sicheres Dach zu finden weiß! Denn nun sind alle Elemente freigelassen: es peitschen die Wasser in langen Strähnen die Erde, grell zucken Blitze herab, hier und dort zündend und Schrecken hervorrufend durch das Feuer, dem sie eine Bahn schaffen.
Schlag folgt auf Schlag der Donner kracht, und Donner, Blitz, Sturm und Regen geißeln die Erde, reißen ihr Wunden und schlagen nieder, was sich ihnen in den Weg stellt.
Eben so schnell wie gekommen, sänftigt sich der Aufruhr. Die Sturmesmelodie ebbt ab, fern nur grollt der Donner noch, und abschiednehmend blitzt sekundenlang weißes Leuchten am Horizont auf.
In Tränen gebadet liegt die Erde da, aber es sind Tränen der Freude, der Erlösung und Erquickung nach unerträglicher Schwüle. Staub ist gelöscht, quälende Spannung gelöst, drückende Hitze geschwunden. Rein, frisch und erquickt atmet die Natur auf. Süße Düfte steigen aus Blütenkelchen dankend empor. Die Erde atmet herbe Kraft.
Leise nur noch wehen die Wipfel, und dann setzt wieder der Sang der Kreatur ein: erst nur ein schüchternes Vogelgezwitscher hier und da, bald aber wieder der volle Chor, der dem Schöpfer Dank jauchzt für die neu gespendete Kraft.
Gewaltig schritt sein Fuß über die Erde hin, im Zorne schien er sie zu beugen, aber auch im Zorne gab er!
Zerstörung? Nein! Bäche haben sich ein neues Bett gesucht, Morsches ward entwurzelt, um jungem Leben Raum zu machen, von den Bergen stürzten Lawinen, die unter sich begraben, was dem Tod geweiht war.
Nicht ein Stein rührte sich, der nicht gestoßen ward von dienenden Händen, nicht eine Wolke schüttete ihr Naß an unrechter Stelle aus, kein Blitz zündete, wo er nicht zünden sollte. Diener Gottes waren am Werk, und sie führten seinen heiligen Willen aus!
So wird es sein o Mensch, wenn reinigend Gottes Sturmwind Dir über Deine Seele fahren wird, sie aufrüttelnd, in ihr das Tote vollends zerschlagend, das Morsche brechend und dort zündend, wo das Feuer aus der Höhe zünden soll.
Mit zornigen reinigenden Feuerflammen wird Gottes Gericht über Dich dahinfahren, und Du wirst in die Knie sinken, wirst endlich Dein Haupt beugen vor dem, der wahrhaft groß und mächtig ist, und Dein Herr!
Und wenn Du den Sturmwind überstanden hast, dann werden Tränen des Dankes, Tränen eines ungekannten Glückes aus Deinen Augen strömen und das Letzte wegschwemmen, was sich hemmend zwischen Dich und Deines Gottes Willen aufgetürmt hatte.
Vergiß es nicht: kein Blitz zündet, wo er nicht zünden soll! Keine Sturmflut reißt Dämme nieder, die nicht fallen sollen. Im Untergang keimt neues Leben. Gott der Herr hält es schon bereit in seiner Hand.
Denke daran. Glaube und vertraue im kommenden Sturm!
Der Boden wahrer Freundschaft
Von Luziden Siffrid.
Wieviele Menschen überkommt nicht eine große Bitterkeit, wenn sie das Wort Freundschaft vernehmen? Wieviele harte Erfahrungen, schwere Enttäuschungen, Feindschaften, Schmach und Elend werden nicht auf ihr Konto gebucht? Wieviele edle Seelen sind nicht schon durch sie aufs Empfindlichste verletzt, sogar zerbrochen worden?
Enttäuscht, geschwächt, abgekämpft und verbittert Iehnen diese Menschen alles ab, was mit Freundschaft und Vertrauen in Zusammenhang steht. Entweder ziehen sie sich in ein weltentsagendes Kreisen um sich selbst zurück, oder sie lassen sich von Strömungen mitreißen, in deren betäubendem Strudel sie das große Vergessen suchen.
Und doch tragen diese Menschen den Drang nach wahrer Freundschaft in sich. Gerade in ihrem Zweifel, ihrem Mißtrauen, ihrem Spott oder in ihrer völligen Verneinung liegt der Beweis für die Möglichkeit derselben. Denn im Ablehnen, im Nichts-mehr-davon-wissen-wollen ruht der unstillbare, sehnsüchtige Wunsch, den Zweifel gelöst, das Mißtrauen beseitigt, den Spott entwaffnet und die Verneinung aufgehoben zu wissen.
Da aber die vollständige Änderung in ihrer bisherigen Lebensaufassung allein die grundlegende Bedingung zur Ermöglichung wahrer Freundschaft ist, so folgert sich daraus für die Verneiner die Tatsache, daß es keine Freundschaft mehr geben kann.
Hier liegt die unüberbrückbare Schwierigkeit! Sie liegt in der Kluft, welche die verderblichen Folgen unrichtigen Denkens gerissen haben. Die Zweifler und Verneiner verlangen immer von dem Nebenmenschen, daß er sich ändere, um durch dessen Besserung wieder an Glück und Freundschaft glauben und sich überzeugen lassen zu können. Aber sie denken unrichtig, handeln gegen das Gesetz in der Schöpfung. Denn es kann kein Mensch den anderen Menschen wirklich überzeugen, weil Überzeugung nur durch scharfes, eigenes Abwägen und Prüfen im Erleben erstehen kann.
Nur eigenes Erleben führt zur Überzeugung!
Deshalb verlange der Mensch in erster Linie alles von sich selbst, bevor er von den andern etwas erwartet. Leider ist es oft gerade umgekehrt.
Der in Freundschaft enttäuschte Mensch bleibt bei seiner gewonnenen Überzeugung, deren unbedingte Richtigkeit für ihn gilt, weil letztere die Folge seines frei gefaßten Entschlusses ist. Starr bleibt er also dabei und verlangt vom Nebenmensehen, daß dieser sich bewege! Darin liegt Entwertung!
Wer aber von dem Nebenmenschen nichts, sondern von sich alles verlangt, steht im Schöpfungsgesetz der Liebe, hat Verständnis für den unrichtig Stehenden, weil er den harten Weg der Selbsterkenntnis selbst gegangen ist und deshalb auch die Kämpfe kennt, die ein jeder Sucher der Wahrheit gegen sich selbst auszufechten hat.
Der spiralförmige Weg der .Selbsterkenntnis windet sich vom Erleben zur Überzeugung und von der Überzeugung zum Erleben bis zur steilen Höhe hinauf. Bei jeder gewonnenen Überzeugung besteht die groß Gefahr, in der neuen Ebene verbleibend zu kreisen, wie es bei vielen Menschen zutrifft, die sich im Eigenkreisen von allem abschließen oder Betäubung suchend sich in den Strudel dunkler Strömungen stürzen. Sie bleiben durch ihr Eigenkreisen im Rückstand, weil alles schöpfungsgesetzmäßig natürliche Bewegen des Erdenmenschengeistes nach vorwärts und nach aufwärts strebt.
Der spiralförmige Weg ist vergleichbar mit der spiralförmigen Bahn in einer Grammaphonplatte, auf welcher die schönsten Weisen aufgenommen wurden. Sie kommen zum Erklingen durch die Vermittelung der Nadel, welche sich in der spiralförmigen Bahn gleichmäßig laufend bewegt. Bei dem Menschen kommen die in ihm ruhenden Fähigkeiten zur Betätigung durch das Erwachen des Geistes, was durch Beeindruckungen von außen her erfolgt. Die Rolle der Grammophonnadel übernimmt dann das Schicksal.
So wie die Weisen auf der Grammophonplatte nur erklingen, wenn die Nadel den normal spiralförmigen Weg durchläuft, so kann der Menschengeist seine Fähigkeiten erst dann richtig entfalten, wenn er in der Bewegung der schöpfungsgewollten Bahn kreist. Sonst verbleiben beide dauernd kreisend in der ersten, tieferen Rille des Anlaufes. Beim Grammophon verursacht letzteres Geschehen ein unangenehmes Geräusch, beim Menschen löst es eine ununterbrochene Anklage gegen das Schicksal aus.
Das Bild gibt ungefähr die Gefahren des Stehenbleibens bei einer gewonnenen Überzeugung wieder, wenn wir uns noch vergegenwärtigen, daß bei jedem erreichten neuen Kreis in der Spirale eine tiefere Rille in dieselbe einmündet, ähnlich der Anlaufrille.
Es bedarf dabei eines eigenen starken Entschlusses, um der verlockenden Gelegenheit bequemen Ausruhens nicht nur die Stirne zu bieten, sondern um in dauernder spiralförmiger Bewegung dem weiteren Ziele zuzustreben. Das unangenehme Geräusch ist mit dem unaufhörlichen Verlangen vergleichbar, daß immer nur der andere sich zu ändern und zu bessern hat.
Dieses Eigenkreisen ist es, welches die ganze Menschheit an den Abgrund getrieben hat. Angefangen bei dem Einzelmenschengeist über die Ehe, Familie, Vereine, Gesellschaft, Parteien, Konfessionen, Nationen und Völker bis zu den Weltanschauungen läuft sich vieles in diesem Eigenkreisen des irdisch bleibenden Menschenverstandes tot. Auch das Gute wird dadurch oft mitgerissen.
Nur das richtige ERleben, das Leben im ER, im HERRN, führt von Stufe zu Stufe, von Überzeugung zu Überzeugung und mündet in der vollen Erkenntnis. Wenn nun noch das Erleben im freien Willen geschieht, hat der Mensch das Paradies auf Erden schon. Er lebt in der ER-Kenntnis und damit in wunderbarer Harmonie.
Beispiele zu dem hier Gesagten liefert das tägliche Leben in Hülle und Fülle. Nicht nur daß der betrogene Freund über den Ungetreuen herfällt, nicht nur daß eine Partei die andere unerbittlich bekämpft, es scheuen sich selbst Glaubensbewegungen nicht, in Unduldsamkeit und Haß sich zu befehden.
Diese Tatsache zeigt, daß die Menschen den schöpfungsgewollten Weg zum Licht nicht aus freiem Willen heraus, nicht in jubelndem Dank im Herzen zu gehen fähig sind, den sie doch gehen müssen, wenn sie sich nicht verlieren wollten in der Finsternis, und deshalb legen wechselwirkend in der Betätiging des Sinnes der Worte: „Was der Mensch säet, muß er ernten“ die weisen und gerechten Schöpfungsgesetze im sogenannten Schicksal hartes Erleben auf jedem aus Eigenwillen heraus erwählten Weg. Es zwingt in größter Verzweiflung zu horchen der Stimme, die in jeglichem Ereignis des Tages mit eindringlicher Klarheit zu einem jeden spricht, ihm den Weg zum Lichte weist..
Doch wir achten dieser Stimme nicht, die uns zu höherer Erkenntnis göttlicher Naturgesetze weisen will. Wir verirren uns infolgedessen von neuem in dem Gestrüpp selbtsüchtiger, beschränkter Lebeusauffassungen irdischen Verstandesdünkels.
Nur das überzeugte Wissen der wirkenden Gesetze in der Schöpfung gibt den reinen Boden, auf welchem fruchttragend wahre Freundschaft gedeihen kann.
Ohne Umweg kann ein jeder dann den Weg zur Wahrheit beschreiten, wann und wo er will! Sucht er ehrlich nach ihr und lebt er in derem Lichte, so braucht er aber keine Freunde mehr, weil er selbst in der Wahrheit steht. Er strahlt Liebe aus und gibt sich darin selbst. Dieses Selbst-geben ist nichts anderes als ein Selbst-von-sich-loskommen, Sich-selbst-los-sein, ist also Selbstlossein.
Dieses Kostbarste des Menschen betrifft nicht den Körper, sondern nur den Geist, und ist das wahre Leben, das alles durchglüht, belebt!
Viel leichter ist es, sein irdisch Blut für eine Sache einzusetzen! Der Mensch kann aus Überzeugung zum Fanatiker werden. Nicht selten geht er sogar als letzte Folgerung seiner Überzeugung in den Tod. Er braucht sich dabei nicht von Fehlern und Schwächen freizumachen. Er tritt, so wie er ist , für eine Sache ein. Er fühlt sich, sowie er ist, eins mit ihr. Das aber ist etwas ganz anderes als wirklich selbstlos zu sein. Selbstlos zu sein setzt unbedingte Reinheit der Gedanken voraus, wahre Demut des Herzens, vollständige Überzeugung in die Gerechtigkeit des allweisen Schöpfers, alles Dinge, die zu erwerben größte Regsamkeit des Geistes sowie harte Selbstüberwindung fordern.
Das aber ganz allein bringt wahres Glück!
Alle anderen Wege sind Umwege, sind harte Wege, von denen wir in größtem Mühen die Hindernisse erst selbst wegräumen müssen, die wir leichtsinnig und frefelnd in der Verkennung der lebendigen Gottgesetze darauf häuften.
Und diejenigen, die ermattet, jammernd, sich selbst bedauernd liegen bleiben auf dem Wege, verschließen sich jeder Hilfe von oben. Sie versperren sich jeder Möglichkeit einer Rettung, weil sie durch ihr Beharren in den Folgen des Schicksalsschlages nur an sich selbst denken, über sich selbst grübeln und dadurch nicht mehr selbstlos werden können.
Hat aber der Mensch durch die Erkenntnis der Gottgesetze in der Schöpfung in sich den rechten Boden geschaffen, so kann er nicht nur wahre Freundschaft darauf erstehen lassen, sondern er wird selbst zum brauchbaren Stein im Aufbau der ganzen Schöpfung. Er erfüllt dadurch seine Bestimmung, die in der Gnade des Seindürfens liegt.
Alles, was aus der Hand des Schöpfers hervorging, wird ihm dann Freund. Er steht bewußt mit wachem Geist im Wunderwerke Gottes!
Die so geläuterte Menschheit gleicht dann einem riesigen Strahlenbündel, welches emporlodernd zu Gottes Füßen in Jubel und Danke flammt, und welches wechselwirkend jedem EinzelstrahIe Kraft, Hilfe und Erkenntnis aus dem Lichtquell spendet.
Da alle Strahlen nach dem hohen Ziele streben, nur noch reine Gedanken ins All zu senden, hat niemand mehr Zeit noch Grund, sich wie bisher mit seinem Nachbarn zu beschäftigen. Auch er bildet einen dem Lichte zu gerichteten, allen gleichlaufenden Strahl im gesamten Strahlenbündel. Jeder ist mit der Arbeit an der eigenen Entwickelung voll in Anspruch genommen und gerade darin liegt für den Nächsten die große Liebe und folglich auch die wahre Freundschaft.
Jeder gibt sich, jeder strahlt das liebende Leben aus und spornt dadurch schwächere Seelen an, es ihm gleich zu tun. Und wenn alle Menschengeister in diesem Strahlenbündel nur dem einen gemeinsamen Punkte, der Wahrheit in Gott, zustreben, müssen sie auch wahre Freunde sein. Sie brauchen dann keinen schmerzenden Umweg mehr in seitlicher Richtung über das Vertrauen in die Mitmenschen zu gehen.
Kann es denn etwas Schöneres, kann es etwas Beglückenderes geben als das Wissen, daß wir alle in uns den Schlüssel tragen, der uns das Reich des Friedens, ewiger Freundschaft und Glückseligkeit erschließt? Daß jeder Einzelne ihn verwenden darf, ja ihn verwenden soll?
Wenn wir aus dem Soll das Will erstehen lassen, um nicht durch Schläge entweder zum Muß gezwungen oder vernichtet werden zu müssen, so stehen wir im Willen Gottes, der uns die Wunder seiner Schöpfung im Empfangen erleben läßt.
Wir dürfen, können und wollen uns endlich auf uns selbst verlassen, unabhängig vom Nebenmenschen. Und der größte Triumph des Menschen über sich selbst liegt dabei im Verwirklichen des Satzes:
„Ich will rein werden!“
Die Hilfe setzt schon bei diesem Gedanken ein. Er selbst bringt schon die erste Hilfe mit sich!
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Des Menschen heiligster Beruf.
Von Ernst Laute.
Des Menschengeistes innerstes Sehnen und Streben soll und muß es sein, über dem vergänglichen Leben in der Welt ein ewiges Leben in Gott zu erlangen.
Unter der vergänglichen Welt haben wir durch die Erklärungen Abd-ru-shins das Stoffliche-Entwickelte zu verstehen gelernt; ein ewiges Leben aber sollen und wollen wir führen in dem geschaffenen Gottesreiche, dem Paradiese, das geistig ist.
Bewußt wieder dahin zu gelangen, wo ja auch unbewußt er ausgegangen, ist allein der Zweck des Daseins eines Menschen, dem muß er alles unterordnen, darnach alles einrichten. Das ist des Menschengeistes Beruf und zwar nicht nur auf Erden, sondern während seiner ganzen Wanderung durch die Schöpfung; sein heiligster Beruf ist es, ihm zuerst muß er sich verpflichten, um zur Ewigkeit zu kommen, für die er ausersehen.
Leicht und bequem wäre dieser Lauf, spielend würde er sich vollziehen, Blumen würden auf den Wegen grüßen, froh ließe sich darauf schreiten und in kurzer Zeit am Ziele sein, dem einzigen und höchsten, wenn nicht Luzifers Saat das Besserwissenwollen erzeugt hätte, auf Nebenwegen lockend seine Früchte böte, damit umgarnt, von der Bestimmung abirren und so den Geist für die vorgesehene Aufgabe und den eigentlichen Zweck sich verlieren läßt.
Nie wird dann die Krone des Lebens davongetragen werden können, nie Harmonie und Glück erstehen und von einem Geborensein zur Ewigkeit kann keine Rede sein.
Aber so ist das Bild; am Abgrund steht der Mensch, auf den er seit langen Zeiten, aller Warnungen und aller ihm gebotenen Hilfen nicht achtend, träge und stupid zusteuert.
Zwar bricht ein schwaches Ahnen von dem nunmehr rasenden Abwärtsgleiten und der Unmöglichkeit eines Einhaltens auf diesen abschüssigen Bahnen, heute hin und wieder bei einem Teil der Menschheit durch. Doch zum Erwachen kommt sie nicht und vor dem Absturz, der schon dem endgültigen Verlorensein gleichkommt, wird ihre bange, vielleicht noch anmaßende oder gar ironische Frage sein: Wo waren denn die Hilfen oder wo sind sie, wie sind wir denn gewarnt worden? -
Führen wir uns unter Vergegenwärtigung des Vorgesagten nun einmal vor Augen die Stelle aus der Bergpredigt:
„Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird Euch solches alles zufallen.“
Das sind Worte unerschöpflichen Inhaltes, wahr, ewig unveränderlich wie die Wahrheit selbst, klar und doch unbeachtet, unbefolgt. Es liegt darin alles, was der Mensch braucht, um sein Leben zu gestalten, es wertvoll, lebenswert zu machen. Aber er muß suchen, um den Wert zu finden, zu erkennen, sich zu eigen zu machen, ihn zu verwenden.
Dazu ist unerläßIiche Notwendigkeit, einzudringen in den Sinn, ihn zu ergründen, denn es ist uns wohl selbstverständlich, daß Jesus, ein Gottessohn, nichts sagt, dem nicht ein Kern, dem nicht etwas Treibendes zu Grunde läge, ,vorüber nicht mit allem Ernste nachzudenken wäre. Gehe ich aber allen Ernstes daran, Verständnis gewinnen zu wollen, dann muß ich mich als erstes fragen: was heißt hier trachten, was ist das Reich Gottes -und was ist die Gerechtigkeit Gottes - um erst dann, wenn ich mir das klar gemacht habe oder besser, wenn mir das durch in rechter Weise erfolgtes Nachdenken klar geworden ist - um erst dann die Antwort zu erhalten, wieso mir solches alles zufallen wird.
Nichts aber ohne eigene Betätigung, ohne eigenes Wollen, nichts ohne Lebendigmachung. Das sei, wie bei allem, das zur Entfaltung kommen will, auch hier von vornherein beachtet.
Mit Trachten ist hier nicht das willensstarke, gewaltsame Streben gemeint, das irdischen Unternehmungen vorausgeht und vorausgesetzt wird, sondern „Trachten“ heißt hier empfindungsmäßig suchen, heißt sehnen! Sehnen aber ist Sehnsucht, und Sehnsucht etwas, das im Inneren des Menschen, in seinem Verborgensten sich entwickelt, ihm entspringt.
Trachten nach dem Reiche Gottes ist demnach - zunächst wenigstens - ein innerer Vorgang, einzelper-sönlich, der nach außen hin ebensowenig in einem Zusammenschluß als in irgendwelchen Übungen oder Gesten und Gebärden in die Erscheinung zu treten braucht.
Eine Verbindung zu Gemeinschaften und ebenso deren sinngemäße Gebräuche können nützlich und dienlich, fördernd sein, bleiben aber immer nur Mittel zum Zweck, sind nebenherlaufend, aber niemals ausschlaggebend und in erster Linie nötig. EinzelpersönIich müssen solche Worte durchdacht und daraus sich ergebend durchlebt werden, wenn sie wirksam, nutz- und segenbringend werden sollen.
Fördernd können eine Gemeinschaft und ihre Gebräuche nur dann sein, wenn ihre Führer Lehrer mit wirklichem Wissen sind und in solchen Fällen nicht nur der Führer der Worte Inhalt lebt und weitergibt, sondern wenn auch die Mitglieder eifrigst bestrebt sind, ihn innerlich lebendig zu gestalten, wenn sich nicht im stumpfen „Nurhinnehmen“ glauben, damit genug getan zu haben.
Nichts ohne eigene Betätigung, ohne eigenes Wollen, nichts ohne Lebendigmachung, denn nur was lebt kann zur Blüte kommen, reifen und Früchte tragen!
Im weitesten Sinne ist das Reich Gottes Alles, außer Gott selbst; im engeren Sinne aber ist es das, was Gott als erstes schuf und worin er für alles was sich weiter entwickeln sollte die Grundlagen, die Keime legte und die Gesetze, die eine Entwicklung ermöglichten und nach festliegenden Normen sich vollziehen ließ.
Dieses so im engeren Sinne aufgefaßte Reich ist das eigentliche Reich Gottes, das Paradies. Weil dieses Reich Gottes geschaffen und nicht wie alles später Erstandene entwickelt ist, weil alles darin in ursprünglicher Form bestehen bleibt, sich nichts verändert, nichts abschwächt, wie es Entwickelung mit sich bringt, weil es Gott viel näher liegt, darum herrscht in diesem Reiche Unvergänglichkeit, darum ist es ewig.
Trachtet nach dem Reiche Gottes heißt ebensoviel wie: Tragt Sehnsucht in Euch nach Vervollkommnung, nach der Ewigkeit, nach dem Licht, das in unsagbarer Fülle in das Reich Gottes einströmt, darin pulsiert und formt, erhält und allem Nacherstandenen Lebenskraft und Lebensmöglichkeit in blühender Schönheit und Harmonie gibt, wenn es Verbindung damit erhält, aus diesem Quell zu schöpfen, nicht erlahmt und diesen Segensstrom in von Gott gewollter Weise verwendet.
Verbindung mit dieser Kraft zu haben, das ist auch die vom Schöpfer gewollte Bestimmung des Menschengeistes, des Geistes, der das eigentliche Leben des Menschen ist, das diesem engeren Reiche Gottes entstammt, das die Heimat, die Urheimat des Menschen ist.
Wie ein Mensch hier im irdischen Verlangen in sich trägt und gern einmal zurückkehren möchte nach dem Orte oder der Gegend, wo er geboren wurde, wo er aufwuchs, oder nach den Menschen, die ihn dort pflegten oder großzogen, nach den Verhältnissen, die ihn seine Jugend freudig und froh oder auch leidvoll gestalteten, wie solches Verlangen während des ganzen Erdenlebens nicht verschwindet, immer bei dieser und jener Gelegenheit sich wieder vordrängt auch wenn die Entfernungen nach Erdbegriffen weit, sehr weit sind und wenn viele Jahre dazwischen liegen, so ist das eine abgeschwächte Form solchen Verlangens, wie es immer im Menschen von Anfang seines Seins, das heißt vom Erwachen seines Bewußtseins an vorhanden sein sollte nach der Urheimat, dem Paradiese, und solches Verlangen muß zur Sehnsucht sich steigern im Drange nach Vervollkommnung!
Doch wieder sei gesagt, nichts ohne eigene Betätigung, ohne das eigene Wollen, nichts ohne Lebendigmachung!
„Könnt ich doch ausgefüllt einmal
Von Dir, o Ew'ger, werden!
Ach, diese lange, tiefe Qual,
Wie dauert sie auf Erden!“
So hat Goethe gerufen und zeigt damit, wie sein Inneres angefüllt ist mit Sehnen nach ,dem Unendlichen, wie es mit den reinen Strömungen der Urheimat, des Paradieses Verbindung sucht, die ihm dann rückwirkend die Kraft zuführte zu seinem großen Schaffen, die seine unsterblichen Werke hervorbrachte, welche nur deshalb unsterblich und unvergänglich sind, weil sie aus ewiger, reiner Kraft sich formten. So und nicht anders kann hier auf Erden wahre Kunst erstehen, sei es nun Dichtkunst, Musik, Malerei oder anderes.
Die innere Belebung die die Sehnsucht entfacht, steigert und wirksam werden läßt, indem sie Verbindung mit reiner Kraft nimmt und in dieser Verbindung Zufuhr und Stärkung erhält, muß vom eigenen Geste ausgehen, der ja dem Reiche Gottes, dem Paradiese entstammt und in seiner ursprünglichen Form dasselbe reine Leben besitzt, welches das geistige Reich belebt, und Keime in sich trägt, denen nur reine und edle Fähigkeiten entsprießen, wenn diese Kraftquelle immer unbehindert sich ergießen kann. Das ist aber nur möglich, wenn der Geist beweglich ist, wenn er den Menschen belebt, begeistert, wenn Begeisterung den Menschen entflammt für nur Schönes, Gutes, Edles und auflodert zur Höhe um sich zu verbinden, in der Verbindung wieder zu empfangen, damit zurückflutet um neu zu stärken und diesen Kreislauf sich immer wiederholen läßt. Das ist die notwendige eigene Betätigung, das eigene Wollen, das Lebendigmachen.
Ebenso wie die Werke wahrer Kunst nur aus reiner Kraft erstehen, durch reines Denken und Handeln herangezogen werden, so müssen alle Werke, die fürs Erdenleben erforderlich und alle Bedürfnisse, ob groß oder klein, was es auch sei - gleichen reinen Ursprungs sein und die Grundzüge in sich tragen, die der Schöpfer in sein Reich, in das Geistige Reich, das Paradies legte und damit Wege und Richtung wies.
Das sind seine ehernen und unverrückbaren Gesetze, die aber nicht straflos umgangen oder falsch angewendet werden können; sie müssen beachtet werden, bei jedem Wort, auch wenn es bedeutungslos erscheint, bei jeder Tat, auch der winzigsten, in jedem Beruf, in jeder Lebenslage und was sich da noch aufführen ließe.
Das alles aber liegt im Gotteswillen, das ist der Gotteswille und der Wille Gottes ist seine Gerechtigkeit!
Jetzt sind wir dem Begriff der Worte: „Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit“ schon näher gekommen. Kein weiter Schritt ist es dann mehr zu erfassen, daß uns auch die Beschaffung der irdischen Bedürfnisse für Geist, Seele und Körper, ob es sich nun um geistige oder körperliche Nahrung, um Bekleidung oder sonstige Hilfsmittel handelt, nicht schwer fallen wird, wenn wir wissen und uns vergegenwärtigen, daß im Reiche Gottes, dem ersten geschaffenen Teil der Schöpfung, alles vorbildlich auch für die Erdenmenschen vorhanden und es deren gesetzmäßige Pflicht ist, diese dort herrschende Vorbildlichkeit ebenso gesetzmäßig in irdische Verhältnisse zu übertragen. Es kann dann nur Harmonie auf Erden sein, deren Grundzug „Dienen“ ist. Dienen eins dem anderen, der Eine dem Anderen und alles in allem: Dienen dem Ersten und Letzten
- Gott!
Solches Dienen kennt keinen Neid, keinen Haß, weder Egoismus noch Dünkel, weder Gunst noch Mißgunst. Solches Dienen läßt den noch weniger geistig Entwickelten aufblicken zu dem schon Höherstehenden, will von ihm empfangen, der Höherstehende aber wird durch seine entwickelten Fähigkeiten hebend auf den anderen wirken, will ihm geben. Dieser Vorgang wirkt fördernd auf beide und führt in seiner Wechselwirkung immer mehr irdische Vervollkommnung herbei.
Das Trachten nach dem Reiche Gottes, das seine Gesetzmäßigkeit gewahr werden läßt, hat natürlich auch zur folge alle die irdischen Hilfen, die den Menschen dienen sollen, erkennen zu lassen, zu veredeln und zu nützen um dann in ihrer Fülle zur Verwendung sich darzubieten und uns damit alles zufallen lassen.
Nichts aber ohne eigene Betätigung, ohne eigenes Wollen, und hier muß sich das eigene Wollen der jetzigen Erdenmenschen zuerst in innerlicher Veränderung zeigen, die Verlangen trägt, die Werte solcher Christusworte zu ergründen, in einer Veränderung zeigen, die den Ursprung, den Werdegang und den Zweck des Menschen wissen will, welche Umstellung schließlich die Erkenntnis herbeiführt: wirmüssen neue Menschen werden, womit dann viel gewonnen und auch die Antwort schon gegeben ist, warum die Menschen den Wert solcher Christusworte nicht erkannten und nicht beachteten, trotz fast zweitausendjährigen Vorhandenseins.
Weil den Menschen die Sehnsucht nach Vervollkommnung fehlt, infolgedessen die bei der Erdenzeit Christi noch einzeln schwach bestehende Verbindung mit dem Reiche Gottes immer mehr gelöst und schließlich ganz abgeschnitten wurde, sich bei dieser völligen Haltlosigkeit auf Erden nichts formen und nachbilden kann, auch selbst Menschen nicht, wie solche in Vorbildern im Reiche Gottes vorhanden sind.
Weil diese Verbindung und somit Erkenntnis fehlte und fehlt, arbeitet der Mensch auf eigene Faust, nur nach seinem Willen, unter Ausschaltung des Gotteswillens, also gegen Gesetze und Gerechtigkeit, nur ein irdisches Ziel vor Augen habend, nur mit dem Verstande. Mehr braucht darüber nicht gesagt zu sein; sichtbar und fühlbar steht es vor uns.
Denjenigen Wenigen gegenüber, denen die Vorzeichen des nahenden Zusammenbruchs in letzter Stunde doch noch das Erwachen bringt, wollen wir uns, ihnen vertrauend, öffnen und sie freudig zu der Quelle unseres Wissens führen, die uns so vieles unschätzbares gab.
„Erde.“
Von Hermann Wenig.
So steht zu lesen im Buche Mosis nach der Übersetzung von Luther im 1. Kapitel Vers 28:
Und Gott segnete sie und sagte zu ihnen: „Seid fruchtbar und mehret Euch, und füllet die Erde und macht sie Euch untertan.“
Der nun dies liest wird es tun mit einem stolzen Gefühl, ja, und wie herrlich hat sich dieses erfüllt an uns Menschen. Nicht alles, was da steht in dem Buche der Weisheit und Offenbarung, hat so Wort gehalten, als gerade das; es ist wirklich so: es hat der Mensch die Erde erfüllt mit seinesgleichen und keine noch so kleine, brauchbare Ecke dieses ihm überantworteten Planeten ist unbenutzt geblieben.
Alles auf Erden ist dem Menschen untertan und gehorcht ihm. Die wenigen Kleinigkeiten, die übrig geblieben sind, die ihm noch nicht restlos gehorchen wollen, zählen kaum mehr. Das Pflanzenreich ist erforscht und ausgenützt, das Tierreich nicht minder; alles zähmte sich der Mensch und machte es sich nutzbar. Das sich nicht wollte zähmen lassen, das rottete er unnachsichtlich aus; es blieben kaum nennenswerte Reste davon übrig, die er jetzt aus einem Gefühl von Anstand heraus und der Kuriosität halber zu schonen gedenkt -- ja, sogar teilweise zu züchten.
Mineralreich muß ihm, dem Herrn der Schöpfung, alles geben, was er brauchen kann. Was ihm nützlich werden könnte, erforscht er und beutet es aus. Auch wenn es die Erde bergen wollte in ihrem tiefsten Schoße und festhalten mit tausend Listen und Ränken - sie kommt gegen den Menschen nicht auf. Er entreißt ihr dennoch.
Was sie vor Jahrmillionen in ihre Tiefen gezogen, muß sie preisgeben und fahren lassen; ob sie es auch tun möge mit Widerwillen und Getöse, was macht es aus? Sie muß es geben, ja, noch mehr als dies: der Menschen„geist“, sein Verstand, der alles durchdringt und jedes Rätsel löst, entreißt ihr die tiefsten Geheimnisse, sorgfältig gehütet im allerkleinsten und durch Kleinheit und Unsichtbarkeit raffiniert geschützt vor den Augen des Menschen. Ihre Werkstattgeheimnisse muß sie preisgeben, ob sie will oder nicht und der Mensch macht es ihr nach, erzeugt, was und wie er es will und auf vielen Gebieten ist er ihr sogar überlegen geworden.
Ist sein synthetischer Gummi zum Beispiel nicht bedeutend haltbarer, als der, den die Erde selber erzeugt? Er mischt und mengt die Baustoffe, mit denen die „Erde“ gearbeitet, er findet alles was ihm Nutzen bringen soll und was ihm nötig erscheint. Er beherrscht die Luft bis in Höhen, die ihm notwendig erscheinen, daß er sie beherrsche; der Ozean, die finsteren Tiefen, die sie mit Wassermassen zugedeckt, wird ihm, dem Menschen, geben müssen - und gibt ihm, was er haben will, die Luft selbst, dieses flüchtigste, ihre Gase, zieht er auf Flaschen, bewahrt sie auf und verwendet sie nach seinem Willen.
Gebunden liegt der einst so gewaltige Koloß, klein und unscheinbar zu des Menschen erhabenen Füßen. Ihre Größe schwand dahin, wie Wachs in der Sonne; seine Maschinen umbrausen sie, nicht in Sturmeseile, sondern mit einer Schnelligkeit, hinter der alle Stürme zurückbleiben.
Nichts vermag ihn zu hemmen, noch zu hindern, - was sie auch in ohnmächtigem Trotz aufwenden mag, sich zu bergen und zu retten vor ihrem Herrscher - es ist alles vergebens. Selbst dorthin, wo sie sich umpanzert mit Eis, setzt er seinen Fuß und pflanzt seine siegreichen Banner auf, sein Eigentumsrecht, das ihm der Herr verliehen hat, geltend zu machen.
Nichts vermag sie ihm vorenthalten, was sein ist. Alle ihre Kräfte, auch die gewaltigsten, macht er sich untertan, ihre Blitze müssen ihm dienen ohne Unterlaß, ihre Nacht macht er zum Tage, und auch sie wird ihm, die einst Unermeßliche, zu klein.
Die einst so Geheimnisvolle hat keine Geheimnisse mehr für ihn, die eins so unermeßlich Reiche hat kaum mehr etwas, das sie ihm bieten könnte, so viel er auch forscht und sucht und wühlt, es zeigt sich, daß es nichts Neues mehr für ihn zu entdecken gibt! Arm scheint sie ihm und klein und er sinnt, wie er es vermöchte, über sie hinaus zu gelangen, ihr, die ihm zu arm zu klein und zu eng geworden ist, zu zeigen, daß er sie nicht brauche, daß er auch ohne sie zu leben vermöchte - wo anders, wenn es ihr vielleicht gar einfallen sollte, ihn nicht mehr nähren und kleiden zu können.
Schon denkt er daran, auf Raumschiffen ihr zu enteilen, mit Projektil-Geschwindigkeit andere Weltenkörper aufzusuchen und sie, wie die Erde, die ihm zu eng und zu klein geworden, seinem Willen zu unterwerfen, für seine Zwecke, für sein Leben auszunutzen.
Ja, der alte Herr über den Wolken, wie ihn sich die Menschen so gerne vorstellen, wenn sie sich überhaupt die Mühe nehmen, sich eine Vorstellung zu machen, wird mehr als zufrieden sein können! Sein Wort ist getreulich erfüllt; der Mensch hat sich offensichtlich die größte Mühe gegeben, es wahr zu machen: er hat sich vermehrt, er hat sich die Erde und alles, was auf ihr sich findet, untertan gemacht - ja mehr als dies!
Gott hat den Menschen sichtlich sehr unterschätzt; er hat doch mehr Kraft entwickelt, als man ihm zugetraut hätte, und nun denkt er, dieser verkannte Mensch, dieses Kräftegenie, sogar daran, sich der Erde zu entwinden, seine Macht darüber hinaus zu erstrecken - wenn es auch vorläufig nur interessante Spielereien sind, diese Ideen - er wird es sicher erreichen, denn was er sich einmal vorgenommen hat, das schafft er auch, das hat er tausendfach bewiesen. Weshalb sollte es ihm, diesem Riesen der Schöpfung, nicht gelingen?
So und ähnlich dürften wohl die Gedanken eines Lesers sein, wenn er in dem Buche der Bücher die an den Eingang gesetzten Worte des Buches Mosis zu Gesicht bekommt; es fehlt wirklich nichts an der Erfüllung dieses Gotteswortes. Oder doch? Ist es doch nicht so, wie es auf den ersten Blick aussieht? hat sich der Mensch doch nicht die Erde unterworfen und sich dienstbar gemacht? Schleicht sich nicht doch ein leiser Zweifel mit ein, daß es doch nicht so sein könnte?
Aber woran mag es da fehlen? Es ist doch kaum etwas übrig geblieben, das der Mensch von allen Gütern der Erde nicht zu seinem Nutzen und Vorteil auszubeuten und zu verwenden verstünde? Woher also etwa ein berechtigter Zweifel kommen könnte, ist nicht recht einzusehen, und dennoch wird sich bei vielen dieser Zweifel, kaum recht bewußt aber doch vorhanden, bemerkbar machen.
Und in der Tat dieser Zweifel ist nur allzu berechtigt, wie wir im Verlaufe genauer Überlegungen sehen werden. Es fehlt ganz gewiß nichts auf der Tafel des Menschen, was noch irgend wie für ihn genießbar wäre, es fehlt nichts von allen Dingen, die diese Erde hervorbringt, in seinem Verzeichnis der nützlichen Dinge - er hat gewiß fast alles, das möglich war, verbessert, brauchbarer sich gestaltet und kann hochbefriedigt auf sein Wirken auf Erden in dieser Art zurückblicken - und dennoch es stimmt nicht!
Die Erde ist dem Menschen zu klein geworden. es gibt nichts mehr auf ihr zu entdecken. Die Karten und Atlanten weisen kaum noch weiße Flecken auf. Wohl ist hier und dort noch etwas nachzuholen, zu verbessern, aber die große Arbeit ist getan und es muß der Mensch wohl seinen Geist auf neue Ziele lenken, sich nach einem lohnenden Feld für seine allumfassende Intelligenz umsehen, aber dennoch stimmt es nicht!
Eng ist diese Erde geworden für ihn, klein und arm, es lohnt sich kaum noch auf ihr zu leben. Er kann sich nicht mehr regen auf ihr. Überall sind seinem Tätigkeitsdrange Grenzen gesetzt, Mauern aufgerichtet, überall stößt er sich, alles ist zu klein, er sieht sich eingeengt seiner Freiheit beraubt. Keine Geheimnisse sind mehr aufzuklären, alles liegt so trostlos nüchtern vor seinen Augen, und aus der Perspektive seiner Flugzeuge gesehen schrumpft alles in ein Nichts zusammen.
Wenn sich nun das Vorahnen seiner Techniker verwirklicht haben wird, daß er, der Erde Herr, den ganzen Ball in zwei, drei Tagen, vielleicht auch in einem zu umkreisen fähig ist, wenn er etwa in New-York zum Frühstück aufsteigt und Mittags schon in Bombay seine Geschäfte erledigt, was bleibt dann noch zu tun? Und wenn - oder sollte dies einem Zweifel unterliegen? - die jetzt so verworrenen Zustände in den menschlichen Einrichtungen, in seinem staatlichen und individuellen Leben wieder geordnet sein werden - so wird es wirklich schwer sein, für den immer mehr nach Vervollkommnung strebenden Menschengeist noch eine lohnende Beschäftigung auf dieser kleinen Erde zu finden.
Ja, wirklich, die Erde ist restlos unterworfen - aber dennoch etwas stimmt nicht!
Es ist eine sonderbare Art um dieses Suchen des Menschen, sich die Erde untertan zu machen. Fast möchte es scheinen, daß alle Anstrengungen verfehlt sind: woher diese krankhaften, fieberhaften Anstrengungen, wo doch im Verhältnis zu dem bereits Geschaffenen so wenig mehr zu tun bleibt, selbst wenn man annimmt, alle Schnelligkeiten noch vervielfacht werden, selbst wenn man annimmt, daß Maschinen gebaut werden können, die ganze Berge abzutragen imstande' sein werden. Wird es dann anders sein? Wird dann die Herrschaft aber die Erde größer sein, vollkommener? Was wird dann anders sein?
Wird der Mensch, wenn er es fertig bringt über den Bannkreis der Erde hinauszugelangen, mit Expiosivkräften in den „Raum“ vorzustoßen und schließlich auf anderen Weltenkörpern zu landen, dann wirklich über die Erde hinausgelangt sein? Wird er sich dann freier fühlen, mehr als Herr? Wird dann sein Streben nach Befreiung zur Ruhe kommen, dieses Streben nach Herrschaft das dazu geführt hat daß er sich die Erde nicht untertan machte, nicht nur dienstbar machte, sondern daß er sie ausraubte, tyrannisiert!
Und die Erde?
Diese Empfindung ist es, die denjenigen beschleicht, der mit offenen Sinnen diese Biebelworte: liest: machet die Erde: Euch untertan!
So hat die Menschheit das Gotteswort erfüllt, daß er die Erde ausraubte, das er sie, die ihm Heimstatt werden sollte nach des Erhabenen Willen für die Zeit seiner Erdenwanderung, so weit er es vermochte, zugrunde richtete, ausraubte. Wohnlich sollte er sie sich gestalten zur Heimat - aber zum Jammertal ward sie ihm!
Klein bedrückt eingeengt empfindet er sich und all sein Streben nach immerwährend Neuem in der technischen Gestaltung seines Lebens, sein wie gepeitschtes Suchen nach immer weiterer Überwindung von Raum und Zeit, nach immer schnelleren Maschinen, nach immer gewaltigeren Treibmitteln, nach immer raffinierterem Genuß, nach immer weiterer Bequemlichkeit seines Lebens auf Erden sind nichts als unablässige Befreiungsversuche aus einer drückenden Enge, aus einem Gefängnis, das ihn von allen Seiten umgibt mit Gitterstäben.
Die Erde, die er sich untertan machen sollte, die er ausraubte und ausraubt, versklavt und erniedrigt, verhöhnt und beschmutzt, ist ihm zum Kerker geworden!
Niemand wird, trotz aller Beschönigungsversuche, diese Tatsache zu leugnen vermögen: zum Kerker ward dem Menschen die Erde, zum unentrinnbaren Gefängnis. Nicht der Mensch hat sich die Erde untertan gemacht sondern die Erde sich ihn! Sie hält ihn fest mit tausend Klammern, engt ihn ein von allen Seiten, fängt an, ihn zu zermalmen!
Dies ist. die uneingestandene Tatsache, vor der der Mensch heute steht, dies sind die Worte für die Empfindung, die einem jeden kommen muß, wenn er die Worte liest: „Machet die Erde Euch untertan!“
Der Mensch hat versucht die Erde zu versklaven, und die Erde hat ihn versklavt - in einen Kerker gesetzt, aus dem ihn nichts, nicht einmal der Tod, zu befreien imstande ist.
Dieses Gefühl diese Empfindung der .Unfreiheit, des Gefangenseins ist es, das den Menschen hetzt, ihn unablässig antreibt zu Befreiungsversuchen. Rund um die Erde, die ihm zu eng, zu klein geworden ist, rast er und versucht unablässig, Raum und Zeit, die Erde zu überwinden.
Sie aber sieht ihm, ihren Tyrannen, hohnlachend zu:
„Nur weiter, Du entrinnst mir nicht. Ich halte Dich, der mich entehrt, und werde Dich vernichten!“
Dies ist es, das den Menschen unablässig umtreibt, zu wahrhaft grotesk verzweifelten Anstrengungen veranlaßt. Er schuf sich einen Kerker aus der Erde. Er wird es mit Schrecken gewahr, daß sie ein Gefängnis für ihn geworden ist und will nun heraus. Was er aber auch tun möge, die Gitter geben nicht nach, unerbittlich stehen sie vor ihm, hinauf und hinab, wohin er sich wendet, Mauern umgeben ihn!
Zu tiefst im Innern trägt er dieses Sehnen nach Freiheit, nach Erlösung, und alles, was er beginnt, was er sinnt - es entspringt diesem einen Urgrund: Freiheit, Erlösung!
Mauern und Gitter umgeben ihn; verzweifelt rüttelt er an ihnen. Wird er, der Mensch sie zu sprengen vermögen? Wird sich ihm, dem „Titanen“, der alles will, der sich alles vermißt, das Tor zur Freiheit öffnen? Wie wird es sein, wenn er in Stunden nur jeden Punkt der Erde zu erreichen vermag?
Wie würde es sein, wenn er über dem äußersten Luftkreis der Erde hinaus zu gelangen vermöchte, wenn er die starre Wüste des Mondes betreten könnte, wenn er irgend einen anderen, oder auch andere Planeten erreichte und fände sie leer und öde - oder auch voll Volk mit alle dem behaftet, an dem er selbst, der Erdenmensch, leidet, erkrankt und zugrundegeht? Oder er fände Glück und Zufriedenheit und vermöchte doch nichts anderes zuletzt, als Krieg, Raub, Mord, Korruption und Lüge dorthin zu tragen?
Nichts würde sich ändern! Der Kerker öffnet sich nicht, je mehr er, der Mensch, die Entfernungen zu sich heranzieht, je schneller die Räder laufen, je größer die Kräfte sind, die ihm dienen sollen, desto kleiner und enger, desto grausamer wird sein Gefängnis werden, das er aus der Erde sich schuf!
Erlösung , Befreiung, schreit alles in ihm! Niemals verläßt ihn dieses Gefühl, nie kann er stille stehen, rastlos muß er nach Erlösung und Befreiung ringen und er weiß doch, so viel er sich auch strebt zu betrügen und zu betäuben, daß alles vergebens ist, daß doch nur der Tod sein Los ist.
Es läßt sich nicht leugnen: dies ist der alleinige Grund allen menschlichen Tuns und Strebens auf Erden: sich zu befreien von der Last der Erde!
Nach Freiheit und Leichtigkeit strebt er. Die Schwingen will er regen, er will hinan und hinaus! Darum steigt er auf die höchsten Zinnen, darum will er Berge bezwingen auf ungangbaren Wegen, darum will er zum Ende des Luftkreises, der die Erde umgibt, darum will er darüber hinaus als höchsten Menschheitstraum, darum wühlt er sich in die Erde: um Erlösung von der Erde zu finden! Darum hat er das Todeskreuz aufgerichtet auf dem Berge, den er GoIgatha nannte, das Todeskreuz, das er das „Erlöserkreuz“ nennen mußte, aber nicht das „Erlöserkreuz“. Alles dies sind nichts als Versuche der Erlösung!
Erdrückend und erstickend legt die mißhandelte Erde sich auf den Menschen. Beherrschen sich untertan machen sollte er sich die Erde, die grobe Stofflichkeit; statt dessen machte er sie zu seiner Herrscherin, er versklavte sich ihr, erhob sie zu seinem Götzen, sah nichts mehr als sie, beschäftigte sich nur mehr mit ihr, erkannte nichts als sie. Er erhob sich deshalb nicht über sie, sondern in dem Bestreben, sie untertan zu machen, sie auszunützen, sie zu genießen, versklavte er sich ihr, verlor das Auge für alles andere, verlor den Weg.
Gegeben ward sie ihm von göttlicher Gnade, wie das Wort im Buche Mosis sagt, daß sie ihm eine Heimstatt werde - zum Kerker hat er sie sich gestaltet, aus dem er nun keinen Weg mehr findet, aus dem kein Weg mehr für ihn in die Freiheit führt, sondern nur noch in den Tod. Aber auch der irdische Tod, den er so oft sucht in Verzweiflung, ist keine Erlösung, keine Freiheit, kein Weg, der ihn von der Erde befreit; er verbleibt ihr - unentrinnbar hält sie ihn fest und stürzt ihn in die Tiefe. Er vermag es nicht, sich loszuringen, denn immer wieder versucht er es mit gänzlich falschen Mitteln!
Es wohnt im Menschen, in seinem Geiste, in seiner Seele Tiefen der Drang, sich über die Erde zu erheben ; er meint, es zu erreichen, indem er sich, von Maschinen getragen, in die Luft erhebt, versucht selbst über den ihm zugewiesenen Luftkreis hinaus zu gelangen und muß sie doch mit sich führen in Gefäßen, wenn er nicht sterben will den irdischen Tod, was für ihn mit Tod überhaupt gleichbedeutend ist.
Es ist ihm in die Seele gelegt der Drang, an Raum und Zeit zu besiegen. Er versucht es, indem er Kilometer an Kilometer reiht in rasender Schnelle und er hat doch nur erreicht, daß ihm die Erde zu klein ward, zu eng. BaId muß er sehen, den Raum zu erweitern, wenn er nicht ersticken will, denn das Wort vom fruchtbar sein und sich vermehren befolgt er ohne Maß und Ziel. Wie aber soll er es erreichen, den Raum zu schaffen, da alle der Erde bleiben, in und auf ihr und immer wiederkehren, da kein Weg mehr hinausführt?
Es ist in ihn gelegt, daß er zum Lichte strebt, zur Höhe, der Sonne entgegen. Er kennt aber nur noch die irdische Sonne. - So steigt er auf Berge und setzt sein Leben ein für Täuschung und Trug. Licht soll auf Erden sein, und Licht sollte der Mensch verbreiten, Licht, das ihm selber zuströmt aus dem Urlicht, Licht des Geistes, Licht der Wahrheit.
Er aber hat sich der Erde versklavt, nur grobstoffliches Licht ist ihm noch begreiflich, zugänglich. Die Nächte der Erde ihm zum Heil gegeben, macht er zum Tage. Dennoch bleibt es dunkel um ihn und um ihn. Millionen und aber Millionen Lampen mag er zum leuchten bringen - alles bleibt finster und hoffnungslos, denn außer diesem, dem Licht der Glühlampen, kennt er kein anderes, weil er sich dem Lichte des Geistes verschloß. Er vermag es nicht mehr aufzunehmen und weiter zu tragen.
Klein und trüb ist das Licht, das er sich schuf für das Geisteslicht: das Licht des Verstandes, seine Intelligenz, die er, falsch und verbogen für „Geist“ hält, der aber der Erde gehört und mit ihr stirbt wie die Werke sterben mit ihr, die er aus ihm, aus diesem Schein-Lichte erzeugt.
Doch es ist in ihm gelegt, daß er die Freiheit suchenmuß! Immer sucht er sie. Blutige Kriege liefert er sich, mit Haß verfolgt er die, so ihn seiner Freiheit berauben. Von dem Druck der Erde sollte er frei sein, frei von Verstrickungen der Lüge, frei vom Hang an dem, das die Erde bietet, um den Körper zu erhalten darinnen er dienen soll der ewigen Liebe, die ihm die Erde gab, daß er dies erstrebe und auf ihr reife zu solchem Dienst
Aber der Begriff erstarb ihm in der Enge des Kerkers - immer sucht er die Freiheit von der Bedrückung durch seinesgleichen, immer sucht er die Freiheit in der Bequemlichkeit seines Lebens in der Freiheit der Arbeit und sucht das Heil darin, Maschinen zu bauen, die ihn befreien sollen von allen Lasten, und er sinkt tiefer in den Hang, sinkt tiefer in die “Erde“ denn zuvor!
Es ward in ihm, den Menschen, gelegt, daß er Herr sei! Herr über die Erde und alles, was auf ihr ist, und so erbaute er sich einen Thron, auf ihm zu sitzen und sich zu erheben über alles auf solche Weise durch Hochmut und Gewalt. Es ward daraus ein Kampf aller gegen alle. Er aber sollte Herr sein über sich selbst und sich erheben über die Erde und alles, was sie für ihn hat, um ihm zu dienen in dieser Art, daß er all dieser Dinge nicht mehr bedürfte, als unbedingt sein muß.
Er sollte sich erheben, indem er seinen Blick aufhebt über die Erde zum Urlicht, dem er dienen sollte mit allem seinem Sein, aber er wollte nicht mehr dienen, sondern nur herrschen, nur Herr sein und ward der Sklave seiner selbst und der Erde, da er sich selbst zum Götzen erkor.
So sucht er unablässig nach Freiheit und weiß nicht, wovon er sich befreien soll, weiß nicht daß er sie umsonst sucht, wie immer er es auch wolle, wenn er sich nicht vonsich selbst befreit! Er weiß es nicht, trotzdem er es unablässig versuchen muß, ohne es zu wissen noch zu wollen. Bibliotheken, Millionen von Bänden füllt er damit an, sich von sich selbst, von seinem Hang von seiner Herrschsucht zu befreien. Da er aber nur sich selbst kennt, nur von sich selbst spricht, nichts weiß von allem, das über ihm ist, so ist es vergebens. Er verstrickt sich nur um so tiefer in sich selbst und der Druck, der auf ihm liegt, nimmt zu, nicht ab. Die Erde, die er sich untertan machen sollte, beherrscht ihn, legt sich auf ihn, begräbt ihn unter sich, enger und enger wird der Kerker, den er selbst sich erbaut.
So ist das Bild, das sich dem Auge des Unbefangenen bietet; so hat der Mensch erfüllt des Herrn Wort daß er sich band an das, was ihm dienen sollte und sich zum unversöhnlichen Feind machte, was ihm zum Freund werden sollte, daß er den Weg aus der Stofflichkeit, aus der „Erde“ heraus, an die er sich band durch sein rein irdisches Denken und Streben, nicht mehr zu finden vermag, denn er sucht diesen Weg mit irdischen Mitteln, die an sich völlig untauglich sind.
Wie kann man mit ihnen , die doch ebenfalls an Raum und Zeit gebunden sind, Raum und Zeit überwinden? Wie kann man mit Mitteln, die der Erde gehören, an das Schwergewicht des groben Stoffes gebunden, eben diesen Stoff überwinden wollen?
Nein, niemals wird es dem Menschen gelingen,. auf solchen Wegen, auf solche Art seinen Kerker zu sprengen, sich das Tor in die Freiheit zu öffnen! Alles Gerede, alle Bestrebungen, alle „Weltanschauungen“, weder die Kunst noch sein Wissen, das sich ja nur mit den Dingen beschäftigt, die der Erde sind und bleiben und mit ihr vergehen, vermögen ihm einen Weg in die Freiheit zu bahnen.
All sein Streben nach „Leben“, nach „Licht“, nach „Bewegung“, die alles eigentlich nur eins sind, können ihm nichts nützen; denn er, der Mensch der Erde, hat keinen Begriff mehr von diesen Begriffen! Er hat sie eingeengt, verkleinert, verstofflicht, verfälscht, auch sie sind ihm Teile der Erde geworden, die doch nur seinem Geiste gehören, die seinem Geiste eigen sein sollen als das eigentliche Leben, als das eigentliche Ziel seiner Anstrengungen, und als das Mittel zugleich, das ihn herausführen könnte aus der Enge, aus dem Gefängnis, zu dem die Erde ihm ward.
Ein Haus ward ihm gegeben, das er sich wohnlich machen sollte, darinnen zu wohnen eine Zeit und dann weiter zu ziehen, schöneren Ländern, hellerem Licht entgegen! Bleiben sollte er in ihm, bis ihm Schwingen gewachsen waren, frei sich aufzuschwingen. Er sollte sein wie der junge Vogel im Nest, der flügge wird und sich dann aufschwingt, frei der Weite entgegen, der das Nest, in dem er wuchs, ohne Bedauern zurückläßt, sich nicht an das selbe bindet.
Der Mensch aber hat sich an das Haus gebunden, das ihm gebaut ward: Statt daß ihm wuchsen des Geistes Schwingen, die allein ihn fortführen könnten in seine ferne Heimat, mit denen allein er sich lösen könnte aus dem Stoff, verschrieb er sich dem Stoffe, um mit diesem zu fallen, zu Grunde zu gehen.
Von alle dem, was in ihn gelegt ist, von all’ dem Sehnen nach den Höhen des Lebens, von dem Sehnen nach dem Licht blieb ihm nichts mehr bewußt als ein seltsames Treiben, das er verspürt, eine seltsame Unrast, die ihn nicht mehr losläßt, verbunden mit einem Ahnen von dem Untergang, der ihn bedroht in den Umstrickungen der Erde, denen er nun wie in Verzweiflung zu entfliehen versucht mit Mitteln, die ihn zum Schlusse verhöhnen und ihren Finder selbst in die Finsternis und in den Untergang stürzen müssen; denn er verläßt sich auf sie - und sind nichts!
Aber, so wird entgegnet, es sind Menschen auf der Erde die dies wissen, die da lehren, daß ein Leben sei nach dem Tode, die wissen daß das Erdenleben nicht alles ist, sondern nur eine Vorbereitung zu einem anderen und schönerem, das nach diesem kommt; es sind Religionen auf Erden, Philosophen, Bestrebungen aller Art, die zu bessern sich anstrengen, hinweisen und lehren.
Ja, sie sind da!. Sie sind, seit Menschen auf Erden im Stoffe gehen, sie waren immer -- aber was heute noch auf Erden sichtbar ist von diesen höheren Zielen, sind doch nur traurige Reste einstigen Wissens, traurige Reste eines klaren Wissens vom Wege, den die Erdenmenschheit gehen sollte, voll Irrtümern, unklar, verworren! Sie sind machtlos geworden! Längst schon sind sie es und vermögen nicht zu hindern, daß der Mensch immer tiefer in die Erde versinkt, sich immer weiter an sie kettet.
Wenige sind noch von wahrem Lichte erfüllt ein Weniges - aber alle sind sie einflußlos, sie mögen sich nennen, wie sie wollen. Die meisten sind ein krasser Irrtum und Aberglaube, dunkel und schmerzlich, geeignet abzustoßen, nicht anzuziehen, zu verwirren, nicht zu klären, zu drücken, nicht zu erheben. Sie mögen sich nennen, wie sie wollen, sie sind nicht imstande, auch nur das Geringste zu ändern sie können nicht herausführen aus dem Gefängnis der Erde - sie sind zu schwach dazu, es fehlt die göttliche Kraft, die allein der Wahrheit innewohnt - es fehlt die Klarheit, die allein dem wahren Lichte eigen ist.
Viele, denen Millionen und Abermillionen Menschen folgen, sind Hemmungen anstatt Hebungen - sie alle aber, sie mögen sich nennen wie sie wollen, ob Lamaismus, Buddhismus ob es sich um Fetischanbeter handelt oder ob der Chinese Ahnenkult betreibt usw. - sie alle sind nicht Gottesdienst, sondern Menschendienst, ob sie ihre Zusammenkünfte auch so nennen oder nicht - in ihnen allen dient der Erhabene dem Menschen, schmeichelt und umwirbt ihn. Was aber allein den Menschen herausführen könnte aus dem Gefängnis, das er sich schuf, ist reiner Gottesdienst - nichts anderes! - -
Wenn nun einer kommt und redet zu ihnen, und spricht die reine Wahrheit, so hassen sie ihn und verfolgen ihn. Wenn einer kommt und spricht:
„Selbst müßt ihr Euch regen im Geiste! Die Arme müßt ihr ausstrecken gegen das Licht und Euch ihm öffnen, daß Euch in seinem Stahle die verkümmerten Schwingen des Geistes wachsen, die allein Euch hinauftragen können in Höhen, die der Erde unerreichbar sind, die Euer erdgebundener Verstand, dem allein ihr vertraut, dem ihr Euch versklavt habt, nie wird erreichen können“ - wenn nun einer kommt und spricht:
„Sucht nicht immer Euch selbst!. Wendet Euch hinweg von Eurer Selbstsucht die in allem Euren Wirken ist, in Euren Religionen ebensowohl als in Eurem Streben auf Erden, wendet Euch in Wahrheit zu Gott, dienet Ihm wahrhaftig“ - wenn nun einer kommt und spricht und lehrt sie erkennen seinen Willen den er als seine Gesetze in seine Schöpfung gelegt, damit sie es vermögen, zu leben in ihrer Harmonie, wenn er sie lehrte, das Heilige zu schauen, das aus ihm, dem Heiligen, ihnen erblühe das Heil, die Heilung - wenn er ihnen sagt:
„Leget ab Euer falsches Herrentum, das Euch der Erde versklavt und mit Nacht und Grauen Euch umgibt und mit dem Ende bedroht, dem Ende im erdrückenden Stoffe - legt es ab und dienet, dient dem ewigen Willen des Ewigen, er wird Euch herausführen aus dem Kerker und das Tor des Lebens öffnen“ - werden sie ihm folgen und die Hand ergreifen, die er ihnen entgegenstreckt? Werden sie sich führen lassen oder werden sie ihn verfolgen, wie sie verfolgt haben alle, die ihnen wirklich helfen wollten, indem sie ihnen die harte, heilsame Wahrheit kündeten über sie selbst, die ihnen das klare reine Licht brachten?
Werden sie wiederum es bequemer finden, ihren Maschinen sich anzuvertrauen, mit ihnen um die Erde zu rasen, die Freiheit zu suchen von Raum und Zeit, die sie niemals finden werden auf solche Art, als selbst sich zu regen, selbst die wachsenden Schwingen zu breiten?
Wachet auf, Menschen, es ist höchste Zeit! Die Erde bereitet sich, Euch in ihre Tiefe zu ziehen, unentrinnbar, bis sie zerspringt und zerstäubt und was mit ihr ist, vernichtet wird, wie es vorgesehen ist im Plane der Schöpfung, in der immer neu sich formen muß, Werden und Vergehen, was nicht des reinen Geistes ist. Suchet und forschet, so werdet Ihr finden! Noch nie, so lange die Erde ihre Bahn rollt um der Sonne Feuerball, ward Euch solche Hilfe geboten, wie nun in letzter Stunde - und nie wieder wird sie Euch werden!
Der erste Schritt.
Von Abd-ru-shin.
Lasset mein Wort lebendig in Euch werden; denn das allein kann Euch den Nutzen bringen, den Ihr braucht, um Euren Geist emporsteigen so lassen in die lichten Höhen der ewigen Gärten Gottes.
Es nützet nichts, zu wissen von dem Wort! Und wenn Ihr meine ganze Botschaft Satz für Satz aus dem Gedächtnis sagen könntet um Euch selbst und Eure Nebenmensehen damit zu belehren ..... es nützet nichts, so Ihr nicht darnach handelt, im Sinne meines Wortes denkt und Euer ganzes Erdenleben darnach einrichtet als etwas Selbstverständliches, was Euch in Fleisch und Blut gegangen ist was sich nicht von Euch trennen läßt Nur dann könnt Ihr aus meiner Botschaft die ewigen Werte schöpfen, die sie für Euch in sich trägt.
An ihren Werken sollt Ihr sie erkennen! Dieses Christuswort gilt allen Lesern meiner Botschaft in erster Linie. An ihren Werken heißt, in ihrem Wirken, also ihrem Denken, ihrem Tun im Alltage des Erdenseins! Zu Tun gehört auch Euer Reden, nicht nur Euer Handeln; denn das Reden ist ein Handeln, das Ihr bisher in der Wirkung unterschätztet Es gehören sogar die Gedanken schon dazu.
Die Menschen sind gewohnt zu sagen, daß Gedanken „zollfrei“ sind. Damit wollen sie andeuten, daß sie für Gedanken irdisch nicht zur Rechenschaft gezogen werden können, weil diese auf einer Stufe stehen, die für Menschenhände unerreichbar ist.
Deshalb spielen sie oft in leichtfertigster Weise mit Gedanken, oder besser ausgedrückt, sie spielen in Gedanken. Leider oft ein sehr gefährliches Spiel, im leichtfertigen Wahne, daß sie daraus unangetastet hervorgehen können.
Darin sie jedoch; denn auch Gedanken sind der Grobstofflichkeit zugehörig und müssen unter allen Umständen auch darin abgelöst werden, bevor ein Geist sich frei emporzuschwingen fähig wird, sobald er die Verbindung mit dem Erdenkörper löste.
Sucht deshalb schon mit Eueren Gedanken in dem Sinne meiner Botschaft stets zu schwingen, derart, daß Ihr nur das Edle wollt und nicht in Niederungen steigt, weil Ihr Euch einbildet, daß es ja niemand sehen oder hören kann.
Gedanken, Worte und die äußerliche Tat gehören allesamt ins Reich der Grobstofflichkeit dieser Schöpfung!
Die Gedanken wirken in der feinen Grobstofflichkeit, Worte in der mittleren, und die äußeren Handlungen formen sich in der gröbsten, also dichtesten Grobstofflichkeit. Grobstofflich sind diese drei Arten Eures Tuns!
Aber die Formen aller drei sind miteinander eng verbunden, ihre Auswirkungen greifen ineinander. Was das für Euch bedeutet, wie einschneidend es sich oft bestimmend auswirkt in dem Wandel Eures Seins, könnt Ihr im ersten Augenblicke nicht ermessen.
Es sagt nichts anderes, als daß auch ein Gedanke selbsttätig in seiner Art noch weiterwirkend eine Gleichart in mittlerer Stofflichkeit verstärken und dadurch zu kraftvolleren Formen bringen kann, ebenso dann folgernd in dieser Verstärkung wieder weiterwirkend zur sichtbaren auswirkenden Form in gröbster Stofflichkeit ersteht, ohne daß Ihr selbst unmittelbar dabei beteiligt zu sein scheint.
Es ist erschütternd, das zu wissen, sobald man dieser Erdenmenschen Leichtfertigkeit und Sorglosigkeit in ihrem Denken kennt.
Ihr seid dadurch an mancher Tat beteiligt, ohne es zu wissen, die irgend einer Eurer Mitmenschen vollbringt, nur weil dieser die Verstärkung in der von mir soeben Euch erklärten Art erhielt, die ihn zu einer gröbsten Ausführung von etwas in ihm bisher Ruhenden zu treiben fähig wurde, mit dem er vorher immer nur in den Gedanken spielte.
So stehet mancher Erdenmensch sehr oft mißbilligend vor irgend einer Tat eines seiner Nebenmensehen, diese mit Zorn verwerfend und verurteilend, an der er aber vor den ewigen Gesetzen Gottes mit verantwortlich ist! Es kann sich dabei um einen ihm völlig fremden Menschen handeln und um eine Tat, die er nie in der gröbsten Stofflichkeit selbst ausgeführt haben würde.
Denkt Euch einmal hinein in derartige Vorgänge, Ihr werdet dann erst recht verstehen, daß ich Euch in meiner Botschaft zurief: Haltet den Herd Eurer Gedankenrein, Ihr stiftet damit Frieden und seid glücklich!
Wenn Ihr dann aber stark genug darin geworden seid in Eurer eigenen Reinigung, so werden auf der Erde vielerlei Verbrechen weniger geschehen als bisher, an denen viele mitschuldig gewesen sind, ohne es zu wissen.
Zeit und Ort solcher Taten, an denen Ihr mitschuldig werden könnt, spielt dabei keine Rolle. Auch wenn es am entgegengesetzten Ende der Erde geschehen ist von der Stelle, an der Ihr selbst Euch aufhaltet, an Orten, welche Euer Fuß niemals betreten hat, von deren Bestehen Ihr gar keine Kenntnis habt. Verstärkungen durch Euere Gedankenspielereien treffen dort auf, wo sie Gleicharten entdecken, unabhängig von Entfernungen, Nation und Land.
So können Haß- und Neidgedanken mit der Zeit auf Einzelmenschen, Gruppen oder ganze Völker stürzen, wo sie Gleichart finden, sie zu Taten zwingen, die in ihren auslösenden Formen ganz verschieden sind von denen, die mit Eueren Gedankenspielereien erst erstanden.
Auswirkend vermag es sich dann so zu zeigen, wie der Ausübende zur Zeit der Tat empfindet So könnt Ihr zu der Ausübung von Taten beigetragen haben, an deren Entsetzlichkeit ihr selbst in Wirklichkeit niemals gedacht habt und doch steht Ihr damit in Verbindung und ein Teil der Rückwirkung muß Euren Geist belasten, muß sich an ihn hängen als Gewicht, wenn er sich von dem Körper löst
Doch umgekehrt könnt Ihr auch noch weit stärker beitragen zum Frieden und zum Menschheitsglücke, könnt durch reines, frohes Denken Teil haben an Werken, die durch Euch ganz fernstehende Menschen sich entfalten.
Davon strömt selbstverständlich auch der Segen mit auf Euch zurück und Ihr wißt nicht, weshalb er zu Euch kommt.
Wenn Ihr nur einmal sehen könntet, wie die unverrückbare Gerechtigkeit des allheiligen Willens Gottes sich in den selbsttätigen Gesetzen dieser Schöpfung stets erfüllt für jeden einzelnen Gedanken, den Ihr hegt, so würdet ihr mit allen Euren Kräften dahin wirken, Reinheit Eures Denkens zu erhalten!
Damit seid Ihr dann die Menschen erst geworden, die der Schöpfer gnadenvoll in seinem Werke zu dem Wissen führen will, das ihnen Ewigkeit verleiht und sie zu Helfern in der Schöpfung werden läßt, die würdig sind, die hohen Gnaden zu empfangen, die dem Menschengeiste zugedacht sind, und die in frevelhafter Weise davon abgeschnitten bleiben durch den Niedergang des Menschengeistes, nachdem sie schon in Zeiten besseren und reiner schwingenden Menschentums erstehen konnten.
Damit habt ihr dann erst einen Satz aus meiner Botschaft auf der Erde zur Lebendigkeit für Euch durchglüht!
Er ist für Euch der schwerste, der dann alles andere viel leichter werden läßt, dessen Erfüllung bereits Wunder über Wunder irdisch sichtbar greifbar vor Euch auferstehen lassen muß.
Wenn Ihr Euch. dazu überwunden haben werdet, dann liegt auf dem Wege wiederum eine Gefahr, die aus Verbogenheit des Menschendenkens sich ergibt: Ihr werdet darin eine Macht erkennen, die Ihr nur zu gern in ganz bestimmte Formen pressen wollt, damit sie diesem oder jenem Sonderzwecke diene, der aus Eigenwünschen sich zusammensetzt!
Davor will ich Euch heute bereits warnen; denn die Gefahr kann Euch verschlingen, Ihr würdet darin untergehen, nachdem Ihr schon den rechten Weg beschritten habt.
Hütet Euch davor, krampfhaft diese Reinheit der Gedanken kämpfend zu erzwingen, denn dadurch würdet Ihr sie bereits in bestimmte Formen pressen und Euer Bemühen wird zur Gaukelei, würde künstlich nur herbeigezwungen bleiben und niemals die große Wirkung, haben können, die sie haben soll. Euer Mühen würde Schaden anstatt Nutzen bringen, weil die Echtheit der freien Empfindung dabei fehlt. Es wäre wieder eine Wirkung Eures Verstandeswollens, niemals aber Arbeit Eures Geistes! Davor warne ich.
Denkt an mein Wort der Botschaft, das Euch sagt, daß alle wahre Größe in der Einfachheit nur liegen kann, da wahre Größe einfach ist! Die Einfachheit die ich hier meine, könnt ihr besser wohl verstehen, wenn Ihr an die Stelle als ein Übergang den menschlich-irdischen Begriff der Schlichtheit setzt. Das liegt Eurem Verstehenkönnen vielleicht näher und ihr trefft das Rechte.
Nicht mit Gedankenwollen könnt ihr Euren Gedanken jene Reinheit geben, die ich meine, sondern schlicht und unbegrenzt muß reines Wollen aus Euerer Empfindung in Euch aufsteigen, nicht in ein Wort gepreßt, das nur begrenzt einen Begriff erstehen lassen kann. Das darf nicht sein, sondern ein alles umfassendes Drängen zum Guten, das das Entstehen Euerer Gedanken zu umhüllen vermag, sie durchdringt, noch ehe sie in eine Form sich bilden, ist das Rechte, das Ihr nötig habt.
Es ist nicht schwer, sogar viel leichter als die anderen Versuche, sobald Ihr Schlichtheit walten laßt, in der Verstandesdünkel des eigenen Könnens und eigener Kraft nicht aufzukommen fähig ist. Macht Euch gedankenleer und laßt den Drang zu Edlem, Gutem in Euch frei, dann habt Ihr die Grundlage zu dem Denken, die vom Wollen Eures Geistes stammt, und was daraus ersteht, könnt Ihr in Ruhe der Verstandesarbeit dann zur Ausführung in der dichtesten Grobstofflichkeit überlassen. Es kann nie Unrechtes sich formen.
Werft alles Quälen durch Gedanken, weit von Euch, vertraut dafür auf Euren Geist, der sich den Weg schon richtig bahnen wird, wenn Ihr diesen nicht selbst vermauert. Werdet frei im Geiste heißt nichts anderes, als laßt dem Geiste in Euchseinen Weg! Er kann dann gar nicht anders als der Höhe zuzuwandeln; denn es zieht ihn seine Art ja selbst mit Sicherheit hinauf. Ihr hieltet ihn bisher zurück , sodas er sich nicht entfalten konnte, sein Schwingen oder seine Schwingen hattet Ihr gebunden.
Den Boden zu dem Aufbau einer neuen Menschheit, den Ihr nicht umgehen könnt noch dürft, liegt in dem einen Satze: Haltet den Herd Eurer Gedanken rein!
Und damit muß der Mensch beginnen! Das ist seine erste Aufgabe, die ihn zu dem macht, was er werden muß. Ein Vorbild allen, die nach Licht und Wahrheit streben, die dem Schöpfer dankbar dienen wollen durch die Art des ganzen Seins. Wer das erfüllt, braucht keine anderen Weisungen mehr. Er ist wie er sein soll, und wird damit die Hilfen unverkürzt empfangen, die seiner in der Schöpfung harren und ihn aufwärts führen ohne Unterbrechung.
Etwas für
kleine und große Kinder
Die Hüter des Gartens
Von Maria HaIseband.
Die beiden Nachbarn Rauh und Rung saßen nebeneinander auf der Gartenmauer, die die Grundstücke trennte und baumelten mit den kleinen Beinen.
Es waren zwei sonderbare Gesellen mit einer Haut wie braunes Leder. Flinke Augen blitzten aus den faltigen Gesichtern, die von einem Haar umrahmt waren, das wie feines Wurzelwerk oder Fasern aussah. Rauh trug ein grünes, Rung ein braunes Wams, ersterer hatte eine Feder, der andere ein Sträußchen Rosmarin am Käppchen stecken.
„Ich danke Dir schön, Nachbar“, sagte Rauh eben, „daß Du mir helfen willst“.
„Das ist doch selbstverständlich, Bruder“, erwiderte Rung. „In meinem Garten gibt es wenig zu tun, die beiden alten Menschen sorgen dort schon selbst so gut für alles, daß es eine Freude ist für uns Wesenhafte ihnen zu helfen. Wenn alle Menschen so wären, sähe es anders aus auf des Herrn schöner Welt. Sieht man dagegen in Deinen Garten, so wird man traurig. Hier fehlt alle Freude und frohes Gedeihen.“
„Ja diese Menschen!“ seufzte Rauh. So klein sind sie noch und doch drängt schon das Böse aus ihnen, das sie in einem früheren Leben auf sich genommen. Aber ich werde diesen Kindern schon zeigen, daß ich meine Tiere und Pflanzen vor ihnen hüten kann. Es wird tüchtige Arbeit geben, Bruder Rung, aber alle Bewohner des Gartens haben mir ihre Hilfe zugesagt.“
„Vielleicht können wir den Kindern doch noch helfen“, meinte Rung. „Es ist nur gut, daß nicht alle Menschen so sind wie die beiden kleinen Mädchen.“
„Da kommen sie gerade!“ rief Rauh.
„Ein drittes ist dabei! Schau nur, Bruder, wie hell es um das fremde Kind ist. Endlich kommt einmal Licht hierher. Vielleicht erleben wir doch noch eine Freude.“
Lachend und schwatzend kamen Dora und Else, die Kinder des Hauses heran. Sie führten zwischen sich den kleinen Gast, dem sie stolz alle Schönheiten und Merkwürdigkeiten des weitläufigen Gartens zeigten. Eben war Dora stehen geblieben und beschäftigte sich mit etwas auf dem Boden liegenden.
„Siehst Du, wie er zappelt!“ sagte sie zu Rosie und trat wieder mit der Fußspitze auf einen sich windenden Regenwurm. „Auf der einen Seite ist er schon' ganz platt!“ meinte sie zufrieden.
Rosie war entsetzt.
„Der arme Wurm' rief sie. „Du tust ihm ja weh!“
Ärgerlich zog Dora sie weiter.
„Schrei doch nicht so, sonst hören sie uns noch auf der Terrasse“ meinte sie dann. „Das ist doch lustig, es ist doch nur ein Wurm. Komm, ich zeige Dir noch etwas anderes!“
Sie zog Rosie so schnell weiter, daß diese nichts mehr sagen konnte. Nun ging es zum dichten Buschwerk bei der Laube. Else bog es auseinander, zerrte rücksichtslos an den Zweigen, ohne aber damit an das Vogelnest gelangen zu können, das unerreichbar über ihr schwebte.
„Ich hole einen Stuhl!“ rief Dora und lief zu der Laube hin.
„Nicht tun!“ rief Rosie dazwischen. „Die lieben, lieben Vögelein!“
Aber schon war der Stuhl herbeigeschleppt, er wurde in das weiche Erdreich gestellt und hastig kletterte Dora hinauf, um als erste in das Nest zu sehen. Doch der Stuhl wankte, seine Beine versanken in der lockeren Erde. Das Mädchen verlor das Gleichgewicht und stürzte hart auf den spitzen Kies des Weges.
„So!“ sagte Rauh befriedigt, „Das wirst Du Dir merken.“
Damit eilte er schnell zu dem Maulwurf hinunter. um ihm für seine Hilfe zu danken, denn dieser hatte den Boden so vorbereitet.
„Gern geschehen!“ brummelte der alte Einsiedler und stieß nochmals die Erde hoch, damit der Busch und das Nest besser geschützt wären.
Im Garten aber beschaute sich Dora mit Zornestränen in den Augen die aufgefallenen, schmerzenden Ellenbogen und knurrte wütend vor sich hin. Rosie aber war erleichtert. Eifrig erzählte sie:
„Mutter sagt man darf kein Nest berühren, sonst gehen die Vogeleltern nicht mehr hinein, die Eier verderben, und es gibt keine singende Freude mehr im Garten.“
„Singende Freude!“ sagten die Schwestern spöttisch und lachten. Rosie störte sich jedoch nicht daran und erzählte weiter:
„Füttert Ihr nicht auch die Vögel im Winter? Sie sind dann so zahm und dankbar. Ich lege Ihnen jeden Tag Brotkrumen hin und dafür darf ich jetzt sogar schon aus der Ferne zusehen, wie sie die Jungen füttern.“
„Das wäre mir zu langweilig!“ rief Else. Kommt ins Wäldchen wir wollen spielen!“
Dora und Rosie folgten dem Ruf. Das Wäldchen war ein kleiner, urwüchsig stehengebliebener Teil des Gartens. Tannen und Fichten wuchsen hier, Heide und Gehölz bedeckte den Waldboden und unter einer mächtigen Buche war der Spielplatz der Mädchen. Hier stand eine Rundbank und ein Tisch, an die Gartenmauer aber war ein winziges Blockhüttchen angebaut, das den Kindern zum Aufbewahren ihrer Spielsachen diente, die sie nicht den langen Weg durch den Garten tragen wollten.
„Wie hübsch ist es hier!“ sagte Rosie erfreut und plantschte an dem Brünnlein herum, das neben der Hütte in einen Holztrog rann.
Die beiden anderen Mädchen aber drangen mit Lärm und Geschrei durch das Gebüsch zu einem Ameisenhaufen vor und zerstörten ihn mit Stöcken. Diesmal hatte Else Pech, als sie sich umwandte, blieb sie hängen und ein großer Riß klaffte in ihrem leichten Sommerkleid. Das war Else besonders schmerzlich, denn sie war eitel und Mutter würde sicher auch noch etwas dazu zu sagen haben.
Rung rieb sich vergnügt die Nase und gab dem Himbeerbusch im Vorbeigehen einen freundschaftlichen Klaps für die Hilfe.
„Jetzt wollen wir kochen!“ sagte Dora und brachte aus dem Häuschen allerlei Töpfchen und Geschirr angetragen. „Ich hole Essen!“ verkündete sie dann, ergriff ein Körbchen und eilte zum Obstgarten hinüber.
Inzwischen trat Rosie in einen kleinen Raum der Hütte und schaute sich um. Allerhand Spielzeug war auf den einfachen Wandbrettern gestapelt, kleine Holzsessel und ein Tisch luden zum Spiel bei schlechtem Wetter ein. Neugierig beschaute die Kleine das Spielzeug, lachte über ein paar drollige Puppen und Felltiere, schrie aber plötzlich auf.
„Ach!“ sagte sie dann gleichgültig. „Der Goldfisch! Wir haben ihn ganz vergessen.“
Rosie nahm das enge Einmachglas, in dem das halbverentete Tier sich kaum rühren konnte. Eilends trug sie es zum Brunnen. Sorgsam ließ sie den kleinen Fisch in den Trog gleiten und freute sich, daß er ein paar Bewegungen machte.
„Du bist komisch!“ sagte Else. „Was liegt denn an dem Fisch! Wenn er tot ist, bringt Liese uns einen neuen vom Markt mit“
Noch ehe Rosie Ihrer Entrüstung Ausdruck geben kannte, schrie Else aber laut auf und rieb ihren nackten Arm.
„Eine Wespe!“
„Warte nur!“ meinte Rauh voll zorniger Genugtuung. „Das war erst ein Bote meiner Freundin, der Wespenkönigin. Es wird nicht der letzte sein.“
Weinend rieb sich Else den Arm und zankte über die bösen Tiere. Rosie aber hatte nur Augen für den Goldfisch, der nun wieder in Rücklage im Wasser stand. Da kam Dora zurück, das Körbchen hochgefüllt mit Erdbeeren und Kirschen.
„Was für schönes Obst!“ rief Rosie begeistert, denn dies war ihr Lieblingsessen. Schüsselchen und Tellerchen wurden verteilt man begann zu spielen.
„Kannst Du aber schnell pflücken!“ sagte Rosie im besten Schmausen.
Dora lachte zufrieden.
„Der Gärtner hat es nicht gesehen, daß ich es aus seinem Korb nahm. Er wird schon nichts merken.“
„Hast Du das heimlich genommen?“
Die beiden Schwestern lachten hell auf.
„Bist Du dumm! Wenn wir immer erst Mama fragen wollten, könnten wir manchen Tag lange warten auf Obst, denn wir dürfen sie doch nicht immer stören in ihrem Zimmer.“
„Und der Gärtner?“ fragte Rosie.
„Ach der!“ sagt Dora wegwerfend. „Der schimpft und klatscht natürlich, wenn er es merkt. Darum nehmen wir es heimlich. So iß doch!“
Aber Rosie war die Freude am Essen vergangen. Gerade fiel Dora eine große Erdbeere aus der Hand und rollte in den Sand. Maulend bückte sie sich und stieß in ihrer Hast heftig an die Tischdecke an, daß ihr der Kopf brummte. Nun wurde sie vollends wütend. Sie sprang zum Brunnen, um die beschmutzte Frucht zu waschen und entdeckte dabei den Goldfisch.
„Pfui!“ schrie sie. „Das Wasser schmeckt ja nach Fisch.
Mit einer Handbewegung warf sie den kleinen Fisch über den Brunnenrand auf die Erde. Da lief Rosie herbei. Zornrot hob sie den Fisch auf, säuberte ihn und steckte ihn in sein enges Glas, das sie mit Wasser füllte.
„Ich nehme ihn mit“, sagte sie. „Ihr könnt dafür meine Bilderbogen haben.“
Die Schwestern lachten, sie fanden Rosie albern und dumm. Aber Rosie nahm das Glas und lief ohne Abschied durch den großen Garten zur Terrasse hin, auf der ihre Eltern mit den Eltern der Schwestern saßen. Rauh und Rung ober blickten ihr nach und freuten sich an dem kleinen Mädchen
Die Schwestern zuckten die Achseln über den zimperlichen Besuch und machten sich mit doppeltem Eifer über die Früchte her. Heftig zankten sie um die größten Stücke.
„Wie häßlich sie sind!“ sagte Rung traurig „Alle Freude und Helle ist mit dem kleinen Mädchen aus dem Garten gegangen. Bruder Rauh, nun mach’ Deinem Namen Ehre!“
„Wird geschehen!“ rief Rauh und stieß an das Körbchen, daß es samt dem Obst zu Boden rollte. Weit verstreut lagen die schönen Früchte.
„Du bist schuld!“
„Nein Du!“
Und nun ging der Zank auf der Erde weiter.
„Huh! Ich habe mich in eine Erdbeere gekniet, mein gutes Kleid!“ schrie plötzlich Dora.
Else lachte schadenfroh und stopfte eilig den Mund voll Kirschen.
„Warte, brummte die Wespe drohend, die auf den Früchten saß, und stach sie in die Lippe.
Sogleich schwoll der Mund an. Else brüllte und lief davon, dem Hause entgegen, Dora das Schlachtfeld überlassend. Doch auch Dora sollte keine Freude mehr an dem Obst haben. Jede Frucht nach der sie griff, wimmelte von Ameisen. Überall krabbelten die Tiere. Sie suchte sie abzusteifen und totzutreten, aber plötzlich krochen sie ihr über Arme und Hals.
Sie schüttelte sich entsetzt, doch schon krochen sie über den ganzen Körper, überall brannte und juckte es, es war unerträglich.
„Nur zu liebe Freunde!“ ermunterte Rauh die kleinen Kämpfer. „Euch gehört das Obst!“
Und die Ameisen bissen und spritzten ihre Säure auf den Körper des Mädchens, bis dieses davonlief. Im Hause verabschiedeten sich gerade Rosies Eltern, als die schreiende Dora dazwischen polterte. Eiligst empfahl man sich.
„Bitte Mutter sagte Rosie draußen. „Ich möchte nie mehr zu diesen Kindern. Sie quälen die Tiere und sind nicht gut.“
„Vielleicht haben sich die Tiere darum heute gerächt“, meinte der Vater. „So ein Denkzettel kann ihnen sicher nicht schaden.“
Rosie drückte das Glas an sich und freute sich, daß der kleine Fisch wieder frisch und froh darin sich regte.
Abendliche Stille lag über dem Garten, ausruhend saßen die beiden Nachbarn auf ihrem gewohnten Platz auf der Mauer.
„Von morgen an werden die Wespen im Obstgarten wachen“, sagte Rauh. „Keines der Mädchen bekommt noch eine Frucht ohne einen Stich als Beigabe.“
„Die Kreuzspinne versprach mir durch das offene Fenster zu klettern und über ihren Hals zu laufen. Das gibt schmerzhafte Wunden“, erklärte Rung.
„In Elses Handtuch sitzt eine große Raupe. Vor denen hat sie Angst.“
„Die Maus mit ihren Kindern und Vettern wird heute Nacht in das Hüttchen einziehen und alles Spielzeug zerbeißen.“
„Die Ameisen werden ihnen den Spielplatz verleiden!“
„Alle Rankrosen und Stachelbüsche werden sie zerkratzen ohne Erbarmen, wenn sie sich in ihre Nähe wagen oder gar Beeren pflücken möchten!“
„Und auch alle anderen Freunde stehen bereit, uns zu helfen. Was die Mädchen nun anfangen werden, irgendwie wird es mißglücken, wird ihnen Schreck und Schmerz bereiten. Sie sollen uns kennenlernen!“
Rauh sagte es drohend.
„Tierquäler sind auch die scheußlichsten Menschen“, meinte Rung berübt. „Sie haben keine Daseinsberechtigung auf des Herrn schöner Erde. Ob diesen Kindern noch zu helfen sein wird?“
„Wir wollen es versuchen, denn Gottes Licht leuchtet ja jetzt wieder zur Erde und ruft die Menschen. Wenn sie nicht hören wollen, sollen sie fühlen und wenn auch das nicht mehr nutzen wird, dann sollen sie vergehen, denn lange genug hat der Mensch mißachtet und verdorben, was der Herr ihm geschenkt, daß er es hüte und pflege zu des Allewigen Ehre. Jetzt darf alle Kreatur sich wieder ihres Daseins freuen und dem Herrn zu Dank leben,“
„Ja!“ sagte Rung nachdenklich. „Da werden die Menschen sich anstrengen müssen, bevor der Herr auch ihnen gnädig sein wird. Sie haben viel gut zu machen, das sieht man doch schon hier im Kleinen.“
„Darum mit frischer Kraft hinein in den neuen Tag und versucht, ob wir dem Herrn dienen können, indem wir alle Menschen lehren, wieder gut zu werden wie einst, da der Herr sie geschaffen in Liebe.“
In den Wäldern Afrikas.
Fortsetzung)
Vor ihrer Behausung lehnte Bu-anan und blickte zum Nachthimmel empor. Die Erlebnisse des Tages bedrückten sie. Sie war froh, endlich in der Stille Hilfe und Rat suchen zu dürfen.
„Ummu eddonit, Ummu eddonit“, flüsterten ihre Lippen, „himmlische Mutter der Erde, hilf mir! Ich bin klein und schwach, und sollte doch groß und stark sein, um die Frauen emporzuziehen zu Anu, dem mächtigen Gott. „Die Frauen sollst Du lehren, den Männern sollst Du wehren“, so lautete der Ruf Anus an mich, als er mich zu seiner Dienerin auf Erden machte. Ummu eddonit, wenn Du mir nicht hilfst, kann ich mein Werk nicht vollenden!“
Mehrmals noch flüsterte das Mädchen den heiligen Namen, in tiefer Ehrfurcht und Inbrunst, dann schloß sie die Augen und wartete.
Strahlende Helle ließ sie aufschauen. Vor ihr schwebte eine fast durchsichtige lichte Gestalt, an Form Bu-anan ähnlich, aber größer als diese.
„Mich sendet die himmlische Mutter, Dir beizustehen, Kind lichter Gärten“, tönte es tröstlich.
Die Worte fielen lind in Bu-anans zagende Seele. Klein erschien ihr plötzlich, was ihr eben noch unüberwindlich vorgekommen.
Sie berichtete von dem, was der Tag gebracht. Halblaut sprach sie es vor sich hin. Sie wußte wohl, es hätte des geformten Wortes nicht bedurft, aber ihr selber war es Wohltat, das erklingen zu lassen, was ihr die Seele bedrückte. „Habe Ich recht gehandelt, daß Ich den Fremden festhalten ließ?“ schloß sie ihren Bericht.
Die lichte Gestalt fragte statt der Antwort:
„Was fürchtetest Du von ihm?“
„Du weißt es, Adana, es ist Immer dasselbe. Wir sind umgeben von wilden Stämmen, die auf Frauenraub ausgehen. Wenn dieser Mann unsere Hütten ausgespäht hat und seine Krieger zu uns führt, so wird es einen schlimmen Kampf geben und, unterliegen wir, so sind wir verloren. Alle Arbeit an den Frauen wird dann vergeblich gewesen sein. Das kann Anu nicht wollen!“
„Du sagest recht, Bu-anan“, erwiderte die mit Adana Angeredete ernst. „Du sagest: das kann Anu nicht wollen! Aber glaubst Du es auch? Wenn Du es von ganzer Seele glauben würdest, wovor könnte Dir dann bangen? Ist Anu nicht mächtig genug, Euch zu schützen? Hat er Dir darum Deine irdische Aufgabe gestellt, damit sie Dir von wilden Stämmen aus den Händen gerissen wird? Besinne Dich, Bu-anan! Unrecht ist es, kleinmütig zu werden um der Menschen willen. Der Herr Himmels und der Erden, der Dich zu seiner Dienerin berief, ist mächtig genug, Dir zu helfen. Er tut es aber nur, wenn Du Glauben hälst.“
Bu-anan begriff, worin sie gefehlt. Nicht, daß sie vorsorglich für äußeren Schutz der Siedelung sorgen wollte, war falsch, sondern daß sie sich darüber hinaus mit unruhigen Gedanken zerquälte, die sie hinderten ihr Werk an den Seelen der ihr anvertrauten Menschen recht zu tun.
„Adana, habe Dank! Ich sehe meinen Weg wieder klar vor mir und will Ihn freudiger und besser gehen.“
„Nicht mir mußt Du danken, Freundin“, verwies Adana sanft, „danke Ummu eddonit, der himmlischen Mutter der Erde, die mir gestattete, Dich aufzusuchen, um Dir Trost zu bringen! Auch künden darf Ich Dir etwas, das Du Deinen Leuten sagen magst, sobald Du die Zeit dafür für gekommen ansiehst.“
Lange blieben die beiden ungleichen und doch gleichen Frauenwesen in vertrautem Austausch ihrer Empfindungen. Als der Morgen grauen wollte, entschwebte Adana wieder. Bu-anan aber kroch getröstet und neugestärkt in ihre Hütte.
Am nächsten Morgen suchte sie Pa-uru auf, um mit ihr wegen des Fremden zu sprechen. Am Tage vorher war sie zu unruhig für eine solche Unterredung gewesen.
Gleich der erste Eindruck, den sie von der ganz verschüchterten Frau erhielt, überzeugte sie, daß Pa-uru wirklich ein Opfer der berechnenden List des Mannes geworden war. Er hatte sich die dümmste aller Frauen ausgesucht. Ihre ersten Fragen hatten ihm gezeigt, was er sagen mußte, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Nun war sie erschüttert, daß ihr Verhalten Anlaß zu den Geschehnissen des letzten Tages geworden war.
Bu-anan beruhigte sie, bat sie aber, sich niemals wieder mit Fremden einzulassen.
Abends kamen die Männer zurück. Gewöhnlich blieben sie mehrere Tage aus. Es hatte sich aber um die Mittagszeit ein Sandsturm erhoben, der sie heimgetrieben hatte. Es war allen lieb, daß sie wieder In der Siedlung waren.
Reiche Beute hatten sie mitgebracht von der Jagd. Niemand konnte an Schlafen denken.
Die Männer richteten die Felle und Häute zum Trocknen, die Frauen gruben das In große Blätter gewickelte Fleisch verschiedener Tiere tief In den Boden, wo es tagelang sich aufbewahren ließ, während die stark riechenden Blätter Ungeziefer davon fern hielten. Anderes Fleisch wurde zerschnitten und zum Dörren vorbereitet.
Es blieb nicht einmal soviel Zeit, daß aus allen diesen Leckerbissen eine Mahlzeit bereitet werden konnte, trotzdem Alt und Jung fleißig die Hände regte.
So war auch für Bu-anan die Zeit noch nicht gekommen, den Männern von dem Gefangenen zu erzählen. Bis zur Mitte des folgenden Tages arbeiteten alle mit emsigen Fleiß. Danach ließ Bu-anan fragen, ob die Leute jetzt schlafen und abends essen und feiern wollten, oder ob der Hunger so groß sei, daß die gemeinsame Mahlzeit jetzt gehalten werden müsse.
Sie entschieden für den Abend als Zeitpunkt der Zusammenkunft; denn sie wußten, mittags wäre Bu-anan der Speisung fern geblieben.
Da so große Beute eingebracht worden, hatte die weiße Mutter mehr Fleisch als sonst zum Braten freigegeben. Alles freute sich auf den Schmaus.
Und als der Abend herniedersank, da saßen sie wie vor drei Tagen um das lodernde Feuer und schauten zu, wie das rohe Fleisch sich in Speise verwandelte.
Wie immer riefen die Beintrommeln Bu-anan herbei und wie immer wurde das Mahl schweigend, aber mit größtem Genuß verzehrt.
Dann war die Zeit gekommen, daß die weiße Mutter den Männern von dem berichtete, was sich inzwischen zugetragen. Sie tat es in einfachen Worten. Klar und leicht faßlich malte sie ihnen die Gefahr vor Augen, die darin bestand, daß Fremde unbemerkt sich ihnen so weit nahen konnten.
„Wohl sind wir unter dem Schutze der Schwarzen, wenn Ihr Männer fern seid“, sagte Bu-anan, „aber wir können den Schutz erst rufen, wenn wir die Gefahr entdecken. Deswegen müssen wir uns besser sichern. Es wird nötig sein, daß wir alle nachsinnen, wie wir diese Sicherung erreichen können. Morgen um die gleiche Zeit wollen wir wieder zusammenkommen und Ihr teilt mir dann mit, was Ihr Euch erdacht habt.“
Damit waren sie einverstanden, obwohl die meisten unter ihnen überzeugt waren, daß ihnen nichts einfallen würde. Es war schließlich doch Immer Bu-anans Denken, das den Ausweg fand.
Schon wollte die weiße Mutter das Abendgebet sprechen, da flehten einige Stimmen:
„Es ist noch früh. Du hast uns noch nichts erzählt. Den ganzen Tag haben wir uns auf das Erzählen gefreut.“
„Was soll ich Euch erzählen?“ erkundigte sich die Frau.
Sie wußte wohl, daß sie ihnen Großes zu künden hatte, aber damit mußte sie warten, bis die Sicherung der Siedelung beschlossen war. Zu vielerlei konnten die Köpfe ihrer großen Kinder nicht gleichzeitig erfassen.
„Erzähle uns, wie es kam, daß die Tuimah Herren wurden über die Schwarzen“, bat ein älterer Mann.
„Das habe ich Euch schon oft erzählt“, gab Bu-anan zu bedenken. „Das wißt Ihr alle.“
„Wir haben es wieder vergessen!“ versicherten sie freudig.
Sie wollten es so gern nochmals hören, nicht oft genug konnte es berichtet werden. Bu-anan lächelte.
„Und wenn ich es Euch jetzt künde, so habt Ihr es dann morgen wieder vergessen?“ scherzte sie. „Welchen Wert hat mein Erzählen?“
Trotzdem aber begann sie, als sie aller Augen so gespannt auf sich gerichtet fühlte:
„Lange ist es her, da lebten in dieser Gegend nur Schwarze.“ Eine jüngere Frau unterbrach sie mit der Frage:
„Waren sie so wie unsere Schwarzen?“
„Ja, sie waren Ihnen sehr ähnlich, nur waren sie noch weniger lebendig im Geiste wie unsere Diener. Die Tehenu, so hießen die Stämme, schliefen meistens. Wenn sie aufwachten, so schauten sie sich um, ob sie etwas zu essen sahen. Fanden sie nichts, so legten sie sich zu weiterem Schlaf, bis schließlich der Hunger den einen oder den anderen auf die Jagd trieb.
Es muß sehr lange Zeit so gegangen sein, da wollte Anu ein solches Leben nicht mehr dulden. Er sandte seine kleinen Diener aus, die die Tehenu wecken und belehren sollten. Aber so große Mühe die Kleinen sich auch gaben, die Schwarzen waren nicht zu erreichen. Das, was ganz innen ist bei jedem Menschen, das hatten sie einschlafen lassen. Auch Anus Boten konnten nicht daran rühren.
Da beschloß Anu stärkere Mittel anzuwenden. Er erlaubte den Tuimah, die weit drüben in einem viel weniger schönen, viel ärmeren Lande lebten, hierher zu kommen.
„Wenn Ihr die Tehenu bezwingt, ohne daß Blut fließt“, ließ Anu ihnen sagen, „dann dürft Ihr die Herren des Landes sein.“
Bu-anan machte eine Pause. Sie wußte, daß nun alle sich auf die Fortsetzung freuten, die sie Wort für Wort kannten, und die sie doch immer wieder hören wollten. Die Augen der Männer funkelten im Flammenschein, hier und da wurde ein unterdrückter ungeduldiger Ausruf laut.
„Die Tuimah wanderten hierher, geführt von kleinen Dienern Anus, mit denen sie gut Freund waren. Sie sahen das ganze, weite Land an, ohne daß die Tehenus sich darum gekümmert hätten. Danach überlegten sie. Viele Vorschläge wurden gemacht und wieder verworfen.
Da nahm Dein Ahne, Wu-tu, das Wort und erklärte, am einfachsten werde es sein, wenn man den Schlafenden die Waffen nähme und sie dann wecke. Danach müsse man ihnen versprechen, daß sie niemals wieder auf die Jagd zu gehen brauchten. Darauf würden die Faulen sicher eingehen.“
Wu-tu war stolz, daß sein Vorfahr einen so guten Plan gefunden hatte. Beglückt schaute er sich im Kreise um. Auch das geschah jedes Mal in der gleichen Weise, und der Mann wäre sehr betrübt gewesen, wenn Bu-anan seinen Ahn weggelassen hätte.
Nach wenigen Augenblicken erzählte die Frau weiter:
„Es geschah genau so, wie Wu-tus Ahn es ausgedacht hatte. Man nahm alle Waffen und verbarg sie, danach weckte man die Schläfer und fragte, welches der Anführer sei. Darauf wußten die Schwarzen keine Antwort.
„Wer geht bei Euch voran?“ fragte man, und erhielt den Bescheid:
„Der, der zuerst kommt!“
Da sahen die Tuimah, wie dumm die Tehenu waren, und daß es gut war, daß ein anderer Stamm hier zum Herrschen kam. Sie verkündeten, von nun an seien sie die Herren im Lande und die Schwarzen müßten ihnen dienen, dafür würden sie jederzeit genug zu Essen bekommen.
Darauf gingen die Tehenu hocherfreut ein. Und so war das Land genommen, ohne daß ein Tropfen Blut geflossen“, schloß Bu-anan.
Sie freuten sich alle, dann fragte jemand:
„Wie kommt es, daß die Schwarzen heute so gute Schmiedearbeit verrichten?“
„Das hatte Anu so angeordnet“, erklärte Bu-anan. Er befahl, daß die Tehenu von ihm hören sollten und es mag Mühe genug gekostet haben, bis irgend etwas von diesem Wissen in ihre engen Köpfe Einlaß fand. Aber als sie erst gelernt hatten, Anu anzurufen, da konnten einige von ihnen die kleinen Diener Gottes sehen. Sie lernten von ihnen, wie sie es heute noch tun. Langsam werden sie wohl Freude an dieser Arbeit gefunden haben."
„Waren es früher wohl mehr Tehenus als heute?“ wurde gefragt. Rasch antwortete Bu-anan:
„Es müssen sehr viel mehr gewesen sein, viel mehr, als es heute Tuimah gibt. Aber sie hatten wenig Frauen und mochten auch nicht sich vermählen. So sind sie in der langen Zeit Immer weniger geworden. Allmählich werden sie ganz aussterben; denn Ihr wißt, wir haben nur noch zwanzig schwarze Frauen.“
„Erzähle uns noch von Anu“, baten einige Mädchen, die nicht gern das Ende des schönen Abends herankommen sahen. Bu-anan vertröstete sie auf ein nächstes Mal und sprach den Nachtsegen. -
Als die Männer sich am nächsten Abend versammelten, hatten viele sich etwas erdacht, aber aus der Menge der Vorschläge hoben sich nur zwei als brauchbar ab.
Einer der Männer hatte bei einem anderen Stamm gesehen, daß rings um die Ortschaft ein tiefer Graben ausgehoben war, in den man schnellwachsende, mit riesigen Stacheln bewehrte Gewächse gepflanzt hatte. Wer die schmalen Stellen nicht kannte, über die man schreiten konnte, fiel in diese Wildnis.
Ein anderer hatte sich einmal ziemlich weit verirrt und war von einem Rudel abgerichteter Tiere angefallen worden, das die Ortschaft hatte verteidigen wollen. Solche Tiere könne man auch zähmen.
Beide Vorschläge fanden großen Beifall.
Es wurde bestimmt, daß die Männer sich gleich am folgenden Tage an das Ausheben des Grabens machen sollten. Sie könnten von den Schwarzen soviel zu Hilfe nehmen, als sie gut zu beaufsichtigen vermöchten.
„Wir wollen Anu bitten, dar er uns Anleitung sendet“, sagte Bu-anan ganz selbstverständlich.
Schwieriger erwies sich die Ausführung des zweiten Vorschlages. Niemand wußte anzugeben, was für Tiere das gewesen sein könnten. Es blieb nichts übrig, als hier sofort um Hilfe zu flehen, ehe man die Arbeit einteilte.
Alle Männer erhoben sich und streckten wie Bu-anan die Arme waagrecht vor sich aus. Die Frau aber sprach laut:
„Anu, das Volk steht vor Dir! Nicht wissen wir, wie die Arbeit getan werden muß, die Du uns gebietest. Nicht wissen wir, welche Tiere uns verteidigen sollen. Wenn Du uns nicht einen Deiner Diener schickst, so können wir nichts tun. Erbarme Dich über uns und hilf uns. Wir bitten Dich!“
Lange noch standen die Männer, unbeweglich, nachdem Bu-anan geendet. Ganz langsam ließ einer um den anderen die Arme sinken. Danach schlossen sie einen Kreis und schauten auf die Frau in ihrer Mitte.
Bu-anan flehte Innerlich weiter. Ganz stark bat sie, Anu möge Hilfe senden, und sie ließ nicht ab mit Flehen, bis ihr die Gewißheit der Erhörung kam. Dann streckte sie sich erfreut und sprach:
„Gehet nun heim, Ihr Männer! Morgen, wenn Ra-na vom Himmel lacht, dann findet Euch mit Euren Werkzeugen hier ein. Anus Diener werden zur Stelle sein.“
Wie Bu-anan es erwartet hatte, so geschah es. Noch waren nicht alle Männer versammelt, da fanden sich die verheißenen Helfer ein. Es waren kleine kräftige Gestalten mit alten Gesichtern. Ihre Gewandung schien aus eng anliegendem Ziegenleder zu bestehen, das die Farbe des Erdreichs hatte.
Einer der Tuimah-Leute, der eine Art Anführer zu sein schien, verstand sich besonders gut mit ihnen. Sie umdrängten Ihn mit lebhaften Bewegungen der kleinen festen Hände. Es war, als wollten sie ihre Rede durch Zeichen unterstützen.
Er wandte sich zu seinen Stammesbrüdern:
„Leute“, rief er hallend, „wir wollen Anu danken, daß er uns seine Boten gesendet hat!“
Er sprach ein kurzes herzliches Gebet, dann fuhr er fort:
„Die Kleinen wollen uns zeigen, was uns not tut. Etwa zwölf von uns und ebenso viele Schwarze sollen mit einigen der Kleinen ausziehen, die Tiere zu fangen. Sie sagen, es sei nicht ungefährlich, daher müßten Männer sich melden, die den Mut nicht verlieren.“
Mehr als die geforderte Anzahl der Männer trat vor. Die Kleinen deuteten auf diejenigen, die sie mitnehmen wollten, und sofort zog die Schar ab, um unterwegs noch Schwarze dazu zu holen.
Währenddessen hatte Ur-wu, der Führer, den anderen mitgeteilt, daß die Kleinen sich jetzt im Kreise außerhalb der Siedelung aufstellen würden. Die Männer sollten sofort neben jedem der kleinen Wesen zu graben beginnen, dadurch werde das Ausgehobene kreisrund werden und weit genug von der Siedelung entfernt liegen.
Als sie zu dieser Arbeit zogen, fragte einer der Männer:
„Wie kommt es, daß wir heute diese Kleinen sehen, dar Du, Ur-wu, sogar mit Ihnen sprechen kannst? Und sonst sieht keiner von uns sie?“
„Wir sehen sie nur, wenn Anu sie uns sendet“, erwiderte der Führer. „Mein Ahn erklärte mir einst auf mein Befragen, daß, wenn Anu die Kleinen sende, sie durch seinen Befehl Ihre Gestalt verändern könnten.“
„Das verstehe ich nicht“, bekannte der Frager freimütig, während andere riefen: „Ihre Gestalt verändern?“ - „Wie geht das zu?“ - „Können wir das auch?“
Ur-wus Wissen war erschöpft. Er war froh, daß man bei den harrenden Kleinen angekommen war, sodaß er nicht mehr zu antworten brauchte.
„Wir wollen Bu-anan fragen“, sagte er abschließend.
Reges Leben begann. Kaum hatten die Männer ein wenig zu graben begonnen, da sprangen die Männlein etwas weiter hinaus, abermals einen Kreis bezeichnend.
Ur-wu verkündete, daß das die äußere Linie des Grabens sein werde. Sie sollten sie nur auch gleich festlegen.
Als dies geschehen war, liefen die Kleinen eilfertig zwischen den arbeitenden Männern hin und her. Bald schoben sie den einen, der achtlos die vorgezeichnete Grenze nicht Innehielt, beiseite, bald spornten sie einen anderen zu rascherer Arbeit an. Sie zeigten auch bessere Handgriffe.
Jeder Tuimah-Mann hatte zwei Schwarze neben sich, deren Arbeit er überwachen mußte. Diese taten, was ihnen befohlen wurde, aber augenscheinlich, ohne den Sinn der Arbeit zu begreifen. Dagegen lachten sie den Kleinen freundlich zu wie guten Freunden. Was die Tuimah nur ausnahmsweise schauen durften, das schien ihnen vertraut zu sein.
Tagelang blieben die fern, die nach den Tieren ausgezogen waren. Niemand beunruhigte sich deswegen. Wenn die Kleinen mit ihnen waren, standen alle in Anus besonderem Schutz.
Der Graben war fast vollendet. Er war sehr tief geworden. Die Kleinen hatten die Schwarzen mitgenommen, um die Stachelgewächse auszugraben. Sie wußten allerhand Stellen, wo der Boden nicht so fest war. Außerdem zeigten sie, wie man auch wurzellose Teile der Pflanzen einsetzen könne, die weiter gedeihen würden.
Die Tuimah wollten nur den Grund der Grube bepflanzen, indessen wiesen die Kleinen sie an, auch die Wände bis oben hin mit den Stachelträgern zu bestecken. Später zeigte sich, wie weise dieser Rat gewesen.
Gerade an dem Tage, als der Graben vollendet war, kehrten die Tierfänger heim. Eine Menge ganz junger Wildtiere führten sie mit sich.
Es waren bräunliche, zottige, hochbeinige Junge mit langen schmalen Schnauzen und spitzen Ohren. Die kleinen Tiere schnappten nach allem, was sich ihnen nahte. Sie waren ungebärdig, zeigten aber doch, dar sie Ihre Begleiter von den andern Männern wohl zu unterscheiden vermochten.
Auf Rat der Kleinen hatte ein bestimmter Mann sie gefüttert, dem waren sie besonders ergeben, sodaß er dazu bestimmt wurde, die Tiere nach Anweisung der Kleinen abzurichten.
Nach dem sonderbaren Laut, den sie häufig von sich gaben, nannten die Männer sie U-au, und bald gewöhnten die Pfleglinge sich an diesen Namen und eilten herbei, wenn sie gerufen wurden.
(Fortsetzung folgt)
Fragen-Beantwortungen
durch Abd-ru-shin
Frage: Als ernster Leser der Gralsbotschaft Abd-ru-shins „Im Lichte der Wahrheit“ will ich auch den so bedeutungsvollen Vortrag über das Gebet in mir zum Leben bringen.
Dabei empfinde ich, daß es doch ein großes Geschenk für viele Menschen sein würde, wenn Abd-ru-shin eine grundlegende Form für das Gebet im Alltag nennen wollte, an die man sich halten kann. . . . .
Antwort: Es ist dies nicht die erste Anregung dazu, deshalb gab ich für den Leserkreis die Grundlage eines Morgengebetes, eines Tischgebetes und eines Abendgebetes, deren Sinn der Stellung des Menschen in der Schöpfung entspricht. Wenn der Mensch sich bemüht, die gegebenen Worte nicht nur „herzubeten“, wie es bei den meisten Menschen geschieht, sondern sie dabei gesammelt innerlich zu empfinden, also mitzuschwingen, so ersteht das wirkungsvolle Gebet, wie es der Mensch auszusenden fähig ist. Meine Worte sollen nur den äußeren Halt dazu geben und die Empfindung stützen.
Die Gebete lauten:
1. Morgengebet:
„Dein bin ich Herr!
Mein Leben
soll nur Dir zum Danke sein,
o nimm dies Wollen gnädig an
und schenke mir dazu
auch diesen Tag
die Hilfe Deiner Kraft!“
Amen.
2. Abendgebet:
„Herr der Du über allen Welten thronest,
ich bitte Dich,
laß mich die Nacht
in Deiner Gnade ruhen!“
Amen.
3. Tischgebet
„Herr! Du gibst uns gnadenvoll
in Deiner Schöpfung Wirken
den für uns immerdar bereiten Tisch!
Nimm unsern Dank für Deine Güte!“
Amen.
Frage: Viele Bibelgläubige halten so sehr an den „Wundern“ Jesu fest Wie erklärt Abd-ru-shin das Wunder der Speisung von fünftausend Menschen mit einigen Broten und Fischen? Eine Vermehrung der Speise ins tausendfache. ist ja nach den Schöpfungsgesetzen ausgeschlossen.
Antwort: Auch darüber ist ausführliche Erklärung gegeben in den Niederschriften, die das Leben Jesus auf Erden wiedergeben. Wie stets und auch heute noch, sind damals unter den Menschen Gerüchte entstanden, die nicht nur die gesprochenen Worte Jesus' entstellten, sondern auch um seine Person selbst bis ins Ungeheuerliche gesteigerte Geschichten woben, die jeder tatsächlichen Grundlage entbehren.
Jesus selbst war oft entsetzt, wenn er zum ersten Mal an einen Ort kam zu dem derartige Gerüchte schon vorausgeeilt waren, die ihn an der Menschheit verzweifeln lassen mußten. Zu diesen Gerüchten gehörte auch die Erzählung über die Speisung der fünftausend Menschen, die den Tatsachen nicht entsprach, Wohl hörten ihm fünftausend Menschen zu, er speiste sie dabei mit dem Worte Gottes, das dem Geiste Speise und Trank ist, aber nicht mit irdischen Dingen.
Dies alles ist geschildert in den Büchern „Verwehte Zeit erwacht“.
Mir selbst ist es ja in den letzten Jahren nicht anders ergangen. Es sind Gerüchte verbreitet worden, welche den Tatsachen gegenüber wirklich lächerlich sind. Man könnte so vieles als eine Beleidigung der Menschheit bezeichnen, der zugemutet wird solche Dinge zu glauben. Selbst in der nächsten Umgebung meines Wohnsitzes wird in Tageszeitungen von einem Schloß, manchmal von einer Burg und sonstigen Dingen berichtet, während ich in einem ganz bescheidenen Hause wohne, was leicht festzustellen ist. So wird auch von Vorgängen erzählt, die nur krankhaft veranlagten Gehirnen entspringen können oder . . . gewollt bösen Absichten, um die Menschen davon abzuhalten ernsthaft an meine Botschaft heranzutreten.
Der Grund dazu kann natürlich an vielen Stellen nur die Furcht sein, daß durch das Bekanntwerden mit meinem Worte die Menschengeister freudig erwachen und zum tiefen Nachdenken über Dinge kommen, deren Erklärung sie in meiner Gralsbotschaft „Im Lichte der Wahrheit“ finden und sonst nirgends.
Nicht anders war es zu Jesus Erdenzeit. Teils aus Phantasie heraus und Übertreibung, teils aus Übelwollen wurden Gerüchte erfunden und verbreitet. Wenn dann die Menschheit an die Erzählungen glaubte und Jesus konnte entsprechende Bitten an anderen Orten nicht erfüllen, weil sie mit den Schöpfungsgesetzen nicht übereinstimmten, so mußten die Menschen wähnen, daß er nur nicht wollte! Es wurde damit geschickt Groll ausgesät. Leider wurden auch die falschen Gerüchte für später festgehalten und kamen somit in die Überlieferungen.
Die Menschen brauchen aber doch nur wach zu sein und sich heute ihre Mitmenschen betrachten, so werden sie auch ohne weiteres die Erklärungen von vielen Widersprüchen aus früherer Zeit finden; denn heute sind die Menschen noch genau so, wie sie auch früher schon waren.
Wenn jemand in hundert Jahren heutige Berichte in Zeitungen aus meiner nächsten Umgebung liest, so ist es nicht erstaunlich, wenn er den darin verbreiteten Gerüchten willig Glauben schenkt in dem Wahne, daß alles doch wahr sein müsse, wenn es in der nächsten Umgebung berichtet wurde.
Öffnet Auge und Ohr,
damit Tropfen des Lichtes
guten Boden finden:
Erfolgen Heilungen bisher als unheilbar geltender Krankheiten, so ruht darin keine Veränderung der Naturgesetze, sondern es zeigt nur die große Lücke der menschlichen Wissens. Um so mehr muß es als eine Gnade des Schöpfers erkannt werden, der einzelne Mensch hier und da mit besonderer Kraft begabt, die sie zum Heile leidender Menschen verwenden können. Immer aber werden es nur solche sein, die sich allem Dünkel einer Wissenschaft fernhielten, da das erdgebundene Wissen die Fähigkeit, höhere Gaben entgegenzunehmen, ganz naturgemäß erstickt.
* * *
Die Taufe ist eine Handlung, die nicht jeder von irdischen Kirchenleitungen eingesetzte Mensch wirkungsvoll vornehmen kann. Dazu gehört ein Mensch, der mit dem Lichte in Verbindung steht. Nur ein solcher vermag Licht zu vermitteln. Diese Fähigkeit aber wird nicht durch irdisches Studium, nicht durch kirchliche Weihe oder Amtseinsetzung erreicht. Sie hängt überhaupt nicht mit irdischen Gebräuchen zusammen, sondern ist lediglich ein Geschenk des Höchsten selbst.
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Der Mensch ist ein Geschöpf, nicht ein Teil des Schöpfers, wie sich so mancher einzureden versucht. Der Mensch ist und bleibt ein Werk, wird niemals Meister werden können.
Es gibt keine größere Gefahr für eine Sache, als eine Lücke zu lassen, deren Füllungsnotwendigkeit vielfach empfunden wird. Es hilft dann nichts, darüber hinweggehen zu wollen; denn eine derartige Lücke hindert jeden Fortschritt, und wird, sobald darüber ein Bau errichtet ist, diesen eines Tages zusammenbrechen lassen, auch wenn er mit größter Kunstfertigkeit und mit wirklich gutem Material ausgeführt ist.
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Der Menschheit ist nur durch volles Erfassen ein Aufstieg möglich, niemals durch blinden, unwissenden Glauben!
Wer in ;der Folgerichtigkeit noch Lücken läßt und dafür blinden Glauben fordert, der macht den vollkommenen Gott zu einem fehlerhaften Götzen und beweist, daß er den rechten Weg selbst nicht hat, und deshalb auch nicht sicher zu führen vermag. Das sei jedem ernsthaft Suchenden zur Warnung!
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Die mehr oder weniger ausgeprägte körperliche Scham des Erdenmenschen Ist der unmittelbare Maßstab für seinen inneren geistigen Wert! Dieser Maßstab Ist untrüglich und jedem Menschen leicht erkennbar. Mit Erdrosselung oder Wegräumung des äußeren Schamgefühles wird auch gleichzeitig stets das viel feinere und ganz anders geartete seelische Schamgefühl erstickt und damit der innere Mensch wertlos gemacht.
Abd-ru-shin.
Buchbesprechung:
„Verwehte Zeit erwacht.“
Einblick in die Schicksalsbahn des Weltenrades durch vom Licht Begnadete. Band II und Band III.
Die beiden Bücher stellen In ausgewählten Kapiteln kurz ausgedrückt eine Geschichte der Geistesentwicklung der Menschheit dar, eingebunden in die historischen Geschehnisse der jeweils erzählten Zeitabschnitte.
Geschildert sind Ausschnitte aus den Geschichtsperioden, welche gewissermaßen die Höhe- oder Wendepunkte in der Kultur- und Geistesentwicklung der Menschen waren.
Wir hören von dem sagenhaft umstrittenen und unterge-gangenen Atlantis, wir werden in das Reich der Inkas geführt, die Im Besitz von Mittel-Amerika und weiten Teilen Süd-Amerikas nicht nur ein großes politisches Weltreich hatten, sondern auch staatspolitisch, wirtschaftlich und künstlerisch auf einer Höhe des Menschendaseins weilten, wie sie sich nicht oft durch die Geschichte der Völker zieht.
Wir erfahren in ausgewählten Kapiteln Näheres über Wesen, Art und Namen Parzivals, einer hohen religiösen Geistesgestalt, die mit dem Menschheitsschicksal eng verknüpft, nur in legendären Überlieferungen bis jetzt bekannt ist.
Die auch in der Bibel so wichtige Gestalt Johannes des Täufers wird uns in neuer, richtiger Beleuchtung dargestellt.
In Band III wird uns Kunde über Ägypten, das Land der Pharaonen, welche ähnlich wie das Reich der Inkas einst einen Höhepunkt kultureller und religiöser Entwicklung darbot und nach steilem Aufstieg ebenso jäh abstürzte in den Verfall, nachdem Fürstengeschlechter, Priester und Volk sich von der Wahrheit abgewendet hatten.
Der erste Teil dieses Bandes III nennt sich: „Ringen nach der Wahrheit“, also Vorbereitung. Hier hörten wir über Ägypten.
Der zweite Teil: „Und als das Wort der Wahrheit kam“, also Erfüllung. Wir hören hier Unbekanntes aus dem Leben des Gottessohnes Jesus, das Evangelium Johannes und die Apostelgeschichte.
Man könnte einwenden, daß diese Darstellungen ja schon in der Bibel vorhanden sind.
Dies ist aber das Neuartige des Buches, daß die Darstellung für unsere Begriffs- und Vorstellungswelt so gegeben ist, daß sich lückenlos alle Geschehnisse zwangsläufig ineinander fügen, nicht nach der dichterischen Darstellung eines Menschen, sondern aus der Intuitiven Schau der Wirklichkeit heraus.
Der dritte Teil lautet: „Das Wort der Wahrheit in der Menschen Hand", Bilder aus der deutschen Geschichte.
Deutsche Kulturgeschichte, deutsche Geistgeschichte der Frühzeit im Spiegel der göttlichen Erkenntnis, wie sie später Christus als Bote Gottes den Menschen gebracht hat. Wahrlich, ein Suchen nach einem Wissen, das schon viele Menschen sehnsuchtsvoll erfüllt hat. Das deutsche Volk in der Kraft und Reinheit und der Lebensstärke seiner Frühzeit als Vorbild gottgewollter Einfügung In die natürlichsten Schöpfungsgesetze.
Die Darstellung ist unabhängig und völlig entkleidet von allem Beiwerk rein materialistisch - geopolitischer
Erwägungen und nur aus dem Gesichtspunkte der wirklichen Geschehnisse heraus entstanden. Im Sinne der Wahrheit des von Christus gebrachten Wortes zu leben heißt nicht eindeutig geknüpft sein an die Christianisierung, da ja der Begriff des Christentums ein irdisch-religionsgeschichtlicher 'geworden ist.
Wir lesen in der Auswahl aus der deutschen Geschichte Miniaturen über das Leben der Germanen, ihre Rechtsprechung. Vor unserem Auge werden die Gestalten einiger der großen führenden Männer lebendig, wie sie im Sinne der Wahrheit oder gegen den Sinn der. Wahrheit gewirkt haben. Es treten uns entgegen: Hermann der Befreier, Bonifatius, Karl der Große, Otto von Bamberg, Bernhard von Clairvaux, Arnold von Brescia und Friedrich Barbarossa.
Die beiden. Bücher sind ergänzende Geschichtswerke zum Lebensinhalt der Botschaft, nur Ist diese Geschichte nicht trocken und vom Aktenstaub überstreut, sondern lebendig empfunden in der blutwarmen Darstellung miterlebender, empfangender Erzähler.
Die Sprache ist bei aller Sachlichkeit von einer dichterischen Schönheit, die man im höchsten Sinne als musikalisch bezeichnen kann.
Der Vorspruch von Band III lautet also:
„Stimmen, Stimmen in dem All!
Sie drängen und bitten, flehen und rufen,
Um sich zu lösen von drückender Schuld,
Oder erleuchtend die Wege zu bahnen,
Welche die Menschen der Wahrheit zuführen.“
Dr. A. F.
Mitteilungen an die Leser.
Die von Abd-ru-shin gegebenen Gebete werden zur Zeit von einem Künstler bildhaft dargestellt und sind in wenigen Wochen durch den Verlag zu beziehen. Jedes Gebet als Bild mit Text für sich, zur Einrahmung und Ausschmückung der Schlaf-, Wohn- und Speiseräume geeignet.
VERLAGS-A.-G. „DIE STIMME“
Zürich 7, Drusbergstraße 17
Telephon 46.575 - Postcheckkonto VIII 5345
Abonnementspreise
Monate: 1 2 3 6 12 1,60 3.20 4.80 9.60 19.20
Fürs Ausland 30 Cts. mehr.
Inhalt:
Seite
1. Spruch. Von Susanne Schwartzkopff. . . . . . . . . 4
2. Gewitter Von Susanne Schwarztkopff. . . . . . . 5
3. Der Boden wahrer Freundschaft. Von Lucien Siffrid. 7
4. Des Menschen heiligster Beruf. Von Ernst Laute. 12
5. „Erde“. Von Hermann Wenng. 18
Der erste Schritt. Von Abd-ru-shin. 30
Die Hüter des Gartens. Von Maria Halseband. 35
In den Wäldern Afrikas. (2. Fortsetzung) 40
9. Fragen-Beantwortungen durch Abd-ru-shin. 50
10.Tropfen des Lichtes. Von Abd-ru-shin. 54
11.Buchbesprechung . . . . . . 55
12. Mitteilungen an die Leser. . . . . 59
Herausgeber: Verlags A.- G. „Die Stimme”, Zürich, Drusbergstraße 17.
Verantwortlich: Für die einzelnen Artikel und Mitteilungen die
Verfasser. Für den übrigen Teil: Herr Arthur Giese, Zürich.